Woche 1: Leeres Geschwätz

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Montag: Wenn am Morgen, oder eher: Mittag nach einer alkoholschwangeren Nacht das Portemonnaie nicht am üblichen Platz liegt und sich auch nicht in der Jackentasche befindet, kann dies schreckauslösend sein. Zum Glück fand es sich bald in einer Hosentasche ein, also alles in Ordnung, oder alles gut, um eine beliebte Massenfloskel zu gebrauchen. Ansonsten ist das einzig Sinnvolle, das man an einem Neujahrstag tun kann, gar nichts.

Dienstag: In seiner Neujahrsansprache beklagte der Papst zu viel „leeres Geschwätz“ in der Welt. Na da könnten er und seine Leute ja mal mit gutem Beispiel vorangehen. – Ich maße mir nicht an, jedes Gespräch, bei dem ich nicht mitreden kann, vorgenannter Kategorie zuzuordnen. Ein solches Thema ist die Fachsimpelei unter Elektrorauchern beziehungsweise -dampfern, wenn sie sich über die Vorzüge ihrer Geräte austauschen und, nach Mundstücktausch, gar zum gegenseitigen Probedampfen einladen, während ich mit meiner herkömmlichen Zigarette daneben stehe und staunend nur zuhören kann. Zitat einer Dampfmaschinenbesitzerin: „Das ist mein abendlicher Genussverdampfer“.

Mittwoch: Meinen Glückwunsch zum Namenstag an alle Damen mit dem wohl nicht sehr häufigen Namen Genovefa. Auch der Name Burglind war mir bislang nicht geläufig. Seit heute, da das gleichnamige Sturmtief uns heftigst einen blies, genießt er indes zweifelhafte Prominenz.

Donnerstag: Bleiben wir beim Wetter. Während uns nach Abzug der stürmischen Dame eine frühlingshafte Milde umspielt, versinken Teile der USA im Schnee. Ihr Präsident sieht darin den Beweis erbracht, dass die Erderwärmung nur die verrückte Idee irgendwelcher amerikafeindlicher Spinner ist, weil es für ihn keinen Unterschied zwischen Wetter und Klima gibt. So wie es mir nahezu unmöglich ist, die beiden WDR-Wetterfrösche Sven Plöger und Karsten Schwanke auseinander zu halten. Möglicherweise ist es gar derselbe.

Freitag: Im Zusammenhang mit Managergehältern ist immer wieder ‚verdienen‘ zu lesen. Das erscheint mir unangemessen. Können wir uns auf ‚bekommen‘ einigen?

Samstag: Manchmal liegt das größte momentane Glück in einer Bockwurst mit Kartoffelsalat. Dagegen erscheint mir die mit knapp 23,5 Millionen Stellen größte bislang entdeckte Primzahl, über welche die Zeitung heute berichtet, bedeutungslos.

Sonntag: „Wenn man nicht unter Druck steht und die Zeit fließen lassen kann, ist der Kater oft interessanter als der Rausch.“ (Max Goldt)

Was 2017 auch in der Zeitung stand

Wer da glaubt, die Zeit der unzähligen Jahresrückblicke sei überwunden, der irrt, hier kommt noch einer. Neben der Wahl eines Wahnsinnigen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, unfreundlichen Worten aus der Türkei, Atomkriegsdrohungen von und nach Nordkorea, Triebfahrzeugstörungen beim Schulz-Zug, Jamaika-Aus als Wort des Jahres, #MeToo und einem angeblich verregneten Sommer standen zahlreiche kleinere Meldungen in der Zeitung, die mir bemerkenswert erschienen, wobei die Auswahl völlig subjektiv ist und keinen Anspruch auf Relevanz und hohes allgemeines Interesse stellt.

***

Eine Zugbegleiterin der Deutschen Bahn hatte im Januar wohl nach ihrem Dienst den Lieben zu Hause was zu erzählen, nachdem sie einen nackten Zweiundzwanzigjährigen bei der Intimrasur auf der Zugtoilette ertappt hatte, der zudem auch noch ohne gültigen Fahrausweis reiste. Gegenüber der herbeigerufenen Bundespolizei soll der Mann erklärt haben, er werde „zu Hause derzeit nicht gerne gesehen“. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren.

Ebenfalls im Januar verkündete die Bonner Stadtverwaltung, die Sanierung der Beethovenhalle werde voraussichtlich um etwa 1,6 Millionen auf 61,6 Millionen Euro steigen, zudem verzögere sich die Fertigstellung um einen Monat.

Im Februar teilte die Justizvollzugsanstalt im sauerländischen Attendorn mit, einen Betriebsversuch mit pink angestrichenen Zellenwänden zu beenden. Ziel des Versuches sei es gewesen, festzustellen, ob randalierende JVA-Kunden sich in Räumlichkeiten mit dem Farbton „Cool Down Pink“ schneller beruhigen als in herkömmlich-grauen Zellen, was sich als nicht zutreffend erwies. Ein wenig erinnert das an den Film „Ödipussi“ von Loriot, in dem unter anderem die Auswirkungen von Sitzgruppen-Polsterfarben auf das Suizidverhalten der Besitzer ausgiebig erörtert wird.

Nicht überliefert ist die Farbe des Bettbezuges, in dem eine Inderin im selben Monat mit einem unerträglichen Juckreiz hinter den Augen aufwachte. Als Ursache wurde nach ärztlicher Untersuchung eine Kakerlake festgestellt, die der Dame im Schlaf in die Nase gekrabbelt und inzwischen fast bis zur Schädelbasis vorgedrungen war. Mit einem staubsaugerartigen Gerät konnte der Eindringling schließlich beseitigt werden.

Das klingt medizinisch kompliziert, ist jedoch ein Klacks gegen die Ankündigung des italienischen Arztes Ser­gio Ca­na­ve­ro, bis Weihnachten 2017 die erste menschliche Kopftransplantation vorgenommen zu haben. Der zu verpflanzende Kopf müsse zuvor auf zwölf Grad heruntergekühlt werden, etwaigen Abstoßungsreaktionen des Körpers sei unter anderem mit „Vir­tu­al-Rea­li­ty-Trai­ning“ zu begegnen. Also Pokemons gegen Kopflosigkeit.

Als virtuelles Familienmitglied wird in immer mehr Haushalten Alexa von Amazon akzeptiert. Im März berichtet die Zeitung über ein sechsjähriges Mädchen in Texas, das aus Langeweile Alexa mit der Bestellung eines Puppenhauses und zwei Kilo Keksen beauftragte, was diese unwidersprochen ausführte. Als ein Fernsehsender über den Fall berichtete und den Bestellvorgang nachstellte, erwachten zahlreiche in Hörweite von Fernsehgeräten befindliche Alexas und bestellten ihren Besitzern ebenfalls Puppenhäuser. Zudem wird Alexas schlechter Einfluss auf die Kindererziehung bemängelt: Sie fordert weder ein „Bitte“ noch „Danke“, weiterhin suggeriere ihre weibliche Stimme, Frauen haben zu gehorchen. Vielleicht sollte man Alexa mal über ihre Meinung zur #MeToo-Debatte befragen.

Keineswegs machtlos waren im April Mitarbeiter eines Berliner Supermarktes, als ein mit einer Grillgabel bewaffneter Mann die Herausgabe des Geldes aus der Kasse forderte. Unter beherzter Zuhilfenahme eines ihm in den Weg geschobenen Einkaufswagens konnte ihm die Beute entrissen werden.

Grillgabeln als Waffe dürften für die amerikanische Waffenlobby-Organisation NRA eine nur untergeordnete Rolle spielen. Ende des Monats dankte ihr Donald Trump für die Unterstützung im Wahlkampf, erklärte sie zu seinen Freunden und versprach, sich für ihre Belange einzusetzen.

Nicht nur von Waffen geht Missbrauchsgefahr aus, sondern auch von Alkohol. Dem tritt Anfang Mai der Geschäftsführer der Kölner Brauerei Gaffel gegenüber mit der Feststellung: „Bier ist ein Kul­tur­gut mit vie­len Tra­di­tio­nen. Der Haus­trunk ge­hört da­zu“. Zuvor hatte die Bun­des­dro­gen­be­auf­trag­te verlangt, die Abgabe von Bier an die Brauerei-Mitarbeiter als Lohnersatz einzustellen.

Zur Tradition geworden sind auch die Mitteilungen der Stadt Bonn, welche die Kostensteigerung für die Sanierung der Beethovenhalle betreffen. Anfang Juni ist es wieder so weit: Man geht von 2,5 Millionen Euro mehr gegenüber der ursprünglichen Planung aus.

Ebenfalls im Juni verbietet die Stadt Madrid das als „manspreading“ bezeichnete breitbeinige Sitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln, welches vor allem männlichen Nutzern zur Angewohnheit geworden ist und neben einem entsprechenden Raummehrbedarf auch Unbehagen bei weiblichen Mitreisenden hervorruft.

Unterdessen verkündet die Stadt Bonn eine weitere Kostenspreizung von erneut 2,5 Millionen Euro für die Beethovenhalle, somit liegen die Gesamtkosten nach vorläufiger Schätzung nun bei 66 Millionen Euro.

Dass männlicher Geltungsdrang im Zusammenspiel mit freiem Waffenbesitz unerwünschte Folgen haben kann, zeigt ein Fall aus Minnesota, über den die Zeitung im Juli berichtete: Ein Mann bat seine Freundin, aus geringer Entfernung auf ihn zu schießen, während er sich eine Enzyklopädie als Schild vor den Leib hielt. Hiermit wollte er Millionen von Youtube-Nutzern beeindrucken. Offenbar hatte er ein zu dünnes Nachschlagewerk zu seinem Schutz ausgewählt, er überlebte den Schuss nicht.

Besondere Herausforderungen setzen nicht immer die Benutzung von Waffen voraus: Seit August bietet eine Schweizer Supermarktkette Burger mit Mehlwürmern an.

Der Zeitplan für die Fertigstellung der Beethoven-Halle gerät laut Stadtverwaltung in Bedrängnis, wenn auch zunächst ohne Mehrkosten.

Um nicht durch Rassismus-Vorwürfe in Bedrängnis zu geraten, entschloss sich ein bekanntes Lübecker Café im September, seine traditionelle Mohrenkopftorte umzubenennen in „Othellotorte“. Ich persönlich hätte „Roberto-Blanco-Torte“ origineller gefunden.

Die Beethoven-Halle wird wohl doch pünktlich fertig. Dafür steigen die Kosten auf etwas mehr als 72 Millionen Euro, so die Stadtverwaltung Bonn.

Deutlich geringer dürfte der Streitwert eines Gerichtsverfahrens gelegen haben, dessen Gegenstand ein Drama war, welches sich vortrefflich für eine Lustspiel oder eine Oper eignet: In Rheinbach bei Bonn empfing eine Zahnarztgattin einen Malermeister in nur leichter Bekleidung, derweil der Herr Gemahl sich auf Reisen befand. Ihre Bemühungen, den Meister vor dem Anstrich in ein Frühstück mit Lachs und Sekt und wer weiß was sonst noch zu verwickeln, blieben erfolglos, vielmehr ergriff er die Flucht. Als der Gatte zurückkehrte, fand er die beauftragten Malerarbeiten in mangelhafter Qualität ausgeführt vor, daher verklagte das Paar den Malermeister wegen Schlechtleistung. Den Ausführungen der Gattin, dem Maler lediglich Kaffee und Wasser angeboten zu haben, schenkte das Gericht keinen Glauben, wohl aber der Beteuerung des Beklagten, keinen einzigen Pinselstrich gezogen zu haben. Vielmehr hatte die Dame des Hauses nach des Malers Flucht selbst zum Pinsel gegriffen, um ihre vergeblichen amourösen Avancen zu vertuschen. Die Klage wurde abgewiesen.

Noch einmal die Amerikaner und ihre Waffenliebe: Im Oktober geriet eine christliche Freikirche in die Kritik, weil sie als Hauptgewinn einer Verlosung halbautomatische Sturmgewehre in Aussicht stellte.

Mitte November verkündet die Stadt Bonn eine erneute Kostensteigerung für die Beethoven-Halle auf nunmehr 75 Millionen Euro.

Unterdessen sorgt sich Christian W. aus Bonn über die Zukunft unseres Landes. In einem Leserbrief fordert er die Bundeskanzlerin auf, statt ständig die Rechte von Schwulen, Lesben und „Gender etc.“ zu thematisieren, lieber die Deutschen anzuhalten, mehr Kinder in die Welt zu setzten, wobei er einen gleichartigen Aufruf des türkischen Präsidenten als positives Beispiel anführt.

Ganz andere Sorgen plagen den Amerikaner Mi­ke Hug­hes (61). Mit einer aus Altteilen selbst gebauten, dampfbetriebenen Rakete will er sich ins All schießen lassen, um den Beweis anzutreten, dass die Erde eine Scheibe ist. Das erscheint offenbar sogar den Amerikanern zu gewagt, denn bislang verweigerten ihm die zuständigen Behörden die Startgenehmigung.

Wie eine Rakete ab gingen Anfang Dezember die Bemühungen eines kleinen Weihnachtsmarktes in Overath-Kreutzhäuschen, über Facebook ein paar Besucher anzulocken. Daraufhin machten sich auch auf zahlreiche Menschen aus nah und fern, nicht um das Kindlein in der Krippe zu sehen, sondern wegen Bratwurst und Glühwein in idyllischem Ambiente. Schon bald bildeten sich lange Staus, der Verkehr im Dorf kam zum Erliegen und der kleine Weihnachtsmarkt wurde überrannt. Ein Facebook-Nutzer lässt es dabei natürlich nicht auf sich beruhen, sondern postet seinen Unmut über schlechte Organisation, fehlende Parkplätze und weggefressene Würstchen umgehend in sein geliebtes Netzwerk. Ob die Massen daraufhin an den folgenden Wochenenden ausblieben, ist nicht bekannt.

Kurz vor Jahresende meldet sich noch einmal die Stadt Bonn, Sie ahnen schon, zu welchem Thema: Die Sanierungsarbeiten an der Beethovenhalle sind ein wenig ins Stocken geraten, die Fertigstellung verzögert sich um wenige Monate auf voraussichtlich Februar 2019. Zudem vergaß man leider, in die Kostenplanung eine neue Bestuhlung mit einzubeziehen, daher sind die Bonner nun zu Spenden aufgerufen, wollen sie künftige Konzerte nicht im Stehen genießen.

***

Soweit mein kleiner Jahresrückblick. Nochmals Ihnen alles Gute für 2018, behalten Sie stets einen kühlen Kopf, nicht nur für den hoffentlich unwahrscheinlichen Fall einer Transplantation. Im Übrigen: Wer braucht schon eine Beethoven-Halle.

Woche 52: Greinende Gesellen

Montag: Der Franzose sagt „gueule de bois“, wenn er den Kater am nächsten Morgen meint. Das mag für das westfälisch sozialisierte Ohr freundlich klingen, bedeutet jedoch so viel wie „Maul aus Holz“ und macht es nicht besser. Als Bezeichnung für die manchmal auftretende depressive Verstimmung am Tag danach schlage ich „Ethanocholie“ vor.

Dienstag: Freue dich, o Christenheit, ein Kind ist dir geboren. Ich habe keine Kinder, was ich keineswegs beklage, ich erwähnte es gelegentlich. Hätte ich jedoch welche, und mein Sohn, meine Tochter oder was auch immer die Kraft meiner Lenden hervorgebracht hat, fragte mich, ob Religion gut oder schlecht sei, so antwortete ich also dieses: Lieber Sohn / liebe Tochter / liebes Wesen, dem das Bundesverfassungsgericht endlich ebenfalls eine Existenzberechtigung zugesprochen hat, wir nur noch nicht dazu kamen, ein Wort für dich zu finden: Es ist gut, an einen Gott zu glauben und zu ihm zu beten, viele Menschen tun es und es gibt ihnen Halt in ihrem Leben. Es ist genauso gut, das nicht zu tun. Es ist jedoch schlecht, andere Menschen zu unterdrücken oder ihnen Gewalt anzutun, weil sie nicht, an den falschen Gott oder an den richtigen falsch glauben, oder weil irgendwer das vor hunderten von Jahren in irgendein Buch schrieb.

Mittwoch: Nach Weihnachten kehrt der Alltag auch ins Radio zurück. Fast habe ich die Reklame dort vermisst, weniger indes den Werbespot von Möbel Hardeck, der mit Rufen durchzogen ist, die wie „Sieg heil“ klingen, ich hoffe das liegt nur an meiner Hörschwäche. Zwiegespalten bin ich bei diesen englisch-amerikanischen Weihnachtsliedern mit künstlichem Glockenklang und Schlittenschellen im Hintergrund, welche ich einerseits nicht vermisse, deren Ausbleiben andererseits nun wieder mehr Raum schafft für Bourani, Foster, Giesinger, Ich & Ich, Revolverheld, Tawil und all die anderen greinenden Gesellen.

Donnerstag: Wie schlecht es um unsere Welt wirklich steht, verdeutlicht ein Blick in die Zeitung. Laut einem Bericht des General-Anzeigers bilden sich auf der Rigal’schen Wiese in Bonn-Bad Godesberg trotz umfangreicher Sanierungsmaßnahmen bei Regen immer noch Pfützen. „Ich war doch sehr er­staunt“, so ein Leser, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Freitag: Und noch einmal Radioreklame, ein unerschöpflicher Quell für meine alltäglichen Betrachtungen. Sie soll Interesse für das Produkt wecken und Vertrauen schaffen. Letzteres geht ein Reiseveranstalter, dessen Name ich mir nicht gemerkt habe, in sehr subtiler Weise an: Die im üblichen aufgeregt-schleimigen Werbergeplärre vorgetragene Anzeige endet mit dem Satzfragment „AGB beachten“. Nicht etwa „Bitte beachten Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ oder „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage …“, sondern ein kurzes, verschämt hingerotztes „AGB beachten“, so wie Hundebesitzer „Platz!“ rufen oder Schilder mit „Betreten verboten“ oder „Einfahrt freihalten“ angeschraubt werden. Ich werde dort wohl trotzdem keine Reise buchen.

Samstag: An einem Bahnübergang im Bonner Süden wurde ein Dreizehnjähriger von einem Zug erfasst und getötet, nachdem er über die geschlossene Schranke geklettert und über die Gleise gelaufen war. Wieder werden Forderungen nach besseren Sicherungen an Bahnübergängen laut, vermutlich werden genau jetzt, da ich diese Zeilen notiere, wutschäumend Leserbriefe verfasst, in denen die böse Bundesbahn als wahre Schuldige hingestellt wird, weil sie immer mehr Güterzüge durch das Rheintal fahren lässt. (Nicht ein Güterzug, sondern ein ICE erfasste den Jungen, was es nicht besser macht.) „Was muss denn noch alles passieren?“ – „Denkt auch mal jemand an die Kinder?“ – und so weiter. Ich möchte keinesfalls zynisch erscheinen und es liegt mir fern, das Leid der Angehörigen und Freunde des Jungen zu ignorieren, oder gar so etwas wie „Geschieht ihm recht“ zu äußern, das wäre niederes Facebook-Niveau, auf welches ich mich nicht begebe. Doch frage ich mich, welche Sicherheitsvorkehrungen die Bahn noch treffen soll. Selbst dem allerdümmsten Menschen sollte spätestens etwa ab dem achten Lebensjahr bewusst sein, man steigt nicht über eine geschlossene Bahnschranke. So wie man auch nicht, wie kürzlich wieder geschehen, auf einen Güterwagen klettert, schon gar nicht, wenn darüber eine Oberleitung gespannt ist. Wer es dennoch tut, muss leider mit den Konsequenzen leben. Oder kann es eben nicht mehr.

Sonntag: „Diese Generation ist mit der massiven Eichenschrankwand aufgewachsen – dem Sinnbild der Frühversargung.“ (Der Psychologe Stephan Grünewald über die 68er-Generation im Interview mit der FAS)

Übrigens ist es mir inzwischen völlig schnuppe, wenn Silvester hier und da mit Ypsilon geschrieben wird. In diesem Sinne: Auf ein Neues!

Nicht-Vorsätze für 2018

Man nennt diese Tage nach Weihnachten „zwischen den Jahren“, auch wenn das streng genommen natürlich Unsinn ist. Dennoch passt es ganz gut: Obwohl wir formal immer noch 2017 haben, erwarten wir von diesem Jahr nicht mehr viel. So ähnlich wie von der derzeit noch amtierenden Bundesregierung, mit dem großen Unterschied, dass ab kommenden Montag ganz sicher 2018 ist, ohne langwierige Sondierungen und Koalitionsverhandlungen sowie von Politikern wie Nahles oder Dobrindt vorab heraustrompetete Forderungen und Zurückweisungen.

Ich mag diese Zeit sehr. Der Weihnachtswahnsinn mit Geschenken und Vollfresserei ist vorüber, nur noch einige Plätzchen und Reste sind übrig, die in den nächsten Tagen dem Nahrungskreislauf zugeführt werden. Von weihnachtlichen Pflichtbesuchen ist man zurückgekehrt oder hat, sofern man selbst Besuch hatte, diesen verabschiedet. Angenehme Ruhe, endlich. Die Weihnachtssongs im Radio verstummen für die nächsten etwa fünfzig Wochen wieder. Nahezu himmlischer Frieden auch im Büro, sofern man sich diese Tage nicht ohnehin frei genommen hat.

Schon blicken wir dem Jahreswechsel entgegen. In diesen Tagen erstellen wieder viele Menschen eine Liste mit Dingen, die sie im neuen Jahr besser, öfter, weniger, gar nicht mehr oder überhaupt endlich machen wollen. Läsen sie diese Liste nach zwölf Monate erneut, stellten sie fest, dass sie nichts von alledem in die Tat umgesetzt haben. Zu ihrem Glück werden sie die Liste jedoch spätestens Ende Februar vergessen haben.

Ich dagegen erstelle jahresendlich eine Liste mit Dingen, die ich im neuen Jahr nicht angehen, umsetzen, erreichen oder ändern will. Das Erfolgserlebnis am Jahresende ist garantiert. 2018 werde ich nicht:

  • Amazon-Prime-Kunde werden
  • Mich mit Alexa unterhalten oder sie auch nur in meiner Wohnung dulden
  • Siri etwas fragen
  • Einen Hund anschaffen
  • In die USA reisen
  • Fußball-WM kucken, auch nicht wenn „wir“ spielt
  • Porschefahrer als vollwertige Verkehrsteilnehmer respektieren
  • Wörter mit Binnen-I schreiben
  • Mit einem Kaffeebecher durch die Gegend laufen
  • Am Wochenende freiwillig in einer Gaststätte frühstücken
  • Bei einem Umzug helfen
  • Der aktuellen Mode entsprechend auch bei geringen Außentemperaturen die bloßen Fußfesseln präsentieren. (Ich bin viel zu alt dafür, zudem erscheinen mir meine Knöchel nur wenig präsentabel.)
  • Ohne zwingenden Grund zu Hause aus arbeiten
  • Morgens vor neun Uhr freiwillig mehr sprechen als unbedingt erforderlich
  • Mich im Dezember wundern, wo das Jahr schon wieder geblieben ist

Wie immer ist die Auflistung keineswegs vollständig, sondern sie gibt nur die spontanen Einfälle wieder. Was die künftige Bundesregierung betrifft: Die sollen sich ruhig noch Zeit lassen. Ich finde, es läuft im Moment ganz gut zwischen den Regierungen.

Ihnen allen einen angenehmen Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahr! Schauen Sie ab und zu wieder hier rein, es würde mich freuen.

Woche 51: Weihnachtswahnsinn allüberall

Montag: Sollte mich eines fernen Tages der Drang überkommen, eine Hitparade der störendsten Geräusche zu erstellen, so hätte das Klappern der nur halbherzig geschlossenen Schlafzimmertür, wie sie sich im unregelmäßigen Hauch der Lüfte nicht entschließen mag zwischen auf und zu, derweil ich mich nicht aufraffen kann, das Bett zu verlassen um sie zu schließen, gute Chancen auf einen der vorderen Plätze.

Dienstag: Nach einem Weihnachtsmarktbesuch mit alten Freunden am Vorabend frage ich mich, warum es der Krone der Schöpfung, der ich mich im weitesten Sinne zugehörig fühle, nicht gegeben ist, trotz vielfacher einschlägiger Erfahrungen den Alkoholkonsum unter der Woche auf ein Maß zu beschränken, welches einem reizarmen Arbeitstag danach zuträglich ist.

Mittwoch: Höflichkeit ist eine edle Tugend. Doch auch für diese gilt wie für Rotwein, Marzipankartoffeln oder Geschirrspülmittel: Alles in Maßen. Es gibt Menschen, die beim Verlassen eines Aufzuges stets den anderen den Vortritt lassen, selbst wenn sie der Tür am nächsten stehen. Ihren Zuvorkommenheitszwang unterstreichen sie durch eine ausladende Armbewegung und ein hingemurmeltes „Nach Ihnen“. Wenn zwei oder mehr solcher Freundlichkeitsfanatiker im selben Aufzug reisen, kann es vorkommen, dass sich die Tür wieder schließt und er seine Fahrt fortsetzt, bevor auch nur einer von ihnen die Kabine verlassen hat. Während zu viel Rotwein Kopfschmerz, ein Übermaß an Marzipan Übelkeit verursacht, weckt übertriebene Höflichkeit manchmal Aggressionen.

Donnerstag: Noch immer irritieren mich Begeisterungsbekundungen meiner Mitmenschen über ihr Lieblingsessen, indem sie „Da könnte ich mich reinlegen“ sagen. Die Vorstellung einer sich in Pasta Bolognese wälzenden Person empfinde ich als äußerst unappetitlich.

Freitag: Am Abend sperrte die Polizei Teile des Bonner Weihnachtsmarktes wegen eines verdächtigen Gegenstandes. Das einzige, was explodierte, waren zum Glück nur die dusseligen Kommentare in den einschlägigen Netzmedien.

Samstag: Weihnachtswahnsinn allüberall. Einzelne Blitze zucken durch die häusliche Atmosphäre. Warum bin ausgerechnet ich mit zwei Menschen in tiefer Liebe verbunden, denen der Hinweis „Bitte nicht so viel“ eine unzulässige Zeichenfolge zu sein scheint?

Sonntag: Nur noch achtundvierzig Stunden / Dann ist Weihnacht‘ überwunden.

Floskelschaumkraut – 16. Fortschreibung und der 400. Eintrag

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Sprache entwickelt sich laufend weiter – nicht immer zum Guten, wie die nachfolgende Liste zeigt. Seit der letzten Aktualisierung sind wieder einige neue und nicht ganz so neue Phrasen aus Aufzug, Büro, Besprechungen, Telefonkonferenzen und dem täglichen Wahnsinn in mein leidgeprüftes Ohr gedrungen. Heute notiere ich den 400. Eintrag, dafür danke ich allen, die freiwillig oder ungewollt dazu beigetragen haben. Die Neuzugänge finden Sie ab der laufenden Nummer 378.

***

1.) „Okay…“ mit anhebender Stimmmodulation auf der zweiten Silbe. Mein absoluter Spitzenreiter.

1a) „Okodoki“ – die kleine, nicht minder schlimme Schwester von 1.)

2.) „Gesundheit!“ Verdammt, lasst mich doch einfach in Ruhe niesen!

3.) „Geht das zusammen oder getrennt?“

4.) „nicht wirklich“

5.) „Wir müssen die Leute mit ins Boot holen“

6.) „Wir müssen die Leute abholen

7.) „Da bin ich ganz bei dir/Ihnen“

8.) „Da bin ich fine mit“ (oder „fein“?)

9.) „Gerne!“ als Antwort auf „Danke“

10.) „Mahlzeit!“ – der Klassiker.

11.) „Da sind wir gut unterwegs

12.) „Da sind wir gut aufgestellt

13.) „Kein Thema!“

14.) „Herausforderung“, auch wenn es ein scheiß Problem ist.

15.) „Halloo…??“ mit Empörung vorgebracht, statt „Wie bitte?“

16.) „Ich freue mich auf…“ im Zusammenhang mit geschäftlichen Terminen/Angelegenheiten/was auch immer. Das glaubt ihr doch selbst nicht!

17.) „Das ist so was von [beliebiges Adjektiv]“

18.) „Ich sag mal…“

19.) „Na Urlauber…?“ am ersten Tag nach dem Urlaub. Als wenn es nicht so schon schlimm genug wäre, wieder arbeiten zu müssen!

20.) „Das geht g a r nicht!“ Wirklich nicht.

21.) „Wie [beliebiges Adjektiv, zumeist jedoch ‚geil‘] ist d a s denn??“

22.) „Am Ende des Tages…“

23.) „Das macht Sinn“

24.) „Super-GAU“, genau so unsinnig wie „das einzigste“

25.) „Quantensprung“. Ich nehme an, 95% derjenigen, die das Wort benutzen, kennen dessen eigentliche Bedeutung nicht.

26.) „mit Migrationshintergrund“ trieft nur so vor politischer Korrektheit.

27.) „Du, damit habe ich kein Problem.“ („Aber bleib mir weg damit!“)

28.) „wünsche … gehabt zu haben!“

29.) „Wer mich kennt, weiß, dass ich [blablabla]…“ – beliebte Wichtigtuer- und Arschlochfloskel

30.) „Da müssen wir jetzt Gas geben“

31.) „Das habe ich auf dem Schirm“

32.) „spannend“ im Zusammenhang mit irgendwelchen halbwichtigen geschäftlichen Angelegenheiten

33.) „Ich bin im Moment lost

34.) „An der Stelle…“ als Füllfloskel

35.) „Und äh…“ als Satzeinleitung, vor allem, wenn danach sekundenlang nichts mehr kommt

36.) „Dafür nicht“ als Antwort auf Danke

37.) „sexy“ in geschäftlichen und somit völlig unerotischen Zusammenhängen

38.) „Wir müssen die Kuh vom Eis holen“ (Auch schon gehört: “die Crux vom Eis“)

39.) „Ins offene Messer laufen“

40.) „Im Tal der Tränen“

41.) „Da müssen wir Geld in die Hand nehmen“

42.) „Das Projekt auf die Straße bringen“

42a) „Die PS auf die Straße bringen“

43.) „Auf Augenhöhe diskutieren“

44.) „Erdrutschartiger Sieg“ – Journalistenquatsch, ebenso wie

45.) „Ein Schluck aus der Pulle“ und

46.) „Geld in die Kassen spülen“.

47.) „Lohnenswert“ – dieselbe Wortfamilie wie „das einzigste“

48.) „Yummie“ – heißt wohl so viel wie lecker, was bei genauer Betrachtung nicht viel besser ist.

49.) „Zeitfenster“ – bitte geschlossen halten, es zieht.

50.) „Otto Normalverbraucher“, der Schwager von Max Mustermann.

51.) „Spaß beiseite“ – wer das sagt, hat wohl auch sonst nicht viel Freude.

52.) „Da bin ich leidenschaftslos“ und

53.) „Da bin ich schmerzfrei“ – mir tut es verdammt weh.

54.) „wtf“ = „What the fuck“. Gerne auf Twitter genutzt, ebenso wie

55.) „#fail“ – ja, mangelhaft!

56.) „Nennen Sie mal eine Hausnummer.“ Bitte: 19b, Hinterhaus.

57.) „Das ist mit mir nicht zu machen.“ Politikersülze.

58.) „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen.“

59.) „Ich mache mal den Vorsitz“ – beliebter Scherz, wenn nur noch ein Platz an der Stirnseite frei ist

60.) „… bis der Arzt kommt“

61.) „Da krieg‘ isch so’n Hals!“

62.) „Das haben wir ihnen ins Stammbuch geschrieben.“

63.) „Das stimmen wir bilateral ab.“

64.) „eine undurchsichtige Gemengelage“

65.) „[beliebiges Substantiv] wird bei uns groß geschrieben.“ Nicht nur bei euch.

66.) „Roundabout“ klingt ungefähr scheiße.

67.) „Er/sie erfindet sich immer wieder neu.“ Beliebte Feuilletonfloskel.

68.) „Das meint“ – meint „das bedeutet“ zu bedeuten, tut es aber nicht.

69.) „Ich speichere mal aus“ – klingt nach mentalem Stuhlgang.

70.) „Wer hat da den Hut auf?“

71.) „Ich sehe das mehr durch die […]-Brille.“

72.) „Das ist kein Showstopper.“

73.) „Da werden Pflöcke gesetzt.“

74.) „Das werfen wir denen (= andere Abteilung etc.) über den Zaun.“

75.) „Wir könne hier nicht auf der grünen Wiese planen.“

76.) „Das ist Brot und Butter“ – mir vergeht dabei der Appetit.

77.) „Wer sind hier die Player?“ – geht spielen.

78.) „Das haben wir im Scope.“

79.) „Lach doch mal!“ – eher zum Heulen.

80.) „Topic overflow“ – was mag es bedeuten? Für Hinweise wäre ich dankbar.

81.) „Wir müssen die Anforderung aufbohren.“

82.) „Wir müssen hier ja nicht das Rad neu erfinden.“

83.) „Ich schicke Ihnen mal einen Draft.“

84.) „Das absolut wasserdicht sein“. – Hauptsache, ihr seid ganz dicht.

85.) „Da können wir Honig saugen.“

86.) „nullachtfuffzehn“

87.) „Wenn wir dieses Fass jetzt aufmachen…“ – dann Prost Mahlzeit.

88.) „Das ist kein Hexenwerk“ – was für den Phrasenscheiterhaufen.

89.) „Umgekehrt wird ein Schuh draus.“ – Sonst ist es ein Huhcs??

90.) „Haben wir dafür schon das Go?“ – Geht mir weg!

91.) „Da bekommen wir ein Thema.“

92.) „Ich forwarde Ihnen das mal eben.“

93.) „Da sehe ich uns im Lead.“

94.) „Der Prozess wird noch nicht gelebt.“

95.) „Da muss ich mich erst mal aufschlauen.“

96.) „Das ist so 1990 [oder sonstiges beliebiges Jahr]“

97.) „Wir sind not amused“ – in der Tat wenig amüsant

98.) „Wie ist das gesettet?“

99.) „Leg dich wieder hin“ am Ende eines Telefonats – ein Klassiker

100.) „Wir brauchen da eine gute Storyline.“

101.) „Ein absolutes No Go!“ – geht wirklich nicht.

102.) „Ein absolutes Must Have!“ – also ich muss das nicht haben.

103.) „Das ist doch eher ein Nice To Have.“ – s. Nr. 102

104.) „Wir sollten dazu eine kurze TelKo machen.“

105.) „Wir sind hier doch nicht bei Wünsch dir was!“

106.) „Kannst du mich dazu kurz briefen / debriefen?“

107.) „Sind Sie morgen früh im Office?“

108.) „O-Saft“, „A-Saft“ – was für A-Löcher.

109.) „Das ist kein Dealbreaker“. Klingt trotzdem zum Kotzen.

110.) „Darauf haben wir uns committed.“

111.) „Sie können mich jederzeit anrufen.“ Ebenso verlogen wie

112.) „Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.“

113.) „Wir sollten das nicht mit der Gießkanne verteilen.“

114.) „Das ist alles in trockenen Tüchern.“ Auch gehört: „in grünen Tüchern“

115.) „Wir können da noch Synergien heben.“

116.) „Wir sollten das zeitnah erledigen.“

117.) „Wir sollten uns nächste Woche noch mal zusammentelefonieren.“

118.) „Wir phonen morgen.“ Oder „fonen“? Der Duden kennt beides (noch) nicht.

119.) „Mailen Sie mir einfach einen Zweizeiler.“

120.) „Ich schick Ihnen das mal kommentarlos zu.“

121.) „Da müssen wir wohl eine Sonderlocke drehen.“

122.) „Wir müssen das proaktiv kommunizieren.“

123.) „Nachhaltige Maßnahmen“

124.) „Wir müssen das frühzeitig eskalieren“

125.) „Tschö mit Ö“ – wie blöd!

126.) „Ganzheitliche Betrachtung“

127.) „Sounding Board“ – Ja, hat irgendwas mit viel überflüssigem Geräusch zu tun.

128.) „Das ist nicht in Stein gemeißelt“

129.) „Haben wir das auf der Agenda?“

130.) „an“ anstelle von „mit“, häufig in scheinbar gehobener Gastronomie. Beispiel: „Currywurst an Pommes“

131.) „Erstellen Sie einen Forecast.“

132.) „Den Ball zuspielen“

133.) „Ich mache da noch ’ne QS drüber“

134.) „Handlungsfelder erkennen“

135.) „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ – achtsilbiges Wortschaumgebäck für „jetzt“ (1 Silbe)

136.) „zu keiner Zeit“ – viersilbiges Wortschaumgebäck für „nie“

137.) „Der Plan ist auf Kante genäht“

138.) „exorbitant“

139.) „Was sind unsere lessons learned?“

140.) „Pros & Cons“

141.) „Da ist noch Spielraum / Luft nach oben“ – höfliche Umschreibung von „ziemlich scheiße gelaufen“

142.) „einen Workaround definieren“

143.) „erst mal die Füße stillhalten“

144.) „Das System läuft performant.“

145.) „Das wären ein neues Feature“

146.) „Trouble shooting“

147.) „Die Timeline ist sportlich.“

148.) „Das müssen wir noch mal festklopfen.“

149.) „Das ist keine Rocket Science.“

150.) „Sonst fällt uns das auf die Füße.“

151.) „Das ist ein ganz normaler Vorgang.“ – Umschreibung für: „Wir wissen, dass wir Mist gebaut haben, können das aber nicht zugeben.“

152.) „Das ist eine Blaupause.“ Nur im Suff zu ertragen.

153.) „Nicht, dass daraus ein Flächenbrand entsteht.“

154.) „Da haben wir ein Gap.“

155.) „An welcher Stelle ist das Bottleneck?“

156.) „Das habe ich schon eingetütet.“

157.) „Das machen wir on the fly“.

158.) „Das habe ich schon angetriggert.“

159.) „Kann man das später umswitchen?“

160.) „Wir werden das ergebnisoffen diskutieren.“ – uns von unserer Meinung jedoch nicht abbringen lassen.

161.) „Lösungsorientierter Ansatz“ – ja was denn sonst?

162.) „Walkthrough“

163.) „Ich habe heute einen harten Anschlag.“ – eher einen Knall.

164.) „Wir wollen kein Fingerpointing betreiben.“ Doch, genau darum geht es, um nichts anderes!

165.) „Was macht das mit dir?“ – Es kotzt mich an.

166.) „Wir müssen das von allen Seiten beleuchten.“

167.) „Da müssen wir noch mal gegentreten.“

168.) „Guter Hinweis!“ – Kurzform für „Sie sind wohl ein ganz Schlauer, was?“

169.) „Wir fahren hier auf Sicht.“ – heißt: Wir haben keine Ahnung, was wir hier tun.

170.) „Das lief völlig geräuschlos.“

171.) „Können wir das umshiften?“

172.) „Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben.“

173.) „Ich habe das in den Stiel gestoßen.“ – klingt unzüchtig bis schmerzhaft.

174.) „Wann ist das Kick-Off?“

175.) „Das machen wir hands on.“

176.) „Was sind die quick wins?“

177.) „Das ist so Mainstream“

178.) „Das ist so old school“

179.) „Was sind dabei die Painpoints?“ – das tut weh.

180.) „Das Projekt ist ongoing.“

181.) „Wie sind wir da gestafft?“

182.) „Operation am offenen Herzen“

183.) „Wir müssen die Kuh zum Fliegen bringen“ – eher eine Fehlfloskel, aber witzige Vorstellung

184.) „Ehrlicherweise“ – also war alles Bisherige gelogen?

185.) „Das ist nicht skalierbar.“

186.) „No show“ – bleibt mir weg damit

187.) „Townhall Meeting“ – aufgeblähter Begriff für Informationsveranstaltung

188.) „Welchen Ampelstatus hat das Projekt?“

189.) „genau“ als Füllwort / Satzüberleitung ohne vorangegangene Frage

190.) „Ich habe das auf dem Radar.“ – klingt nach geistigem Blindflug

191.) „… und Co.“ statt „und so weiter“

192.) „Einen Tod müssen wir sterben“ – aber vorher viel Mist anhören.

193.) „Das ist ’ne Menge Holz“

194.) „Da müssen wir ziemlich dicke Bretter bohren“ – ja, die vor dem Kopf zuerst.

195.) „Wir haben den nächsten Meilenstein erreicht“

196.) „Ich nehme das mal mit.“

197.) „Sie müssen das ganz neu denken!“

198.) „Schaun mer mal“ – in keiner Weise kaiserlich

199.) „Passt schon“ – ich hatte mehr erwartet.

200.) „Eine rote Linie ist überschritten“

201.) „Wie man auf Neudeutsch sagt“ – darauf folgt garantiert kein deutsches Wort.

202.) „Wir groß ist das Delta?“

203.) „Das quantifizieren wir per Augenintegral“

204.) „Da haben wir kein Issue.“

205.) „Ich habe morgen noch einen Slot frei.“

206.) „Der Drops ist gelutscht.“

207.) „Das ist work in progress.“

208.) „Können Sie mich morgen kurz anteasern?“

209.) „Da müssen Sie Ihre volle Leistung abrufen!“

210.) „Können wir uns da mal synchronisieren?“

211.) „Haken dran.“

212.) „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

213.) „Diese Lösung ist convenienter.“

214.) „Das ist hier der Enabler.“

215.) „Alles gut?“ – nein, gar nicht gut.

216.) „aka“, auch bekannt als ‚alias‘

217.) „Der Prozess ist etwas sonderlockig.“

218.) „Ist das all over gelevelt?“

219.) „Wann ist die Deadline?“

220.) „Unsere Mitarbeiter sind unser Aushängeschild.“ Deshalb stehen sie im Regen.

221.) „All Hands Meeting“

222.) „Dieses Internet(z)“

223.) „Was ist da unser Zeithorizont?“

224.) „Wie händeln wir das?“

225.) „Du bekommst da noch Input von mir.“

226.) „Wir müssen das endlich durch die Tür bringen“. Macht sie am besten hinter euch zu.

227.) „Das klären wir im Vorfeld.“

228.) „Gibt es dafür ein Benchmark?“

229.) „Ich erstelle dazu einen One Pager.“

230.) „Hier die Meeting Minutes zu unserem Gespräch.“

231.) „Verzeihung, Freudsche Fehlleistung.“

232.) „Das ist state of the art.“

233.) „Wir sollten dazu einen Proofe of Concept durchführen.“

234.) „Wir fliegen da voll unter dem Radar.“

235.) „Haben Sie das schon angestoßen?“

236.) „quasi“ – an sich nicht schlimm, doch zunehmend eine echte Epidemie.

237.) „sozusagen“ – siehe Nr. 236

238.) „Da muss ich jetzt mal zwischengrätschen.“

239.) „Notfalls brauchen wir dafür erstmal eine händische Lösung.“

240.) „Ich bin da ambivalent.“

241.) „Jetzt gehts ans Eingemachte.“

242.) „Wir sollten das schon mal vorschattieren.“

243.) „Was sind unsere findings daraus?“

244.) „Machen Sie mal einen Aufschlag.“ Da möchte man direkt zuschlagen.

245.) „Das Argument kaufe ich.“ Bitte sehr, macht einsfünfundneunzig.

246.) „Shit happens.“ Auch wird viel Scheiß geredet.

247.) „Rüchtüüüg…“ – richtig blöd.

248.) „Reichsbedenkenträger können wir nicht gebrauchen.“ Leute, die dieses Wort absondern, noch weniger.

249.) „Das Thema können wir abbinden.“

250.) „Stillstand bedeutet Rückschritt.“

251.) „Never ever!“ möchte ich das hören.

252.) „Machen Sie da mal ein Preisschild dran.“

253.) „Last (but) not least“ – ein Klassiker, leider wird es dadurch nicht besser, genau so wie

254.) „nichtsdestotrotz“ – kotz.

255.) „in Schlagdistanz“ – oh ja gerne, komm her!

256.) „Die Lösung ist quick and dirty.“

257.) „Bitte halten Sie mich im loop.“ Im WAS??

258.) „fyi“ – ihr seid ja sooo cool.

259.) „Ich kriege da keinen Anpack dran.“

260.) „Ich stelle das (an andere Abteilung o.ä.) durch.“ Und ich drehe durch.

261.) „schlagmichtot“ (statt „was weiß ich“). Wie gerne würde ich!

262.) „Chapeau!“ Genau so überflüssig wie

263.) „Da gehen wir d’accord“

264.) „Ja nee…“ – was nun, ja oder nein?

265.) „Das ist der Urschleim.“ Ekelig.

266.) „Die Sache fliegt.“ Siehe auch Nr. 183

267.) „Das wird kein Kindergeburtstag.“ Eher Kindergarten.

268.) „Wir brauchen belastbare Zahlen.“

269.) „Wir nehmen Ihr Anliegen sehr ernst.“ Floskel für „Sie nerven!“

270.) „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“

271.) „Das sehe ich noch nicht.“ Aber wir müssen es leider hören.

272.) „Fit wie ein Turnschuh“ – Unfug, siehe hier.

273.) „Auf Wiederschauen.“ Was soll das sein?

274.) „Das ist immer eine feste Bank.“ – nicht sehr vertrauenserweckend.

275.) „sprich“ im Sinne von „das heißt“

276.) „irgendwie“ – der Bruder von „quasi“ (Nr. 236) und „sozusagen“ (Nr. 237)

277.) „Ich adressiere das.“ Siehe auch Nr. 260.

278.) „Das würde ich sofort unterschreiben.“

279.) „Das ist ganz großes Kino.“ Nur der Film ist leider scheiße.

280.) „Das Thema sehe ich bei Ihnen verortet.“

281.) „Nach dem Prinzip ‚slide the elephant‘“

282.) „Geben Sie mir bitte bis Mittwoch ein Feedback.“

283.) „Das habe ich noch auf dem Zettel.“

284.) „Ich lade Sie dazu ein…“ …und wagen Sie es besser nicht, dieser Einladung nicht zu folgen!

285.) „Check!“ – das neue(?) „Okay“

286.) „Das haben wir in der Pipeline.“ Da kriege ich ein Rohr.

287.) „Das ist suboptimal gelaufen.“

288.) „Wir bewegen uns hier auf einem schmalen Grat.“

289.) „Wir müssen die Leute besser einbinden.“

290.) „Ich sage das mal off the records.“ – Halt besser einfach die Klappe.

291.) „Ich bin gerade in einem Call.“

292.) „Können Sie das bitte mal vercharten?“

293.) „Das müssen wir noch verschriftlichen.“

294.) „Sorry, kurze Biopause.“ Ja, verpiss dich.

295.) „Ich habe das mal gehighlightet.“ Nicht sehr helle.

296.) „Kannst du das noch mal challengen?“ Eine echte Herausforderung für das Ohr.

297.) „Happy Call“ – macht nicht sehr fröhlich.

298.) „Wir gehen davon aus, dass…“ … wir es absolut nicht wissen.

299.) „In der IT-Welt…“

300.) „Storyboard“

301.) „Was sind die next steps?“

302.) „Die betreiben sherry picking.“

303.) „Breakout Session“

304.) „Hallo @all!“

305.) „Der Kunde ist sehr eskalativ.“

306.) „Danke für die Frage!“ Mist, erwischt… (s. auch Nr. 168)

307.) „Das ist kostenmäßig nicht darstellbar.“ – nicht mal in Power Point?

308.) „Das ist gehakt!“ – Ich glaube es hackt…

309.) „Da müssen wir noch mal ein Rad drehen.“ – Ihr meint wohl eher „am“.

310.) „Das ist eine zukunftsfähige Lösung.“

311.) „Prima, Ballerina!“ – genau so dämlich wie

312.) „…nach Adam Riese und Eva Zwerg“

313.) „Das entspricht nicht unserer Erwartungshaltung.“

314.) „Das ist am Ende nicht domptierbar.“

315.) „Das bleibt bitte closed shop.“

316.) „Unsere Leute müssen dafür brennen!“ – Und sich dann bitte nicht wundern, wenn sie verheizt wurden.

317.) „Wir müssen da der first mover sein.“

318.) „fyi“ – weißte bescheid.

319.) „tbd“ – müsste sich mal einer drum kümmern.

320.) „Dazu müssen wir noch eine Abstimmung fahren.“

321.) „Kollege P ist da im Film.“ – Ich auch. Im falschen.

322.) „…aber hey!“

323.) „Nichts für ungut.“

324.) „Ich sehe uns langsam auf der Zielgeraden.“

325.) „Woran machen Sie das fest?“

326.) „Wir brauchen mehr Anpacker.“

327.) „Ihren Einwurf haben wir zur Kenntnis genommen“ (… und sind ziemlich angepisst darüber.)

328.) „Wir müssen da Vorreiter sein.“

329.) „Jetzt mal Butter bei die Fische.“

330.) „Will heißen…“

331.) „Bitte RüMe bis morgen eob.“

332.) „Dann müsst ihr auch was mitbringen zur Party.“ (Neue Form des alten Schlagers ‚Wer soll das bezahlen?‘)

333.) „Als warm up soll das erstmal reichen.“ Ja, ziemlich aufgewärmt.

334.) „Beam mir das mal gerade rüber!“

335.) „Das müssen wir denen zurückrouten.“

336.) „Das kommt noch on top.“

337.) „Haben wir einen Plan B in der Tasche?“

338.) „Deep dive“

339.) „Das muss ein echtes Kundenerlebnis sein.“

340.) „Was sind die assets?“

341.) „Ich sehe da keinen Benefit.“

342.) „Wann ist der Lounchetermin?“

343.) „Wir müssen da mehr disruptiv denken.“

344.) „Freuen Sie sich auf spannende key notes!“

345.) „By the way“

346.) „Im Endeffekt“

347.) „Ich darf Sie zu einem get together einladen.“

348.) „Die Location war nicht schlecht.“

349.) „Da segeln wir hart am Wind.“

350.) „Das ist ziemlich vintage.“

351.) „Dienstag fliege ich nach L.A.“ (gesprochen: „Äll Äi“)

352.) „Das ist das all time high“

353.) „Das funktioniert wie’s Brötchenbacken“

354.) „Das läuft wie geschnitten Brot“

355.) „Das ist mir jetzt ein bisschen too much.“

356.) „Ist das nicht ein bisschen overdone?“

357.) „Das ist echt strange!“

358.) „Kind 2.0“

359.) „Würden Sie dazu bitte ein Statement abgeben?“

360.) „Was für ein Kostenticket ist damit verbunden?“

361.) „Ich nehme gerne deine Guideline auf.“

362.) „Ich fasse das Outcome kurz zusammen.“

363.) „Da erzeugen wir einen Datendump.“

364.) „Ich erwarte von unseren Mitarbeitern die Bereitschaft, eine Extrameile zu gehen.“ – Euphemismus für die Aufforderung zur Selbstausbeutung.

365.) „Das nimmt langsam Fahrt auf.“ – Ja, vor die Wand.

366.) „Das gehe ich nicht mit.“

367.) „Schreiben Sie mal ein paar corner cases runter.“

368.) „Gibst du mir dann einen kurzen Ping?“ – Ich glaube es piept.

369.) „Das ist in unserer DNA verankert.“ – Klingt stark nach einem Gendefekt.

370.) „Ich habe das mal geshared.“

371.) „Ich erwarte mehr can-do-spirit.“ – Wer wäre da nicht hochmotiviert für eine Extrameile.

372.) „Wir müssen da eine harte Linie fahren.“

373.) „Wir müssen klare Kante zeigen.“

374.) „Ich muss noch die Kids abholen.“

375.) „Der soll mal eine Zeitschiene abgeben.“

376.) „Das gehört auf den Prüfstand.“

377.) „Das entspricht leider nicht unserem Ambitionsniveau“.

Neu:

378.) „Damit gehe ich schon länger schwanger.“

379.) „Die Struktur muss lean sein“.

380.) „Wir müssen mehr Re-Skilling wagen.“

381.) „Das funzt.“ Klingt nach übel riechender Flatulenz.

382.) „Fire and forget.“

383.) „Wir müssen das Surrounding des Kunden beachten.“

384.) „Das haben wir auch noch vor der Brust.“ (Nur für dich, lieber C!)

385.) „Das ist nur Augenpulver.“

386.) „Das ist so historisch gewachsen.“ – Das haben wir schon immer so gemacht.

387.) „Die sind ziemlich agil unterwegs.“ – Anscheinend ein neues Lieblingswort modern erscheinen wollender Unternehmen.

388.) „Da müssen wir alert sein.“ – Da heult mir die Sirene!

389.) „Das wäre auch mein Bild.“

390.) „Ihr Erwartungswert ist ein falscher.“

391.) „Lass uns dazu mal morgen kurzschließen.“

392.) „Schick ihm mal einen frindly reminder.“

393.) „Da muss man schon Eier haben.“ – Boah ey, Alter!

394.) „Das finde ich ein bisschen overspaced.“

395.) „Wir müssen aufpassen, hier nicht overpromissing zu sein.“

396.) „Ein ein-eindeutiges Merkmal“. – Nachfahre von „das einzigste“.

397.) „Wir müssen das noch etwas crisper formulieren.“

398.) „Das sollten wir erstmal auf kleiner Flamme kochen.“ (Ein bislang übersehener Klassiker. Danke, Steffen!)

399.) „Das ist easy going.

400.) „Das sind die basics.“

***

So viel für heute. Die Liste wird laufend fortgeschrieben. Wenn Sie die Eier für weitere crispe Vorschläge haben, schicken Sie sie mir einfach einen friendly reminder. Vielen Dank!

Woche 50: Nie zuvor sah ich eine beeindruckendere Jogginghosendichte

Montag: Laut Radioreklame eines bekannten Möbelbausatzlieferanten erzeugt Schenken genauso viel Glückshormon wie beschenkt zu werden. Umso erschreckender empfinde ich die Gleichgültigkeit, mit welcher wir – mich selbst eingeschlossen – die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass es in einem Land wie unserem Obdachlose gibt. Wie die beiden mit dem Hund in der U-Bahn-Haltestelle, an denen ich – zusammen mit zahlreichen anderen hochbeschäftigten Menschen – jeden Morgen möglichst schnell vorbeigehe, ihre Frage nach etwas Kleingeld ignorierend, bloß keinen Blickkontakt entstehen lassen. Das geht so nicht weiter. Ab sofort habe ich ein paar Münzen griffbereit, die ich in ihren Becher lege, dazu ein freundliches „Guten Morgen“ tut auch nicht weh. Nicht jeden Tag, aber doch regelmäßig. Und zwar nicht nur die paar Kupfercent, Münzabfall, den ich üblicherweise zweifelhaften Musikern in ihr Schälchen lege, nachdem sie mich vor dem Straßencafé oder beim Spanier an der Ecke mit unerträglichem Gitarrengeschrammel belästigt haben, sondern richtiges Geld. „Aber die kaufen sich doch nur Alkohol und Zigaretten davon“, sagen Sie? Glaube ich nicht. Und selbst wenn, haben nur wir Reichen ein Anrecht auf ein bisschen Rausch? Mögen also die Endorphine sprudeln. Apropos Schenken: Meinen größten Weihnachtswunsch, den ich seit Jahren äußere, erfüllt mir leider niemand, dabei wäre das so einfach: endlich aufzuhören mit der überflüssigen Schenkerei unter Leuten, die schon alles haben. Solche wie ich.

Dienstag: Kann man bei zwei Personen schon von einer Warteschlange sprechen? Wenn ja, musste ich heute früh schlangestehen (oder schlange stehen? Schlange stehen?), um meine Münzen wie geplant in den Becher der Bedürftigen einzuwerfen, da ein Herr vor mir augenscheinlich entweder den gleichen Gedanken hegte oder sich spontan zu einer Spende entschlossen hatte. Wie auch immer: Ich tat es gerne und werde es wieder tun, auch wenn die Schlange länger wird, womit ich nicht rechne.

Mittwoch: Max Goldt zu lesen beglückt nicht nur die Seele, man lernt auch noch etwas dabei. So findet in einem seiner Aufsätze, der sich Frauen mit unangenehmen Stimmen widmet, die Knäkente (Anas querquedula) Erwähnung. Ohne je einem solchen Tier begegnet zu sein, ahne ich, was er meint, wobei ich die Gründe mit Rücksicht auf den interkollegialen Frieden nicht näher darlegen werde.

Donnerstag: Nachdem der Kater von der gestrigen Weihnachtsfeier endlich seine Krallen eingezogen hat, mache ich mich nun fertig für die nächste. Es hört einfach nie auf.

Freitag: Schadenfreude ist ein schändliches Gefühl. Meine Verachtung für Porschefahrer ist unermesslich. Am Abend traten diese beiden Tatsachen, die scheinbar unabhängig nebeneinander bestehen wie Bonn und Bielefeld, in eine unanständigeVerbindung, als ein SUV des vorgenannten Herstellers einem anderen Wagen (zum Glück nur leicht, aber mit einem deutlichen Rums) hinten drauf fuhr und meine Mundwinkel kurz nach oben zuckten.

Samstag: Weihnachtseinkäufe in Metz (Frankreich). Auf dem Weg dahin vor uns auf der Autobahn ein Molkerei-Tankzug mit der Aufschrift „Frische Milchideen“. Dazu fällt mir leider nichts ein. Auf dem Rückweg Zwischenhalt im Leclerc von Thionville. Nie zuvor sah ich eine beeindruckendere Jogginghosendichte als dort.

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Sonntag: Haushaltstipp der Woche: Die Anschaffung eine zweiten Spülmaschine macht Küchenschränke entbehrlich.