Niklas – und der Rhein fließt aufwärts

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Seit ges­tern Abend fegt Tief Niklas über Deutsch­land hin­weg und machte auch um das Rhein­land und Bonn kei­nen Bogen. Aus meinem Büro im 27. Stock sah das heute so aus:

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Gegen halb 12 schien die Sonne, aber Gischt­krön­chen auf dem Rhein las­sen den star­ken Wind erahnen.

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Um 14:25 Uhr umtost Regen den Turm…

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… doch schon eine Minute spä­ter reißt der Him­mel auf und malt die­sen schö­nen Regen­bo­gen unter mein Büro.

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Kurz nach 15 Uhr ist der Him­mel blau, den­noch bläst der Wind hef­tig und lässt den Turm knar­zen wie ein altes Schiff.

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Kurz nach 16:30 Uhr zieht es sich wie­der zu.

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Knapp eine Stunde spä­ter rei­ßen die Wol­ken wie­der auf, dafür erscheint der Rhein grün. Außerdem fließt er aufwärts, sehen Sie selbst.

(Auch veröffentlicht bei Bundesstadt.com)

Abgeschrieben: Der kommunikationsfreie Tag

Schon mehrfach* beklagte ich die Versklavung der Menschheit durch ihre Datengeräte, welche auch mich längst in ihre Ketten gelegt hat. Es ist uns nicht mehr möglich, einfach mal ein paar Minuten lang nichts zu tun: in der Bahn, in der Warteschlange, auf dem Klo. Die Angst, etwas zu verpassen, hat uns fest in ihrem Griff. Doch bin ich nicht alleine mit meinem Unbehagen, mittlerweile warnen Experten sogar vor einer Sucht und raten zur mobilen Mäßigung. Als wenn das so einfach wäre…

Einer, der die kommunikative Knechtschaft ebenfalls nicht länger als gottgegeben hinnehmen will ist Jannis. Er hat für sich einen „kommunikationsfreien Tag“ je Woche beschlossen, worüber er in seinem Blog schmerzwach schreibt. Mit seiner freundlichen Erlaubnis darf ich den Text hier wiedergeben.

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Ich kann mich noch erinnern, wie ich im Jahre 1997 ohne Mobiltelefon auf einem Musikfestival (Pink Pop in den Niederlanden) unterwegs war und meine Freunde verlor – was schlimmer für sie war als für mich, da ich die Geldbörsen für sie aufbewahrt hatte. Sie hatten von der Bühne springen wollen, stage diven – tja, und obwohl wir einen Treffpunkt für Fälle des Nichtfindenkönnens ausgemacht hatten, klappte das nicht … Was ich damit sagen möchte: Ich war also sehr spät dran damit, ein Mobiltelefon zu erwerben, sehr viel später sogar, ich glaube, das war 2001 oder 2002. Und ich benutzte es wirklich nicht oft. Auch mit dem Internet am Smartphone war ich sehr, sehr spät dran. Umso erstaunlicher ist nun meine Sucht.
Es ist kaum zu glauben: Schaue ich zuhause einen Film oder eine Serie, blicke ich ständig auf mein Smartphone, sitze ich in der Bahn das gleiche Spiel, selbst beim Kaffee Trinken mit Freunden, immer, immer wieder muss ich schauen, ob neue Nachrichten, Emails oder whatever ankommen. Und beantworten. Ständig ist irgendwas. Ständig muss ich etwas organisieren, besprechen, posten, liken, faven, retweeten und was es sonst noch alles gibt. Die Frage nach dem Warum ist schon längst nicht mehr die Kernfrage. Es ist eben so. Es ist eine Sucht – und es ist unsere moderne Gesellschaft. Ohne die Schuld von mir selbst weisen zu wollen, es ist nun eben so.
Nun habe ich diesen „kommunikationsfreien Tag“ eingeführt in diesem Jahr. Zum Selbstschutz. Um endlich mal einen Tag GANZ abzuschalten. Kein Social Media, keine Emails, keine Whatsapp, SMS, keine Anrufe. Nicht arbeiten. Einfach nur chillen. Für mich sein.
Aber es ist schwer. Wirklich schwer. Ich befinde mich in einer Situation, in der ich ständig ein Projekt im Nacken habe, ständig etwas zu tun, immer muss etwas beantwortet und bedacht werden. Es ist eben so. Ich kann nicht aus meiner Haut. Schließlich macht es mir auch großen Spaß! Aber es geht so nicht. Ich brauche mal Abstand, mal einen Tag Kurzurlaub von all dem. Ruhe. Aber ich muss etwas dafür tun. Ich schalte mein Smartphone auf Flugmodus, damit ich den Wecker oder Musik nutzen bzw. hören kann. Doch ich zucke immer wieder, während ich einen schönen Film schaue, möchte herausfinden, ob es etwas Neues gibt. Ich zucke, weil ich zwischendurch an meine Projekte denken muss. Aber nein, an diesem kommunikationsfreien Tag muss ich abschalten, muss ich es aushalten, nichts zu tun! Obwohl ich Zeit habe. Nein, das muss sein. Weil alles viel zu viel ist. Viel zu viel Kommunikation.
Ich brauche diesen kommunikationsfreien Tag, muss ihn mir aber von mir selbst abtrotzen!

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Wünschen wir Jannis, dass er die Datendiät durchhält! 

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Nämlich hier, da und dorten.

10 Fragen zur Nacht

Vor einiger Zeit las ich zum Thema Eigenmotivation den Vorschlag, man möge ein Glückstagebuch führen. Konkret heißt das, jeden Abend schreibe man drei Dinge auf, die an diesem Tag besonders gut gelaufen sind. Oder man ruft sie sich einfach so ins Bewusstsein, falls man zu faul zum Aufschreiben ist, vielleicht vor dem Einschlafen, nachdem das Licht gelöscht ist und der Schlaf noch ein wenig auf sich warten lässt.

Die Idee finde ich gut, jedoch unvollständig. Daher habe ich den abendlichen Fragenkatalog erweitert; ihn gedanklich abzuarbeiten erscheint mir sinnvoller und effektiver als Schäfchen zu zählen. Folgende Fragen also stelle ich mir allabendlich:

1) Was ist heute gut gelaufen, worüber habe ich mich gefreut? (mindestens drei Nennungen)
2) Was ist heute schlecht gelaufen, was hat mich ärgerlich, wütend oder traurig gemacht?
3) Wem habe ich heute etwas gutes getan, und was?
4) Worüber habe ich heute gelacht?
5) Was habe ich heute zum ersten Mal gemacht?
6) Welcher Mensch ist mir heute begegnet, der mich beeindruckt hat?
7) Was hätte ich heute tun sollen? Warum habe ich es nicht getan?
8) Was hätte ich heute besser nicht getan? Warum habe ich es dennoch getan?
9) Was war die persönliche Erkenntnis des Tages?
10) Wie hoch war heute meine allgemeine Zufriedenheit? (1 = schlecht bis 10 = ausgezeichnet)

Nicht auf jede Frage gibt es an jedem Abend eine konkrete Antwort bzw. sie lautet auch schon mal „nichts“. Meistens scheitert die Beantwortung aller Fragen jedoch daran, dass ich spätestens bei Frage 5 eingeschlafen bin. In diesem Sinne: gute Nacht!

Eine Woche in Avignon oder: Aus meinem Leben als Unternehmergattin

Die vergangene Woche verbrachten wir in Avignon, zuvörderst zum Besuch der Weinmesse découvertes en Vallée du Rhône, aber auch das touristische Programm kam nicht zu kurz, schließlich kann man nicht ununterbrochen Wein saufen. Als Unterkunft hatte uns der Liebste ein kleines Appartement mitten in der Stadt gebucht, von wo aus die Erprobungsstätten fußläufig gut zu erreichen waren, im Falle einer Weinmesse ein ja nicht ganz unwesentlicher Aspekt.
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Nach unserer Ankunft am frühen Samstagnachmittag trotzten wir der Müdigkeit von der langen Fahrt und ließen uns von der Sonne und den für uns ungewohnt milden Temperaturen nach draußen locken zum ersten Glas Bier, nach welchem wir wunderbar ruhten.

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Sonntag besuchten wir zunächst den Ort Fontaine de Vaucluse, wo die gleichnamige Quelle des Flüsschens Sorgue deutlich mehr sprudelte, als wir es aus den Sommermonaten kannten, und die Fluten das Tal mit beeindruckendem Rauschen erfüllten. Ansonsten war nicht viel los, die meisten Touristenneppbuden geschlossen.

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Danach fuhren wir nach Caromb. Da die örtliche Weinhandlung zwar trotz Sonntag geöffnet, wegen der vom Franzosen stets konsequent eingehaltenen Mittagspause jedoch noch etwa eine halbe Stunde geschlossen war, gingen wir zunächst durch den Ort, wo auch nicht viel los war.

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Über Malaucène, wo wir unser Nachmittagsgetränk zu uns nahmen, fuhren wir zurück nach Avignon.

Montag machten wir einen Ausflug durch das Vaucluse über Gigondas, Vinsobres, Nyons und Beaume de Venise. Die gewohnten üppigen Farben der Provence wirkten noch recht blass, doch hat auch diese Jahreszeit hier durchaus ihren Reiz, sehen Sie selbst:

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Dienstag wurde es dann ernst: Die Geschäfte, das heißt die Weinmesse erforderten unsere Anwesenheit im Ort Tain d’Hermitage, etwa 150 Kilometer nördlich von Avignon gelegen, somit leider nicht fußläufig zu erreichen. Aber was nimmt man nicht alles auf sich für einen guten Tropfen… Zur Akkreditierung erhielten wir einen kleinen roten Umhängebeutel, eine Codekarte und ein Weinglas, hiermit waren wir berechtigt, die Hallen der Messe zu betreten und zu probieren, so viel wie wir wollten und – nur theoretisch natürlich – konnten. Der Profi trinkt den probierten Wein übrigens nicht, sondern kaut mit sprudelndem Geräusch darauf herum, um ihn anschließend kunstvoll in scharfem Strahl in bereit stehende Spuckbehälter zu speien, verständlich, sonst käme er nicht weit. So auch der Liebste, zum einen weil er als monsieur importateur der Profi ist, zum anderen, weil er den Wagen wieder heile zurück nach Avignon lenken musste. Mir indes kam in meiner Eigenschaft als Importeursgattin eine eher repräsentativ-dekorative Funktion zu, daher ignorierte ich die Profispucknäpfe. War aber kein Problem, man ist ja im Training.

Nach dem Mittagsbüffet suchten wir die Edel-Schokoladenmanufaktur Valrhona auf, wo es reichlich Möglichkeit der Verkostung gab und welche wir mit gefülltem Magen, knapp drei Kilo Naschwerk und leicht erwärmter Kreditkarte wieder verließen. Danach fuhren wir noch auf den Berg, der diesem Weinanbaugebiet seinen Namen verleiht und von wo aus man einen schönen Blick auf Ort und Rhone hat.

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Mittwoch und Donnerstag fand die Messe dann in Avignon im Papstpalast, im Rathaus und dem Petit Louvre statt. Dort waren die Weine der südlichen Cote du Rhône zu verkosten, welche mir mehr zusagen als die aus Hermitage, zudem sind sie preislich wesentlich günstiger. Mittwoch begann dann leider auch der Mistral, welcher in heftigen Böen durch die Straßen blies, aber auch einen strahlend blauen Himmel über der Provence leuchten ließ.

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Abends waren wir eingeladen – warum, wissen wir selbst nicht so genau – zu einer exklusiven Veranstaltung, bei der es neben edlen Weinen aus Châteauneuf du Pape auch ein verzicktes Büffet gab, unter anderem mit geklammerten Schinkenhäppchen, und das alles für lau.

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Freitag stand die letzte geschäftliche Fahrt an, sie führte nach Châteauneuf du Pape. Ansonsten ließen wir den Tag und den Abend ruhig angehen. Auch der Mistral hatte sich wieder beruhigt.

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Samstag fuhren wir mit einem Auto voller Weinkartons, Trüffel und sonstigen französischen Spezereien zurück nach Bonn, außerdem brachten wir den Frühling mit, nichts zu danken, gern geschehen.

Übrigens: Es macht sich ungerechtfertigter Vorverurteilung schuldig, wer behauptet, der Franzose kommuniziere ausschließlich in seiner eigenen Sprache und lehne jede andere Form der Verständigung kategorisch ab.

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Unten, wo die Stute wiehert

Hinweis: Der nachfolgende Text ist für Jugendliche unter 16 Jahren nur bedingt geeignet, daher habe ich länger* gezögert, ihn zu veröffentlichen. Doch aus gegebenem Anlass scheint mir der rechte Zeitpunkt nun gekommen. Außerdem sind wir hier ja unter uns.

Da der Mensch heutzutage nicht mehr seine gesamte Zeit dafür aufbringen muss, Nahrung für sich und seine Sippe zu besorgen oder sie gegen übel gesinnte Zeitgenossen und wildes Getier zu beschützen, füllt er die ihm zur Verfügung stehenden freien Stunden mit mehr oder weniger absurden Beschäftigungen: Briefmarken sammeln, Ski fahren, Züge fotografieren, Schuhe kaufen, Fußball gut finden, mobil telefonieren, in komischen grünen Uniformen auf Holzvögel schießen, Bier trinken, Göttern oder dem Internet huldigen, Computerspiele spielen oder überflüssige Texte schreiben, um nur einige Beispiele zu nennen. Als Stancerblog-Leser erhalten Sie heute exklusiv einen Einblick in einen besonders tiefen Abgrund menschlichen Freizeitvergnügens.

Denkt der Nicht-Rheinländer, zum Beispiel der Japaner, an Köln, so denkt er als erstes an den Dom, dessen zwei markante Türme weithin sichtbar in den Himmel ragen. Doch gilt Köln nicht nur als Heilige Stadt, weil in besagtem Dom irgendwelche angeblich bedeutenden Knochen in einer kitschigen Kiste aufbewahrt werden; in Kreisen männerliebender Männer gilt Köln auch als eine Art Hauptstadt, bietet es doch dem gemeinen Urning mannigfache Möglichkeiten der Vergnügung. Wenn Sie nicht wissen, was ein Urning ist, fragen Sie Google.

Eine solche frauenfreie Vergnügungsstätte befindet sich am Heumarkt in Sichtweite des Domes, von der ich heute singen und sagen will. Da nicht zu verhindern ist, dass dieser Text auch vor 22 Uhr und von Minderjährigen gelesen wird, bemühe ich mich, explizite Schilderungen kopulativer Handlungen auf das absolut notwendige Maß zu beschränken.

Zunächst lade ich Sie ein zu einem Rundgang durch die Örtlichkeit – keine Angst, es tut Ihnen niemand etwas, was Sie nicht wollen. Gleich hinter dem Eingang befindet sich eine Art Empfangstheke, wo man seine Jacke hinterlegen kann und – je nach Bedarf und Tagesmotto – weitere Kleidungsstücke, dazu komme ich noch. Danach folgt ein größerer Raum, der von einer Bar ausgefüllt wird.

Geht man etwas weiter, wird es dunkler. Auf dem Weg zu den (oberen) Toiletten liegen rechter Hand schummrige Nischen, und direkt vor dem Eingang zum Klo steht ein Sofa, auf dem der vom Drang geplagte Mann warten kann, falls wider Erwarten alle Becken besetzt sind, derweil gegenüber dem Sofa auf einem Bildschirm Naturfilme gezeigt werden.

Eine schmale Treppe führt in das Untergeschoss. Unten angekommen, steht man zunächst in einem kleineren Raum, der einen verschlossenen begehbaren Käfig und eine größere, abwaschbare Sitz- und Liegelandschaft beinhaltet, an der Wand ein Naturfilme zeigender Bildschirm. Von diesem Vorraum aus gelangt der Getriebene zum einen in den unteren Toilettenbereich, wo Mann, wenn er nicht den verschließbaren Kabinen Vorzug gibt, statt in die üblichen Urinale in eine Badewanne pinkelt, zum anderen in den, nennen wir es „Aktionsbereich“. Hier ist es noch etwas dunkler, aber immer noch nicht so dunkel, dass man ohne Nachtsichtgerät nichts mehr sieht, und manchmal, gerade in nicht mehr ganz so jungen Jahren, hat eine gewisse Dunkelheit ja durchaus etwas versöhnlich-schmeichelhaftes.

Die halbdunklen Gänge des Aktionsbereiches führen vorbei an mehren von innen verschließbaren Kabinen und offenen Nischen, in denen teilweise mit Ketten an der Decke befestigte Schaukelelemente in Hüfthöhe angebracht sind, in Fachkreisen als „Sling“ bekannt; der linke Gang endet in einer Art Fitnessraum, der rechte in einem fast völlig dunklen, verwinkelten Bereich. Als Service des Hauses liegen überall Kondome und begleitende Schmierstoffe aus.

Dies soll genügen zur Orientierung, schreiten wir zur Tat. Vor einem Besuch ist es ratsam, sich über das Tagesmotto, insbesondere den Dresscode zu erkundigen. Dieser reicht von no dresscode, also ein Jeder wie er mag, über uniform, worker, business, sportswear, underwear, beachwear bis hin zu naked, also nix außer Schuhe und gegebenenfalls Socken. Es gab aber auch schon regelmäßige Tage mit dem Motto suit or naked, wobei die Anzugträger klar in der Unterzahl waren, kann man ja verstehen, Eiweißflecken im Super-100-Tuch sind wenig erfreulich.

Wem diese Kombination bereits ein erstauntes WAS?? entlockt, dem sei berichtet von einer ganz besonderen Veranstaltung: dem Stutenmarkt. Hier muss sich der geneigte Besucher zuvor entscheiden, ob er – generell oder jedenfalls für diesen Tag – lieber vorne tätig ist oder hinten tätig sein lässt; erstere sind die ‚Hengste‘, zweitere die ‚Stuten‘.

Und so läuft es ab: Um 15 Uhr ist Einlass für die ‚Stuten‘. Diese entkleiden sich bis auf Schuhe und bei Bedarf Socken, anschließend bekommen Sie eine Haube aus grobem Sackleinen über den Kopf gezogen, die ihr Gesicht verhüllt, und werden im „Stallbereich“ mit den Händen an ein quergespanntes Seil angebunden.

Eine Stunde später dürfen dann die ‚Hengste‘ eintreten, die keiner besonderen Be- bzw. Entkleidungsvorschrift unterliegen. Dann geht es los. Als ‚Hengst‘ darf man sich eine der angebundenen ‚Stuten‘ aussuchen, wobei es ausdrücklich erlaubt ist, den Kandidaten zum Zwecke der Eignungsfeststellung an allen Stellen zu berühren und befühlen. Hat der ‚Hengst‘ seine vorläufige Auswahl getroffen, bindet der als „Stallmeister“ beschäftigte Mitarbeiter des Hauses die Stute los, und es beginnt ein bizarres Schauspiel: Da die ‚Stute‘ aufgrund des Stoffbeutels ja nichts sieht, legt sie ihre Hände auf die Schulter des ‚Hengstes‘; diese Mikropolonaise zieht nun ab zur nächsten freien Kabine oder einem anderen Ort innerhalb des Lokals, wo man sich in der vorgesehenen Weise vergnügt. Eine leicht exhibitionistische Neigung ist von Vorteil.

Wichtige Regel: Nach dem Vollzug führt der ‚Hengst‘ die ‚Stute‘ in gleicher Weise zurück zum Stallmeister, wo sie entweder in einem Ruhebereich regenerieren kann oder, so sie bereit ist, gleich wieder angebunden wird für den nächsten Akt.

Was allen Veranstaltungen – und allen vergleichbaren Lokalen – gemein ist: Die Hauptbeschäftigung besteht nicht etwa aus ungehemmter Unzucht, sondern aus ständigem Herumgerenne auf der Suche nach dem vermeintlich Richtigen, also nicht zum Heiraten sondern nur für das Eine; eher werden Körperflüssigkeiten getauscht als Namen oder gar Adressen, ohnehin wird wenig gesprochen.

Das ganze ist übrigens vergleichsweise günstig: der Mindestverzehr ist nicht viel teurer als eine Kinokarte. Davon können Hetenmännchen wohl nur träumen. Woher ich das alles weiß? Nun, äh… also der Freund des Bruders eines Kollegen kennt einen, der mal davon gehört hat… Was? So spät schon? Entschuldigen Sie mich, ich muss weg.

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* etwa drei Minuten