Da bin ich…

So, nun habe ich also auch ein Blog, weil man das heute haben muss. Glaube ich. Habe ich gehört/gelesen/… Es soll Leute geben, die schreiben ein Blog in der Hoffnung, dass es möglichst viele lesen und sie vielleicht sogar ihre mehr oder weniger geistreichen Kommentare abgeben. Mir ist es vollkommen egal, ob das hier irgendjemand liest, ich schreibe das nur für mich. Kommentare? Bitte, wenn Sie es nicht lassen können, schreiben Sie; auch das ist mir ziemlich egal. Meine intimsten Gedanken werde ich hier sicher nicht zum Ausdruck bringen, die bleiben meinem Tagebuch vorbehalten (ja, so ein richtiges Buch mit Seiten aus Papier, in das man mit einem Stift schreibt, die älteren unter Ihnen kennen so etwas vielleicht noch).

Warum ich dann überhaupt hier bin, fragen Sie? Nun: Es ist schlicht und einfach meine Freude am Schreiben. Und ich werde versuchen, das hier regelmäßig zu tun. Über was? Weiß ich noch nicht. Über den Alltag vielleicht. Vielleicht auch Geschichten, die ich irgendwo gehört oder mir selbst ausgedacht habe.

Ich beginne heute mit einer Art persönlicher Vorstellung. Um es nicht zu langweilig werden zu lassen (für den unwahrscheinlichen Fall, dass es doch einer liest), beschränke ich mich auf zwei Listen: 1.) Dinge die ich mag, und 2.) Dinge, die ich nicht mag. Diese Listen bilden natürlich nur den momentanen Stand ab und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit; zudem kann und möchte ich nicht ausschließen, dass ich etwas, das ich heute nicht mag, morgen durchaus positiv bewerte. Für manches, z. B rasierte Männerbeine, kann ich das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, bei anderem bin ich mir da nicht so sicher.

Hier also die Listen.

1.) Ich mag:
– Freitagabend. Gibt es einen schöneren Moment? Die Arbeitswoche ist überstanden, das Wochenende liegt vor mir, der nächste Montag ist noch fern.
– Lesen. Obwohl ich zu so genannter „großer Literatur“ (wer entscheidet eigentlich, was sich so nennen darf?) oft nicht den rechten Zugang finde, halte ich „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann für das schönste, was je geschrieben wurde.
– Schreiben. Leider komme ich nur noch selten dazu, weil ich diesbezüglich in der letzten Zeit sehr undiszipliniert bin.
– Pornos gucken. Nicht jeden Tag, aber ab und zu schon. Ich stehe dazu, und ich finde das in keiner Weise verwerflicher als Krimis anzuschauen. Das muss mir ohnehin mal jemand erklären: Wieso darf bereits im Vorabendprogramm gezeigt werden, wie sich Leute gegenseitig umbringen, während für die Betrachtung der natürlichsten (und angeblich schönsten) Sache der Welt ein Mindestalter von achtzehn Jahren erforderlich ist? Durch welches von beiden wird unsere Jugend wohl mehr auf die schiefe Bahn gebracht?
– Singen. Mit rund zwanzig Leuten auf einer Bühne zu stehen und Teil einer Harmonie zu sein, ist einfach ein geiles Gefühl!
– Laufen. Der Schulsport hatte mir seinerzeit jegliche Freude an sportlicher Betätigung genommen. Erst rund zehn Jahre später habe ich wieder damit begonnen, jetzt laufe ich, wenn mir nichts dazwischen kommt, zwei mal in der Woche am Rhein entlang, am liebsten alleine (das hat etwas meditatives für mich) und gerne bei Regen
– Die Eisenbahn, in erster Linie als Hobby. Seit frühester Kindheit üben Dampflokomotiven eine große Faszination auf mich aus. Auch als Reisemittel bevorzuge ich sie (gibt es etwas schöneres, als mit dem Zug am Rhein entlang zu fahren?), wenngleich ich in der letzten Zeit mit der Zuverlässigkeit der Bahn sehr unzufrieden bin; eher werde ich den Eindruck nicht los, dass die Bahn es auch ohne Lokführersteik nicht schafft, ihren Betrieb im Griff zu haben. Ich finde, dass die Deutsche Bahn schon lange einen bedeutenden Sprachpreis verdient hat für die verbale Hohlraumversiegelung „Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf…“!
– Haare an den Beinen, auf der Brust und unter den Armen. Ich werde nie verstehen, wie und warum man diesen mit einer Klinge zu Leibe rückt!
– Dummes Zeug reden, jedenfalls ab und zu mit Leuten, die auf meiner Wellenlänge liegen. Das schöne ist, ab sofort kann ich (hier) auch dummes Zeug schreiben, und das ganz alleine!
– Den Frühling: Der viel zu lange und kalte Winter ist endlich überwunden und die vormals trist-graue Welt wird wieder grün und bunt. Herrlich: blühende Fliederbüsche, Kastanien und leuchtend gelbe Rapsfelder!
– Den Sommer: Allein schon wegen der optischen Reize all überall.
– Den Herbst. Durch sein wunderbares Farbenspiel und eine unbeschreibliche Stimmung tröstet er mich darüber hinweg, dass der Sommer vorbei ist.
– Den Winter? Siehe Liste 2.
– Gran Canaria. Hier ist (fast) immer Sommer mit all seinen optischen und sonstigen positiven Begleiterscheinungen. Ich glaube, die Menschheit spaltet sich in zwei Hälften: Die einen lieben es und kommen immer wieder, die anderen waren einmal da und nie wieder.
– Den Rhein. Mein Lieblingsplatz: Das Rheinufer vor Bonn-Oberkassel. Hier kann ich stundenlang im Schatten der hohen Bäume liegen und mir die Schiffe anschauen. Natürlich nur im Sommer.
– Loriot. Für fast jede Lebenslage gibt es ein passendes Zitat. Man merkt schnell, wer ein Kenner ist. Ob Evelyn jetzt wohl mit Heinz Erhardt zusammen arbeitet?
– Berlin. In jeder Hinsicht eine geile Stadt! Muss ich unbedingt bald mal wieder hin.
– Bonn. Hier lebe ich, nachdem ich meiner ostwestfälischen Heimat den Rücken gekehrt habe. Eine Rückkehr erscheint mir undenkbar, geradezu absurd.
– Die Simpsons. So herrlich anti-amerikanisch!
– Lange schlafen. Vor neun Uhr aufzustehen ist eindeutig wider meine Natur. Leider fragt da keiner nach.
– Jägermeister. Eiskalt und pur, alles andere ist unakzeptable Panscherei. Den mochte ich schon, als er noch als Opa-Likör galt und es keinen „Jägermeister-Shop“ und ähnlichen Promotion-Quatsch gab. Wer kennt noch die Werbung „Ich trinke Jägermeister, weil…“? Niemand. Stattdessen kennt jeder die schwachsinnig schwätzenden Hirschköpfe an der Wand. Cool…!
– Maibock. Schmeckt harmlos, ist er aber nicht.
– Oasis: In meine Augen die beste Band aller Zeiten. Ja ich weiß, andere waren/sind auch ganz gut.
– Heinz Erhard. Für mich der größte nach Loriot.
– Eugen Roth. Sein Gedicht „Der Zahnarzt“ (das nicht, wie sonst bei ihm üblich, mit „Ein Mensch…“ beginnt), ist das einzige Gedicht, das ich in der Schule auswendig lernen musste und das ich bis heute rezitieren kann.
– Klassische Musik, insbesondere die Sinfonien von Anton Bruckner. Der erste Teil der Neunten erzeugt bei mir immer noch eine Gänsehaut.
– Altoids Pfefferminzbonbons. Die kennen nur Faber, der echte Fahnder (Gott habe ihn selig) und ich.
– Hermann Hoffmann. Die wenigsten werden sich an ihn erinnern. Seine „Kleine Dachkammermusik“ mit der herrlich schräg geflöteten Eröffnungsmusik war ein wichtiger Begleiter meiner Jugendzeit. Die Herren Schräuble und De Vries waren für mich echte Helden!

2.) Ich mag nicht:
– Montagmorgen. Falls ich es jemals erwägen sollte, mir das Leben zu nehmen, dann wird es bestimmt an einem Montagmorgen geschehen.
– Unpünktlichkeit. Sowohl bei mir als auch erst recht bei anderen. Ich betrachte als einen Ausdruck geringer Wertschätzung, andere unnötig warten zu lassen.
– Gespräche über Autos, Fußball oder Kinder. Warum begreift Ihr es nicht: Es interessiert mich nicht!!!
– Klugscheißer. Vor allem Leute, die zu allem und jedem einen „schlauen“ Kommentar abgeben und die glauben, mir Fragen beantworten zu müssen, die ich nie gestellt habe.
– Auto fahren. Die aktuelle Tempolimit-Diskussion geht mir völlig am A… vorbei.
– Unnötige Anglizismen. Wenn mein Gesprächspartner ein „Okay…“ einfließen lässt, dieses schreckliche mit angehobener Stimmmodulation auf der zweiten Silbe, erfahre ich echte körperliche Schmerzen!
– Diese Band, die ständig unter anderen Namen auftritt: July, Wir sind Helden, Silbermond…
– Leute, die mich volllabern und nicht merken, dass ich schon längst nicht mehr zuhöre.
– Unnötige Telefongespräche. In dieser Hinsicht bin ich noch Ostwestfale, kein Rheinländer
– SMS-hin-und-her-Geschicke. Manchmal ist ein Anruf einfach effektiver!
– In der Freizeit über die Arbeit reden. Habt ihr sonst nichts im Leben?
– Küsschen-links-Küsschen-rechts zur Begrüßung. Einfach unnötig und aufgesetzt!
– Bekehrungsversuche aller Art. Ich glaube, ich bin alt genug, um zu wissen, was gut für mich ist und was nicht.
– Kaugummi-Kauer. Meint ihr wirklich, das sieht cool aus?
– Den Winter. Viel zu kalt und viel zu lang. In den Skiurlaub zu fahren erscheint mir absurd.
– „Gesundheit“-Sager. Lasst mich doch einfach in Ruhe niesen, ist doch nix schlimmes!

So weit für heute. Die Listen werden bei Bedarf fortgeschrieben.