Woche 44/2026: Manchmal ergeben sich die Dinge unerwartet

Montag: In einem Kommentar zum letzten Wochenrückblick wurde ich auf ein sprachliches Phänomen aufmerksam gemacht, das mir bislang nicht aufgefallen war, gleichwohl jetzt, da ich darauf gestoßen wurde, umso mehr: der zunehmende Gebrauch von „gerne“ anstelle von „bitte“, etwa wenn es heißt „Besucht gerne meine Seite“ oder „Bei Fragen meldet euch gerne“. Zitat Kommentator: „Offenbar wird nicht mehr um etwas gebeten. In der Lage eines Bittenden sieht sich niemand mehr. Stattdessen wird gewährt.“

Herr Levin mag nicht den inflationären Gebrauch von „sehr gerne“, etwa im Einzelhandel und der Gastronomie. Dem ist zuzustimmen, auch wenn ich es selbst gelegentlich sage. Daran ist zu arbeiten.

In eine ähnliche Richtung geht „magst du“ anstelle von „kannst du bitte“, erst heute wieder gelesen. Ich mag es überhaupt nicht.

Sehr gerne ging ich abends wieder zur Chorprobe. Im Anschluss prüfte der Chorleiter meine Eignung als dauerhaftes Chormitglied, indem ich ihm kurz vorsingen durfte. Dabei ging es darum, wie hoch bzw. tief ich komme und ob ich die richtigen Töne treffe. Sie melden sich.

Dienstag: Morgens las ich auf einem im Übrigen deutschsprachigen Plakat das Wort „Wellbeing“ und fragte mich wieder mal: Muss das sein? Ist das überhaupt ein echtes englisches Wort oder nur Marketingesäusel?

Etwas weller scheint es dem Rhein zu gehen, sofern ein Fluss so etwas wie Wohlergehen empfindet, jedenfalls ist der Pegel nach monatelangem Tiefstand sichtbar ein wenig angestiegen.

Zur Erhaltung des eigenen Wohlergehens ließ ich mir vormittags eine betriebsärztliche Grippeschutzimpfung verabreichen. Der Hinweis der nadelführenden Ärztin, heute keinen Sport zu treiben, hielt mich nicht davon ab, wie fast jeden Tag nach dem Mittagessen über die Treppen zum Büro hochzugehen. Es sind ja nur 487 Stufen.

Auf dem Rückweg schien der Vollmond knapp über dem Beueler Horizont. Das sah beeindruckend aus, ließ sich mit einer herkömmlichen Datengerätkamera allerdings nur unzureichend festhalten.

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Der Chor hat sich bereits am späten Nachmittag per Mail gemeldet. Offenbar traf ich den Ton, ich darf bleiben. Das freut mich sehr, auf dem Rückweg vom Werk kaufte ich sogleich einen Aktenordner für die Noten.

Der Wikipedia-Artikel des Tages widmet sich dem Scurra, einer – sehr verkürzt ausgedrückt – antiken Witzfigur. Aus dem Artikel: „In der späten Republik und der Kaiserzeit scheinen die scurrae auch eine Berufsgruppe gewesen zu sein.“ Nicht nur damals, möchte ich aus täglicher Anschauung hinzufügen.

Mittwoch: Nach einem Tag ohne zumindest in meinem persönlichen Sichtbereich nennenswerte Ereignisse nahm ich am Abend gleich zwei Anthologien entgegen, an denen mitzuwirken ich die Ehre und das Vergnügen hatte: „The Cozy Inn“ von Stephanie Müller als Herausgeberin und „BonnTastik VII“ von der Bonner Regionalgruppe des Bundesverbandes junger Autoren BVjA. (Ja ich weiß, jung ist relativ. Ich bin jedenfalls nicht der Älteste dort.) Bei Interesse an den Büchern klicken Sie gerne bitte die Links an. Falls Sie übrigens am Sonntag, 8. November in Bonn sind und nichts besseres zu tun haben, kommen Sie doch am Nachmittag ins Kult41. Dort lesen dann sieben Autorinnen und ein Autor ihre Geschichten aus der BonnTastik VII vor.

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Abendsichtungen:

Besser eine Pizza in der Hand als ein Döner auf dem Kopf
Bald ist wieder Weihnachtsmarkt. (Zur Erläuterung: Unter der zugeteerten runden Fläche befindet sich an zehn Monaten des Jahres der Brunnen vor dem Tore, konkret dem Sterntor am Bottlerplatz. An den zwei anderen Monaten auch, nur nicht sichtbar, auf dass der Glühwein- oder Eierpunschgenießer nicht ins Straucheln gerät. Also jedenfalls nicht hier.)

In den übrigen zehn Monaten sieht es so aus:

Serviervorschlag; meistens ohne Auto. Dass der Fahrer des Fahrzeugs unter dem Einfluss von Glühwein oder Eierpunsch stand, kann aufgrund des Aufnahmezeitpunkts im März dieses Jahres mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden.

Donnerstag: Der Satz des Tages kam bereits morgens vom Geliebten, der am vergangenen Sonntag Geburtstag hatte: „Jetzt bin ich einundfünfzig und schon ist wieder Donnerstag.“

Ansonsten hatte ich heute frei, der Leifsteilteilzeit sei Dank. Das nutzte ich für eine Wanderung im Ahrtal, namentlich die Ahrschleife „WeinBergBlicke“ ab und bis Ahrweiler. Aus praktischen Erwägungen ging ich die Runde gegen den Uhrzeigersinn, das erläutere ich gleich. Auch sonst erwies sich die Entscheidung als richtig: Mit mir stieg bei Ankunft in Ahrweiler eine große Rentnerwandergruppe aus der Bahn, die dann zum Glück in die andere Richtung ging.

Trotz der üblen MarketingSchreibWeise ist das eine sehr schöne, angenehm zu gehende Strecke. Die Wanderstöcke hatte ich zur Sicherheit dabei und nutzte sie, die Tour ist auch ohne gut zu schaffen. Nur drei kurze, steile Treppen unterhalb der Bunten Kuh erfordern etwas Vorsicht. Mittagspause machte ich in der augenscheinlich ganz neuen, noch gänzlich unbeschmierten und -schriebenen Schutzhütte im Geisbachtal. Kurz vor dem Ende wird es nochmal richtig schön: Statt links in das schon in Sichtweite befindliche Ahrweiler abzubiegen, geht es vorher rechts ab durch die idyllische Maibachklamm, deren namensgebender Bach dabei mehrfach über kleine Holzbrücken überquert wird. Das letzte Stück führt durch die Innenstadt von Ahrweiler, wo ich den letzten freien Tisch vor einem Gasthaus am Markt bekam und des Wanderers Mühen mit Döppekuchen und Weizenbier belohnte, zum Nachtisch ein Glas Ahr-Rotwein. (Deshalb die Runde gegen den Uhrzeigersinn, siehe oben.) Außerdem nutzte ich die Zeit zum Schreiben einer zuvor erstandenen Postkarte.

Das Wetter war perfekt: Lagen bei der Hinfahrt die Wipfel des Siebengebirges noch im Nebel, ließ ab Ankunft in Ahrweiler die Sonne vom blauen Himmel Wald und Weinberge herbstgülden leuchten, dazu angenehme, außengastronomiegeeignete Temperatur. Sehen Sie:

Oberhalb von Walporzheim
Weinbergeblick bei Walporzheim
Für Lotte
In der Maibachklamm
Lobenswert auch die vollständige Wegmarkierung

Im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Gutshofs im Bonner Westen, der seit Jahren leer steht und dem Verfall preisgegeben ist, war in der Zeitung das schöne Wort „Vernachlässigungs-Patina“ zu lesen. Das lässt sich nicht nur auf Gebäude anwenden.

Freitag: Der Tag begann nebelig.

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Abends eröffnete unsere Karnevalsgesellschaft die Session mit dem Ordensfest. Ich wurde geehrt für elfjährige Zugehörigkeit. (Karnevalisten rechnen in Elferschritten, fragen Sie nicht, ich weiß auch nicht, warum.) Hätte mir vor zwölf Jahren jemand prophezeit, ich stünde bald in grün-weißer Uniform auf einer Bühne, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt. Manchmal ergeben sich die Dinge eben unerwartet.

Aus der Zeitung – Ist das wirklich so schwierig?:

(General-Anzeiger Bonn online)

Samstag: Nachdem leichte Nachwirkungen des Ordensfestes ausgeschlafen waren, hatte ich Zeit für das Blogstöckchen von Frau Kaltmamsell. Voila:

1. Welches war dein erstes Stofftier und was verbindest du damit?
Stofftiere hatte ich viele, ich erinnere mich an mehrere Teddybären, einen Pinguin, eine Schildkröte, ein Dromedar, einen Koalabären und ein Mon Chichi. Ohne Kuscheltier konnte ich nicht schlafen, entsprechend zerkuschelt sahen sie nach einiger Zeit aus. Mein erstes Stofftier war ein Teddybär von Steiff, der noch heute, inzwischen einäugig, auf dem Nachtschrank sitzt. Mit ihm verbinde ich die Erinnerung an meinen Großvater väterlicherseits, der ihn mir einst schenkte, der häufig mit mir spazieren ging und der viel zu früh, als erster von vier Großeltern, starb.

2. Wie stelltest du dir als Kind dein Erwachsenenleben vor?
Konkrete Vorstellungen über das Erwachsensein hatte ich nicht, fand vielmehr die Themen, über die sich die Erwachsenen unterhielten, etwa Rasenmähen oder Reifenwechsel, langweilig. Auch einen klaren Berufswunsch hatte ich nicht, während andere schon im Kindergartenalter wussten, dass sie mal Arzt, Lokführer oder Fußballprofi werden wollen. Erst viel später wusste ich, dass ich Beamter werden will. Was mir indes von Anfang an abwegig erschien, war, irgendwann selbst Kinder zu haben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Vielleicht bin ich nie erwachsen geworden. Woran merkt man das?

3. Warst du ein eher leises oder eher lautes Kind?
Vermutlich eher leise, am besten fragen Sie das meine Mutter. Allerdings nicht immer, ich erinnere mich an einen Tag, an dem mir fünf Mark in Aussicht gestellt wurden, wenn ich am Mittagstisch mal die Klappe halte. Das Geld bekam ich. Vielleicht war das der Auslöser für eine gewisse Redeunwilligkeit, die mir bis heute unterstellt wird.

4. Gab es etwas in deiner Kindheit, das du heute sehnsüchtig vermisst?
Ja. Zum einen die LGB-Eisenbahn in unserem Garten. Jahrelang hatte ich mir die gewünscht und dafür gespart. Als ich dann den ersten Zug mit Gleisen kaufte und er seine Runden auf dem Teppich im Wohnzimmer drehte, war ich wohl das glücklichste Kind der Welt. Wenn ich mich damit beschäftige, war alles andere um mich herum vergessen. Nach dem Auszug aus dem Elternhaus und späterem Umzug nach Bonn entschied ich mich schweren Herzens, alles zu verkaufen. Nur die erste Lokomotive von 1977 habe ich noch. Sie steht mit zwei Wagen auf dem Schrank und wird mangels Platz wohl nie wieder fahren. Weiteres dazu steht hier.

Das andere, was ich vermisse, ist das Haus meiner Großeltern mütterlicherseits bei Göttingen. Darüber ist hier ausführlich geschrieben.

5. Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Musik?
In unserem Wohnzimmer stand eine Musiktruhe, eine Art Anrichte mit integriertem Radio und Plattenspieler. In die Mitte des Plattentellers konnte man einen Dorn stecken, auf dessen Spitze man einen Stapel Singles legte. Durch eine wundersame Mechanik fiel die jeweils unterste Platte auf den Teller; nachdem sie abgespielt und der Tonarm wieder in Ruheposition war, fiel die nächste automatisch runter und wurde abgespielt, und so weiter, bis der Stapel abgearbeitet war. Das fand ich faszinierend. Meine erste Single war übrigens „Monika“ von Uli Martin, die ich mir von meinem Patenonkel gewünscht hatte. Ich war ein komisches Kind.

Im Musikunterricht in der Grundschule besprachen wir ausführlich Die Moldau von Smetana. Die Schallplatte hatten wir auch zu Hause, eine zeitlang hörte ich sie fast täglich und kann sie auch jetzt noch jederzeit vollständig im Geiste abspielen.

Ebenfalls zur Grundschulzeit wurde ich an das aktive Musizieren herangeführt, indem mich meine Eltern zum Blockflötenkurs anmeldeten. Dafür bin ich ihnen dankbar, meine Freude am Musikmachen hat sich bis heute gehalten. Im übrigen ist auch hierüber alles Wesentlich bereits geschrieben.

Im übrigen ist auch hierüber alles Wesentlich bereits geschrieben.

Sonntag: Meine Befürchtung aus dem Spätsommer, dieses Jahr könnte die Herbstfärbung spärlich ausfallen, weil die Bäume die meisten Blätter schon vorher abgeworfen haben, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Während des Spaziergangs am Nachmittag wurden die Augen mehrfach erfreulich gestreichelt.

Am Poppelsdorfer Schloss / Botanischen Garten
Südstadt

Laut Beschilderung auf dem Münsterplatz wird ab morgen der Weihnachtsmarkt aufgebaut. War das in den letzten Jahren auch immer schon Anfang November? Es kommt mir sehr früh vor, siehe auch die Brunnenabdeckungsbetrachtung am Mittwoch.

Was schön war in dieser Woche: eine Chorzusage, ein freier Tag mit Wanderung, ein Restaurantbesuch (gestern Abend) und Herbstfarben.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

19:00

Woche 43/2026: Helau und Hotelfrühstückshöllen

Montag: Der Mensch neigt dazu, Fehler stets bei anderen zu sehen, die eigenen hingegen übersieht er gerne. Das trifft auf mich gleichermaßen zu, wie zwei Korrekturhinweise zum letzten Wochenrückblick zeigen, die mich im Laufe des Vormittags erreichten. Beim ersten staunte ich über meine Blindheit, die Verwechslung von „ich“ und „ist“ erst auf Rückfrage zu erkennen. Besonders gefreut habe ich mich über die Art und Weise, mit der der geschätzte Mitblogger Nömix den Unterschied zwischen Bund- und Buntfaltenhosen aufzeigt:

Symbolbild (Foto: Nömix)

Als selbsternannten Sprach- und Rechtschreibpingel sehen Sie mich zerknirscht, gleichwohl danke ich sehr für die Hinweise.

Jeden Tag eine gute Tat: Morgens öffnete ich einem neuen Kollegen die Tür zu seinem Büro, weil er noch nicht dafür freigeschaltet war. Kurz darauf bedankte er sich per Mail für den Tür Support. Was junge Leute so von sich geben.

Aufzeichnung einer Besprechung mit einem montagsangemessenen Redeanteil meinerseits

Nachmittags sah ich zwei Jungs gemeinsam auf einem Elektroroller durch unsere Straße brausen. Für manchen vielleicht eine willkommene Gelegenheit, einen anderen männlichen Körper zu umklammern, ohne in Schwulitätsverdacht zu geraten.

In einem Zeitungsinterview über Künstliche Intelligenz wunderte ich mich über die Verwendung des Wortes „Superintelligenz“, kaum dass der amerikanische Präsident in seiner Herrlichkeit die Umbenennung verkündet hat. Die Selbstverständlichkeit, mit der Journalisten es mittlerweile Deal nennen, wenn sich irgendwo auf etwas geeinigt wurde, finde ich hingegen geradezu widerlich.

Dienstag: Morgens fuhren mit mir im Aufzug zwei Personen, die sich offensichtlich kannten und länger nicht gesehen hatten. Während der Fahrt erzählte sie ihm in einer für die Tageszeit unangemessen Lebhaftigkeit und Lautstärke, sie sei gerade aus Elternzeit mit dem zweiten Kind zurück, kürzlich seien sie in Madrid gewesen, insgesamt sei alles anstrengend aber gut. Ich war froh, als ich aussteigen und mich in die vorläufige Ruhe meines Büros begeben konnte.

Ein Nachtrag zum letzte Woche gekauften Anzug: Bevor ich ihn am Sonntagmorgen anziehen konnte, mussten Gesäßtaschen und die äußeren Taschen der Jacke geöffnet werden, da sie wie bei neuen Anzügen üblich mit lockerem Faden zugenäht waren, damit sie beim Transport oder wann auch immer, also vor erstmaliger Nutzung nicht ausbeulen. Jedenfalls nehme ich an, dass das der Grund ist. Bei der Hose und der Brusttasche funktionierte das auch durch leichtes Auseinanderziehen und Einsatz einer Nagelschere. Nicht so bei den Seitentaschen der Jacke, die sehr solide vernäht waren. So sehr ich auch zog und zerrte, tat sich kein Spalt auf. Da ich die Jacke nicht ruinieren wollte, nahm ich zunächst an, das müsste so sein, die angedeuteten Taschen wären nur Attrappe. Ungewöhnlich, aber möglich; die Knöpfe an den Jackenärmeln dienen ja meistens auch nur noch zur Zierde.

Gestern und heute trug ich den Anzug im Büro und war von dessen Tragekomfort weiterhin begeistert, trotz zuer Taschen. Da der Rückweg mich heute an dem Bekleidungsgeschäft in der Friedrichstraße vorbeiführte, ging ich spontan hinein und fragte nach. Siehe da: Es sind doch Taschen, nur eben besonders haltbar vernäht. Mit fachfraulichen Fingern und einer Schere öffnete die freundliche Verkäuferin sie in wenigen Minuten. Manchmal ist man einfach zu ängstlich.

Mittwoch: Der Arbeitstag war erfreulich arm an Besprechungen, bis zum Mittagessen waren sie durch. Solche Tage sind selten. Ich fühlte mich produktiv, auch wenn ich Ihnen als Außenstehende den Inhalt der bearbeiteten Gewerke nicht auch nur ansatzweise erklären könnte.

Wie einem Zeitungsbericht zu entnehmen war, heißt das auch bei jungen Leuten sich zunehmender Beliebtheit erfreuende Hobby, Vögel zu beobachten und zu fotografieren, Birding. (Die direkte Übersetzung dieses Begriffs ins Deutsche bezeichnet hingegen eine völlig andere, nicht nur bei jungen Leuten beliebte Beschäftigung.) Ich selbst geriet nachmittags eher zufällig ins Vög Börding, als ich vom Büro aus mehrere große Greifvögel dabei beobachtete, wie sie nebenan über dem Gebäude kreisten, in dem die Deutsche Welle residiert. Wer mag, kann darin eine gewisse Symbolik erkennen, muss man aber nicht.

Donnerstag: Der Fußweg ins Werk war von Morgenröte begleitet. Bei Ankunft schlug die Motivklingel des Datengerätes an, ausgelöst durch reizvolles Lichtspiel zwischen den Glasfronten von Turm und Kantinenanbau. Als ich nach Erfüllung der Fotografenpflicht das Gebäude betrat, kam eine Dame des Sicherheitsdienstes auf mich zu und fragte, ob ich draußen gerade fotografiert hätte, wahrheitsgemäß bejahte ich. Das sei nicht erlaubt, wurde ich daraufhin belehrt. Ach was: Die Stelle ist jederzeit für jedermann frei zugänglich, auch am Wochenende und nachts, es ist nichts betriebsgeheimnisvolles zu sehen, warum also soll man man da nicht fotografieren dürfen, zumal kein Schild es verbietet? Anstatt sie das zu fragen, sagte ich, und da staune ich, dem sonst fast jede Regel heilig ist, über meine Renitenz mit einem Hauch von Arschloch: Das ist mir eigentlich egal. (Warum ich „eigentlich“ sagte, weiß ich nicht, jedenfalls sagte ich es.) Damit ließ ich sie stehen, ging zu den Aufzügen und fuhr hoch in mein Büro. Mehr passierte nicht. Da ich deswegen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchte, erlaube ich mir, Ihnen das Bild zu Kenntnis zu geben. Voila:

Es wäre doch zu schade, wenn das unfotografiert geblieben wäre, oder nicht?

Freitag: Apropos Regeln: Als Radfahrer kann man nicht nur Fußgänger irritieren, indem man vor einem Zebrastreifen anhält und sie passieren lässt; auch andere Radfahrer rechnen nicht damit, dass man ihnen vor einer einmündenden Straße aufgrund der Rechts-vor-links-Regel Vorfahrt gewährt. Die Erfahrung lehrt, sich besser nicht darauf zu verlassen, dass diese Regel auch anderen Radfahrern bekannt ist oder von ihnen Beachtung erfährt.

Sturmtief Luise bringt Wind und Regen. Zum Zeitpunkt des Auslösens waren die erwähnten Blätter offenbar bereits verflogen. (General-Anzeiger Bonn online)

Samstag: Es geht wieder los. Mittags fuhren wir in karnevalistischer Mission nach Düsseldorf, die dortige Ehrengarde hatte zu ihrem Generalappell eine kleine Abordnung unserer Gesellschaft eingeladen. Nun gilt im Köln-Bonner Raum Düsseldorf als verbotene Stadt, jedenfalls unter Eingeborenen, was mich als Zugezogenen nicht sonderlich kratzt. Jedenfalls war es vergnüglich, das Altbier genießbar und auch der in Köln und Bonn bei Strafe verbotene Schlachtruf „Helau“ ging nach anfänglichem Zögern und weiteren Alt gut über die Lippen.

Sonntag: Die Kritik an der zweimal jährlich stattfindenden Uhrenumstellung reißt nicht ab, auch ich könnte gut darauf verzichten. In der vergangenen Nacht kam die zusätzliche Stunde indessen gelegen.

Morgens sah ich wieder meine Vorbehalte gegen Hotelfrühstückshöllen* bestätigt: Es war voll, laut und beim Büffet stand man sich gegenseitig im Wege, selbst wenn man nur eine Tasse Kaffee zapfen wollte. Immerhin waren der Service gut und die Saftgläser ausreichend groß.

*Zunächst stand dort „-hallen“, „höllen“ erscheint mir angemessener.

Ein heimisches Projekt befasst sich mit dem Raum, der als Büro und Modelleisenbahnzimmer dient. Die Möblierung ist uneinheitlich zusammengestückelt und mit den Jahren ist eine gewisse Zunahme der Entropie nicht zu übersehen, anders ausgedrückt, das Zimmer wurde immer mehr vollgerümpelt. Das zu ändern haben wir uns schrittweise für das kommende Jahr vorgenommen. Im ersten Schritt wird der Inhalt des Bücherregals stark reduziert, im Rahmen des Sonntagsspaziergangs brachte ich den Inhalt zweier großer Tragetaschen in öffentliche Bücherschränke. Darunter auch einige Büchlein von Loriot und sämtliche Bücher von Ephraim Kishon, deren sich im Laufe der Zeit einige angesammelt hatten. Ich war früher ein großer Freund seines Schaffens, zu Anlässen wie Weihnachten und Geburtstagen kamen stets weitere dazu. Seine Art, die Alltäglichkeiten zu beschreiben, mochte ich sehr, er inspirierte mich, selbst mit Schreiben anzufangen, sein Stil hat mich sicher beeinflusst. (Was selbstverständlich nicht heißen soll, ich könnte und wollte mich mit ihm messen; gleiches gilt für Max Goldt.) Nun ist es nicht so, dass ich Kishon nicht mehr mag, doch war die Wahrscheinlichkeit, dass ich demnächst wieder zu einem seiner Bücher greifen würde, gering. Deshalb dürfen die Bücher jetzt andere lesen; vielleicht nehme ich irgendwann wieder eins mit, wenn ich es im öffentlichen Bücherschrank vorfinde.

Als nächstes werden dann die meisten Bücher aus der Reihe Süddeutsche Zeitung | Bibliothek, eine Auswahl „50 große Romane des 20. Jahrhunderts“ der SZ-Feuilletonredaktion Anfang der Zweitausenderjahre, den Weg in die öffentlichen Bücherschränke finden. Mit ihren in unterschiedlichen Farben, ansonsten gleich gestalteten, mittlerweile etwas ausgeblichenen Buchrücken machten sie sich gut im Regal, gelesen habe ich indes nur einen geringen Teil davon, woran sich in absehbarer Zeit nichts ändern wird. Ein paar davon werde ich zumindest anlesen, auf Dauer behalten wohl keines.

Was schön war diese Woche: Morgenrot, geöffnete Anzugjackentaschen, Luft im Bücherregal.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Mögen wir von Auswirkungen der PHP2Shell-Lücke verschont bleiben.

19:00

Woche 42/2026: Hat die Jugend gar nichts gelernt aus unseren Fehlern?

Montag: Es gelang mir, dem ersten Arbeitstag nach einer Urlaubswoche mit angemessener Gelassenheit zu begegnen; schwierigere Anliegen, die vergangene Woche aufkamen, vertagte ich auf frühestens Donnerstag. Eigentlich hätte ich dann wegen kleiner Woche frei, verzichte jedoch darauf, weil ich morgen und übermorgen auf einer Tagung (nur ich nenne es so, für alle anderen ist es ein „Offsite“) des Geschäftsbereichs in der Eifel weile und außerdem sich das Gleitzeitkonto erst wieder ein wenig erholen muss.

Im Übrigen trug ich zur Steigerung der allgemeinen Vorfreude für Oktober nächsten Jahres eine weitere Woche Urlaub in den Kalender ein, die ich unbegleitet im Allgäu zu verbringen beabsichtige, sofern ich dann noch lebe und nicht aufgrund anderer Unpässlichkeiten daran gehindert werde, man weiß ja nie. Dann war der Tag auch schon wieder vorüber.

Dienstag: Die Geschäftsbereichstagung fand am Nürburgring statt, jener berühmten Rennstrecke in der Eifel, die im kommenden Jahr ihr hundertjähriges Bestehen feiert und die, wie zu erfahren war, nicht nur für Autorennen, sondern auch als Erprobungsstrecke für die Autohersteller gebaut wurde. Ein Ort, an den ich mit meinem ausgeprägten, in Richtung Ablehnung neigendes Desinteresse an Kraftfahrzeugen ohne diese Tagung wohl nicht gekommen wäre und danach voraussichtlichen so bald nicht wieder kommen werde.

Wie vergangene Woche berichtet, war während einer Bahnfahrt inmitten von Schülern häufig das Wort „Digga“ zu hören. Annähernd genauso oft hörte ich heute „Mindset“.

Nach der Tagung wurde eine Besichtigung der Rennbaulichkeiten, Boxen usw. angeboten. Für alle, die derlei interessiert, vermutlich sehr interessant. Wer wollte, konnte in einer Halle Kart fahren. Ich mochte lieber nicht und bevorzugte es, vom Rand aus männlichem Testosteron bei der Wirkung zuzuschauen.

Das Hotel lässt nichts zu wünschen übrig
Manche Botschaft ist rätselhaft
Abends

Mittwoch: In der ansonsten gut durchschlafenen Nacht wachte ich auf und spürte ein Kratzen im Hals, das auf eine aufkommenden Erkältung hindeutete. Die traf im Laufe des Tages mit Nasenlaufen und Kopfdrücken ein, hoffentlich bleibt sie nicht zu lange. Spätestens Sonntagmorgen muss ich bei Stimme und in guter Stimmung sein. Deshalb nahm ich nach Rückkehr aus der Eifel ein paar Mittel ein und begab mich ins Liegen.

Hotelfensterblick, morgens

Tricia Narwani, Editor in Chief des Verlags Penguin Random House hat mir eine Mail geschrieben, in der sie zunächst das Buch* in höheren Tönen lobt und sich anschließend erkundigt, ob ich weitere Buchprojekte in Arbeit und Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Verlag habe. Ich fühlte mich geschmeichelt, hegte indessen gewisse Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Anfrage, vielleicht, weil die Mail auf Englisch beginnt und deutsch endet, ansonsten ist sie frei von spamüblichen Fehlern. Deshalb nahm ich mir vor, später den Verlag um Bestätigung anzufragen. Das konnte ich mir sparen, am späten Nachmittag erreichte mich die Mail einer Bekannten, die ebenfalls bereits Bücher veröffentlicht hat, in der sie meinen Verdacht bestätigt. Vielleicht antworte ich Frau Narwani dennoch und schaue mal, was passiert. Mich würde schon interessieren, was die tatsächliche Absicht dahinter ist.

*Noch immer staune ich darüber, dass epubli das Cover aus angeblichen Jugendschutzgründen nicht anzeigt. Eine diesbezügliche Anfrage wurde nicht plausibel beantwortet.

Aus der Zeitung:

(General-Anzeiger Bonn online)

Donnerstag: Morgens kam mir in der Innenstadt wieder der neulich bereits erwähnte Mann unter einem aufgespannten Regenschirm entgegen, obwohl es nicht regnete. Wäre ich gewillt und in der Lage, vor neun Uhr und überhaupt ohne Not fremde Menschen anzusprechen, würde ich ihn bei der nächsten Begegnung fragen.

Man muss den örtlichen Einzelhandel stärken, gerade die kleinen Läden. In diesem Sinne besuchte ich auf dem Rückweg vom Werk ein Bekleidungsgeschäft in der Friedrichstraße und kaufte einen Anzug aus blauem Cordstoff, der mir im Schaufenster schon seit mehreren Wochen zugezwinkert hatte. Das ging sehr schnell, er passt gut, ich bin sehr zufrieden und weiß auch schon, wann ich ihn das erste Mal tragen werde.

Ein weiterer Gruß aus der Symbolbildhölle:

(General-Anzeiger Bonn online)

Freitag: Per Mail erreichte mich eine weitere Anfrage das Buch betreffend, nun von Patricia Mora pérez [sic], ihres Zeichens Professional Literary Translator. Sie schlägt vor, das Buch ins Spanische zu übersetzen, ob ich darüber schon einmal nachgedacht hätte. Nein, habe ich nicht, und es würde mich wundern, wenn es dafür in nennenswerter Anzahl spanische Leser gäbe, wo es schon auf deutsch kaum jemand liest.

Wie ich mit etwas Sorge beobachte, erfreuen sich weite Bundfaltenhosen unter jungen Leuten zunehmender Beliebtheit. Wie bei uns in den Achtzigern, inspiriert durch Fernsehserien wie Miami Vice, die ich vor allem wegen der Klamotten schaute, die Handlung habe ich nie verstanden. Hat die Jugend gar nichts gelernt aus unseren Fehlern?

Nicht nur die Kraniche reisen dieser Tage wieder in den Süden, in dieser Woche flog auch der Zeppelin wieder am Turm vorbei

Samstag: In Ermangelung berichtenswerter Erleb- und Erkenntnisse bis zum frühen Abend sei die nächste der tausend Fragen beantwortet. Heute ist der 290. Tag des Jahres, daher Frage Nr. 290, die lautet: „Welche Geschichten würdest du gern mit der ganzen Welt teilen?“ Die unbescheidene Antwort würde lauten: Die aus dem oben genannten Buch. Wenn die ganze Welt es kaufte, nicht nur auf Deutsch und Spanisch, wäre ich reich, müsste nicht mehr ins Büro gehen und könnte mir einen Rundflug mit dem Zeppelin leisten. Als bescheidener Mensch hingegen würde es mich schon freuen, wenn zu der Lesung morgen Vormittag Zuhörer in zweistelliger Anzahl kommen und größtenteils bleiben, bis ich fertig bin.

Als Zugabe für heute noch einige Einträge von meiner Fragmente-Liste: Duzifer, Schankmaul, Primblume, Umgehungsstrafe, Witzewelle.

Sonntag: Die Lesung am Vormittag verlief zur vollen Zufriedenheit. Die Zahl der Zuhörerinnen (deutlich in der Überzahl) und Zuhörer war zufriedenstellend zweistellig und blieb es bis zum Schluss, auch wenn einige wenige in der Pause gingen, was ich nicht persönlich nehme. Es wurde applaudiert und manchmal gelacht, und zwar, das ist nicht unwichtig, an erwarteten Stellen. Da einer der Vortragenden krankheitsbedingt kurzfristig absagte, blieb für die Verbliebenen etwas mehr Zeit zum Vortrag. Ich danke dem Organisator Lothar Schiefer und dem Rüngsdorfer Kulturbad sehr dafür, dass ich dort heute auf der Bühne stehen durfte.

Erster Einsatz des neuen Anzugs (Foto: Lothar Schiefer)
Beim Vortrag dieses Textes geriet ich ein wenig in Bewegung (Foto: Lothar Schiefer)

Damit nicht genug der Bühnenkultur für diesen Tag: Am späten Nachmittag gab der Bonner Chor Gemeinsang sein Konzert im Stadtteil Duisdorf. Das ließ sich wunderbar verbinden mit einem einstündigen Spaziergang, bei dem einsetzender leichter Regen kurz vor dem Ziel die Harmonie nicht störte. Auch die Harmonien des Chorgesangs erfreuten das Ohr und es würde mich freuen, bei einem der nächsten Konzerte selbst mit ihnen auf der Bühne zu stehen und Teil dieser Harmonie zu sein. Die Chancen stehen ganz gut.

Somit komme ich abschließend zur Rubrik „Was schön war“ in dieser Woche: das schnelle Abklingen der Erkältung, ein Hotelzimmer mit Jackenhaken, ein neuer Anzug, erhaltener und gerne gegebener Applaus.

Spaziergangsbild der Strecke Bonn – Euskirchen, Blickrichtung Bonn, bei Duisdorf

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

20:00

Woche 41/2026: Damen mit gefärbten Haaren und geschlechtsunabhängige Armtätowierungen

Montag: Die Bahnreise mit Buseinlage nach Lichtenstein in Sachsen verlief zwar nicht planmäßig, immerhin besser als befürchtet, nach Abfahrt in Siegburg legte sich meine Nervosität etwas. Für eine Reise mit viermal umsteigen und Schienenersatzverkehr (dieses Wort begeistert mich immer wieder) ist eine zwei Stunden spätere Ankunft vielleicht nicht akzeptabel, jedoch hinnehmbar. Es lag vor allem an der Verspätung des Regionalexpress von Erfurt nach Gera, dadurch war der Busanschluss verpasst und der nächste fuhr erst gut eineinhalb Stunden später.

Ansonsten schien heute Tag der Klassenfahrten zu sein: Schon auf dem Bahnsteig in Siegburg befand sich eine größere Ansammlung Jugendlicher, die mit mir in den ICE nach München stiegen. Im anschließenden ICE von Frankfurt nach Erfurt saß ich inmitten einer solchen Gruppe, die sich trotz Ruhebereich und mehrfacher pädagogischer Ansprache durch den Lehrkörper nicht vom Plappern und Zanken abhalten ließ; hätte ich Strichliste geführt, wie häufig allein das Wort „Digga“ fiel, hätte eine Seite des Notizbuchs nicht ausgereicht.

Gegen halb fünf am Nachmittag erreichte ich das Hotel, früh genug für einen ersten Spaziergang durch die Stadt, wo es auffallend viele Damen mit gefärbten Haaren gibt, bevorzugt in violett und kupferrot. Auffallend auch die hohe Anzahl geschlechtsunabhängiger Armtätowierungen.

Was es auch gibt, ist die Knopf- und Mutzbratenstadt Schmölln, wie das braune Sehenswürdigkeitenschild an der Autobahn 4 ausweist, gesehen während der Busfahrt von Gera nach Glauchau. Was es nicht gibt, jedenfalls heute nicht für mich, weil ich das Passwort nicht weiß und versäumt habe, es zu erfragen, ist WLAN im Hotel. Deshalb kann ich wegen schwachen Mobilfunks erst später recherchieren, was Mutzbraten ist, falls es mich dann noch interessiert.

Dienstag: Das Hotel ist sauber, das Zimmer erfüllt seinen Zweck für drei Übernachtungen völlig. Auf der Rückseite des villenartigen Gebäudes hat man Zugang zu einem kleinen Park, der etwas großspurig „Stadtpark“ heißt. Schönheitsfehler: Das Hotelrestaurant ist nur noch am Wochenende geöffnet, was leider auch das Frühstück einschließt. Es gibt keine Rezeption, für Fragen gibt es eine Telefonnummer. Dennoch hält sich tagsüber im Restaurant- und Küchenbereich Personal auf, was auch immer sie dort tun. Andere Gäste habe ich auch noch nicht wahrgenommen. Alles in allem etwas gespenstisch.

Dafür habe ich gut geschlafen. Nach nicht allzu spätem Ausschlafen begab ich mich in eine Bäckerei in die Innenstadt. Danach ließ ich mich ohne Plan und Ziel durch das Städtchen treiben, erklomm rund hundertfünfzig Treppenstufen zum Schloss, das gerade zu einem Hotel umgebaut wird, und war fasziniert von der riesigen ehemaligen Strumpffabrik in Bahnhofsnähe, einst großer Arbeitgeber der Stadt, nach 1990 stillgelegt und nun unter Denkmalschutz stehend dem sichtlich fortgeschrittenen Verfall preisgegeben. Letzteres trifft auch für nicht wenige weitere Gebäude zu.

Das Hotel, Parkseite
Postkartenblick über Lichtenstein
Strumpffabrikruine
Mutmaßlich vom selben Verfasser wie „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“

Würde das Berufliche Schulzentrum in heutigen Zeiten erbaut, müsste wohl ein weiterer Eingang vorgesehen werden, wobei interessant wäre, was darüber geschrieben stünde. (Verzeihung, das konnte ich mir nicht verkneifen.)

Nachmittags kam ich dann zum eigentlichen Anlass dieser Reise, der Anpassung und Übergabe der Hörgeräte durch die befreundete Akustikerin. Auch wenn es vielleicht noch zu früh für eine abschließende Bewertung ist, bin ich sehr zufrieden damit. Sie passen sich gut ein, und neben dem Hauptzweck der Hörvermögensverbesserung begeistert mich, wie schon bei den vorherigen Probegeräten, die Möglichkeit, darüber Musik zu hören und zu telefonieren. Somit erfüllen sie denselben Zweck wie die weißen Ohrstöpsel, mit denen die jungen Leuten den ganzen Tag herumlaufen, nur unauffälliger. Es gibt also keinen Grund, mich deswegen alt zu fühlen, jedenfalls nicht älter, als ich ohnehin bin.

Mittwoch: Den letzten Tag hier nutzte ich bei bestem Wetter für eine Wanderung durch den Rümpfwald nördlich von Lichtenstein. Abgesehen von einer navigativen Fehlleitung der Komoot-App durch unwegsames Unterholz kurz nach Beginn war die Strecke sehr angenehm auch ohne Wanderstöcke zu gehen, mit nur mäßigen Steigungen und überwiegend auf Waldwegen. Immer wieder geht man an Teichen vorbei, einer davon beherbergt in größerer Anzahl Goldfische und Flusskrebse. An anderer Stelle veranstaltete die Forstwirtschaft rechten Ohres ein Kettensägenkonzert.

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Immer wieder traf ich auf Leute, die mit Körben ausgestattet in die Pilze gingen. Auch ich sammelte ein paar davon, allerdings nur mit der Kamera.

Auch meine Moosbegeisterung wurde wieder angesprochen, großflächige Teppiche bildet hier diese faszinierende Lebensform, die uns Menschen vermutlich um einige Millionen Jahre überleben wird.

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Während der Mittagspause auf einer Bank bei Voigdlaide fragte ich mich, warum belegte Brötchen aus Bäckereifachgeschäften immer diese helle Kleckerpampe enthalten müssen.

Insgesamt war es sehr erfreulich und endete mit Torte, Kaffee und anschließendem Bier auf der Terrasse eines empfohlenen Cafés im Ort.

Danach versuchte ich, Postkarten zu erstehen, die ich beim Abendessen schreiben und anschließend absenden wollte. Leider ohne Erfolg, weder die Post-/Lottofiliale noch die Schreibwarenhandlung führen welche und man konnte mir nicht sagen, wo sie erhältlich seien. Die üblichen, hier mitlesenden Postkartenempfänger mögen sich daher bitte auf diesem Wege als gegrüßt betrachten.

Im Hotel war heute niemand zu sehen, weder morgens beim Verlassen noch nachmittags und abends bei Rückkehr. Immerhin wurde zwischendurch das Bett gemacht, von wem auch immer. Sollte ich in der bevorstehenden letzten Nacht von einer Messerklinge träumen, die im Takte schrillen Geigenstakkatos beim Brausebad in meine Brust einsticht, würde es mich nicht wundern.

Da war er wieder, mein Lieblingsfehler: „Die Frankfurter Buchmesse ruft und unsere Jubiläumsanthologie steht in den Startlöchern und freut sich auf seine Releaseparty.“ steht im Njusletter des Schreiberverbandes, dem auch ich angehöre. Meine freundlich formulierte Antwortmail, wessen Releaseparty gemeint sei, blieb bislang unbeantwortet.

Der Koffer ist gepackt, morgen früh geht es zurück mit fünfmaligem Umsteigen und zweimal Schienenersatzverkehr. Ich sehe dem mit erstaunlicher Gelassenheit entgegen, vielleicht hatte die Hinreise am Montag die heilende Wirkung einer Konfrontationstherapie.

Donnerstag: Die letzte Nacht im verlassenen Hotel verlief ruhig, die Träume blieben unspektakulär. Die Rückreise verlief am äußeren Rande des Rahmens der Erwartung, zehneinhalb Stunden nach Verlassen des Hotels erreichte ich die heimische Wohnungstür. Andere fliegen in der Zeit in ferne Länder. Einige Reiseeindrücke:

Der Bahnhof von Glauchau verfügt noch über eine intakte, saubere Wartehalle mit Buchhandlung, Bäckereigeschäft und Fahrkartenschalter. Andere Städte vergleichbarer Größe haben häufig nicht mal mehr ein Bahnhofsgebäude und man muss froh sein, wenn es Sitzgelegenheiten unter einem zugigen Bahnsteigdach gibt. Sofern sie überhaupt noch einen Bahnanschluss haben.

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Ebenfalls in Glauchau überbrückte der SEV-Busfahrer die Zeit bis zur Abfahrt mit dem Schauen ohrenscheinlich eines Actionfilmes mit viel Geschrei, aufbrausenden Motoren und Reifenquietschen. Auf seine Fahrweise hatte das zum Glück keinen Einfluss. Im Gegensatz zur Hinfahrt führte die Fahrt nach Gera nicht über die Autobahn, sondern durch die Städte mit Bahnhof, unter anderem Meerane, ein gar nicht mal kleiner Ort, von dem ich nie zuvor gehört hatte. Immer wieder sieht man leerstehende, mehr oder weniger verfallene Häuser an der Strecke. In Ronneburg hatten wir in einer schmalen Straße unüberholbar die Müllabfuhr vor uns, was zu einigen Minuten Verspätung führte, die sich insgesamt nicht reiseverlängernd auswirkte.

In Erfurt wurde wegen der verspäteten Regionalbahn aus Hermsdorf-Klosterlausnitz der Anschluss an den ICE nach Frankfurt verpasst und deshalb die Zugbindung aufgehoben. Auch das war nicht schlimm, eine gute halbe Stunde später fuhr der nächste, bis dahin hatte ich genug zu lesen dabei. Letztlich erreichte ich Siegburg/Bonn gut eineinhalb Stunden später als geplant. Hier nun, gleichsam als Sahnehäubchen, ein weiterer, unangekündigter Schienenersatzverkehr bis Sankt Augustin, erst ab dort fuhr die Stadtbahn.

An all dem gemessen war ich bei Ankunft gut gelaunt. Warum auch nicht – abends gingen wir zur Feier des Wiederkehr ins Wirtshaus, morgen habe ich frei.

Freitag: Der freie Tag fühlte sich samstäglich an. Während des Gangs zum Altglascontainer wunderte ich mich über Menschen an der Stadtbahnhaltestelle Stadthaus, die auf die Bahn zum Hauptbahnhof warteten; weiter fährt sie wegen des fortbestehenden Wagenmangels immer noch nicht. Laut Anzeige sollte die nächste Bahn in einundzwanzig Minuten eintreffen. Zu Fuß ist die Distanz in maximal zehn Minuten zu schaffen.

Nachmittags übten wir auf ausdrücklichen Wunsch des Geliebten Winter.

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Samstag: Es ist mal wieder Zeit für die Beantwortung einer der tausend Fragen.

Nr. 67 lautet: „Welche Eigenschaft schätzt du an einem Geliebten sehr?“ Es sei mir gestattet, das Wort „einem“ durch „dem“ zu ersetzen. Am Geliebten schätze ich trotz gelegentlicher Reibungen einiges, unter anderem dieses: Er bringt mich fast täglich zum Lachen, auf unterschiedliche Weise, zum Beispiel indem er Sachen sagt wie „Der Mäusefänger von Harlem“, „Schneewittchen und die Eisheiligen“ oder „Gomorron und Soda“. Oder wenn er Lieder im Radio gesanglich begleitet mit erstaunlicher Textkenntnis und perfekter Beherrschung der Eintonleiter.

Zwei Töne beherrschte hingegen ein roter Einsatzwagen mit der Aufschrift „Zivilschutz“, der abends mit Blaulicht und LALÜ durch die Stadt sauste. So ein Fahrzeug sah ich nie zuvor. Was mag das für ein Einsatz gewesen sein?

Sonntag: Die Profischreiber der FAS können es auch nicht besser – aus einem Artikel über Steuerverschwendung: „Zweifellos nimmt die Mehrzahl der Vertreter in den Ämtern den Job ernst, gibt sein Bestes.“

Doch soll nicht immer nur alles bemeckert und kritisiert werden. In letzter Zeit viel zu kurz gekommen ist die beliebte Kategorie „Was schön war“. Ab sofort soll sie auch in diesem Blog wieder Platz finden, regelmäßig am Sonntag, dem besten Zeitpunkt, um die Woche mit einem positiven Rückblick zu beenden. Schön waren in dieser Woche neben anderem: eine geglückte An- und Abreise, mehrstündige Wanderlust, etwas Alleinzeit, Feuer im Kaminofen und ein herbstlicher Sonntagsspaziergang.

Bonner Südstadt I
Bonner Südstadt II
Immerhin parkt er nicht unbefugt auf dem Behindertenparkplatz

Ach ja, ehe ich es vergesse: Sie kommen doch am kommenden Sonntag ins Kulturbad Rüngsdorf, wenn ich mit drei anderen was vorlesen darf? Bis dahin habe ich hoffentlich auch entschieden, was.

Wann: Sonntag, 18. Oktober 2026, 11:30 Uhr

Wo: Rüngsdorfer KulturBad, Rheinstraße 82, 53179 Bonn

Wer: Lothar Schiefer, Julius Esser, Der Käpt’n, Carsten Kubicki

Weitere Informationen: Hier.

Und falls Sie wissen wollen, was Mutzbraten ist, lesen Sie bitte dort nach.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

17:30

Woche 40/2026: Zur Feier des Tages

Montag: Da ich Ihnen keine weitere Strophe des ewigen Klageliedes über den Montag, Müdigkeit und Arbeitslustmangel zumuten möchte, gibt es heute nichts zu berichten. Alles, was möglicherweise der Notiz wert gewesen wäre, blieb im Nebel des Desinteresses verborgen, der Muse Kuss blieb aus.

Vielleicht nur dieses, wo es gerade um Gesang geht: Zum dritten Mal besuchte ich die Chorprobe und ich sehe mich darin bestätigt, dass gemeinsames Singen die Stimmung erheblich aufzuhellen vermag, sogar an einem Montag. Daher werde ich wohl dabei bleiben, wenn sie mich haben wollen.

Dienstag: Laut WordPress-Rückblick war ich vor einem Jahr in Büsum an der Nordsee, wo ich bei bestem Wetter einige Tage Alleinzeit sehr genoss. Unglaublich, dass seitdem schon wieder ein Jahr vergangen ist. (Just in dem Moment, da ich diese Zeilen schreibe, schickt mein Bruder Bilder aus Büsum, wo er kürzlich mit Gattin weilte.)

In einer Woche habe ich wieder Urlaub, dann bin ich in Lichtenstein / Sachsen. Das kam so: Da mein Hörvermögen mit dem Alter etwas nachlässt, vor allem bei lauten Hintergrundgeräuschen wie Restaurantraunen, was Tischgespräche erschwert, lag mir der Liebste seit geraumer Zeit in den Ohren, etwas dagegen zu tun. Daher begab ich mich, wie berichtet, zu einem örtlichen Akustiker, wo mir nach einem Hörtest Hörgeräte zur Probe mitgegeben wurden, die ich über den Urlaub in der Bretagne testete. Mit dem Ergebnis war ich nicht sonderlich zufrieden, deshalb gab ich sie nach dem Urlaub zurück.

Nun ergab es sich, dass eine Freundin der Mutter des Geliebten Akustikermeisterin ist. Während eines Besuchs in Bonn vermaß sie meine Lauschfähigkeiten (verfluchte sei das Synonymgebot) erneut und händigte mir andere, bessere Geräte zur Probe aus. Die trage ich seitdem vor allem dann, wenn zwischenmenschliche Kommunikation zu erwarten ist, also nahezu täglich.

Nachdem auch ein HNO-Arzt ein Hörhilfenerfordernis bestätigt hat, erhalte ich in der kommenden Woche die Hörsysteme. Leider ist die Akustikerin in Lichtenstein ansässig, was die Reise erklärt. Um den vergnüglichen Aspekt nicht zu vernachlässigen, verbinde ich das mit ein paar Tagen Urlaub, es soll dort ganz schön sein.

Leider ist die Reise mit Reisen verbunden, wie (für mich) üblich mit der Bahn. Wie mir selbige schon vor Wochen mitgeteilt hat, ist die Zugbindung für die geplante Hinfahrt aufgehoben, weil sich Änderungen ergeben haben. Diese betreffen vor allem die Strecke ab Gera, wo Schienenersatzverkehr stattfindet. Es könnte abenteuerlich werden.

Ansonsten hat der liebe Nachbar unter uns heute Geburtstag. Vielmehr hätte, wenn er nicht vor zwei Jahren gestorben wäre. Einer der Kontakte in meinem Verzeichnis, die zu löschen ich nicht übers Herz bringe.

Abgesehen davon, dass er auf dem Fuß- statt Radweg fährt: Für mich die lächerlichste Art der Fortbewegung auf zwei Rädern

Mittwoch: Mittwoch (und Sonntag) ist Rasiertag. Während einer sechsköpfigen Teams-Besprechung mit annen Kameras stellte ich fest, der einzige Teilnehmer ohne Gesichtsbehaarung zu sein. Nicht weiter bedeutsam, es fiel mir nur auf.

Auch heute war es noch sommerlich warm. Morgen dann nicht mehr, es soll den ganzen Tag regnen, wir brauchen den Regen ja. Morgen habe ich frei.

Donnerstag: Der angekündigte Regen fiel zuverlässig und ausdauernd, somit fiel die inseltagsübliche Wanderung ins Wasser. Stattdessen frühstückte ich nach Ausschlafen auswärts im Kaufhof-Restaurant, wo ich mich zeitig einfand, ehe die Rentner alle Fensterplätze belegten, wobei von meinem Platz aus nicht mehr zu sehen war als eine umbaute Dachbegrünung. Im Übrigen verbrachte ich den Tag mit der Erledigung einiger Dinge von öffentlichem Desinteresse, weshalb sie hier nicht näher dargelegt sein sollen.

Restaurantfensterblick mit Grün und Plastikraben

Freitag: Der Tag begann mit Nebel. Kann es sein, dass es früher öfter nebelte als heute, so wie früher, also ganz viel früher, im Winter mehr Schnee lag? Wie dem auch sei, ich mag Nebel, wenn ich darin nicht gerade ein Kraftfahrzeug lenken muss. Das mag ich ohnehin nicht, auch ohne Nebel.

Der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub endete für einen Freitag recht spät, indes mit dem guten Gefühl, alle wesentlichen Gewerke erledigt zu haben. Also nicht erledigt im Sinne von vollendet, immerhin in einen Zustand versetzt, der meine einwöchige Abwesenheit guten Gewissens ermöglicht.

Bürofensterblick, morgens

Samstag: Heute ist Tag der Deutschen Einheit, vor sechsunddreißig Jahren endete die Existenz der DDR, ist es denn zu fassen, wie lange das schon wieder her ist. Nicht wenige Menschen beiderseits der damaligen Demarkationsgrenze (so hieß das damals im Diercke-Schulatlas, wenn ich mich recht erinnere) bedauern das. Ich selbst zähle ausdrücklich und aus voller Überzeugung nicht dazu, freue mich vielmehr über die Selbstverständlichkeit, mit der ich übermorgen nach Sachsen reisen kann. Von all den Bekanntschaften mit Menschen, die oben Genannte gerne despektierlich als Ossis bezeichnen, möchte ich keine einzige missen. Und dass uns in diesem und dem nächsten Jahr ein arbeitsfreier Tag entgeht, jedenfalls denjenigen, die das Privileg der Fünftagewoche begünstigt, weil der Feiertag auf das Wochenende fällt, dafür kann nun wirklich niemand etwas, weder in West noch Ost. Nicht einmal Friedrich Merz.

An jenem 3. Oktober 1990 war ich auf Wangerooge, wo ich mit einem Freund ein paar Tage verbrachte, unter anderem um die Inselbahn zu fotografieren. Deren Lokomotiven waren zur Feier des Tages mit Deutschlandfähnchen geschmückt, irgendwo müsste ich davon noch ein Bild haben, Moment … hier:

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Apropos Arbeit: Frau Kaltmamsell teilt meine tiefe Abneigung gegen Heimbüro:

Doch auch diesmal behagte mir das Arbeiten daheim überhaupt nicht. Dieses Einsickern von Arbeitsthemen, -sorgen, -mühen in mein heimisches Refugium und Rückzugsgebiet fühlt sich nach Vergiftung an.

Sonntag: Vergangene Nacht schlief ich schlecht. Für diese Erkenntnis benötige keine kluge Armbanduhr und keine App, die das für mich messen. Mehrfach wachte ich auf und lag längere Zeit wach. Als Ursache vermute ich eine akute Vorreisenervosität, die mit zunehmendem Alter immer heftiger wird. Eine gewisse Skepsis ist durchaus angebracht, die geplante Reise sieht fünfmaliges Umsteigen mit Schienenersatzverkehr vor, ich muss also innerhalb der teils kurzen Umsteigezeiten nicht nur das Gleis wechseln, sondern auch die Abfahrtstelle der Busse finden.

Andererseits muss ich das Ziel nicht zu einem bestimmten Termin erreichen, nur sollte ich bis 19 Uhr am Hotel sein, was auch bei großzügiger Verspätungskalkulation zu schaffen sein sollte, planmäßig soll ich gegen 15 Uhr ankommen. „Man weiß nie …“, raunt mein innerer Skeptiker. Anstatt mich also auf ein paar Tage Urlaub zu freuen, fühle ich mich, als stünde morgen eine wichtige Prüfung oder eine Operation an. Immerhin ist dadurch das Thema für den morgigen Blogeintrag bereits gesetzt.

Gesetzt ist auch jeden Sonntag der Spaziergang:

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Hätte ich Nachkommen und lebte ich dann noch, würde ich mich auch über so eine Bank freuen
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Es wird immer irrer
Balkonblick, anschließend

Im übrigen hoffe ich, Sie am 18. Oktober zu sehen, wenn ich was vorlesen darf. Weiteres hier.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

17:00