Woche 16/2026: Schienenersatzverkehr nach Siegburg und Unzucht in Euskirchen

Vorab herzlichen Dank für die freundlichen Kommentare zum letzten Wochenrückblick, Sie sehen mich stets bemüht.

Montag: Wegen Regenerwartung fuhr ich mit der Stadtbahn in die Wertschöpfung und zurück. Zurzeit fährt sie wegen Gleisbauarbeiten nur zwischen Stadthaus und Bad Honnef, während in Richtung Siegburg Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde, auch eines der schönen Wörter, die unsere Sprache ermöglicht. Für mich war das praktisch, weil ich dann nicht bei kühlem Bahnsteigwind auf die Bahn aus Siegburg warten musste, sondern einfach in den bereitstehenden Zug einsteigen konnte. Der Regen kam pünktlich im Laufe der Vormittags und hielt sich bis zum Nachmittag, mit der Verkehrsmittelwahl lag ich richtig.

Der Arbeitstag war nicht sehr montäglich und ziemlich kurz, weil nachmittags ein Physio-Termin anstand zur weiteren Genesung des kürzlich operierten Ellenbogens. Dem geht es weiterhin gut, es tut nichts weh und die Bewegung ist nicht eingeschränkt. Fast frage ich mich, wozu er überhaupt physiotherapeutischer Anwendungen bedarf, es wird dadurch nichts besser, jedenfalls nicht erkennbar, immerhin auch nicht schlechter. Zudem ist Bewegung nie verkehrt. Bis ich wieder – in derselben Stätte – Sport an Geräten machen kann, dauert es noch einige Wochen, hoffentlich habe ich mich bis dahin nicht an die diesbezügliche Untätigkeit gewöhnt, sowas geht ja schnell und die Lust darauf muss danach erst wieder mühsam angewöhnt werden.

Ungeachtet des usseligen, wenig frühlingshaften Wetters werden in Büsum die Strandkörbe aufgestellt.

Siehe hier: https://www.buesum.de/buesum-erleben/webcams/gruenstrand

Dienstag: Morgens beim Fußweg ins Werk lag Nebel über dem Rhein, im Laufe des Tages zeigte sich das Wetter wieder frühlingsfreundlich. Die ewige Baustelle am Rheinufer lässt leichte Fortschritte erkennen.

Nach Rückkehr lagen im Briefkasten gleich zwei Briefe meiner Brieffreundschaften, was mich sehr freute und bislang noch nicht vorkam. Somit habe ich nun drei Briefe zu beantworten, was so bald wie möglich erledigt wird, indes noch einige Tage dauern kann. Ich bitte um Geduld.

Liebe Kinder, wie wir Alten in Zeiten vor Strieming Musik hörten, hat der liebe Onkel Nicolay hier sehr anschaulich aufgeschrieben. Eine Stereoanlage mit Plattenspieler und Kassettendeck, Schallplatten und Kassetten besitze ich noch heute und ich sehe keinen Grund, mich davon zu trennen, auch wenn ich sie nur noch selten benutze.

Morgens
„Gegen Abend ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen“ – Immer wieder schön, wenn Offensichtliches per Schild gleichsam amtlich wird

Mittwoch: In einer Besprechung wurde der Begriff „Gesamtwohlfahrtsmaximierung“ erläutert. Wenn ich es richtig verstanden habe, bezeichnet er ein Wirtschaftsprinzip, das vorhandene Mittel so aufteilt bzw. einsetzt, dass möglichst alle möglichst viel davon haben. Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden, jedenfalls ein weiteres wunderbares Wort.

In einer anderen, einstündigen Besprechung zur Mittagszeit führte ich, um nicht einzuschlafen, Strichliste darüber, wie häufig „ich sag mal“ und „tatsächlich“ gesagt wurde. Ergebnis: 76 mal „ich sag mal“ einschließlich der Varianten „ich sag jetzt mal“ und „sag ich mal“, dagegen nur siebenmal „tatsächlich“. Außerdem ungezählte Male „quasi“ und ein paar mal „genau“.

Nachmittags herrschte in der Bonner Innenstadt Verkehrschaos, weil eine Autobahn gesperrt ist und eine Rheinbrücke für die nächsten Jahre, bis zu ihrem Abriss und Neubau, nicht mehr von LKW und Bussen befahren werden darf. Dazu wurde intensiv gehupt, weil das bekanntlich immer hilft. Als Radfahrer ist man klar im Vorteil, als Fußgänger sowieso.

Donnerstag: Kleine Woche, Inseltag, Wandertag. Heute ab Siegburg über den Heideweg, eine Etappe der Erlebniswege Sieg. Die gut zweiundzwanzig Kilometer lange Runde beginnt und endet im Nordwesten von Siegburg, führt über Lohmar und durch die östliche Wahner Heide. Wie am Montag schon erwähnt, fahren zwischen Bonn und Siegburg zurzeit keine Stadtbahnen, stattdessen ist Schienenersatzverkehr mit Gelenkbussen eingerichtet, die im Takt weniger Minuten pendeln. Da ich ahnte, dass das länger dauert als die Bahn, stand ich bereits zur normalen Werktagszeit auf und fuhr zeitig los. Das war eine richtige Entscheidung, trotz großzügiger Auslegung der geltenden Vorfahrts- und Geschwindigkeitsregelungen durch den Busfahrer dauerte die Fahrt fast eine Stunde, die Bahn wäre in gut zwanzig Minuten am Ziel gewesen. Immer wieder standen wir im Stau, was wieder einmal zeigt, es gibt viel zu viele Menschen, die meinen, auf das Auto angewiesen zu sein.

Während der Fahrt zogen von Nordwesten dunkle Wolken auf, die sich bald als heftiger Regen ergossen. Das war der Wanderlust nicht abträglich; nach Ankunft in Siegburg frühstückte ich in der Bäckerei am Bahnhof, danach fuhr ich mit einem anderen Bus, den nur die App der Verkehrsbetriebe, jedoch nicht die örtliche Anzeige kannte, zum Ausgangspunkt der Wanderung, von da an regnete es nicht mehr. Später schien die Sonne.

In Lohmar-Heide, etwa auf halber Strecke, ließ mich die Komoot-App wieder im Stich, indem sie die angezeigte Tour einfach dort enden ließ. Grundsätzlich lässt sich der Heideweg auch ohne Navigation gehen, weil er gut markiert ist (weißes S auf rotem Grund), doch ausgerechnet in Heide war auch die Markierung mangelhaft, oder ich zu blind, sie zu sehen, kann ja auch sein. Dieses Mal war ich immerhin so schlau, die Navigation abzubrechen und die Tour neu zu starten, bis zum Ende hielt Komoot dann durch. Trotzdem halte ich sie inzwischen für eine Mist-App; falls Sie mir eine bessere Alternative empfehlen können, sehr gerne.

Bei Heide gibt es einen Friedwald, mit Schildchen an den Bäumen statt Grabsteinen. Etwas abseits des Weges wurde eine Beisetzung abgehalten, dazu wurde „Und die Chöre singen für dich“ von Mark Foster gespielt. Ich bin nicht gerade ein Fan von ihm, doch finde ich diese Art der letzten Ehrerweisung sehr ansprechend. Auch wenn es mir, wie bereits geschrieben, völlig egal ist, auf welche Weise mein Kadaver dereinst entsorgt wird. Sollte es zu einer Trauerfeier kommen, wünsche ich mir dafür als musikalische Begleitung, auch wenn ich dann nichts mehr davon habe, „The Show Must Go On“ von Queen und die Arie „Ebben? Ne andrò lontana“ aus der Oper La Wally, gesungen von den Kölner Spitzbuben:

Das wäre schön.

Zurück ins Leben: Bei Lohmar gibt es einen Campingplatz, direkt an der Agger sehr schön gelegen, allerdings in unmittelbarer Nähe und Hörweite die Autobahn 3, darüber die Ausflugschneise des Flughafens Köln / Bonn. Man muss Camping schon sehr mögen und dazu möglichst schwerhörig sein, um dort zu verweilen. Daran gemessen war der Platz gut belegt.

Zur Wanderstrecke: Die erste Hälfte führt überwiegend durch Wald, allerdings zum größeren Teil auf breiten, über längere Strecken geraden Wegen. Hinter Lohmar in der Wahner Heide wird es etwas wilder und abwechslungsreicher. Kurz vor Siegburg traf ich überraschend auf ein zugewachsenes Bahngleis, einst die Bahnstrecke von Siegburg nach Lohmar, die bereits 1989 stillgelegt wurde. Umso erstaunlicher, dass das Gleis immer noch liegt. Ab hier wich ich von der vorgesehenen Route ab und folgte dem Weg neben dem Gleis bis zu seinem Ende kurz vor Siegburg, ab da führt der Weg auf der ehemaligen Bahntrasse bis in die Siegburger Innenstadt.

Zum ersten Mal seit ich weiß nicht wie vielen Jahren sah ich eine Blindschleiche, die sich über den Weg schlängelte.

Nach ziemlich genau fünf Stunden erreichte ich wieder den Bahnhof Siegburg, von wo ich mit einem Schienenersatzbus zurück nach Bonn fuhr. Ich hätte vorher in Siegburg die übliche Belohnungscurrywurst essen können, doch erschien es mir klüger, direkt zurück zu fahren, ehe der Berufsverkehr einsetzt und der Bus im Stau steht. Die Currywurst gab es dann wieder vor der Gaststätte auf dem Bonner Marktplatz. Von meinem Platz aus beobachtete ich, wie ein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn vorfuhr und vor dem Fitness-Studio gegenüber hielt. Die drei Sanitäter gingen dann ohne erkennbare Eile hinein. Es war wohl nicht so dringend. Oder es hatte sich erledigt. The show must go on.

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Die Zeitung berichtet über Unzucht in Euskirchen und erfreut mit einem weiteren Symbolbild aus der Hölle:

(General-Anzeiger Bonn online)

Freitag: Am Ende des für einen Freitag gar nicht mal so kurzen Arbeitstages blieb vieles unerledigt, unter anderem weil mich Besprechungen und ein einstündiger Info Call mal wieder von der Arbeit abhielten. Nächste Woche wird es nicht besser. „Das kommt davon, wenn man lieber durch die Gegend läuft, anstatt ins Büro zu gehen“, könnten Sie nun nach dem freien Tag gestern einwenden. Dem ist zu entgegnen: Das ist es mir wert. Was auch immer liegen bleibt, niemand kommt dadurch zu Schaden.

Onkel Michael macht sich, wie ich finde, kluge Gedanken über akzeptierten Sprachgebrauch. Kostprobe:

„Darf ich das so sagen?“, „Ist das noch zulässig?“, „Gibt es dafür inzwischen ein besseres Wort?“ – und während man noch innerlich Formulare ausfüllt, ist der ursprüngliche Gedanke längst verhungert. Das ist kein Verbot, das ist Dressur. Und zwar eine ziemlich effektive.

Das Ergebnis ist eine Sprache, die immer glatter, immer vorsichtiger, immer risikofreier wird. Eine Sprache, die niemanden beleidigt – und dabei zunehmend auch niemanden mehr interessiert. Sie ist korrekt, sauber, gut gemeint und ungefähr so lebendig wie ein Beipackzettel.

Dagegen sind Besprechungssätze wie „Lass uns bilateral sprechen wegen der Zeitschiene“, „Ich muss da Erwartungsmanagement betreiben“ oder „Das werde ich später racapen“ völlig unzensiert möglich. Leider, bin ich versucht, hinzuzufügen.

Samstag: Die Nacht endete früh, da ich nach Bielefeld zu fahren beabsichtigte, um die Mutter zu besuchen, wie üblich und trotz allem mit der Bahn. Das fing schon gut an, denn, wie die Bahn-App morgens meldete, fiel die vorgesehene Fahrt mit dem RE 6 aus. Das war nicht so schlimm, ich war früh genug aufgestanden, um eine frühere Verbindung zu erreichen, die mit erfreulicher Pünktlichkeit verlief.

„Ganz Köln ist ein Drecksloch“, sagte eine Dame hinter mir bei Erreichen der Stadt zu ihrem Begleiter. Nun ist Köln wohl nicht die schönste aller Städte, auch wenn Kölner das anders sehen, doch sie in ihrer Gesamtheit derart zu bezeichnen erscheint mir übertrieben. (Da fällt mir ein alter Witz ein, der nur gesprochen seine Komik entfaltet: „Köln ist ein Drecksloch? Mainz sollten Sie mal sehen.“ – Tusch.)

Ab Oelde füllte sich der Zug mit Menschen, die blau-weiß-schwarz gekleidet und beschalt waren, den Farben des örtlichen Bielefelder Fußballvereins. Einige waren mit Bierflaschen ausgestattet, immerhin verhielten sie sich ruhig. Dennoch befürchtete ich im Falle eines Sieges akustisches Ungemach für die Rückfahrt.

Während die Mutter nach dem Mittagessen eine halbe Stunde ruhte, unternahm ich einen Spaziergang durch den Stadtteil, in dem ich aufgewachsen bin und der sich seitdem naturgemäß stark verändert hat, wie ich auch. Einiges ist geblieben, etwa das Einkaufszentrum im Waschbeton-Charme der frühen Siebzigerjahre. Auch einige Geschäfte darin haben sich bis heute gehalten, etwa die Lottoannahmestelle, die Sparkasse, das Restaurant und der Friseursalon. Auch dem Vater stattete ich auf dem Friedhof einen kurzen Besuch ab.

Meine Befürchtung bezüglich Fußballfangelärmes auf der Rückfahrt war unbegründet. Der Bahnsteig gegenüber an Gleis 8 war dicht bevölkert mit Blau-Weiß-Schwarzen, Gesang schallte herüber, ehe sie sich in die viel zu kurze Regionalbahn nach Paderborn quetschten. Mein Mitgefühl galt den weniger fußballbegeisterten Mitreisenden. Mit meinem Zug in Richtung Köln fuhr nur eine kleine Gruppe Fußballfreunde, allerdings nicht blau-weiß-schwarz sondern irgendwas mit rot. Auch sie stimmten während der Fahrt kurz Gesang an, allerdings einen Wagen weiter, somit kaum störender als das übliche Geplapper in einem Zug. Die Rückfahrt verlief im Übrigen ebenfalls pünktlich, zweimal vier Stunden reichten dann auch.

Sonntag: „Ich glaube, mich streift ein Bus“ sagte man früher, um seiner Verwunderung oder Empörung Ausdruck zu verleihen. Ob dem Autofahrer dieser Spruch bekannt ist, weiß ich nicht, jedenfalls erlebte er beziehungsweise sein Wagen ein solches Ereignis heute Nachmittag, wie ich beim Spaziergang beobachtete. Bus und Auto warteten in der Weststadt nebeneinander vor einer Ampel, links der Bus, rechts der Wagen. Dann war ein unschöner Knall zu hören, Glas splitterte, der Bus fuhr über die Kreuzung und hielt dahinter warnblinkend an. Der Busfahrer verließ sein Fahrzeug nicht, vielleicht stand er unter Schock. Dem Auto waren der linke Rückspiegel und die Vorderfront weggerissen, am Bus war eine Scheibe der hinteren Tür zersplittert. Menschen kamen dem Anschein nach nicht zu Schaden, gleichwohl dürfte für die Beteiligten der Sonntag gelaufen sein. Auch die Busfahrgäste haben heute was zu erzählen.

Im Übrigen ließen dunkle Wolken im Norden und erste Regentropfen die Beendigung der Spaziergangs nach einer Stunde ratsam erscheinen. Somit auch heute kein Freiluftgetränk im Lieblingsbiergarten, das ist nicht schlimm.

Während an der Poppelsdorfer Allee die ersten Kastanien blühen …
… ist die Kirschblüte in der Inneren Nordstadt bald durch

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Für mich ist sie mit einer sechsstündigen KI-Schulung und einer dreitägigen Dienstreise nach Höxter verbunden, auf letztere freue ich mich ein wenig.

19:00

Woche 15/2026: Maibock, Marmelade und Mindestgeschwindigkeit für Fußgänger in Engstellen

Zunächst ein Nachtrag zur vergangenen Woche:

1) Vielen Dank für die Kommentare zu dem mir bis dahin unbekannten, während der Wanderung am Donnerstag fotografierten Gewächs am Wegesrand, die dieses als jungen Schachtelhalm identifiziert haben.

2) Während des Abendessens gestern kamen wir irgendwie auf diese alte amerikanische Spielfilmkomödie mit der grandiosen Autoverfolgungsjagd gegen Ende zu sprechen, wie hieß sie noch: „Is´ was, Doc?“ mit Barbra Streisand, nein: „Eine total, total verrückte Welt“ mit Spencer Tracy. Den schauten wir dann nach dem Essen. Als am Ende die Autojagd begann, merkte ich: Es wäre doch „Is‘ was, Doc?“ gewesen. Das ist nicht schlimm, ich habe den falschen Film bestimmt seit dreißig bis vierzig Jahren nicht mehr gesehen und Tränen gelacht. Dann müssen wir den anderen eben auch noch die Tage anschauen. Deshalb. Und deshalb.

Montag: Auch heute blieben wir lange im Bett und frühstückten spät, warum auch nicht. Um die Ostertage nicht nur essend, trinkend und schlafend zu verbringen, unternahmen der Liebste und ich nachmittags eine Radtour nach Brühl. Das Wetter zeigte sich anfänglich jackenkühl mit Sonnenschein, somit bestens für eine Radtour. Und also fuhren wir durch Felder und recht idyllische Orte wie Bornheim-Sechtem, das ich bislang nur vom Vorbeifahren mit der Bahn kannte. Die Rapsblüte schreitet voran, für mich immer wieder ein Grund, anzuhalten und zu fotografieren, obwohl es doch jedes Jahr gleich aussieht, wäre ja auch seltsam, wenn er plötzlich, sagen wir blau blühen würde. Die Bonner Kirschblüte ist ja auch immer gleich, dennoch strömen sie jedes Jahr in Scharen durch die Innere Nordstadt, die wir heute bewusst mieden, die Menschenmassen nahmen wir nur im Vorbeifahren aus den Augenwinkeln wahr. Zurück in die Bornheimer Felder: Auch der Flieder steht kurz vor der Blüte, nur die Kastanien brauchen noch etwas, bis sie sich mit ihren prächtigen weißen und roten Dolden schmücken. Für mich ist diese Phase der möglichst gleichzeitigen Raps-, Flieder und Kastanienblüte stets die schönste Zeit des Jahres, vermutlich schrieb ich es schon mehrfach, sehen Sie es mir bitte nach. Erstaunt war ich, dass der Rhabarber schon geerntet wird, auf dass die Produktion von Rhabarberkuchen, -schorle und -likör nichts ins Stocken gerät.

Ziel unserer Tour waren die Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust. Ersteres besuchte und besichtigte ich letztmals vor schätzungsweise fünfundzwanzig Jahren, zweiteres noch nie. Wie das so ist, wenn man so etwas gleichsam vor der Haustür hat. In der Außengastronomie bei Schloss Falkenlust stärkten wird uns: ich mit Weißbier, der Liebste mit einem Cappuccino. Er war schon immer der Vernünftigere von uns.

Vor Roisdorf
Alles gelb
Schloss Augustusburg
Schloss Falkenlust
Der Verfasser in guter Verfassung (Foto: der Liebste)
Bahnromatik bei Brühl
Bahnromatik in Bonn-Buschdorf

Dienstag: Nach fünf arbeitsfreien Tagen gibt es schöneres, als morgens ins Büro zu gehen. Doch möchte ich nicht klagen, so schlimm war es nicht. Eine Besprechung wurde abgesagt mit der Begründung „obsolet“. Wenn doch alle obsoleten Besprechungen abgesagt würden. Eine weitere endete nach vier Minuten, weil wir da bereits aligned waren, wie es hieß. Auch die war zweifellos obsolet.

Angenehmer Fußweg hin und zurück, morgens mit Handschuhen, nachmittags mit offener Jacke und Rast beim bayrischen Wirtshaus, wo wieder Maibock im Ausschank ist. Auf den freue ich mich jedes Jahr ungefähr so sehr wie auf die Blüte von Raps, Flieder und Kastanien.

Wie der Zeitung zu entnehmen ist, darf ab Sommer Marmelade genannt werden, was bislang nur als Fruchtaufstrich oder Konfitüre bezeichnet werden durfte, nämlich Produkte aus Nichtzitrusfrüchten. Bis heute war mir nicht bekannt, dass nur Zitrusfrüchte als Marmeladenbasis zugelassen sind, es somit Erdbeer- und Kirschmarmelade streng genommen gar nicht gibt, obwohl es jeder sagt; nun ist es auch egal. Oder wie es die Vertreterin des Bundeszentrums für Ernährung genderkorrekt ausdrückt: „Am Frühstückstisch der Verbrauchenden ändert das wohl wenig.“

Mittwoch: Mit dem Bürokollegen sprach ich über Träume. Also nicht im Sinne von unerfüllbaren oder bislang unerfüllten Wünschen, sondern über das, was während des nächtlichen Hirnfegens so in einem vorgeht. Erstaunlich fanden wir beide die dabei immer wieder erlebte Selbstverständlich absurdester Situationen, Sie kennen das sicher. Am Ende kam uns die Idee, vielleicht auch dieses Gespräch nur zu träumen, gleich daraus zu erwachen und sich zu fragen, wer der seltsame Vogel am Schreibtisch gegenüber war.

Für nach der Arbeit hatte ich einen Brötchenholauftrag für das Abendessen erhalten. Es gibt eine Bäckerei in Büronähe, doch deren Produkte sind meinen Lieben nicht gut genug, es muss unbedingt die Bäckerei M. sein, die in der Innenstadt drei Filialen betreibt. Keine davon ist tagsüber mit dem Fahrrad gut zu erreichen, das heißt an Fahrradtagen wie heute: Fahrrad abstellen und abschließen, die Tasche vom Gepäckträger nehmen, Brötchen kaufen, einpacken, Tasche wieder auf den Gepäckträger, aufschließen und im Schritttempo durch die menschenvolle Fußgängerzone nach Hause. Sehr umständlich. Nächstes Mal fahre ich wieder erst nach Hause, stelle das Fahrrad ab und gehe dann zu Fuß zum Bäcker. Das mag einige Minuten länger dauern, ist aber wesentlich entspannter.

Zeitvertreib ist auch so ein unnützes Wort: Welchen Sinn sollte es haben, Zeit zu vertreiben?

Ein interessantes Wort ist auch „Höhentief“. Ein solches ist laut Wettervorhersage für morgen zu erwarten.

Donnerstag: „Abstand rettet Leben“ stand auf dem Trikotrücken des Radfahrers, der nachmittags mit robustem Tempo durch die zahlreichen Fußgänger in der baustellenbedingten Engstelle am Rheinufer slalomierte. Im Übrigen erscheint mir so wünschenswert wie ein Tempolimit auf Autobahnen eine Mindestgeschwindigkeit für Fußgänger in Engstellen.

Freitag: Letzte Woche beklagte ich, dass sich der Bürorechner nicht mehr über den Schalter an der Dockingstation starten lässt, sondern ich dazu das Laptop aufklappen und dessen Einschaltknopf drücken muss. Zwar halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen bei Microsoft oder HP dieses Blog lesen, jedenfalls funktioniert es seit heute wieder auch über die Dockingstation. Vielleicht war es eine vorübergehende Systemunpässlichkeit.

Zum Abendessen suchten wir die andere Rheinseite auf. Zurück sah es so aus:

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Samstag: Morgens frühstückten wir vor dem Restaurant in der Fußgängerzone, wo die Frühstückslingssonne schon recht ordentlich wärmte.

Ab mittags beausflugte ich mit Leuten des Kölner Eisenbahnfreundevereins die Ahrtalbahn, die nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 seit vergangenem Dezember wieder durchgängig und nunmehr elektrisch befahren wird, ich berichtete. Zunächst fuhren wir bis zum Endpunkt in Ahrbrück, dann gleich wieder zurück bis Altenahr. Ab dort bewanderten wir sonnenbeschienen ein Stück des Rotweinwanderwegs, vorbei an noch blattlosen Reben und ohne Rotwein. Wobei das Wort Wanderung übertrieben wäre, Ziel war das nur etwa fünf Kilometer entfernte Mayschoß. Dort kehrten wir ein in die Bahnhofsgaststätte, und weil sich ein Ahrtalbesuch ohne Weinverzehr unvollständig anfühlt, wurden mehrere Flaschen Blanc de Noir geordert und geleert. Danach brachte uns, weiterhin im Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte, die Ahrtalbahn zurück nach Bonn, wo beim Abschied Einigkeit darüber herrschte, einen schönen Nachmittag miteinander verbracht zu haben.

In Bonn regnete es inzwischen, was den Liebsten nicht davon abhielt, für uns zu grillen. Dazu gab es Rotwein von der Ahr. Anschließend schauten wir „Is‘ was, Doc?“ und lachten sehr, nicht nur bei der Autoverfolgung, wobei da besonders.

Ahrbrück – Auch die RB 30 fährt nun elektrisch
Beim ungefähr dritten Glas (Foto: H. Hitzel)

Sonntag: Nach nicht sehr spätem Frühstück und Sonntagszeitungslektüre machte ich mich auf zum tagesüblichen Spaziergang. Es war kühler als gestern, die Sonne ließ sich nur zeitweise blicken. Im Rucksack einige Bücher für den öffentlichen Bücherschrank, sowohl gelesene als auch einige vom Stapel der ungelesenen, die ich irgendwann mal aus einem solchen Schrank mitgenommen, seitdem jedoch mangels Zeit nicht gelesen hatte. Außerdem hatte ich mein Schreibbuch eingesteckt, weil mir inzwischen eine Idee gekommen ist, wie die letzte Woche erwähnte Kurzgeschichte für die Anthologie weitergehen und zu Ende gebracht werden kann. Geplant war, mich damit in den Lieblingsbiergarten am Rheinufer zu setzen und bei einer Halben die Worte fließen zu lassen. Oder field writing zu betreiben, wie der Mitblogger aus Duisburg es zu nennen pflegt. Das scheiterte daran, dass der Biergarten nicht geöffnet war, vielleicht wegen des Wetters, das ich als durchaus draußenbiertauglich empfand, vielleicht wegen Krankheit, Reichtum oder Unlust. Schade, dann eben nicht. Da mir keine andere Gaststätte in gleicher Weise schreibtauglich erschien, ging ich nach Hause und schrieb dort weiter, ging auch.

Die Zierkirschen in der Inneren Nordstadt haben begonnen, ihre Blüten abzuwerfen und das Straßenpflaster mit rosa Konfetti zu bestreuen; der Regen des Vorabends hat indes noch reichlich Blüten oben gelassen, daher sind die beiden Straßen auch heute noch für Autos gesperrt und gefüllt vom flanierenden Instagramvolk. Auch die Kastanien machen sich bereit für die baldige Pracht.

In einer Seitenstraße sah ich einen Kleinwagen mit der Beschriftung „Heidis Orgelmobil“ an den Seiten, dazu stilisierte Orgelpfeifen. Falls es Sie interessiert, welcher Profession Heidi nachgeht, recherchieren Sie bitte selbst, eine von mir – zugegeben nicht sehr intensiv durchgeführte – Suche brachte dazu keine Erkenntnis. Jedenfalls klingt es lustig.

Lange dauert es nicht mehr

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Ich freue mich auf eine kleine Woche mit freiem Donnerstag, dessen Nutzung als Wandertag laut aktueller Wettervorhersage nichts im Wege steht.

19:30

Woche 14/2026: Wirsing, Wanderlust und Weltfrieden

Montag: Die Müdigkeit am ersten Arbeitstag in Sommerzeit war nicht größer als sonst. Wobei der Begriff „Sommerzeit“ angesichts der derzeit herrschenden Kühle unangebracht erscheint.

Beklagte ich vergangene Woche ein deutliches Zuviel an Besprechungen, so begann diese diesbezüglich moderat. Nur ein für eine halbe Stunde angesetzter Regeltermin, der bereits nach einer Viertelstunde endete, beanspruchte meine Zeit, und selbst der hätte nicht sein müssen. Ließe man ihn dauerhaft ausfallen, hätte das keinerlei schädliche Auswirkung. Vielleicht sollte ich das dem Initiator gelegentlich vorschlagen. Doch stellt dieser Tag eine Ausnahme dar, ab morgen ist der Kalender schon wieder reichlich gefüllt.

In die Kantine ging ich erst spät, weil dann die Chance auf ungestörtes Alleinessen, wonach mir heute war, größer ist. Dort wählte ich das „Wirsinggemüse untereinander mit Rinderhackfleisch und Kartoffeln“. Die Optik des Gerichtes war sehr unvorteilhaft, eine gräuliche-brockige Pampe von breiiger Konsistenz; die darübergestreuten Lauchschnipsel vermochten kaum die deutliche Ähnlichkeit mit bereits Gegessenem, wie es sonntagmorgens gelegentlich auf Gehwegen und in Hauseingängen vorzufinden ist, zu kaschieren. Geschmacklich war es hingegen einwandfrei. Aus demselben Grund aß ich früher weder Wurstebrei noch Labskaus, weigerte mich, es nur zu probieren. Mittlerweile esse ich beides gerne.

Im Briefkasten lag nachmittags die Karte von DPD, das Paket aus München konnte auch im zweiten Versand nicht auf Anhieb zugestellt werden. Weiß der Himmel, wie DHL, Hermes und Amazon das fast immer schaffen. Laut Benachrichtigung kann ich es wieder im nahegelegenen Laden abholen. Morgen Abend der nächste Versuch.

Dienstag: „Ei-nmalige Deals“ las ich morgens auf einem mit Hase und bunten Eiern dekorierten Plakat in einem Schaufenster. Da kann man froh sein, dass Ostern bald vorüber ist.

Vorüber auch das Warten auf das Paket aus München: Heute Abend konnte ich es endlich aus dem Laden abholen. Es enthielt mehrere Flaschen Bier aus der berühmten Klosterbrauerei am Ammersee. Liebe N., herzlichen Dank dafür, mindestens eine Flasche davon trinke ich auf Ihr Wohl!

Eine weitere, unerwartete Sendung erreichte mich: Abends lag ein Brief aus Bonn-Lannesdorf im Briefkasten, über den ich mich ebenfalls freue. Darin unter anderem dieser Satz über Anzüge: „Ich finde, Anzüge sollten entweder komplett abgeschafft werden oder wieder mehr zum Standard gehören.“ Die Oder-Option ist mir deutlich sympathischer. – Lieber T., herzlichen Dank! Antwort kommt.

Mittwoch: An diesem 1. April blieb ich von Aprilscherzen aller Art verschont, jedenfalls bis zum Zeitpunkt der Notiz am frühen Abend. Vielleicht habe ich es auch nur nicht gemerkt und nahm Tageserlebnisse ernst, die als Spaß gedacht waren, wobei mir tagesrückblickend nichts einfällt, das anzuzweifeln wäre, jedenfalls nicht mehr als an anderen Tagen. Generell scheinen Aprilscherze in den letzten Jahren aus der Mode gekommen zu sein, was wenig verwundert in Zeiten, da man ohnehin nicht mehr weiß, was wahr ist und was gelogen beziehungsweise halluziniert.

Seit der neuen Windows-Version weist der Bürorechner eine kleine Verschlechterung auf: Bislang startete ich ihn bei zugeklapptem Deckel über einen Knopf der Docking-Station. Wenn ich das nun versuche, erscheint auf dem Monitor der Sicherheitswolf, ansonsten passiert nichts. Ich muss vielmehr das Laptop aufklappen und über dessen Einschaltknopf starten. Erst dann kann ich es wieder zuklappen. Meine Kollegen machen das schon immer so, lange vor dem neuen Windows, viele von ihnen lassen das Laptop den ganzen Tag aufgeklappt, zusätzlich zum großen Monitor, was ich nie recht verstanden habe. So hat ein jeder seine Gewohnheiten. Vorteil der neuen Version: Um den Bildschirm zu entsperren, muss man vor Eingabe von Nutzerkennung und Passwort nicht mehr Strg + Alt + Entf drücken, es genügt irgendeine Taste. Immerhin das ist eine kleine Verbesserung, wie ich in der letzten Woche mit bewegungsbeschränkter Hand merkte.

Im Büro bekam ich ansonsten einiges geschafft, weil mein Tatendrang von nur zwei Besprechungen unterbrochen wurde, deren letzte allerdings sehr spät lag und auch noch überzogen wurde. Dadurch geriet der Arbeitstag recht lang, worüber hinwegtröstet, dass es für mich der letzte dieser Woche war; morgen habe ich frei, danach beschert uns das Christentum vier freie Tage, jedenfalls denjenigen, die das Privileg der gewöhnlichen Fünftagewoche genießen. Gepriesen sei der Herr.

An erfreulichem privaten Posteingang herrscht momentan kein Mangel; zurzeit pflege ich vier aktive Brieffreundschaften mit Mitbloggern, das finde ich sehr schön. Heute erhielt ich wieder eine Postkarte aus Duisburg, die mich in einen gewissen Zugzwang bringt, da der kürzlich erhaltene Brief desselben Absenders noch der Beantwortung harrt. Ich weiß, er nimmt es mir nicht übel, in den nächsten Tagen finde ich hoffentlich Zeit dafür. Lieber M., herzlichen Dank!

Donnerstag: Auch diesen freien Tag nutzte ich für eine Wanderung. Wegen eines Gesundheitstermins am Nachmittag durfte sie nicht zu lang und nicht mit einer längeren An- und Abreise verbunden sein. Auch sollte sie wegen des genesenden Ellenbogens möglichst geringe Stolper- und Sturzgefahr aufweisen. Somit kamen Rhein-, Sieg- und Ahrsteig nicht in Frage. Stattdessen fuhr ich nach dem Frühstück in einem Bäckereicafé mit der Straßenbahn nach Bonn-Oberkassel, eine Viertelstunde später konnte es losgehen. Der knapp 17 Kilometer lange Rundweg führte über den Ennert, eine Erhebung östlich von Bonn, durch Wälder, Felder und die Dörfer Vinxel und Oberholtorf. Es ist ohne größere Anstrengung zu schaffen, das erhoffte Wanderglücksgefühl erfüllte mich schon nach wenigen Kilometern. Dazu trug das überwiegend sonnige Wetter bei milder Temperatur bei, erst gegen Ende zog es sich zu, blieb jedoch trocken. Und: Endlich beginnt es deutlich und augerfreuend zu grünen, vielen Bäumen sprießen die Blätter, auch die Rapsfelder hinter dem Hügel deuten erstes Gelb an. Über den Feldern zwitschern die Lerchen ihr Frühlingslied (ich muss immer nachschauen, ob es „Lerchen“ oder „Lärchen“ geschrieben wird, nicht dass ich Ihnen was von fliegenden Nadelbäumen erzähle und Sie dann denken: Jetzt wird der auch bekloppt), bei Vinxel umspielte unaufdringliche Landluft die Nase. Knapp vier Stunden später, einschließlich Mittagspäuschen auf einer Bank bei Niederholtorf mit Blick auf eine wenig pittoreske Neubausiedlung, erreichte ich wieder Oberkassel und fuhr mit der Stadtbahn zurück.

Im letzten Viertel der Runde verließ mich Komoot, indem die Anzeige der geplanten Tour einfach abbrach, nicht zum ersten Mal erlebte ich das mit dieser App. Das war nicht schlimm, dank weiterhin angezeigter Karte konnte ich die letzten Kilometer problemlos improvisieren. Dennoch frage ich mich, wieso ich Geld bezahlt habe für eine App, die nicht zuverlässig funktioniert und den Wanderer im wahrsten Sinne im Wald stehen lässt.

Oberkassel, Ausgangs- und Endpunkt
Endlich grün
Blick vom Ennert über Bonn
Aussichtsbühne über Oberkassel
Bei Vinxel
Weiher mit Reiher bei Vinxel
Bei Vinxel
Seltsames Gewächs am Wegesrand. Weiß jemand, was das ist bzw. werden will?
Obstblüte in Vinxel
Ein Aufkleber mit doppelter Interpretationsmöglicheit: 1) Leider, wir tun es trotzdem, steter Tropfen und so, 2) Deshalb lasst es sein.
Mit herzlichen Grüßen nach Augsburg
Der Dornheckensee oberhalb von Oberkassel, ein ehemaliger Basaltsteinbruch, heute beliebtes Ausflugsziel für Männer, die gerne Männer treffen
Von ihr können wir was lernen in unserer hektischen Welt. Oder ihm, wer weiß das schon so genau.

Die wandertagsübliche Pflichtcurrywurst mit Bier gab es nach dem Gesundheitstermin auch noch. Da wollen wir nichts einreißen lassen.

Freitag: Das „Kar“ in Karfreitag kommt vom althochdeutschen Wort kara für Klage und Kummer, wie unter anderem hier nachzulesen ist. Und nicht von K wie Kreuzigung, dem zur besseren Verschriftlichung ar angehängt wurde, damit man nicht „Kfreitag“ schreiben muss. Gewiss, K-Freitag oder Kafreitag würde dann auch gehen, für Freunde des Deppen Leerzeichens auch K Freitag, für MarketingKasper KFreitag.

Das darf auch in diesem Jahr nicht fehlen

Bleiben wir noch ein wenig bei K: Die Kirschblüte in der Inneren Nordstadt hat begonnen, ungefähr ein Drittel der rosafarbenen Blüten sind aufgegangen, die schon fleißig instagramiert werden. Erstmals in diesem Jahr wurden Straßenabsperrungen installiert, damit die erwarteten Menschenmassen an den Hauptblühtagen nicht von Kraftfahrzeugen belästigt werden. Wer dort wohnt und in der Zeit aufs Autofahren nicht verzichten will oder kann, hat Pech gehabt, was zieht er auch in dieses Viertel. Eine dieser Absperrvorrichtungen befindet sich an der Kreuzung nahe unserer Wohnung. Heute war sie noch heruntergeklappt, so dass Fahrzeuge passieren können. Vielleicht ist sie defekt oder falsch montiert, denn jedes Mal, wenn ein Auto darüber fährt, entsteht ein Geräusch, wie wenn Flaschen in einen Altglascontainer eingeworfen werden, nur lauter. Das kann für die unmittelbaren Anwohner noch heiter werden in den nächsten Nächten.

Symbolbild

Von Kar zu De – Gunkl schrieb: „Man kann sich überlegen, wie denn, wenn „de-“ eine verneinende Vorsilbe ist, wie der jeweilige Grundzustand vor einer Dekoration oder Dekorierung aussieht.“ Oder einer Demokratie. Oder eines Deodorants.

Spaziergangssichtung

Samstag: Das Frühstück nahmen wir im Bäckereicafé zu uns. Dabei wurden wir Zeuge des folgenden, nur sinngemäß wiedergegebenen Dialogs:

Kunde: „Einen Café zum Mitnehmen bitte. – Wie heißt’n du überhaupt?“

Verkäuferin: „Sandra*.“

Kunde: „Hallo Sandra, ich bin der Bob*.“

Sandra: (Gibt ihm den Kaffee)

Bob: (Bezahlt und geht)

*Namen geändert bzw. nicht gemerkt

Mittags verband ich die Altglas- und Leergutentsorgung (die Lieferung vom Dienstag ist bereits vollständig verzehrt, nochmals vielen Dank nach München) mit einem Spaziergang an den Rhein, ein wenig auch aus Gründen der Prokrastination. Zum einen stand für heute Fahrradpflege im Kalender, zum anderen wollte ich weiter an der Kurzgeschichte für die Anthologie-Ausschreibung arbeiten. Während ich das Fahrrad direkt im Anschluss an den Spaziergang putzte, tue ich mich mit der Geschichte schwer. Je mehr ich schreibe, desto weniger gefällt sie mir. Ich fürchte, mir fiktive Geschichten auszudenken fällt mir nicht halb so leicht wie Beobachtetes und tatsächlich Erlebtes aufzuschreiben. Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich an meinem Romandings nicht weiterkomme. Die Figuren bleiben blass, die Konflikte und ihre Auflösung harmlos. Bis Ende dieses Monats habe ich noch Zeit, vielleicht streift mich ja noch der Muse Kuss. Vielleicht überlasse ich es lieber anderen, die es besser können.

Immerhin gelang es mir bereits gestern, den am Mittwoch erwähnten fälligen Brief zu schreiben und einzuwerfen.

Sonntag: Der Liebste ließ es sich nicht nehmen, uns mit österlicher Schokolade in größerer Menge zu beschenken, was auch im mittlerweile fortgeschrittenen Alter immer noch Freude bereitet. Das schöne am diesjährigen Ostern ist, es ist für uns mit keinerlei Unternehmungen, Reisen und Besuchspflichten verbunden. Daher war dieser Ostersonntag von einem gewöhnlichen Sonntag mit lange Schlafen, Frühstück, Sonntagszeitung und Spaziergang kaum zu unterscheiden. Der Spazierweg führte auch durch die Innere Nordstadt, wo ich kurz den zahlreichen Menschen beim Kirschblütenkucken zuschaute, ehe ich weiterzog in Richtung Weststadt, Endenich und Poppelsdorf. Unterwegs hoffte ich auf Inspiration, die oben genannte Kurzgeschichte betreffend. Leider vergeblich.

Was mir keine Freude bereitet: Bin ich eigentlich der einzige, der es ärgerlich findet, wenn sich beim Aufruf eines Links kein neuer Tab öffnet und man nur über den Zurück-Button des Browsers wieder zur vorherigen Seite gelangt?

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

17:00

Woche 13/2026: Gefangen in Besprechungsketten

Montag: Der erste Arbeitstag nach fast zwei Wochen Unterbrechung gelang einigermaßen zufriedenstellend, auch wenn ich aufgrund schon wieder viel zu vieler Besprechungen kaum dazu kam, Liegengebliebenes abzuarbeiten. Als hätten sie nur auf meine Rückkehr gewartet, um mich mit unnötigem Gequatsche zu drangsalieren. Zum Gelingen trug auch ein frühes Arbeitsende bei, weil nachmittags eine ärztliche Nachschau des operierten Ellenbogens anstand. Die Heilung schreitet in erfreulicher Weise voran.

Erfreulich auch der private Posteingang: ein Brief aus Duisburg und ein Paket aus München, letzteres zunächst nur in Form einer roten Benachrichtigung im Briefkasten. Das hole ich dann morgen auf dem Heimweg ab, so bleibt noch etwas Vorfreude. – In abgehender Richtung schrieb ich abends einen Brief nach Greven, der morgen auf die Reise geht.

Dienstag: Gegen halb sechs wachte ich morgens aus bizarren Träumen, deren Inhalt ich mangels Erinnerung nicht wiedergeben kann, auf und mein Körper oder Geist oder wer auch immer beschloss, genug geschlafen zu haben und also bis zum Wecker eine Dreiviertelstunde später wach zu liegen.

Auf dem Fußweg ins Werk blies mir kalter Wind entgegen, der Handschuhe angebracht erscheinen ließ, die ich nicht dabei hatte und deren linker mir am weiterhin bis über den Handrücken geschienten Arm im Übrigen nichts genützt hätte. Man macht was mit. Am Rheinufer wurden von einem Wagen mit Hubbühne aus, der auf der Radspur platziert worden war, die Bäume geschnitten. Das veranlasste die Radfahrer, sich entweder über den verbliebenen schmalen Streifen zwischen Hubbühne und Wegesrand zu quetschen oder vorübergehend auf den Fußweg zu wechseln. Dabei kam es nur wenigen von ihnen in den Sinn, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Da mir keiner zu nahe kam, sah ich ab von Beschimpfungen. Die Baumschneider auf der Bühne interessierte es nicht, während des Stutzens hörten sie lautstark das Karnevalsmaus-Lied, das sich anschließend in meinem Kopf bis in den Nachmittag hinein als Ohrwurm hielt, auch als Hirnmutante „Ich bin der Karnevalsklaus“.

Auch heute schaffte ich nur wenig weg im Büro, weil ich wieder in einer durchgehenden Besprechungskette gefangen war, und morgen wird es voraussichtlich nicht besser. Ich sollte Besprechungsanfragen öfter mal ablehnen, so geht es nicht weiter. Vorsorglich habe ich für kommende Woche im Outlook-Kalender mehrere Lücken mit Eigenterminen geblockt.

Als ich abends das Paket im Laden abholen wollte, ließ man sich meinen Ausweis geben und glich meinen Namen mehrfach mit mehreren handgeschriebenen Listen ab. Leider ohne Erfolg. Somit hält die Vorfreude noch etwas länger an.

Mittwoch: Wegen einer geschäftbereichsinternen Veranstaltung („Townhall Meeting“) kam ich nicht nur wie erwartet zu nichts, auch waren deswegen heute besonders viele Kollegen anwesend, weshalb ich wiederum besonders oft die Frage nach dem verbundenen Arm beantwortet habe. Ich weiß, die Frage ist jeweils freundlich gemeint, dennoch bin ich nicht zuletzt auch deshalb froh, wenn ich die Schiene endlich los bin. Voraussicht- und hoffentlich morgen Nachmittag.

Eine andere Vorfreude, nämlich die auf das Paket aus München erfüllte sich leider nicht. Als ich den Code auf der Benachrichtigung nochmals scannte, teilte mir DPD mit, die Sendung konnte leider nicht zugestellt werden, deshalb würde sie nun an den Versender zurück gesandt. Scheißverein würde das Känguru sagen. Ich nenne es: eine äußerst liederliche Leistung.

Dafür kam der Brief, den ich gestern abgeschickt hatte, bereits heute in Greven an, wie mir die Empfängerin per Mail mitteilte. Auf die Post ist Verlass.

Donnerstag: Die Rheinpromenade in Richtung Süden ist gesäumt von Linden, deren junge Triebe zurzeit beschnitten werden, siehe Eintrag vom Dienstag. Warum man das gerade jetzt macht, wo die Zweige erste Blattknospen hervorbringen, wird seine botanischen Gründe haben. Einer der hunderten von Bäumen stach hervor durch eine im Gegensatz zu seinen Artgenossen deutlich fortgeschrittene Begrünung. Damit erinnerte er mich an meinen früheren Mitschüler Oliver S., der bereits in der Mittelstufe eine beachtliche Körperbehaarung aufwies, die beim Umziehen vor und nach den Schwimmstunden beeindruckte, während wir anderen Jungs noch überwiegend kindlich kahl waren.

Weg ins Werk

Während einer Besprechung erwischte ich mich dabei, zum Ausdruck von Zustimmung „absolut“ zu sagen. Das ist dringend zu vermeiden und darf keinesfalls zur Gewohnheit werden. Immerhin gut, dass ich es selbst gemerkt habe. Andere sagen zum Ende einer Besprechung gerne „super“, „perfekt“ und ähnliche Gefallensbekundungen, auch wenn das Besprechungsergebnis dazu keinen Anlass bietet. Ich sage maximal „Tschüs“ und freue mich ansonsten still, dass es vorüber ist.

Vormittag zogen aus Nordwesten dunkle Wolken auf, aus denen es schneite. Der April ist nicht mehr fern.

Der Arbeitstag endete zeitig, weil nachmittags die Fäden der Operationswunde gezogen wurden, auch die lästige Gipsschiene durfte ich in der Praxis zurücklassen. Da ist super und perfekt durchaus angebracht.

In der Bonner Inneren Nordstadt blühen bald wieder die berühmten Zierkirschen, die instagramaffine Menschenmassen aus aller Welt anlocken. Bei southpark las ich das Wort „Verdachtskirsche“ und freute mich darüber angemessen.

Freitag: Zahlreiche Kollegen wünschten schon heute frohe Ostern und verabschiedeten sich in den Urlaub ab nächster Woche. Es sei ihnen gegönnt; wer urlaubt, nervt nicht mit Besprechungsanfragen.

Was schön war: Morgens ohne fremde Hilfe geduscht. Mit dem Fahrrad zum Büro und zurück gefahren, wegen der Kälte mit Handschuhen. Nach jedem Toilettengang die Hände gründlich gewaschen. Mittags in der Kantine Matjesfilet mit Messer und Gabel und ohne gesprächige Mitesser gegessen. Es bedurfte der zweiwöchigen Stilllegung eines Armes, um mich danach an solchen Alltäglichkeiten zu erfreuen. – Damit soll zu diesem Thema auch genug geschrieben sein.

Samstag: Den heutigen laut kleiner kalender Etwas-am-Stiel-Tag verbrachte ich weitgehend stiellos zunächst auf dem Sofa, dann mit Samstäglichkeiten ohne besonderen Erwähnenswert.

Sonntag: Wegen der Umstellung auf die Sommerzeit (seit wie vielen Jahren will die EU die abschaffen? – Egal) frühstückten wir erst mittags, dafür draußen vor dem französischen Café. Das war zwar etwas kühl, dafür mit Leutekucken recht unterhaltsam. Unter anderem trug ein Vorbeigehender in einer kleinen Gruppe junger Männer einen Zylinderhut aus Kuhfell oder Kuhfellimitat, weiß-schwarz gefleckt. Warum auch nicht, jeder, wie er mag. Der Geliebte über eine andere Person: „Bei dem passt nichts zusammen. Wenn der liebe Gott den geschaffen hat, müsste man ihm den um die Ohren hauen.“

Direkt im Anschluss unternahm ich den Sonntagsspaziergang an den Rhein und durch die Südstadt. Eine der ewigen Bonner Baustellen, die Neugestaltung des Rheinufers unterhalb der Innenstadt, zeigt – jedenfalls mir – weiterhin nur geringes Vorankommen, weiterhin knubbeln sich Fußgänger und Radfahrer auf einem gemeinsamen schmalen Pfad, gerade an Tagen wie heute. Warum dauert das so lange? Auf ein Spaziergangsgetränk verzichtete ich: Draußen war es entweder (im Schatten) zu kühl oder (in der Sonne) zu voll, nach Drinnenbier war mir nicht der Sinn. Muss auch nicht, das Wochenende war wieder alkoholisch genug.

Mauerblümchen und Moos in der Südstadt

Die Fliegenden Bretter über den nun wohl doch nicht geretteten Wal in der Lübecker Bucht:

Derweil sich halb Deutschland einen Kopf macht um das arme Tier, rollen Tag für Tag 3,6 Millionen Tiere in Tiertransporten durch eben jenes Deutschland, um dann als Produkte in Bedien- und SB-Theken zu landen. Nun bin ich bekanntlich weder Vegetarier noch Veganer, aber bin ich der einzige, dem das ein kleines Bisschen befremdlich dünkt?

Nein, ist er nicht.

Wie die Freundin aus München mitteilte, hat sie einen erneuten Versand des Paketes veranlasst. Auch dieses Mal mit DPD, der Versender ließ sich nicht davon abbringen. Vielleicht schaffen sie es dieses Mal. Andere können es ja auch.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche und in den April. Wenn Sie welchen haben, wünsche ich einen schönen Urlaub. Wenn Sie wie ich arbeiten dürfen: Auch diese Woche endet, für mich dank Leifsteil-Teilzeit und anschließenden Osterfeiertagen bereits am Mittwoch. Das ist ja nun auch nicht schlecht.

19:00

Woche 12/2026: Ohne nennenswerte Beschwerden

Vorab herzlichen Dank für die zahlreichen Genesungswünsche, die mich nach dem letzten Wochenrückblick per Kommentar und auf anderen Wegen erreicht haben!

Montag: Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus gestern Mittag wurde mir empfohlen, möglichst gleich heute zur Nachsorge den Hausarzt aufzusuchen. Also versuchte ich abends über die Doctolib-App einen Termin zu vereinbaren. Doch die Praxis vereinbart keine Termine über Doctolib, wie mir angezeigt wurde. Dann eben telefonisch gleich heute Morgen. Gar nicht so einfach: Bei Anruf meldet sich eine freundliche Stimme, man möge sein Anliegen nach Auswahl mehrerer Ziffern (Deutsch = 1; Allgemeines hausärztliches Anliegen = 1 … und so weiter) aufsprechen, man melde sich dann bald. Und allso tat ich. Eine halbe Stunde später bekam ich eine Kurznachricht von medflex, darin ein Link auf eine Art Messenger, wo mir mitgeteilt wird, man habe mich für übermorgen eingeplant. Auf demselben Weg bat ich umgehend um einen Termin noch heute. Kurz darauf erhielt ich eine Nachricht – ich staunte – über Doctolib, man könne mir für heute Nachmittag einen Termin anbieten, ich möge bitte alle Dokumente schon mal hochladen. Ich fotografierte also in der App die Entlassungspapiere und schickte sie ab. Wenig später meldete sich medflex wieder mit Link auf den Masseger, worin die Verschiebung bestätigt wurde.

Der geschätzte Mitblogger aus Hamburg verwies heute auf dieses Lied, das gut dazu passt.

Aus dem Liedtext:

Ich muss mein Leben verändern, alles verändern, und ich geh‘ zum Frisör.

Ich geh‘ zur Farbberatung, der Berater sagt schwarz. Das dachte ich mir.

Der Termin war dann kurz und schmerzlos, die Ärztin zeigte sich gut vorbereitet und hatte die zugesandten Dokumente bereits vor sich auf dem Bildschirm.

Dienstag: Der geschiente Arm ist zweifellos lästig, doch betrachte ich es als Glück im Unglück, dass ich dadurch nur geringfügig am Schreiben und gar nicht am Lesen und Gehen gehindert bin, somit sind essentielle Lebensfunktionen gegeben. In der Annahme, dass letzteres an der frischen Luft der Heilung förderlich ist, unternahm ich mittags einen Spaziergang an den Rhein und durch die Nordstadt zurück.

Erwähnte ich schon, dass ich diese Bäume als Kind immer „Mangolien“ nannte? Bestimmt, nur in diesem Jahr noch nicht.

Auch auf die Gefahr hin, den Anschein zu erwecken, mich bei Herrn Buddenbohm anbiedern zu wollen, was nicht beabsichtigt ist, was hätte ich auch davon, muss ich ihn ein weiteres Mal zitieren, weil es gerade perfekt passt:

Die drei Ringeltauben schienen mir immer erstaunlich gut mit ihrer eher komplizierten Beziehungsform klarzukommen. Sie haben auch recht lange und weitgehend streitfrei in ihrer komplizierten Konstellation durchgehalten. Länger jedenfalls, als es viele Menschen zu dritt oder überhaupt mit Polyamorie in irgendeiner Form schaffen, denn das ist emotionaler Hochleistungssport, wie alle Betroffenen wissen.

Oh ja. (Bitte denken Sie sich hier ein ausführliches Seufzen.)

Bloggen verbindet: Nicht völlig überraschend, nur unerwartet früh erreichte mich bereits heute eine Postsendung aus Greven. Liebe A., auch auf diesem Wege nochmals ganz herzlichen Dank!

Mittwoch: Krankschreibung bedeutet nicht Urlaub, fragen Sie den Kanzler und die CDU. Als verantwortungsbewusster Arbeitnehmer habe ich deswegen noch letzte Woche vor der Operation mein Laptop aus dem Büro nach Hause geholt, wo ich es am Montag wie gewohnt und im Vertrauen darauf, am nächsten Tag zurückzukehren, da ich ja niemals freiwillig zu Hause arbeite, zurückgelassen hatte. Nun schaue ich fast täglich einmal kurz in den Maileingang, nicht weil es müsste sondern aus – nun ja: Interesse. Das bedeutet: Achtzig Prozent der Mails werden sofort gelöscht, einige wenige, um die ich mich nach Rückkehr kümmern sollte, sofern sie sich bis dahin nicht erledigt haben, werden mit einem unterminierten Fähnchen versehen, der Rest bleibt erstmal stehen zum späteren genaueren Lesen oder Löschen. Sämtliche Besprechungsanfragen für kommende Woche werden nur unter Vorbehalt zugesagt, es sei denn, sie kollidieren mit jetzt schon bekannten Arztterminen, dann werden sie rigoros abgelehnt. Das beste: In dieser Woche muss ich an keiner einzigen Besprechung teilnehmen. Teams öffne ich gar nicht erst. An diese Arbeitsweise könnte ich mich gewöhnen.

Aus der Zeitung (General-Anzeiger Bonn online):

Wollen sie wirklich?

Aus der Symbolbildhölle:

Aus den Teilnahmebedingungen für eine Anthologie: „Menschen sind als Wesen hochinteressant, weshalb wir bitten, von Außerirdischen in den Geschichten abzusehen.“

Donnerstag: Heute wäre dank Leifsteil-Teilzeit ein planmäßig freier Inseltag gewesen. Geplant war eine Wanderung auf dem Natursteig Sieg von Herchen nach Schladern, das Wetter war perfekt dazu, sonnig und nicht zu warm. Aus vorgenannten Gründen ist längeres Wandern auf anspruchsvollen Wegen zurzeit nicht angezeigt, doch will ich es nicht allzu laut bejammern, frei hatte ich immerhin. Um den Tag nicht völlig ungelüftet zu verbringen, unternahm ich mittags einen Spaziergang an den Rhein, nachmittags verlagerte ich den Heilungsprozess auf den Balkon, bis die Sonne hinter den Häusern verschwand und augenblickliche Kühle mich wieder in die Stube trieb.

Noch eine Mangolie

Apropos Heilung: Vor der Tagesschau auf ARD kommt regelmäßig die Werbung für ein Mittel gegen Darm- und Magenbeschwerden, seit einiger Zeit zum Glück nicht mehr mit diesem nervigen Blag, das „Papa hat immer gepupst“ sagte. Geblieben ist die Aussage der/des nach Verabreichung des Mittels nicht mehr Leidenden, die/der da sagt: „Meine Beschwerden sind wie weg.“ Was bedeutet das, „wie weg“? Sind sie nun weg oder nicht? Wenn nicht, wo sind sie dann?

Freitag: Nicht weg, doch ohne nennenswerte Beschwerden sind auch die Auswirkungen der Operation vergangener Woche, sieht man mal von der Gipsschiene ab, die ich noch bis kommenden Donnerstag tragen muss. Vormittags zeigte sich die Hausärztin zufrieden mit dem Fortgang der Wundheilung und den sich normalisierenden Blutwerten. Der Wiederaufnahme der Werktätigkeit in der kommenden Woche steht somit nichts im Wege, außer vielleicht einer gewissen Unlust, die sich nach einer Aneinanderreihung freier Tage üblicherweise einstellt, man kennt das in Urlaubsfolge.

Der erste Wochenendeinstimmungscremant am Abend schmeckte schon wieder ganz passabel. Es besteht Hoffnung.

Samstag: Kein Tag ohne neue Erkenntnisse:

Wer hätte das gedacht. (General-Anzeiger Bonn online)

Der Plan für den Tag sah vor, mehrere Schreibvorhaben anzugehen. So ist ein Brief zu beantworten und die begonnene Kurzgeschichte für eine Anthologie sollte weitergeschrieben werden. Wie das so ist mit Plänen: Nachmittags überkam mich jähe Schreibunlust, auch das kommt vor, und eine diffuse Unruhe trieb mich nach draußen; statt am Schreibtisch verbrachte ich die Zeit mit einem langen Spaziergang, fast einer kleinen Wanderung durch die Siegauen bis zur Siegmündung und zurück. Nach Rückkehr schaffte ich es gerade noch, diese Tagesnotiz niederzuschreiben, das ist immerhin besser als nichts.

Siegauen: links der Rhein, rechts die Sieg. (Beide nicht im Bild, daher denken Sie sie sich bitte.)
Die Sieg
Ebenfalls
Es grünt

Abends aßen wir im Restaurant. Bei der Auswahl bin ich zurzeit etwas eingeschränkt, da ich möglichst Gerichte wähle, die problemlos einhändig zu essen sind, etwa Penne mit Rindfleischstreifen oder Erbseneintopf, weil das Essen mit Messer und Gabel wegen der Armschiene etwas mühsam ist. Somit esse ich zurzeit wie die jungen Leute, die stets eine Hand für das Datengerät benötigen, während sie mit der anderen die Nahrung aus der Bowl picken.

Sonntag: Wesentliche Tagesaktivitäten waren Frühstücken und Leute kucken vor dem französischen Café in der Innenstadt, Sonntagszeitung lesen auf dem Sofa, darin eine interessantes Interview mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, dessen Einstellung zu Regeln und Sprachgebrauch mir durchaus sympathisch ist. Nachmittags folgte ein längerer Spaziergang durch die Südstadt mit anschließendem Außenbier beim Lokal am Rheinufer, was einhändig uneingeschränkt möglich ist. Ein wenig an der Kurzgeschichte geschrieben habe ich auch.

Poppelsdorfer Allee, Blickrichtung Innenstadt
Außenbier, Blickrichtung Mutterhaus

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut und möglichst beschwerdefrei durch die Woche. Für mich beginnt wieder der Ernst des Arbeitslebens. Wird auch Zeit.

19:00