Woche 12/2026: Ohne nennenswerte Beschwerden

Vorab herzlichen Dank für die zahlreichen Genesungswünsche, die mich nach dem letzten Wochenrückblick per Kommentar und auf anderen Wegen erreicht haben!

Montag: Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus gestern Mittag wurde mir empfohlen, möglichst gleich heute zur Nachsorge den Hausarzt aufzusuchen. Also versuchte ich abends über die Doctolib-App einen Termin zu vereinbaren. Doch die Praxis vereinbart keine Termine über Doctolib, wie mir angezeigt wurde. Dann eben telefonisch gleich heute Morgen. Gar nicht so einfach: Bei Anruf meldet sich eine freundliche Stimme, man möge sein Anliegen nach Auswahl mehrerer Ziffern (Deutsch = 1; Allgemeines hausärztliches Anliegen = 1 … und so weiter) aufsprechen, man melde sich dann bald. Und allso tat ich. Eine halbe Stunde später bekam ich eine Kurznachricht von medflex, darin ein Link auf eine Art Messenger, wo mir mitgeteilt wird, man habe mich für übermorgen eingeplant. Auf demselben Weg bat ich umgehend um einen Termin noch heute. Kurz darauf erhielt ich eine Nachricht – ich staunte – über Doctolib, man könne mir für heute Nachmittag einen Termin anbieten, ich möge bitte alle Dokumente schon mal hochladen. Ich fotografierte also in der App die Entlassungspapiere und schickte sie ab. Wenig später meldete sich medflex wieder mit Link auf den Masseger, worin die Verschiebung bestätigt wurde.

Der geschätzte Mitblogger aus Hamburg verwies heute auf dieses Lied, das gut dazu passt.

Aus dem Liedtext:

Ich muss mein Leben verändern, alles verändern, und ich geh‘ zum Frisör.

Ich geh‘ zur Farbberatung, der Berater sagt schwarz. Das dachte ich mir.

Der Termin war dann kurz und schmerzlos, die Ärztin zeigte sich gut vorbereitet und hatte die zugesandten Dokumente bereits vor sich auf dem Bildschirm.

Dienstag: Der geschiente Arm ist zweifellos lästig, doch betrachte ich es als Glück im Unglück, dass ich dadurch nur geringfügig am Schreiben und gar nicht am Lesen und Gehen gehindert bin, somit sind essentielle Lebensfunktionen gegeben. In der Annahme, dass letzteres an der frischen Luft der Heilung förderlich ist, unternahm ich mittags einen Spaziergang an den Rhein und durch die Nordstadt zurück.

Erwähnte ich schon, dass ich diese Bäume als Kind immer „Mangolien“ nannte? Bestimmt, nur in diesem Jahr noch nicht.

Auch auf die Gefahr hin, den Anschein zu erwecken, mich bei Herrn Buddenbohm anbiedern zu wollen, was nicht beabsichtigt ist, was hätte ich auch davon, muss ich ihn ein weiteres Mal zitieren, weil es gerade perfekt passt:

Die drei Ringeltauben schienen mir immer erstaunlich gut mit ihrer eher komplizierten Beziehungsform klarzukommen. Sie haben auch recht lange und weitgehend streitfrei in ihrer komplizierten Konstellation durchgehalten. Länger jedenfalls, als es viele Menschen zu dritt oder überhaupt mit Polyamorie in irgendeiner Form schaffen, denn das ist emotionaler Hochleistungssport, wie alle Betroffenen wissen.

Oh ja. (Bitte denken Sie sich hier ein ausführliches Seufzen.)

Bloggen verbindet: Nicht völlig überraschend, nur unerwartet früh erreichte mich bereits heute eine Postsendung aus Greven. Liebe A., auch auf diesem Wege nochmals ganz herzlichen Dank!

Mittwoch: Krankschreibung bedeutet nicht Urlaub, fragen Sie den Kanzler und die CDU. Als verantwortungsbewusster Arbeitnehmer habe ich deswegen noch letzte Woche vor der Operation mein Laptop aus dem Büro nach Hause geholt, wo ich es am Montag wie gewohnt und im Vertrauen darauf, am nächsten Tag zurückzukehren, da ich ja niemals freiwillig zu Hause arbeite, zurückgelassen hatte. Nun schaue ich fast täglich einmal kurz in den Maileingang, nicht weil es müsste sondern aus – nun ja: Interesse. Das bedeutet: Achtzig Prozent der Mails werden sofort gelöscht, einige wenige, um die ich mich nach Rückkehr kümmern sollte, sofern sie sich bis dahin nicht erledigt haben, werden mit einem unterminierten Fähnchen versehen, der Rest bleibt erstmal stehen zum späteren genaueren Lesen oder Löschen. Sämtliche Besprechungsanfragen für kommende Woche werden nur unter Vorbehalt zugesagt, es sei denn, sie kollidieren mit jetzt schon bekannten Arztterminen, dann werden sie rigoros abgelehnt. Das beste: In dieser Woche muss ich an keiner einzigen Besprechung teilnehmen. Teams öffne ich gar nicht erst. An diese Arbeitsweise könnte ich mich gewöhnen.

Aus der Zeitung (General-Anzeiger Bonn online):

Wollen sie wirklich?

Aus der Symbolbildhölle:

Aus den Teilnahmebedingungen für eine Anthologie: „Menschen sind als Wesen hochinteressant, weshalb wir bitten, von Außerirdischen in den Geschichten abzusehen.“

Donnerstag: Heute wäre dank Leifsteil-Teilzeit ein planmäßig freier Inseltag gewesen. Geplant war eine Wanderung auf dem Natursteig Sieg von Herchen nach Schladern, das Wetter war perfekt dazu, sonnig und nicht zu warm. Aus vorgenannten Gründen ist längeres Wandern auf anspruchsvollen Wegen zurzeit nicht angezeigt, doch will ich es nicht allzu laut bejammern, frei hatte ich immerhin. Um den Tag nicht völlig ungelüftet zu verbringen, unternahm ich mittags einen Spaziergang an den Rhein, nachmittags verlagerte ich den Heilungsprozess auf den Balkon, bis die Sonne hinter den Häusern verschwand und augenblickliche Kühle mich wieder in die Stube trieb.

Noch eine Mangolie

Apropos Heilung: Vor der Tagesschau auf ARD kommt regelmäßig die Werbung für ein Mittel gegen Darm- und Magenbeschwerden, seit einiger Zeit zum Glück nicht mehr mit diesem nervigen Blag, das „Papa hat immer gepupst“ sagte. Geblieben ist die Aussage der/des nach Verabreichung des Mittels nicht mehr Leidenden, die/der da sagt: „Meine Beschwerden sind wie weg.“ Was bedeutet das, „wie weg“? Sind sie nun weg oder nicht? Wenn nicht, wo sind sie dann?

Freitag: Nicht weg, doch ohne nennenswerte Beschwerden sind auch die Auswirkungen der Operation vergangener Woche, sieht man mal von der Gipsschiene ab, die ich noch bis kommenden Donnerstag tragen muss. Vormittags zeigte sich die Hausärztin zufrieden mit dem Fortgang der Wundheilung und den sich normalisierenden Blutwerten. Der Wiederaufnahme der Werktätigkeit in der kommenden Woche steht somit nichts im Wege, außer vielleicht einer gewissen Unlust, die sich nach einer Aneinanderreihung freier Tage üblicherweise einstellt, man kennt das in Urlaubsfolge.

Der erste Wochenendeinstimmungscremant am Abend schmeckte schon wieder ganz passabel. Es besteht Hoffnung.

Samstag: Kein Tag ohne neue Erkenntnisse:

Wer hätte das gedacht. (General-Anzeiger Bonn online)

Der Plan für den Tag sah vor, mehrere Schreibvorhaben anzugehen. So ist ein Brief zu beantworten und die begonnene Kurzgeschichte für eine Anthologie sollte weitergeschrieben werden. Wie das so ist mit Plänen: Nachmittags überkam mich jähe Schreibunlust, auch das kommt vor, und eine diffuse Unruhe trieb mich nach draußen; statt am Schreibtisch verbrachte ich die Zeit mit einem langen Spaziergang, fast einer kleinen Wanderung durch die Siegauen bis zur Siegmündung und zurück. Nach Rückkehr schaffte ich es gerade noch, diese Tagesnotiz niederzuschreiben, das ist immerhin besser als nichts.

Siegauen: links der Rhein, rechts die Sieg. (Beide nicht im Bild, daher denken Sie sie sich bitte.)
Die Sieg
Ebenfalls
Es grünt

Abends aßen wir im Restaurant. Bei der Auswahl bin ich zurzeit etwas eingeschränkt, da ich möglichst Gerichte wähle, die problemlos einhändig zu essen sind, etwa Penne mit Rindfleischstreifen oder Erbseneintopf, weil das Essen mit Messer und Gabel wegen der Armschiene etwas mühsam ist. Somit esse ich zurzeit wie die jungen Leute, die stets eine Hand für das Datengerät benötigen, während sie mit der anderen die Nahrung aus der Bowl picken.

Sonntag: Wesentliche Tagesaktivitäten waren Frühstücken und Leute kucken vor dem französischen Café in der Innenstadt, Sonntagszeitung lesen auf dem Sofa, darin eine interessantes Interview mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, dessen Einstellung zu Regeln und Sprachgebrauch mir durchaus sympathisch ist. Nachmittags folgte ein längerer Spaziergang durch die Südstadt mit anschließendem Außenbier beim Lokal am Rheinufer, was einhändig uneingeschränkt möglich ist. Ein wenig an der Kurzgeschichte geschrieben habe ich auch.

Poppelsdorfer Allee, Blickrichtung Innenstadt
Außenbier, Blickrichtung Mutterhaus

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut und möglichst beschwerdefrei durch die Woche. Für mich beginnt wieder der Ernst des Arbeitslebens. Wird auch Zeit.

19:00

Woche 10: Das korrekte Genus des Possessivpronomens

Montag: Auch der Karneval ist nicht vor Empörung sicher. Nachdem sich in der letzten Woche Bernd Stelter unbeliebt gemacht hat durch Witze über Frauen mit Doppelnamen im Allgemeinen und Anette Kramp-Karrenbauer im Besonderen, legt ebendiese CDU-Chefin nun ihrerseits nach, indem sie auf einer Karnevalssitzung über geschlechtslose Toiletten scherzt, wodurch sich einige diversgeschlechtliche Menschen, Verzeihung: angepisst fühlen. Mensch Leute, entspannt euch! Was bliebe vom Karneval übrig, wenn jeder Akteur zuvor überlegen müsste, wen er eventuell beleidigen könnte?

Dienstag: „Uns Sproch es Heimat“, lautete das diesjährige Karnevalsmotto in Köln (für Westfalen und andere Nicht-Reinländer übersetzt: „Unsere Sprache ist Heimat“). Die Schönheit dieser Sprache veranschaulicht folgendes Beispiel:

  • Hochdeutsch: „Darf ich Sie zu einer Kopulation einladen?“
  • Proletisch: „Isch will f***n!“
  • Rheinisch: „Solle mer noch wat Liebe maache?“

Wer würde da ablehnen?

Mittwoch: Etwa zwanzig Prozent meiner Arbeitszeit dienen der Sacharbeit, der Rest geht dafür drauf, mit Powerpoint eine aufwändige „Storyline“ zu gestalten. Wann genau und wodurch ist leitenden Angestellten, vom Abteilungsleiter aufwärts, die Fähigkeit abhanden gekommen, einfache Textdokumente zu lesen?

Dazu passend lese ich bei Michel Houellebecq, dem französischen Autor mit dem weder aussprech- noch buchstabierbaren Namen, in „Ausweitung der Kampfzone“:

„Die Beschaffenheit der Welt ist schmerzhaft und ungeeignet; ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern lässt.“ 

Ein sehr vergnüglich zu lesendes Buch, gerade in der Stadtbahn auf dem Weg ins Werk und zurück. Zurück natürlich vergnüglicher als hin, ist klar.

Abends mit der Bahn zur Chorprobe nach Köln. Auf dem Sitz hinter mir spricht jemand in sein Telefon: „In dem Alter als Mann ohne Dingens ist echt aussichtslos.“ In welchem Alter hat ein Mann wohl die besten Aussichten ohne Dingens?

Apropos Aussichten: Ich mag es, abends von der Bahn aus in beleuchtete Wohnungen zu schauen, wo fremde Leute irgendwas machen. Viel machen sie meistens nicht, außer rumsitzen oder die Küche zu verschmutzen. Beim Liebe machen sah ich indes noch niemanden. Ich bleibe dran und werde berichten.

Donnerstag: Nun haben sie wieder überall angefangen, zu fasten. Nach dem Verzicht auf Sex, Alkohol, Drogen, Zigaretten und Online scheint „Empörungsfasten“ der neueste Trend zu, also sich nicht mehr über jeden nichtigen Scheiß aufzuregen und seinen Missmut in die digitalen Hetzwerke abzusondern. Diese Idee gefällt mir ausnahmsweise. Daher nehme ich mir vor, mich nicht länger über den täglichen Wahnsinn im Werk ärgern. Wundern und Lästern bleiben selbstverständlich erlaubt, ja Pflicht.

Zum Beispiel über so wunderbare Wortschöpfungen wie die folgende, welche ich heute in einer Besprechung höre: „Gefühlstechnisch gehe ich davon aus, dass bla bla bla …“

Bemerkenswert auch „faire Rosen“, welche die SPD laut einem Zeitungsbericht morgen an Weltfrauen verschenken wird.

Abschied am Abend:

Twexit2

Twexit3

Hat gar nicht wehgetan.

Freitag: Der Liebste plant seine Flugreise nach Japan. An Bord werden unter anderem Baby-Sardinen serviert. Also so etwas wie Wasserflöhe, nehme ich an.

Abends traditionelles Fischessen (oder eher -trinken) im Zeughaus der Karnevalsgesellschaft. Raten Sie mal, wer am Weltfrauentag in der Küche stand und abwusch.

Samstag: Laut einer Umfrage zum Thema „Vertrauen in Institutionen“ vertrauen vier Prozent der Befragten Werbeagenturen. Vielleicht haben die einfach die Frage nicht richtig verstanden. Oder sie glauben tatsächlich an die Existenz von Schleimmonstern.

Wirklich gelungen finde ich übrigens die Werbung mit den beiden jungen Männern, die nebeneinander auf ihren Betten liegen und dieses sagen:

„Ich hab mir ˋne neue Matratze gekauft, hat mich ein Vermögen gekostet. Aber Qualität hat halt ihren Preis.“ – „Die meist gekaufte Matratze kostet hundertneunundneunzig Euro.“ – „Ne ne ne ne …“ – „Doch.“

Bemerkenswert vor allem das korrekte Genus des Possessivpronomens vor „Preis“. Mindestens vierzig Prozent würden stattdessen sagen „Qualität hat seinen Preis“.

Zu später Stunde wirbt im Fernsehen ein Anbieter von Erzeugnissen zur Unterleibs-Entzückung für ein Gerät mit „Wow-Orgasmus-Garantie“, angeblich von der Stiftung Warentest für gut befunden. Wie mögen die das getestet haben?

Sonntag: In Bonn (und vermutlich anderswo auch) beginnen die Magnolien zu blühen, wie ich auf meinem längeren Sonntagsspaziergang sehe, von dem mich auch der heftige Wind nicht abhält, der heute über Stadt, Land und Fluss fegt.

KW10 - 1

Früher sagte ich übrigens „Mangolien“ dazu, das erschien mir irgendwie schlüssiger.

Noch länger dauerte es, bis ich verstand, dass „Grüß dich“ kein Imperativ ist. Bis dahin wunderte ich mich, wenn das jemand zu mir sagte: Warum sollte ich mich selbst grüßen, und von wem?

Auf demselben Spaziergang sehe ich auch ein Plakat für eine Lesung von Max Goldt am kommenden Mittwoch im Pantheon. Sehr bedauerlich, dass ich mich dann auf einer Dienstreise befinde.