Woche 9: Jecke und Irre

Montag: Laut Zeitungsbericht streben über neunzig Prozent der älteren Arbeitnehmer einen vorgezogenen Ruhestand an. Umgekehrt bedeutet das, fast zehn Prozent wollen bis zum Schluss arbeiten. Was mag bei denen schief gelaufen sein?

„Und – noch Spaß am Beruf?“ fragte früher ein Kollege, der längst den Ruhestand genießt.  Selbstverständlich, lautete auch heute noch meine Antwort. Auch wenn manches vorstellbar ist, das ich noch lieber täte, als mich morgens ins Werk zu schleppen.

Dienstag: „Theresa May gerät weiter unter Druck“, so die Nachrichten. Es fehlt nicht mehr viel, und sie ist zu einem Diamanten gepresst.

Ein Juwel ist auch der Liebste, denn er hat Getränke gekauft. Natürlich nicht nur deswegen, aber auch das ist eine Facette des Schliffes. Am Abend tragen wir die Kästen vom Auto hoch in die Wohnung. Er einen, ich drei. Auf dieses Ungleichgewicht angesprochen, bekomme ich zur Antwort: „Du bist manchmal etwas bequem.“ Vermutlich hat er recht.

Mittwoch: Den zweiten Morgen in Folge bin ich vor dem Wecker wach und stehe auf. Kommt jetzt diese präsenile Bettflucht? Was unterdessen immer deutlichere Gestalt annimmt, ist der Drang zur Büroflucht.

Donnerstag: „Schlechte Sänger sind immer schlecht, da helfen weder Bier noch Wein“, lese ich in der Zeitung. Ethanolhaltige Getränke schaden in dem Falle aber auch nicht, füge ich hinzu. In diesem Sinne gebe ich heute bei sechs Auftritten mein Bestes. Alaaf!

KW9

(Foto: Anja Profitlich)

Auf der Rückfahrt nach Hause ist es eher nützlich, ein wenig dem Alkohol zugesprochen zu haben: Unser Taxifahrer liefert sich auf der B9 ein Rennen mit einem von einem Testosteronäffchen gelenkten, auspuffknallenden „Sportwagen“. Nüchtern hätte ich womöglich unter mich gelassen.

Freitag: In den Medienberichten über das Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un wird der eine stets als „Präsident“, der andere als „Machthaber“ bezeichnet. Als ob Trump von der Mehrheit der Bürger gewählt und damit der Gute sei, nur Kim hingegen durch dunkle Machenschaften die Herrschaft ergriffen hätte. Insofern erscheint eine einheitliche Bezeichnung angemessen. Vielleicht „Jeck“. Aber damit kämen sie wohl zu gut weg. Eher „Irrer“.

Samstag: Der Rheinmetall-Konzern freut sich über eine dank voller Auftragsbücher fast fünfzigprozentige Steigerung des Betriebsgewinns in der Militärsparte. Mir fällt spontan nur weniges ein, das geeignet wäre, mich noch mehr anzuwidern.

Den karnevalsfreien Tag nutze ich für einen längeren Spaziergang auf die andere Rheinseite durch die Schwarzrheindorfer Auen, unter anderem um den Kopf freizubekommen von ein paar beruflichen Dingen, die ich entgegen sonstiger Gewohnheit mit ins Karnevalswochenende genommen habe, was nicht gut ist und nicht sein sollte, auf welche ich indes nicht näher eingehe, es würde Sie langweilen. Auf der noch ungeschriebenen Liste der Dinge, die ich tun würde, wenn ich nicht mehr ins Werk müsste, steht dieser Gang als tägliche Übung weit oben. Neben Singen macht auch Gehen glücklich. Singen beim Gehen erst recht, wobei das auf Außenstehende befremdlich wirken mag. Der Besitz eines Hundes steht nicht auf der Liste, was vermutlich noch zu einigen Diskussionen führen wird.

Auf dem Rückweg sehe ich am Radweg vor der Kennedybrücke einen „fliegenden“ Anbieter von Dienstleistungen zur Fahrradwartung: Ein Campingtisch mit diversen Flick- und Putzutensilien, davor und dahinter jeweils eine große Tafel mit Anpreisung des Wartungsservices. Eine ebensolche Tafel hält der Betreiber des Standes jedem Radfahrer entgegen, der vorbeikommt. Leider ohne Erfolg, keiner hält an, anscheinend ist der Bedarf an fliegender Fahrradwartung nur gering. Vielleicht sollte der Mann sein Geschäftsmodell noch einmal überdenken. Kleiner Tipp: Das Ausbringen von Nägeln im Abstand von ein- bis zweihundert Metern vor dem Stand könnte dem Geschäft Anschub verleihen. Das ist zwar ein wenig fragwürdig, aber immer noch viel sympathischer als Rheinmetall.

Sonntag: De Zoch kütt in Bad Godesberg. Ich bin übrigens der Grün-weiße mit der schräg klingenden Trompete. Das kann ich nämlich auch nicht.

Woche 8: Stirbt der „Modezar“ jetzt aus?

Montag: Donald Trump versetzt Europa mal wieder mit ein paar Twitter-Absonderungen in Aufruhr. Warum hören Politiker und Presse nicht einfach auf, ihm zu folgen? Schon wäre Ruhe.

Ansonsten verlief der Montag zufriedenstellend. Die Aufgabe, für deren Erledigung ich mich auf einen späten Feierabend eingestellt hatte, war bereits am Vormittag abgeschlossen, und eine Besprechung endete eine Stunde vor dem angesetzten Ende. Zitat des Tages: „Das ist mein persönlicher Viewpoint.“ Wurde natürlich umgehend notiert.

Dienstag: Karl Lagerfeld hat diese Welt verlassen. Oder seine; ich glaube, er lebte vielmehr in seiner eigenen Welt. Welche auch immer, mit ihm verliert sie einen außergewöhnlichen Menschen, über den ansonsten alles geschrieben ist. Niemals sterben wird hoffentlich sein legendärer Satz über Jogginghosen und ihre Träger, der bis heute nichts an Aktualität verloren hat, auch wenn es Menschen gibt, die diese abscheulichen Teile für straßentaugliche Mode halten.

Mittags in der Kantine gabs was mit grünem Spargel, woran ich auch noch abends beim Wasserlassen erinnert werde.

Mittwoch: Die Zeitung zitiert Christian Lindner zum Tod von Karl Lagerfeld. Das hat der Verblichene nun wirklich nicht verdient.

Singen macht glücklich, keine Frage. Ein unverhofft freier Abend aufgrund ausfallender Chorprobe ist indes dem Wohlbefinden auch nicht abträglich.

Donnerstag: Nachmittags geschäftlicher Termin in Brühl. Als kosten- und umweltbewusster Mensch wähle ich zur Anreise die Stadtbahn. In Alfter (für Nichtrheinländer: kein Schreibfehler, sondern ein Ort bei Bonn) sehe ich mehrere Einfamilienhäuser, deren Eigentümer augenscheinlich anstatt eines grünen Vorgartens mit Rasen und Beeten eine öde Schotterwüste vor der Tür als zierend erachten. Welcher irregeführte Sinn für Ästhetik mag hier gewütet haben? Aber vielleicht sind sie auch nur zu faul zur Grünpflege. Wenige Kilometer weiter steht eine ältere Dame auf einem Balkon, fuchtelt wild mit den Armen und scheint der Bahn etwas hinterherzurufen. Vielleicht dieses: „Ja, fahret nur dahin, doch werdet ihr nicht ankommen!“

Womit sie recht hat: Die Fahrt endet wegen einer Betriebsstörung in Schwadorf, Schienenersatzverkehr sei eingerichtet. Da ich gut in der Zeit liege, warte ich mit den Mitreisenden auf den Bus. Die allgemeine Stimmung ist gut, abgesehen von den üblichen Zeitgenossen, die in allem ein Haar in der Suppe finden („Ich möchte EINMAL erleben, dass bei der Bahn nichts schiefgeht“, kennt man ja, diese wehleidigen Klagen). Es beginnt zu regnen. Kein Bus. Noch knapp eine Viertelstunde bis zum Termin. Was tun? Ein Taxi nehmen? Nach sorgfältiger Abwägung der Notwendigkeit meiner Teilnahme an der Veranstaltung gegen die meinem Arbeitgeber entstehenden Taxikosten entscheide ich mich für die kostengünstige Variante und nehme die nächste Bahn zurück nach Bonn. Ob die Dame immer noch fuchtelte, entging meiner Aufmerksamkeit. Vielleicht besser so, wer weiß, welche Imponderabilien sie sonst noch herbeigefuchtelt hätte.

Freitag: Es ist vollbracht – vielleicht geht der 22. Februar dereinst als Gedenktag in die Geschichte ein, an dem die vorläufige Kostenschätzung für die Sanierung der Bonner Beethovenhalle die 100-Millionen-Grenze überschritten hat.

Zudem wird bekanntgegeben, dass das Geburtshaus des Komponisten, auf den sich die Bonner so viel einbilden, wegen Renovierung für mehrere Monate geschlossen wird. Das lässt nichts Gutes hoffen.

Auf dem Rückweg vom Werk erblicken meine müden Augen in der Bahn Zehenschuhe, die ein junger Mann trägt. Heißen die so? Sie wissen vielleicht, was ich meine, wie Fingerhandschuhe, nur für unten. Benötigt man dazu auch entsprechende Zehensocken, oder trägt man die ohne? Wie auch immer, die Dinger sehen ganz schön albern aus, ich würde mir die nicht kaufen (zumal es die vermutlich auch gar nicht passend für meine krummen Füße gibt). Was hätte Karl Lagerfeld dazu gesagt?

Abends Auftritt in Bad Godesberg. Auch als Kunde und Hotelgast ist man für klare Hinweise auf korrektes Verhalten immer dankbar:

KW8 - 1

Samstag: Noch ein abschließender Gedanke zu Lagerfeld: Vielleicht stirbt mit ihm ja der unsägliche Pressekasper-Begriff „Modezar“ endlich aus. Das wäre nun wirklich nicht das Schlechteste.

Unterdessen ist der Geliebte schlechtlaunig, weil er sich benachteiligt fühlt gegenüber Choupette, Lagerfelds Katze.

Übrigens ruft man in Bacharach am Rhein „Helau“, wenn man „Alaaf“ meint. Der Auftritt wurde dennoch sehr schön, und ganz schön spät.

Sonntag: Der Autor Thomas Glavinic schreibt in der FAS:

„Beim Schreiben geht es darum, so gut wie möglich zu kaschieren, dass man eigentlich gar nicht schreiben kann. Egal wie viel ein Autor kann, noch mehr kann er nicht.“

Einmal mehr fühle ich mich enttarnt, mal davon abgesehen, mir nicht die Bezeichnung „Autor“ anzumaßen.

Auch bei uns zu Hause laufen die tollen Tage nun auf ihren Höhepunkt zu.

Rufen Sie deswegen dreimal mit mir aus:

Bonn – Alaaf!

Godesberg – Alaaf!

Choupette – Alaaf!

Woche 7: Ich bereue nichts

Montag: „Damit schaffen wir die Grundlage, die bereits erfolgreich begonnene Modernisierung und Weiterentwicklung der operativen Prozesse durch Automatisierung und Digitalisierung kontinuierlich voranzutreiben und die operativen Synergien künftig noch stärker zu nutzen.“ In gewisser Weise bewundere ich Menschen, die solche Sätze hervorbringen können. Wobei zweimal „operativ“ leichten Punktabzug nach sich zieht.

Laut einem Zeitungsbericht wurde in Argentinien eine bislang unbekannte Saurierart entdeckt und mit dem schönen Namen Bajadasaurus pronuspinax versehen. Die Biester wiesen bis zu einen Meter lange Stacheln am Hals auf, über deren Zweck die Forscher noch rätseln. Möglicherweise sollen sie gar die sexuelle Attraktivität ihrer Träger gesteigert haben. Na ich weiß nicht.

Dienstag: „Das soll kein Fingerpointing sein, wie man auf neudeutsch sagt“, erklärt der Projektleiter in einer Besprechung. Einmal mehr möchte ich aufstehen und ihm zurufen: „Das ist weder neu noch deutsch!“ – Merke: Wer unnötige Anglizismen in Umlauf bringt oder nachplappert, ist nicht klug, sondern nur zu faul.

„Was hält dich momentan am meisten auf?“, lautet die Frage des Tages bei Quergefönt. Ganz klar: Besprechungen.

(Bitte denken Sie sich hier das Bild eines wunderschönen Abendrotes über dem Bonner Venusberg zur Feierabendzeit, welches ich in Ermangelung eines geeigneten Fotostandpunktes nicht anfertigte. Gleichsam Verbal-Instagram.)

Frau Marie greift die Frage auf, ob es angezeigt ist, „Gesundheit!“ zu rufen, wenn jemand in der Nähe niest. Auch ich widmete mich vor längerer Zeit diesem Thema, (oder dieses Themas? Sebastian Sick wüsste es), und an meiner Meinung hat sich seitdem nichts geändert: Es ist Unfug. Nicht weil ich es sage, sondern ich sage es, weil es so ist.

Mittwoch: Am Ende eines Satzes „Punkt“ zu sagen, zur Bekräftigung des zuvor gesagten, ist ja auch eher so eine dumme Angewohnheit. Punkt.

Donnerstag: Gemäß vielfach verbreiteter Meinung ist der Valentinstag eine Erfindung der Blumenindustrie. Das schließe ich nicht völlig aus, glaube jedoch vielmehr, die Radiosender haben ihn sich ausgedacht, damit sie an diesem Tag die Hörer befragen können („Schreibt uns auf Facebook, was ihr vom Valentinstag haltet, oder ruft uns an unter …“), und sie, im Falle des Gutfindens, erzählen lassen, womit sie ihre Liebsten zu bestechen versuchen. Irgendwie muss die Sendezeit zwischen den Werbeblöcken ja gefüllt werden.

Aus der Reihe Wirklich schöne Sätze hier eine Fundsache bei Herrn Buddenbohm: „Man kann ja nicht immer geistreiche Bemerkungen machen und auch das Sagen des Offensichtlichen hat seine Berechtigung im sozialen Miteinander.“

Freitag: Eher zufällig bemerkte ich, dass das Tattoostudio in der Fußgängerzone, welches ich vor zwanzig Jahren in einem Anflug spätjugendlichen Übermutes aufsuchte, noch immer besteht. Jahrelang ging ich fast täglich daran vorbei, ohne ihm die geringste Aufmerksamkeit zu erweisen, vielleicht weil es im ersten Stock liegt und man in der Fußgängerzone eher selten den Blick nach oben richtet, man muss ja aufpassen, nicht mit einem anderen, in sein Datengerät vertieften Fußgänger zu kollidieren. Heute schaute ich zufällig doch mal hoch, und siehe da, das Studio ist immer noch an derselben Stelle, wer hätte das gedacht. Erstaunlich, wie man manchmal Dinge völlig aus dem Blick verliert und erst viele Jahre später feststellt, es gibt sie immer noch, sie waren nie weg. Gerade in Zeiten, wo nur weniges mehr gepriesen wird als der ständige Wandel.

Aus heutiger Sicht würde ich die Dienste des Studios wohl nicht mehr in Anspruch nehmen, doch halte ich es diesbezüglich wie Edith Piaf: Ich bereue nichts.

Samstag: Plötzlich ist Frühling. Ich kenne heute schon die Titelseite der Tageszeitungen am kommenden Montag. Dort werden zwei junge Frauen auf einer Parkbank oder vor einem Brunnen sitzend abgebildet sein, die Köpfe zusammengesteckt, jede grinsend an einem Eis schleckend, dazu diese oder eine ähnliche die Bildunterschrift: „Emma und Lisa-Marie genießen bei frühlingshaften Temperaturen das erste Eis.“ Wetten?

Abends Auftritt in Bad Breisig. Manchmal frage ich mich, welchem Zweck manche Dinge dienen.

KW7 - 1

Sonntag: Während die ersten Krokusse und Schneeglöckchen blühen, hier und dorten zartes Grün knospt, Kraniche zurück kehren, der Lieblingsbiergarten öffnet und ich den Fellbesatz von der Kapuze abnehme, gehen andere schon deutlich weiter:

KW7 - 1 (1)

(Gesehen heute gegen 15:15 Uhr)

Woche 6: Sei immer nett zu jedermann

Montag: Geburtstagen messe ich mittlerweile keine große Bedeutung mehr bei, jedenfalls meinen eigenen. Dennoch danke ich allen, die heute mit Worten und Gaben an mich gedacht haben. Ausdrücklich danke ich auch denen, die ihre Grüße und guten Wünsche fernschriftlich per elektronischer Kommunikationsmedien übermittelten. Nicht auszudenken, wenn die alle angerufen hätten. Ich selbst schenkte mir übrigens einen frühen Feierabend, woran zu gewöhnen mir auf Dauer nicht schwer fiele.

Dienstag: Meine Kollegin hat mir ein Buch von Eckart von Hirschhausen geliehen, welchen zu lesen ich bislang keine Gelegenheit hatte. Dabei schreibt er wunderbare Sachen:

„77 Prozent der US-Amerikaner glauben, dass Aliens die Erde besucht haben (Umfrage von 2012, also vor Donald Trump).“

(Aus: „Wunder wirken Wunder“, 2016)

Ansonsten plagt mich ein aufkommender Schnupfen. Der Nachteil: vorübergehende Umstellung von Stoff- auf die von mir ungeliebten Papiertaschentücher. Der Vorteil: eine gute Begründung, um Händeschütteleien zu umgehen.

Mittwoch: Vielleicht hätte ich richtig Karriere gemacht, verweigerte ich mich nicht konsequent der Powerpoint-Nutzung. Heute hätte mir auch das nichts genützt, denn der Rechner meldet „Powerpoint funktioniert nicht mehr“; auch nicht nach zahlreichen Versuchen und Neustart.

KW6 - 1

Eine kurze Umfrage im Kollegenkreis ergibt, ich bin nicht der einzige. Welch paradiesische Vorstellung: ein Leben ohne Präsentationen. Wie ich hörte oder las, oder beides, so genau weiß ich es nicht mehr, ist diese Geißel der Bürokommunikation bei Amazon generell verboten. Stattdessen müssen dort Vorlagen und Konzepte ohne dämliche Bildchen und in ganzen Sätzen in ein Textdokument niedergeschrieben werden, auf dass ein jeder, den es betrifft, sich die Zeit nehme, es zu lesen. Wenngleich ich eine Amazon gegenüber äußerst reservierte Haltung zu meinen positiven Eigenschaften zähle, so sehr begeistert mich diese Regelung.

Auch Herr Firla macht sich Gedanken zu Amazon, schreibt über „Händler, die präamazonal mit einer Schelle bimmelten, um Kunden auf die Straße zu locken.“ Sehr lesenswert.

Trotz erkältungsbedingter Unlust lohnte sich am Abend der Besuch der Chorprobe, denn wir probten mein absolutes Lieblingsstück: „Ebben? Ne andrò lontana“ aus der Oper „La Wally“ von Alfredo Catalani, bekannt geworden unter anderem durch Maria Callas. Vor Jahren sangen wir es schonmal, da klang es so:

Ist das nicht wunderwunderschön? Vielleicht nicht so schön wie von Frau Callas (oder „die Callas“, wie respektlose Medien gerne schreiben), aber doch mindestens so schön wie Modern Talking.

Donnerstag: Das mit Modern Talking war zugegebenermaßen eine unelegante Überleitung auf heute: Dieter Bohlen wird fünfundsechzig, und das Bundeskartellamt untersagt Facebook das Datensammeln. Man nehme die Weisung des Kartellamtes ernst, lässt das Unternehmen den Sprecher sprechen. Die Hoffnung, dadurch würde sich irgendetwas ändern, scheint indes genauso unbegründet wie die, Bohlen könnte jetzt in Rente geht.

Freitag: Im Werk stehen größere Veränderungen an. Wieder gilt: „Sei immer nett zu jedermann / Schon morgen er dein Chef sein kann.“

Samstag: „Man muss da immer sehr aufpassen eine ganz exakte Grenze zwischen wissenschaftlich Nachweisbarem und Fabuliertem zu ziehen, denn in der Grauzone zwischen beidem bereichern sich die Scharlatane“, schreibt Frau Myriade in ihrem Blog. Ein Satz, der mir sehr gut gefällt.

Heute in einem Monat wird mein Twitterkonto zehn Jahre alt. Dann lösche ich es. Darauf freue ich mich schon. Der letzte Tweet hat keine Pointe. #Twexit

Eine weitere Wiederentdeckung von einer alten Musikkassette mit Radioaufnahmen:

Sonntag: Nachdem wir zuvor auf RTL „Take Me Out“ geschaut hatten, diese Verkupplungsshow, die durch ihren Moderator Ralf Schmitz einen gewissen Unterhaltungswert aufweist (aber auch wirklich nur deswegen), träumte ich in der Nacht, durch einen Irrtum, ein grandioses Missverständnis als Kandidat in diese Show geraten zu sein. Schon als ich die Reihe der Damen stolpernd abschreite, drückt jede von ihnen entsetzt auf den Buzzer. „Lisa-Patricia, warum hast du gedrückt?“, fragt Schmitz. „Na hör mal, der geht ja gaaar niiiiich …“, antwortet die Gefragte; „Der geht so komisch“, sagt eine andere, deren Name mir entfallen ist. Nur Marta, eine ganz besonders Dicke mit Glatze, viel Metall im Gesicht und großflächigen Tätowierungen am ganzen Körper, hat noch weißes Licht am Pult. „Ich finde den total scharf“, lässt sie Schmitz mit sonorer Stimme wissen, während sie sich, mich nicht aus den zu messerscharfen Schlitzen verengten Augen lassend, lüstern die Lippen leckt.

Dann wird der kurze Film über mich eingespielt. Als zu sehen ist, wie ich vor meiner Modelleisenbahn sitzend die Schranken herunter kurbele, bricht Panik im Saal aus, die Damen rennen und kreischen wild durcheinander, selbst Ralf Schmitz, sonst niemals um einen Spruch verlegen, starrt mich schweigend an, sichtlich um Fassung ringend. Nur Marta, inzwischen gänzlich unbekleidet, kommt zielstrebig, noch immer die Lippen leckend, auf mich zu. Dann wache ich auf, mit dem Vorsatz, nie wieder vor dem Zubettgehen RTL zu schauen.

Woche 5: Aus! Aus!

Montag: Wann stöhnt es sich wohliger, als wenn man montagabends nach dem end of business ins Sofa sinkt?

„Bomben könnten den Traum vom Frieden zerstören“, titelt der General-Anzeiger. Dabei denke ich mir zwei mit ernster Miene debattierende Loriot-Knollennasenherren. Nachdem der eine mit bedeutungsvoll geschlossenen Augen den oben genannten Satz gesagt hat, antwortet der andere: „Ach was.“

Dienstag: Vormittags verhindere ich Schlimmeres. Bitte stellen Sie sich hier einen siebensekündigen Film vor, den ich aus Persönlichkeits-, Daten- und Immisionsschutzgründen nicht zeigen kann. Er zeigt einige meiner Kollegen und mich beim Versuch, einem weiteren Kollegen, der zurzeit leider im Krankenhaus weilt, ein Geburtstagsständchen zu singen, auf dass der Genesende die Aufnahme per WhatsApp zugesandt bekomme. Ein jeder singt dabei in seiner eigenen Tonart. Nur durch energisches Eingreifen meinerseits („Aus! Aus!“) kann noch größeres Leid vermieden werden. Das klingt so:

In einer Präsentation lese ich „Multiplikatoren-Pyramide“. Das ist wohl das schönste Wort, welches mir in jüngerer Vergangenheit begegnet ist. Die Steinblöcke dieses Monuments sind Menschen, die anderen Menschen etwas beibringen sollen. Unter anderem sind sie „zuständig für das Vermitteln von Begeisterung“. Ich für meinen Teil bin hochgradig begeistert davon.

Offensichtlich begeistert waren auch ein siebzigjähriger Herr und eine vierunddreißigjährige Dame in Duisburg voneinander, was sie laut einem Zeitungsbericht dazu veranlasste, im Auto zu kopulieren. Während der Fahrt. Erst ein Zusammenstoß mit einem anderen Wagen löschte ihre Glut. Ob weitere Verkehrsregeln missachtet wurden, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Mittwoch: Was mich zunehmend anwidert, sind Unternehmen und sonstige Institutionen, die mich ungefragt duzen.

Herr Levin mag das Wort „Narrativ“ nicht mehr hören und wünscht es auf den Friedhof der abgelegten Modewörter. Ich fürchte, ein Friedhof reicht nicht aus, um all die Wörter und Phrasen zu beerdigen, die ich nicht mehr hören und lesen mag.

Donnerstag: Es schneit. Sensation: „Im Bonner Hofgarten gelang sogar der Bau eines Schneemanns“, berichtet der General-Anzeiger auf der Titelseite.

Weniger bis gar nicht sensationell dagegen die Meldung, wonach die Sanierungskosten für die Beethovenhalle inzwischen bei 99,5 Millionen Euro liegen. Nachdem die Hundertmillionen-Grenze entgegen der Erwartung doch nicht bereits 2018 gerissen wurde, werden nun Wetten angenommen, ob sie noch im ersten Quartal dieses Jahres erreicht wird. Ich sage: ja. Wer hält dagegen?

„Same to you“, sagt der Kollege zur Verabschiedung aus der Skype-Konferenz. Ich verkneife mir ein „Du mich auch“.

Beim Mittagstisch in der Kantine sprechen wir über den Tod, was in keinem Zusammenhang mit der Qualität der dort angebotenen Speisen steht. Man sollte ruhig ab und zu darüber reden, auch wenn vielen das Thema nicht behagt. Oft ist es interessanter und unterhaltsamer als Fußball.

Freitag: Einmal noch, ein letztes Mal Günter Ogger:

„So schön die durchgestylten Verwaltungsgebäude vieler Unternehmen von außen aussehen – im Inneren herrscht oft das blanke Chaos. Chaotenbetriebe findet man allerdings weniger unter den jungen, am Rand des Wirtschaftsgeschehens dahindümpelnden Firmen als vielmehr im Zentrum der Großindustrie. Sie tragen auch durchaus vertraute Namen, wie Daimler-Benz, Siemens, Philips oder Hoechst.

Selbstverständlich würden sich die leitenden Herren mit Vehemenz gegen den Vorwurf wehren, sie wären Chaoten und ruderten ziemlich orientierungslos durch den Alltag. Denn nach ihrem Selbstverständnis dienen sie einem höchst effizienten, weltberühmten und äußerst klar strukturierten Unternehmen. Daß dem nicht so ist, wissen allenfalls die Klügeren unter den Bossen an der Spitze der Konzerne.“

(„Nieten in Nadelstreifen“, 1992)

Und die meisten Mitarbeiter, die wissen das auch, wäre zu ergänzen.

Samstag: Renovierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen innerhalb der eigenen Räumlichkeiten sind ein Aufgabenfeld, auf dem ich kein besonders großes Talent entfalte. „Du musst die Arbeit sehen“, wird mir beschieden. Das sehe ich anders: Die Arbeit wird sich schon melden, wenn sie was von mir will.

Warum bin ausgerechnet ich mit einem ansonsten äußerst liebenswerten Menschen verheiratet, der auch bei Minusgraden alle fünf Minuten die Balkontür öffnet? „Hier drinnen ist schlechte Luft“, so die Begründung. Als ob kalte Luft keine schlechte Luft wäre!

Sonntag: Zu früher Morgenstunde höre ich draußen die erste Amsel singen. Möglicherweise wurde es versäumt, ihr die Uhr zu stellen. Oder ich habe das nur geträumt.

In der Sonntagszeitung lese ich einen interessanten Artikel über das Navigationssystem „what3words“. Entgegen sonstiger Gewohnheit lade ich die App auf mein Telefon. Der Schreibtisch, an dem diese Zeilen niedergeschrieben werden, steht demnach im Quadrat „farblos.wertvolle.fischte“. Aufgabe für die nächste Woche: Eine Geschichte ausdenken, in der diese drei Wörter vorkommen. Das Quadrat „end.of.business“ gibt es übrigens nicht.

Dieselbe Zeitung lässt wissen, trotz Zeiten ständiger Erreichbarkeit gelte es zunehmend als unschicklich, jemanden ohne vorherige Absprache anzurufen. Dem stimme ich vorbehaltlos zu. Schlimmer noch als unerwartete Anrufe empfinde ich indes, in der Fußgängerzone von duzenden, scheinbar gut drauf seienden, jungen Tier-, Kinder-, Natur- oder wen oder was auch immer -Schützern angequatscht zu werden. Das weiß auch Herr Buddenbohm, und er macht sich sehr lesenswerte Gedanken über die Schulung dieser Leute.

Woche 4: Pelzkapuzen, kurze Hosen und andere Wahrnehmungen

Montag: Ein Plakat wirbt in ungelenkem Glückskeksjargon für Präkrastination: „Tu es jetzt! Aus später wird schnell ein Nie“. Dem möchte ich entgegenplakatieren: „Aber bedenke: In der Ruhe liegt die Kraft — vieles erledigt sich von selbst.“

Beim Mittagstisch erzählt der Kollege, er strebe den „Eis-Tauchschein“ an. Allein der Gedanke lässt mich bis in den frühen Nachmittag hinein gänsehäutig bibbern. Auch sein Einwand „Wieso, kälter als vier Grad wird das Wasser nicht“ ist behaglichen Gedanken nicht förderlich.

Bis zum späten Nachmittag ist die Etagen-Kaffeemaschine defekt. Wegen sowas fielen schon Flüge aus, und Züge verkehrten in umgekehrter Wagenreihung!

Dienstag: Es ist kalt, pelzbesetzte Kapuzen prägen das Straßenbild. Dessen ungeachtet kommt mir am Morgen auf der Straße ein junger Mann von passablem Erscheinungsbild entgegen – in kurzer Hose. Heiß und kalt liegen manchmal nahe beieinander. (Es gibt Formulierungen, die einem trotz zeitloser Eleganz nur selten im Alltag begegnen. Vielleicht entsteht ihre Eleganz auch erst durch den seltenen Gebrauch. Zu diesen zählt zweifellos „dessen ungeachtet“.)

Weniger appetitanregend hingegen der Anblick des trüben, grünflockigen Getränks von geringer Drinkability und Instagramability, welches der Kollege während einer Besprechung zu sich nimmt. Als hätte er von den Teichen in den Rheinauen das grüne Zeug abgeschöpft, das sich im Sommer an der Wasseroberfläche bildet.

Mittwoch: Während ich mich müde und mit der üblichen latenten Grundangst ins Werk begebe, geht vor mir ein junger Mann mit einem drollig auf dem Pflaster rappelnden Akten-Rollköfferchen. Von allen Businesskasper-Accessoires ist das wohl das mit Abstand lächerlichste.

Mitschrift aus einer Besprechung zum Thema Kraftfahrzeuge: „Von ARAL zu TOTAL – egal.“ Ein Hauch von Poesie im tristen Büroalltag.

Apropos Büroalltag: Auch Frau Marie mag Businesskasperfloskeln.

Donnerstag: Auf dem Weg ins Werk lese ich in meiner aktuellen Stadtbahnlektüre dieses:

„Besonders peinlich wirkt der Selbstdarstellungsdrang vieler Manager, wenn er sich mit dem Mäntelchen der Imageförderung des Unternehmens tarnt. Das ganze nennt sich dann »Sponsoring« und erinnert stark an das gönnerhafte Mäzenatentum wie dem Renaissancefürsten Lorenzo de Medici oder dem Bayernkönig Ludwig I. Und genauso, wie die absolutistischen Herrscher ihre Untertanen für ihre Liebhabereien bezahlen ließen, so bitten heute die angestellten Mäzene der Großunternehmen ihre Aktionäre und Gesellschafter zur Kasse, um sich im Glanze prominenter Sportler, internationaler Kulturträger oder Wissenschaftler zu sonnen.“ 

(Günter Ogger, „Nieten in Nadelstreifen“ von 1992)

Aus unerfindlichen Gründen denke ich dabei an gelbe Rodelschlitten.

Auf dem Rückweg zur Bahn geht vor mir einer, dessen rechtes Bein ganz leicht nach außen knickt, das andere hingegen ist gerade. Wie nennt man das, „D-Beine“?

„Kriminelle Familienclans außer Kontrolle?“, fragt die Talkshow-Tante Maybrit Illner am Abend. Ob es dabei um VW geht, werde ich aufgrund konsequenter Talkshowabstinenz nicht erfahren.

Freitag: Laut Zeitungsbericht hat in Köln der Koch eines China-Restaurants seinen Kollegen getötet und die Leiche zerteilt, „wie er es im Rahmen seiner Kochausbildung gelernt hatte“, so die Zeitung. Kinder fanden Kollegenteile in einem Plastiksack am Rheinufer. Das hätte schlimmer ausgehen können. Nicht für den Zerlegten, aber für die Restaurantgäste.

Samstag: Familie Hannemann lässt zur Frühstückszeit (die in den meisten anderen Haushalten eher der Mittagszeit entspricht) die WDR-2-Hörer wissen, dass sie sich entschieden habe, wie sie die Einladung zu ihrer Goldhochzeit zu gestalten gedenke und wer eingeladen wird. Auch wenn ich nicht zu Gästen zähle, so sind es diese Momente, welche jeden Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Rundfunkgebühren zerstreuen und mich der nächsten Abbuchung mit Freude entgegen blicken lassen.

Nun bin ich auf das Radio nicht angewiesen, besitze ich doch nach wie vor zahlreiche Musikkassetten und ein entsprechendes Abspielgerät, ich erwähnte es unlängst. Beim Einräumen des neuen Bücherregals entdeckte ich daher nicht nur einige Bücher, die ich gelegentlich mal wieder lesen sollte, sondern auf einer Kassette auch diesen Song der Bee Gees von 1987, den mein Gedächtnis im Laufe der Zeit in eine abgelegene, hintere Ecke geräumt hatte:

 

Nicht schlecht. Kaum zu glauben, dass von den drei Gebrüdern Gibb nur noch einer, Barry, lebt.

Sonntag: Nach einem ruhigen, überwiegend trüben Tag haben wir am frühen Abend einen Auftritt mit der Karnevalsgesellschaft in der Godesberger Stadthalle. Meine Vorfreude hält sich in Grenzen. Wozu braucht man sonntags Karnevalssitzungen? (Wozu braucht man überhaupt Karnevalssitzungen, fragen Sie? Das ist natürlich eine ganz andere Frage. Gegenfrage: Wozu braucht man einen Eis-Tauchschein?)

Floskelschaumkraut – 17. Fortschreibung

Sprache entwickelt sich laufend weiter – nicht immer zum Guten, wie die nachfolgende Liste zeigt. Seit der letzten Aktualisierung sind wieder einige neue und nicht ganz so neue Phrasen aus Aufzug, Büro, Besprechungen, Telefonkonferenzen und dem täglichen Wahnsinn in mein leidgeprüftes Ohr gedrungen. Die Neuzugänge finden Sie ab der laufenden Nummer 401.

***

1.) „Okay…“ mit anhebender Stimmmodulation auf der zweiten Silbe. Mein absoluter Spitzenreiter.

1a) „Okodoki“ – die kleine, nicht minder schlimme Schwester von 1.)

2.) „Gesundheit!“ Verdammt, lasst mich doch einfach in Ruhe niesen!

3.) „Geht das zusammen oder getrennt?“

4.) „nicht wirklich“

5.) „Wir müssen die Leute mit ins Boot holen“

6.) „Wir müssen die Leute abholen

7.) „Da bin ich ganz bei dir/Ihnen“

8.) „Da bin ich fine mit“ (oder „fein“?)

9.) „Gerne!“ als Antwort auf „Danke“

10.) „Mahlzeit!“ – der Klassiker.

11.) „Da sind wir gut unterwegs

12.) „Da sind wir gut aufgestellt

13.) „Kein Thema!“

14.) „Herausforderung“, auch wenn es ein scheiß Problem ist.

15.) „Halloo…??“ mit Empörung vorgebracht, statt „Wie bitte?“

16.) „Ich freue mich auf…“ im Zusammenhang mit geschäftlichen Terminen/Angelegenheiten/was auch immer. Das glaubt ihr doch selbst nicht!

17.) „Das ist so was von [beliebiges Adjektiv]“

18.) „Ich sag mal…“

19.) „Na Urlauber…?“ am ersten Tag nach dem Urlaub. Als wenn es nicht so schon schlimm genug wäre, wieder arbeiten zu müssen!

20.) „Das geht g a r nicht!“ Wirklich nicht.

21.) „Wie [beliebiges Adjektiv, zumeist jedoch ‚geil‘] ist d a s denn??“

22.) „Am Ende des Tages…“

23.) „Das macht Sinn“

24.) „Super-GAU“, genau so unsinnig wie „das einzigste“

25.) „Quantensprung“. Ich nehme an, 95% derjenigen, die das Wort benutzen, kennen dessen eigentliche Bedeutung nicht.

26.) „mit Migrationshintergrund“ trieft nur so vor politischer Korrektheit.

27.) „Du, damit habe ich kein Problem.“ („Aber bleib mir weg damit!“)

28.) „wünsche … gehabt zu haben!“

29.) „Wer mich kennt, weiß, dass ich [blablabla]…“ – beliebte Wichtigtuer- und Arschlochfloskel

30.) „Da müssen wir jetzt Gas geben“

31.) „Das habe ich auf dem Schirm“

32.) „spannend“ im Zusammenhang mit irgendwelchen halbwichtigen geschäftlichen Angelegenheiten

33.) „Ich bin im Moment lost

34.) „An der Stelle…“ als Füllfloskel

35.) „Und äh…“ als Satzeinleitung, vor allem, wenn danach sekundenlang nichts mehr kommt

36.) „Dafür nicht“ als Antwort auf Danke

37.) „sexy“ in geschäftlichen und somit völlig unerotischen Zusammenhängen

38.) „Wir müssen die Kuh vom Eis holen“ (Auch schon gehört: “die Crux vom Eis“)

39.) „Ins offene Messer laufen“

40.) „Im Tal der Tränen“

41.) „Da müssen wir Geld in die Hand nehmen“

42.) „Das Projekt auf die Straße bringen“

42a) „Die PS auf die Straße bringen“

43.) „Auf Augenhöhe diskutieren“

44.) „Erdrutschartiger Sieg“ – Journalistenquatsch, ebenso wie

45.) „Ein Schluck aus der Pulle“ und

46.) „Geld in die Kassen spülen“.

47.) „Lohnenswert“ – dieselbe Wortfamilie wie „das einzigste“

48.) „Yummie“ – heißt wohl so viel wie lecker, was bei genauer Betrachtung nicht viel besser ist.

49.) „Zeitfenster“ – bitte geschlossen halten, es zieht.

50.) „Otto Normalverbraucher“, der Schwager von Max Mustermann.

51.) „Spaß beiseite“ – wer das sagt, hat wohl auch sonst nicht viel Freude.

52.) „Da bin ich leidenschaftslos“ und

53.) „Da bin ich schmerzfrei“ – mir tut es verdammt weh.

54.) „wtf“ = „What the fuck“. Gerne auf Twitter genutzt, ebenso wie

55.) „#fail“ – ja, mangelhaft!

56.) „Nennen Sie mal eine Hausnummer.“ Bitte: 19b, Hinterhaus.

57.) „Das ist mit mir nicht zu machen.“ Politikersülze.

58.) „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen.“

59.) „Ich mache mal den Vorsitz“ – beliebter Scherz, wenn nur noch ein Platz an der Stirnseite frei ist

60.) „… bis der Arzt kommt“

61.) „Da krieg‘ isch so’n Hals!“

62.) „Das haben wir ihnen ins Stammbuch geschrieben.“

63.) „Das stimmen wir bilateral ab.“

64.) „eine undurchsichtige Gemengelage“

65.) „[beliebiges Substantiv] wird bei uns groß geschrieben.“ Nicht nur bei euch.

66.) „Roundabout“ klingt ungefähr scheiße.

67.) „Er/sie erfindet sich immer wieder neu.“ Beliebte Feuilletonfloskel.

68.) „Das meint“ – meint „das bedeutet“ zu bedeuten, tut es aber nicht.

69.) „Ich speichere mal aus“ – klingt nach mentalem Stuhlgang.

70.) „Wer hat da den Hut auf?“

71.) „Ich sehe das mehr durch die […]-Brille.“

72.) „Das ist kein Showstopper.“

73.) „Da werden Pflöcke gesetzt.“

74.) „Das werfen wir denen (= andere Abteilung etc.) über den Zaun.“

75.) „Wir könne hier nicht auf der grünen Wiese planen.“

76.) „Das ist Brot und Butter“ – mir vergeht dabei der Appetit.

77.) „Wer sind hier die Player?“ – geht spielen.

78.) „Das haben wir im Scope.“

79.) „Lach doch mal!“ – eher zum Heulen.

80.) „Topic overflow“ – was mag es bedeuten? Für Hinweise wäre ich dankbar.

81.) „Wir müssen die Anforderung aufbohren.“

82.) „Wir müssen hier ja nicht das Rad neu erfinden.“

83.) „Ich schicke Ihnen mal einen Draft.“

84.) „Das absolut wasserdicht sein“. – Hauptsache, ihr seid ganz dicht.

85.) „Da können wir Honig saugen.“

86.) „nullachtfuffzehn“

87.) „Wenn wir dieses Fass jetzt aufmachen…“ – dann Prost Mahlzeit.

88.) „Das ist kein Hexenwerk“ – was für den Phrasenscheiterhaufen.

89.) „Umgekehrt wird ein Schuh draus.“ – Sonst ist es ein Huhcs??

90.) „Haben wir dafür schon das Go?“ – Geht mir weg!

91.) „Da bekommen wir ein Thema.“

92.) „Ich forwarde Ihnen das mal eben.“

93.) „Da sehe ich uns im Lead.“

94.) „Der Prozess wird noch nicht gelebt.“

95.) „Da muss ich mich erst mal aufschlauen.“

96.) „Das ist so 1990 [oder sonstiges beliebiges Jahr]“

97.) „Wir sind not amused“ – in der Tat wenig amüsant

98.) „Wie ist das gesettet?“

99.) „Leg dich wieder hin“ am Ende eines Telefonats – ein Klassiker

100.) „Wir brauchen da eine gute Storyline.“

101.) „Ein absolutes No Go!“ – geht wirklich nicht.

102.) „Ein absolutes Must Have!“ – also ich muss das nicht haben.

103.) „Das ist doch eher ein Nice To Have.“ – s. Nr. 102

104.) „Wir sollten dazu eine kurze TelKo machen.“

105.) „Wir sind hier doch nicht bei Wünsch dir was!“

106.) „Kannst du mich dazu kurz briefen / debriefen?“

107.) „Sind Sie morgen früh im Office?“

108.) „O-Saft“, „A-Saft“ – was für A-Löcher.

109.) „Das ist kein Dealbreaker“. Klingt trotzdem zum Kotzen.

110.) „Darauf haben wir uns committed.“

111.) „Sie können mich jederzeit anrufen.“ Ebenso verlogen wie

112.) „Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.“

113.) „Wir sollten das nicht mit der Gießkanne verteilen.“

114.) „Das ist alles in trockenen Tüchern.“ Auch gehört: „in grünen Tüchern“

115.) „Wir können da noch Synergien heben.“

116.) „Wir sollten das zeitnah erledigen.“

117.) „Wir sollten uns nächste Woche noch mal zusammentelefonieren.“

118.) „Wir phonen morgen.“ Oder „fonen“? Der Duden kennt beides (noch) nicht.

119.) „Mailen Sie mir einfach einen Zweizeiler.“

120.) „Ich schick Ihnen das mal kommentarlos zu.“

121.) „Da müssen wir wohl eine Sonderlocke drehen.“

122.) „Wir müssen das proaktiv kommunizieren.“

123.) „Nachhaltige Maßnahmen“

124.) „Wir müssen das frühzeitig eskalieren“

125.) „Tschö mit Ö“ – wie blöd!

126.) „Ganzheitliche Betrachtung“

127.) „Sounding Board“ – Ja, hat irgendwas mit viel überflüssigem Geräusch zu tun.

128.) „Das ist nicht in Stein gemeißelt“

129.) „Haben wir das auf der Agenda?“

130.) „an“ anstelle von „mit“, häufig in scheinbar gehobener Gastronomie. Beispiel: „Currywurst an Pommes“

131.) „Erstellen Sie einen Forecast.“

132.) „Den Ball zuspielen“

133.) „Ich mache da noch ’ne QS drüber“

134.) „Handlungsfelder erkennen“

135.) „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ – achtsilbiges Wortschaumgebäck für „jetzt“ (1 Silbe)

136.) „zu keiner Zeit“ – viersilbiges Wortschaumgebäck für „nie“

137.) „Der Plan ist auf Kante genäht“

138.) „exorbitant“

139.) „Was sind unsere lessons learned?“

140.) „Pros & Cons“

141.) „Da ist noch Spielraum / Luft nach oben“ – höfliche Umschreibung von „ziemlich scheiße gelaufen“

142.) „einen Workaround definieren“

143.) „erst mal die Füße stillhalten“

144.) „Das System läuft performant.“

145.) „Das wären ein neues Feature“

146.) „Trouble shooting“

147.) „Die Timeline ist sportlich.“

148.) „Das müssen wir noch mal festklopfen.“

149.) „Das ist keine Rocket Science.“

150.) „Sonst fällt uns das auf die Füße.“

151.) „Das ist ein ganz normaler Vorgang.“ – Umschreibung für: „Wir wissen, dass wir Mist gebaut haben, können das aber nicht zugeben.“

152.) „Das ist eine Blaupause.“ Nur im Suff zu ertragen.

153.) „Nicht, dass daraus ein Flächenbrand entsteht.“

154.) „Da haben wir ein Gap.“

155.) „An welcher Stelle ist das Bottleneck?“

156.) „Das habe ich schon eingetütet.“

157.) „Das machen wir on the fly“.

158.) „Das habe ich schon angetriggert.“

159.) „Kann man das später umswitchen?“

160.) „Wir werden das ergebnisoffen diskutieren.“ – uns von unserer Meinung jedoch nicht abbringen lassen.

161.) „Lösungsorientierter Ansatz“ – ja was denn sonst?

162.) „Walkthrough“

163.) „Ich habe heute einen harten Anschlag.“ – eher einen Knall.

164.) „Wir wollen kein Fingerpointing betreiben.“ Doch, genau darum geht es, um nichts anderes!

165.) „Was macht das mit dir?“ – Es kotzt mich an.

166.) „Wir müssen das von allen Seiten beleuchten.“

167.) „Da müssen wir noch mal gegentreten.“

168.) „Guter Hinweis!“ – Kurzform für „Sie sind wohl ein ganz Schlauer, was?“

169.) „Wir fahren hier auf Sicht.“ – heißt: Wir haben keine Ahnung, was wir hier tun.

170.) „Das lief völlig geräuschlos.“

171.) „Können wir das umshiften?“

172.) „Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben.“

173.) „Ich habe das in den Stiel gestoßen.“ – klingt unzüchtig bis schmerzhaft.

174.) „Wann ist das Kick-Off?“

175.) „Das machen wir hands on.“

176.) „Was sind die quick wins?“

177.) „Das ist so Mainstream“

178.) „Das ist so old school“

179.) „Was sind dabei die Painpoints?“ – das tut weh.

180.) „Das Projekt ist ongoing.“

181.) „Wie sind wir da gestafft?“

182.) „Operation am offenen Herzen“

183.) „Wir müssen die Kuh zum Fliegen bringen“ – eher eine Fehlfloskel, aber witzige Vorstellung

184.) „Ehrlicherweise“ – also war alles Bisherige gelogen?

185.) „Das ist nicht skalierbar.“

186.) „No show“ – bleibt mir weg damit

187.) „Townhall Meeting“ – aufgeblähter Begriff für Informationsveranstaltung

188.) „Welchen Ampelstatus hat das Projekt?“

189.) „genau“ als Füllwort / Satzüberleitung ohne vorangegangene Frage

190.) „Ich habe das auf dem Radar.“ – klingt nach geistigem Blindflug

191.) „… und Co.“ statt „und so weiter“

192.) „Einen Tod müssen wir sterben“ – aber vorher viel Mist anhören.

193.) „Das ist ’ne Menge Holz“

194.) „Da müssen wir ziemlich dicke Bretter bohren“ – ja, die vor dem Kopf zuerst.

195.) „Wir haben den nächsten Meilenstein erreicht“

196.) „Ich nehme das mal mit.“

197.) „Sie müssen das ganz neu denken!“

198.) „Schaun mer mal“ – in keiner Weise kaiserlich

199.) „Passt schon“ – ich hatte mehr erwartet.

200.) „Eine rote Linie ist überschritten“

201.) „Wie man auf Neudeutsch sagt“ – darauf folgt garantiert kein deutsches Wort.

202.) „Wir groß ist das Delta?“

203.) „Das quantifizieren wir per Augenintegral“

204.) „Da haben wir kein Issue.“

205.) „Ich habe morgen noch einen Slot frei.“

206.) „Der Drops ist gelutscht.“

207.) „Das ist work in progress.“

208.) „Können Sie mich morgen kurz anteasern?“

209.) „Da müssen Sie Ihre volle Leistung abrufen!“

210.) „Können wir uns da mal synchronisieren?“

211.) „Haken dran.“

212.) „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

213.) „Diese Lösung ist convenienter.“

214.) „Das ist hier der Enabler.“

215.) „Alles gut?“ – nein, gar nicht gut.

216.) „aka“, auch bekannt als ‚alias‘

217.) „Der Prozess ist etwas sonderlockig.“

218.) „Ist das all over gelevelt?“

219.) „Wann ist die Deadline?“

220.) „Unsere Mitarbeiter sind unser Aushängeschild.“ Deshalb stehen sie im Regen.

221.) „All Hands Meeting“

222.) „Dieses Internet(z)“

223.) „Was ist da unser Zeithorizont?“

224.) „Wie händeln wir das?“

225.) „Du bekommst da noch Input von mir.“

226.) „Wir müssen das endlich durch die Tür bringen“. Macht sie am besten hinter euch zu.

227.) „Das klären wir im Vorfeld.“

228.) „Gibt es dafür ein Benchmark?“

229.) „Ich erstelle dazu einen One Pager.“

230.) „Hier die Meeting Minutes zu unserem Gespräch.“

231.) „Verzeihung, Freudsche Fehlleistung.“

232.) „Das ist state of the art.“

233.) „Wir sollten dazu einen Proofe of Concept durchführen.“

234.) „Wir fliegen da voll unter dem Radar.“

235.) „Haben Sie das schon angestoßen?“

236.) „quasi“ – an sich nicht schlimm, doch zunehmend eine echte Epidemie. 

237.) „sozusagen“ – siehe Nr. 236

238.) „Da muss ich jetzt mal zwischengrätschen.“

239.) „Notfalls brauchen wir dafür erstmal eine händische Lösung.“

240.) „Ich bin da ambivalent.“

241.) „Jetzt gehts ans Eingemachte.“

242.) „Wir sollten das schon mal vorschattieren.“

243.) „Was sind unsere findings daraus?“

244.) „Machen Sie mal einen Aufschlag.“ Da möchte man direkt zuschlagen.

245.) „Das Argument kaufe ich.“ Bitte sehr, macht einsfünfundneunzig.

246.) „Shit happens.“ Auch wird viel Scheiß geredet.

247.) „Rüchtüüüg…“ – richtig blöd.

248.) „Reichsbedenkenträger können wir nicht gebrauchen.“ Leute, die dieses Wort absondern, noch weniger.

249.) „Das Thema können wir abbinden.“

250.) „Stillstand bedeutet Rückschritt.“

251.) „Never ever!“ möchte ich das hören.

252.) „Machen Sie da mal ein Preisschild dran.“

253.) „Last (but) not least“ – ein Klassiker, leider wird es dadurch nicht besser, genau so wie

254.) „nichtsdestotrotz“ – kotz.

255.) „in Schlagdistanz“ – oh ja gerne, komm her!

256.) „Die Lösung ist quick and dirty.“

257.) „Bitte halten Sie mich im loop.“ Im WAS??

258.) „fyi“ – ihr seid ja sooo cool.

259.) „Ich kriege da keinen Anpack dran.“

260.) „Ich stelle das (an andere Abteilung o.ä.) durch.“ Und ich drehe durch.

261.) „schlagmichtot“ (statt „was weiß ich“). Wie gerne würde ich!

262.) „Chapeau!“ Genau so überflüssig wie

263.) „Da gehen wir d’accord“

264.) „Ja nee…“ – was nun, ja oder nein?

265.) „Das ist der Urschleim.“ Ekelig.

266.) „Die Sache fliegt.“ Siehe auch Nr. 183

267.) „Das wird kein Kindergeburtstag.“ Eher Kindergarten.

268.) „Wir brauchen belastbare Zahlen.“

269.) „Wir nehmen Ihr Anliegen sehr ernst.“ Floskel für „Sie nerven!“

270.) „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“

271.) „Das sehe ich noch nicht.“ Aber wir müssen es leider hören.

272.) „Fit wie ein Turnschuh“ – Unfug, siehe hier.

273.) „Auf Wiederschauen.“ Was soll das sein?

274.) „Das ist immer eine feste Bank.“ – nicht sehr vertrauenserweckend.

275.) „sprich“ im Sinne von „das heißt“

276.) „irgendwie“ – der Bruder von „quasi“ (Nr. 236) und „sozusagen“ (Nr. 237)

277.) „Ich adressiere das.“ Siehe auch Nr. 260.

278.) „Das würde ich sofort unterschreiben.“

279.) „Das ist ganz großes Kino.“ Nur der Film ist leider scheiße.

280.) „Das Thema sehe ich bei Ihnen verortet.“

281.) „Nach dem Prinzip ‚slide the elephant‘“

282.) „Geben Sie mir bitte bis Mittwoch ein Feedback.“

283.) „Das habe ich noch auf dem Zettel.“ 

284.) „Ich lade Sie dazu ein…“ …und wagen Sie es besser nicht, dieser Einladung nicht zu folgen!

285.) „Check!“ – das neue(?) „Okay“

286.) „Das haben wir in der Pipeline.“ Da kriege ich ein Rohr.

287.) „Das ist suboptimal gelaufen.“

288.) „Wir bewegen uns hier auf einem schmalen Grat.“

289.) „Wir müssen die Leute besser einbinden.“

290.) „Ich sage das mal off the records.“ – Halt besser einfach die Klappe.

291.) „Ich bin gerade in einem Call.“

292.) „Können Sie das bitte mal vercharten?“

293.) „Das müssen wir noch verschriftlichen.“

294.) „Sorry, kurze Biopause.“ Ja, verpiss dich.

295.) „Ich habe das mal gehighlightet.“ Nicht sehr helle.

296.) „Kannst du das noch mal challengen?“ Eine echte Herausforderung für das Ohr.

297.) „Happy Call“ – macht nicht sehr fröhlich.

298.) „Wir gehen davon aus, dass…“ … wir es absolut nicht wissen.

299.) „In der IT-Welt…“

300.) „Storyboard“

301.) „Was sind die next steps?“

302.) „Die betreiben sherry picking.“

303.) „Breakout Session“

304.) „Hallo @all!“

305.) „Der Kunde ist sehr eskalativ.“

306.) „Danke für die Frage!“ Mist, erwischt… (s. auch Nr. 168)

307.) „Das ist kostenmäßig nicht darstellbar.“ – nicht mal in Power Point?

308.) „Das ist gehakt!“ – Ich glaube es hackt…

309.) „Da müssen wir noch mal ein Rad drehen.“ – Ihr meint wohl eher „am“.

310.) „Das ist eine zukunftsfähige Lösung.“

311.) „Prima, Ballerina!“ – genau so dämlich wie

312.) „…nach Adam Riese und Eva Zwerg“

313.) „Das entspricht nicht unserer Erwartungshaltung.“

314.) „Das ist am Ende nicht domptierbar.“

315.) „Das bleibt bitte closed shop.“

316.) „Unsere Leute müssen dafür brennen!“ – Und sich dann bitte nicht wundern, wenn sie verheizt wurden.

317.) „Wir müssen da der first mover sein.“

318.) „fyi“ – weißte bescheid.

319.) „tbd“ – müsste sich mal einer drum kümmern.

320.) „Dazu müssen wir noch eine Abstimmung fahren.“

321.) „Kollege P ist da im Film.“ – Ich auch. Im falschen.

322.) „…aber hey!“

323.) „Nichts für ungut.“

324.) „Ich sehe uns langsam auf der Zielgeraden.“

325.) „Woran machen Sie das fest?“

326.) „Wir brauchen mehr Anpacker.“

327.) „Ihren Einwurf haben wir zur Kenntnis genommen“ (… und sind ziemlich angepisst darüber.)

328.) „Wir müssen da Vorreiter sein.“

329.) „Jetzt mal Butter bei die Fische.“

330.) „Will heißen…“

331.) „Bitte RüMe bis morgen eob.“

332.) „Dann müsst ihr auch was mitbringen zur Party.“ (Neue Form des alten Schlagers ‚Wer soll das bezahlen?‘)

333.) „Als warm up soll das erstmal reichen.“ Ja, ziemlich aufgewärmt.

334.) „Beam mir das mal gerade rüber!“

335.) „Das müssen wir denen zurückrouten.“

336.) „Das kommt noch on top.“

337.) „Haben wir einen Plan B in der Tasche?“

338.) „Deep dive“

339.) „Das muss ein echtes Kundenerlebnis sein.“

340.) „Was sind die assets?“

341.) „Ich sehe da keinen Benefit.“

342.) „Wann ist der Lounchetermin?“

343.) „Wir müssen da mehr disruptiv denken.“

344.) „Freuen Sie sich auf spannende key notes!“

345.) „By the way“

346.) „Im Endeffekt“

347.) „Ich darf Sie zu einem get together einladen.“

348.) „Die Location war nicht schlecht.“

349.) „Da segeln wir hart am Wind.“

350.) „Das ist ziemlich vintage.“

351.) „Dienstag fliege ich nach L.A.“ (gesprochen: „Äll Äi“)

352.) „Das ist das all time high“

353.) „Das funktioniert wie’s Brötchenbacken“

354.) „Das läuft wie geschnitten Brot“

355.) „Das ist mir jetzt ein bisschen too much.“

356.) „Ist das nicht ein bisschen overdone?“

357.) „Das ist echt strange!“

358.) „Kind 2.0“

359.) „Würden Sie dazu bitte ein Statement abgeben?“

360.) „Was für ein Kostenticket ist damit verbunden?“

361.) „Ich nehme gerne deine Guideline auf.“

362.) „Ich fasse das Outcome kurz zusammen.“

363.) „Da erzeugen wir einen Datendump.“

364.) „Ich erwarte von unseren Mitarbeitern die Bereitschaft, eine Extrameile zu gehen.“ – Euphemismus für die Aufforderung zur Selbstausbeutung.

365.) „Das nimmt langsam Fahrt auf.“ – Ja, vor die Wand.

366.) „Das gehe ich nicht mit.“

367.) „Schreiben Sie mal ein paar corner cases runter.“

368.) „Gibst du mir dann einen kurzen Ping?“ – Ich glaube es piept.

369.) „Das ist in unserer DNA verankert.“ – Klingt stark nach einem Gendefekt.

370.) „Ich habe das mal geshared.“

371.) „Ich erwarte mehr can-do-spirit.“ – Wer wäre da nicht hochmotiviert für eine Extrameile.

372.) „Wir müssen da eine harte Linie fahren.“

373.) „Wir müssen klare Kante zeigen.“

374.) „Ich muss noch die Kids abholen.“

375.) „Der soll mal eine Zeitschiene abgeben.“

376.) „Das gehört auf den Prüfstand.“

377.) „Das entspricht leider nicht unserem Ambitionsniveau“.

378.) „Damit gehe ich schon länger schwanger.“

379.) „Die Struktur muss lean sein“.

380.) „Wir müssen mehr Re-Skilling wagen.“

381.) „Das funzt.“ Klingt nach übel riechender Flatulenz.

382.) „Fire and forget.“

383.) „Wir müssen das Surrounding des Kunden beachten.“

384.) „Das haben wir auch noch vor der Brust.“ (Nur für dich, lieber C!)

385.) „Das ist nur Augenpulver.“

386.) „Das ist so historisch gewachsen.“ Das haben wir schon immer so gemacht.

387.) „Die sind ziemlich agil unterwegs.“ – Anscheinend ein neues Lieblingswort modern erscheinen wollender Unternehmen.

388.) „Da müssen wir alert sein.“ – Da geht bei mir die Sirene!

389.) „Das wäre auch mein Bild.“

390.) „Ihr Erwartungswert ist ein falscher.“

391.) „Lass uns dazu mal morgen kurzschließen.“

392.) „Schick ihm mal einen frindly reminder.“

393.) „Da muss man schon Eier haben.“ – Boah ey, Alter!

394.) „Das finde ich ein bisschen overspaced.“

395.) „Wir müssen aufpassen, hier nicht overpromissing zu sein.“

396.) „Ein ein-eindeutiges Merkmal“. – Nachfahre von „das einzigste“.

397.) „Wir müssen das noch etwas crisper formulieren.“

398.) „Das sollten wir erstmal auf kleiner Flamme kochen.“ (Ein bislang übersehener Klassiker. Danke, Steffen!)

399.) „Das ist easy going.

400.) „Das sind die basics.“

Neu:

401.) „Wir müssen dazu ein gemeinsames Verständnis entwickeln.“ – Vielen Dank für Ihr Verständnis.

402.) „Dazu müssen wir noch das Management schlau singen.“ – Augen zu, Musik an, jeah!

403.) „Haben die sich dazu schon geoutet?“

404.) „Das ist nur ein Springboard für ihn.“

405.) „Dazu sollten wir mal ein Lunch & Listen machen.“ – Da vergeht mir der Appetit.

406.) „Sie sollten das zum Networking nutzen.“

407.) „Kann das was?“

408.) „Wir kümmern uns erstmal um die low hanging fruits.“ Echt Banane.

409.) „Dazu machen wir noch eine Q’n’A-Session.“ – Ohne Frage bescheuert.

410.) „Das ist ja hier nicht Schöner Wohnen.“

411.) „Den müssen wir erstmal aufgleisen.“ – Mir entgleisen dabei die Gesichtszüge.

412.) „Bei der sportlichen Timeline haben wir keinen Room for Error.“

413.) „Die Lösung ist nicht besonders fancy.“

414.) „Sind wir da safe?“ – Sicher nicht.

415.) „Können wir nicht darauf aufsetzen?“ – Eher Entsetzen.

416.) „Gib mir nächste Woche dazu ein Update.“

417.) „Ich habe dazu mal einen Mock-Up erstellt.“

418.) „Dazu müssen wir uns beim CEO ein Ticket abholen.“ – In die Hölle.

419.) „Dazu gehen wir nochmal in den Denkteich.“ – Passt nur auf, dass ihr nicht absauft.

420.) „Haben wir da irgendwelche Stakes drin?“ – Oder Steaks?

421.) „Dann will ich das Meeting auch nicht unnötig in die Länge ziehen.“

***

Auch ich will es für heute nicht unnötig in die Länge ziehen. Wenn Sie weitere fancy Phrasen kennen, die was können, outen Sie sich. Ich werde dann auf diese Liste aufsetzen und so bald wie möglich ein Update geben.