KW 49: Dagobert ist angepisst

Montag: Höhepunkt des Arbeitstages, oder highlight, wie diejenigen sagen würden, die auch gerne by the way sagen, Dinge nice finden oder mit allem Möglichen fine sind, war der folgende Satz eines Kollegen in einer Besprechung: „Ich habe die Frage nicht ganz verstanden. Und das ist noch schöngeredet.“

Dienstag: Dagobert ist laut einem Zeitungsbericht angepisst, weil viele, unter anderem der Innenminister von Brandenburg, den Unbekannten, der zurzeit die Post mit Sprengstoffpaketen erpresst und dadurch eine flächendeckende vorweihnachtliche Hysterie auslöst, aufgrund seines Vorgehens mit dem damaligen Kaufhauserpresser vergleichen. „Ich bin kein Fach­mann für Er­pres­sun­gen, son­dern ein re­so­zia­li­sier­ter Bür­ger“, so der Verglichene. Darauf wäre wohl „Heul doch“ eine angemessene Erwiderung.

Mittwoch: „Wenn wir uns begegnen / Dann leuchten wir auf wie Kometen“ — Wie bitte schön soll man positiv in den neuen Tag starten, wenn man schon am frühen Morgen mit so einem Mist aus dem Radio belästigt wird?

Donnerstag: Pizza wurde zum Kulturerbe erklärt. Ob auch der sogenannte Mohrenkopf dereinst diesen Status erlangt, bleibt abzuwarten. Ein Café in der Bonner Innenstadt zeigt sich diesbezüglich erfrischend unbeeindruckt vom Diktat der politischen Korrektheit.

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(Wofür das Sternchen steht, war nicht zu erkennen. Vielleicht für einen ungeschriebenen Hinweis: „Bitte werfen Sie uns deswegen nicht die Schaufensterscheibe ein, wir wissen, dass man das Wort eigentlich nicht mehr sagen/schreiben/denken darf. Uns fällt nur keine andere Bezeichnung für die Dinger ein.“)

Freitag: „Das ist noch nicht in final Tüchern.“ Was Businesskasper halt so im Aufzug sagen. Siehe Montag.

Samstag: Typischer Verlauf einer Gruppenkommunikation auf WhatsApp: Einer fragt was, achtzig Prozent machen dazu eine mehr oder weniger launige Bemerkung, ohne die Frage zu beantworten, vierzig Prozent kommentieren die Bemerkungen, fünf Prozent ermahnen die Vorgenannten zur Ordnung. Die Ausgangsfrage bleibt indessen auch nach Stunden noch unbeantwortet. Gesegnet sei die Stummschalte-Funktion.

Sonntag: „Das Hirn braucht Pausen, wenn es tags unentwegt auf Sendung ist. Mich macht es im Zug ganz wütend, dass niemand aus dem Fenster schaut, alle klappen ihre Notebooks auf und hacken wild drauflos.“ (Christian Dogs, Psychiater, in einem Interview der FAS)

Woche 48: Der wunderbare Moment, wieder rein zu dürfen

Montag: Mülltonnengeschichten I: Undankbar-desinteressiert gegenüber der Kunst, seine defekte Mülltonne selbst zu reparieren, zeigten sich laut einer Zeitungsmeldung die Bürger im Kreis Augsburg. Ein entsprechender Kurs wird aufgrund mangelnder Nachfrage nicht länger angeboten. Obwohl die städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe im Netz dazu einen Heimwerkerfilm bereitgestellten, konnten sich die Augsburger augenscheinlich nicht für dieses hochinteressante Thema erwärmen.

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(aus: Die Welt Kompakt)

Dienstag: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat trotz Widerstand des Umweltministeriums gegenüber der EU einer Verlängerung der Zulassung des unter dem Verdacht der Krebsauslösung stehenden Unkrautvernichtungsmittels Gly­pho­sat um weitere fünf Jahre zugestimmt und damit gegen die Geschäftsordnung der zur Auflösung anstehenden Bundesregierung verstoßen. Umweltministerin Hendricks tobt, die Bundeskanzlerin grollt ob des anstehenden Liebeswerbens um die SPD. Ich kann Herrn Schmidt indessen gut verstehen: Jahrelang sagten alle Bundesbürger „Christian … wer?“, heute dürfte ihn endlich jeder kennen, da er öfter in den Nachrichten erwähnt wird als in seiner gesamten Amtszeit zuvor.

Mittwoch: Pharmazeutische Erzeugnisse, die verhindern sollen, nachts raus zu müssen, lehne ich ab, bringen sie mich doch um den wunderbaren Moment, wieder rein zu dürfen.

Donnerstag: Der Tageszeitung, die der Arbeitgeber freundlicherweise zur Verfügung stellt, liegt heute ein Magazin mit dem Namen „Stiftungsführer“ bei. Geblendet vom Erstaunen darüber, dass diesem hochspannenden Thema eine eigene Zeitschrift gewidmet ist, begann ich darin zu blättern, brach jedoch nach wenigen Seiten ab, da der Büroschlaf während der fesselnden Lektüre Übermacht zu gewinnen drohte.

Freitag: Mülltonnengeschichten II: Obwohl er dreimal daran vorbeigefahren war, hielt Thomas es nicht für nötig, die Mülltonnen reinzuholen, deshalb musste das der Opa am späten Abend erledigen. Auf sein Fehlverhalten angesprochen, reagierte Thomas mit Gleichgültigkeit, darüber ist der Haussegen in Schieflage geraten. So ist mein Bruder eben, du kennst ihn ja. – So die knappe Zusammenfassung eines jungen Mannes Telefongesprächs erst mit der Mutter, dann der Freundin, welches mitzuhören ich in der Bahn auf dem Weg nach Köln das außerordentliche Vergnügen hatte. Das interessiert Sie nicht? Ich nehme an, die Mitreisenden in der Bahn auch nicht sehr.

Samstag: Die Vorbereitungen für die nächstes Jahr in Russland abgehaltene, als „Fußballweltmeisterschaft“ bezeichnete Megawerbeveranstaltung laufen. Schon jetzt krümmt sich das Wörtchen „wir“ vor Schmerz ob des massenhaften Missbrauchs.

Sonntag: Apropos Werbung: Manchmal bleibt im Ungewissen, ob Kundschaft angelockt oder vergrault werden soll.

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