Montag: Da ich Ihnen keine weitere Strophe des ewigen Klageliedes über den Montag, Müdigkeit und Arbeitslustmangel zumuten möchte, gibt es heute nichts zu berichten. Alles, was möglicherweise der Notiz wert gewesen wäre, blieb im Nebel des Desinteresses verborgen, der Muse Kuss blieb aus.
Vielleicht nur dieses, wo es gerade um Gesang geht: Zum dritten Mal besuchte ich die Chorprobe und ich sehe mich darin bestätigt, dass gemeinsames Singen die Stimmung erheblich aufzuhellen vermag, sogar an einem Montag. Daher werde ich wohl dabei bleiben, wenn sie mich haben wollen.
Dienstag: Laut WordPress-Rückblick war ich vor einem Jahr in Büsum an der Nordsee, wo ich bei bestem Wetter einige Tage Alleinzeit sehr genoss. Unglaublich, dass seitdem schon wieder ein Jahr vergangen ist. (Just in dem Moment, da ich diese Zeilen schreibe, schickt mein Bruder Bilder aus Büsum, wo er kürzlich mit Gattin weilte.)
In einer Woche habe ich wieder Urlaub, dann bin ich in Lichtenstein / Sachsen. Das kam so: Da mein Hörvermögen mit dem Alter etwas nachlässt, vor allem bei lauten Hintergrundgeräuschen wie Restaurantraunen, was Tischgespräche erschwert, lag mir der Liebste seit geraumer Zeit in den Ohren, etwas dagegen zu tun. Daher begab ich mich, wie berichtet, zu einem örtlichen Akustiker, wo mir nach einem Hörtest Hörgeräte zur Probe mitgegeben wurden, die ich über den Urlaub in der Bretagne testete. Mit dem Ergebnis war ich nicht sonderlich zufrieden, deshalb gab ich sie nach dem Urlaub zurück.
Nun ergab es sich, dass eine Freundin der Mutter des Geliebten Akustikermeisterin ist. Während eines Besuchs in Bonn vermaß sie meine Lauschfähigkeiten (verfluchte sei das Synonymgebot) erneut und händigte mir andere, bessere Geräte zur Probe aus. Die trage ich seitdem vor allem dann, wenn zwischenmenschliche Kommunikation zu erwarten ist, also nahezu täglich.
Nachdem auch ein HNO-Arzt ein Hörhilfenerfordernis bestätigt hat, erhalte ich in der kommenden Woche die Hörsysteme. Leider ist die Akustikerin in Lichtenstein ansässig, was die Reise erklärt. Um den vergnüglichen Aspekt nicht zu vernachlässigen, verbinde ich das mit ein paar Tagen Urlaub, es soll dort ganz schön sein.
Leider ist die Reise mit Reisen verbunden, wie (für mich) üblich mit der Bahn. Wie mir selbige schon vor Wochen mitgeteilt hat, ist die Zugbindung für die geplante Hinfahrt aufgehoben, weil sich Änderungen ergeben haben. Diese betreffen vor allem die Strecke ab Gera, wo Schienenersatzverkehr stattfindet. Es könnte abenteuerlich werden.
Ansonsten hat der liebe Nachbar unter uns heute Geburtstag. Vielmehr hätte, wenn er nicht vor zwei Jahren gestorben wäre. Einer der Kontakte in meinem Verzeichnis, die zu löschen ich nicht übers Herz bringe.

Mittwoch: Mittwoch (und Sonntag) ist Rasiertag. Während einer sechsköpfigen Teams-Besprechung mit annen Kameras stellte ich fest, der einzige Teilnehmer ohne Gesichtsbehaarung zu sein. Nicht weiter bedeutsam, es fiel mir nur auf.
Auch heute war es noch sommerlich warm. Morgen dann nicht mehr, es soll den ganzen Tag regnen, wir brauchen den Regen ja. Morgen habe ich frei.
Donnerstag: Der angekündigte Regen fiel zuverlässig und ausdauernd, somit fiel die inseltagsübliche Wanderung ins Wasser. Stattdessen frühstückte ich nach Ausschlafen auswärts im Kaufhof-Restaurant, wo ich mich zeitig einfand, ehe die Rentner alle Fensterplätze belegten, wobei von meinem Platz aus nicht mehr zu sehen war als eine umbaute Dachbegrünung. Im Übrigen verbrachte ich den Tag mit der Erledigung einiger Dinge von öffentlichem Desinteresse, weshalb sie hier nicht näher dargelegt sein sollen.

Freitag: Der Tag begann mit Nebel. Kann es sein, dass es früher öfter nebelte als heute, so wie früher, also ganz viel früher, im Winter mehr Schnee lag? Wie dem auch sei, ich mag Nebel, wenn ich darin nicht gerade ein Kraftfahrzeug lenken muss. Das mag ich ohnehin nicht, auch ohne Nebel.
Der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub endete für einen Freitag recht spät, indes mit dem guten Gefühl, alle wesentlichen Gewerke erledigt zu haben. Also nicht erledigt im Sinne von vollendet, immerhin in einen Zustand versetzt, der meine einwöchige Abwesenheit guten Gewissens ermöglicht.

Samstag: Heute ist Tag der Deutschen Einheit, vor sechsunddreißig Jahren endete die Existenz der DDR, ist es denn zu fassen, wie lange das schon wieder her ist. Nicht wenige Menschen beiderseits der damaligen Demarkationsgrenze (so hieß das damals im Diercke-Schulatlas, wenn ich mich recht erinnere) bedauern das. Ich selbst zähle ausdrücklich und aus voller Überzeugung nicht dazu, freue mich vielmehr über die Selbstverständlichkeit, mit der ich übermorgen nach Sachsen reisen kann. Von all den Bekanntschaften mit Menschen, die oben Genannte gerne despektierlich als Ossis bezeichnen, möchte ich keine einzige missen. Und dass uns in diesem und dem nächsten Jahr ein arbeitsfreier Tag entgeht, jedenfalls denjenigen, die das Privileg der Fünftagewoche begünstigt, weil der Feiertag auf das Wochenende fällt, dafür kann nun wirklich niemand etwas, weder in West noch Ost. Nicht einmal Friedrich Merz.
An jenem 3. Oktober 1990 war ich auf Wangerooge, wo ich mit einem Freund ein paar Tage verbrachte, unter anderem um die Inselbahn zu fotografieren. Deren Lokomotiven waren zur Feier des Tages mit Deutschlandfähnchen geschmückt, irgendwo müsste ich davon noch ein Bild haben, Moment … hier:

Apropos Arbeit: Frau Kaltmamsell teilt meine tiefe Abneigung gegen Heimbüro:
Doch auch diesmal behagte mir das Arbeiten daheim überhaupt nicht. Dieses Einsickern von Arbeitsthemen, -sorgen, -mühen in mein heimisches Refugium und Rückzugsgebiet fühlt sich nach Vergiftung an.
Sonntag: Vergangene Nacht schlief ich schlecht. Für diese Erkenntnis benötige keine kluge Armbanduhr und keine App, die das für mich messen. Mehrfach wachte ich auf und lag längere Zeit wach. Als Ursache vermute ich eine akute Vorreisenervosität, die mit zunehmendem Alter immer heftiger wird. Eine gewisse Skepsis ist durchaus angebracht, die geplante Reise sieht fünfmaliges Umsteigen mit Schienenersatzverkehr vor, ich muss also innerhalb der teils kurzen Umsteigezeiten nicht nur das Gleis wechseln, sondern auch die Abfahrtstelle der Busse finden.
Andererseits muss ich das Ziel nicht zu einem bestimmten Termin erreichen, nur sollte ich bis 19 Uhr am Hotel sein, was auch bei großzügiger Verspätungskalkulation zu schaffen sein sollte, planmäßig soll ich gegen 15 Uhr ankommen. „Man weiß nie …“, raunt mein innerer Skeptiker. Anstatt mich also auf ein paar Tage Urlaub zu freuen, fühle ich mich, als stünde morgen eine wichtige Prüfung oder eine Operation an. Immerhin ist dadurch das Thema für den morgigen Blogeintrag bereits gesetzt.
Gesetzt ist auch jeden Sonntag der Spaziergang:





Im übrigen hoffe ich, Sie am 18. Oktober zu sehen, wenn ich was vorlesen darf. Weiteres hier.
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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.
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