Woche 28/2026: Unangemessene Schadenfreude und geschmolzene Tomaten

Montag: In einem Mailverkehr bat jemand nur edukativ um eine Auskunft in einer hier mangels allgemeinen Interesses nicht näher auszuführenden Angelegenheit. Edukativ, ein mir bislang unbekanntes Wort, der Duden kennt es auch nicht. Wie ich anschließend im allwissenden Netz recherchierte, bedeutet es sinngemäß: informierend, erhellend. Wenigstens bat er nicht darum, man möge ihn aufschlauen. Und ich habe wieder ein neues Wort gelernt.

Auch der müde Montag bietet bisweilen Erheiterung, heute dieses, gelesen im Kieselblog:

Der Spielplatz ist hier, weil es auch drei Hochhäuser mit Wohnungen hier gibt und nach der Düsseldorfer Spielplatzverordnung muss ab soundso viel Privathaushalten ein Kinderspielplatz her. Jetzt müssen die Leute in ihren sündhaft teuren Appartements noch den Spielplatz vollvögeln. Da der Platz nur aus einem schmalen Streifen mit wenigen Spielgeräten besteht, dürfte sich der Aufwand in gewissen Grenzen halten.

Dienstag: Weiterhin ist wegen der gesperrten Nordbrücke der Verkehr zeitungfüllendes Thema in Bonn. Einige Redaktierende des General-Anzeigers berichten über ihre täglichen Arbeitswege. Einer schreibt: „Fahrtzeit 30 Minuten Minimum, manchmal 40 oder 50 Minuten für sieben Kilometer. Viel Zeit zum Nachdenken.“ Ja, vielleicht darüber, ob für diese Strecke das Auto die richtige Wahl ist. Hat er wohl auch: Wie später in dem Artikel zu lesen ist, hat er sich inzwischen ein Fahrrad gekauft.

Gewiss, nicht alle haben es so gut wie ich, der zu Fuß zur Arbeitsstätte gehen kann, so wie heute. Auf dem Radweg am Rheinufer herrschte Hochbetrieb, darunter nicht wenige, die ohne erkennbare Hirnaktivität rasten, überholten und einbogen. Meine Beobachtung als regelmäßiger Radfahrer und Fußgänger, nicht erst seit der Brückensperrung: Die schlimmsten sind die Renn- und Lastenradfahrer (m/w/d), die augenscheinlich meinen, mit dem hohen Anschaffungspreis ihres Rades hätten sie sich auch Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern erkauft.

Nachmittags ging ich mit leichter und völlig unangemessener Schadenfreude am stehenden Autoverkehr auf der Rheinuferstraße vorbei. Wenig später hörte ich einen darüber klagen, er hätte eine halbe Stunde vom Friedensplatz gebraucht. Vermutlich mit dem Auto, zu Fuß ist die Strecke auch bei bequemen Gehen zwischen fünf und zehn Minuten zu schaffen.

Bloggen verbindet, Teil 1: Im Briefkasten lag eine Postkarte aus Oldenburg, über die ich mich freue. Soweit ich mich erinnere, war ich einmal in Oldenburg, in den Achtzigern mit der Bahn von Bielefeld über Osnabrück, ab Oldenburg weiter über Delmenhorst zurück nach Bielefeld. Dabei stand aus Hobbygründen die Bahnfahrt im Vordergrund, von Oldenburg habe ich nur den Bahnhof und allenfalls sein Umfeld gesehen, daher kann ich mir über die Stadt kein Urteil erlauben; dem Vernehmen nach soll sie ganz schön sein.

Bloggen verbindet, Teil 2: Ebenfalls gefreut habe ich mich über eine WhatsApp-Nachricht aus München, die die Möglichkeit eines Treffens in absehbarer Zeit in Aussicht stellt. Darüber würde ich mich besonders freuen.

Mittwoch: Vorteil, wenn die Leute mit ihren Datengeräten beschäftigt sind: Im Aufzug wird nicht mehr so viel dummes Zeug gequatscht.

In der Kantine gab es was mit geschmolzenen Tomaten. Ab welcher Temperatur schmelzen Tomaten?

In einer Besprechung am späteren Nachmittag schlug jemand in völlig unreligiösem Zusammenhang vor, eine Sache agnostisch* anzugehen. Während der Besprechung schaute ich dem Verkehrsgewühl unterhalb des Turmes zu: Neben den planmäßigen drei Buslinien verkehren auf der zweispurigen Straße zurzeit auch die Schienenersatzverkehre für zwei Stadtbahnlinien in Richtung Bad Godesberg und den RE 5 Köln – Koblenz. Für die Stadtbahnersatzbusse ist außerdem vor der Deutschen Welle eine Pausenhaltestelle eingerichtet, so dass während der mehrminütigen Pausen der Busse die übrige Verkehr über die Gegenfahrbahn daran vorbei fahren muss. Wenn sie mal frei ist. Die Planung dazu erfolgte offensichtlich auch agnostisch.

*Dazu der Duden: den Agnostizismus betreffend, ihn vertretend, von ihm ausgehend. – Agnostizismus: Weltanschauung, nach der die Möglichkeit einer Existenz des Göttlichen bzw. Übersinnlichen rational nicht zu klären ist, also weder bejaht noch verneint wird

Abends war ich im Sportstudio. Dort wurde ich kurz unwirsch, das kam so: Das Zirkeltraining im Parcours funktioniert, sobald mehrere Personen trainieren, nur, wenn sich alle an die recht einfache Regel halten, nach jeder einminütigen Einheit im Uhrzeigersinn an das nächste Gerät zu wechseln. Für die, die das noch nicht wissen, ist das auf mehreren Schildern beschrieben. Nun gibt es immer wieder welche, die trotzdem nach einem nicht nachvollziehbaren Zufallsprinzip das Gerät belegen, worauf sie gerade Lust haben, gerne auch für mehrere Einheiten nacheinander sitzen bleiben. So einer war heute da. Als ich mit vorwurfsvollem Blick an das von ihm belegte Gerät trat, weil es für mich das nächste in der Folge war, fragte er: „Willst du hier ran?“ Nachdem ich diese völlig überfüssige Frage bejaht hatte, sagte er „Hm …“, schaute mich nochmal kurz an, wohl in der vergeblichen Hoffnung, dass ich sage „Bleiben Sie gerne sitzen, ich mache solange am nächsten Gerät weiter“, und gab schließlich den Platz für mich frei. Zwei Geräte später dasselbe: „Willst du hier ran?“ In nicht allzu freundlichen Worten erklärte ich ihm das Prinzip Zirkeltraining, er sagte „Ist ja gut, nicht so laut …“ und zog weiter. Vielleicht sehe ich das auch zu eng.

Donnerstag: Den freien Inseltag nutze ich für eine Wanderung auf der siebten Etappe des Natursteig Sieg von Herchen nach Schladern. Wie alle anderen bisher bewanderten Etappen ist auch diese landschaftlich schön und abwechslungsreich, zum großen Teil durch Wälder. Abwechslungsreich auch die Wege, von (wenigen) asphaltierten Abschnitten bis zu schmalsten Pfaden, gesäumt von Brennnesseln, Disteln und Brombeerranken, die dem geschundenen Körper einige Schrammen und Schmerzen zufügten.

Am Siegufer bei Hoppengarten säumen riesige Herkulesstauden den Weg, immerhin in sicherem Abstand, so dass man nicht damit in Berührung kommt. Ihre Blätter sollen bei Hautkontakt eine Art Sonnenbrand auslösen, weshalb man sie üblicherweise beseitigt. Hier im Naturschutzgebiet lässt man sie ungeschoren. Ich finde sie faszinierend und mag sie, trotz ihrer Unbeliebtheit.

Auch hat es die Strecke mit Steigungen und einigen Stolperstellen in sich. Komoot klassifiziert sie mit „schwer“, was nicht unbedingt viel bedeutet, oft wird eine eher anspruchslose Strecke allein aufgrund ihrer Länge als schwer eingestuft. Doch diese ist wirklich schwer, insbesondere der schmale Weg bei Dattenfeld – das Warnschild am Anfang verspricht nicht zu viel: Rechts geht es steil hoch, links steil runter -, sowie der steile Anstieg nach der Siegbrücke in Dreisel. Erstmals kamen die Wanderstöcke zum Einsatz, die sich bestens bewährten; vermutlich hätte ich die Strecke ohne sie nicht geschafft. Als ich nach fünfdreiviertel Stunden den Bahnhof von Schladern erreichte, war ich geschafft, durchgeschwitzt und sehr zufrieden. Die anschließende Currywurst mit Bierbegleitung auf dem Bonner Marktplatz fand ich sehr verdient.

Fazit: eine empfehlenswerte Wanderung, möglichst nur mit Stöcken zu gehen und nicht unbedingt an so warmen Tagen wie heute. Wobei mir das Wetter gnädig war: Bis zum späten Mittag war es bewölkt und trocken, erst dann kam die Sonne raus.

Die öffentlichen Verkehrsmittel nach Herchen und von Schladern funktionierten bestens. (Nur für die Chronik: Seit dieser Woche fahren auch auf der 66 die neueren „Plastikbahnen“ von 2003, die bisher nur auf der 16 und 63 eingesetzt wurden.)

Herkulesstauden oder Riesenbärenklau. Jedenfalls groß.
Warnschild in Dattenfeld
Kurz nach dem Schild
Ein Männlein steht im Walde
Mit sowas kenne ich mich aus
Über die Sieg bei Dreisel
Schmaler Pfad
Zurück in Bonn – geschafft

Auch ein Wandertag entbindet nicht von der täglichen Bloglesepflicht. Heute gelesen bei Herrn Schwenzel:

des­halb ist es viel­leicht am bes­ten, dring­lich­keit mit sorg­falt zu be­geg­nen, dann ver­mehrt sich dring­lich­keit auch nicht.

Einer meiner Grundsätze im Büroalltag.

(Ich habe mir erlaubt, ein Komma zu ergänzen und ein überzähliges z zu entfernen, ich hoffe, das ist in Ordnung.)

Freitag: Bonnie Tyler ist gestorben, entnahm ich morgens der Zeitung; freundlicherweise verzichtete die Berichterstattung auf das im Zusammenhang mit der Sängerin häufig verwendete Wort „Rockröhre“. Für mich ein weiterer Och-nö-Moment. Des weiteren wird verwiesen auf ihre großen Hits „Total Eclipse Of The Heart“ und „Holding Out For A Hero“. Ich persönlich mochte das nicht so bekannte „Loving You’s A Dirty Job“ lieber, das sie 1985 zusammen mit Todd Rundgren sang.

„Falls es euer aktueller Workload zulässt…“ schrieb einer in einer Mail. Was mich daran erinnert, es wird höchste Zeit, die Liste zu aktualisieren.

Samstag: Apropos Liste – Zeit für die nächste Frage aus der Liste der tausen Fragen.

Frage 161 lautet: „Was ist dein größtes Defizit?“ Vermutlich meine äußerst lückenhaften Englischkenntnisse. Nach der Schulzeit, wo ich das Fach frühzeitig abwählte, benötigte ich es nur selten, seitdem ist es verkümmert. Es mangelt an Vokabelkenntnissen, vor allem fällt es mir schwer, jemanden englisch sprechenden zu verstehen, selbst wenn er mir bekannte Wörter verwendet. Ähnliches gilt für Französisch, wobei ich das nicht in der Schule gelernt habe, weil ich mich damals aus heute nicht nachvollziehbaren Gründen für Latein entschieden hatte, sogar als Abiturfach. Beides, Englisch- wie Französischkenntnisse könnte ich heute gut gebrauchen, ersteres zunehmend immer und überall, und sei es, um ohne nachzuschlagen zu wissen, was mit Workload und ähnlichem Verbalunrat gemeint ist, zweiteres in Frankreich, wo wir seit nunmehr zwanzig Jahren mindestens einmal jährlich Urlaub machen. „Dann lern es doch“, mögen Sie jetzt einwenden. Da schlägt das nächste Defizit zu: Mir fehlt die Begabung, Sprachen zu lernen, Erlerntes zu behalten und in der Praxis umzusetzen. Hinzu kommt eine gehörige Portion Bequemlichkeit, mich ernsthaft zu bemühen. Vielleicht ist das mein größtes Defizit.

Sonntag: In der Sonntagszeitung ein Interview mit dem Kabarettisten Jochen Busse, der sich entschieden hat, sich aus Gesundheits- und Altersgründen (er ist fünfundachtzig) zurückzuziehen und in einer Seniorenresidenz zu leben. Das ist schade, ich sah ihn gerne, mag seine näselnde Stimme, auf der ein Teil seiner Komik beruhte. Er wird fehlen.

Ein anderer Satiriker macht weiter, auch wenn er umstritten ist und gelegentlich aneckt: Dieter Nuhr. Manchmal denke auch ich: Ui, das war heftig, der traut sich was. Erst kürzlich wurde er wieder kritisiert wegen angeblicher Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen, unter anderem im SPIEGEL. Dazu der Leserbrief von Andreas D.: »Die aus Ihrer Sicht primitiven und „traurigen“ Anhänger von Dieter Nuhr lachen über dessen sprachlich eloquente, inhaltlich überspitzte Darstellung von Lebenswirklichkeiten, nicht über die Opfer von Femiziden. Das nennt man gemeinhin Satire, auch wenn er Befindlichkeiten im links-ideologischen Glaubensbereich verletzt.« Dem habe ich nichts hinzuzufügen und schaue ihn mir weiterhin gerne an.

Daraus würde er vielleicht auch was machen: Nachmittags beim Spaziergang entstand ein etwas seltsamer Dialog zwischen mir und dem offenbar migrationhintergründigen Wirt der Gaststätte in der Südstadt, wo ich mir ein Bier gönnte. Als ich beim Bezahlen nach Kartenzahlung fragte, sagte er, nein, das gehe nicht, da müsse er ja Gebühren zahlen. Auf meinen Einwand, stattdessen müsse er sich dann eben mit Bargeld plagen, kam er irgendwie auf die schlechte Luftqualität in Deutschland, soweit ich mich erinnere über eine Aussage ähnlich „Irgendwas ist immer“. Er überlege sogar, zurück nach Afghanistan zu gehen. Meine Antwort „Da ist es bestimmt besser“ erwiderte er mit „Jedenfalls die Luft.“ Das ließ ich so im Raume stehen, mein Spaziergangsbier werde ich wohl künftig woanders trinken.

Poppelsdorfer Allee

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Es wird wieder warm, daher vergessen Sie nicht, viel zu trinken.

18:00

Woche 26/2026: Die Salzernte des Bürokraten

Montag: Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub war nicht schlecht, der Maileingang recht üppig, doch ohne Imponderabilien. Mittags in der Kantine gab es Currywurst an Pommes, nach der gehobenen Restaurantkost der zurückliegenden Wochen ein Genuss. Dank ausreichender Kühlung des Turmes war es nur draußen sehr warm.

Vergangene Woche äußerte ich einen gewissen Neid gegenüber bretonischen Salzbauern, weil sie am Ende eines Arbeitstages das Ergebnis ihrer Arbeit vor sich sehen. Mir gelang es heute immerhin, die Zahl der unbearbeiteten bzw. ungelesenen Mails von fast vierhundert auf einen niedrigen zweistelligen Wert zu bringen, gleichsam die Salzernte des Bürokraten.

Nachdem der Ellenbogen wieder weitgehend genesen ist, hatte ich schon vor dem Urlaub beschlossen, danach wieder regelmäßig zum Training zu gehen. Daran hielt ich heute trotz Hitze fest. Die Geräte kannten mich sogar noch, als ich den Armbandchip an den Sensor hielt. Nur die Frage, ob ich aufgewärmt sei, während mir die Sonne durch das Glasdach auf den Schädel brannte und der Schweiß schon vor der ersten Bewegung rann, hätten sie sich sparen können. Maschinenhumor.

Dienstag: Morgens auf dem Fußweg ins Werk wurde ich fast Zeuge einer Kollision von zwei Radfahrern. Fast, weil ich erst hinschaute, nachdem es gescheppert hatte, die Fahrräder samt (unbehelmten) Fahrern bereits auf der Straße lagen und sich letztere gegenseitig mit wenig freundlichen Worten bedachten, denen zu entnehmen war, dass einer den anderen beim Rechtsabbiegen noch rechts zu überholen versucht hatte. Wenn ich sehe, wie manche Fahrrad fahren, wundert es mich, nicht öfter Zeuge solcher Vorfälle zu sein.

Im Büro war es nachmittags mit achtundzwanzig Grad ungewöhnlich warm. In früheren Sommern saß ich dort bei vergleichbaren Außentemperaturen mit Gänsehaut am Schreibtisch. Kein Kühlturm mehr, jedoch noch gut auszuhalten.

„Die Konfiguration wurde konfiguriert“ hieß es in der Mitteilung über die Behebung einer IT-Störung. Manchmal scheint die Lösung einfach zu sein.

Auf dem Rückweg brachte ich nach vereinbarter Erprobungszeit die Hörgeräte zurück zum Akustikfachgeschäft. Mein persönliches Fazit: Eine gewisse Verbesserung bringen sie; das Hauptproblem, bei lauten Hintergrundgeräuschen wie im Restaurant einem Gespräch folgen zu können, lösen sie nicht, jedenfalls nicht so deutlich, dass ich bereit wäre, so viel Geld dafür zu bezahlen. Ich bleibe dran, es hat keine Eile.

Danach genehmigte ich mir, auch wenn es bei über dreißig Grad nicht von Vernunft zeugt, in innerstädtischer Außengastronomie ein Feierabendbier. (Also gut: zwei, weil der nette Kellner so freundlich fragte.) Dabei sah ich mehrere radelnde Speisesklaven, die mit schwarzen Ganzgesichtsverhüllungen ihre Lieferungen besorgten. Warum, vor allem bei der Hitze? Apropos: Die absurdesten Dinge sind aus der Bequemlichkeit der Menschen geboren, etwa Essenslieferdienste.

Heute vor zehn Jahren schrieb ich ins Blog:

Erdogan, Putin, Kaczynski, Orban, Kim Jong Un, demnächst womöglich Trump. Da die Fäden der Macht zunehmend von den Händen Wahnsinniger gezogen werden, erscheint es fast das Vernünftigste, sich keine Sorgen um die Zukunft zu machen, stattdessen sofort die Arbeit einzustellen, die Ersparnisse zu verprassen und ganz entspannt auf das Eintreffen der Atomraketen zu warten. Oder darauf, dass sie mich abholen kommen, aus welchem Grund auch immer.

Wenn man Kaczynski, Orban und „demnächst womöglich“ streicht, passt es auch heute noch, wobei ich mir bei Kaczynski nicht ganz sicher bin.

Mittwoch: Vielleicht liegt es an der Wärme – die heute noch um einige Grad zugelegt hat, was nicht als Klage zu verstehen ist – dass mir zum Tage nichts ein- oder aufgefallen ist, was aufzuschreiben wäre.

Donnerstag: Es empfiehlt sich nicht, bereits in der ersten Arbeitswoche nach dem Urlaub wieder Vollgas zu geben, weil dann die Gefahr besteht, dass die Erholung verpufft und man schon wieder neuen Urlaub benötigt. Da trifft es sich gut, dass der Wiedereinstieg in eine kleine Woche fällt mit einem freien Inseltag, heute. Da es zum Wandern viel zu warm werden sollte, verzichtete ich darauf. Stattdessen frühstückte ich nach nicht sehr spätem Ausschlafen ausführlich auswärts unter schattigen Bäumen in der Innenstadt, nebenbei Zeitung-/Blogslesen und Leutekucken.

Vom ursprünglichen Plan, mich danach ins Sportstudio zu begeben, weil es dann dort vielleicht noch nicht so warm ist, nahm ich Abstand, weil ich vom Montagssport noch leichten Muskelkater in den Schultern hatte und es doch schon wieder sehr warm war. Auch hier erst langsam wieder steigern.

Vielmehr erschien es mir an sportlicher Betätigung genug, mit dem Fahrrad an den Strand zu fahren, also zur Lieblingsstelle am Rheinufer vor Bonn-Oberkassel, wo ich das zusammensteckbare, fahrradtransportable Liegestühlchen im Schatten der hohen Pappeln platzierte und, während leichter Lufthauch über die Haut strich, das Dasein mit Schiffekucken, Lesen und etwas Schreiben genoss. Ab und zu erforderten wandernde Schattenlöcher einen Platzwechsel um wenige Meter, doch schadet es ja nicht, auch an solchen Tagen etwas in Bewegung zu bleiben.

Aus dieser Liegestuhlperspektive gefällt mir der Turm besonders gut

Freitag: Meine grundsätzliche Skepsis gegen eingeschaltete Kameras in Teamskonferenzen sah ich heute wieder bestätigt. Während ein Teilnehmer sich im ärmellosen Unterhemd zeigte, bestellte ein anderer, im ICE sitzend, für alle anderen einschließlich Chef hör- und sichtbar beim Servicepersonal ein Weizenbier. Vielleicht sehe ich das auch zu eng.

Lange hatte ich nicht mehr diese Stehrolldinger gesehen, Segways heißen die wohl, Sie wissen schon, diese einachsigen Fahrzeuge, auf denen vor geraumer Zeit regelmäßig Touristen- und Rentnergruppen im Stehen am Rheinufer und durch die Stadt rollerten. Heute sah ich auf der Rückfahrt vom Werk eine größere Anzahl davon vor dem Rheinpavillon abgestellt, wo sich ihre Nutzer vermutlich innerlich kühlten.

Gedanke, als wir abends durch die weiterhin warme Stadt gingen, wo vor den Gaststätten auf großen Bildschirmen Fußball lief: Wenn dort stattdessen Dallas gezeigt würde, wäre das Public Ewing.

Samstag: Der Regionalzugbetreiber National Express stellt am Nachmittag auf mehreren Linien den Betrieb ein, weil die Klimaanlagen der Züge bei der Hitze auszufallen drohen (es ist eine irrige Annahme, genau dafür seien sie da), gestern musste aus diesem Grund bei Bonn ein Zug evakuiert werden*. Wie bereits früher angemerkt: Gewiss bin ich kein Anhänger der Früher-war-alles-besser-Bewegung, doch zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn hatten die Züge zwar keine Klimaanlagen, dafür Fenster, die sich öffnen ließen. Auch das ist eine der zahlreichen technischen Pessimierungen der letzten Jahre, die uns als Innovationen verkauft werden.

Die Klimaanlage in unserer Wohnung läuft hingegen tadellos, das ist sehr erfreulich.

*Wie mich der Liebste später aufklärte, war nicht vordergründig der Ausfall der Klimaanlage der Grund, sondern hitzebedingtes Versagen der Bremssysteme. Das macht es nicht besser.

Sonntag: Das iPad zeigt regelmäßig oben rechts auf dem Startbildschirm ein zufälliges Bild an, das ein geheimnisvoller Algorithmus aus meinen Fotos ausgewählt hat. Heute Morgen war dort mein alter Freund C. zu sehen, den ich längere Zeit nicht sah, aufgenommen vor noch viel längerer Zeit während eines gemeinsamen Urlaubs auf Gran Canaria. Vielleicht Zufall, vielleicht hat der Algorithmus in meinen Kalender geschaut: Heute Abend, nach Blog-Redaktionsschluss, bin ich mit eben diesem C. auf ein Getränk verabredet. Darauf freue ich mich.

Der Geliebte hat als hitzeangemessene Kleidung den Kaftan entdeckt, vorläufig nur innerhalb der Wohnung. Das sieht noch etwas gewöhnungsbedürftig aus, scheint aber zu funktionieren. (Aus Persönlichkeitsschutzgründen wird nicht darauf eingegangen, was er darunter trägt und ob überhaupt etwas.)

Dass ich ein alter Sack geworden bin, wurde ein weiteres Mal deutlich während des Spaziergangs durch die Südstadt, wo am Straßenrand ein Golf III geparkt war. Mit H-Kennzeichen.

Südstadt-Idyll in der Argelanderstraße
Linden-Hinterlassenschaften in der Lessingstraße

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Kommen Sie gut in den Juli und durch die voraussichtlich nicht mehr ganz so heiße Woche.

16:30

Woche 18/2026: Fresse halten, fröhlich sein

Montag: Die neue, kurze Arbeitswoche begann durchgehend sonnig und ohne nennenswerten Verdruss. Die Morgentemperaturen sind vier Tage vor Mai noch steigerungsfähig; das wird schon, wenn die Wetteraussichten zutreffen. Bis dahin gibt es Handschuhe. Mittags in der Kantine gab es Spargel, erstaunlicherweise ohne olfaktorische Auswirkungen hinterher, Sie wissen schon. Ob sich daraus etwas über die Qualität der Erdgemüsestangen folgern lässt, weiß ich nicht. Ansonsten endete der Arbeitstag wegen des letzten Physio-Termins für den weiterhin genesenden Ellenbogen zeitig, was sich ungefähr mit meiner Arbeitslust deckte.

Dienstag: In der Nacht, vielleicht war es schon früher Morgen, ich schaute nicht auf die Uhr, lärmte ein Hubschrauber über der Siedlung, was mich aus dem Tuche nötigte, um das Fenster zu schließen. Wie die Zeitung heute berichtete, suchte die Polizei eine vermisste Jugendliche. Für mich ist es immer wieder ein Rätsel, wie es mithilfe eines Hubschraubers gelingt, in einer Stadt eine Person zu finden, aber es gelang wohl. Übertitelt ist der kurze Artikel mit „Deshalb kreiste am frühen Dienstagmorgen ein Hubschrauber über Bonn“. Keine Artikelüberschrift in Onlinemedien kommt heute noch ohne dieses Deshalb aus oder Das (z.B. „sind die Gründe“), beliebt auch Warum (z.B. „die Spritpreise weiter steigen)“. Wie auch berichtet wird, kontaktierten wegen des Hubgeschraubes mehrere Personen die Zeitung. Warum tut man das? Ähnlich verwunderlich immer wieder, wenn irgendwo die Erde bebt und die Leute deswegen die Polizei anrufen. Was soll die tun?

Dienstagsüblich ging ich zu Fuß ins Werk. In Turmnähe sind seit Jahren rätselhafte Zeichen auf die Gehwege gemalt, ein C und ein R, dazwischen ein Pfeil. Diese Markierungen, die regelmäßig nachgepinselt werden wie eine auf Dauer angelegte Schnitzeljagd, reichen mindestens bis in den Rheinauenpark. Wer weiß, vielleicht wartet am Ziel ein Schatz für CR, also Carsten Rainer. Vielleicht sogar kann ich als einziger diese Zeichen sehen, wie Harry Potter das Gleis 9 3/4. Irgendwann nehme ich mir mal die Zeit, dieser Spur systematisch zu folgen. Wenn dann am Endpunkt statt einer Truhe Gold ein Biergarten liegt, wäre das auch nicht schlecht.

Sehen Sie es?

Dass gut gemeint und gut gemacht oft auseinanderliegen, lässt sich neben dem Turm besichtigen. Dort liegt neben einer flachstufigen Treppe eine ebenfalls ansteigende Rasenfläche, die in der Vergangenheit regelmäßig von Fahrrädern, manchmal augenscheinlich auch Kraftfahrzeugen befahren wurde. In einem entsprechenden Zustand befand sie sich, gerade nach Regenwetter. Um dem zu begegnen, wurden dort vor einiger Zeit Felssteine aufgereiht, allerdings in einem derart großzügigen Abstand, der Fahrrädern kein ernsthaftes Hindernis bietet. Das könnte sich die derzeit amtierende Bundesregierung ausgedacht haben: Hauptsache, irgendwas machen, egal, ob es wirkt. Immerhin müssen und dürfen Kraftfahrzeuge nun die Treppe befahren, worauf ein Schild ausdrücklich hinweist.

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Morgens schaute kurz nach Ankunft im Büro eine länger nicht gesehene Kollegin, die auch schon lange dabei ist, bei mir rein mit den Worten „Wie lange noch?“, womit sie nicht wissen wollte, wann ich heute zu gehen beabsichtigte. Nachdem wir uns gegenseitig einstellige Zahlen genannt hatten, gingen wir zufrieden an die anstehenden Gewerke. Es gehört wohl zum guten Ton unter Kollegen über fünfzig, einander diese Frage zu stellen, ich merke es an mir selbst zunehmend.

Dazu passend und gleichwohl zufällig traf ich bei der Heimkehr den jungen Nachbarn, der seiner Freude über den beendeten Arbeitstag Ausdruck verlieh und diese mit dem Satz „Noch neunundzwanzig Jahre“ abrundete. Als ich mit meiner deutlich niedrigeren Zahl entgegnete, war ein gewisser Neid nicht zu übersehen; seine Antwort „Das hätte ich jetzt nicht gedacht“ werte ich als Kompliment betreffend mein gut erhaltenes Äußeres, danke dafür.

Auf dem Rückweg vorher gönnte ich mir einen Maibock vor dem bayrischen Wirtshaus in der Innenstadt und las dabei die Blogs. Obwohl ich nicht sehr schnell trank, reichte die Zeit eines halben Liters nicht, um alles zu lesen; die Mitblogger waren zu produktiv in den vorangegangenen zwölf Stunden oder ich lese zu langsam, weil ich mich immer wieder von vorbeigehenden Passanten ablenken lasse. Vielleicht sollte ich das Lesen beim Biertrinken überhaupt unterlassen und nur schauen. In Erinnerung geblieben ist mir nur ein älterer Herr im Anzug, der große Ähnlichkeit mit Opa Hoppenstedt aufwies und eine Pfeife im Mund trug, der allerdings kein erkennbarer Rauch entstieg. Pfeifenraucher sind selten geworden, stattdessen werden diese Elektrodinger gedampft, auch als Talahonflöten bezeichnet, wie ich vor längerer Zeit irgendwo las.

Mittwoch: Morgens fuhr ich an einem Plakat vorbei, das für eine Dinosaurier-Ausstellung wirbt. Wie das manchmal so ist, Sie kennen das vielleicht, sofort hatte ich dieses Lied im Kopf, den es in den nächsten Stunden nicht wieder verließ.

Um nicht selbst in den Ruf eines Dinosauriers zu geraten, zudem motiviert durch die Schulung vergangene Woche versuchte ich mich vormittags erstmals ernsthaft am Gebrauch künstlicher Intelligenz, namentlich dem bei uns zu verwendenden Copilot. Die Aufgabenstellung war nicht sehr kompliziert, er sollte ein vorhandenes Dokument in eine andere Form bringen, die ich ihm als Word-Vorlage hochlud. Inhaltlich war im Wesentlichen nichts zu ändern, auch die Kapitelüberschriften stimmten größtenteils überein, nur die Reihenfolge der Kapitel wich von der Ursprungsfassung ab. Ein Schülerpraktikant ohne fachliches Hintergrundwissen hätte es mühelos hinbekommen. Nicht so der Copilot: In der ersten Fassung war das Format ein anderes, die Inhalte der Kapitel waren nur rudimentär übertragen. Darauf hingewiesen, gab er mir recht, erging sich in Ausflüchte und versprach, nunmehr eine vollständige, korrekt formatierte Fassung zu erstellen. Und also befahl ich ihm. Die nächste Fassung hatte optisch gewisse Ähnlichkeit mit dem Gewünschten, inhaltlich blieb sie mager. Das ging noch einige Male so, bis ich immer trauriger wurde und von weiteren Versuchen absah. Anschließend kopierte ich die Inhalte selbst in das Zieldokument, was nur unwesentlich länger dauerte als die Zeit, die ich zuvor dem gepriesenen elektronischen Assistenten gewidmet hatte. Es dauert wohl noch etwas, bis wir Freunde werden. Wahrscheinlich lag es nur an meiner Unfähigkeit, richtig zu prompten.

Donnerstag: Für den heutigen Inseltag war die Bewanderung der sechsten Ahrsteig-Etappe von Walporzheim bis Bad Neuenahr geplant. Dem stand zunächst nichts im Wege, nach dem Frühstück im Bäckerei-Café am Bahnhof saß ich im Zug nach Ahrbrück, als die Durchsage kam: Wegen einer Störung im Stellwerk von Oberwinter (wozu gibt es dort immer noch ein Stellwerk?) verzögere sich die Abfahrt um unbestimmte Zeit. Wenig später die Durchsage: Aus vorgenanntem Grund fällt die Fahrt aus, man wisse nicht, wann der Oberwinterer Stellwerk wieder stellbereit ist, was auch immer es zu stellen hat. Nicht ausfallen musste deswegen mein Wandertag: Statt ins Ahrtal fuhr ich mit der Stadtbahn bis Alfter, um die Heimatblick-Runde durch das Vorgebirge und die Ville zu gehen; immer gut, wenn man ein paar Touren in Reserve gespeichert hat.

Kurz nach Start begann Komoot wieder zu phantasieren und die geplante Tour zu verstümmeln, schon vorletzte Woche beklagte ich das. Doch wie so oft ist der Anwender das Problem: Bei Neustart entdeckte ich den Schalter „Automatisch umplanen“, der sofort deaktiviert wurde, von da an lief die App zuverlässig; auf was man alles achten muss. Mein Vertrauen in die künstliche Intelligenz ist ein weiteres Mal erschüttert. In Alfter standen schon einige geschmückte Maibäume an den Fassaden, was mich wunderte, bislang nahm ich an, die würden erst in der Nacht zum 1. Mai aufgestellt. Vielleicht gelten diesbezüglich im Vorgebirge andere Regeln als in Bonn.

Die Wanderung bei Sonnenschein war wieder erbaulich. Ungefähr die erste Hälfte führt durch Wiesen und Felder mit Blick („Heimatblick“) über die Rheinebene, die zweite durch den Ville-Wald. Auch an einem Lavendelfeld kam ich vorbei; dass es in der Gegend eins geben soll, las ich vor längerer Zeit, seit heute weiß ich, wo. Kurz danach vernahm ich ein Geräusch, das Kuhglocken recht nahe kam, die Quelle konnte ich nicht ermitteln. Wozu also noch in die Provence oder ins Allgäu reisen, wenn es das alles vor der Haustür gibt? Ansonsten ist die Strecke wenig anspruchsvoll, ohne größere Steigungen und Unwegsamkeiten mit Stolperpotenzial. Das traf sich gut, die letzte Woche erstandenen Wanderstöcke hatte ich aus logistischen Gründen nicht dabei, weil der für deren Transport erforderliche Rucksack mit entsprechenden Halterungen noch nicht eingetroffen war. Auch Freunde schmaler Pfade könnten enttäuscht sein, meistens geht es über breite Wege, in der ersten Hälfte überwiegend asphaltiert.

Während des Gehens dachte ich über den Tod nach, was ich nicht schlimm finde; mit kurz vor sechzig darf man das. Er gehört dazu, ob wir das wollen oder nicht, irgendwann geht für jeden das Licht aus, für mich, für meine Lieben, für alle. Die Frage ist nur, wann und in welcher Reihenfolge die Sense mäht. Ich finde das ausgesprochen tröstlich, erwarte für danach nichts, kein Himmelreich, kein ewiges Leben, um Himmels Willen. Und wenn unser aller Atome schon lange woanders eingebunden sind, grünt der Wald der Ville Ende April aller Voraussicht nach immer noch frühlingfrisch, Vögel singen, Zitronenfalter flattern und Frösche sonnen sich in den Tümpeln, ist das nicht schön.

Nach knapp vier Stunden erreichte ich wieder Alfter, fuhr mit der Stadtbahn zurück nach Bonn und belohnte mich bei einer Gaststätte des Vertrauens mit Allgäuer Bier. Auf die übliche Currywurst verzichtete ich in Erwartung eines gemeinsamen Abendessens mit meinen Lieben.

Schloss Alfter
Lavendel
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Für Lotte
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Belohnung

Freitag: Der Mai ist gekommen und schenkt uns, obwohl er „Tag der Arbeit“ heißt, einen arbeitsfreien Tag; jedes Jahr erfreue ich mich erneut an diesem Paradoxon, auch dieses Jahr lasse ich Sie an meiner Freude teilhaben. Um den Tag nicht untätig verstreichen zu lassen, unternahmen der Liebste und ich eine Radtour durch die zu dieser Jahreszeit besonders schönen Siegauen. Wie man sich denken kann, waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee, wobei sich die Anzahl der sonst üblichen Rennrad-Irren in Grenzen hielt. Das Wetter war sonnig-warm, selbst für einen Fröstling wie mich kurzärmelig und ohne Jacke gut auszuhalten. Umso mehr wunderte ich mich, wie viele Radfahrer in hochgeschlossener Daunenjacke entgegenkamen. Ziel war die „Sieglinde“, eine gar zauberhafte Gaststätte mit Biergarten direkt an der Sieg nahe Hennef, wo wir Glück hatten und zwei freie Plätze fanden.

Nach ausreichender Stärkung fuhren wir auf der rechten Siegseite zurück, freundlich angeschoben vom Wind, der uns auf dem Hinweg kräftig entgegen geblasen hatte. Auf halber Strecke verließen wir den vorgesehenen Radweg auf der Deichkrone und bewegten uns auf holprigen Pfaden, im wörtlichen Sinne über Stock und Stein. Eine wunderschöne Strecke, die dazu einlädt, ohne Fahrrad erwandert zu werden.

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Bei Thomas las ich das Wort „Facepalm“, recherchierte dessen Bedeutung und vergrub augenblicklich das Gesicht entsetzt in der Handfläche.

Beim Wirtshausbesuch mit den Lieben am Abend gehört: „Fresse halten, fröhlich sein“. Das erscheint mir als Lebensmotto durchaus geeignet. Oder als Spruch für die Todesanzeige.

Samstag: Einer relativ spontanen Eingebung folgend kaufte ich mir eine leichte Jacke für die Sommermonate, um die Daunenjackensaison beenden zu können. Nicht, dass ich keine besäße, mehrere sogar, doch manchmal überkommt auch einen Konsummuffel wie mich das Verlangen nach etwas Neuem. Erst im dritten Geschäft fand ich eine, die bei ansprechendem Design und akzeptablem Preis die Anforderungen erfüllt: nicht zu kurz, damit sie bei Bedarf auch über einem Anzug bzw. Sakko getragen werden kann, und, ganz wichtig: zwei Innentaschen für Portemonnaie und Notizbuch. Die meisten zuvor gesehenen Jacken, die mir gefielen, hatten entweder nur eine oder gar keine.

Sonntag: In letzter Zeit bin ich davon abgekommen, einmal wöchentlich eine Frage von der Liste der 1000 Fragen zu beantworten. Das soll so nicht bleiben, deshalb heute die nächste.

Frage 674 lautet: „Wann hast du Mühe, dir selbst in die Augen zu schauen?“ Das gelingt mir bislang mühelos, selbst dann, wenn es am Vorabend etwas heftiger war, weil der Geliebte meinte, irgendeine Flasche müsste leer werden. Falls die Frage im übertragenen Sinne gemeint ist, also wenn ich etwas getan oder gesagt habe, das meiner Überzeugung widerspricht, auch dann kann ich mir in die Augen schauen, ein Spiegel vorausgesetzt. Wie sollte ich mich sonst mit einem tadelnden Blick strafen?

Apropos Fragen: Manche Menschen wissen auf alles sofort die Antwort, auch auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden.

Die Poppelsdorfer Allee in voller Blüte

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Ich werde sie aus beruflichen Gründen größtenteils außerhalb von Bonn verbringen, erst in Dresden, dann in Ostbevern bei Münster.

18:00

Woche 16/2026: Schienenersatzverkehr nach Siegburg und Unzucht in Euskirchen

Vorab herzlichen Dank für die freundlichen Kommentare zum letzten Wochenrückblick, Sie sehen mich stets bemüht.

Montag: Wegen Regenerwartung fuhr ich mit der Stadtbahn in die Wertschöpfung und zurück. Zurzeit fährt sie wegen Gleisbauarbeiten nur zwischen Stadthaus und Bad Honnef, während in Richtung Siegburg Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde, auch eines der schönen Wörter, die unsere Sprache ermöglicht. Für mich war das praktisch, weil ich dann nicht bei kühlem Bahnsteigwind auf die Bahn aus Siegburg warten musste, sondern einfach in den bereitstehenden Zug einsteigen konnte. Der Regen kam pünktlich im Laufe der Vormittags und hielt sich bis zum Nachmittag, mit der Verkehrsmittelwahl lag ich richtig.

Der Arbeitstag war nicht sehr montäglich und ziemlich kurz, weil nachmittags ein Physio-Termin anstand zur weiteren Genesung des kürzlich operierten Ellenbogens. Dem geht es weiterhin gut, es tut nichts weh und die Bewegung ist nicht eingeschränkt. Fast frage ich mich, wozu er überhaupt physiotherapeutischer Anwendungen bedarf, es wird dadurch nichts besser, jedenfalls nicht erkennbar, immerhin auch nicht schlechter. Zudem ist Bewegung nie verkehrt. Bis ich wieder – in derselben Stätte – Sport an Geräten machen kann, dauert es noch einige Wochen, hoffentlich habe ich mich bis dahin nicht an die diesbezügliche Untätigkeit gewöhnt, sowas geht ja schnell und die Lust darauf muss danach erst wieder mühsam angewöhnt werden.

Ungeachtet des usseligen, wenig frühlingshaften Wetters werden in Büsum die Strandkörbe aufgestellt.

Siehe hier: https://www.buesum.de/buesum-erleben/webcams/gruenstrand

Dienstag: Morgens beim Fußweg ins Werk lag Nebel über dem Rhein, im Laufe des Tages zeigte sich das Wetter wieder frühlingsfreundlich. Die ewige Baustelle am Rheinufer lässt leichte Fortschritte erkennen.

Nach Rückkehr lagen im Briefkasten gleich zwei Briefe meiner Brieffreundschaften, was mich sehr freute und bislang noch nicht vorkam. Somit habe ich nun drei Briefe zu beantworten, was so bald wie möglich erledigt wird, indes noch einige Tage dauern kann. Ich bitte um Geduld.

Liebe Kinder, wie wir Alten in Zeiten vor Strieming Musik hörten, hat der liebe Onkel Nicolay hier sehr anschaulich aufgeschrieben. Eine Stereoanlage mit Plattenspieler und Kassettendeck, Schallplatten und Kassetten besitze ich noch heute und ich sehe keinen Grund, mich davon zu trennen, auch wenn ich sie nur noch selten benutze.

Morgens
„Gegen Abend ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen“ – Immer wieder schön, wenn Offensichtliches per Schild gleichsam amtlich wird

Mittwoch: In einer Besprechung wurde der Begriff „Gesamtwohlfahrtsmaximierung“ erläutert. Wenn ich es richtig verstanden habe, bezeichnet er ein Wirtschaftsprinzip, das vorhandene Mittel so aufteilt bzw. einsetzt, dass möglichst alle möglichst viel davon haben. Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden, jedenfalls ein weiteres wunderbares Wort.

In einer anderen, einstündigen Besprechung zur Mittagszeit führte ich, um nicht einzuschlafen, Strichliste darüber, wie häufig „ich sag mal“ und „tatsächlich“ gesagt wurde. Ergebnis: 76 mal „ich sag mal“ einschließlich der Varianten „ich sag jetzt mal“ und „sag ich mal“, dagegen nur siebenmal „tatsächlich“. Außerdem ungezählte Male „quasi“ und ein paar mal „genau“.

Nachmittags herrschte in der Bonner Innenstadt Verkehrschaos, weil eine Autobahn gesperrt ist und eine Rheinbrücke für die nächsten Jahre, bis zu ihrem Abriss und Neubau, nicht mehr von LKW und Bussen befahren werden darf. Dazu wurde intensiv gehupt, weil das bekanntlich immer hilft. Als Radfahrer ist man klar im Vorteil, als Fußgänger sowieso.

Donnerstag: Kleine Woche, Inseltag, Wandertag. Heute ab Siegburg über den Heideweg, eine Etappe der Erlebniswege Sieg. Die gut zweiundzwanzig Kilometer lange Runde beginnt und endet im Nordwesten von Siegburg, führt über Lohmar und durch die östliche Wahner Heide. Wie am Montag schon erwähnt, fahren zwischen Bonn und Siegburg zurzeit keine Stadtbahnen, stattdessen ist Schienenersatzverkehr mit Gelenkbussen eingerichtet, die im Takt weniger Minuten pendeln. Da ich ahnte, dass das länger dauert als die Bahn, stand ich bereits zur normalen Werktagszeit auf und fuhr zeitig los. Das war eine richtige Entscheidung, trotz großzügiger Auslegung der geltenden Vorfahrts- und Geschwindigkeitsregelungen durch den Busfahrer dauerte die Fahrt fast eine Stunde, die Bahn wäre in gut zwanzig Minuten am Ziel gewesen. Immer wieder standen wir im Stau, was wieder einmal zeigt, es gibt viel zu viele Menschen, die meinen, auf das Auto angewiesen zu sein.

Während der Fahrt zogen von Nordwesten dunkle Wolken auf, die sich bald als heftiger Regen ergossen. Das war der Wanderlust nicht abträglich; nach Ankunft in Siegburg frühstückte ich in der Bäckerei am Bahnhof, danach fuhr ich mit einem anderen Bus, den nur die App der Verkehrsbetriebe, jedoch nicht die örtliche Anzeige kannte, zum Ausgangspunkt der Wanderung, von da an regnete es nicht mehr. Später schien die Sonne.

In Lohmar-Heide, etwa auf halber Strecke, ließ mich die Komoot-App wieder im Stich, indem sie die angezeigte Tour einfach dort enden ließ. Grundsätzlich lässt sich der Heideweg auch ohne Navigation gehen, weil er gut markiert ist (weißes S auf rotem Grund), doch ausgerechnet in Heide war auch die Markierung mangelhaft, oder ich zu blind, sie zu sehen, kann ja auch sein. Dieses Mal war ich immerhin so schlau, die Navigation abzubrechen und die Tour neu zu starten, bis zum Ende hielt Komoot dann durch. Trotzdem halte ich sie inzwischen für eine Mist-App; falls Sie mir eine bessere Alternative empfehlen können, sehr gerne.

Bei Heide gibt es einen Friedwald, mit Schildchen an den Bäumen statt Grabsteinen. Etwas abseits des Weges wurde eine Beisetzung abgehalten, dazu wurde „Und die Chöre singen für dich“ von Mark Foster gespielt. Ich bin nicht gerade ein Fan von ihm, doch finde ich diese Art der letzten Ehrerweisung sehr ansprechend. Auch wenn es mir, wie bereits geschrieben, völlig egal ist, auf welche Weise mein Kadaver dereinst entsorgt wird. Sollte es zu einer Trauerfeier kommen, wünsche ich mir dafür als musikalische Begleitung, auch wenn ich dann nichts mehr davon habe, „The Show Must Go On“ von Queen und die Arie „Ebben? Ne andrò lontana“ aus der Oper La Wally, gesungen von den Kölner Spitzbuben:

Das wäre schön.

Zurück ins Leben: Bei Lohmar gibt es einen Campingplatz, direkt an der Agger sehr schön gelegen, allerdings in unmittelbarer Nähe und Hörweite die Autobahn 3, darüber die Ausflugschneise des Flughafens Köln / Bonn. Man muss Camping schon sehr mögen und dazu möglichst schwerhörig sein, um dort zu verweilen. Daran gemessen war der Platz gut belegt.

Zur Wanderstrecke: Die erste Hälfte führt überwiegend durch Wald, allerdings zum größeren Teil auf breiten, über längere Strecken geraden Wegen. Hinter Lohmar in der Wahner Heide wird es etwas wilder und abwechslungsreicher. Kurz vor Siegburg traf ich überraschend auf ein zugewachsenes Bahngleis, einst die Bahnstrecke von Siegburg nach Lohmar, die bereits 1989 stillgelegt wurde. Umso erstaunlicher, dass das Gleis immer noch liegt. Ab hier wich ich von der vorgesehenen Route ab und folgte dem Weg neben dem Gleis bis zu seinem Ende kurz vor Siegburg, ab da führt der Weg auf der ehemaligen Bahntrasse bis in die Siegburger Innenstadt.

Zum ersten Mal seit ich weiß nicht wie vielen Jahren sah ich eine Blindschleiche, die sich über den Weg schlängelte.

Nach ziemlich genau fünf Stunden erreichte ich wieder den Bahnhof Siegburg, von wo ich mit einem Schienenersatzbus zurück nach Bonn fuhr. Ich hätte vorher in Siegburg die übliche Belohnungscurrywurst essen können, doch erschien es mir klüger, direkt zurück zu fahren, ehe der Berufsverkehr einsetzt und der Bus im Stau steht. Die Currywurst gab es dann wieder vor der Gaststätte auf dem Bonner Marktplatz. Von meinem Platz aus beobachtete ich, wie ein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn vorfuhr und vor dem Fitness-Studio gegenüber hielt. Die drei Sanitäter gingen dann ohne erkennbare Eile hinein. Es war wohl nicht so dringend. Oder es hatte sich erledigt. The show must go on.

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Die Zeitung berichtet über Unzucht in Euskirchen und erfreut mit einem weiteren Symbolbild aus der Hölle:

(General-Anzeiger Bonn online)

Freitag: Am Ende des für einen Freitag gar nicht mal so kurzen Arbeitstages blieb vieles unerledigt, unter anderem weil mich Besprechungen und ein einstündiger Info Call mal wieder von der Arbeit abhielten. Nächste Woche wird es nicht besser. „Das kommt davon, wenn man lieber durch die Gegend läuft, anstatt ins Büro zu gehen“, könnten Sie nun nach dem freien Tag gestern einwenden. Dem ist zu entgegnen: Das ist es mir wert. Was auch immer liegen bleibt, niemand kommt dadurch zu Schaden.

Onkel Michael macht sich, wie ich finde, kluge Gedanken über akzeptierten Sprachgebrauch. Kostprobe:

„Darf ich das so sagen?“, „Ist das noch zulässig?“, „Gibt es dafür inzwischen ein besseres Wort?“ – und während man noch innerlich Formulare ausfüllt, ist der ursprüngliche Gedanke längst verhungert. Das ist kein Verbot, das ist Dressur. Und zwar eine ziemlich effektive.

Das Ergebnis ist eine Sprache, die immer glatter, immer vorsichtiger, immer risikofreier wird. Eine Sprache, die niemanden beleidigt – und dabei zunehmend auch niemanden mehr interessiert. Sie ist korrekt, sauber, gut gemeint und ungefähr so lebendig wie ein Beipackzettel.

Dagegen sind Besprechungssätze wie „Lass uns bilateral sprechen wegen der Zeitschiene“, „Ich muss da Erwartungsmanagement betreiben“ oder „Das werde ich später racapen“ völlig unzensiert möglich. Leider, bin ich versucht, hinzuzufügen.

Samstag: Die Nacht endete früh, da ich nach Bielefeld zu fahren beabsichtigte, um die Mutter zu besuchen, wie üblich und trotz allem mit der Bahn. Das fing schon gut an, denn, wie die Bahn-App morgens meldete, fiel die vorgesehene Fahrt mit dem RE 6 aus. Das war nicht so schlimm, ich war früh genug aufgestanden, um eine frühere Verbindung zu erreichen, die mit erfreulicher Pünktlichkeit verlief.

„Ganz Köln ist ein Drecksloch“, sagte eine Dame hinter mir bei Erreichen der Stadt zu ihrem Begleiter. Nun ist Köln wohl nicht die schönste aller Städte, auch wenn Kölner das anders sehen, doch sie in ihrer Gesamtheit derart zu bezeichnen erscheint mir übertrieben. (Da fällt mir ein alter Witz ein, der nur gesprochen seine Komik entfaltet: „Köln ist ein Drecksloch? Mainz sollten Sie mal sehen.“ – Tusch.)

Ab Oelde füllte sich der Zug mit Menschen, die blau-weiß-schwarz gekleidet und beschalt waren, den Farben des örtlichen Bielefelder Fußballvereins. Einige waren mit Bierflaschen ausgestattet, immerhin verhielten sie sich ruhig. Dennoch befürchtete ich im Falle eines Sieges akustisches Ungemach für die Rückfahrt.

Während die Mutter nach dem Mittagessen eine halbe Stunde ruhte, unternahm ich einen Spaziergang durch den Stadtteil, in dem ich aufgewachsen bin und der sich seitdem naturgemäß stark verändert hat, wie ich auch. Einiges ist geblieben, etwa das Einkaufszentrum im Waschbeton-Charme der frühen Siebzigerjahre. Auch einige Geschäfte darin haben sich bis heute gehalten, etwa die Lottoannahmestelle, die Sparkasse, das Restaurant und der Friseursalon. Auch dem Vater stattete ich auf dem Friedhof einen kurzen Besuch ab.

Meine Befürchtung bezüglich Fußballfangelärmes auf der Rückfahrt war unbegründet. Der Bahnsteig gegenüber an Gleis 8 war dicht bevölkert mit Blau-Weiß-Schwarzen, Gesang schallte herüber, ehe sie sich in die viel zu kurze Regionalbahn nach Paderborn quetschten. Mein Mitgefühl galt den weniger fußballbegeisterten Mitreisenden. Mit meinem Zug in Richtung Köln fuhr nur eine kleine Gruppe Fußballfreunde, allerdings nicht blau-weiß-schwarz sondern irgendwas mit rot. Auch sie stimmten während der Fahrt kurz Gesang an, allerdings einen Wagen weiter, somit kaum störender als das übliche Geplapper in einem Zug. Die Rückfahrt verlief im Übrigen ebenfalls pünktlich, zweimal vier Stunden reichten dann auch.

Sonntag: „Ich glaube, mich streift ein Bus“ sagte man früher, um seiner Verwunderung oder Empörung Ausdruck zu verleihen. Ob dem Autofahrer dieser Spruch bekannt ist, weiß ich nicht, jedenfalls erlebte er beziehungsweise sein Wagen ein solches Ereignis heute Nachmittag, wie ich beim Spaziergang beobachtete. Bus und Auto warteten in der Weststadt nebeneinander vor einer Ampel, links der Bus, rechts der Wagen. Dann war ein unschöner Knall zu hören, Glas splitterte, der Bus fuhr über die Kreuzung und hielt dahinter warnblinkend an. Der Busfahrer verließ sein Fahrzeug nicht, vielleicht stand er unter Schock. Dem Auto waren der linke Rückspiegel und die Vorderfront weggerissen, am Bus war eine Scheibe der hinteren Tür zersplittert. Menschen kamen dem Anschein nach nicht zu Schaden, gleichwohl dürfte für die Beteiligten der Sonntag gelaufen sein. Auch die Busfahrgäste haben heute was zu erzählen.

Im Übrigen ließen dunkle Wolken im Norden und erste Regentropfen die Beendigung der Spaziergangs nach einer Stunde ratsam erscheinen. Somit auch heute kein Freiluftgetränk im Lieblingsbiergarten, das ist nicht schlimm.

Während an der Poppelsdorfer Allee die ersten Kastanien blühen …
… ist die Kirschblüte in der Inneren Nordstadt bald durch

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Für mich ist sie mit einer sechsstündigen KI-Schulung und einer dreitägigen Dienstreise nach Höxter verbunden, auf letztere freue ich mich ein wenig.

19:00

Woche 4/2026: Am besten kuckt man keine Nachrichten mehr

Montag: Die nach den Ausschweifungen des vergangenen Wochenendes erwartete trübe Montäglichkeit blieb weitgehend aus. Ich kam ganz gut aus dem Bett, die Gewerke gingen gut von der Hand, der recht lange Arbeitstag verging rasch; der Treppenstieg im Turm nach dem Mittagessen war unbeschwerlich, ebenso die drei Sportrunden durch den Parcours am Abend. Es gab schon wesentlich betrübtere Wochenbeginne nach wesentlich ruhigeren Wochenenden. Woher auch immer die Energie kam – manchmal ist es wie verhext. Vielleicht die Vorfreude auf den freien Donnerstag, es ist kleine Woche.

Dienstag: Die Zeitung berichtet über einen rot eingefärbten Bussard, der in Bonn gesichtet wurde und über dessen Färbung nur gemutmaßt werden kann, etwa durch einen verärgerten Geflügelhalter, dessen Hühnern er sich unangemessen genähert haben könnte. Vielleicht – das stand nicht in der Zeitung – feiert er auch nur Karneval.

Anlassloser Gedanke während des Fußwegs ins Werk: Ich glaube, wir leben gerade in sehr zerbrechlichen Zeiten, über die Historiker in hundert Jahren einiges zu vermerken haben werden. Wenn es dann noch Historiker gibt. Von Angela Merkel soll der Satz stammen, den ich schon vor längerer Zeit notierte: „Vielleicht sind Krisen der Normalfall menschlichen Lebens und wir hatten bloß einige Jahre, die eine Besonderheit waren.“

Aus dem Artikel des Tages bei Wikipedia über Askese: „Die auffälligste Auswirkung auf die Lebenspraxis besteht im freiwilligen Verzicht auf bestimmte Bequemlichkeiten und Genüsse, die der Asket für hinderlich und mit seinem Lebensideal unvereinbar hält. Meist betrifft der Verzicht in erster Linie die Bereiche Genussmittel und Sexualität.“ Demnach bin ich ganz sicher kein Asket. Jedenfalls nicht in Bezug auf Genussmittel.

Mittwoch: „Kann sein, dass das challanging wird“, hörte ich in einem Vortrag, später stellte derselbe, mutmaßlich hochbezahlte Vortragende in Aussicht, dass etwas, das ich mir nicht gemerkt habe, „noch fancyger“ werden könnte. Vielen Dank für das Blogfutter, beziehungsweise den Content.

Vielen Dank übrigens auch an die Mitblogger und -innen für zahlreiche Bilder der Polarlichter in den vergangenen Nächten, etwa hier, da und dorten. Als Innenstadtbewohner in einer tiefergelegten Wohnstraße und mit frühem Zubettgehbedürfnis bekommt man so etwas leider nicht in natura zu sehen.

Donnerstag: Inseltag. Für die erste Wanderung des Jahres wählte ich eine Tour nahe Bonn, die keine längere Anreise erforderte, um nicht nach Beendigung womöglich längere Zeit in der Kälte eines Bahnsteigs auf eine verspätete Regionalbahn warten zu müssen. (Das waren noch Zeiten, als auch jeder kleine Landbahnhof über einen beheizten Warteraum verfügte.) So fuhr ich mit der Stadtbahn bis Sankt Augustin, von dort mit dem Bus weiter nach Niederpleis, wo ich in der Bäckerei frühstückte. Am Nebentisch erörterten zwei Rentner die aktuelle Nachtichtenlage mit Trump, Grönland, Putin und Zugunglücken in Spanien. Bis sie zum Resümee kamen, das immer öfter zu hören ist: Am besten kuckt man keine Nachrichten mehr. Zwischendurch wünschte mir einer von den beiden mehrfach guten Appetit, stets gefolgt von dem Hinweis, mich nicht stören zu wollen. Ich lächelte freundlich und aß schweigend weiter.

Von Frühstück und guten Wünschen für den Tag gestärkt wanderte ich bei Sonnenschein durch die überwiegend bewaldete Gegend östlich von Sankt Augustin / Hangelar, die Strecke hatte mir die ebenfalls wanderbegeisterte Kollegin bereits vor längerer Zeit empfohlen. Eine angenehme, abwechslungsreiche und nicht sehr anstrengende Tour von knapp neunzehn Kilometern Länge.

Winterwald bei Hennef-Geistingen
Teich bei Birlinghoven
Licht am Ende des Tunnels unter der A 3 und der ICE-Strecke Köln – Frankfurt
Dieser schöne Trafoturm oberhalb von Birlinghoven hat ausgedient, sein Nachfolger steht schon daneben
Schloss Birlinghoven. Die doppelte Strauchreihe davor sind Rhododendren, ein Grund, im Frühling wiederzukommen
Durch die Hüchten zwischen Birlinghoven und Niederpleis
Kurz vor Niederpleis

Etwa vier Stunden später war wieder Niederpleis erreicht, von wo mich bald ein Bus zur Stadtbahn in Sankt Augustin brachte. Wenig später war ich zurück in der Bonner Innenstadt, wo ich mich für des Tages Mühen statt mit Currywurst heute mal mit Linseneintopf belohnte.

Abends schwänzte ich die Musikprobe, weil der Liebste und ich den Neujahrsmarsch der Ehrengarde der Stadt Bonn begleiteten. Das war trotz kalter Hände – ich hatte Handschuhe vergessen und konnte kaum das Kölschglas halten – und einsetzendem Regen sehr beeindruckend.

Der Marktplatz ist erreicht

Freitag: „Da sind wir noch in der Forensik“ sagte einer in einer Besprechung und meinte wohl sinngemäß, man sei noch in der Klärung des Themas. Laut Duden bedeutet Forensik: 1) Gerichtsmedizin – passt hier nicht; 2) Klinik für psychisch kranke Straftäter – auch wenn manche Kollegen gelegentlich auffälliges Verhalten zeigen, so weit würde ich nicht gehen; 3) Teilgebiet der Informationstechnologie, das sich mit Problemen befasst, die für die Rechtspflege von Bedeutung sind – nein, mit Rechtspflege hat das Thema nichts zu tun. Nun bin ich gespannt, ob sich das irgendwann durch gedankenloses Nachplappern ausbreitet und ein weiterer Eintrag in der Liste des Grauens wird.

Die Kollegin hat heute Geburtstag, deshalb hielten es mehrere Teilnehmer der regelmäßigen Teams-Runde für angebracht, für sie Happy Birthday zu singen, unter dem bei diesem Lied üblichen Verzicht auf gemeinsames Tempo und einheitliche Tonart. „Es klang sehr interessant“, so ihr anschließender Kommentar. Das war sehr freundlich ausgedrückt.

In einem Blogtext las ich „ein*e Scherzkeks*in“ und unterstelle, der Verfasser meint es ironisch. Ganz sicher bin ich mir nicht.

Auch dieser Tag endete karnevalistisch im Zeughaus der Beueler Stadtsoldaten, wo sich mehrere Gesellschaften aus Bonn und Umgebung trafen und sich mit Tanz und Musik auf der Bühne präsentieren, während die anderen Kölsch tranken. Vermutlich waren keine Asketen anwesend.

Samstag: Die Anschrift an der örtlichen Filiale einer Schnitzelbrätereikette gilt Rätsel auf:

Wie viele sind es? 15? 17? 236?

Abends besuchten wir – ohne eigenen Auftritt, daher im leichten Bieranzug – die Bürgersitzung der Ehrengarde Bonn im großen Saal des Maritim-Hotels. Als am Ende die Blaskapelle Domstädter mit Unterstützung einer Gruppe Dudelsackspieler „Du bes die Stadt“ spielte, bekam ich feuchte Augen. Ich weiß nicht warum, Dudelsack-Musik geht mir regelmäßig auf die Tränendrüse.

Kurz nach dem Aufmarsch

Während der Sitzung wurden Fotos von Besuchern gemacht, die hinterher im Foyer ausgehängt wurden und für neun Euro das Stück erstanden werden konnten. Mich wundert, dass dieses Geschäftsmodell in Zeiten, da nahezu jeder eine Kamera mit sich trägt, immer noch funktioniert. Jedenfalls wies die Fotowand schon Lücken auf.

Sonntag: Während auf der Promenade die Pfützen eingefroren sind, saß eine Frau im Schneidersitz auf dem Kies des Rheinufers und las ein Buch, wie ich beim Spaziergang sah. „Verkühl dir nicht die Eierstöcke“ pflegte mein Vater früher zu meiner Mutter zu sagen, wenn sie sich auf eine kalte Fläche setzte. Das fiel mir beim Anblick der Frau wieder ein.

Durch einen Kommentar wurde ich auf einen längst vergessenen Text über Glockengeläut in Bonn aufmerksam, den ich bereits 2014 auf Bundesstadt.com geschrieben habe. Vielen Dank dafür.

Auch dieser Tag sollte nicht ohne karnevalistische Aktivität vergehen: Abends begleitete unsere Gesellschaft den Godesberger Prinz nebst Godesia auf der Prunksitzung der Godesberger Stadtsoldaten, ebenfalls im Maritim-Hotel. Als später die Uniform wieder am Haken hing, reichte es erstmal mit Alaaf. Bis nächsten Sonntag.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Nach längerer Zeit werde ich mal wieder eine Dienstreise machen, und zwar von Dienstag bis Donnerstag nach München. Ein wenig freue ich mich drauf. Bitte drücken Sie mir die Daumen, dass die Bahn funktioniert.

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