Woche 52: So schlimm nun wirklich nicht

Montag: „Vielen Dank euch für das wunderschöne Jahr“, sagte der Projektleiter in einer kurzen Weihnachtsansprache. Motivation kann er.

Statt Weihnachtsmarkt und anschließendem Restaurantbesuch traf sich unsere Abteilung abends auf dem Monitor, erstmals mit bewegten Bildern, woanders längst an der Tagesordnung, von mir bislang nicht vermisst. Zunächst plauderten wir ein wenig und empfingen chefliches Lob, begleitet von Eierlikör, den der Geliebte diskret von der Seite reichte und den ich aus Gründen des Anstandsanscheins außerhalb der Kamerareichweite einnahm. Danach nahmen wir an einem dreistündigen Event teil, bei dem es galt, einen reichlich absurden Kriminalfall um eine entführte Weinkönigin zu lösen, was Menschen so tun und zu bezahlen bereit sind, wenn sie viel Zeit haben. Bereits nach weniger als zehn Minuten verlor ich aufgrund der zahlreichen handelnden Personen und bereitgestellten Informationen erst den Überblick, dann das Interesse an einer Mitwirkung, was nur zu einem sehr geringen Teil auf den Eierlikör zurückzuführen war. Ich glaube, für manches bin ich einfach zu alt, das ist nicht schlimm. Übrigens versagte unsere Gruppe kläglich: Am Ende verglomm die Weinkönigin in einer Explosion und die gesamte Weinernte der Region Rheinhessen wurde durch ein rätselhaftes Gift vernichtet. Wie gesagt, reichlich absurd das ganze. Und drei Stunden können sehr lang sein.

Dienstag: „Was macht das mit den Menschen?“, fragte morgens die Radiotante auf WDR 2 den Bundesgesundheitsminister. Ich habe einen zeitweise empfindlichen Zahn, der dritte oder vierte unten links. An manchen Tagen, ich weiß nicht, wovon es abhängt, vielleicht vom Wetter, dem Luftdruck, dem Hormonhaushalt, was auch immer; an diesen Tagen also durchzieht ihn ein kurzes Stechen, wenn er mit etwas Warmen in Berührung kommt. Dauerhaft hingegen wohnt in mir eine Empfindlichkeit gegen die Frage, was irgendetwas mit irgendwem macht. Jedes Mal, wenn ich das hören oder lesen muss, durchzieht mich ein kurzer, heftiger Schmerz in einer nicht näher zu lokalisierenden Hirnregion.

Sehr gefreut habe ich mich hierüber: „In einem anderen, sehr geschätzten Blog fand ich heute ein kleines Zitat rund um meinen kreativen Umgang mit Personalpronomen und gendergerechten Sprachkonstrukten und ich möchte dazu feststellen: Doch doch, nattürlich lese ich mit!“

Apropos sehr geschätztes Blog – auch schön: „Andere Menschen machen ja überhaupt vieles anders, das ist immer wieder irritierend.“ Gelesen hier.

Mittwoch: Gestern Abend schrieb mir Nachbar- und Leserin M., in diesem Blog würde nur gemeckert und kritisiert. Das liegt mir fern, vielmehr sehe ich mich als einen überwiegend ausgeglichenen und optimistischen Menschen, aber das ist ja immer so eine Sache mit Fremd- und Selbstbild. Nur gibt es halt immer wieder mitmenschliche Verhaltensweisen und Wortgeklingel, die unkommentiert zu lassen mir schwer fällt.

Im Übrigen stimmen Sie mir vielleicht zu, wenn ich behaupte, „In der Weihnachtsbäckerei“ ist ein ganz besonders unnötiges Lied.

Donnerstag: „Das Virus kennt keine Feiertage“, sagte mal wieder einer. Ja. Ich glaube, allmählich haben wir das verstanden und möchten es nicht mehr hören. – „Schöne Freiertage“ war der Verschreiber des Tages; glücklicherweise bemerkte ich ihn vor Absenden der Mail, man weiß ja nie, wie Leute auf sowas reagieren, auch wenn es unbeabsichtigt geschieht.

Den letzten Arbeitstag dieses Jahres beendete ich, wie schon die drei vorausgegangenen, dank ausreichend gefülltem Gleitzeitkonto und weitgehend abgearbeiteter Aufgabenliste frühzeitig, daher kam ich mittags noch vor dem einsetzenden Kaltregen zu Hause an, wo meine Lieben, deren letzte Arbeitstage schon länger zurück lagen, den Frühstückstisch bereitet hatten.

Nun also Heiligabend. In diesem Jahr auffallend ruhig draußen, keine Autos, die sich in unserer engen Straße auf dem Weg in die und aus der Tiefgarage böse gegenseitig anhupen, keine Menschen, die mit vollgepackten Taschen vorübereilen. Nur der Paketbube brachte mittags zwei letzte Pakete, davon eins für mich, worüber ich mich sehr gefreut habe, da es ein unerwartetes Kollegengeschenk enthielt.

Drinnen dagegen zeitweise leichtes Knistern, da Raumpflegedrang und Essensvorbereitungen ein brisant-interessantes Spannungsfeld bildeten.

Doch zog bald festliche Harmonie ein. Am frühen Abend kam es gar zu Gesang mit der Nachbarschaft, selbstverständlich unter Beachtung der gebotenen Abstandsregeln. Auch wenn es sich aufgrund der Qualität nicht unbedingt für die Verbreitung per Tonaufnahme eignete, bereitete es den unmittelbar Beteiligten Freude, aus einem fernen Fenster kam gar Applaus. Wer weiß, vielleicht war das der Auftakt für eine Tradition, die entstehen ja nicht selten aus den seltsamsten Anlässen, siehe Weihnachten.

Freitag: Dieses Weihnachten würde das schlimmste der Nachkriegszeit, hatte unser Ministerpräsident kürzlich behauptet. Statt familiärer Besuchspflichten heute ein Spaziergang, Sofa und Tee. Das ist so schlimm nun wirklich nicht.

Nachmittags wurde ein neues Haushaltsgerät in Betrieb genommen, das seit gestern den heimischen Maschinenpark bereichert.

Samstag: Vor dreißig Jahren, als ich noch evangelischer war, blies ich Trompete im Posaunenchor des CVJM Bielefeld-Stieghorst. Am schönsten fand ich das immer zur Weihnachtszeit; eines der großartigsten Stücke, mit dem traditionell an Heiligabend der Haupt-Gottesdienst um achtzehn Uhr eröffnet wurde (und vielleicht immer noch wird beziehungsweise in diesem Konjunktiv-zwei-Jahr worden wäre), war „Hoch tut euch auf“ von Christoph Willibald Gluck. Noch heute geht mir beim Hören das Herz auf und leichte Feuchte umspielt die Augen. Hören Sie selbst, vielleicht verstehen Sie, was ich meine.

Sonntag: Die Weihnachtswoche endete appetitlos, trübe, kalt und regnerisch. Das hielt mich nicht vom Sonntagsspaziergang ab, wenn auch nur kurz runter an den Rhein und durch die Nordstadt zurück. Ein Sonntag ohne Spaziergang ist für mich mittlerweile so unvollständig wie für andere Weihnachten ohne Amazon. Am Rhein saßen die Möwen zusammen mit ein paar Enten und Tauben, allesamt vom Wind sorgsam in Richtung Süden ausgerichtet, als schauten sie dem Gebläse entgegen und dächten: Menno (oder was Vögel so denken, wenn sie mit der Situation unzufrieden sind), wann hört das endlich auf?

Dies ist gleichzeitig mein voraussichtlich letzter Beitrag zur Blogaktion „Foto der Woche“ von Aequitas et Veritas, die am kommenden Donnerstag endet.

Woche 52: Traumreisen und Tütensuppe

KW52 - 1

Montag: Wo Menschen unterschiedlichen Charakters zusammenleben, kommt es mitunter zu Reibungen, auch und gerade so kurz vor Weihnachten. Doch verursacht Reibung bekanntlich Wärme, und die können wir gut brauchen, nicht nur zu Weihnachten.

„Viel­falt stei­gert das Auf­nah­me­ver­mö­gen: beim Kunst­ge­nuss, bei der Pfle­ge von Freund­schaf­ten. Manch­mal beim Sex. Ein kom­ple­xes The­ma“, so die Ernährungsforscherin Bar­ba­ra Jean Rolls im SPIEGEL auf die Frage, ob wir mehr essen, wenn das Angebot abwechslungsreich ist.

Vor fast genau sieben Jahren, konkret am 20.12.2012, endete ein TagebuchEintrag so: „Ach ja, laut Maya-Kalender geht morgen angeblich die Welt unter, somit war dies dann der letzte Eintrag. Sollte es so sein: Mein Leben auf dieser Erde war sehr schön!“ Drei Tage später dieses: „Wider Erwarten ist die Welt am Freitag doch nicht untergegangen. Stattdessen war ich am Freitagabend in der Stadt, Weihnachtsgeschenke kaufen; viel schlimmer hätte ein Weltuntergang auch nicht sein können.“

Dienstag: Während ich die Autos auf den Straßen und die Menschen auf den Bahnsteigen betrachte, frage ich mich, um wie vieles diese Welt friedlicher sein könnte, wären wir nicht bestrebt, ständig den Aufenthaltsort zu wechseln und Waren durch die Gegend zu schicken. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

Mittwoch: Zum Beispiel von Bonn nach Ostwestfalen, wo wir heute und morgen den familiären Fest-Pflichten nachkommen. Wofür braucht man eigentlich Weihnachten?

Das Wort „Engentado“ kommt übrigens aus dem Spanischen, es bezeichnet den Wunsch nach Einsamkeit.

Donnerstag: Alle Lieben gesehen, alle Geschenke* verteilt und empfangen, viel gegessen und (vielleicht etwas zu viel) getrunken, viel gelacht, unter anderem über freilaufende Eier und die Frage: „Wo waren wir nochmal morgen?“ Gestaunt über ein Feuerzeug: Nicht eines mit gas- oder benzingenährter Flamme, sondern klimaschonend elektrisch, mit Lichtbogen oder so, fragen Sie mich nicht. Das Erstaunliche daran war allerdings nicht die Antriebsart, sondern ein Nebeneffekt. Bei Betätigung erzeugt das Gerät einen offenbar äußerst fiesen Ton, den nur Menschen unter dreißig wahrnehmen. Von so etwas hörte ich schon mal, dabei ging es, wenn ich mich recht erinnere, um Geräte zur Vergrämung Jugendlicher von beliebten Lungerstätten. Nun erlebte ich es in eigener Anschaung: In der anderen Ecke der Stube gaben sich die in den Zwanzigerjahren und somit der frischen Blüte ihres Lebens stehenden Neffen und Nichten dem Kartenspiel hin, mit richtigen Papierkarten und nicht etwa einer Kanaster-App. Jedes Mal, wenn nun jemand im Raum das Ding anschaltete, hielten sie sich schmerzverzerrt die Ohren zu und riefen herüber „Aua, mach das aus!“, während wir Alten beim Geplauder über vergangene Zeiten nicht den leisesten Piep vom Feuerzeug ausgehend hörten. Auch die älteste Nichte hörte nichts und fand das richtig doof, weil sie mit ihren zarten zweiunddreißig sich demnach nun auch zu den Alten zugehörig fühlen darf.

An den zwei Tagen etwa fünfhundert Kilometer mit dem Auto gefahren, nachmittags wieder zu Hause. Jetzt kann Weihnachten beginnen.

Woanders auch: „Wir schauten dann die erste Folge Schwarzwaldklinik in der Mediathek um unsere Gehirnzellen auf das traditionelle Traumschiff-Gucken heute Abend herunter zu kühlen …“

* Ach so, nein, nicht alle, ein Geschenk fehlt noch. Das bereite ich mir morgen selbst.

Freitag: Leider ist mein persönliches Selbstgeschenk im zuständigen Fachgeschäft vorübergehend ausverkauft, anscheinend bin ich nicht der einzige Verrückte, der das haben muss. Voraussichtlich im Januar kommt es wieder rein. Das ist nicht schlimm, im Januar freue ich mich auch noch über den Anruf des Fachhändlers, wenn die Ware eingegangen ist. Das finde ich im Übrigen schöner, als es irgendwo zu bestellen und dann auf das Paket zu warten. – Was es ist? Das wird nicht verraten, sonst ist es ja keine Überraschung. Also gut, ein kleiner Hinweis: die 87-fache Verkleinerung eines Gegenstandes, der an einem Montag schon einmal hier Erwähnung fand.

Auf den Besuch des Fachgeschäfts folgte ein nachweihnachtlicher Spaziergang durch die Stadt und an den Rhein. Ohne Notwendigkeit und konkretes Ziel durch die Gegend laufen zu können ist auch ein Geschenk, zudem äußerst kostengünstig.

„Was für ein kleiner Player“, hörte ich im Vorbeigehen eine junge Frau zu einer anderen sagen. Ich weiß nicht, um wen oder was es dabei ging, nach einer Liebesbezeugung klang es jedenfalls nicht.

Aus einem Zeitungsbericht zum 25-jährigen Bestehen der Telekom: „Ausländische Sex-Dienste wurden auf Handvermittlung umgestellt, die Nutzung ging stark zurück.“

Samstag: Abends aßen wir beim Spanier an der Ecke. Mit an unserem Tisch saß ein junges Paar. Zwar gelingt es mir mit zunehmendem Alter immer weniger, bei Hintergrundgeräuschen wie Gaststättengeraune anderer Leute Gespräche zu folgen (was ich nur selten als nachteilig empfinde), doch war offenbar, dass sich beide noch nicht lange kannten, vielleicht hatten sie sich erst kurz zuvor auf Tinder zusammengewischt. Ihn hörte ich fragen: „Du fertigst dann so die Packages?“ Vielleicht war sie in der IT-Branche tätig oder bei einem Versandhändler, was weiß ich, wo überall Packages gefertigt werden. Zwischendurch minutenlange Gesprächspausen, in denen sich dem jeweils eigenen Datengerät gewidmet wurde, vielleicht tinderten sie schon nach dem nächsten Partner, angeblich wollen sich die jungen Leute ja nicht so schnell festlegen, erst recht nicht bei der Partnerwahl. Doch sparte man unterdessen nicht mit dem Austausch von Zärtlichkeiten über Hand und Mund, auch in Kombination. Immerhin, und dafür bin ich den beiden wirklich dankbar, verzichteten sie darauf, sich gegenseitig Speisen zum Mund zu führen, wie man das aus Reklame für Beziehungsbörsen, Traumreisen und Tütensuppe kennt. Hoffen wir, dass der Abend und die Nacht noch einen für beide zufriedenstellen Verlauf nahmen. Ich an ihrer Stelle hätte ihn jedenfalls nicht mehr alleine in die Kälte entlassen, aber das ist ein anderes Thema.

Sonntag: In der Nacht kam ich sehr schlecht in den Schlaf, erst nach vier Uhr betrat ich das Reich wirrer Träume. Was mich solange wach hielt, war weniger die Sorge um das junge Liebesglück, vielmehr verdächtige ich den Espresso nach dem Essen in Verbindung mit den Kaffeebohnen im abschließenden Sambuca. Während ich mich wälzte, fielen mir folgende Zeilen ein:

Nimmst du Kaffee nach dem Essen / kannst die Nachtruh‘ du vergessen.

Nimmst du Kaffee vor der Nacht / bis du um den Schlaf gebracht.

Nimmst du Kaffee nach dem Nach- / tisch liegst du bis morgens wach.

Zugegeben, hinsichtlich der poetischen Qualität eher flachwurzelnd, jedoch immerhin erstaunlich, dass ich mir diesen Mist bis nach dem Aufstehen merken konnte.

Ansonsten erfuhr mein Leben während des Sonntagsspaziergangs insofern einen Wendepunkt, als dass ich nunmehr weiß, es gibt Fabrikschilder für Gehwegplatten.

KW52 - 1 (1)

Noch was zum Thema Alter – Hier bei Frau Postman gelesen und für gut befunden:

„In letzter Zeit – nein, eigentlich schon länger – denke ich oft, wie gut, dass ich nicht mehr so jung bin, dann werde ich die ganz grossen Katastrophen, auf die diese Welt scheinbar unaufhaltsam zusteuert (ich bitte, diese trivial-pathetische Ausdrucksweise zu entschuldigen, ich bin irgendwie noch im Weihnachtsmodus….), höchstwahrscheinlich nicht mehr erleben. Das ist noch nicht mal immer so ein schlimmer Gedanke, da es mich, logisch, mit dem Verstreichen meiner Lebenszeit ein klein wenig versöhnt.“

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Verkehrsminister entlassen werden sollte.

 

Übergebäck

Friede, Freude, Weihnachtszeit,

Lichterglanz, Besinnlichkeit.

Ruhe, Muße –

Doch stattdessen:

Keine Zeit, wir müssen essen.

.

Gebrannte Mandel oder Nuss,

Nougat, Spekulatius,

Dazu Punsch, geglühter Wein,

Bratwurst und Dominostein.

Schokolade als Figürchen

Hinter dem Kalendertürchen.

.

Gänsekeule, Rotkohl, Obstbrand,

Bis zum akuten Magenstillstand.

Kartoffeln, Brot aus Marzipan

Ich langsam nicht mehr sehen kann.

Kekse, Plätzchen allerorten,

Danke, Nein! – Mit andren Worten:

.

Tochter Zion, freue dich –

Mir reichts, drum bitte ohne mich.

Der bunte Teller wird nicht leer.

Sei es drum: Ich kann nicht mehr!

Aufgewärmt: Von einem anderen Stern

Aus gegebenem Anlass erlaube ich mir, einen älteren Aufsatz behutsam aufzuwärmen und ihn Ihnen erneut zur Lektüre zu geben. Ich bitte um Verständnis.

***

KW49 - 1 (2)

Bald feiern wir wieder das Fest des Kindes. Der Legende nach wurde es vor etwa zweitausend Jahren in Bethlehem geboren, nachdem es auf rätselhafte Weise in den Bauch einer gewissen Maria geraten war. Mit Vaterschaftstests und Unterhaltsklagen waren sie damals noch nicht so weit, daher kam Josef mit seiner War-ich-nicht-Nummer nicht durch, stattdessen musste er die Dame auf ihrem Weg durch Nacht und Kälte begleiten. In Bethlehem hatten sie Pech: Wegen einer Verbrauchermesse waren alle Hotels und Pensionen belegt oder überteuert, daher rasteten sie in einem zugigen Stall, wo das Kind schließlich unter den desinteressierten Blicken eines Ochsen und eines Esels zur Welt kam.

Drei Messeteilnehmer aus dem Morgenland waren spät dran, weil sie sich uneins waren über den Weg nach Bethlehem, bis einer von ihnen das Laserlicht entdeckte, das seit Tagen von der Messehalle aus in die Wolken strahlte. Als sie endlich ankamen, entdeckten sie den Stall, irrtümlich hielten sie das ganze für die sehr gelungene Warenpräsentation eines innovativen Leuchtmittelherstellers, dessen Produkte offenbar ganz ohne Flamme auskamen, die Kopfbeleuchtung des Babys strahlte besonders hell. Daher überreichten sie ihre Karten und einigen Kram von geringem Gebrauchswert, den sie in ihren Jackentaschen gefunden hatten. Josefs Frage nach einem wärmenden Schluck beschieden sie hingegen abschlägig, da ihre Cognacvorräte auf der langen Anreise schon draufgegangen waren.

Aus dieser mündlich überlieferten Begebenheit sind schließlich Weihnachten, Lichterketten und Glühweinbuden entstanden. Seitdem hat sich viel getan. Heute glauben die Kinder nicht mehr an drei nette Herren aus dem Osten, sondern an einen dicken Mann in rotem Gewand mit weißem Rauschebart und das Christkind, die unter Absingen von ‚“Last Christmas“‘ die Geschenke bringen, bevor sie wieder durch den Schornstein verschwinden – im Zeitalter der feinstauboptimierten Zentralheizung schon schwer vorstellbar, selbst für das gutgläubigste Kind. Apropos kindlicher Glaube: Früher, so mit vier oder fünf, glaubte ich, es hieße ‚Kristkind‘, weil es, während es die Geschenke verteilt, sagt: „Du krist (= ostwestfälisch für ‚kriegst‘) dieses Geschenk, du krist das und du das.“

Längst vorbei sind auch die Zeiten, da Neugeborene in Windeln gewickelt in einer Futterstelle für Nutztiere aufbewahrt werden, außer vielleicht in besonders ökoideologisch-traditionellen Haushalten. Dafür gibt es heute technologisch hochentwickelte Tragegefäße, welche sich mit wenigen Handgriffen in eine Babybox für Brust-, Auto- oder Fahrradbefestigung verwandeln lassen, um den Nachwuchs zum Geschenkeempfang oder zur Niedlichfindeaufforderung in die Verwandtschaft oder die Firma zu verbringen. Vielleicht wissen Sie, was ich meine: Des Kollegen Frau liegt in freudiger Erwartung. Wenige Tage später hört man auf dem Büroflur das hochfrequente Juchzen der Kolleginnen, mindestens eine Oktave über ihrer üblichen Sprechstimme. Ein vorsichtiger Blick aus der Bürotür verrät den Grund: Der junge Vater steht mit dem Tragekörbchen auf dem Flur, umringt von vor Entzückung entrückten Menschen.

Ein paar Minuten später steht der vaterstolze Kollege dann mit seinem Ableger in meiner Bürotür und sagt so etwas wie „“Sieh mal, Paul-Luca, und das ist Carsten,… sag mal hallo zu Carsten!““ Während ich mich mit gequältem Lächeln von meinem Platz erhebe und mir ein „Ganz der Papa““ abringe, sagt Paul-Luca weder Hallo, noch nimmt er überhaupt Notiz von mir. Das Desinteresse ist beiderseitiger Natur, mit Hunden und neu erworbenen Autos geht mir das übrigens genau so.

Ich gebe zu: meine Begeisterung für Neugeborene, Kinder generell, ist begrenzt, für mich sind sie so etwas wie Wesen von einem anderen Stern, mit denen ich nicht so recht etwas anzufangen weiß. Das war schon immer so, auch als ich selbst noch ein Kind war. Wenn in der Verwandt- oder Nachbarschaft ein neuer Mensch die Bühne betrat, hielt ich mich stets in sicherer Entfernung, und das Gewese, welches um diesen Neuankömmling gemacht wurde, fand ich unangemessen, schließlich hatte er bislang noch nichts geleistet außer schreien und kacken. Na ja, viel mehr konnte ich auch nicht vorweisen.

Meine Kinderlosigkeit empfand und empfinde ich eher als Segen denn als Mangel, ich vermisse diesbezüglich absolut nichts. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht habe ich Angst, meine Kinder könnten so werden wie ich. Wobei, die Geschichte mit dem Töpfchen, der A-A und der mit der Zahnbürste braun angemalten Tapete haben sich meine Eltern bestimmt nur ausgedacht, um mich gelegentlich in schlechtes Licht zu rücken. Oder um von der Nichtexistenz des Weihnachtsmannes abzulenken.

Trotzdem, oder gerade deshalb: Liebe Kinder, ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest mit vielen pädagogisch wertvollen Geschenken! Und wie das Kind in Marias Bauch kam, fragt euren Papa.

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(Ursprünglich veröffentlicht hier.)

Woche 51: Austern sind genieß-, jedoch auch verzichtbar.

Montag: Nun also Berlin. Man solle sich durch solche Ereignisse nicht in seinem Ausgehverhalten beeinflussen lassen, heißt es. Wie leicht ist das gesagt und geschrieben.

Dienstag: „Für Bonn besteht keine konkrete Gefahr“, sagt ein Behördenmensch. Dann ist es ja gut.

Mittwoch: Ein beherzter Sprung über den Schatten meines Pflichtgefühles bescherte mir heute einen freien Abend. Dennoch: Die Feuerzangenbowle auf dem Weihnachtsmarkt hatte einen leichten Beigeschmack des Bangens.

Donnerstag: Heute zum ersten Mal in dieser Saison auf WDR 2 Last Christmas gehört. Damit ist meine Hoffnung, sie hätten es endlich aus ihrem Programm gestrichen, zerborsten.

Freitag: Ich öffnete die Schatulle meines Wortschatzes, um das Wort saumselig hineinzulegen, dessen ich bei der morgendlichen Stadtbahnlektüre habhaft wurde. – Können Bahnen und Büroflure nicht immer so menschenleer sein wie heute?

Samstag: Nun singet und seid froh. – Wenn es stimmt, dass Liebe durch den Magen geht, dann steht unsere Zuneigung auch in den kommenden mindestens zwölf Monaten auf sicherem Sockel. Erkenntnis: Austern sind genieß-, jedoch auch verzichtbar.

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Sonntag: Die Weihnachtsgeschenkausbeute war sehr erfreulich, ohne Sie mit Einzelheiten langweilen zu wollen. Ein Geschenk indes verdient besondere Erwähnung: Die Ruhe, da es uns in diesem Jahr durch eine Verkettung glücklicher Umstände erspart bleibt, familiären Pflichten gehorchend durch die Gegend zu reisen.

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Wissen die, dass Weihnachten ist?

Ende 1984 sang die Band Aid, von Bob Geldorf als Hilfsprojekt für Afrika initiiert, das großartige Lied „Do they Know it’s Christmas“. Sie setzte sich aus damaligen Größen der Popmusik zusammen, wobei der besondere Reiz zum einen darin lag, dass jede Liedzeile von einem anderen Star gesungen wurde, zum anderen in den ebenfalls großartigen, von den Künstlern repräsentierten Frisuren der mittleren Achtzigerjahre. Unter anderem sangen Paul Young, Boy George, George Michael, Simon Le Bon (von Duran Duran), Sting (The Police), Bono (U2); Phil Collins, ebenfalls noch mit einer Frisur, wenn auch nicht so wallend wie die der Vorgenannten, trommelte dazu.

Das Lied wurde fortan wochenlang in allen Radiosendern rauf- und runtergespielt, und völlig zu recht hört man es noch heute zur Weihnachtszeit in der Originalversion von 1984 im Radio, ebenso wie „Last Christmas“ von George Michael und „The Power of Love“ von Frankie Goes To Hollywood, die ungefährt zur gleichen Zeit erschienen.

Mehrfach wurde „Do they Know it’s Christmas“ neu aufgelegt, wiederum mit aktuellen Stars des jeweiligen Erscheinungsjahres. Aber wie das meistens so ist mit Kopien – sie bleiben um Längen hinter dem Original zurück, erscheinen gegenüber der 1984er-Version wie seichtes Geplätscher. Auch die Frisuren vermögen nicht mehr zu beeindrucken. Daher meine Bitte an alle, die sich dazu berufen fühlen, eine weitere Version zu produzieren: lasst es, es kann nur schief gehen! (Eine diese These belegende despektierliche Bemerkung zum Weihnachtsalbum von Helene Fischer verkneife ich mir hier aus Gründen des Familienfriedens.)

Vorstehende Zeilen geben natürlich nur meinen persönlichen Geschmack wieder. Aber dies ist mein Blog, hier darf ich meinen und schmecken, was ich will. Wem das nicht passt, der kann sich ja gerne bei Facebook ausheulen.

Frohe Weihnachten!

Fröhliche Weihnachten geht anders

Je älter ich werde – und mittlerweile lasten einige der Jahre auf dem krummen Buckel -, desto weniger Lust habe ich auf Weihnachten. Das beginnt schon mit dem Ursprung dieses Festes. Wenngleich ich vor einer Vielzahl von Jahren getauft und einige später konfirmiert wurde, so gelingt es mir heute beim besten Willen nicht mehr, an die Geschichte mit der schwangeren Jungfrau zu glauben. Deshalb, und nicht nur deshalb kündigte ich vor ein paar Jahren der Institution, die uns Jahr für Jahr diese Geschichte glaubhaft machen will, die Mitgliedschaft.

Doch ginge es nur darum, wäre es mir ziemlich egal, sollen die Christen doch ihr Fest feiern, wenn sie möchten. Gegen Karnevalisten und Fußballfans habe ich ja auch nichts. Gut: gegen Fußballfans manchmal schon. Auch möchte ich Sie nicht mit dem bekannten Klagelied über den weihnachtlichen Konsumterror langweilen. Nur so viel: Wenn ich mir  e i n s  zu Weihnachten wünsche, dann ein Ende der Wünsch- und Schenkpflicht. Jedenfalls für mich selbst, nicht etwa generell, schon gar nicht für Kinder. Große Teile der Weltwirtschaft brächen weg, ginge mein Wunsch in Erfüllung, einschließlich meines eigenen Arbeitsplatzes. Indes: Es bereitet mir jedes Jahr erhebliche Mühe, für meine Lieben ein passendes Geschenk zu finden. Und auf die Frage „Was wünschst du dir?“ fällt mir schon lange keine Antwort mehr ein, außer der vorstehenden, aber das versteht leider niemand in meinem Umfeld.

Was ich auch nicht beklage, sind Begleiterscheinungen wie Lichterketten, Weihnachtsmärkte und -sterne sowie Marzipan, Lebkuchen und Dominosteine ab August. Niemand wird gezwungen, dort hinzugehen beziehungsweise das Zeugs zu kaufen. Als Marzipanmöger bin ich stets einer der ersten, die weihnachtliches Naschwerk in ihr Einkaufskörbchen legen, und ein bis maximal drei alkoholischen Warmgetränken im Kreise lieber Menschen bin ich nicht abgeneigt.

Es gibt jedoch eins, das mich alljährlich so richtig stresst, und jetzt wird es ernst; hasste ich die Redewendung „Spaß beiseite“ nicht aus tiefstem Herzen, platzierte ich sie jetzt und hier: die Familie. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – Ich liebe meine Eltern und mag die Verwandten, komme bestens mit ihnen aus, nie gab es ernste Konflikte und Krisen; das gilt in gleicher Weise für die Schwiegerfamilie, die ich sehr schätze. Wäre da nicht die Verpflichtung, Weihnachten mit ihnen zu verbringen. Weil es Tradition ist. Weil es erwartet wird. Immerhin: den Heiligabend verbringen wir schon seit Jahren in aller Gemütlichkeit hier zu Hause, ohne dass die familiären Bande ernsten Schaden genommen hätten – nachmittags „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, abends gut essen mit gutem Wein, ganz in Ruhe zu zweit oder dritt, danach zum Nachbarn hoch auf ein, zwei Glas, dann ins Bett.

Doch am ersten Weihnachtstag geht es dann los: Noch leicht bekatert mit Millionen anderen auf die Autobahn, erst zur Schwiegerfamilie, essen, trinken, Bescherung; dann, am zweiten Weihnachtstag, zu meinen Eltern, wieder essen, anschließend zurück auf die Autobahn, erst am Abend zurück, völlig erschöpft. Fröhliche Weihnachten geht anders.

Und jetzt wird es heikel, denn mich plagt mein Gewissen. Denn wir haben beschlossen, dieses Jahr hier zu bleiben, die Tage in Ruhe zu dritt mit dem lieben Freund zu verbringen. Es fühlt sich noch falsch an. Aber dieses Jahr versuchen wir es einfach mal. Und plötzlich freue ich mich wieder auf Weihnachten, jedenfalls ein bisschen. Zum ersten Mal seit Jahren.

Driving home for christmas

Nein, dies soll kein Jammertext sein über den alljährlichen Weihnachtswahnsinn: Geschenkebeschaffungsstress, Familienpflichtbesuche, unendliches Weihnachtsradiogedudel mit Pferdeschlittenschellen, Glockenklangimitationen, rot(z)näsigen Rentieren und „Christmas“ in jeder zweiten Zeile, zu viel Essen und Trinken, Niedlichfindeverpflichtung gegenüber anwesenden Kleinkindern oder jungen Hunden, die immergleichen Geschichten am Esstisch mit der Verwandtschaft. Weil hierzu schon genug geschrieben wurde, in Blogs und „augenzwinkernden“ Kolumnen. Und weil es nichts nützt, darüber zu jammern – im nächsten Jahr machen wir alles wieder genau so, weil wir es immer so gemacht haben, weil es von uns so erwartet wird.

Und doch: Als ich heute nach der Rückkehr aus der ostwestfälischen Heimat alleine durch schäbiges, nasskaltes Schneegestöber am Rhein entlang spazierte, die Ohren, Hände und Füße langsam kalt wurden, da fühlte ich mich glücklich wie seit Tagen nicht mehr.

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Vielleicht im nächsten Jahr doch mal Weihnachten anders verbringen? Oder noch besser: ignorieren?

Über das Kristkind

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Nun feiern wir wieder das Fest des Kindes. Der Legende nach wurde es vor etwa zweitausend Jahren in Bethlehem geboren, nachdem es auf rätselhafte Weise in den Bauch einer gewissen Maria geraten war. Mit Vaterschaftstests und Unterhaltsklagen waren sie damals noch nicht so weit, daher kam Josef mit seiner War-ich-nicht-Nummer irgendwie durch, genützt hat ihm das wenig, er musste die Dame auf ihrem Weg durch Nacht und Kälte begleiten. In Bethlehem hatten sie Pech: Wegen einer Verbrauchermesse waren alle Hotels und Pensionen belegt oder überteuert, daher rasteten sie in einem zugigen Stall, wo das Kind schließlich unter den desinteressierten Blicken eines Ochsen und eines Esels zur Welt kam.

Drei Messeteilnehmer aus dem Morgenland waren spät dran, weil sie sich uneins waren über den Weg nach Bethlehem, bis einer von ihnen das Laserlicht entdeckte, das seit Tagen von der Messehalle aus in die Wolken strahlte. Als sie endlich ankamen, entdeckten sie den Stall, irrtümlich hielten sie das ganze für die sehr gelungene Warenpräsentation eines innovativen Leuchtmittelherstellers, dessen Produkte offenbar ganz ohne Flamme auskamen, die Kopfbeleuchtung des Babys strahlte besonders hell. Daher überreichten sie ihre Karten und einigen Kram von geringem Gebrauchswert, den sie in ihren Jackentaschen gefunden hatten. Josefs Frage nach einem wärmenden Schluck beschieden sie hingegen abschlägig, da ihre Cognacvorräte auf der langen Anreise schon draufgegangen waren.

Aus dieser mündlich überlieferten Begebenheit sind schließlich Weihnachten, Lichterketten und Glühweinbuden entstanden. Seitdem hat sich viel getan. Heute glauben die Kinder nicht mehr an drei nette Herren aus dem Osten, sondern an einen dicken Mann in rotem Gewand mit weißem Rauschebart und das Christkind, die unter Absingen von ‚Last Christmas‘ die Geschenke bringen, bevor sie wieder durch den Schornstein verschwinden, im Zeitalter der feinstauboptimierten Zentralheizung schon schwer vorstellbar, selbst für das gutgläubigste Kind. Apropos kindlicher Glaube: Früher, so mit vier oder fünf, glaubte ich, es hieße ‚Kristkind‘, weil es, während es die Geschenke verteilt, sagt: „Du krist (= ostwestfälisch für ‚kriegst‘) dieses Geschenk, du krist das und du das.“

Längst vorbei sind auch die Zeiten, da Neugeborene in Windeln gewickelt in einer Futterstelle für Nutztiere aufbewahrt werden, außer vielleicht in besonders ökoideologisch-traditionellen Haushalten. Dafür gibt es heute technologisch hochentwickelte Tragegefäße, welche sich mit wenigen Handgriffen in eine Babybox für Brust-, Auto- oder Fahrradbefestigung verwandeln lassen, um den Nachwuchs zum Geschenkeempfang oder zur Niedlichfindeaufforderung in die Verwandtschaft oder die Firma zu verbringen. Wer kennt das nicht: Der Kollege, dessen Frau in freudiger Erwartung liegt, verabschiedet sich für die nächsten Monate in den Vaterschaftsurlaub. Wenige Tage später hört man auf dem Büroflur das hochfrequente Juchzen der Kolleginnen, mindestens eine Oktave über ihrer üblichen Sprechstimme. Ein vorsichtiger Blick aus der Bürotür verrät den Grund: der junge Vater steht mit dem Tragekörbchen auf dem Flur, umringt von vor Entzückung entrückten Menschen.

Ein paar Minuten später steht der vaterstolze Kollege dann mit seinem Ableger in meiner Bürotür und sagt so etwas wie „Sieh mal, Paul-Luca, und das ist Carsten… sag mal hallo zu Carsten!“ Während ich mich mit gequältem Lächeln von meinem Platz erhebe und mir ein „ganz der Papa“ abringe, nimmt Paul-Luca keine Notiz von mir, das Desinteresse ist beiderseitiger Natur, mit Hunden geht mir das übrigens genau so.

Ich gebe zu: meine Begeisterung für Neugeborene, Kinder generell, ist begrenzt, für mich sind sie so etwas wie Wesen von einem anderen Stern, mit denen ich nicht so recht etwas anzufangen weiß. Das war schon immer so, auch als ich selbst noch ein Kind war. Wenn in der Verwandt- oder Nachbarschaft ein neuer Mensch die Bühne betrat, hielt ich mich stets in sicherer Entfernung, und das Gewese, welches um diesen Neuankömmling gemacht wurde, fand ich unangemessen, schließlich hatte er bislang noch nichts geleistet außer schreien und kacken. Na ja, viel mehr konnte ich auch nicht aufweisen zu der Zeit.

Meine Kinderlosigkeit empfand und empfinde ich eher als Segen denn als Mangel, ich vermisse diesbezüglich absolut nichts. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht habe ich Angst, meine Kinder könnten so werden wie ich. Wobei, die Geschichte mit dem Töpfchen, der A-A und der mit der Zahnbürste braun angemalten Tapete haben sich meine Eltern bestimmt nur ausgedacht um mich zu ärgern. Oder um von der Nichtexistenz des Weihnachtsmannes abzulenken.

Trotzdem, oder gerade deshalb: Liebe Kinder, ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest mit vielen pädagogisch wertvollen Geschenken! Und wie das Kind in Marias Bauch kam, fragt euren Papa.