Woche 32/2026: Rad- und Achsbruch

Montag: Da heute Schreiblust und Inspiration bis zum Abend ausblieben, gibt es nichts, was über den ansonsten nicht zu beanstandenden Beginn dieser kleinen Woche zu berichten wäre. Alles Weitere finden Sie in den von Ihnen bevorzugten Medien.

Dienstag: In der vergangenen Nacht muss es nennenswert geregnet haben, jedenfalls zeugten morgens mehrere Pfützen am Wegesrand davon. Davon war nachmittags auf dem Rückweg nichts mehr zu sehen, dafür rann mir das Wasser von der Stirn und aus den Poren, nur mit letzter Kraft erreichte ich eine schattige Außengastronomie in der Innenstadt, wo mich ein Helles erquickte. Eine voluminöse Frau in einem viel zu kurzen gestreiften Sommerkleid, darunter mutmaßlich nichts, hinter sich eine Laptoptasche her schleifend, blieb in der Nähe meines Tisches stehen, schaute ins Leere und redete Wirres, ehe sie weiterzog. Vermutlich keine unmittelbare Hitzefolge. Ein Bettler zeigte sich dankbar für die Münzen, um die er mich angehalten hatte.

Trocken und gelb dagegen die Rasenflächen im Rheinauenpark und anderswo, die ersten Büsche tragen welkes Grün mit Tendenz ins Bräunliche, mehrere Pappeln am gegenüberliegenden Rheinufer haben begonnen, Blätter abzuwerfen, nur noch schütter belaubt ragen ihre Kronen in die Höhe. Die Anlegerbrücken auf dieser Seite ragen steil nach unten, die Pontons an ihren Enden liegen bald trocken. Die Frachtschiffe, die nur noch mit geringer Ladung fahren können, ragen weit aus dem wenigen Wasser. Und der August hat gerade erst begonnen.

Hofgarten, morgens
Rheinauen, nachmittags
Restfeuchte
Lächelgrund am Rheinufer

„Qualität / Service / Tradition / Wasauchimmer wird bei uns groß geschrieben“, so der häufig zu lesende, dümmliche Werbespruch; wie soll man es denn sonst schreiben. Alternativvorschlag für Reedereien: „Bei uns wird Schifffahrt mit drei f geschrieben“.

Mittwoch: Manches vergesse ich mit zuverlässiger Regelmäßigkeit, obwohl ich es genauso häufig recherchiere, etwa die Bedeutung von Pfingsten oder Fronleichnam. Ähnliches gilt für manche Wörter, zum Beispiel heute wieder gelesen: Provenienz, nicht zu verwechseln mit Prominenz, Provinz oder Provence. Laut Duden bedeutet Provenienz (feminin, bildungssprachlich) „Bereich, aus dem jemand, etwas stammt; Herkunft[sland]“. Vielleicht kann ich es mir so merken: Meine Provenienz ist die ostwestfälische Provinz, auch wenn Bielefeld einige Tausend Einwohner mehr hat als mein jetziger Wohnort Bonn, immerhin Bundesstadt. In Bielefeld bin ich wieder am kommenden Wochenende, in der Provence in drei Wochen, darauf schon mal vorfreuen. Und auf morgen, dann habe ich frei und das Wetter soll wanderabel werden. (Das kennt der Duden nicht, habe ich mir gerade ausgedacht.)

Donnerstag: Bei wie erwartet perfektem Wetter, sonnig, trocken, nicht zu warm, durchwanderte ich mal wieder die Wahner Heide. Das ist wie mit Champagner als Vergnügungsgetränk oder ABBA als Partymusik: Wahner Heide geht immer. Landschaftlich abwechslungsreich, dabei wenig anstrengend ohne starke Steigungen und Wege mit Rutsch- und Stolpergefahr. Mit der Bahn fuhr ich nach Troisdorf, wo die Tour nach dem Frühstück im Café startete und (mit Pausen) fünf Stunden später endete.

Am Troisdorfer Friedhof lag Laubbläserlärm in der Luft, der geeignet war, die Totenruhe zu stören. Die Überquerung des Güldenbergs gestaltete sich wegen größerer Mengen Totholz über dem kaum auszumachenden Weg schwierig, kurz danach wollte mich Komoot über einen weiteren nicht vorhandenen Pfad leiten.

Ansonsten war es wieder sehr beglückend, und das ist wörtlich zu verstehen, wie bei jeder Wanderung: Sobald ich die Stadt verlassen habe und den Wald betrete, mich dessen Grün umfängt, sich der Verkehrslärm auf ein fernes Hintergrundrauschen reduziert, ehe er ganz verstummt und vornehmliches Geräusch der Gesang der Vögel ist, tritt ein tiefes Glücksgefühl ein. Dabei kann ich meinen Gedanken nachgehen, auch solchen, die hier nicht zu lesen sind, ein Liedchen summen und das eine oder andere Selbstgespräch führen. Herrlich.

Meine Hoffnung auf blühende Heideflächen erfüllte sich nicht, ein paar Wochen benötigt das Kraut noch bis zur Blüte. Nur hier und da war in der Ferne, die zu betreten wegen militärischer Sperrzone untersagt ist, nach wie vor ist die Wahner Heide Übungsgebiet, ein rötlicher Schimmer auszumachen. Bereits nach dreieinhalb Stunden erreichte ich das Ausflugslokal Heidekönig. Da ich erst kurz zuvor mein Proviant gegessen hatte, verzichtete ich auf Wurstverzehr und nahm mit einem Landbier vorlieb.

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Ein Hauch von Heideblüte
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Archivbilder aus dem Vorjahr:

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Der Geliebte hat kürzlich das Wort „Richtlinienkompetenz“ entdeckt. Seitdem glaubt er, das hätte irgendetwas mit ihm zu tun.

Freitag: In einer Besprechung bedankte man sich für das wrap up, es wurde ausgespeichert, ein clash festgestellt, eine hidden agenda verneint; wegen eines harten Anschlags endete der Termin pünktlich. Den ebenfalls gefallenen Satz „Nicht darüber reden ist die falsche Strategie“ würde ich nicht nicht vorbehaltlos unterschreiben. Jedenfalls gibt es einen Folgetermin, auf dass auch kommende Woche noch was auszuspeichern ist.

Die Bonner Stadtwerke sehen sich zurzeit heftiger Kritik ausgesetzt. Wie berichtet, dürfen sechzig Stadtbahnwagen aus den Siebziger- bis Neunzigerjahren wegen Sicherheitsmängeln nicht eingesetzt werden. Was zunächst nur als vorsorgliche Maßnahme in Absprache mit der Aufsichtsbehörde verkündet wurde, hat sich nun als erhebliche Betriebsgefahr für Leib und Leben der Fahrgäste herausgestellt, unter anderem weil bei Reparaturen nicht zugelassene Teile verbaut wurden. Betroffen sind auch Wagen, die seit 2012 komplett modernisiert worden sind. Mit einer baldigen Wiederinbetriebnahme ist nicht zu rechnen, vielmehr muss der Betrieb aufrechterhalten werden mit den neueren Fahrzeugen von 2003, die wegen niedriger Bahnsteighöhen nicht überall halten dürfen und, weil es davon nicht genug gibt, nur in halber Zuglänge. Weiterhin unterstützt durch Fahrzeuge aus Köln, solange sie dort noch entbehrlich sind. Also voraussichtlich längstens bis zum Ende der Sommerferien in drei Wochen. Verwunderlich ist, derselbe Fahrzeugtyp, der in Bonn nicht mehr fahren darf, ist in Städten wie Köln, Dortmund, Duisburg und Düsseldorf weiterhin im täglichen Einsatz. Offenbar arbeiten die Werkstätten dort sorgfältiger. Mich betrifft es nur am Rande, weil ich nur noch bei Regen mit der Bahn fahre. Gleichwohl bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht. Mir bleibt nur, Rad- und Achsbruch zu wünschen.

Ein Skandal wird erst richtig zu einem Skandal durch passende Bebilderung. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Wie die Oma schon wusste: Mit Lebensmitteln spielt man nicht.

(General-Anzeiger Bonn online)

Samstag: Für dieses Wochenende stand der nächste Besuch der Mutter in Bielefeld an. Vor den Besuch hat das Universum die Reise gesetzt, die begann pünktlich in Bonn mit der Regionalbahn. Auch zu früher Stunde waren schon laute Menschen unterwegs: einige Reihen vor mir eine Gruppe Männer mit Bierflaschen, von hinten juchten sektfröhliche Damen.

Der Ticketkontrolleur war begleitet von zwei Sicherheitsleuten, finstere Gesellen: der eine mit Glatze und Sonnenbrille, großflächigen Tätowierungen auf den Armen und am Hals, wo sonst noch, war zum Glück nicht zu sehen; in den Kinnbart zwei alberne Zöpfe geflochten. Der andere sah nicht ganz so finster aus, brachte jedoch durch Kaugummikauen und drohenden Blick zum Ausdruck, dass man besser keine Probleme macht.

Aufgrund einer Signalstörung bei Neuss ging es in Köln ungefähr eine Stunde später weiter als ursprünglich geplant. Hier wunderte ich mich wieder über die Fahrgastinformation der Bahn: „(Dingdong) – Der RE 7 nach Münster fällt heute aus, wir bitten um Verständnis.“ – Pause. – „(Dingdong) – Sonderzug 93115 nach Münster, planmäßig Abfahrt neun Uhr elf, heute zehn Minuten später.“ Kein Wort darüber, dass dieser Sonderzug offenbar der Ersatzzug für den ausgefallenen RE 7 war. Warum werden Fahrgäste mit solchen Information behelligt? Es ist doch völlig egal, unter welcher Nummer der Zug verkehrt, solange er zur selben Zeit vom selben Gleis mit demselben Ziel abfährt. Aus den zehn wurden zwanzig, dann vierzig, später fünfundfünfzig Minuten. Wie viele es noch wurden, weiß ich nicht, weil ich den nächsten RE 6 nahm, der bis Bielefeld eine Viertelstunde Verspätung erlitt.

Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir welkgelbe Landschaften, viele Bäume proben schon den Herbstfall.

In Düsseldorf gibt es in einigen Straßenzügen immer noch Gaslaternen. In Bonn wurden die letzten auch erst vor elf Jahren durch elektrische ersetzt, die wie Gaslaternen aussehen, aber keine sind.

Nach Ankunft in Bielefeld die nächste Überraschung: Der Bahnhofsvorplatz war von der Polizei großräumig abgesperrt; um zur Stadtbahn zu gelangen, war ein längerer Fußweg um ein Hotel und die Stadthalle erforderlich. Macht ja nichts, ich gehe ja gerne. Erst an der Stadtbahnstation erfuhr ich dann, dass die Bahnen wegen Bauarbeiten in der Innenstadt nicht fahren, Schienenersatzverkehr (ein weiteres schönes deutsches Wort) mit Bussen ist eingerichtet. Wo, war leider nicht zu erfahren. Aus den Aushängen ließ sich erahnen, dass die Bahnen zu meinem Ziel ab Marktstraße fahren. Dank Ortskunde begab ich mich dorthin, Gehen macht glücklich, tatsächlich kam bald eine Bahn und brachte mich zur Mutter. Trotz zweistündiger Verspätung wurde der restliche Tag und Abend dann noch sehr angenehm und unterhaltsam.

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Sonntag: Der RE 6, der Bielefeld pünktlich verließ, war erstaunlich voll. Erst ab Dortmund bekam ich einen Fensterplatz. Ab Essen wurde es bummelig, immer wieder musste wegen nicht freier Streckenabschnitte langsam gefahren und außerplanmäßig angehalten werden. Also das übliche. Dass es dennoch möglich ist, auch Pünktlichkeit großzuschreiben zeigte der in Düsseldorf anschließende RE 5, der mich mit erfreulicher solcher nach Bonn brachte.

Wie zu lesen ist, haben unwohlmeinenden Menschen über eine Sicherheitslücke bei WordPress Schadcode eingeschleust. Nutzern wird dringend empfohlen, ein Plugin zu installieren. Da liegt mein Problem: Ich nutze WordPress wie ein Auto oder ein Fahrrad. Mit der Bedienung bin ich einigermaßen vertraut, weiß wie man tankt oder die Kette nachölt. Für alles weitere gibt es Werkstätten. Weder habe ich die Begabung noch größeres Interesse daran, mich mit solchen technischen Angelegenheiten zu befassen. Viel zu groß die Befürchtung, durch unsachgemäßes Herumfummeln mein Blog ins digitale Jenseits zu befördern. Deshalb die Frage an die treue Leserschaft: Kann jemand eine verlässliche Blogwerkstatt empfehlen?

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

18:00

Woche 31/2026: In gefestigter Stimmung

Montag: „Mir war wichtig, euch abzuholen, damit ihr damit fein seid“, sagte einer am Ende der von ihm einberufenen Besprechung. Wie so geredet wird, wahrscheinlich war ich wieder mal der einzige in der Runde, der daran innerlich Anstoß nahm.

Dafür finde ich das Wort „Ablagevertragsaufnahmeerleichterungshilfe“ als Titel eines Verbesserungsvorschlags aus dem Betrieblichen Vorschlagswesen ganz wunderbar; allein schon dafür verdient der Einreicher eine Prämie. Vorschlagswesen ist im Übrigen auch ein schönes Wort, aus dem Autoren wie Walter Moers vielleicht eine Figur schaffen können, zum Beispiel einen Gnom, der jeden Satz mit „Wir könnten doch …“ beginnt. In dem Zusammenhang stellt sich mir spontan die Frage, wie der Vorschlaghammer zu seinem Namen kam.

Dienstag: Ein schönes Wort ist auch „Mehrzweckeier“, laut Zeitungsbericht nicht zugelassen zur diesjährigen Wahl für das Jugendwort des Jahres, weil es geeignet sei, den Bundeskanzler zu verunglimpfen. Letzteres ist ebenfalls ein schönes Wort.

Gehört I: „Fehlerfreie Software ist nicht effizient.“ Demnach sind einige mir bekannte IT-Anwendungen hocheffizient.

Gehört II: „Neun von zehn haben kein Problem mit Mobbing.“

Mittwoch: Der Arbeitstag begann mit einer Auffrischung der Brandschutzhelferkenntnisse im Freien vor dem Turm, dazu praktische Übungen mit offenem Licht und Feuerlöschern. Das war informativ und unterhaltsam, dennoch sehne ich mich nicht danach, die erneuerten Kenntnisse eines Tages in der Praxis anwenden zu müssen. Den ausnahmsweise termin- und besprechungsfreien Nachmittag wollte ich nutzen zur Erledigungen mehrerer Aufgaben, dann trafen per Teams, Telefon und persönlicher Ansprache eine Reihe spontaner Anliegen ein, schließlich leitete eine Kollegin nach vorheriger fernmündlicher Ankündigung eine Imponderabilie weiter, derer mich anzunehmen ich am späteren Nachmittag nur noch wenig Lust verspürte. Bevor am Ende der Rechner runterfuhr, war nicht eine einzige Aufgabe in der Liste abgehakt, stattdessen sind neue dazugekommen, auf dass die Arbeit nicht ausgehe, es hat ja auch sein Gutes. Solche Tage gibt es, vielleicht wird es morgen, trotz wieder vollem Kalender, besser. Jedenfalls wird es wieder wärmer.

Donnerstag: Bereits morgens auf dem Fußweg ins Werk stach die Sonne. Während des Gehens kam mir, warum auch immer, die Melodie eines der gar schrecklichen Lieder in den Sinn, die uns in der lang zurückliegenden Schulzeit unser Musiklehrer regelmäßig singen ließ, gerne auch einzeln vor der gesamten Klasse, für den stimmbrüchigen Gymnasiasten eine tiefe Demütigung, die mir die Freude am Gesang fast genommen hatte. Zum Glück entdeckte ich sie später, nun in gefestigter Stimmung, wieder. Dass mir ausgerechnet diese Lieder, von denen ich mich weder an Titel noch Text erinnern kann und will, immer wieder einfallen, während mir Namen und gängige englische Vokabeln regelmäßig entfallen, zähle ich zu den Rätseln des Lebens.

Es geht doch: Nach einem besprechungsreichen Arbeitstag war dennoch einiges in der Aufgabenliste abgehakt, auch die Imponderabilie konnte ohne größere Mühe gelöst werden. Wieder bestätigt sich, dass es oft am besten ist, eine auf den ersten Blick unangenehm-lästige Aufgabe nicht sofort anzugehen.

Artikelüberschrift: „Paketbote rettet entlaufenen Wellensittich während seiner Tour“

Morgens – fast kann man die Wärme sehen
Niedrigwasser im Rhein. Bald liegt die Rheinnixe am Beueler Ufer trocken. Sie fährt ohnehin nicht mehr.

Gelesen bei Fliegende Bretter:

Es ist immer wieder faszinierend, wie dieselben Leute, die dem Staat andauernd Untätigkeit und Handlungsunfähigkeit vorwerfen, jede kleinste staatliche Maßnahme als diktatorisch und übergriffig bekämpfen, sobald es sie betrifft.

Freitag: Seit vielen Jahren erfreut uns die Kölschbrauerei Früh mit Wortspiel-Werbung, oft recht originell, manchmal auch direkt aus der Wortspielhölle. Welcher Kategorie die aktuelle Reklame zuzuordnen ist, mag jeder für sich entscheiden.

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Mittags in der Kantine stand One-Pott Pasta zur Auswahl. Dabei handelte es sich um ein wohlschmeckendes Spiralnudelgericht mit Linsen, das entgegen der seltsamen Bezeichnung auf einem gewöhnlichen Teller gereicht wurde. Irgendwie müssen die Dinge ja heißen. Zum Dessert gab es grüne Götterspeise mit einem Häubchen Vanillesoße. Eine Arbeitswoche kann kulinarisch schlechter enden.

Freitags erscheint die Wochenkolumne „Deutscher Alltag“ von Kurt Kister, die ich abonniert habe, weil mir sein Schreibstil gefällt. Ich weiß nicht warum, regelmäßig werde ich nach einigen Wochen nicht mehr beliefert, was ich genauso regelmäßig immer erst nach einigen unbelieferten Wochen bemerke, woraufhin ich mich neu anmelde. Heute erhielt ich sie wieder, darin folgende Kanzlerverunglimpfung:

Die nächste Bundestagswahl findet 2029 statt, vielleicht aber auch früher, falls die SPD sich von der Union trennen will oder die Union von Friedrich Merz oder Merz sich möglicherweise bei seiner nächsten Kabinettsumbildung selbst austauscht, ohne vorher mit sich gesprochen zu haben. 

Samstag: Einer spontanen Idee des Liebsten folgend nahmen wir nach dem externen Frühstück an einer touristischen Stadtrundfahrt durch Bonn in einem Doppeldeckerbus mit offenem Dach teil. Wenn man schon seit siebenundzwanzig Jahren in dieser Stadt wohnt, sollte man auch das mal gemacht haben. Die Fahrt dauert zwei Stunden, sie führt durch die Innenstadt, Endenich, Poppelsdorf, die Südstadt, Bad Godesberg, Rüngsdorf, auf die andere Rheinseite zum Bonner Bogen und das ehemalige Regierungsviertel. Auch wenn sie keine neuen Erkenntnisse brachte, war sie sehr vergnüglich, ich empfehle Ihnen das, falls Sie mal in Bonn sind. Bemerkenswert fand ich die Abschnitte, die auch die Straßenbahn befährt, wo deren Oberleitung zum Greifen nahe über den Sitzen hängt. Deshalb sind die Fahrgäste auf dem offenen Oberdeck angehalten, sich anzuschnallen; kontrolliert wird das nicht. Erstaunlich für ein Land, in dem zur Vermeidung möglicher Haftungsansprüche oft die absurdesten Verbote erlassen werden. Aktuelles Beispiel in Bonn: Die Stadtbahnwagen, die zurzeit nach vorübergehender Außerbetriebnahme von sechzig Zügen den Betrieb aufrecht erhalten, müssen an den Haltestellen in Oberkassel durchfahren, weil es dort keine Hochbahnsteige gibt und die Wagen nicht über untere Trittstufen verfügen. Früher war das kein Problem, heute könnte jemand stolpern, deshalb lieber gar nicht halten.

Im Godesberger Villenviertel
Unter Strom
Warnhinweis

(Lieber T., wie bereits besprochen machen wir beide diese Tour auch noch zusammen.)

Anschließend besuchten wir den CSD auf dem Münsterplatz, wo wir fast keine Bekannten sahen. Im Gegensatz zu früheren Jahren, als es noch das Schwulen- und Lesbenzentrum in der Nordstadt gab, das wir regelmäßig besuchten und das, wenn es es noch gäbe, vermutlich inzwischen anders hieße, auf dass sich aus der bunten LGBTQundsoweiter-Buchstabensuppe niemand ausgegrenzt fühle. Welcher Buchstaben mag die Männer bezeichnen, die dort heute aufgrund sehr spezieller Vorlieben eine Leder-Hundemaske trugen?

Sonntag: Eher zweifelhaft auch der Werbespruch, den ich beim Spaziergang auf einem großen Plakat an einem Baugerüst in der Nordstadt las: „Zuviel Power? Werde Gerüstbauer!“ Aua.

Weiterhin spazierte ich am Rhein, der, wie die Zeitung heute meldet, ein so noch nie gemessenes Niedrigwasser aufweist, mit weiter fallendem Pegel ist zu rechnen. Dazu passend sieht ein Wissenschaftler im Interview der Sonntagszeitung eine Dürrekatastrophe auf uns zukommen, womöglich mit rationiertem Wasser. Vorläufig noch unbegrenzt verfügbar ist bayrisches Helles, wie ich beim anschließenden Besuch des Lieblingsbiergartens mit gewisser Erleichterung feststellte.

Finde den Fehler

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die nächste warme Woche.

17:30

Woche 30/2026: Es hört nie auf

Montag: Bis zum Abend eines kühlen, recht ruhigen und für mich persönlich ereignisarmen Wochenbeginns befürchtete ich, nichts hier aufschreibenswertes zu finden. Die Rettung brachte eine Auchdasnoch-Eilmeldung der Zeitung, die derzeit desolate Bonner Verkehrssituation betreffend: Wie in der vergangenen Woche hier berichtet, verkehren zurzeit viele Fahrten der Stadtbahn mit nur einem statt zwei Wagen. Ab morgen werden alle Stadtbahnwagen aus den Sieb-, Acht- und Neunzigerjahren wegen Sicherheitsbedenken sofort aus dem Betrieb genommen und einer Prüfung unterzogen. Insgesamt 60 von 75 Wagen sind betroffen. Zur Linderung stellen die Kölner Verkehrsbetriebe vorübergehend 20 Wagen zur Verfügung. Hoffentlich halten wenigstens die durch; es ist nicht anzunehmen, dass die Kölner ausgerechnet ihr neuestes Material schicken werden.

Archivbild

Dienstag: Als zur Verträglichkeit strebender Mensch wünsche ich niemanden etwas Schlechtes, von wenigen Staatsoberhäuptern und Fußballpräsidenten abgesehen. Würde ich jedoch Zeuge, wie ein regelwidrig auf dem Fußweg fahrender, ins Datengerät vertiefter Radfahrer in so eine Ansammlung unsachgemäß-hirnlos abgestellter Roller rast, könnte ich eine gewisse Erheiterung nicht leugnen. Es müssen ja nicht gleich Knochen brechen und Blut spritzen.

Morgens
Abends

In der Werkskaffeeküche lässt einer per Aushang wissen, er habe eben dort sein Headset verloren. Wenn man so busy ist, dass man unbedingt mit Headset die Kaffeeküche aufsuchen muss, warum setzt man es dann ausgerechnet dort ab und lässt es liegen?

Gelesen beim Kiezschreiber:

Es wurde schon immer gerne in Schubladen gedacht. Macht es für manche Leute einfacher, denen oberflächliche Zuordnungen genügen. Zum Beispiel: Generationen. Boomer, Generation X, Millenials usw. Meine These: Es gibt keine Unterschiede zwischen den Generationen. Jeder Jahrgang bringt kluge Menschen und Vollidioten hervor, nette Zeitgenossen und Arschlöcher, Linke und Rechte – überall auf der Welt. Man sollte es sich beim Nachdenken nicht bequem machen, sondern genauer hinschauen. Es lohnt sich, andere Menschen als Individuum zu betrachten.

Zum Thema Jens Spahn* haben andere bereits alles notwendige gesagt und geschrieben. Vielleicht noch dieses: Für mich zählte er bis vergangenen Samstag zu den Menschen, die sich alles erlauben können, ohne dass es ihnen etwas anhaben könnte. Bis zu einem gewissen Punkt. Der ist für Herrn Spahn nun erreicht; bei anderen – ich nenne keine Namen, es fällt Ihnen bestimmt jemand zutreffendes ein – müssen wir uns noch etwas gedulden.

*Nur für die Chronik, falls das in einigen Jahren noch jemand liest und nicht weiß, wer Jens Spahn ist: CDU-Politiker mit Ambitionen, bis 2021 Bundesgesundheitsminister, ab 2025 CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, auffällig geworden durch mehrere Mauscheleien. Zusammen mit seinem Ehemann buchte er die Dienste einer amerikanischen Leihmutter. In Deutschland ist das bislang verboten und sowohl die Union als auch Jens Spahn sprachen sich in der Vergangenheit dagegen aus, es zu legalisieren. Sein hilfloser Einwand, man müsse zwischen dem Politiker und der Privatperson unterscheiden, rettete ihn nicht vor dem Rücktritt.

Mittwoch: Ein weiterer Arbeitstag mit viel zu vielen Besprechungen, ich weiß nicht, was im Moment los ist. Dadurch bin ich abends noch redefauler als ohnehin.

„Dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen“ hörte ich in einer Besprechung, diese uralte Phrase, die häufig zu hören ist und über die ich noch nie nachgedacht habe. Bis heute. Es gibt nichts und niemanden, wofür ich meine Hand etwa in einen brennenden Ofen oder eine Schweißflamme halten würde. Wozu sollte das auch gut sein.

„Das ist ein ongoing task“ hörte ich in einer anderen Runde, was wohl in etwa heißt „Es hört nie auf“, nur viel neißer klingt.

Morgen habe ich frei, dann werde ich wandern. Dabei kann ich ausgiebig schweigen, allenfalls angenehme Selbstgespräche führen.

Donnerstag: Auslöser der Idee für die heutige Wanderung war ein Trafoturm. Was auch immer bei mir schiefgewickelt ist: Wenn ich einen Trafoturm sehe, will ich ihn fotografieren. Andere fotografieren Vögel oder Flugzeuge, ich Trafotürme, ein jeder ist auf seine Weise bekloppt. Dieser steht in Oberwinter am Rhein, ich sah ihn, wenn ich mit der Bahn Richtung Süden fuhr, wobei er sich aus dem Zug schlecht fotografieren ließ. Daher kam die Idee, Oberwinter als Ausgangspunkt einer Wanderung zu wählen, achtzehn Kilometer bis Bad Godesberg.

Morgens fuhr ich mit der Bahn nach Oberwinter, dort frühstückte ich vor einem Café im Ort. Währenddessen fuhren in größerer Anzahl blaubelichtete Motorräder und schwarze Limousinen der Feldjäger vorüber, die das Interesse der Bevölkerung weckten; mehrfach war die Frage zu hören, was denn hier los sei. Feldjäger, nicht zu verwechseln mit Landjägern, das sind doch die, die entlaufene Soldaten einfangen, oder?

Nach dem Frühstück begann die Wanderung, vorbei am Trafoturm, den ich von allen Seiten fotografierte. Gleich hinter dem Friedhof beginnt eine längere Steigung, ab da ist die Strecke überwiegend moderat. Sie führt durch Wälder, über den Rodderberg, durch Wachtberg-Niederbachem und -Ließem, vorbei an den Hochhäusern von Bonn-Heiderhof, auf mehr oder weniger breiten Wegen, wenigen asphaltierten Abschnitte, auch für Freunde schmaler Pfade ist was dabei. Wanderstöcke sind nicht erforderlich. Man geht überwiegend in angenehmer Ruhe, vom Brausen des Rheintals mit seinen Bundesstraßen und Bahnstrecken ist erstaunlich wenig zu hören.

Das Wetter war sehr wanderfreundlich, trocken, um die zwanzig Grad, bewölkt, erst am frühen Nachmittag kam die Sonne durch.

Nach viereinhalb Stunden angenehmen Wanderns erreichte ich die Godesberger Innenstadt, wo ich ein Lokal fand, das zufällig Currywurst und bayrisches Bier im Angebot hat.

Oberwinter
Der Trafoturm
Auch wenn man es nicht sieht – starke Steigung
Für Lotte
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Blick vom Rodderberg in Richtung Bonn
Hohle Gasse hinter Niederbachem
Heiderhof
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Freitag: Wieder endet eine Arbeitswoche, nur noch vier davon bis zum nächsten wohlverdienten Urlaub. In einer Besprechung wurden Leichtathletik und eine Blumenwiese als Vergleichsbilder für irgendwelche mäßig interessanten Sachverhalte herangezogen, immerhin eine Abwechslung zu den unsäglichen Fußballvergleichen. Um in einer anderen Besprechung nicht die Beherrschung zu verlieren, flüsterte ich mir selbst mehrfach zu: Bedenke, es ist bezahlte Arbeitszeit, als die Kollegin sich mehrfach wiederholte, jede neue Strophe mit „Also nochmal“ einleitend.

Samstag: Wie hier zu lesen ist, heißt es in sich für modern haltenden Kreisen nicht mehr „Gebrauchtes“, sondern „Preloved“. Anwendbar etwa auf Kraftfahrzeuge, Kleidungsstücke und verflossene Lebenspartner.

Sonntag: Mit Entsetzen habe ich die Nachricht über den Anschlag auf den Berliner CSD zur Kenntnis genommen. Ich fürchte, das wird nicht der letzte sein. Schon früher, als ich noch selbst regelmäßig den CSD in Köln besuchte, hatte ich oft ein mulmiges Gefühl, dass so ein Irrer zuschlägt. Die Zeiten für uns werden nicht besser.

(Hoffentlich kein) Symbolbild

Aufgrund erhöhten Außerhausbedarfes aus zwischenmenschlichen Gründen geriet der Spaziergang nachmittags etwas länger als sonntagsüblich. Mit dem Bus fuhr ich auf die andere Rheinseite bis Holtorf-Ungarten, von dort zu Fuß zurück über Oberholtorf, Ennert, Finkenberg und Beuel. Er endete am bayerischem Wirtshaus in der Innenstadt. Danach sah die Welt ein klein wenig besser aus.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

19:30

Woche 29/2026: Menschen in Jacken und ein wunderbarer Tag

Montag: Der für einen Wochenbeginn etwas zu lange Arbeitstag bestand zu etwa achtzig Prozent aus Terminen. Das schlimmste an größeren Teams-Runden ist oft das virtuelle, infantile Händeklatschen und Daumenhoch nach einem mehr oder weniger tollen Redebeitrag. Da ich nichts zu sagen hatte, blieb es mir erspart.

Dienstag: Morgens überholte mich am Rheinufer eine junge Läuferin in einem derart kurzen Röckchen, dass der Übergang zwischen Oberschenkel und Pobacken deutlich darunter hervortrat. Männer mit anderer Präferenz diesbezüglicher Perspektiven mögen das als reizvoll empfunden haben, ich fand es eher befremdlich, um auch dieses schöne Wort mal wieder zu verwenden.

Zu Mittag aß ich mit einer Kollegin, die ich schon lange kenne und nur noch selten sehe, weil wir rein geschäftlich keine Berührungspunkte mehr haben. Das ist schade, weil uns immer noch etwas verbindet, was im allgemeinen Sprachgebrauch als gemeinsame Wellenlänge bezeichnet wird. Dabei entschied ich mich für Spaghetti Bolognese, passend zum weißen Hemd, das nun in der Wäsche ist.

Eine andere Kollegin, die soeben aus dem Urlaub zurück war, fragte sich: Was mache ich hier eigentlich? Immer wieder eine sehr berechtigte Frage.

„Welche Technologie wird es deiner Meinung nach in 20 Jahren ganz sicher geben?“ lautet die Tagesfrage von WordPress. Mit „ganz sicher“ bin ich zurückhaltend, ist doch keineswegs sicher, ob es dann überhaupt noch Technologien und Menschen gibt; wenn wir so weiter machen, bin ich da eher skeptisch. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann eine virtuelle Zeitmaschine, mit der ich mich in eine beliebige Zeit an einen beliebigen Ort versetzen lassen kann und bei Bedarf wieder zurück. Falls ich in zwanzig Jahren noch lebe.

Mittwoch: Sommerzeit ist Singstar-Zeit, jedenfalls war das bis vor einiger Zeit so, wenn die Singstarkrähe von gegenüber bei offenem Fenster mit großer Ausdauer, geringem Talent und immer demselben Lied die Siedlung beschallte; nicht immer war erkennbar, um welches Lied es sich handelte. Sie ist schon länger nicht mehr zu hören, vielleicht ist sie weggezogen oder man brachte sie dauerhaft zum Schweigen, was einerseits nachvollziehbar, ihr andererseits selbstverständlich nicht zu wünschen ist. Stattdessen probt dort nun einmal wöchentlich ein Chor, was mich, der ich jahrelang selbst mit großer Begeisterung in einem Kölner Chor sang, hellhörig werden lässt. Schon seit längerem liebäugle bzw. -mündele ich mit der Idee, mich wieder einem Chor anzuschließen, idealerweise in fußläufiger oder radfährlicher Nähe. Vielleicht sollte ich mal unverbindlich Kontakt aufnehmen.

Donnerstag: Bei Ankunft im Turm standen die Leute Schlange im Foyer, um ein Einlassarmbändchen für das Sommerfest des Arbeitgebers ab dem Nachmittag zu bekommen. Ich ließ die Schlange stehen und holte mir mein Bändchen mittags ohne jede Wartezeit. Manchmal ist es klüger, nicht unter den ersten sein zu wollen.

Der Arbeitstag war überreich an Terminen, das Sommerfest schloss sich nahtlos und bei bestem Wetter an. Es gab genug zu essen und trinken und reichlich Gelegenheit zu netten Gesprächen. Ich verließ das Fest nicht allzu spät, bevor der Moment kam, wo man niemanden mehr kennt oder erkennt, und war froh über den anschließenden längeren Spaziergang nach Hause. Dort reichte die Schreiblaune gerade noch für das Tagebuch, …

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Freitag: … daher wurden vorstehende Zeilen erst heute beim Morgenkaffee notiert.

Morgens im Bad hörte ich im Radio erstmals ein neues Lied der Rolling Stones und war angetan, auch wenn Mick Jagger darin in meinen Ohren nicht wie Mick Jagger klingt. Jedenfalls bewundernswert, dass die (noch lebenden) nach so vielen Jahren immer wieder noch was Neues machen.

Auf dem Rad war es morgens erstaunlich kühl, auch Menschen in Jacken waren wieder zu sehen, ein fast schon ungewohnter Anblick. Bei Ankunft am Turm fielen ein paar wenige Tropfen vom trüben Himmel. Nachmittags wurde es wieder sonnig und warm, der anschließende Besuch der Sportstätte schweißtreibend.

Dort wurden inzwischen in großer Anzahl Zettel ausgehängt, auf denen beschrieben ist, wie die Geräte des Zirkelparcours zu nutzen sind, damit es für alle funktioniert, nämlich nach jeder Einheit im Uhrzeigersinn ans nächste, siehe auch meine diesbezüglichen Anmerkungen in der vergangenen Woche. Heute hielten sich alle daran, mal sehen, wie lange.

Die angespannte Bonner Verkehrssituation ist neben Brückensperrung, baustellenbedingten Sperrungen der rechtsrheinischen Bahnstrecke und von Abschnitten der Stadt- und Straßenbahn um ein weiteres Auchdasnoch reicher: Zahlreiche Fahrten der Stadtbahnlinie 66 werden zurzeit nur mit einem Wagen statt der üblichen Doppeltraktion gefahren, somit in halber Länge. Als Grund geben die Stadtwerke einen hohen Schadbestand und Lieferschwierigkeiten bei Ersatzteilen an. Am besten, man verlässt die Stadt bis auf weiteres nicht mehr.

Geht aber nicht, morgen fahre ich nach Bielefeld, um einen sechzigsten Geburtstag zu feiern. Was noch ungewohnt klingt, zumal es den Freund betrifft, den ich seit früher Jugend kenne. Daran werde ich mich gewöhnen müssen, nächstes Jahr bin ich dran. Ich freue mich drauf, wenigstens auf morgen. Auf nächstes Jahr noch nicht ganz so, das kommt sicher noch.

Samstag: Auf dem Bahnsteig morgens sprach mich ein junger Mann mit Ohrstöpseln an, wobei letzteres kaum der Erwähnung bedarf, da junge Menschen ohne Kopfhörer nur noch selten anzutreffen sind; ich schweife ab. Anstatt wie erwartet um Bargeld zu bitten, ließ er mich in koronalisierender Aussprache wissen, er fühle sich ausgegrenzt. Auf meine mit mäßigem Interesse vorgetragene Frage, warum, sagte er, wegen seiner dunklen Haare, Augenbrauen und braunen Augen. Das alles habe ich auch, fühle ich mich ausgegrenzt? Ja schon, manchmal, doch deswegen belästige ich keine fremden Leute.

In Hamm musste ich umsteigen. Da der zu besteigende RE 6 aus nur einem Zugteil bestand statt zwei, es scheint da zurzeit einen gewissen Trend zu geben, siehe oben, war er entsprechend gefüllt und alle Sitzplätze belegt. Unlustig, bis Bielefeld zwischen schwitzenden Menschen zu stehen, nahm ich in der ersten Klasse Platz, der dort reichlich verfügbar war. Als grundsätzlich um Korrektheit bemühter Bürger versuchte ich nun, über die Bahn-App einen Aufschlag für die erste Klasse zu erwerben. Das gelang nur mit Mühe und vielen Fehlversuchen, bis ich diese Funktion endlich gefunden hatte. Aber ach: Nach Bezahlen wurde mir beschieden, das Ticket würde mir per Mail zugesandt und ich müsse es ausdrucken. Leider hatte ich keinen Drucker dabei, deshalb hätte ich im Falle der Kontrolle nur den Nachweis des Kaufs vorzeigen können. Es kam dann aber keiner. Wenigstens reiste ich reinen Gewissens.

Bei Bielefeld-Brackwede (das trotz ck mit langem a ausgesprochen wird, falls Sie mal in die Verlegenheit geraten sollten) sah ich in einer Wiese einen Storch und wunderte mich einigermaßen, waren doch Störche meines Wissens bislang nicht zum Bestandteil ostwestfälischer Fauna. Wie ich abends auf der Geburtstagsfeier erfuhr, sind die Vögel hier inzwischen nichts Besonderes mehr. Wie schön.

Mit nur leichter Verspätung im Rahmen der Erwartung wurde Bielefeld erreicht. Erst danach spielte mir die Eurobahn einen kleinen Streich. Da zwischen Ankunft und Beginn der Feier am ehemaligen Bahnhof Hillegossen noch Zeit war, besuchte ich vorher meine Mutter. Für die Weiterfahrt in den Osten der Stadt nutze ich nicht die Stadtbahn, sondern beschloss spontan, mit der Regionalbahn in Richtung Lemgo zu fahren, die in wenigen Minuten am Nebengleis abfahren würde. In Oldentrup wollte ich aussteigen, von dort ist es bis zur Mutter ein willkommener Fußmarsch von vielleicht einer Viertelstunde Länge. Als der Zug in Oldentrup hielt und ich den Türaufknopf drückte, passierte nichts. Auch nach mehrmaligem Drücken nicht, die Tür blieb geschlossen. Mein spontaner Sprint zur nächsten Tür war vergeblich, die Bahn rollte schon wieder an. Mir blieb nichts anderes übrig, als weiterzufahren bis zum nächsten Halt Ubbedissen, durch Hillegossen, wo wir später feiern würden und wo seit dem Sommerfahrplan 1988 keine Züge mehr halten. Ab Ubbedissen fuhr ich dann mit dem Bus zur Mutter, wo immer noch genug Zeit war für Kaffee und Kuchen.

Die Geburtstagsfeier war in mehrfacher Hinsicht großartig. Zunächst der Ort: Im Bahnhofs Hillegossen hatten Geburtstagskind U. und ich in den Achtzigern zahlreiche Nachmittage verbracht, nachdem wir uns mit einem der dort diensthabenden Bahnbeamten angefreundet hatten, der uns in den Stellwerksraum mit den großen Stellhebeln für Weichen und Signale ließ, die damals noch mechanisch über Hebel und Drahtzüge bedient wurden. Nach Modernisierung der Technik wurde das alte Stellwerk überflüssig, es sollte ausgebaut und vermutlich verschrottet werden. Das konnte verhindert werden durch den Möbelhändler, der das nicht mehr benötigte Bahnhofsgebäude von der Bahn übernommen hat für sein Geschäft. Zum Glück, noch heute kann dort die alte Stellwerkstechnik besichtigt werden. Es kam mir vor, wie einen alten Freund wieder zu treffen.

Genau das war der zweite Punkt, der diesen Tag so großartig machte: Ich traf alte Freunde und Bekannte wieder, die ich teilweise zwanzig bis dreißig Jahre lang nicht mehr gesehen hatte; einen von ihnen erkannte ich gar nicht wieder, was mir angemessen peinlich war. Es gab zahlreiche Weißtdunoch-Momente, es wurde viel gelacht, manchmal genügte ein Stichwort für die nächste Lachsalve. Am späten Nachmittag verlagerte sich die Feier vom Bahnhof in den Garten des Gastgebers, wo neben Essen und Trinken weiter gelacht wurde. Ein ganz wunderbarer Tag.

Wenigstens ging dort die Tür auf
Fahrstraßenhebel (unten) und Streckenblock darüber
Stellhebel für Weichen (blau) und Signale (rot)
Meine grundsätzliche Abneigung gegen gestellte Fotos überwand ich hier leicht

Sonntag: Die Nacht verbrachte ich in einem einfachen und günstigen, für diesen Zweck völlig ausreichenden Hotel in fußläufiger Nähe zum Feierort und zur Mutter. Das Einbuchen erfolgte zuvor kontaktlos per Datengerät, den Chip für Eingangs- und Zimmertür erhielt ich über eine Schlüsselbox neben der Tür, deren Code mir zuvor per Mail mitgeteilt worden war. Das werde ich mir merken für künftige Besuche, eine Hotelübernachtung ist für alle Beteiligten entspannter als im privaten Gästezimmer oder auf dem Sofa.

Nach einem Spaziergang zur und dem Frühstück mit der Mutter verlief auch die Rückfahrt mit der Bahn in erfreulicher Pünktlichkeit. In Köln erreichte ich gar einen früheren Anschluss nach Bonn als vorgesehen, auch das gibt es. Kurze Irritation entstand, als der Zug in Brühl aufs Nebengleis geleitet wurde, um einen Intercity überholen zu lassen, und die automatische Durchsage behauptete, dies sei die Endstation, bitte alle aussteigen. Da alle sitzen blieben, blieb ich es auch, kurz darauf ging es weiter und ich erreichte, weil das oben geschilderte Verkehrschaos heute eine Pause einlegte, am Nachmittag Bonn.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

18:00

Woche 28/2026: Unangemessene Schadenfreude und geschmolzene Tomaten

Montag: In einem Mailverkehr bat jemand nur edukativ um eine Auskunft in einer hier mangels allgemeinen Interesses nicht näher auszuführenden Angelegenheit. Edukativ, ein mir bislang unbekanntes Wort, der Duden kennt es auch nicht. Wie ich anschließend im allwissenden Netz recherchierte, bedeutet es sinngemäß: informierend, erhellend. Wenigstens bat er nicht darum, man möge ihn aufschlauen. Und ich habe wieder ein neues Wort gelernt.

Auch der müde Montag bietet bisweilen Erheiterung, heute dieses, gelesen im Kieselblog:

Der Spielplatz ist hier, weil es auch drei Hochhäuser mit Wohnungen hier gibt und nach der Düsseldorfer Spielplatzverordnung muss ab soundso viel Privathaushalten ein Kinderspielplatz her. Jetzt müssen die Leute in ihren sündhaft teuren Appartements noch den Spielplatz vollvögeln. Da der Platz nur aus einem schmalen Streifen mit wenigen Spielgeräten besteht, dürfte sich der Aufwand in gewissen Grenzen halten.

Dienstag: Weiterhin ist wegen der gesperrten Nordbrücke der Verkehr zeitungfüllendes Thema in Bonn. Einige Redaktierende des General-Anzeigers berichten über ihre täglichen Arbeitswege. Einer schreibt: „Fahrtzeit 30 Minuten Minimum, manchmal 40 oder 50 Minuten für sieben Kilometer. Viel Zeit zum Nachdenken.“ Ja, vielleicht darüber, ob für diese Strecke das Auto die richtige Wahl ist. Hat er wohl auch: Wie später in dem Artikel zu lesen ist, hat er sich inzwischen ein Fahrrad gekauft.

Gewiss, nicht alle haben es so gut wie ich, der zu Fuß zur Arbeitsstätte gehen kann, so wie heute. Auf dem Radweg am Rheinufer herrschte Hochbetrieb, darunter nicht wenige, die ohne erkennbare Hirnaktivität rasten, überholten und einbogen. Meine Beobachtung als regelmäßiger Radfahrer und Fußgänger, nicht erst seit der Brückensperrung: Die schlimmsten sind die Renn- und Lastenradfahrer (m/w/d), die augenscheinlich meinen, mit dem hohen Anschaffungspreis ihres Rades hätten sie sich auch Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern erkauft.

Nachmittags ging ich mit leichter und völlig unangemessener Schadenfreude am stehenden Autoverkehr auf der Rheinuferstraße vorbei. Wenig später hörte ich einen darüber klagen, er hätte eine halbe Stunde vom Friedensplatz gebraucht. Vermutlich mit dem Auto, zu Fuß ist die Strecke auch bei bequemen Gehen zwischen fünf und zehn Minuten zu schaffen.

Bloggen verbindet, Teil 1: Im Briefkasten lag eine Postkarte aus Oldenburg, über die ich mich freue. Soweit ich mich erinnere, war ich einmal in Oldenburg, in den Achtzigern mit der Bahn von Bielefeld über Osnabrück, ab Oldenburg weiter über Delmenhorst zurück nach Bielefeld. Dabei stand aus Hobbygründen die Bahnfahrt im Vordergrund, von Oldenburg habe ich nur den Bahnhof und allenfalls sein Umfeld gesehen, daher kann ich mir über die Stadt kein Urteil erlauben; dem Vernehmen nach soll sie ganz schön sein.

Bloggen verbindet, Teil 2: Ebenfalls gefreut habe ich mich über eine WhatsApp-Nachricht aus München, die die Möglichkeit eines Treffens in absehbarer Zeit in Aussicht stellt. Darüber würde ich mich besonders freuen.

Mittwoch: Vorteil, wenn die Leute mit ihren Datengeräten beschäftigt sind: Im Aufzug wird nicht mehr so viel dummes Zeug gequatscht.

In der Kantine gab es was mit geschmolzenen Tomaten. Ab welcher Temperatur schmelzen Tomaten?

In einer Besprechung am späteren Nachmittag schlug jemand in völlig unreligiösem Zusammenhang vor, eine Sache agnostisch* anzugehen. Während der Besprechung schaute ich dem Verkehrsgewühl unterhalb des Turmes zu: Neben den planmäßigen drei Buslinien verkehren auf der zweispurigen Straße zurzeit auch die Schienenersatzverkehre für zwei Stadtbahnlinien in Richtung Bad Godesberg und den RE 5 Köln – Koblenz. Für die Stadtbahnersatzbusse ist außerdem vor der Deutschen Welle eine Pausenhaltestelle eingerichtet, so dass während der mehrminütigen Pausen der Busse die übrige Verkehr über die Gegenfahrbahn daran vorbei fahren muss. Wenn sie mal frei ist. Die Planung dazu erfolgte offensichtlich auch agnostisch.

*Dazu der Duden: den Agnostizismus betreffend, ihn vertretend, von ihm ausgehend. – Agnostizismus: Weltanschauung, nach der die Möglichkeit einer Existenz des Göttlichen bzw. Übersinnlichen rational nicht zu klären ist, also weder bejaht noch verneint wird

Abends war ich im Sportstudio. Dort wurde ich kurz unwirsch, das kam so: Das Zirkeltraining im Parcours funktioniert, sobald mehrere Personen trainieren, nur, wenn sich alle an die recht einfache Regel halten, nach jeder einminütigen Einheit im Uhrzeigersinn an das nächste Gerät zu wechseln. Für die, die das noch nicht wissen, ist das auf mehreren Schildern beschrieben. Nun gibt es immer wieder welche, die trotzdem nach einem nicht nachvollziehbaren Zufallsprinzip das Gerät belegen, worauf sie gerade Lust haben, gerne auch für mehrere Einheiten nacheinander sitzen bleiben. So einer war heute da. Als ich mit vorwurfsvollem Blick an das von ihm belegte Gerät trat, weil es für mich das nächste in der Folge war, fragte er: „Willst du hier ran?“ Nachdem ich diese völlig überfüssige Frage bejaht hatte, sagte er „Hm …“, schaute mich nochmal kurz an, wohl in der vergeblichen Hoffnung, dass ich sage „Bleiben Sie gerne sitzen, ich mache solange am nächsten Gerät weiter“, und gab schließlich den Platz für mich frei. Zwei Geräte später dasselbe: „Willst du hier ran?“ In nicht allzu freundlichen Worten erklärte ich ihm das Prinzip Zirkeltraining, er sagte „Ist ja gut, nicht so laut …“ und zog weiter. Vielleicht sehe ich das auch zu eng.

Donnerstag: Den freien Inseltag nutze ich für eine Wanderung auf der siebten Etappe des Natursteig Sieg von Herchen nach Schladern. Wie alle anderen bisher bewanderten Etappen ist auch diese landschaftlich schön und abwechslungsreich, zum großen Teil durch Wälder. Abwechslungsreich auch die Wege, von (wenigen) asphaltierten Abschnitten bis zu schmalsten Pfaden, gesäumt von Brennnesseln, Disteln und Brombeerranken, die dem geschundenen Körper einige Schrammen und Schmerzen zufügten.

Am Siegufer bei Hoppengarten säumen riesige Herkulesstauden den Weg, immerhin in sicherem Abstand, so dass man nicht damit in Berührung kommt. Ihre Blätter sollen bei Hautkontakt eine Art Sonnenbrand auslösen, weshalb man sie üblicherweise beseitigt. Hier im Naturschutzgebiet lässt man sie ungeschoren. Ich finde sie faszinierend und mag sie, trotz ihrer Unbeliebtheit.

Auch hat es die Strecke mit Steigungen und einigen Stolperstellen in sich. Komoot klassifiziert sie mit „schwer“, was nicht unbedingt viel bedeutet, oft wird eine eher anspruchslose Strecke allein aufgrund ihrer Länge als schwer eingestuft. Doch diese ist wirklich schwer, insbesondere der schmale Weg bei Dattenfeld – das Warnschild am Anfang verspricht nicht zu viel: Rechts geht es steil hoch, links steil runter -, sowie der steile Anstieg nach der Siegbrücke in Dreisel. Erstmals kamen die Wanderstöcke zum Einsatz, die sich bestens bewährten; vermutlich hätte ich die Strecke ohne sie nicht geschafft. Als ich nach fünfdreiviertel Stunden den Bahnhof von Schladern erreichte, war ich geschafft, durchgeschwitzt und sehr zufrieden. Die anschließende Currywurst mit Bierbegleitung auf dem Bonner Marktplatz fand ich sehr verdient.

Fazit: eine empfehlenswerte Wanderung, möglichst nur mit Stöcken zu gehen und nicht unbedingt an so warmen Tagen wie heute. Wobei mir das Wetter gnädig war: Bis zum späten Mittag war es bewölkt und trocken, erst dann kam die Sonne raus.

Die öffentlichen Verkehrsmittel nach Herchen und von Schladern funktionierten bestens. (Nur für die Chronik: Seit dieser Woche fahren auch auf der 66 die neueren „Plastikbahnen“ von 2003, die bisher nur auf der 16 und 63 eingesetzt wurden.)

Herkulesstauden oder Riesenbärenklau. Jedenfalls groß.
Warnschild in Dattenfeld
Kurz nach dem Schild
Ein Männlein steht im Walde
Mit sowas kenne ich mich aus
Über die Sieg bei Dreisel
Schmaler Pfad
Zurück in Bonn – geschafft

Auch ein Wandertag entbindet nicht von der täglichen Bloglesepflicht. Heute gelesen bei Herrn Schwenzel:

des­halb ist es viel­leicht am bes­ten, dring­lich­keit mit sorg­falt zu be­geg­nen, dann ver­mehrt sich dring­lich­keit auch nicht.

Einer meiner Grundsätze im Büroalltag.

(Ich habe mir erlaubt, ein Komma zu ergänzen und ein überzähliges z zu entfernen, ich hoffe, das ist in Ordnung.)

Freitag: Bonnie Tyler ist gestorben, entnahm ich morgens der Zeitung; freundlicherweise verzichtete die Berichterstattung auf das im Zusammenhang mit der Sängerin häufig verwendete Wort „Rockröhre“. Für mich ein weiterer Och-nö-Moment. Des weiteren wird verwiesen auf ihre großen Hits „Total Eclipse Of The Heart“ und „Holding Out For A Hero“. Ich persönlich mochte das nicht so bekannte „Loving You’s A Dirty Job“ lieber, das sie 1985 zusammen mit Todd Rundgren sang.

„Falls es euer aktueller Workload zulässt…“ schrieb einer in einer Mail. Was mich daran erinnert, es wird höchste Zeit, die Liste zu aktualisieren.

Samstag: Apropos Liste – Zeit für die nächste Frage aus der Liste der tausen Fragen.

Frage 161 lautet: „Was ist dein größtes Defizit?“ Vermutlich meine äußerst lückenhaften Englischkenntnisse. Nach der Schulzeit, wo ich das Fach frühzeitig abwählte, benötigte ich es nur selten, seitdem ist es verkümmert. Es mangelt an Vokabelkenntnissen, vor allem fällt es mir schwer, jemanden englisch sprechenden zu verstehen, selbst wenn er mir bekannte Wörter verwendet. Ähnliches gilt für Französisch, wobei ich das nicht in der Schule gelernt habe, weil ich mich damals aus heute nicht nachvollziehbaren Gründen für Latein entschieden hatte, sogar als Abiturfach. Beides, Englisch- wie Französischkenntnisse könnte ich heute gut gebrauchen, ersteres zunehmend immer und überall, und sei es, um ohne nachzuschlagen zu wissen, was mit Workload und ähnlichem Verbalunrat gemeint ist, zweiteres in Frankreich, wo wir seit nunmehr zwanzig Jahren mindestens einmal jährlich Urlaub machen. „Dann lern es doch“, mögen Sie jetzt einwenden. Da schlägt das nächste Defizit zu: Mir fehlt die Begabung, Sprachen zu lernen, Erlerntes zu behalten und in der Praxis umzusetzen. Hinzu kommt eine gehörige Portion Bequemlichkeit, mich ernsthaft zu bemühen. Vielleicht ist das mein größtes Defizit.

Sonntag: In der Sonntagszeitung ein Interview mit dem Kabarettisten Jochen Busse, der sich entschieden hat, sich aus Gesundheits- und Altersgründen (er ist fünfundachtzig) zurückzuziehen und in einer Seniorenresidenz zu leben. Das ist schade, ich sah ihn gerne, mag seine näselnde Stimme, auf der ein Teil seiner Komik beruhte. Er wird fehlen.

Ein anderer Satiriker macht weiter, auch wenn er umstritten ist und gelegentlich aneckt: Dieter Nuhr. Manchmal denke auch ich: Ui, das war heftig, der traut sich was. Erst kürzlich wurde er wieder kritisiert wegen angeblicher Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen, unter anderem im SPIEGEL. Dazu der Leserbrief von Andreas D.: »Die aus Ihrer Sicht primitiven und „traurigen“ Anhänger von Dieter Nuhr lachen über dessen sprachlich eloquente, inhaltlich überspitzte Darstellung von Lebenswirklichkeiten, nicht über die Opfer von Femiziden. Das nennt man gemeinhin Satire, auch wenn er Befindlichkeiten im links-ideologischen Glaubensbereich verletzt.« Dem habe ich nichts hinzuzufügen und schaue ihn mir weiterhin gerne an.

Daraus würde er vielleicht auch was machen: Nachmittags beim Spaziergang entstand ein etwas seltsamer Dialog zwischen mir und dem offenbar migrationhintergründigen Wirt der Gaststätte in der Südstadt, wo ich mir ein Bier gönnte. Als ich beim Bezahlen nach Kartenzahlung fragte, sagte er, nein, das gehe nicht, da müsse er ja Gebühren zahlen. Auf meinen Einwand, stattdessen müsse er sich dann eben mit Bargeld plagen, kam er irgendwie auf die schlechte Luftqualität in Deutschland, soweit ich mich erinnere über eine Aussage ähnlich „Irgendwas ist immer“. Er überlege sogar, zurück nach Afghanistan zu gehen. Meine Antwort „Da ist es bestimmt besser“ erwiderte er mit „Jedenfalls die Luft.“ Das ließ ich so im Raume stehen, mein Spaziergangsbier werde ich wohl künftig woanders trinken.

Poppelsdorfer Allee

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Es wird wieder warm, daher vergessen Sie nicht, viel zu trinken.

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