Montag: Vormittags verließen wir Bonn in Richtung Dresden, wo wir nach zügiger, ansonsten ereignisarmer Autofahrt an zahlreichen blühenden Landschaften Rapsfeldern vorbei fünf Stunden später bei Sonnenschein und Vorsommerwärme ankamen und bis Mittwoch bleiben werden.
Das Hotel, direkt am Hauptbahnhof gelegen, macht einen guten Eindruck. Mein Zimmer hat dieselbe Nummer 345 wie das vor zwei Wochen in Höxter, was auch immer mir höhere Mächte damit sagen wollen. Vielleicht, wahrscheinlich wollen sie gar nicht und es ist nur Zufall. Einen Jackenhaken gibt es auch, das ist in vielen Häusern nicht selbstverständlich.
Einzig um das Haus-WLAN nutzen zu können, musste ich Mitglied in einem Hotelkettenclub werden und bekomme von nun an vermutlich regelmäßig Angebote per Mail zugesandt.

Dienstag: Lobenswert auch die angemessene Größe der Saftgläser beim Frühstücksbüffet.
Der erste Tag der ersten Dienstreisenetappe lief gut. Nur heute hatte ich eine Sprechrolle, morgen beschränkt sich meine Funktion überwiegend auf zuhörend-dekorative Teilnahme.
Die zwei Stunden zwischen Tagung und Abendvergnügen nutze ich für eine Runde durch die Stadt, unter anderem um eine Glückwunschkarte zu erstehen für die Silberhochzeit, zu der wir am Samstag eingeladen sind. Erster Anlaufpunkt war der Hauptbahnhof nebenan, wo ich eine Bahnhofsbuchhandlung mit Glückwunschkartensortiment vorzufinden hoffte. Die gibt es dort auch, die Kartenauswahl umfasst jedoch nur Geburtstage, Mutterschaft, Jugendweihe, allgemeiner Dank, Hochzeit und Goldene Hochzeit, jedoch nicht Silberhochzeit. Fündig wurde ich schließlich im großen Drogeriemarkt mit den zwei Buchstaben, konnte sogar zwischen verschiedenen Ausführungen wählen.
Danach ging ich weiter durch die Fußgängerzone, vorbei an mehreren riesigen Einkaufsstätten, bis zur Elbe. Auf dem Altmarkt ist zurzeit eine Art Weihnachtsmarkt, nur ohne Engel, Kunstschnee und Last Christmas; ob Glühwein ausgeschenkt wird, habe ich nicht geprüft. In Flussnähe kaufte ich örtliches Schokoladenkonfekt für die Lieben zu Hause, dann fuhr ich mit der Straßenbahn zurück, dank Deutschlandticket ohne mir Gedanken über den benötigten Fahrschein machen zu müssen.
Dann waren die zwei Stunden fast vorbei, es blieb nur noch Zeit für ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten und diese Tagesnotiz.
Mittwoch: Nach dem Mittagessen verließen wir Dresden (bei Sonnenschein und Wärme) zur zweiten Etappe der Rundreise, die in Ostbevern bei Münster stattfindet. Staubedingt kamen wir erst recht spät (bei Himmelstrübe und Kühle) an, was kein Problem war, die Versorgung mit Essen und Trinken war jederzeit sichergestellt.
Das Hotel ist interessant (was bis auf den fehlenden Jackenhaken positiv gemeint ist), mehr dazu aus Zeitgründen (ich schreibe jetzt nicht, wann und bei welcher Verrichtung diese Zeilen notiert wurden) voraussichtlich morgen.
Donnerstag: Der erste Tag der zweiten Etappe verlief zufriedenstellend, ich fühlte mich kompetent und in meinen Vorträgen sicher, das ist ja auch mal ganz schön.
Danach, am späten Nachmittag, verspürte ich dringenden Alleinseibedarf und unternahm einen Spaziergang durch die umliegenden Felder. Es war trocken, ab und zu schaute die Sonne durchs Gewölk, dabei deutlich kühler als (vor-)gestern in Dresden, Jackenwetter. Ich bin übrigens verliebt in die neue Jacke, die ich wie berichtet letzten Samstag gekauft habe, ich finde, wir passen perfekt zueinander.
Das Hotel, teilweise in den historischen Räumlichkeiten einer ehemaligen Kaseinfabrik, liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Ostbevern, umgeben von viel Gegend. Die Zimmer sind individuell nach Themen gestaltet, so gibt es unter anderem ein Musik-, Mittelalter-, König-Ludwig-, Reiter-, Fußball-, Nordsee-, Unterwasser-, Starwars-, Wein-, Ski- und ein Boxring-Zimmer. Meins nennt sich Lounge-Zimmer, außer einem Himmelbett in ungewöhnlichem Design weist es keine nennenswerten Besonderheiten auf, ich bin, vom fehlenden Jackenhaken abgesehen, zufrieden.




So, jetzt entschuldigen Sie mich bitte, es gibt Abendessen.
Freitag: Wie üblich, wenn ich Teil einer größeren Gruppe in beruflichem Zusammenhang bin, verzichtete ich auf das Frühstück, um Gespräche vor neun Uhr auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken.
Vormittags erhielt ich eine Besprechungsanfrage für kommenden Montag. Da ich dann keine Zeit habe, wie für jedermann in meinem bestens gepflegten Outlook-Kalender sichtbar, lehnte ich ohne nähere Begründung ab. Mittags fragte die Einladerin per Mail an, ob ich vor dem 15. Zeit hätte, wenn ja, möge ich ihr eine Besprechungsanfrage senden. Warum sollte ich? Ich antworte knapp mit der Empfehlung, einen Blick in meinen oben genannten Kalender zu werfen, der am Mittwoch noch freie Lücken aufweist.
Als wir nach Ende der Tagung zum Parkplatz gingen, rollkofferte eine bunte Schaumweindamengruppe auf den Hoteleingang zu. Die mutmaßlich dazugehörigen Herren verweilten noch etwas bei den Kraftfahrzeugen, von wo laute Wummermusik schallte. Es wurde Zeit zur Abreise für uns.
Zurück in Bonn, besuchten wir abends die örtliche Gastronomie, wo wir auf den 24. Hochzeitstag anstießen, auch „Satinhochzeit“ genannt, auf dass ein jedes seinen Namen habe. Ohne Hochzeitstag wären wir sehr wahrscheinlich auch ausgegangen und hätten auf das Wochenende angestoßen, auf dass ein jedes seinen Anlass habe.
Samstag: Um gar nicht erst aus dem Reisetrott zu kommen, verließen wir zeitig die Schlafstätte, frühstücken im Sonnenschein beim französischen Café, danach fuhren wir mit dem Auto nach Bielefeld. Dort sammelten wir die Mutter ein und fuhren weiter nach Dransfeld bei Göttingen, wo die ehemals kleine Cousine und ihr Gatte zur Silberhochzeit geladen hatten, was einmal mehr verdeutlicht, wie sehr die Zeit rast.
Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit hatte ich heute Lust, über Land von Bielefeld nach Dransfeld selbst zu fahren, da wir diese Strecke in meiner Kindheit und Jugend sehr oft gefahren waren, wenn wir die Großeltern am Rischenkrug besuchten. Doch gelang es nur noch abschnittsweise, die alte Route zu nehmen, da zwischenzeitlich viele neue Straßen gebaut worden sind, die früher durchfahrene Dörfer umgehen, wogegen die Anwohner vermutlich nichts einzuwenden haben; auch die Stadt Holzminden wird großräumig umfahren. Frau Navi hatte zudem häufiger eine andere Vorstellung von der besten Strecke als meine Erinnerung. Wie auch immer, nach angenehmer Fahrt, vorbei an leuchtenden Rapsfeldern und durch insbesondere hinter Holzminden idyllische Fachwerkdörfer (die noch keine Umgehungsstraße haben) erreichten wir zwei Stunden später das Ziel Dransfeld.



Die Feier auf dem Saal war sehr schön, es war erfreulich, lange nicht gesehene Cousins, Cousinen sowie Onkel und Tanten wiederzutreffen, sofern sie nicht verhindert waren oder überhaupt noch leben. So ist nunmal der Lauf der Dinge, die Elterngeneration tritt nach und nach ab, meine Generation sieht dem Ruhestand entgegen oder hat ihn längst erreicht, die nächste hat ihrerseits schon Kinder. Spätestens da verliere ich den Überblick, wer zu wem gehört, wenn man sich nur alle paar Jahre sieht. Und wir müssen davon ausgehen, dass die nächsten Wiedersehen in diesem Kreise nicht nur erfreuliche Anlässe haben.
Einzig die Musik, die schon recht früh sehr laut gespielt wurde, empfand ich, und nicht nur ich, als störend, da sie Unterhaltungen stark erschwerte oder unmöglich machte, was uns wie so Raucher zeitweise in die Abendkühle vor die Halle trieb. Immerhin legte der Dietschäi mit Rücksicht auf uns Ältere immer wieder Musikpausen ein, auf dass genug gesprochen werden konnte.
Einer Unterhaltung war zu entnehmen, man sei zum Shoppen in Hameln gewesen. Nun finde ich den Gebrauch des Wortes Shoppen an sich schon affig-albern, der Zusammenhang mit Hameln setzt dem noch eine Sahnehäubchen auf, ohne den Besuchswert und die Attraktivität dieser Stadt in Frage stellen zu wollen, zumal ich sie nicht gut kenne.
Sonntag: Dank umsichtiger Alkoholzufuhr am Vorabend kamen wir gut und nachwirkungsfrei aus den Hotelbetten, mein drittes Hotel innerhalb einer Woche. (Keine Jackenhaken im Zimmer, kleine Saftgläser beim Frühstück, ansonsten in Ordnung.) Im Frühstücksraum hielten sich neben uns weitere Silberhochzeitsgäste auf, aus Hamburg, die sich entgegen dem gängigen Klischee die Bewohner dieser Stadt betreffend als gesprächig erwiesen, und zwar in durchaus angenehmer Weise.

Die Rückfahrt verlief gut, erst wieder, dieses Mal gemäß Frau Navi, über die Dörfer bis Bielefeld, wo wir die Mutter absetzten, dann weiter über die Autobahn bis Bonn. Hier kamen wir so zeitig an, dass noch Zeit blieb für einen Spaziergang an den Rhein, der gar nicht zufällig am Lieblingsbiergarten entlangführte.
Nach Rückkehr packte ich schon wieder den Rucksack für die nächste Dienstreise morgen und übermorgen nach Bad Breisig, also nicht sehr lang und nicht sehr weit. Hauptsache, immer in Bewegung bleiben.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Kommen Sie gut durch die Woche. Meine Arbeitswoche endet bereits am Mittwoch, dann steht die nächste Reise an: nach Paris. Keine Dienstreise.
19:30








































