Woche 48: Der wunderbare Moment, wieder rein zu dürfen

Montag: Mülltonnengeschichten I: Undankbar-desinteressiert gegenüber der Kunst, seine defekte Mülltonne selbst zu reparieren, zeigten sich laut einer Zeitungsmeldung die Bürger im Kreis Augsburg. Ein entsprechender Kurs wird aufgrund mangelnder Nachfrage nicht länger angeboten. Obwohl die städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe im Netz dazu einen Heimwerkerfilm bereitgestellten, konnten sich die Augsburger augenscheinlich nicht für dieses hochinteressante Thema erwärmen.

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(aus: Die Welt Kompakt)

Dienstag: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat trotz Widerstand des Umweltministeriums gegenüber der EU einer Verlängerung der Zulassung des unter dem Verdacht der Krebsauslösung stehenden Unkrautvernichtungsmittels Gly­pho­sat um weitere fünf Jahre zugestimmt und damit gegen die Geschäftsordnung der zur Auflösung anstehenden Bundesregierung verstoßen. Umweltministerin Hendricks tobt, die Bundeskanzlerin grollt ob des anstehenden Liebeswerbens um die SPD. Ich kann Herrn Schmidt indessen gut verstehen: Jahrelang sagten alle Bundesbürger „Christian … wer?“, heute dürfte ihn endlich jeder kennen, da er öfter in den Nachrichten erwähnt wird als in seiner gesamten Amtszeit zuvor.

Mittwoch: Pharmazeutische Erzeugnisse, die verhindern sollen, nachts raus zu müssen, lehne ich ab, bringen sie mich doch um den wunderbaren Moment, wieder rein zu dürfen.

Donnerstag: Der Tageszeitung, die der Arbeitgeber freundlicherweise zur Verfügung stellt, liegt heute ein Magazin mit dem Namen „Stiftungsführer“ bei. Geblendet vom Erstaunen darüber, dass diesem hochspannenden Thema eine eigene Zeitschrift gewidmet ist, begann ich darin zu blättern, brach jedoch nach wenigen Seiten ab, da der Büroschlaf während der fesselnden Lektüre Übermacht zu gewinnen drohte.

Freitag: Mülltonnengeschichten II: Obwohl er dreimal daran vorbeigefahren war, hielt Thomas es nicht für nötig, die Mülltonnen reinzuholen, deshalb musste das der Opa am späten Abend erledigen. Auf sein Fehlverhalten angesprochen, reagierte Thomas mit Gleichgültigkeit, darüber ist der Haussegen in Schieflage geraten. So ist mein Bruder eben, du kennst ihn ja. – So die knappe Zusammenfassung eines jungen Mannes Telefongesprächs erst mit der Mutter, dann der Freundin, welches mitzuhören ich in der Bahn auf dem Weg nach Köln das außerordentliche Vergnügen hatte. Das interessiert Sie nicht? Ich nehme an, die Mitreisenden in der Bahn auch nicht sehr.

Samstag: Die Vorbereitungen für die nächstes Jahr in Russland abgehaltene, als „Fußballweltmeisterschaft“ bezeichnete Megawerbeveranstaltung laufen. Schon jetzt krümmt sich das Wörtchen „wir“ vor Schmerz ob des massenhaften Missbrauchs.

Sonntag: Apropos Werbung: Manchmal bleibt im Ungewissen, ob Kundschaft angelockt oder vergrault werden soll.

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