Woche 21: Nicht weniger leiden die Büropflanzen

Montag: Das sogenannte Bundesbüdchen ist nach rund zwanzig Jahren am vergangenen Wochenende in die Nähe seines früheren Standplatzes am ehemaligen Bundestag zurückgekehrt, wo es bis zum Umzug der „Politik“ nach Berlin der Nahversorgung diverser Bonner Politiker diente.

KW21 - 1

Bei Bedarf kann man darüber streiten, ob die für die Wiederherrichtung erforderlichen 400.000 Euro vielleicht sinnvoller auszugeben gewesen wären, darüber möchte ich gar nicht befinden. Interessanter dagegen die Frage, wie lange es dauern wird, bis Irre das Häuschen beschmiert und beschädigt haben.

Dienstag: „Damit unterstützt die Bundesrepublik seine Wirtschaft in der aktuellen Corona-Krise mit mehr Geld als alle anderen EU-Staaten zusammen“, steht im General-Anzeiger. Wessen Wirtschaft, geht aus dem Artikel nicht hervor.

Wesentlich besser, auch weil fehlerfrei, gefällt mir dieser Satz von Prof. Clemens Albrecht, Universität Bonn: „Moralisierung des eigenen Lebensstils ist der erste Grad der Verspießerung.“

Mittwoch: „Das war für uns so nicht visibel“ las ich in einer Mail und habe wieder eine neue Variante gelernt, mehr Silben als erforderlich zu verwenden, um gebildet zu erscheinen.

„Am meisten leiden die Kinder“, heißt es oft. Nicht weniger leiden im Moment wohl die Büropflanzen, weil die, die sie sonst gießen, zu Hause arbeiten. An die denkt mal wieder keiner.

Donnerstag: Die Christen feiern heute Himmelfahrt, die Väter sich selbst, oder auch nicht; testosteronlautes Bollerwagengeziehe erscheint ja im Moment unangebracht. Was feiern christliche Väter? Egal, verkomplizieren wir das ganze nicht unnötig.

Ich blieb lieber zu Hause, wo ich auf dem Balkon einen vor mehreren Tagen begonnenen Aufsatz über Kindheitserinnerungen an einen Glücksort zu Ende brachte. „Ich merke, meine ursprüngliche Absicht, [dem Thema] einen 10-Minuten-Aufsatz zu widmen, lässt sich nicht umsetzen, zu viel fällt mir dazu ein, das aufgeschrieben sein will, wobei das Glücksgefühl beim Aufschreiben fast so groß ist wie das, welches ich als Kind dort empfand.“ Den Rest gibts irgendwann demnächst hier zu lesen.

Freitag: „Audi – das sind doch die Sozenkarren von dem Schröder, das sieht man schon an den vier Ringen, für jede Ehe von dem einer. Eigentlich müssten es fünf sein, aber die wissen noch nicht, wohin mit dem fünften.“ Die Weltanschauungsideen des Geliebten müssen sich hinter den aktuellen Verschwörungstheorien keineswegs verstecken.

Samstag: »Die „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ hat sich ausgeküsst, ein Umstand, den manche klammheimlich begrüßen, die überschwengliche Begrüßungsrituale von entfernteren Bekannten und sich gar nicht so Nahestehenden stets als übergriffig empfunden haben, aber ein Nein nicht auszusprechen wagten«, steht im General-Anzeiger. Ich fühle mich gemeint, wobei von „klammheimlich“ keine Rede sein kann, ich bekenne, dieses Getue überhaupt nicht zu vermissen. Sich für irgendetwas gegenseitig abzuklatschen ist im Übrigen auch so eine ebenso dümmliche wie überflüssige Geste, die bei der Gelegenheit gleich mit entsorgt gehört.

Dank rechtzeitiger Einschränkung der Einschränkungen verbrachten wir, wie schon länger geplant, das Wochenende an der Mosel mit Hotelübernachtung in Brauneberg, einem kleinen Ort, dessen pittoreske Anmutung einem Fotografen wohl die Motivklingel anschlagen und manchen Maler zum Pinsel greifen ließe.

KW21 - 1 (2)

KW21 - 1 (3)

Wenn auch vielleicht nicht an allen Stellen, jedenfalls bliebe nachfolgendes Motiv in den Ansichtskartendrehständern einschlägiger Geschäfte vermutlich länger vorrätig.

KW21 - 1 (1)

Abends im aus unserer Sicht ausgezeichneten Hotelrestaurant gewährten die Gäste am Nebentisch einen Blick auf die Schattenseite menschlichen Umgangs. Vorausschicken muss ich, da das Hotel erst am Montag zuvor seinen Betrieb wieder aufgenommen hat, war es personell schwach besetzt: das sehr freundliche Betreiber-Ehepaar und ein Koch. Nach dem Essen nun baten diese Gäste die Dame des Hauses an den Tisch, um ihr freundlich gemeinte „konstruktive Kritik“ zukommen zu lassen. Erstens: Man habe es versäumt, Brot zu bringen. Zweitens, beim Frühstück sei das doch bestellte Rührei nicht serviert worden. Unfreundlich waren sie dabei nicht, aber: Was ist so schwer daran, kurz nach dem Vermissten zu fragen, anstatt es hinterher für alle im Raum hörbar als „konstruktive Kritik“ anzubringen? Merke: Ratschläge sind auch Schläge.

Sonntag: Während der Rückfahrt nach Hause hörte ich zum ersten Mal nach Längerem wieder Bundesliga-Berichterstattung im Radio. Was habe ich das nicht vermisst.

Zum Schluss noch was mit Liebe, gelesen in der aktuellen Ausgabe der PSYCHOLOGIE HEUTE: „Ebenso wie zum Glauben gehört zur Liebe das Mysterium des Nichtverstehens.“ Und: „Sexualität ist ein Medium der Kommunikation.“ Stimmt schon, wir sollten mehr miteinander reden. In diesem Sinne wünsche Ihnen eine angenehme neue Woche mit viel Liebe und erbaulicher Kommunikation.

Woche 20: Kontaktpersonennachverfolgung

Montag: Es mag Zeichen einer gewissen Weicheiigkeit meinerseits sein, die ich gar nicht in Abrede zu stellen versuche, jedenfalls nutzte ich heute wegen Regens zum ersten Mal seit sieben Wochen statt Fahrrad wieder die immer noch ziemlich leere Stadtbahn, um ins Werk zu gelangen, selbstverständlich mit der vorgeschriebenen Schutzmaske.

Ziemlich leer blieben auch die Plätze der Außengastronomie, die seit heute wieder öffnen darf, was ich in erster Linie auf das unfreundliche Wetter zurückführe. Wie auch immer – schön, dass sie wieder geöffnet haben. (Ich erspare mir und Ihnen hier einen Satz, in dem „ein Schritt in Richtung Normalität“ vorkommt.)

Der normale Wahnsinn auch im Werk: „Ich schicke euch dazu noch Slides und Co.“, sagt der Projektleiter.

Dienstag: „Heute Abend hätte ich gerne überbackene Camembertspitzen mit Preißelbeeren“, sagte der Geliebte am Morgen. Anscheinend hatte er wieder was Komisches geträumt. Oder wir sollten ihn nicht immer so verwöhnen.

Dass die Österreicher einen sehr speziellen Humor haben, wissen wir spätestens seit der Krimiserie „Kottan ermittelt“. Ein weiterer Beleg geht aus Pressemeldungen (nicht im Postillon) hervor, demnach dürfen in Österreich Blasmusiker wieder spielen – mit Mundschutz. Vielleicht sind unter derselben Voraussetzung bald auch Pornoproduktionen wieder erlaubt.

„Bleib stark – kauf vor Ort“, las ich abends in den Schaufenstern mehrer Geschäfte in der Innenstadt. Während ich überlegte, was das eine mit dem anderen zu tun hat, ob es sich nicht vielmehr gegenseitig ausschließt, erfordert es doch für viele Menschen eine gewisse Stärke, gerade nichts zu kaufen, sah ich vor der Filiale einer großen Textilkette junge Menschen in einer langen Schlange stehen. Da verstand ich.

Irritierende Bildunterschrift in der Zeitung: „Die Villa am Kurpark in Bad Godesberg blickt auf fast 50 Jahre erfolgreiches Lernen zurück.“ Was mag sie in der Zeit gelernt haben?

Mittwoch: Immer wieder möchte ich aus der Haut fahren, wenn in einer Besprechung für Zuspätkommer alles bisher Gesagte nochmal wiederholt wird.

Aus der Haut fahren wollte auch eine Kollegin, nur drückte sie es etwas anders aus: „Da kriege ich Schnappgeräusche!“, sagte sie. Eine Kostprobe ersparte sie uns freundlicherweise, auch wenn das bestimmt einen gewissen Unterhaltungswert gehabt hätte.

Wer glaubt, das Attribut „atmungsaktiv“ sei bestimmten Kleidungsstücken vorbehalten, irrt. Laut Mitteilung des Chorverbandes sind Proben in „atmungsaktiven Fächern“, insbesondere Gesang und – im Gegensatz zu Österreich – Blasinstrumente, bis auf weiteres nicht erlaubt. Somit sind meine freien Abende mittwochs und donnerstags erstmal gesichert, was zu beklagen mir fernliegt.

Donnerstag: Seit einigen Wochen bietet die Kantine nur Essen zum Mitnehmen in eingeschränkter Auswahl an, ich berichtete. Hatte man sonst die Wahl zwischen sechs oder sieben Gerichten plus Pizza, großer Salatbar und Dessertbuffet, gibt es nun neben Pizza und fertig portioniertem Salat genau ein täglich wechselndes Tagesgericht, das ich konsequent nehme. So esse ich ab und zu Sachen, die ich früher wohl eher nicht gewählt hätte, und stelle fest: Vor allem die vegetarischen Gerichte schneiden geschmacklich sehr gut ab. Nur die Dessertauswahl vermisse ich etwas.

KW20 - 1 (1)

Vor der Kantine begegnete mir einer, der in Anzug und mit Krawatte völlig aus der Zeit gefallen schien.

Freitag: Die gute Nachricht des Tages verkündet, ab kommender Woche kann man wieder in der Kantine essen, wenn auch mit eingeschränktem Angebot und unter den bekannten Abstandsregelungen.

Zufällig entdeckt: Die Mutter aller Imagefilme.

Samstag: Seit einiger Zeit fühle ich mich beim Duschen irgendwie beobachtet.

KW20 - 1

Abends aßen wir erstmals seit Wochen wieder in einem Restaurant in der Innenstadt, was hatte ich mich darauf gefreut! In der Annahme, andere freuten sich ebenso, hatte ich tagsüber extra für uns reserviert und erwartete abends ein im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten volles Haus. Jedoch war erstaunlich wenig los, was mich etwas irritierte. Trauen sich die Leute noch nicht?

Sonntag: Das erste Weizenbier unter freiem Himmel, auf das ich mich nicht minder gefreut hatte, nahm ich heute im Rahmen des Sonntagsspaziergangs auf dem Münsterplatz zu mir.

Zuvor muss man zur „Kontaktpersonennachverfolgung“, ein wunderbares Wort, einen Zettel ausfüllen mit Name und Telefonnummer. Die Richtigkeit der Angaben wird nicht geprüft, man könnte also irgendwas schreiben, mache ich natürlich nicht. Schräg hinter mir saßen zwei an einem Tisch. Als ein dritter dazukam, fragte die Bedienung: „Wohnen Sie zusammen?“ Vor kurzem hätte das zur Gegenfrage „Was geht Sie das denn an?“ geführt, heute ist es selbstverständlich.

Mit einer neuen Selbstverständlichkeit gab ich dem Bettler, der an meinen Tisch trat, einen Euro, weil ich annehme, die haben es jetzt besonders schwer. Vielleicht ist das Unsinn, leicht hatten die es vorher auch nicht.

Skurril: Ein Mann lief in Socken über den Platz, seine Schuhe trug er materialschonend an den Schnürsenkeln baumelnd in der Hand. Vielleicht ein Leisetreter.

 

Woche 19: Schädliche Zurückhaltung und zweifelhafte Charaktere

Montag: Die Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie heißt Hildegard Müller, womit widerlegt ist, man benötige einen ungewöhnlichen Namen, um es im Leben zu was zu bringen. Laut Zeitungsbericht findet Frau Müller, wir müssten mehr Autos kaufen, dazu fordert sie staatliche Kaufprämien für Kraftfahrzeuge. Andernfalls drohe „eine für die Industrie schädliche Zurückhaltung der Konsumenten“. Schöner kann man die Perversion unserer Konsumkultur kaum auf den Punkt bringen.

Die Bestellbestätigungsmail der Kantine endet mit „Bleiben Sie gesund“. Einen Zusammenhang mit der Qualität der Speisen unterstelle ich nicht, kann ihn aber nicht völlig ausschließen.

Lockerungen auch im Bundesviertel: Der Altkanzler kann wieder unmaskiert das Brausen der Bundesstraße betrachten, vgl. Eintrag vom vergangenen Montag.

KW19 - 1

Dienstag: Schädliche Zurückhaltung der Konsumenten muss die Rüstungsindustrie nicht beklagen, irgendwo ist schließlich immer Krieg – die deutschen Kriegswaffenexporte sind um vierzig Prozent gestiegen, vermutlich ohne staatliche Kaufprämien. Da staunen die armen Autohersteller. Vielleicht sollten sie Panzer und Kampfflugzeuge ins Programm aufnehmen, am besten mit umweltschonenden Elektroantrieben.

Vorschlag für das Unwort des Jahres: „Nukleare Teilhabe“.

Abends war ich beim Friseur, der mich abwechselnd siezte und duzte, was mich nicht störte, das Ergebnis ist trotz Maskenpflicht zufriedenstellend ausgefallen. Neben mir wurden einem kleinen Jungen die Haare geschnitten. Ich nehme an, er saß nur deshalb still, weil Mami währenddessen vor seinen Augen einen Film vom Telefon abspielte.

Mittwoch: Seit geraumer Zeit fahre ich mit dem Fahrrad ins Werk, dabei führt mich der Weg morgens am Hofgarten vorbei durch die Stockenstraße zur Adenauerallee/B9, die Einmündung ist ampelbewehrt. Bislang wechselte die Ampel jeden Morgen genau in dem Moment auf grün und ermöglichte so ein haltloses Einbiegen in die B9, wenn ich mich ihr auf wenige Meter genähert hatte; kurz nachdem ich die in den Asphalt eingelassene Kontaktschleife passierte, wechselte das Licht mit großer Verlässlichkeit zu meinen Gunsten. Wechselte, Präteritum, Vergangenheit: Seit zwei Tagen bleibt die Ampel rot und zwingt mich zum Halten (im Gegensatz zu den meisten anderen Radfahrern, die derartiges Leuchten ignorieren beziehungsweise als nicht ernst zu nehmenden Vorschlag auffassen, halte ich wirklich vor roten Ampeln, auch wenn mir dadurch verständnislose Blicke und manchmal Verwünschungen sicher sind). Ich beklage das nicht, nehme Momente des Wartens dankbar an, man wird ja nicht jünger. Außerdem wird sie ihre Gründe haben.

„Gerade jetzt ist Mundhygiene besonders wichtig“, sagt der Mann in der Reklame. Warum gerade jetzt und sonst nicht so, sagt er nicht.

Donnerstag: „Florian Schneider ist tot“, lässt mich der Geliebte am frühen Morgen kurz nach dem Zähneputzen (Mundhygiene ist wichtig) wissen. In vorübergehender Unkenntnis darüber, wer das ist beziehungsweise war, zumal die Glut meiner Verehrung für die Gruppe Kraftwerk allenfalls ein fernes, schwaches Glimmen ist, und der unzutreffenden Annahme, es handelte sich hierbei aufgrund des Namens um einen jüngeren Mann, gab ich zur Antwort: „Ja ja, die Guten gehen immer zuerst.“ – „Na dann haben wir an dir ja noch länger was“, so der Geliebte. Das kommt alles auf die Lorbas-Liste, die ich irgendwann anlegen werden.

Freitag: Hochzeitstag – seit nunmehr achtzehn Jahren bin ich glücklich verheiratet. Von Herzen danke ich dem Liebsten, dass er es immer noch mit mir aushält und mich nicht längst vom Hof gejagt hat; rückblickend, ohne ins Detail zu gehen, hätte er vielleicht den einen oder anderen Grund dazu gehabt. (Bitte denken Sie sich hier eine geigenschwangere Kussszene.) Der achtzehnte Hochzeitstag heißt übrigens Türkishochzeit. „Der Halbedelstein gilt als Schutzstein und soll Verführungen von der Ehe fernhalten“, lese ich dazu. Möge er dabei weiterhin erfolgreich sein.

In der Mittagspause sah ich einen, der in sommerlicher Freizeitkleidung einen Kinderwagen schob und in sein Kabeldings sagte: „Die Agenda habe ich noch nicht erhalten, aber die IT macht langsam Druck.“ Das nennt man wohl Parkoffice.

Fünfundsiebzig Jahre Kriegsende (oder Kapitulation, Befreiung; zweifelhafte Charaktere sprechen auch von Niederlage). Immer das gleiche Bild bei den zu solchen Anlässen üblichen Kranzniederlegungen: Politiker schreiten zu dem bereits niedergelegten Kranz, bücken sich und zupfen an den Schleifen herum, jedesmal, immer. Ist das eine Art Übersprungshandlung, oder legen die Helfer die Kränze zuvor bewusst unordentlich aus, damit die Politiker während des Gedenkens Beschäftigung vorweisen können?

Samstag: Eine echte und sinnvolle Innovation, nicht nur in viruslastigen Zeiten, wären Mundschutzmasken in schalldichter Ausführung, vor allem in Verbindung mit einer gesetzlichen Tragepflicht für bestimmte Personen. Um juristische Imponderabilien zu vermeiden verzichte ich darauf, Namen zu nennen, obschon mir spontan einige einfielen.

Sonntag: Da mich der Geliebte einer gewissen Geschwätzigkeit hier im Blog bezichtigt, verzichte ich für heute auf weitere Ausführungen.

 

Woche 18: Detonierende Detraktoren und Humus auf die Faust

Montag: Nach langem, verstörendem Traum mit mehreren Fortsetzungen und ständig sich wandelnden Fakten, dessen Inhalt ich nicht wiedergegeben könnte (so weit ich mich erinnere ging es um viel Geld und die Suche nach einem Schuldigen), bin ich fast froh, dass die Nacht vorüber ist und eine neue Woche grüßt. Aber eben nur fast, geht es doch im Werk oft auch um viel Geld und Fingerpointing, auch wenn letzteres gerne und regelmäßig bestritten wird.

„Normalerweise sind wir Experten darin, unsere Kunden auf allen Ebenen zu verwöhnen“, schreibt der Friseursalon meines Vertrauens. Bislang nahm ich seine Dienste vornehmlich zum Haarschnitt in Anspruch, bin allerdings gerne bereit für neue Erfahrungen auf anderen Ebenen.

In einem Zeitungsbericht über Brandanschläge auf Funkmasten lese ich „Täter mit mobilfunkkritischem Hintergrund“, welch wunderbares Wort. Ich frage mich, was an den Dingern brennen kann und wie man die bei entsprechender Entzündungsabsicht in Brand setzt, also wirklich nur interessehalber, nicht dass sie denken, ich würde aufgrund meines nicht zu leugnenden mobilfunkkritischen Hintergrundes derartiges erwägen oder auch nur gutheißen.

Auf der Rückfahrt vom Werk sah ich den maskierten Altbundeskanzler, fuhr zunächst mit dem Fahrrad daran vorbei, kehrte um und machte ein Foto, das ich Ihnen hiermit zur Kenntnis gebe.

KW18 - 1

Augenscheinlich vermuten übrigens viele den Hauptzweck solcher Masken darin, das Kinn zu schützen.

Seit nun genau einem Jahr rauche ich nicht mehr, das sollte auch mal Erwähnung finden. Ansonsten ist dazu bereits alles geschrieben, daran hat sich im Wesentlichen nichts geändert.

Dienstag: „Dieser 30. April kommt zu früh“, wird Regierungssprecher Seibert in der Zeitung zitiert. Wann käme ihm der 30. April denn gelegener, vielleicht Mitte Juli?

Mittwoch: Es ist wohl ein Merkmal beneidenswerter Gemütsruhe, wenn jemand dreiundzwanzig Minuten nach dem geplanten Ende einer für eine halbe Stunde angesetzten Besprechung sagt: „Wir haben schon ein wenig überzogen.“

Donnerstag: So langsam wird es Zeit, dass die Friseure wieder öffnen, zunehmend verweigern sich die Haare jeglicher Infrisurnahme.

Im Fernsehen äußert sich die Sprecherin der FDP für Verteidigungs- und Kommunalpolitik mit dem wundervollen Doppel-Doppelnamen Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu irgendwas, das mir schon wieder entfallen ist. Ebenfalls entfallen ist mir, wo ich kürzlich den nicht minder interessanten Namen Kai Kreisköther las, soweit ich mich erinnere, ist er Sprecher oder Vorsitzender oder beides irgendeines Verbandes, natürlich könnte ich das jetzt recherchieren. Womöglich war der Weg seiner Kindheit aufgrund des Namens von zahlreichen Despektierlichkeiten gesäumt, andererseits ist es wohl der Sprecher- oder Vorsitzenderwerdung nicht abträglich, wenn man in der Jugend das Stahlbad der Schulhof-Schmähungen durchschwommen und zudem einen ungewöhnlichen Namen im Ausweis und an der Bürotür stehen hat.

Es gibt übrigens Wörter, die ich nicht schreiben kann, ohne mich mindestens einmal zu vertippen: Wochenende, Packstation. Und mindestens eins, das ich nicht sagen kann, ohne mich zu versprechen: unmittelbar.

Außerdem habe ich in einer Präsentation ein mir neues Wort gelesen: Detraktor. Im aktuellen Duden steht es nicht, dafür weiß ich nun, dass detonieren nicht nur die Bedeutung von „explodieren“ haben kann, sondern auch „unrein singen/spielen“. Wenn ich also detoniere, kann das also heißen, ich tobe ob der Frechheiten des Geliebten, oder ich übe Trompete. Und was heißt nun Detraktor? Vielleicht ein in Deutschland hergestelltes landwirtschaftliches Nutzfahrzeug? Man kann es nur erahnen, denn eine Definition habe ich bei meiner zugegeben nicht übertriebenen Recherche auch im Netz nicht gefunden. Das englische Wort „detractor“ bezeichnet eine Person, die kritisiert, lästert, schlechtredet, verleumdet. Ein Detraktor kann demnach sowohl detonieren als auch jemanden des Detonierens bezichtigen.

Freitag: Die während des Spaziergangs gesehenen Maibäume für Sven, Lukas, Leslie, Max, Mats, Mattis, Yara, Fredi und Felix fallen in diesem Jahr auffallend klein aus, da sie behördlicher Weisung folgend nur mit maximal zwei Personen aufgestellt werden durften. Noch vor wenigen Monaten hätte sich wohl niemand vorstellen können, dass so etwas mal der behördlichen Regelung bedarf.

Weiterhin kam ich an einem Café vorbei, das laut Tafel Humus zum Mitnehmen anbietet, oder „auf die Faust“, wie man früher sagte, heute heißt das nur noch „to go“. Humus also. Warum auch nicht, es ist Pflanzzeit.

KW18 - 1 (2)

Einen gewissen Hang zur Albernheit lässt #Wolfi in der Inneren Nordstadt erkennen:

KW18 - 1 (1)

Samstag: Trotz mobilfunkkritischem Hintergrund lässt es sich nicht ganz vermeiden, Mitglied mehrerer WhatsApp-Gruppen zu sein. Noch weniger lässt es sich dann vermeiden, ungefragt „lustige“ Filmchen und Sprüche zugesandt zu bekommen, letztere zumeist in Form einer zweifelhaften Grafik. Ich weiß nicht woran es liegt – mich deprimieren derartige Zusendungen zumeist mehr, als dass sie mich erheitern. Beliebt ist zurzeit ein Gedicht, das Heinz Erhardt zugeschrieben wird, es beginnt mit „Weil wir doch am Leben kleben / muss man abends einen heben / So ein Virus ist geschockt / wenn man ihn mit Whiskey block …“, so witzig geht es weiter, ich erspare Ihnen den Rest, vielleicht haben sie es auch schon erhalten. Nun bin ich seit Jugendjahren ein großer Verehrer von Heinz Erhardt, kann einige seiner Gedichte auswendig deklamieren und habe sehr viele gelesen. Vielleicht irre ich mich, aber ich bin mir ziemlich sicher, diese Virusverse stammen nicht aus seiner Feder, sie passen einfach nicht zu ihm. In den Weiten des Netzes habe ich auch keinen überzeugenden Beleg gefunden. Sollte ich mich irren, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

Sonntag: Queen hat mit Adam Lambert eine neue Version von „We Are The Champions“ herausgebracht, schauen und hören Sie hier. Indes: Warum verzichteten die Herren May und Taylor beim Einspielen auf das Tragen einer Hose, und hat Roger Taylor wirklich derart hässlich tätowierte Beine, oder trägt er nur eine unvorteilhafte Strumpfhose?