Woche 8/2026: So langsam muss mal ein Schlussstrich unter den Winter gezogen werden

Montag: Anlässlich des Rosenmontags wurde der freie Tag dieser kleinen Woche auf heute vorverlegt. Die aktive Karnevalssaison endete für mich mit der Teilnahme unseres Musik-Corps am Zug in Wachtberg-Niederbachem. Der erwartete Regen begann pünktlich mit Start des Umzugs, er fiel zum Glück nur kurzzeitig, anschließend ließ sich sogar die Sonne blicken. Dank Regenschutzhülle konnte er die Stimmung nicht wesentlich senken. Störender war unsere Platzierung direkt hinter einem Wagen, der die Umgebung aus großen Lautsprecherboxen mit Karnevalsmusik der nach meinem persönlichen, unmaßgeblichen Empfinden eher üblen Sorte beschallte. Das erschwerte uns das Spielen, auch dürfte für die Zuschauer am Straßenrand die Mischung aus Wackelkontakt und Ruetz-Marsch wenig erbaulich gewesen sein. Nach gut zwei Stunden war auch das überstanden. Das war es dann, in neun Monaten geht es wieder los. Ob schon oder erst, mag jeder für sich bewerten.

Der verpackte Chronist (Mitte) in voller Konzentration (Foto: Sandra Schmitz)

Abends vor dem Schlafen beendete ich die Lektüre von „Man kann auch in die Höhe fallen“ von Joachim Meyerhoff. Schade, ich hätte es gerne noch mehrere hundert Seiten weiter gelesen. Ein wunderbares Buch, auch wenn die teflonbeschichtete Robustheit der Mutter auf Dauer etwas anstrengend wird.

Bei Blogissimo las ich zum Thema Duzen und Siezen: „Blogger duzen sich natürlich auch untereinander.“ Nein, natürlich nicht. Ich werde Sie hier selbstverständlich weiterhin siezen, ungeachtet dessen, ob Sie bloggen oder nicht.

Dienstag: Morgens kurvten Kehrmaschinen lärmend durch die Fußgängerzone und fegten den Rosenmontag auf. Wie stets fragte ich mich, warum die Dinger so laut sein müssen.

Über dem ersten Arbeitstag der Woche lag Montagsmüdigkeit, was weniger auf ethanolische Nachwirkungen der Karnevalstage zurückzuführen war, vielmehr trübte eine aufkommende Erkältung das Wohlempfinden und den Arbeitseifer. Dennoch wies die Aufgabenliste zum Arbeitsende erstaunlich viele Erledigungshaken auf, wobei ich eine Aufgabe nach einer anstrengenden, das Thema betreffende Besprechung, in der alle durcheinander redeten und vieles mehrfach gesagt wurde, abhakte, indem ich mich für nicht mehr zuständig erklärte. Fühlt sich gut an, sollte ich öfter tun.

Weg ins Werk
Heimweg

Abends, zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Tagesnotiz, fühle ich mich bematscht im Kopf und erwäge, mich morgen krank zu melden.

Mittwoch: Etwa ein Drittel der Frühnachrichten im Radio bestand aus Sport, erst Olympia, dann Fußball. Das zeigt mir ein weiteres Mal, wie sehr sich meine Welt von der der Mehrheit der Menschen unterscheidet, die das offenbar interessant und wichtig findet. Witzig fand ich die Meldung zum Aschermittwoch, an dem sich die Katholen ein Aschekreuz auf die Stirn malen lassen: Einige Kirchen boten es auch als Aschekreuz to go an, ohne vorher einen Gottesdienst über sich ergehen lassen zu müssen.

Trotz Erkältung schlief ich ganz gut. Einen Anteil daran hatte vielleicht der Schnaps, den mir der Geliebte vor dem Schlafengehen gereicht hatte („Trink den, Wick Medinait ist auch mit Alkohol, das ist nichts anderes.“) Beim Aufwachen war die Nase zu, auf den Ohren lag ein Sausen, daher beschloss ich, heute im Bett zu bleiben. Nachdem die Lieben aus dem Haus waren, schlief ich wieder ein und wachte erst gegen Mittag wieder auf.

Draußen schien freundlich die Sonne und ich beschloss, das Bett zu verlassen und nach Körperpflege und immerhin mit Appetit verzehrtem Mittagsfrühstück die weitere Genesung auf das Sofa zu verlagern, wo ich Musik hörte und diese Zeilen notierte. Mit zunehmender Müdigkeit zog ich mich wieder zurück ins Bett, wo ich den Nachmittag in angenehmer Weise verschlief.

Donnerstag: Da ich mich morgens nicht wesentlich besser fühlte, beschloss ich, auch heute der Werktätigkeit zu entsagen, dem Bundeskanzler zum Unwohlgefallen. Außerdem regnete es, für sich genommen selbstverständlich kein hinreichender Grund, der Arbeit fern zu bleiben.

Die meiste Zeit verbrachte ich schlafend im Bett, unterbrochen vom Mittagsfrühstück, außerdem bereinigte ich in wacher Stunde mein Kontaktverzeichnis. Auf die Löschung mancher Kontakte, deren dahinter stehenden Personen längst nicht mehr im Lichte wandeln, verzichtete ich; so richtig ist ein Mensch erst dann gestorben, wenn sein Kontakt aus allen Adressbüchern gelöscht wurde.

Mit Rückkehr des Geliebten am späten Nachmittag kehrte eine gewisse Geschäftigkeit ein und ich verlagerte, genug geschlafen habend, mein Dasein wieder vom Bett aufs Sofa. So kam ich doch noch zu einem freien Donnerstag, wenn auch ohne Auswärtsfrühstück, Wandern, Currywurst und Bier.

Morgen versuche ich es wieder mit Büro, so der Plan. Heimbüro scheidet aus, weil sich der Rechner am Arbeitsplatz befindet, zudem empfinde ich ohnehin eine tiefe Abneigung dagegen.

Freitag: Nach gut durchschlafener Nacht ohne läufige Nase fühlte ich mich morgens soweit genesen, dass ich einen Arbeitsversuch wagen konnte. Im Gegensatz zur Nase lief der Arbeitstag gut, die Müdigkeit war geringer als an einem durchschnittlichen Montag; kein Wunder bei der Schlafmenge der letzten Tage.

Im Laufe des Berufslebens lernt man viele spezifische Fachbegriffe, die es nur in der jeweiligen Firma gibt und die bei Außenstehenden auf Unverständnis stoßen oder gar Belustigung hervorrufen. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn ich das heute gehörte Produktionsprodukt dazu zähle.

Aus einer internen Mitteilung über offene Stellen im Unternehmen: „Jetzt reinschauen – vielleicht wartet eine nächste spannende Herausforderung auf Dich!“ Danke, ich möchte für den Rest meiner Jahre einfach nur in Ruhe meine Arbeit machen. Und vor allem nicht von euch geduzt werden.

Was schön war: Der außerplanmäßige Fußmarsch zurück bei aufmildender Temperatur, nachdem ich morgens zur Schonung des genesen(d)en Körpers mit der Bahn statt dem Fahrrad ans Werk gefahren war.

Dialog des Abends: „Würdest du dir selbst trauen?“ – „Natürlich.“ – „Ich meine, wenn du ich wärst.“ – „Hm, da wäre ich vorsichtig.“ Wir mögen uns trotzdem immer noch sehr, meistens jedenfalls.

Samstag: Mittags war ich mit einer Gruppe verabredet, um gemeinsam das Haus der Geschichte zu besuchen, das seit geraumer Zeit nach Renovierung und mit aktualisierter Präsentation der Sammlung wieder geöffnet hat. Ohne dieses Gruppentreffen wäre ich wohl nicht so bald dorthin gekommen, als Bonner wohnt man einfach zu nah dran, Sie kennen das vielleicht, wenn Sie selbst in der Nähe einer Sehenswürdigkeit wohnen.

Vorher frühstückte ich im Bäckereigeschäft am Hauptbahnhof. Dort arbeitet ein stets auffallend freundlicher, gut gelaunter Verkäufer. Die Warteschlange kann noch so lang, die Kunden können noch so knurrig sein, er hat stets für jeden ein freundliches Wort; Stress scheint ihm fremd zu sein, er vermittelt den Eindruck, echte Freude an seiner Arbeit zu haben. Das erinnert mich an meinen früheren Kollegen Günther W., der am Schalter des Postamts in Bielefeld-Stieghorst arbeitete. Während Schalterbeamte der Post nicht gerade als die Verkörperung von Freundlichkeit galten, schon gar nicht die im Hauptpostamt am Bahnhof, zu deren Repertoire es gehörte, Postbenutzer (das Wort Kunden schien ihnen suspekt zu sein) zum Nebenschalter zu schicken, ohne einmal aus ihrer Zeitung aufzuschauen, war W. im ganzen Stadtteil wegen seiner fröhlichen Art bekannt und beliebt. Eine zeitlang saßen wir Schalter an Schalter, nach einem Tag kannte ich seine Sprüche. Jedenfalls verlor die Post mit seiner Pensionierung einen echten Sympathieträger, der einiges zur Verbesserung ihres Ansehen beigetragen hatte. An ihn musste ich heute beim Frühstück denken. Liebe Firma Merzenich, ich empfehle Ihnen, dem Mitarbeiter eine Prämie zu zahlen.

Ihnen empfehle ich die Ausstellung im Haus der Geschichte, sie ist unbedingt sehenswert. Sie bildet die deutsche Geschichte ab von der Kapitulation 1945 bis heute mit zeitgenössischen Dokumenten, unter anderem dem Schmierzettel von Günter Schabowski, als er 1989 versehentlich die sofortige Grenzöffnung der DDR auslöste, Filmen, Gegenständen und vielem mehr. Apropos Schabowski: Auch nach nunmehr sechsunddreißig Jahren erzeugen mir die Bilder der jubelnden Menschen, die ihr Glück kaum fassen können, als sie erstmals die Berliner Mauer passieren dürfen, feuchte Augen. Leider währte diese Freude für viele von ihnen nicht sehr lange, auch das wird ausführlich thematisiert, Stichwort Treuhand. Die Ausstellung endet mit Digitalisierung, Covid-19-Pandemie, Ukrainekrieg und der Ahrtalflut. Die Zeit verging sehr schnell, es ist kaum möglich, an einem Nachmittag alles zu sehen. Wenn Sie mal in Bonn sind oder gar hier wohnen, nehmen Sie sich die Zeit, es lohnt sich sehr.

Wussten Sie, dass die FDP 1949 per Wahlplakat forderte, jetzt müsse mal endlich ein Schlussstrich gezogen werden, wie heute ein gewisser Bernd Höcke?

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Nun ist wieder Fastenzeit. Bislang von mir weitgehend ignoriert, habe auch ich mir dieses Mal etwas vorgenommen: Das Wort „aber“ zu meiden. Weil es oft echt nervt, zuletzt fiel mir das wieder auf während der am Dienstag erwähnten Besprechung.

Sonntag: Nach dem Frühstück entfernten wir die Lichterketten auf dem Balkon, auch wenn der Geliebte meint, das lohnt sich nicht, weil wir sie ohnehin bald wieder anbringen werden, womit er nicht ganz unrecht hat; ähnliche Gedanken äußerte ich erst kürzlich, soweit ich mich erinnere.

Anschließend unternahm ich bei nahezu frühlingsmilder Temperatur, von Vogelgesang begleitet, einen Spaziergang bis nach Graurheindorf und am Rhein entlang zurück. Die Begrünung der Bäume lässt noch auf sich warten, so langsam muss mal ein Schlussstrich unter den Winter gezogen werden, finde ich. Immerhin setzte der Regen aus, erst während des letzten Viertels der Runde fielen ein paar Tropfen, die mit dem Schirm problemlos abzuwehren waren.

Hihi …
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Hochwasser

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut und möglichst gesund durch die Woche.

19:00

Woche 7/2026: Pillepalle, Trallala, Blabla, Alaaf

Montag: Als morgens um kurz vor sechs der Wecker zum ersten Mal piepte, war mein erster Gedanke: Das wird heute nix. Nicht, dass ich größeres Ungemach für den Tag erwartete, doch spürte ich eine umfangreiche intrinsische Unlust, sah mich schon montagsmüde im Büro sitzen, wo mich die Aufgaben von der Liste vorwurfsvoll anschauten, ohne das erforderliche Interesse in mir zu wecken, sie anzugehen.

So schlimm war es dann aber nicht. Aus dem Bett kam ich ganz gut, obwohl ich wegen geänderter Abläufe aufgrund eines Gerichtstermins, zu dem der Liebste als Zeuge geladen war, eine halbe Stunde früher raus musste. Die Radfahrt durch kühle Luft versorgte mich mit Frische, die erwartete Müdigkeit blieb bis zum Nachmittag weitgehend aus und es gelang, Anstehendes zu bearbeiten, mehr kann man nicht erwarten.

Das Mittagessen fand in größerer Runde statt, was ich zumeist meide, weil ab vier Personen regelmäßig mehrere gleichzeitige Gespräche entstehen, gerne auch über Kreuz, was mich zunehmend anstrengt. (Schrieb ich das schon mal? Jetzt, da es hier steht, kommt es mir bekannt vor. Egal.) Heute ging es aber. Auch war ich dieses Mal nicht wie sonst der letzte, der aufgegessen hatte. Es gab übrigens Bockwurst mit Kartoffelsalat, woanders gibt es das traditionell am Heiligabend. Ich mag diese „einfachen“ Gerichte, es sollte sie öfter geben, auch wenn die Kartoffeln etwas sehr al dente waren.

„Das ist kein No-Brainer“ hörte ich in einer Besprechung und musste die Bedeutung nachschlagen. Laut Duden eine „einfache Angelegenheit, über die nicht lange nachgedacht werden muss; Problem, das sich ohne große gedankliche Mühe lösen lässt“. Also ein pseudomodernes Wort für Pillepalle.

Dienstag: Die Resonanz auf den letzten Wochenrückblick hier im Blog ist auffallend gering. Das ist nicht schlimm und vermutlich völlig gerechtfertigt.

Das Regenband, das morgens über die Stadt zog, fand nur in der Wetter-App statt bis auf wenige Tropfen, für die es sich kaum lohnte, den Schirm aufzuspannen, der sich mal wieder als Regenverhinderungsschirm bewährte.

Weg ins Werk zur blauen Stunde

Zum Mittagessen (heute Lasagne von völlig matschiger Konsistenz, die formlos auf dem Teller auseinanderfloss und optisch an bereits Gegessenes erinnerte, immerhin geschmacklich zufriedenstellend) traf ich mich spontan mit der Kollegin. Da wir beide nicht mehr die Jüngsten sind, sprachen wir unter anderem über altersbedingte Hörschwäche. Keine Stunde später bekam ich per Mail Werbung für Hörgeräte auf mein Telefon, das während der Unterhaltung im Büro gelegen hatte. Manchmal ist es etwas unheimlich.

Auf dem Rückweg nahm ich am Rheinufer eine weitere, von rot-weißen Sperrbaken (oder wie die Dinger heißen, siehe unten) umrahmte Kleinbaustelle wahr. Ich weiß nicht, ob sie wirklich neu ist oder ob ich sie einfach bislang nicht wahrgenommen hatte, jedenfalls habe ich den Eindruck, die Baustellen, große wie kleine, werden ständig mehr, nie wird eine fertig. Auch das wird langsam etwas unheimlich, wobei es mir fernliegt, daraus eine Verschwörung oder ähnlich finstere Pläne abzuleiten.

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Bei Rückkehr lag eine Postkarte von M. aus Duisburg im Briefkasten, über die ich mich wie immer freute; nicht nur über die Karte an sich, sondern auch, dass sie mit einer Schreibmaschine erstellt war, so etwas bekommt man kaum noch zu sehen. Erst in der vergangenen Woche hatte ich den letzten Brief an M. eingeworfen, bereits heute traf die Antwort ein. Damit er nicht wieder wochenlang warten muss, antwortete ich direkt mit einer Postkarte, die morgen auf die Reise geht. Besser ist das, wer weiß, wann ich nach den Tollen Tagen sonst dazu gekommen wäre. (Lieber M., lass uns danach die Frequenz gerne wieder etwas verringern, wir wollen uns ja keinen Stress machen. Augenzwinkersmeili.)

Mittwoch: Heute war der letzte Arbeitstag dieser Woche, morgen ist Weiberfastnacht (nicht Altweiberfastnacht oder -fasching, wie es unter anderem im Apple-Kalender steht), dann begleitet unsere Gesellschaft das Godesberger Prinzenpaar auf mehrere Sitzungen, da ist dann keine Zeit für profanen Bürokram. Leider kann ich dadurch nicht zur werksinternen Karnevalsparty gehen, die üblicherweise ziemlich rauschend wird, aber man kann nicht überall sein. Freitag stehen zwar bislang keine karnevalistischen Pflichten an, dennoch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dann ein arbeitsfreier Tag sehr gelegen kommt.

Dem Anlass entsprechend hat der Geliebte die Küchenlampen mit Luftschlangen dekoriert, wie ich morgens sofort sah. Das erwähne ich extra, weil es mir schon mehrfach gelang, heimische Schönsteh-Gegenstände (rheinisch: Stehrömsche) nicht oder erst mit Verspätung wahrzunehmen, etwa frische Blumen auf der Küchentheke. Einmal bemerkte ich einen Weihnachtsbaum erst nach gut einer Woche. Es war kein besonders großer, eher ein Bäumchen, aber mit Schmuck und Lichtern auch bei Sehschwäche nicht zu übersehen. Da war vielleicht was los, als ich sagte: „Oh, wir haben einen Weihnachtsbaum.“

Für abends hatte die Bonner Ehrengarde in ihrem Zeughaus zum Reevkocheesse (für Außerrheinische: Reibekuchen-/Kartoffelpufferessen) eingeladen. Damit die Bratlinge nicht trocken verputzt werden mussten, gab es Musik und Getränk dazu.

Donnerstag: Da wir die Veranstaltung nicht allzu spät wieder verlassen hatten, wirkte sie am Morgen nicht nach. Abgesehen von diesem Karnevalsmaus-Lied, das sich als hartnäckiger Ohrwurm festsetzte.

Der Bus mit dem Prinzenpaar, der unsere Truppe aufsammeln und zu den Auftritten des Tages fahren sollte, traf mit einer Dreiviertelstunde Verspätung am Treffpunkt ein, das weitere Programm des Tages verzögerte sich entsprechend. Dadurch entfielen die sonst üblichen Wartezeiten vor den Auftritten, stattdessen ging es raus aus dem Bus, rauf auf die Bühne, Trallala, Blabla, Alaaf, runter von der Bühne, in den Bus, weiter. Der vorletzte Auftritt in Muffendorf wies gewisse Längen auf, weil die Godesia verstärkten Redebedarf hatte; Füße und Trommel wurden zunehmend schwerer. Beim letzten Auftritt, der unter beengten Verhältnissen im Zeughaus einer Nord-Godesberger Gesellschaft stattfand, versuchte ein Spinner, mir im Spiel die Trommelstöcke abzunehmen, lass mich mal, ich kann das auch. Nicht mit mir, niemand greift mir beim Spielen in die Trommelstöcke, auch dann nicht, wenn derjenige sich der Godesberger Karnevalsprominenz zugehörig fühlt. Das wäre ja noch schöner.

Effekt der verspätungsbedingt engen Taktung: Ich kam tagsüber kaum dazu, was zu trinken. Das holten wir beim anschließenden Ausklang in unserem Zeughaus gründlich nach. Als wir danach wieder zu Hause waren, fühlte ich mich übermenscht und ich war froh, als die Uniform wieder auf dem Bügel hing. Das Lied von der Karnevalsmaus hörte ich während des ganzen Tages nur zweimal, das fand ich erstaunlich, aber nicht schlimm.

Aus der Zeitung: „Was man zum neuen Quantencomputer in Garching wissen muss“ ist ein Artikel überschrieben. Ohne den Artikel gelesen zu haben bin ich mir sehr sicher, ich muss darüber gar nichts wissen.

Laut einem anderen Artikel wurde in den USA eine smarte Unterhose entwickelt, mit der sich die Furzfrequenz (das Wort steht so in der Zeitung) messen lässt. Damit soll erforscht werden, wie häufig den Menschen Darmwinde entfahren. Ob dabei auch Erkenntnisse über das jeweilige Aroma gewonnen werden, geht aus dem Artikel nicht hervor. Ziel ist es, die Ergebnisse in einem Pupsatlas darzustellen, wer auch immer den braucht. Ohne allzu sehr familiäre Interna preiszugeben, könnte der einen tiefroten Punkt am Rande der Inneren Nordstadt von Bonn enthalten.

Freitag: Apropos Luftverschmutzung: Der amerikanische Präsident erklärt Treibhausgase für ungefährlich. Wenn er demnächst, als logische Konsequenz, per Dekret den Klimawandel beendet, hat die Menschheit ein Problem weniger. Manches kann man nur noch mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen.

Vielleicht lag es am Freitag, dem dreizehnten, vielleicht ist es auch die natürliche Tektonik einer Beziehung. Aus hier nicht näher darzulegenden Gründen wünschte ich mir heute wieder ein Teinihaus nur für mich. Da das kurzfristig nicht zur Verfügung stand, unternahm ich zum Zwecke der Alleinzeit eine spontane Kleinwanderung über den Venusberg. Da es zu regnen begann und die Wege teils matschig waren, beendete ich die Tour in Dottendorf und fuhr mit der Straßenbahn zurück. Hinter mir in der Bahn telefonierte ein Mädchen. Was sie sagte war ohne Belang, es ging wohl um den gestrigen Abend. Nur wie sie sprach, wie sie die letzte Silbe jedes Satzes lang zog, so wie es junge Frauen häufig tun, ging mir etwas auf den Geist.

Abends half ich, Kamelle auf einen Wagen für den Zoch am Sonntag zu laden, was einige Stunden dauerte: Waren auseinander sortieren, Kartons auf den Wagen wuchten, die Süßigkeiten in Säcke packen, Kartons zerkleinern und entsorgen. Welch ein Aufwand, nur um das Zeug am Sonntag wieder herunter zu werfen.

Samstag: Der Tag begann mit einem ausführlichen Frühstück in einem Restaurant in der Innenstadt. Zur Feier des Tages mit Prosecco, auch wenn es nichts konkretes zu feiern gab außer einem freien Samstag ohne Termine und Pflichten.

Danach unternahm ich einen Spaziergang an den Rhein, dessen Pegel gegenüber den letzten Wochen deutlich gestiegen ist. Größere Gegenstände trieben darin gen Köln, ein Ast oder Baumstamm, und etwas, das wie ein Fass aussah. Währenddessen fielen einzelne Schneeflocken, zu wenige, um eine Schneedecke zu bilden, vielleicht war es dafür auch nicht kalt genug. Wobei es sich bei Windgebläse aus Richtung Norden deutlich kühler anfühlte als in den letzten Tagen. In der Nordstadt treiben erste grüne Blättchen an Sträuchern, während eine Straße weiter noch ein Weihnachtsmann mit Strickleiter an einer Fassade hängt. Vielleicht wurde er vergessen, vielleicht lassen sie ihn bewusst hängen, warum auch nicht: ein paarmal schlafen, schon werden bald wieder die Weihnachtsmarkthütten in der Innenstadt aufgebaut, das Lichterkettenwettrüsten beginnt und die Menschen überlegen, was sie verschenken sollen.

Gelesen beim Kiezschreiber und für gut befunden:

Gott würfelt nicht, hat Einstein einmal gesagt. Das stimmt nicht. Auch die Götter lieben das Glücksspiel als kurzweiligen Zeitvertreib. Aber sie spielen nicht um Münzgeld oder Jetons, sie spielen um ihre Schöpfungen, um ganze Planeten. Vor über tausend Jahren hat Gott die Erde im Spiel verloren. Seither herrscht ein fremder Gott über uns und er findet seinen Gefallen an grausamen Prüfungen. Erst hat er uns geblendet, als er uns zu Beginn des Mittelalters das gesamte Wissen des Altertums genommen hat. Er schickte uns Seuchen und Kriege, später gab er uns sinnlose Erfindungen, die uns von der Natur entfernten und entfremdeten. Heute sind die klügsten Köpfe unter uns ohne Hoffnung, der Rest vegetiert mit sinnlosem Zeitvertreib seinem Ende entgegen. 

Sonntag: Aus zeitlichen Gründen muss dieser Eintrag bereits am Samstag geschrieben werden, daher in Futur zwei.

Morgens werden wir in Uniform und warmer Unterwäsche nach Bad Godesberg gefahren sein, um gegen Mittag beim Godesberger Zoch mitzulaufen/-fahren, bei Kälte und mit etwas Glück immerhin trockenem Wetter, vielleicht sogar Sonnenschein, jedenfalls stellt die Wetter-App den in Aussicht. Nach etwa vier Stunden wird unser Corps durchgefroren wieder an der Stadthalle eingetroffen sein, um sich und die überstandene Frostung zu feiern. Alles Weitere wird kommende Woche nachgereicht, falls der Chronist nicht erfroren sein wird.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Falls Sie ebenfalls Karneval feiern, treiben Sie es nicht zu dolle. Wenn Sie in karnevalistischer Hinsicht eher zu den Fadfindern zählen und stattdessen denken: Was soll der Quatsch?, haben Sie mein volles Verständnis. Vor zwölf Jahren dachte ich auch noch so. Und am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei.

Woche 6/2026: Immerhin wurde nicht Happy Birthday gesungen

Montag: Heute streikte der ÖPNV, was ich nicht kritisiere und was mich auch nicht stört, weil ich montags grundsätzlich mit dem Fahrrad zur Wertschöpfung fahre. Es sei denn, es regnet. Das tat es morgens, doch passend zur Abfahrt war der Regen, bis auf wenige Resttropfen, durch. Manchmal passt es einfach.

„Die IT ist manchmal ein Eichhörnchen“ sagte eine in der Besprechung. Ich habe nicht den Hauch einer Idee, was sie damit ausdrücken wollte, war aber nicht genug daran interessiert, um nachzufragen und verbuche es unter der Rubrik Was so geredet wird.

Wie meine Mutter am Telefon mitteilte, ist ein alter Kollege von mir gestorben. Alt ist wörtlich zu nehmen, er muss weit über achtzig gewesen sein, schon vor mehr als dreißig Jahren ging er in den wohlverdienten Ruhestand. (Selten hört oder liest man das Wort ohne dieses Attribut, egal ob es stimmt oder nicht. In diesem Fall stimmte es.) Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich schätzte den Kollegen sehr, sowohl fachlich als auch menschlich, er war stellvertretender Leiter der Dienstelle in Bielefeld gewesen, in der ich mich sehr wohl fühlte. Wir duzten uns nie, das war früher nicht so üblich wie heute. Er wird mir in guter Erinnerung bleiben.

Dienstag: Der Fußweg ins Werk und zurück war begleitet von ungemütlich feuchter Kaltluft, morgens kam noch etwas Regen hinzu. Das hielt einen entgegenkommenden Läufer nicht davon ab, seinen Frühsport in kurzen Hosen und T -Shirt zu absolvieren, soweit nicht ungewöhnlich und der Notiz wert; sobald die Temperatur zweistellig ist, wird er wieder auf das T-Shirt verzichten. Allerdings trug er heute dazu Handschuhe, was in der Kombination recht putzig aussah.

Einige hundert Meter weiter legten mehrere Personen im Ruderboot am Rheinufer ab und ruderten flussaufwärts. Als Gelegenheitsmodell- und ehemals aktiver Museumseisenbahner, außerdem Karnevalist sollte ich mich in Zurückhaltung üben bei der Beurteilung der Freizeitgestaltung anderer; als Blogger seien mir diese Zeilen gestattet.

Blick auf Beuel, morgens

Während eines natürlichen Bedürfnisses staunte ich über den jungen Kollegen am Nebenurinal, der während der Verrichtung auf sein Datengerät schaute. „Du Opfer“ flüsterte ich nur innerlich, er wird es nicht vernommen haben.

Spontaner Gedanke beim Lesen des Wortes Architekt*innen: Muss das nicht Innen*Architekt heißen? Verzeihung, ich bin etwas albern.

Auf dem Rückweg regnete es

Mittwoch: Wieder ein Jahr älter und dem Ruhestand näher, um auch das Positive an der zunehmenden Alterung nicht aus dem Blick zu verlieren. Wie üblich an diesem Tag nahm ich zahlreiche Gratulationen entgegen im persönlichen Gespräch, telefonisch und über die elektronischen Kommunikationsmedien, deren Beantwortung gewisse (Arbeits-)Zeit beanspruchte, der Kanzler wird es nicht gerne hören. Auch nicht im Kanzlersinne: Zunehmend kommt in diesen Konversationen die Frage „Wie lange noch“ vor. Immerhin wurde nicht Happy Birthday gesungen.

Jemand hatte stapelweise mutmaßlich selbstgebackene Waffeln mitgebracht und auf dem Tisch im Büroflur platziert, dazu ein Glas Kirschen, Puderzucker und Sprühsahne. Wer es war und warum, blieb im Dunkel, es lag kein Zettel daneben. Um nicht unberechtigt im Lichte der Großzügigkeit zu erscheinen, wies ich alle persönlichen Gratulanten vorsorglich darauf hin, dass ich nicht der Spender war. Kurz war ich versucht, einen entsprechenden Hinweiszettel anzubringen, etwa „Von mir sind die Waffeln nicht, lasst sie euch dennoch schmecken”, verwarf die Idee jedoch wieder. Sie schmeckten übrigens gut, danke dafür, falls der- oder diejenige mitliest.

Mein persönliches Selbstgeschenk war ein frühes Arbeitsende kurz nach dem Mittagessen. Zu Hause beantwortete ich in Sofalage zu den Klängen von Bruckners fünfter Sinfonie weitere Gratulationen, die über WhatsApp reingekommen waren, nahm – entgegen meiner Abneigung gegen das Telefonieren, wenigstens einmal im Jahr muss es gehen – weitere Anrufe entgegen, dann war der Nachmittag fast schon wieder vorüber und ich ging zum Sport, wo das Telefon in der Umkleide verblieb.

Neben den üblichen Wünschen für Glück, Gesundheit und ein langes Leben wünschte mir eine Gratulantin weniger Strenge mir selbst gegenüber. Das fand ich erstaunlich, erscheint mir doch etwas mehr Disziplin durchaus angebracht, gerade hinsichtlich meines gelegentlichen Alkoholkonsumes nicht nur zur Karnevalszeit; so wird das nichts mit einem langen Leben. Muss auch nicht; dieses Longevity, von dem so viele reden, kann mich mal.

Vor fünf Jahren hatte ich auch schon Geburtstag
Auch nur eine Zahl

Donnerstag: Werbespruch aus der Hölle: „Iss mal ne Fairnane“, gelesen morgens auf einem Plakat. Das waren noch Zeiten, als die Werbung ewig währende Weisheiten hervorbrachte wie „Mühe allein genügt nicht“ (Frau Sommer) oder „Da weiß man, was man hat“ (Persilmann).

Wie zu erfahren war, hatte die Waffeln ein Kollege mitgebracht, der gestern ebenfalls Geburtstag hatte. Wäre das auch geklärt.

Freitag: Es widerstrebt mir, Menschen mit ihrem Spitz- oder verkürzten Vornamen (wie Chris, Flo, Basti usw.) anzureden, wenn ich sie nicht gut kenne. Selbst dann, wenn sie sich mir mit genau diesem Namen vorgestellt haben beziehungsweise von allen anderen so nennen lassen.

Werbung im Netz:

Welches Gas mag dort verheizt werden?

Samstag: Während weite Teile des Landes unter Schnee- und Eislast ächzen, nahm unsere Karnevalsgesellschaft bei Sonnenschein und fast frühlingshafter Milde am großen Sternmarsch* mehrerer regionaler Corps in der Bonner Innenstadt teil, wo in diesem Jahr zweihundert Jahre Bonner Karneval gefeiert werden. Das war schön. Danach mussten wir uns erholen, um abends fit zu sein für das Nachgeburtstagsessen beim Franzosen unseres Vertrauens.

Auf dem Marktplatz mit Blick auf der Alte Rathaus, von wo der Oberbürgermeister seine Rede vom Blatt ablas

*Von manchen auch Sternenmarsch genannt, obwohl sich aus tageszeitlichen Gründen keine Sterne blicken ließen. Stern deshalb, weil die verschiedenen Corps aus unterschiedlichen Richtungen gleichsam sternförmig zum Marktplatz marschierten.

Sonntag: Der Vorabend im Restaurant war wieder sehr schön und wirkte noch ein wenig nach. Ansonsten verlief der Tag weitgehend wie ein normaler Sonntag mit Ausschlafen, kleinem Frühstück, langem Spaziergang (heute durch Beuel), Sofalesezeit und ohne besondere Bemerknisse oder Pointe.

Müsste das nicht Karneval’ssamstag/-sonntag geschrieben werden?
Postfrevel in Beuel

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Wenn Sie mögen, mit Alaaf, Helau oder wie auch immer das bei Ihnen heißt.

19:30

Woche 5/2026: Toleranzen und Okularität

Montag: Die Woche begann kalt, auch hier im Rheinland, wo es üblicherweise stets ein paar Grad weniger kalt ist als in anderen Gegenden. Während (nicht nur) Ostwestfalen unter einer dichten Schneedecke liegt, wie die Mutter morgens am Telefon berichtete, puderten in Bonn erst im Laufe des Vormittags einige Flocken die Dächer und Rasenflächen; die Straßen blieben indes frei, so dass ich gut mit dem Fahrrad ins Werk kam und nach einem besprechungsreichen, ansonsten recht angenehmen Arbeitstag wieder zurück.

Abends packte ich für die Dienstreise morgen nach München, mit dem Packen stellte sich wieder die bei mir übliche Nervosität vor längeren Bahnreisen ein, selbst wenn eine verspätete Ankunft kein größeres Unglück wäre. Das wird sich wohl nicht mehr ändern, mit dem Alter werde ich wunderlich, merke ich selbst.

Dienstag: Wie der erste Blick in die Bahn-App morgens zeigte, gab es eine „technische Störung am Zug“, dennoch sollte er laut Anzeige pünktlich in Siegburg/Bonn abfahren. Bei Ankunft in Siegburg zeigte die Anzeige am Bahnsteig, mittlerweile auch die App, eine Verspätung von vierzehn Minuten an, schließlich fuhren wir zwanzig Minuten verspätet ab. Das war nicht schlimm, bei weiteren Bahnreisen plane ich inzwischen eine Verzögerung von mindestens einer Stunde ein. Zudem war es eine bequeme Direktverbindung ohne Umsteigen. Was mich mehr störte: Ganz sicher hatte ich bei der Platzreservierung einen Reihenplatz am Wagenende gewählt, stattdessen bekam ich einen der von mir verhassten Plätze mit Tisch in der Vierergruppe. Ein junger Anzugträger neben mir bearbeitete auf dem Laptop eine Tabelle, während auf seinem Telefon ein Spielfilm lief. Beeindruckend, welche Fähigkeiten die jungen Leute entwickelt haben. Ein weiterer Anzugträger mir gegenüber kramte kurz vor Frankfurt Flughafen ein Paar Schuhe aus dem Rucksack und zog sie sich an.

Immerhin, in Frankfurt wurde der Zug deutlich leerer und ich konnte auf einen freien Reihensitz wechseln, von dem aus ich Fußfreiheit und die Fahrt durch überwiegend verschneite Landschaften und Orte mit malerischen Namen wie Großkotzenburg* genießen konnte. Um den Genuss zu verlängern, wuchs die Verspätung ohne nähere Begründung (wie Signalstörung oder Personen im Gleis) bis München schließlich auf fast eine Stunde an; im Sinne der oben genannten Kalkulation erreichte ich das Ziel somit pünktlich und der weitere Tag verlief ohne nennenswerte Ereignisse.

„Anwalt ist die beste Verteidigung“ wirbt ein Anbieter für Rechtsschutzversicherungen auf Plakaten. Das ist doch endlich mal wieder eine originelle Reklame.

*Ein Verleser im Vorbeifahren, wie sich im Nachhinein heraus stellte. Der Ort heißt Großkrotzenburg. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass er von Bewohnern unwohlmeinender Nachbargemeinden wie oben ausgesprochen wird.

Bei Dettingen am Main

Mittwoch: Heute kein Eintrag, weil …

Donnerstag: … es abends spät wurde und ich keine Lust mehr zum Schreiben hatte, das kommt auch nicht oft vor. Das Problem bei Dienstreisen, gerade in Orten wie München: Man bekommt nicht viel mit von der besuchten Stadt außer der Strecke zwischen Hotel und Tagungsort in Oberhaching und abends dem Weg zum Abendessen und socializing im Wirtshaus am Bavariapark, der immerhin Gelegenheit für zwei etwa halbstündige Fußmärsche bot. Obwohl es in ethanolischer Hinsicht völlig im akzeptablen Rahmen blieb, zog ich mich danach sofort ins Hotelzimmer zurück, während die meisten anderen noch ein Häuschen weiter zogen auf einen Absacker. Ich war müde, schreibunwillig und ein klein wenig stolz auf meine ungewöhnliche Vernunft.

Das Hotel in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof war gut, es lag in einer Straße, deren Anlieger ausschließlich Hotels und Schmuckgeschäfte zu sein schienen. Zum Frühstück standen Saftgläser in drei Größen zur Verfügung, einzig an Jackenhaken im Zimmer wurde mal wieder gespart, was mich wieder daran erinnert, endlich nach einem Reisejackenhaken Ausschau zu halten.

Über Nacht hatte es geschneit, durch tauenden Schneematsch ging ich zum Bahnhof, wo mein ICE schon bereit stand und München pünktlich verließ. Nach dreiundzwanzig Kilometern verließ ihn die Pünktlichkeit, wegen einer „nicht näher definierten Störung“ standen wir in verschneiter Gegend. Mir war es recht, ich hatte Zeit, einen Fensterplatz und genug zum Lesen dabei, die Zugheizung funktionierte tadellos. Das einzige, was mir passieren konnte, war, mangels Platzreservierung und ausgefallener Reservierungsanzeigen irgendwann von meinem Platz vertrieben zu werden.

Ende der Pünktlichkeit

Unvertrieben vom Platz kam ich mit gut halbstündiger Verspätung schließlich in Siegburg/Bonn an. Der Zugführer, der zwischen München und Nürnberg die Durchsagen machte, sprach übrigens stets von „Toleranz“ statt Verspätung. Ob er sich das selbst ausgedacht hat oder es sich um einen neuen bahnsprachlichen Euphemismus handelt, weiß ich nicht. Gegen letzteres spricht, dass sein Ablöser ab Nürnberg wieder Verspätung sagte. Hauptursache für die Verzögerung war nach meiner Beobachtung, dass der Zug über weite Strecken langsamer fuhr als der Fahrplan vorsah, vielleicht wegen des Schnees. Sogar auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Siegburg, wo freie Fahrt herrschte, kamen nochmal acht Minuten hinzu.

Wie auch immer, ich war mehr als rechtzeitig zu Hause, um mich in aller Ruhe umzukleiden für den Neujahrsempfang des Arbeitgebers im Maritim-Hotel.

Freitag: „Bedenke, dass du ein Mensch bist“ flüsterte einst während des Triumphzuges im alten Rom ein Sklave dem siegreichen Centurio zu. „Bedenke, dass du ein alter Sack bist“ flüsterte mir hingegen nach längerem mein Rücken zu, der seit gestern Abend wieder deutlich zwickt. Kurz nach Rückkehr von der Neujahrssause fing es an, einen Zusammenhang vermute ich nicht. Die war übrigens sehr schön und kurzweilig mit Essen, (nicht zu viel) Trinken und angenehmen Gesprächen. Zudem hielten sich fast alle an die in der Einladung geäußerte Bitte, in gepflegter Abendkleidung zu erscheinen. Schon lange sah ich nicht mehr so viele Kolleginnen und Kollegen in einer Weise bekleidet, wie sie bis vor wenigen Jahren noch büroüblich war, ehe mit der Coronaseuche eine neue textile Üblichkeit eintrat. Ich werde wohl künftig morgens wieder öfter zu Anzug oder Sakko greifen.

Entgegen der Üblichkeit ging ich heute zu Fuß ins Werk. Zum einen war ich in dieser Woche durch die Dienstreise nur wenig gegangen, außerdem war ich mir nicht sicher, ob der Rücken das schmerzlose Auf- und Absteigen aufs und vom Fahrrad erlaubt hätte. Auf dem Rückweg hörte ich mir das Album Circles & Squares von Malcolm F. an, das der geschätzte Mitblogger Christian erschaffen hat. Wenn Sie elektronische Instrumentalmusik mögen, empfehle ich es Ihnen, mir hat es gut gefallen. Im übrigen, nicht als Hörempfehlung, vielmehr ein für Sie irrelevantes Bemerknis, entspricht die Spieldauer des Albums exakt meiner Wegezeit vom Turm bis nach Hause.

Kurt Kister schrieb: „Aber was macht man, wenn eine rechtsradikale Politikerin einen so stechenden Blick hat, dass man gar nicht umhinkommt, ihre Okularität mit ihren Überzeugungen zu verknüpfen?“ Okularität muss ich mir merken.

Samstag: Ein angenehm ruhiger Tag mit aushäusigem Frühstück, einem Spaziergang und ansonsten ohne terminliche Pflichten und karnevalistische Aktivitäten. Auch der Rücken piesackt nicht mehr, vielleicht hatte er gestern nur einen schlechten Tag, kann man ja mal haben in diesen Zeiten.

Ein weiteres schönes Wort ist das Verb „ennuyieren“, gelesen hier, das statt langweilen, ärgerlich machen, lästig werden benutzt werden kann und für das sich vor allem in letzterer Bedeutung sicherlich Verwendung finden wird.

Sonntag: Und schon ist wieder Februar. Damit auch diese Woche nicht gänzlich karnevalsfrei endet, hatten wir nachmittags einen Auftritt in Euskirchen. Zum Treffpunkt, wo der Bus abfahren sollte, fuhren wir mit einer Uberdroschke. Bemerkenswert fand ich die Anmerkungen des palästinensischen Fahrers, der sich ausführlich über zu viele Ausländer in Deutschland beklagte, dabei mehrfach das unschöne Wort „entartet“ benutzte. Das empfand ich als äußerst ennuyierend (das ging schnell); aus eben diesem Grund meide ich stets unnötige Gespräche mit Taxifahrern und anderen fremden Menschen.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche und lassen Sie sich nicht ennuyieren.

20:00

Schreib mal wieder

Erik hat wieder zu einer Blogparade aufgerufen. Dieses Mal geht es um schriftliche Kommunikation. Da Schrift meine bevorzugte Art der Kommunikation ist, wohingegen ich nur ungern telefoniere beziehungsweise, je nach Tageszeit, überhaupt ungern spreche, ist das genau mein Thema.

Ich komme noch aus einer Zeit, da schriftliche Kommunikation bedeutete, das Mitzuteilende mit Stift oder Schreibmaschine, bestenfalls einer elektrischen, auf Papier zu schreiben und dann ab die Post. Telefax, E-Mail, Kurznachricht und Messanger kamen erst später. Entsprechend war das erwartete Antwortverhalten: nicht innerhalb von Stunden, Minuten oder sofort, sondern Tage oder Wochen. Wer es eiliger hatte, musste ein Telegramm verschicken. Dazu suchte man das nächste Postamt auf, schrieb die zu übermittelnde Nachricht in ein amtliches Formular und bezahlte je Wort, lange Wörter kosteten doppelt. Danach gab der Postbeamte die Nachricht telefonisch weiter an die Telegrafie, die wiederum rief das zuständige Postamt im Zielgebiet an, wo die Nachricht wieder zu Papier gebracht und durch einen Eilboten zugestellt wurde.

„Schreib mal wieder“ lautete der Werbespruch der Deutschen Bundespost. Heute werden immer weniger Briefe geschrieben, die dänische Post hat deshalb die Briefbeförderung Anfang dieses Jahres ganz eingestellt. Ich schreibe noch gerne Briefe und Postkarten, wenn auch nur selten. Zurzeit unterhalte ich drei Brieffreundschaften, allerdings schreiben wir uns nur unregelmäßig, ich wüsste nicht mal, wer als nächstes dran ist mit Schreiben. Außer bei M., von dem ich kürzlich eine Postkarte erhielt, die zu beantworten ich mir schon lange vornehme, aber man kommt ja zu nichts.

Die ersten E-Mails schrieb ich Ende der Neunziger mit aufkommender Vernetzung, zunächst beruflich, etwas später auch privat. Seitdem ist das mein am häufigsten genutzter Kommunikationskanal. Ich finde Outlook sehr praktisch, man kann Ordner anlegen und per Mausklick aus einer Mail eine Aufgabe erzeugen, das nutze ich sehr rege. Worüber ich mich regelmäßig aufrege, ist der unüberlegte Gebrauch der Allen-antworten-Funktion, etwa wenn ein einfaches „Danke“ an einen großen Verteiler statt nur an den gemeinten Absender geht.

Fax oder Telefax, wie es korrekt heißt beziehungsweise hieß, nutzte ich nur selten. Ab und zu beruflich, privat mangels entsprechendem Endgerät gar nicht, im Gegensatz zu Freunden, die zu Hause ein Faxgerät hatten. Mittlerweile hat es sich weitgehend ausgefaxt, das Wort Fax wird gerne genutzt als Synonym, wenn nicht Schimpfwort für Rückständigkeit. Ich vermisse es nicht mit seinem rasselnden Gefiepe.

Mit Ausweitung der Mobiltelefonie auch auf Normalverdiener in den Neunzigern wurde die Kurznachricht, die SMS geboren. Das war bis zur Erfindung des Smartphones ein mühsames Unterfangen: Jeweils mehrere Buchstaben und Sonderzeichen waren einer Zifferntaste zugeordnet, die entsprechend oft schnell hintereinander gedrückt werden musste (soweit ich mich erinnere, musste man viermal die neun drücken, um ein S zu schreiben); war man zu langsam, wurde der falsche Buchstabe gesetzt und der Curser sprang zum nächsten. Später unterstützte eine wundersame Technik namens „T9“ beim Schreiben, damit musste jede Taste nur einmal gedrückt werden und eine rätselhafte Intelligenz erkannte, welches Wort man schreiben wollte. Wenn man Glück hatte. Wenn nicht, siehe oben. SMS zu schreiben machte wenig Spaß, außerdem war es teuer. Deshalb nutzte ich sie nur für wirklich kurze Nachrichten. Mit den Smartphones und ihrer Buchstabentastatur verbesserte sich die Nutzerfreundlichkeit deutlich. Als iPhone-Besitzer schreibe ich Kurznachrichten heute fast ausschließlich an iPhone-Nutzer, weil es dann nichts kostet.

Für alle anderen gibt es WhatsApp. Ja ich weiß, WhatsApp ist böse, weil es zum Meta-Konzern gehört, der unsere Daten absaugt. Aber es ist nunmal am weitesten verbreitet, bislang war ich zu bequem, mich um eine Alternative zu kümmern. Nicht nur die meisten meiner Bekannten nutzen es, auch bin ich in ein paar Gruppen, von deren Kommunikation ich sonst ausgeschlossen wäre. Das ist manchmal durchaus wünschenswert, etwa wenn ein Gruppenmitglied sich krank meldet und alle anderen ihre Genesungswünsche darbringen, jeweils immer an die ganze Gruppe. Zum Glück kann man Gruppenchats vorübergehend oder dauerhaft stummschalten.

Chat-Nachrichten per Teams werden auch zunehmend Teil der Bürokommunikation. Statt einer Mail, die man bei Bedarf weiterleiten oder zum späteren Wiederfinden geordnet ablegen kann, werden immer mehr Nachrichten per Chat durch die Gegend gejagt, auch solche, die weit über die Frage hinausgehen, ob ich mitkomme zum Mittagessen oder kurz Zeit habe für ein Gespräch. Gewöhnlich reagiere ich nur auf Chatnachrichten, die ich sofort beantworten kann. Alle anderen geraten schnell in Vergessenheit, spätestens nach einer Woche sind sie unauffindbar verloren im Strom des allgemeinen Geplappers, wohingegen ich den Maileingang in Outlook für gewöhnlich komplett abarbeite, da (und nicht nur da) bin ich altmodisch. Vermutlich kann man auch Teams-Nachrichten weiterleiten und in Ordner ablegen, doch fehlte es mir bislang an Lust, mich näher damit zu befassen. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte.

Falls Sie mir einen Brief oder eine Postkarte schreiben möchten, sehr gerne, ich würde mich sehr darüber freuen. Meine Adresse finden Sie im Impressum. Ich werde auf jeden Fall antworten, es kann nur etwas dauern.