Woche 13/2026: Gefangen in Besprechungsketten

Montag: Der erste Arbeitstag nach fast zwei Wochen Unterbrechung gelang einigermaßen zufriedenstellend, auch wenn ich aufgrund schon wieder viel zu vieler Besprechungen kaum dazu kam, Liegengebliebenes abzuarbeiten. Als hätten sie nur auf meine Rückkehr gewartet, um mich mit unnötigem Gequatsche zu drangsalieren. Zum Gelingen trug auch ein frühes Arbeitsende bei, weil nachmittags eine ärztliche Nachschau des operierten Ellenbogens anstand. Die Heilung schreitet in erfreulicher Weise voran.

Erfreulich auch der private Posteingang: ein Brief aus Duisburg und ein Paket aus München, letzteres zunächst nur in Form einer roten Benachrichtigung im Briefkasten. Das hole ich dann morgen auf dem Heimweg ab, so bleibt noch etwas Vorfreude. – In abgehender Richtung schrieb ich abends einen Brief nach Greven, der morgen auf die Reise geht.

Dienstag: Gegen halb sechs wachte ich morgens aus bizarren Träumen, deren Inhalt ich mangels Erinnerung nicht wiedergeben kann, auf und mein Körper oder Geist oder wer auch immer beschloss, genug geschlafen zu haben und also bis zum Wecker eine Dreiviertelstunde später wach zu liegen.

Auf dem Fußweg ins Werk blies mir kalter Wind entgegen, der Handschuhe angebracht erscheinen ließ, die ich nicht dabei hatte und deren linker mir am weiterhin bis über den Handrücken geschienten Arm im Übrigen nichts genützt hätte. Man macht was mit. Am Rheinufer wurden von einem Wagen mit Hubbühne aus, der auf der Radspur platziert worden war, die Bäume geschnitten. Das veranlasste die Radfahrer, sich entweder über den verbliebenen schmalen Streifen zwischen Hubbühne und Wegesrand zu quetschen oder vorübergehend auf den Fußweg zu wechseln. Dabei kam es nur wenigen von ihnen in den Sinn, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Da mir keiner zu nahe kam, sah ich ab von Beschimpfungen. Die Baumschneider auf der Bühne interessierte es nicht, während des Stutzens hörten sie lautstark das Karnevalsmaus-Lied, das sich anschließend in meinem Kopf bis in den Nachmittag hinein als Ohrwurm hielt, auch als Hirnmutante „Ich bin der Karnevalsklaus“.

Auch heute schaffte ich nur wenig weg im Büro, weil ich wieder in einer durchgehenden Besprechungskette gefangen war, und morgen wird es voraussichtlich nicht besser. Ich sollte Besprechungsanfragen öfter mal ablehnen, so geht es nicht weiter. Vorsorglich habe ich für kommende Woche im Outlook-Kalender mehrere Lücken mit Eigenterminen geblockt.

Als ich abends das Paket im Laden abholen wollte, ließ man sich meinen Ausweis geben und glich meinen Namen mehrfach mit mehreren handgeschriebenen Listen ab. Leider ohne Erfolg. Somit hält die Vorfreude noch etwas länger an.

Mittwoch: Wegen einer geschäftbereichsinternen Veranstaltung („Townhall Meeting“) kam ich nicht nur wie erwartet zu nichts, auch waren deswegen heute besonders viele Kollegen anwesend, weshalb ich wiederum besonders oft die Frage nach dem verbundenen Arm beantwortet habe. Ich weiß, die Frage ist jeweils freundlich gemeint, dennoch bin ich nicht zuletzt auch deshalb froh, wenn ich die Schiene endlich los bin. Voraussicht- und hoffentlich morgen Nachmittag.

Eine andere Vorfreude, nämlich die auf das Paket aus München erfüllte sich leider nicht. Als ich den Code auf der Benachrichtigung nochmals scannte, teilte mir DPD mit, die Sendung konnte leider nicht zugestellt werden, deshalb würde sie nun an den Versender zurück gesandt. Scheißverein würde das Känguru sagen. Ich nenne es: eine äußerst liederliche Leistung.

Dafür kam der Brief, den ich gestern abgeschickt hatte, bereits heute in Greven an, wie mir die Empfängerin per Mail mitteilte. Auf die Post ist Verlass.

Donnerstag: Die Rheinpromenade in Richtung Süden ist gesäumt von Linden, deren junge Triebe zurzeit beschnitten werden, siehe Eintrag vom Dienstag. Warum man das gerade jetzt macht, wo die Zweige erste Blattknospen hervorbringen, wird seine botanischen Gründe haben. Einer der hunderten von Bäumen stach hervor durch eine im Gegensatz zu seinen Artgenossen deutlich fortgeschrittene Begrünung. Damit erinnerte er mich an meinen früheren Mitschüler Oliver S., der bereits in der Mittelstufe eine beachtliche Körperbehaarung aufwies, die beim Umziehen vor und nach den Schwimmstunden beeindruckte, während wir anderen Jungs noch überwiegend kindlich kahl waren.

Weg ins Werk

Während einer Besprechung erwischte ich mich dabei, zum Ausdruck von Zustimmung „absolut“ zu sagen. Das ist dringend zu vermeiden und darf keinesfalls zur Gewohnheit werden. Immerhin gut, dass ich es selbst gemerkt habe. Andere sagen zum Ende einer Besprechung gerne „super“, „perfekt“ und ähnliche Gefallensbekundungen, auch wenn das Besprechungsergebnis dazu keinen Anlass bietet. Ich sage maximal „Tschüs“ und freue mich ansonsten still, dass es vorüber ist.

Vormittag zogen aus Nordwesten dunkle Wolken auf, aus denen es schneite. Der April ist nicht mehr fern.

Der Arbeitstag endete zeitig, weil nachmittags die Fäden der Operationswunde gezogen wurden, auch die lästige Gipsschiene durfte ich in der Praxis zurücklassen. Da ist super und perfekt durchaus angebracht.

In der Bonner Inneren Nordstadt blühen bald wieder die berühmten Zierkirschen, die instagramaffine Menschenmassen aus aller Welt anlocken. Bei southpark las ich das Wort „Verdachtskirsche“ und freute mich darüber angemessen.

Freitag: Zahlreiche Kollegen wünschten schon heute frohe Ostern und verabschiedeten sich in den Urlaub ab nächster Woche. Es sei ihnen gegönnt; wer urlaubt, nervt nicht mit Besprechungsanfragen.

Was schön war: Morgens ohne fremde Hilfe geduscht. Mit dem Fahrrad zum Büro und zurück gefahren, wegen der Kälte mit Handschuhen. Nach jedem Toilettengang die Hände gründlich gewaschen. Mittags in der Kantine Matjesfilet mit Messer und Gabel und ohne gesprächige Mitesser gegessen. Es bedurfte der zweiwöchigen Stilllegung eines Armes, um mich danach an solchen Alltäglichkeiten zu erfreuen. – Damit soll zu diesem Thema auch genug geschrieben sein.

Samstag: Den heutigen laut kleiner kalender Etwas-am-Stiel-Tag verbrachte ich weitgehend stiellos zunächst auf dem Sofa, dann mit Samstäglichkeiten ohne besonderen Erwähnenswert.

Sonntag: Wegen der Umstellung auf die Sommerzeit (seit wie vielen Jahren will die EU die abschaffen? – Egal) frühstückten wir erst mittags, dafür draußen vor dem französischen Café. Das war zwar etwas kühl, dafür mit Leutekucken recht unterhaltsam. Unter anderem trug ein Vorbeigehender in einer kleinen Gruppe junger Männer einen Zylinderhut aus Kuhfell oder Kuhfellimitat, weiß-schwarz gefleckt. Warum auch nicht, jeder, wie er mag. Der Geliebte über eine andere Person: „Bei dem passt nichts zusammen. Wenn der liebe Gott den geschaffen hat, müsste man ihm den um die Ohren hauen.“

Direkt im Anschluss unternahm ich den Sonntagsspaziergang an den Rhein und durch die Südstadt. Eine der ewigen Bonner Baustellen, die Neugestaltung des Rheinufers unterhalb der Innenstadt, zeigt – jedenfalls mir – weiterhin nur geringes Vorankommen, weiterhin knubbeln sich Fußgänger und Radfahrer auf einem gemeinsamen schmalen Pfad, gerade an Tagen wie heute. Warum dauert das so lange? Auf ein Spaziergangsgetränk verzichtete ich: Draußen war es entweder (im Schatten) zu kühl oder (in der Sonne) zu voll, nach Drinnenbier war mir nicht der Sinn. Muss auch nicht, das Wochenende war wieder alkoholisch genug.

Mauerblümchen und Moos in der Südstadt

Die Fliegenden Bretter über den nun wohl doch nicht geretteten Wal in der Lübecker Bucht:

Derweil sich halb Deutschland einen Kopf macht um das arme Tier, rollen Tag für Tag 3,6 Millionen Tiere in Tiertransporten durch eben jenes Deutschland, um dann als Produkte in Bedien- und SB-Theken zu landen. Nun bin ich bekanntlich weder Vegetarier noch Veganer, aber bin ich der einzige, dem das ein kleines Bisschen befremdlich dünkt?

Nein, ist er nicht.

Wie die Freundin aus München mitteilte, hat sie einen erneuten Versand des Paketes veranlasst. Auch dieses Mal mit DPD, der Versender ließ sich nicht davon abbringen. Vielleicht schaffen sie es dieses Mal. Andere können es ja auch.

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche und in den April. Wenn Sie welchen haben, wünsche ich einen schönen Urlaub. Wenn Sie wie ich arbeiten dürfen: Auch diese Woche endet, für mich dank Leifsteil-Teilzeit und anschließenden Osterfeiertagen bereits am Mittwoch. Das ist ja nun auch nicht schlecht.

19:00

Woche 12/2026: Ohne nennenswerte Beschwerden

Vorab herzlichen Dank für die zahlreichen Genesungswünsche, die mich nach dem letzten Wochenrückblick per Kommentar und auf anderen Wegen erreicht haben!

Montag: Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus gestern Mittag wurde mir empfohlen, möglichst gleich heute zur Nachsorge den Hausarzt aufzusuchen. Also versuchte ich abends über die Doctolib-App einen Termin zu vereinbaren. Doch die Praxis vereinbart keine Termine über Doctolib, wie mir angezeigt wurde. Dann eben telefonisch gleich heute Morgen. Gar nicht so einfach: Bei Anruf meldet sich eine freundliche Stimme, man möge sein Anliegen nach Auswahl mehrerer Ziffern (Deutsch = 1; Allgemeines hausärztliches Anliegen = 1 … und so weiter) aufsprechen, man melde sich dann bald. Und allso tat ich. Eine halbe Stunde später bekam ich eine Kurznachricht von medflex, darin ein Link auf eine Art Messenger, wo mir mitgeteilt wird, man habe mich für übermorgen eingeplant. Auf demselben Weg bat ich umgehend um einen Termin noch heute. Kurz darauf erhielt ich eine Nachricht – ich staunte – über Doctolib, man könne mir für heute Nachmittag einen Termin anbieten, ich möge bitte alle Dokumente schon mal hochladen. Ich fotografierte also in der App die Entlassungspapiere und schickte sie ab. Wenig später meldete sich medflex wieder mit Link auf den Masseger, worin die Verschiebung bestätigt wurde.

Der geschätzte Mitblogger aus Hamburg verwies heute auf dieses Lied, das gut dazu passt.

Aus dem Liedtext:

Ich muss mein Leben verändern, alles verändern, und ich geh‘ zum Frisör.

Ich geh‘ zur Farbberatung, der Berater sagt schwarz. Das dachte ich mir.

Der Termin war dann kurz und schmerzlos, die Ärztin zeigte sich gut vorbereitet und hatte die zugesandten Dokumente bereits vor sich auf dem Bildschirm.

Dienstag: Der geschiente Arm ist zweifellos lästig, doch betrachte ich es als Glück im Unglück, dass ich dadurch nur geringfügig am Schreiben und gar nicht am Lesen und Gehen gehindert bin, somit sind essentielle Lebensfunktionen gegeben. In der Annahme, dass letzteres an der frischen Luft der Heilung förderlich ist, unternahm ich mittags einen Spaziergang an den Rhein und durch die Nordstadt zurück.

Erwähnte ich schon, dass ich diese Bäume als Kind immer „Mangolien“ nannte? Bestimmt, nur in diesem Jahr noch nicht.

Auch auf die Gefahr hin, den Anschein zu erwecken, mich bei Herrn Buddenbohm anbiedern zu wollen, was nicht beabsichtigt ist, was hätte ich auch davon, muss ich ihn ein weiteres Mal zitieren, weil es gerade perfekt passt:

Die drei Ringeltauben schienen mir immer erstaunlich gut mit ihrer eher komplizierten Beziehungsform klarzukommen. Sie haben auch recht lange und weitgehend streitfrei in ihrer komplizierten Konstellation durchgehalten. Länger jedenfalls, als es viele Menschen zu dritt oder überhaupt mit Polyamorie in irgendeiner Form schaffen, denn das ist emotionaler Hochleistungssport, wie alle Betroffenen wissen.

Oh ja. (Bitte denken Sie sich hier ein ausführliches Seufzen.)

Bloggen verbindet: Nicht völlig überraschend, nur unerwartet früh erreichte mich bereits heute eine Postsendung aus Greven. Liebe A., auch auf diesem Wege nochmals ganz herzlichen Dank!

Mittwoch: Krankschreibung bedeutet nicht Urlaub, fragen Sie den Kanzler und die CDU. Als verantwortungsbewusster Arbeitnehmer habe ich deswegen noch letzte Woche vor der Operation mein Laptop aus dem Büro nach Hause geholt, wo ich es am Montag wie gewohnt und im Vertrauen darauf, am nächsten Tag zurückzukehren, da ich ja niemals freiwillig zu Hause arbeite, zurückgelassen hatte. Nun schaue ich fast täglich einmal kurz in den Maileingang, nicht weil es müsste sondern aus – nun ja: Interesse. Das bedeutet: Achtzig Prozent der Mails werden sofort gelöscht, einige wenige, um die ich mich nach Rückkehr kümmern sollte, sofern sie sich bis dahin nicht erledigt haben, werden mit einem unterminierten Fähnchen versehen, der Rest bleibt erstmal stehen zum späteren genaueren Lesen oder Löschen. Sämtliche Besprechungsanfragen für kommende Woche werden nur unter Vorbehalt zugesagt, es sei denn, sie kollidieren mit jetzt schon bekannten Arztterminen, dann werden sie rigoros abgelehnt. Das beste: In dieser Woche muss ich an keiner einzigen Besprechung teilnehmen. Teams öffne ich gar nicht erst. An diese Arbeitsweise könnte ich mich gewöhnen.

Aus der Zeitung (General-Anzeiger Bonn online):

Wollen sie wirklich?

Aus der Symbolbildhölle:

Aus den Teilnahmebedingungen für eine Anthologie: „Menschen sind als Wesen hochinteressant, weshalb wir bitten, von Außerirdischen in den Geschichten abzusehen.“

Donnerstag: Heute wäre dank Leifsteil-Teilzeit ein planmäßig freier Inseltag gewesen. Geplant war eine Wanderung auf dem Natursteig Sieg von Herchen nach Schladern, das Wetter war perfekt dazu, sonnig und nicht zu warm. Aus vorgenannten Gründen ist längeres Wandern auf anspruchsvollen Wegen zurzeit nicht angezeigt, doch will ich es nicht allzu laut bejammern, frei hatte ich immerhin. Um den Tag nicht völlig ungelüftet zu verbringen, unternahm ich mittags einen Spaziergang an den Rhein, nachmittags verlagerte ich den Heilungsprozess auf den Balkon, bis die Sonne hinter den Häusern verschwand und augenblickliche Kühle mich wieder in die Stube trieb.

Noch eine Mangolie

Apropos Heilung: Vor der Tagesschau auf ARD kommt regelmäßig die Werbung für ein Mittel gegen Darm- und Magenbeschwerden, seit einiger Zeit zum Glück nicht mehr mit diesem nervigen Blag, das „Papa hat immer gepupst“ sagte. Geblieben ist die Aussage der/des nach Verabreichung des Mittels nicht mehr Leidenden, die/der da sagt: „Meine Beschwerden sind wie weg.“ Was bedeutet das, „wie weg“? Sind sie nun weg oder nicht? Wenn nicht, wo sind sie dann?

Freitag: Nicht weg, doch ohne nennenswerte Beschwerden sind auch die Auswirkungen der Operation vergangener Woche, sieht man mal von der Gipsschiene ab, die ich noch bis kommenden Donnerstag tragen muss. Vormittags zeigte sich die Hausärztin zufrieden mit dem Fortgang der Wundheilung und den sich normalisierenden Blutwerten. Der Wiederaufnahme der Werktätigkeit in der kommenden Woche steht somit nichts im Wege, außer vielleicht einer gewissen Unlust, die sich nach einer Aneinanderreihung freier Tage üblicherweise einstellt, man kennt das in Urlaubsfolge.

Der erste Wochenendeinstimmungscremant am Abend schmeckte schon wieder ganz passabel. Es besteht Hoffnung.

Samstag: Kein Tag ohne neue Erkenntnisse:

Wer hätte das gedacht. (General-Anzeiger Bonn online)

Der Plan für den Tag sah vor, mehrere Schreibvorhaben anzugehen. So ist ein Brief zu beantworten und die begonnene Kurzgeschichte für eine Anthologie sollte weitergeschrieben werden. Wie das so ist mit Plänen: Nachmittags überkam mich jähe Schreibunlust, auch das kommt vor, und eine diffuse Unruhe trieb mich nach draußen; statt am Schreibtisch verbrachte ich die Zeit mit einem langen Spaziergang, fast einer kleinen Wanderung durch die Siegauen bis zur Siegmündung und zurück. Nach Rückkehr schaffte ich es gerade noch, diese Tagesnotiz niederzuschreiben, das ist immerhin besser als nichts.

Siegauen: links der Rhein, rechts die Sieg. (Beide nicht im Bild, daher denken Sie sie sich bitte.)
Die Sieg
Ebenfalls
Es grünt

Abends aßen wir im Restaurant. Bei der Auswahl bin ich zurzeit etwas eingeschränkt, da ich möglichst Gerichte wähle, die problemlos einhändig zu essen sind, etwa Penne mit Rindfleischstreifen oder Erbseneintopf, weil das Essen mit Messer und Gabel wegen der Armschiene etwas mühsam ist. Somit esse ich zurzeit wie die jungen Leute, die stets eine Hand für das Datengerät benötigen, während sie mit der anderen die Nahrung aus der Bowl picken.

Sonntag: Wesentliche Tagesaktivitäten waren Frühstücken und Leute kucken vor dem französischen Café in der Innenstadt, Sonntagszeitung lesen auf dem Sofa, darin eine interessantes Interview mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, dessen Einstellung zu Regeln und Sprachgebrauch mir durchaus sympathisch ist. Nachmittags folgte ein längerer Spaziergang durch die Südstadt mit anschließendem Außenbier beim Lokal am Rheinufer, was einhändig uneingeschränkt möglich ist. Ein wenig an der Kurzgeschichte geschrieben habe ich auch.

Poppelsdorfer Allee, Blickrichtung Innenstadt
Außenbier, Blickrichtung Mutterhaus

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut und möglichst beschwerdefrei durch die Woche. Für mich beginnt wieder der Ernst des Arbeitslebens. Wird auch Zeit.

19:00

Woche 11/2026: Alles Gute

Vorwort: Das war eine sehr ungewöhnliche Woche. Die nächste wird hoffentlich wieder etwas gewöhnlicher.

Montag: „Sonne an – Brille auf“ wirbt der bekannte Optikdiscounter per Plakat für Sonnengläser, wie ich morgens während der Radfahrt zum Büro sah. Ob der Rheinländer das versteht, ist fraglich, setzt er doch keine Brille auf, sondern zieht sie ebenfalls an; gleiches gilt (oder galt, als man sie noch benutzte) für Krawatten und Mützen, vermutlich auch für Hörgeräte und Kondome, wobei ich bei letzteren nicht sicher bin, was der Außerrheinische sagt, sofern es währenddessen erforderlich ist, etwas zu sagen. Das war für mich, als ich nach Bonn zog, zunächst gewöhnungsbedürftig, so wie für den Rheinländer die von mir gestellte, ostwestfälische Frage „Wo kommst du wech?“.

Nach Ankunft im Büro hatte mein Rechner zunächst Startschwierigkeiten, nach dem Einschalten erschien erst wieder nur der Sicherheitswolf auf dem Monitor, siehe letzte Woche Mittwoch, sonst passierte nichts. Erst nach zweimaligem Aus- und wieder Einschalten fuhr er hoch. – Während einer Teams-Besprechung mit eingeschalteten Kameras erschrak ich etwas über mein eigenes, ziemlich zerknittertes Antlitz. Wie ein anschließender Spiegelblick ergab, war es indes nicht zerknitterter als üblich. Man wird nicht jünger. Zum Glück.

Ob es ebenfalls eine altersbedingte Zerfallserscheinung ist, weiß ich nicht, jedenfalls begann nachmittags der linke Ellenbogen zu problematisieren. Zunächst nur ein Stechen, wenn ich ihn auf der Schreibtischplatte ablegte, später schwoll er an, bis zum Abend wuchs ein respektables Ei mit Puddingfüllung, das bei Berührung schmerzte.

Der Geliebte schickte Fotos davon an seinen Hausarzt, der noch am Abend anrief und aus der Ferne eine Schleimbeutelentzündung diagnostizierte. Außerdem empfahl er, ein Krankenhaus aufzusuchen und schilderte detailliert, was dort alles gemacht werden muss, woraufhin mir etwas flau wurde. Hilft ja nix – der Liebste fuhr mich zur Notaufnahme, wo nach kurzer Wartezeit die Diagnose bestätigt wurde. Außerdem wurde Blut abgenommen und der linke Arm mit einer Gipsschiene ruhig gestellt, dann durfte ich wieder nach Hause. Morgen wird operiert, mit Vollnarkose, man würde sich melden. Trotz Gips und Gedanken an die erste Vollnarkose meines Lebens schlief ich ganz gut und schmerzfrei.

Dienstag: Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr schon durch eine vergleichsweise harmlose gesundheitliche Beeinträchtigung alles andere in den Hintergrund rückt. Doch möchte ich Sie nicht unnötig damit behelligen, empfinde ich es doch selbst zumeist als lästig, wenn andere ihre Krankheiten detailliert vor mir ausbreiten. Für heute nur so viel:

Morgens rief die Dame vom Krankenhaus an und teilte mir mit, die Operation werde erst am Donnerstag durchgeführt. Morgen früh solle ich bitte erscheinen für weitere Untersuchungen und Informationen. Mittags schaute sich der Hausarzt den Ellenbogen an und meinte, auf den Bildern hätte es schlimmer ausgesehen. Allerdings müsse ich wohl zwei Wochen diese Gipsschiene tragen, an die ich mich langsam gewöhne. Das An- und Auskleiden mit steifem Arm gelingt schon ganz gut, es dauert nur alles etwas länger. Das Schreiben auch, wie Sie sehen. Duschen wird überbewertet.

Apropos Schreiben: Im Briefkasten lag heute eine Postkarte aus einem Zug nach Betzdorf, aus Dessau erreichte mich eine ausführliche Mail, deren Absender sich lobend über dieses Blog äußert. Vielen Dank dafür, über beides freue ich mich sehr.

Der Geliebte schaut unterdessen auf Instagram Filmchen über Bestattungen und Einäscherungen und teilt sie mit mir. Sein Humor.

Mittwoch: Die Vorbesprechungen im Krankenhaus morgens liefen ohne größere Wartezeiten; kaum saß ich mit meinem Wartemärkchen und begann was zu lesen, wurde schon meine Nummer aufgerufen. Zahlreiche Unterschriften waren zu leisten – unter was, wollte ich gar nicht so genau wissen – und viele Fragen zu beantworten, einige mehrfach, auch solche, die ich bereits am Montagabend in der Notaufnahme beantwortet hatte. Sicher ist sicher.

Morgen um elf ist es dann so weit. Ich bin zuversichtlich, dass alles gut läuft. Wenn nicht, war das vielleicht der letzte Eintrag in diesem Blog. In diesem Fall wünsche ich Ihnen alles Gute und bedanke mich, dass Sie hier gelesen haben.

Donnerstag: Das Leben geht weiter. Auf dem Fußweg durch die vertraute Innenstadt zum Krankenhaus beschlich mich der Gedanke: Vielleicht gehe ich hier jetzt zum letzten Mal. Vielleicht ergibt sich während der Operation eine unvorhergesehene Komplikation, wildes Ärztegeschrei, Wir verlieren ihn, hektische Herzmassage, schließlich der finale Dauerpiepton und die Decke wird über das Gesicht gezogen, man kennt es aus Filmen. Interessanterweise war der Gedanke nicht begleitet von Angst, sondern von einem wohligen Gruseln. – Vermutlich war ich auf dem Weg ins Krankenhaus, bin ich auf den täglichen Wegen zum Büro und zurück stets größeren Gefahren ausgesetzt, man denkt nicht immer rational.

Nachdem mir mein Bett zugewiesen wurde, kam eine Schwester (heißt das noch so?), um meinen Blutdruck zu messen. Während des Messens ließ mich ein allgemeines Aufbrausen der Geräte erschrecken. Dass er hoch war, hatte ich aufgrund der ganzen Aufregung erwartet, dass deswegen gleich die Sirenen aufheulen, erschien mir übertrieben. Es war dann nur der für elf Uhr angekündigte allgemeine Probealarm.

Danach das große Warten auf die Operation, mit wachsender Nervosität. Da es mir in solchen Situationen nicht gelingt, mit Erkenntnis oder wenigstens Unterhaltung etwas zu lesen und ich auf einen Film keine Lust hatte, schaute ich mir auf dem iPad Bilder von gemachten Urlauben und Wanderungen an. Was gibt es besseres, als in schönen Erinnerungen zu schwelgen, wenn vielleicht das Ende naht. Erst drei Stunden nach Bettbezug kam die schwesterliche Anordnung, das bereitliegende OP-Kleidchen und -höschen anzuziehen, dann rollten zwei Pfleger das Bett mit mir darin in den OP-Bereich.

Warten

Die Einschläferung war eine interessante Erfahrung, jedenfalls so lange, bis ich weggetreten war, vor allem das vorab verabreichte Beduselungsmittel, das innerhalb von Sekunden einen Rausch erzeugte wie der Verzehr einer Flasche Jägermeister in Verbindung mit dem Dauerinhalieren von Rush Ultra Strong, nur ohne die unangenehmen Nach- und Nebenwirkungen. Das Personal ist sehr freundlich, wobei ich die Frage des jungen Anästhesie-Assistenten, ob ich Enkel hätte, etwas befremdlich fand. Die Frage nach Kindern bin ich gewohnt, aber Enkel, ich muss doch bitten. Außerdem wurde ich vom Anästhesisten nochmals nach Dingen befragt, die ich zuvor schon mehrfach beantwortet hatte.

Kurz darauf wachte ich schon wieder auf. Erster Gedanke: Haben sie mich geweckt, weil sie eine bereits beantwortete Frage nochmals zu fragen vergessen hatten? Vielleicht nach Allergien? Allergisch reagiere ich nur auf ständiges Wiederholen von bereits gesagtem. Doch nein, sie waren bereits fertig. Die Operation verlief offenbar zufriedenstellend,

Nun liege ich im Zimmer, zusammen mit einem bis jetzt angenehmen Zimmergenossen, tippe einfingrig diese Zeilen ins iPad und genieße es, wie die Anspannung der letzten Tage sich auflöst. Auch wenn die zwei angeschlossenen Schläuche, der rechte führt eine klare Flüssigkeit aus einer Tropfflasche in den rechten Handrücken, der linke eine rötliche aus der Wunde in einen Behälter neben mir ab, die Bewegungsfreiheit noch beeinträchtigen.

Freitag: Die Nacht war recht angenehm, auch wenn die weiterhin angebrachten Schläuche etwas nervten. Angenehm auch weiterhin mein Zimmergenosse, ein freundlicher junger Mann nach einem Sportunfall, nicht nur wegen seines erfreulich geringen Gesprächsbedarfs bei Tag, auch schnarchte er überhaupt nicht. Das lauteste Geräusch der Nacht war, als ich den Drainagebehälter aus dem Bett stieß und er zu Boden polterte. Außerdem kam zweimal die Nachtschwester und wechselte bei mir die Tropfflasche.

Mehrfacher nächtlicher Harndrang musste in die dafür vorgesehene Bettflasche abgeführt werden, da ich wegen der Schläuche nicht die Toilette aufsuchen konnte. Das ist erst ungewohnt, geht aber, wenn man (Achtung: Wortspiel) den Bogen raus hat, sehr gut. Als Mann ist man da wohl im Vorteil (denken Sie sich hier gerne einen Satz, in dem zweimal das Wort Rüssel vorkommt), ich weiß nicht, wie das für Frauen gelöst ist und gebe zu, es gar nicht so genau wissen zu wollen.

Gegen 8:30 Uhr ist Weckzeit, das finde ich ganz moderat. Von Schläuchen befreit, kehrte auch eine gewisse Bewegungsfreiheit zurück, die ich zum Zähneputzen nutzte; die gewohnte Körperpflege kommt sehr kurz in dieser Woche.

Während der Bettnachbar heute entlassen wurde, darf ich entgegen der ursprünglichen Planung noch ein bis zwei Tage bleiben, irgendetwas im Blut bedarf auf Anweisung des Chefarztes noch der Behandlung durch Antibiotikum. Das hatte ich mir anders erhofft, doch ist es nicht zu ändern. Also bemühe ich mich, es positiv zu sehen: Ich habe keine Schmerzen, genug zu Lesen, Zeit zum Schreiben (das hier), ein Bett am Fenster, werde gut ver- und umsorgt, und wenn ich Glück habe, habe ich das Zimmer wegen des bevorstehenden Wochenendes für mich alleine. Das wäre von Urlaub fast nicht zu unterscheiden.

Samstag: Ich darf einen weiteren Tag bleiben, eröffnete der Arzt mir am Morgen, da mir noch mehrere Portionen des Antibiotikums eingetropft werden sollen. Ansonsten zeigte er sich mit dem Arbeitsergebnis seiner Kollegen sehr zufrieden.

So tröpfelte auch dieser Tag vor sich hin mit viel Liegen und Lesen, unter anderem das kürzlich erstandene Buch „Können Sie mich sehen?“ von Martin Suter, ich erwähnte es. Bislang gefällt es mir gut und es hebt das eine und andere Mal die Mundwinkel.

Ansonsten regnete es die meiste Zeit des Tages. Um wenigstens etwas Bewegung zu bekommen, begab ich mich nachmittags in die Wahlleistungslounge ein Stockwerk höher, allein schon wegen des tollen Wortes. Diese ist nur Privatpatienten und Selbstzahlern wie mir über einen mitgeteilten vierstelligen Code zugänglich, ich fühle mich privilegiert. Dort kann man in recht gemütlichen Sesseln sitzen (es sei denn, man trägt wie ich eine Gipsschiene am Arm), es gibt kostenlos Kaffeespezialitäten aus dem Automaten und Kaltgetränke, selbstverständlich alkoholfrei. Ich trank ein Malzbier, danach begab ich mich zurück in mein Zimmer, das ich weiterhin für mich alleine habe und machte ein Nachmittagsnickerchen, Nichtstun macht auch müde. Vom Zimmer nebenan war leise der Fernseher zu hören oder eine dauerredende Patientin oder Besucherin; wahrnehmbar, aber nicht störend.

Ich freue mich auf zu Hause, meine Lieben, einen Spaziergang und ein Bier. Morgen hoffentlich.

Fensterblick

Aus der Symbolbildhölle (alle aus General-Anzeiger Bonn online):

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Sonntag: Wie erhofft erhielt ich morgens den Entlassungsbrief und konnte mittags ohne Schmerzen und mit einem Schleimbeutel weniger als bei Ankunft am Donnerstag gehen. Das verband ich sogleich mit einem ersten kleinen Spaziergang durch die Stadt nach Hause. Dort wurde die fortgeschrittene körperliche Verwahrlosung beendet, indem der geschiente Arm mit einem Plastikschlauch verhüllt und der Rest gründlich einem assistierten Brausebad unterzogen wurde, das tat gut. Nachmittags unternahmen der Liebste und ich einen Spaziergang an den Rhein, wo aufgrund des wieder sonnigen Wetters viele Menschen flanierten. Das macht nichts, Alleinzeit hatte ich genug in den vergangenen Tagen. Wobei, so allein war ich da nicht, Tag und Nacht kamen welche ins Zimmer, um Blutdruck und Temperatur zu messen, Blut abzunehmen, den Verband zu erneuern, Essen zu bringen, einen neuen Tropf anzuschließen. Was so gemacht werden muss im Krankenhaus, es ist ja kein Hotel.

So komme ich zu dem Punkt, all diesen Menschen im Petrus-Krankenhaus, die mich in den letzten Tagen gut versorgt haben und die dabei stets sehr freundlich waren, danke zu sagen. Viele von ihnen sind keine Deutschen im Sinne von Frau Weidel, und ich möchte mir nicht vorstellen, was es zur Folge hätte, wenn die absurden Phantasien dieser Partei Wirklichkeit würden.

Bis der Arm wieder uneingeschränkt funktioniert, wird es noch einige Zeit dauern. Das heißt, in den nächsten Wochen kein Sport, nicht radfahren, keine Wanderungen, keine Musikproben, nichts schweres heben. Kommende Woche bin ich weiterhin krankgeschrieben. Mit all dem hätte ich nicht gerechnet, als am Montagnachmittag der Ellenbogen zwickte.

Ich bin zuversichtlich, heute Abend auch noch ein Bier zu trinken.

Spaziergangssichtung in der Inneren Nordstadt

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Vielen Dank für Aufmerksamkeit, kommen Sie gut und möglichst unversehrt durch die Woche.

19:00

Blogparade: Mein Vorname

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Bloggissimo hat wieder zu einer Blogparade aufgerufen. Dieses Mal geht es um die Frage, wie zufrieden ich mit dem mir zugewiesenen Vornamen bin. Kurze Antwort: Es hätte schlimmer kommen können.

Langversion:

Wäre es nach meinem älteren Bruder gegangen, hieße ich Rainer. So hieß wohl einer seiner Freunde, und so sollte bitte auch der neue Bruder heißen. Meine Eltern hingegen fanden, nachdem es beim zweiten Mal wieder ein Junge und kein Mädchen geworden ist, Carsten schöner. Nach Einwendungen meines Bruders – ich hatte noch kein Mitspracherecht – einigte man sich schließlich auf Carsten Rainer, so steht es auch in meinem Personalausweis und in einigen amtlichen Dokumenten. Niemand nennt mich so, einfach nur Carsten, wofür ich dankbar bin. Wobei ich überhaupt nichts gegen Rainer habe, ein früherer guter Schulfreund von mir, den ich nach dem Abitur leider aus den Augen verloren habe, hieß so; ein ebenfalls mittlerweile aus meinen Kontakten verschwundener früherer Kollege Reiner. (Sollte einer von beiden das hier wider Erwarten lesen, meldet euch gerne mal.)

So wie es bei Rainer/Reiner zwei Schreibweisen gibt, gibt es sie auch bei Carsten und Karsten. Ich persönlich finde die mit C etwas klangvoller, das ist Geschmacksache. Das erste Mal bewusst wurde mir das im Kindergarten, wo wir aus einer Knetmasse, die später im Backofen gehärtet wurde, Halsumhängedinger mit dem Anfangsbuchstaben bastelten. Als mich die Kindergärtnerin (so wurden Erzieherinnen früher genannt) fragte, ob ich mit C oder K geschrieben werde, war ich ahnungslos, Buchstaben kannte ich noch nicht. Zur Verdeutlichung malte sie mit dem Finger ein C und ein K in die Luft; da mir der Kringel sympathischer war als die eckigen Zuckungen, entschied ich mich für das C. Treffer. Die Frage, ob C oder K, kam später und kommt auch heute noch immer wieder auf. Etwa von den Kollegen meiner früheren Dienststelle. „Du schreibst dich mit C? Dann heißt du ja Zarsten.“ Witz komm raus. Von da an hatte ich den ersten Spitznamen weg, jedenfalls den ersten, von dem ich weiß. Sie liebten es, mich Zaaasten mit besonders langem a zu rufen. Von mir aus.

Noch heute habe ich regelmäßig Teams-Besprechungen, an denen neben mir Kollege Karsten teilnimmt. Immer wieder kommt es dabei mangels Spitznamen zu Unklarheiten, wenn der Name fällt („Welcher jetzt?“). Auf die alberne Idee mit Zarsten ist zum Glück noch keiner gekommen. Ein kleiner Nachteil, wenn sich überall nur noch geduzt wird. Mein Vorschlag, man möge doch Carsten K. und Karsten F. sagen, hat sich bislang nicht durchgesetzt. Eine Kollegin versuchte es mal mit „C-Carsten“ und „K-Karsten“, was jedoch von zweiterem wegen eines gewissen fäkalen Beiklangs abgelehnt wurde.

Eine zeitlang fand ich es übrigens schick, mit „Carsten R. Kubicki“ zu unterschreiben, bis ich selbst merkte, wie albern das ist.

Laut Wikipedia stammt der Name von Christian ab, was wiederum auf Jesus Christus zurückzuführen ist. Um Himmels Willen, auch das noch. Ansonsten haftet ihm wenig Prominenz an, mit den Herren Maschmeyer und Linnemann möchte ich ungern in Verbindung gebracht werden. Dasselbe gilt für Wolfgang Kubicki beim Nachnamen. Erst gestern wurde ich wieder nach etwaiger Verwandtschaft mit ihm gefragt, was ich heftig verneinte. Gäbe es eine, würde ich sie verleugnen.

Carsten ist ein typischer Name meiner Generation X, wie Stefan, Christian, Thomas, Ralf, Thorsten, Markus, Frank, Dirk und Rainer. Wie bereits ganz oben ausgeführt, es hätte schlimmer kommen können: Ein Freund meines Bruders hieß Traugott, in meiner Jahrgangsstufe gab es einen Siegmund und einen Horst. Alles nette Menschen, wegen der Namenswahl ihrer Eltern bedauerte ich sie ein wenig.

Hätte ich selbst einen Sohn, hätte ich ihn wohl Tobias, Florian oder Daniel genannt, auch auf die Gefahr hin, dass andere daraus Tobi, Flo bzw. Dani machen. Für Carsten gibt es hingegen keine gängige Abkürzung, jedenfalls keine mir bekannte. Ein früherer Mitsänger im Chor hatte Freude daran, mich Casi zu nennen, zum Glück eine Ausnahme, auch wenn der stets Kasi genannte Kasimir aus der Puppenserie „Hallo Spencer“ ein lieber Kerl war, vielleicht erinnern Sie sich.

Fazit: Mit meinem Vornamen bin ich im großen und ganzen zufrieden. Rainer wäre indes auch in Ordnung gewesen. Vielleicht hieße ich Kerstin, wenn ich ein Mädchen geworden wäre. Oder Reinhild, hätte sich dann mein Bruder durchgesetzt. Oder Kerstin-Reinhild, warum nicht.

Meine Initialen CK mag ich übrigens sehr.

Woche 10/2026: Es wird einfach zu viel gequatscht

Montag: Kürzlich äußerte ich mich über die wachsende Zahl an Baustellen in Bonn. Eine weitere macht derzeit eine schmale Durchgangsstraße in der Inneren Nordstadt, nicht weit von unserer Wohnung entfernt, vorübergehend zur Sackgasse, wie ich abends beim Gang zum Rewe sah. An der Einmündung ist sie ordnungsgemäß per Verkehrszeichen als solche gekennzeichnet, was zahlreiche Autofahrer nicht davon abhält, trotzdem reinzufahren, vielleicht ist es ja ein Scherz, vielleicht kommt man trotzdem durch, schließlich fährt man hier täglich durch, das wäre ja gelacht. Nicht gelacht, nur ein wenig gegrinst habe ich, als sie langsam rückwärts wieder rausrollten.

Ansonsten bleibt es spannend, nicht nur angesichts der Weltlage und der jüngsten Ereignisse im Nahen Osten. Gelesen in einem ansonsten lesenswerten Blogartikel über das Schwinden der Langeweile: „Psychologisch betrachtet, ist Langeweile ein extrem spannender Zustand.“ So weit ist es gekommen, nun ist sogar Langeweile spannend.

Apropos Weltlage, ein Gruß aus der Symbolbilder-Hölle:

(General-Anzeiger Bonn online)

Beim Blick aus dem Bürofenster über die sonnenbeschienene Stadt kam mir der alte Hit „Sun Of Jamaica“ in den Sinn und er blieb als Ohrwurm für längere Zeit. Sollte es Ihnen beim Lesen dieser Zeilen nun ähnlich ergehen, bitte ich um Entschuldigung.

Im Übrigen war der Beginn dieser aufgrund Leifsteil-Teilzeit kleinen Woche insgesamt angenehm, auch wenn der Arbeitstag erst nach siebzehn Uhr und damit für mein persönliches Empfinden viel zu spät endete. Das Gleitzeitkonto freut sich. Obschon ich dadurch später als gewöhnlich zu Hause war, suchte ich nicht sogleich das Sofa, sondern zuvor das Sportstudio auf. Ab und zu staune ich über mich selbst.

Dienstag: In größerer Runde stellten sich drei neue Kollegen vor, dabei nannten sie jeweils als erstes bereitwillig und ungefragt Familienstand und Anzahl der Kinder. Wie immer fragte ich mich: Warum tun die das?

„Alles gut“ hörte ich im Laufe des Tages in auffälliger Häufung von unterschiedlichen Personen, diese auch in Frageform erhältliche Floskel, gleichsam die moderne Variante von „Wie geht’s?“, von mir zumeist und situationsunabhängig mit „Hervorragend“ oder „Ausgezeichnet“ beantwortet, was regelmäßig zu Verwunderung oder Erheiterung führt. Nun ist nicht alles schlecht, aus meiner persönlichen Perspektive jedenfalls überwiegt das Gute bei weitem, dennoch erscheint mir „Alles gut“ mindestens so übertrieben wie „Ausgezeichnet“ und „Hervorragend“ am Montagmorgen.

Ohne Zweifel gut war der Fußweg in die Wertschöpfung und zurück, morgens noch etwas handkühl, nachmittags durch frühlingshafte Milde, die ich wegen eines anschließenden Termins nicht für ein Feierabendgetränk nutzte.

Mittwoch: Nach dem Mittagessen war ich zur Untätigkeit gezwungen, was für einen insichbeurlaubten Beamten besonders bitter ist. Das kam so: Vor ein paar Tagen wurde ein Windows-Update angekündigt, dessen Installation eine halbe bis eineinhalb Stunden dauern würde, währenddessen wäre der Rechner nicht nutzbar. Nachdem heute angezeigt wurde, dass das Update zur Installation bereitsteht, wählte ich die Mittagspause dafür, zumal ich vor dem Essen mit der Kollegin auf einen Spaziergang im Park verabredet war (selbstverständlich buchte ich mich dafür aus dem Zeiterfassungssystem aus), der Rechner sollte also genug Zeit für die Installation haben. Indes: Als ich nach knapp einer Stunde ins Büro zurückkehrte, zeigte der ansonsten schwarze Bildschirm nur den HP-Sicherheitswolf an, eine Aktivität war nicht erkennbar. Na gut, die maximal eineinhalb Stunden waren noch nicht rum. Als sich eine Stunde später immer noch nichts tat, rief ich den Helpdesk an, wo man mein Anliegen freundlich zur Kenntnis nahm und ein Ticket anlegte. Danach passierte weiterhin nichts. Dank dienstlichem iPhone konnte ich immerhin den Maileingang sichten und über Teams ein Gespräch führen, somit war ich nicht ganz untätig, vielmehr wie stets bemüht. Nach einer weiteren Stunde Schwarzsehens erlaubte ich mir entgegen der Anweisung, den Rechner aus- und wieder einzuschalten. Kurz darauf erschien wieder der Sicherheitswolf, darunter drehte sich nun das Rödelrädchen, das war vorher nicht da und ließ hoffen. Siehe da, nach weiteren zehn Minuten des Rödelns und Hoffens tat sich endlich was, schließlich erschien der Startbildschirm und ich konnte mich wieder anmelden. Da es inzwischen fast halb vier war, verzichtete ich auf die übliche Sichtung des Pressespiegels, arbeitete noch ein paar Sachen ab und verschob den Rest der offenen Aufgaben auf Freitag – morgen habe ich frei – und Montag. An mir hat es nicht gelegen.

Sicherheitswolf im Schneegestöber

Donnerstag: Am freien Tag frönte ich der Wanderlust. Nach dem Frühstück im Bäckereicafé am Hauptbahnhof fuhr ich mit der Bahn bis Bonn-Duisdorf. Ab da ging es durch das Vorgebirge* über die Orte Gielsdorf, Alfter, Brenig, Dersdorf, Waldorf bis Kardorf (nicht zu verwechseln mit Karstadt, hi hi), dort bog ich rechts ab, runter in die Rheinebene, durch das Eichenkamp-Wäldchen bis nach Uedorf, von dort mit der Stadtbahn zurück nach Bonn.

*Das klingt spektakulärer als es ist. So heißt die mäßig hohe Erhebung westlich des Rheins zwischen Bonn und Köln. Mehr dazu bei Bedarf hier.

Die erste Hälfte führt überwiegend durch rheinische Dörfer, es gibt es auch Abschnitte durch Wald und Feld. Das Wetter war bestens, schon nach einer halben Stunde wurde es so warm, dass die Daunenjacke im Rucksack verstaut wurde. Die Landschaft auf der zweiten Hälfte zwischen Vorgebirge und Rhein ist zunächst eintönig: Nachdem man ein tristes Gewerbegebiet mit viel Schotterfläche unterhalb von Kardorf hinter sich gelassen und die Vorgebirgsbahn (Stadtbahnlinie 18) überquert hat, flaniert man auf asphaltierten Wegen durch weite, ebene Felder ohne Baum und Strauch, dafür mit Hochspannungsmasten, ehe es ab der Rheinmittelterrassenkante (ein schönes Wort mit hohem Scrabblepunktepotential) wieder abwechslungsreicher wird. Zur Querung der Bahnstrecke Köln – Bonn muss man eine Anrufschranke passieren. Die ist grundsätzlich geschlossen, nur auf Anforderung per Knopfdruck an einer Gegensprechanlage wird sie geöffnet, falls nicht gerade ein Zug kommt. Wenn doch, sagt die freundliche Dame „Moment, eine Zugfahrt“, so wie bei mir heute, und öffnet anschließend. Ob am anderen Ende eine echte Eisenbahnerin sprach oder ein Bot (bzw. eine – wie heißt das – Botin?), war nicht klar zu erkennen. Egal, Hauptsache, man kommt über die Gleise und nicht unter die Räder.

Kurz vor dem Eichenkamp wich ich von der vorgegeben Route ab, weil die Karte eine schönere Strecke entlang des Bornheimer Baches in Aussicht stellte. Dazu überquerte ich die stark befahrene Landstraße 192 an einer nicht für Überquerungen vorgesehenen Stelle, es ging gut und hat sich gelohnt. Am Bach sah ich erstmals einen Eisvogel, jedenfalls glaube ich, dass es einer war, so ein blauglänzender. Im übrigen sah ich heute den ersten Schmetterling des Jahres, ob Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs war im Flattern nicht klar zu erkennen, und die erste Hummel.

Den Eichenkamp-Wald müssen erst kürzlich schwere Maschinen der Forstwirtschaft heimgesucht haben, einige Wege waren aufgewühlt, zum Glück wegen der Trockenheit der vergangenen Tage nicht mehr matschig. Ansonsten ist das Wäldchen erfüllt vom Dauerrauschen der Autobahn 555 in unmittelbarer Nähe.

Fazit: Eine schöne Wanderung, auch wenn die Freunde lauschiger Pfade durch wilde Wälder und Landschaften vielleicht etwas zu kurz kommen. Warum Komoot sie als „schwer“ klassifiziert, ist nicht nachvollziehbar. Mit gut zweiundzwanzig Kilometern ist sie nicht besonders lang, nennenswerte Steigungen und Wege mit Rutsch- und Stolpergefahr weist sie auch nicht auf, in fünf Stunden einschließlich Mittagsrast ist sie gut zu schaffen.

Blick von Gielsdorf auf die Rheinebene
Zwischen Gielsdorf und Alfter
Alfter
Ebenfalls
Brenig
Links die Rheinmittelterrassenkante
Anrufschranke
Unendliche Weiten und Hochspannung
Bornheimer Bach
Im Eichenkamp
Ebendorten

Freitag: Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Mails sich während eines freien Tages ansammeln können. Dadurch war ich heute gut beschäftigt mit Dingen, deren Inhalt und Notwendigkeit Außenstehenden, zum Beispiel Ihnen, nur schwer zu erklären wären, was nicht, dessen können Sie versichert sein, an Ihrer Intelligenz liegt. Das wichtigste: Es hängen keine Menschenleben davon ab.

Der Vormittag war wieder eine lückenlose Aneinanderreihung von Besprechungen. Es wird einfach zu viel gequatscht, diese Erkenntnis ist nicht neu und nicht als Klage zu verstehen; wie bereits mehrfach ausgeführt, werde ich dafür gut bezahlt. Auf zwischendurch per Teams-Chat eingehende Anfragen, ob ich kurz Zeit hätte, reagierte ich mit einem vor mich hin gemurmelten „Nein“, mein Redebedarf für den Tag war gedeckt, jedenfalls in Büroangelegenheiten. Zum Schluss war nicht alles abgearbeitet, auf dass kommende Woche auch noch was zu tun ist.

Samstag: Schon um sieben stand ich auf, da eine Reise nach Bielefeld anstand zum Besuch der Mutter. Auch wenn vorzeitiges Aufstehen wider meine Natur ist, gerade am Wochenende, so mag ich doch die ruhige Stimmung am Samstagmorgen in der Stadt, wenn noch wenige auf den Straßen sind. Nach pünktlicher Abfahrt in Bonn schaffte es die Bahn auch heute wieder, bis Bielefeld eine halbstündige Verspätung aufzubauen; vor nahezu jedem Halt blieben wir stehen und es kam die Ansage, unser Gleis sei noch belegt. Die Weiterfahrt verzögerte sich des öfteren, weil vor uns die Strecke noch nicht frei war. Als ob die ganze Zeit ein lästiger Bahntroll mit einer Handhebeldraisine vor uns her bummelte. Insgesamt dauerte es von Tür zu Tür fast fünfeinhalb Stunden, mit dem Auto hätte es, freie Autobahn vorausgesetzt, weniger als die Hälfte gedauert. Doch meine tiefe Abneigung gegen das Autofahren war stärker. (Diese Zeilen wurden während der Rückfahrt notiert, was als Wagenlenker nur schwierig zu bewerkstelligen wäre, wobei ich nicht ausschließe, dass viele Autofahrer diesbezüglich nur geringe Hemmungen haben, wenn man sieht, wie viele während der Fahrt auf ihr Datengerät schauen.)

Hier standen wir etwas länger wegen Überholung durch einen ICE

Die Rückfahrt verlief dagegen absolut pünktlich, es geht also doch manchmal. In Dortmund stieg jemand zu und setzte sich neben mich. Als er sein Notizbuch hervorholte und längere Zeit etwas hineinschrieb, anstatt aufs Datengerät zu schauen oder gar zu telefonieren, wurde er mir sogleich sympathisch. Aus Sympathiegründen holte ich ebenfalls mein Notizbuch aus der Tasche und notierte diese Beobachtung darin.

Sichtung während der Fahrt: Die Forsythien beginnen zu blühen. Jedes Jahr freue ich mich darüber, als ob etwas in mir fürchtete, sie könnten irgendwann die Blüte dauerhaft einstellen.

Sonntag: Die warme Frühlingssonne lockte zahlreiche Menschen zu Fuß und Rad nach draußen, auf den dicht bevölkerten Rheinuferwegen sah man viele Sonnenbrillen und über dem Arm getragene Jacken – ich hatte gar nicht erst eine angezogen -, vermehrt auch kurze Hosen. Auch ich unternahm den tagesüblichen, wetterunabhängigen Spaziergang, heute auf die andere Rheinseite, wo in den Auen vor Schwarzrheindorf die Mirabellen in voller Blüte stehen. Besonders erfreulich: Der Lieblingsbiergarten hat schon geöffnet. Daran konnte ich nicht vorbeigehen. Nach Rückkehr schien die Sonne auf unseren Balkon, so dass ich die Sonntagszeitung erstmals in diesem Jahr draußen lesen konnte. Bis sie hinter den Häusern verschwand und es sogleich kühler wurde.

Mirabellenblüte
Utepils

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

(18:30)