Woche 38: Die Welt dreht sich trotzdem weiter

Montag: Nach dem Mittagessen verhinderte höllischer Lärm im Werksgarten einen gesunden Büroschlaf. Was wie ein besonders fieser Laubbläser klang, erwies sich als motorgetriebene Heckenschere, was es nicht besser machte. Bekommen diejenigen, die damit arbeiten, wohl Schmerzensgeld, oder wenigstens eine Erschwerniszulage?

Dennoch musste ich auf den Gesang des Laubbläsers nicht verzichten, das Heckengeschnetzelte musste ja anschließend zusammengepustet werden.

Dienstag: Bleiben wir im Büro, wo ich dieses las: »In Zukunft setzen wir für unsere Büromitarbeitenden auf eine noch bessere Balance zwischen mobilem Arbeiten und persönlichem Kontakt in einem innovativen Umfeld.« Als Büromitarbeitender mit tiefer Abneigung gegen Heimarbeit glaube ich in diesem Satz eine Bedrohung zu erkennen. Die Lebenserfahrung lehrt, wann immer in einer öffentlichen Verlautbarung oder Werbung die Worte „noch besser“ vorkommen, ist selten etwas Gutes zu erwarten.

Eine Bedrohung ganz anderer Art erfolgt zurzeit in einigen Regionen durch Orcas: Laut einem Zeitungsartikel greifen sie gezielt Ruder von Schiffen und Booten an, bis sie nicht mehr manövrierbar sind. So ähnlich fing das in „Der Schwarm“ von Schätzling auch an.

Als Radfahrer am meisten bedroht fühle ich mich übrigens durch andere Radfahrer, die unter Missachtung gängiger Anstands- und Verkehrsregeln und ohne zu kucken einfach drauflos fahren.

Mittwoch: Noch einmal das beliebte Thema gendergerechte Sprache. Die Ankündigung der Bundeswehr, diverse Dienstgrade künftig auch in weiblicher Form zu bezeichnen, wie „Generalin“, „Gefreitin“*, „Unteroffizierin“ oder „Oberstleutnantin“, inspirierte heute gleich fünf Leserbriefschreiber (darunter immerhin eine Frau) im General-Anzeiger zu ablehnenden Meinungsäußerungen. Ein wesentliches Argument: Die Bundeswehr habe ganz andere Probleme, die zuvörderst zu lösen wären. Das ist ein beliebter Einwand von Leuten, die gegen eine grundsätzlich gute Sache sind, meist beginnend „Die sollen doch erstmal …“ bzw. „Sollen die doch erstmal …“. Sehr beliebt auch bei Maßnahmen zu Klima- und Umweltschutz. Über das Wort „Vorständin“ zu weiblichen Vorstandsmitgliedern habe ich indes noch keine Empörungsäußerungen wahrgenommen, obwohl das mindestens genauso unsinnig ist.

* Müsste das nicht auch „die Gefreite“ heißen, oder bekommt das dann eine andere Bedeutung?

Donnerstag: Die Corona-App hat offenbar einen gewissen Unterhaltungswert, wie die Beobachtung eines Kollegen in Siegburg zeigt: Ein älteres Ehepaar wollte ein Restaurant aufsuchen. Während sie am Eingang wartete, ging er durch das Lokal, immer den Blick auf sein Datengerät gerichtet. Nachdem er seine Runde beendet hatte und wieder bei seiner Gattin war, sagte er: „Alles grün, kannst reinkommen.“

Die gute Nachricht zum Flüchtlingsdrama: 2015 wird sich ganz sicher nicht wiederholen.

Freitag: Manches nimmt man jahrelang als gegeben hin, ohne es zu hinterfragen. Wie die Altglascontainer in Werksnähe, an denen ich täglich vorbei komme. Erst heute früh, nach Jahren unbedachten Dranvorbeigehens, dämmerte mir: Warum stehen in einem reinen Büroviertel, fernab von Wohnbebauung, Altglascontainer, und das an gleich zwei Stellen mit wenigen hundert Metern Distanz dazwischen? Wer nutzt die? Oder gab es dort früher, als es noch Regierungsviertel und zudem üblich war, täglich ins Büro zu gehen, so viele Büro-Partys mit Schaumweinbegleitung?

Samstag: Mit dem Auto fuhren der Liebste und ich zu einem Kurzbesuch nach Bielefeld, wo meine Mutter westfälischen Pickert briet. Für Nichtwestfalen: Pickert ist eine Art Pfannkuchen aus geriebenen Kartoffeln, Mehl, Rosinen und Hefe, den man, möglichst warm aus der Pfanne, vor dem Verzehr mit Butter, Marmelade, Zuckerrübensirup oder grober Leberwurst bestreicht, möglich und (kein Scherz) ausgesprochen köstlich ist auch die Kombination von Leberwurst und Sirup. Abends fuhren wir wieder zurück, weil ich private Übernachtungen nach wie vor, unabhängig von irgendwelchen Seuchenlagen, als etwas erachte, das es unbedingt zu vermeiden gilt. „Samstagabend ist Kult“, sagte einer im Autoradio. Was Leute so daherreden, wenn man ihnen ein Mikrofon hinhält.

Sonntag: Die Unfruchtbarkeit von Männern scheint im Heterosexuellenmillieu ein großes Problem zu sein; letzte Woche war es Titelthema im SPIEGEL, heute berichtet die F.A.S. ausführlich dazu. Betroffene behaupten, die Feststellung habe sie getroffen wie der Tod eines nahen Angehörigen oder eine Krebsdiagnose, vor allem sehen sie ihre Männlichkeit arg ins Wanken geraten. Meine Herren, bitte sehen Sie mir meine antinatalistische Sichtweise nach, und es liegt mir wirklich fern, Sie vor den Kopf oder andere Körperregionen zu stoßen, aber angesichts von sieben Milliarden Menschen auf der Erde, mit weiterhin steigender Tendenz, fällt es mir schwer, die Dramatik darin zu erkennen. Auch wenn ausgerechnet Ihre wunderbaren Gene nicht weitergegeben werden, die Welt dreht sich trotzdem weiter.

Am Beueler Rheinufer stand nachmittags ein Doppeldeckerbus, auf dessen Oberdeck eine Kombo aufspielte. Wie ich einem verteilten Handzettel nach grobem Überfliegen entnahm, handelt es sich um eine Art Konzertreihe, die der Linderung derzeitiger kultureller Entbehrungen dient. Leider ist mir der Zettel auf dem Heimweg abhanden gekommen, daher kann ich nicht mit weiteren Informationen dazu dienen. Der geäußerten Bitte, Fotos oder Videos der Darbietung ins Netz zu stellen, komme ich selbstverständlich gerne nach.

Ansonsten waren in dieser Woche erfreulich: neue Schuhe, ein Spaziergang durch Bielefeld-Stieghorst, gedeckter Apfelkuchen, eine umfassende Einweisung in die neue Küchenordnung durch den Geliebten („Herd, heiß“ / „Heiß, Herd“).

Foto der Woche: Konsum

(c) Ethan Hoover

Die Aktion „Foto der Woche“ von Aequitas et Veritas läuft bis zum 31. Dezember. Jede Woche zeigt man ein Foto und schreibt was dazu, etwa wann und wo man es gemacht hat, warum man es zeigt oder welche Gedanken man damit verknüpft. Hier mein Foto für die Woche 38.

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Mich selbst als konsumorientiert zu bezeichnen, wäre übertrieben, wenn nicht glatt gelogen. Selten kaufe ich mir Dinge, die ich nicht unbedingt benötige. Unser Gesellschaftssystem, dessen wesentliche Säule das Kaufen von möglichst viel Zeug ist, wäre längst zusammengebrochen, gäbe es nur solche wie mich. Dabei ist das keine Frage des Geizes, ich hänge nicht sonderlich am Geld. Und doch widerstrebt es mir, etwas zu kaufen, nur weil es vielleicht gerade angesagt oder günstig zu erstehen ist.

Aber manchmal überkommt es auch mich. Dann sehe ich etwas und muss es sofort haben, ohne es wirklich zu brauchen. In diesem Fall war es das brennende Verlangen nach neuen, aufgrund der „neuen Normalität“ bürotauglichen Schuhen, das mich am Donnerstagabend noch ins Städtchen trieb:

Seitdem bewegt sich mein Konsumdrang wieder auf gewohnt niedrigem Niveau.

Woche 37: Hohle Phrasen und leere Versprechungen

Montag: „Wenn ich zum Traumdeuter gehe, muss der danach zum Psychologen“, sagte morgens der Geliebte, nachdem unsere Nachtruhe und die der näheren Nachbarschaft eine jähe Unterbrechung erfahren hatte durch seinen Aufschrei, weil er von wilden Bestien oder was auch immer gejagt wurde.

Aufschreigründe gibt es ja immer, wie solche Sätze, die ich heute hörte: „Es ist wichtig, die Kollegen onboarden zu können.“ – „Da sind wir gerade nicht satifikationsfähig.“

Dienstag: Es ist recht frisch geworden, jedenfalls morgens. Bekleidungstechnisch immer eine schwierige Phase: Auf dem Weg ins Werk kann ich schon Pullover und Jacke vertragen, zurück am liebsten Polohemd und kurze Hosen. Oder: „Ist kühl morgens Rad.“ Sie verstehen schon.

Von frisch zu frivol (bitte verzeihen Sie diesen nicht gerade durch Eleganz hervorstechenden Übergang) – ein gewisser Paul Di­vjak im SPIEGEL über ein Parfüm für Männer: „Das ist zart-süß und ani­ma­lisch-geil. Trop­fen für Trop­fen pure Lüs­tern­heit, mit Schweiß-, Urin- und Dar­kroom-As­so­zia­tio­nen.“ Urin. Und Darkroom. Wenn auch noch eine leichte Poppers-Note anklingt, muss ich es haben.

Mittwoch: Die Landwirtschaftsministerin will das Töten männlicher Küken verbieten. Stattdessen soll das Geschlecht bereits im angebrüteten Ei ermittelt werden. Ich habe keinen Zweifel an der Machbarkeit: Die Wissenschaft ist in der Lage, per Teleskop die Zusammensetzung der Atmosphäre Lichtjahre entfernter Planeten zu bestimmen, dagegen sollte die Geschlechtsbestimmung von Hühnereier*innen wohl ein Klacks sein. Wird es ein Mädchen, kommt das Ei in den Brutkasten, Jungs – knacks – in die Tonne, daraus kann man bestimmt noch Viehfutter für die Massentierhaltung machen. Mmh, lecker, denkt der kastrierte Eber. Wobei: Bringt das dann nicht Abtreibungsgegner in Rage?

Gelesen: Bereits die zweite Kollegin, die aus dem Urlaub heraus Mails beantwortet. Manchen ist nicht zu helfen.

Auch gelesen: „Leever ne Lappen im Jeseech als ne Zeddel am Fooß.“ – Für Nicht-Rheinländer: „Lieber einen Lappen im Gesicht als einen Zettel am Fuß.“ (Jörg P aus Bonn gegenüber dem General-Anzeiger, nachdem er eine schwere Covid-19-Erkrankung überlebt hat.)

Gehört: „Ich muss gerade nachdenken, worüber ich nachdenken wollte.“

Der Abend war es noch überraschend warm, daher verbrachten wir ihn auf dem Balkon. Versehentlich leerte ich dabei alleine eine Flasche Rosé. Darüber sollte ich gelegentlich nachdenken.

Donnerstag: „Wir wollen nach vorne schauen“ – eine sehr beliebte Formulierung für „Da haben wir wohl Mist gebaut“. Nach vorne schauten mittags im Rheinauenpark auch diese Herrschaften.

Was jenseits des Wassers ihr Interesse geweckt hatte, war nicht zu erkennen. Vielleicht hatten sie auch Mist gebaut.

“Ich habe dazu nachher noch einen Call“, sagt eine. Vieles täuscht den Anschein von Bedeutung vor, indem es eine englische Bezeichnung hat oder wenigstens so klingt. Und wenn es nur eitles Geplapper ist.

Eitles Geplapper auch auf Plakaten: Anscheinend gibt es Unternehmen, die allein von Wahlwerbung leben können. Was tun die, wenn gerade mal nicht gewählt wird?

Wahlkampf – viel Getöse, dabei indes nichts anderes als mit Millionenaufwand betriebene mediale und plakative Verbreitung zumeist hohler Phrasen und leerer Versprechungen. Wie die eine Partei, zu deren Markenzeichen in früheren Jahren drei Pünktchen gehörten, die jede Plakatphrase mit „Weil Bonn.“ enden lässt, was auch immer das bedeuten mag, ich zeigte es kürzlich bereits.

Dagegen sticht Die PARTEI mit Aussagen von bestechender Klarheit geradezu vorbildlich hervor:

Freitag: Eine Jour-Fixe-Teilnehmerin sagte „Ich habe heute nix für die Runde. Außer vielleicht …“ – Dann legte sie los.

Wir sollten nicht nur nach vorne schauen, sondern ab und zu auch nach oben. Kurz nach der Mittagspause hörte ich ein vertrautes, länger anhaltendes Motorbrummen, kurz darauf zeigte sich ein Zeppelin, zu meinem Erstaunen jedoch ein anderer als letzte Woche:

Haben die Dinger gerade Saison?

Samstag: Die Zeitung berichtet über den Bonner Unternehmer Ralf Z, der die morgen stattfindende Kommunalwahl anfechten möchte, weil es ihm „schwer gemacht wird“, die Briefwahl zu beantragen, konkret, weil das online nur bis Mittwochmittag möglich war; danach hätte er den Wahlschein persönlich beim Wahlamt abholen müssen, was nach menschlichem Ermessen und unter Berücksichtigung normaler Postlaufzeiten weder abwegig noch unzumutbar erscheint. Das sieht Herr Z nicht ein und beschwert sich: „Das ist zwar nur eine Kleinigkeit, für mich aber wieder ein Zeichen, was in dieser Verwaltung alles falsch läuft“, so Z; weiterhin: „Es herrschte völliges Desinteresse an meiner Lage.“ Welche Lage, lieber Herr Z? Ist Ihnen wirklich erst am Mittwochnachmittag eingefallen, per Brief wählen zu wollen? Zur Selbstabholung der Unterlagen: „Aber mir geht es ja eben in der Corona-Pandemie darum, dass ich nicht irgendwo hingehen muss.“ Nun wird er wohl gar nicht wählen, der arme Unternehmer, vielleicht ist das sogar besser so. Warum nur räumt man einem solchen Querulanten einen zweispaltigen Zeitungsartikel ein?

Der Geliebte beschimpft den Staubsauger. Offenbar geht es ihm gut.

Es ist mir übrigens völlig egal, ob andere sich darüber aufregen: Wenn Rewe im September Marzipanbrote anbietet, werden im September Marzipanbrote gekauft.

Sonntag: Es ist mittlerweile üblich geworden, Gegenstände, von denen man sich trennen möchte, sie allerdings als zu schade für die Mülltonne erachtet, vor die Haustür zu stellen mit einem Zettel „Zu verschenken“ daran. Zumeist finden sich Bücher, CDs und kleinerer Hausrat im kostenlosen Angebot. Ob die heute Nachmittag in Bonn-Castel gesichteten Kanister mit unbekanntem Inhalt ebenfalls einen Abnehmer finden, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ansonsten in dieser Woche erfreulich waren: ein Donnerstag ohne Donner, zwei neue Bücher für den Stapel der ungelesen, eine Einladung zum Vorlesen, ein früher Feierabend.

Foto der Woche: Natürlich

(c) Ethan Hoover

Die Aktion „Foto der Woche“ von Aequitas et Veritas läuft bis zum 31. Dezember. Jede Woche zeigt man ein Foto und schreibt was dazu, etwa wann und wo man es gemacht hat, warum man es zeigt oder welche Gedanken man damit verknüpft. Hier mein Foto für die Woche 37.

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Nach dem Mittagessen in der Kantine gehe ich, wenn es die Termine zulassen, gerne ein paar Schritte durch den Rheinauenpark, ehe ich mich im Werk wieder mit voller Hingabe den Mühen der Geschäfte widme. Am vergangenen Mittwoch sah ich dort diese Ansammlung von Schwänen, Enten und Gänsen in harmonischem Nebeneinander.

Doch der Schein trügt. Es gibt in der Natur kein friedliches Miteinander. Natur bedeutet immer knallharte, rücksichtslose Arterhaltung, Fressen und gefressen werden. Das gilt natürlich auch für den Menschen, wobei mir zunehmend Zweifel kommen, ob er noch viel Wert auf eine langfristige Arterhaltung legt.

Woche 36: Das schöne Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt

Montag: Nach dem Mittagsdessert hat so ein Montag zumeist große Teile seiner Beschwerlichkeit verloren, so auch heute.

Top-Themen auf der Leserbriefseite des General-Anzeigers: 1) Der berühmte Satz „Harry, fahr schon mal den Wagen vor“, den Oberinspektor (nicht Kommissar) Derrick so bekanntlich nie sagte, gleichwohl wurde er erst vor wenigen Tagen in dieser Zeitung derart zitiert, was gleich zwei Leser zur Richtigstellung bewog; und 2) Gendersternchen, die Leser Guido M aus B einigermaßen empört als „absurde Schreibweise“ entlarvt, als Belege führt er listig „Arzt“ und „Bauer“ an.

Dienstag: Letzte Nacht träumte ich, ein Kollege von mir, ein Jahr jünger als als ich und mit wesentlich kürzerer Werkszugehörigkeit, sei von der Personalabteilung für den Vorruhestand vorgeschlagen worden, was mich bis zum Erwachen mit neidvoller Empörung erfüllte.

Meine eigene Werkszugehörigkeit währt nunmehr vierunddreißig Jahre. Vieles nehme ich nicht mehr allzu ernst, manches nervt. Aber das ist das Salz in der Suppe, die auch nach so langer Zeit noch immer ganz gut schmeckt, wie ein Kollege es vor einiger Zeit ausdrückte.

Geträumt hat auch der Geliebte: von Jakobsmuscheln an Hummerschaum, wie er morgens verkündete und sogleich als Wunsch für das Abendessen anmeldete.

Vor der Kantine sah ich mittags zwei Herren, die sich Hände schüttelnd begrüßten. Idioten, war mein erster Gedanke. So weit ist es schon gekommen.

Unterdessen im General-Anzeiger weitere leserbriefliche Meinungsäußerungen zu Gendersternen. Bernd L aus Sankt A schlägt vor, die Pluralschreibweise mit n, wie es sie im Dativ Plural („den Lehrern“) schon gibt, auch im Nominativ anzuwenden: „die Eltern“ (gibts schon), „die Lesern“, „die Arbeitern“; inwieweit hierdurch die erwünschte Gendergerechtigkeit erreicht wird, vermag ich nicht zu erkennen.

Zum Abendessen gab es übrigens Frikadellen mit Nudelsalat, auch gut. Träume sind Schäume.

Mittwoch: Eigentlich wäre ich seit gestern bis morgen auf Dienstreise. Auch ein „Eigentlich“ von jener Sorte, wie sie in diesem seltsamen Jahr massenhaft auftreten. Wobei ich das Nichtreisen in diesem Fall nicht beklage.

Unsere nicht erfolgten Reisen nach Südfrankreich in diesem Jahr bedaure ich hingegen sehr. Über die Haltung der Franzosen zum Urlaub und „le Blues de la Rentrée“, die Urlaubsende-Depression, hier ein älterer, lesenswerter Artikel. Auszug:

Offensichtlich schlummert in jedem französischen Arbeitnehmer eine Art kleiner Anarchist, der im Grunde seines Herzens nicht nur Arbeitnehmer, sondern vor allem Mensch ist. Da sehen wir Deutschen, denen es wichtig ist, Kräfte fürs Arbeiten in der zweiten Jahreshälfte zu sammeln, irgendwie blöd aus.

Insofern fühle ich mich sehr französisch.

Donnerstag: „Das hätte stattgefunden haben müssen“, sagte einer. Ein Satz, den zu analysieren Mittelstufenschülern wohl größere Freude bereiten dürfte. Irgendwas mit Plusquamperfekt, Konjunktiv und einer winzigen Prise Futur II, behaupte ich; meine Grammatikkenntnisse sind leider im Laufe der Jahre etwas verkümmert. Ein anderer bemerkte: „Wir haben viele Kollegen, die wo mit Deutsch Probleme haben.“

Nach kargen Monaten voller Entbehrungen gab es in der Kantine endlich wieder grünen Wackelpudding mit Vanillesoße.

Darf man dazu eigentlich noch Götterspeise sagen oder fühlt sich dann irgendwer angepisst, weil seine religiösen Gefühle verletzt sind?

Abends erfuhr der Wortbestandteil „Donner“ des heutigen Wochentages eine besondere Unterstreichung, als durch eine vielleicht unbedachte, die Raumpflege betreffende Anmerkung meinerseits der Haussegen ins Wanken geriet. Das gehört wohl irgendwie dazu.

Freitag: Das war nicht ganz mein Tag. Morgens lag noch immer des Geliebten Grimm in der Luft, beim Verlassen des Hauses rammte ich mir ebenso ungeschickt wie schmerzhaft das Hoftor in die Ferse, und auf dem Weg ins Werk verließ den hinteren Fahrradreifen schlagartig die Luft. Nun bin ich ja ein großer Freund der Idee, alles ist für irgendwas gut. Sehe ich es also positiv: Der luftlose Reifen verschaffte mir einen längeren Fußmarsch, was immer gut ist, gehen macht glücklich. Praktischerweise liegt die Fahrradwerkstatt meines Vertrauens direkt gegenüber dem Friseursalon, wo ich abends ohnehin einen Termin hatte. Da zwischen Abgabe des Fahrrads und Haarkürzung etwas Zeit war, setzte ich mich an den Rhein, das macht man ja sonst auch viel zu selten. Auch die Wiederherstellung des häuslichen Friedens verlief am Abend in erfreulicher Weise. Das Hoftor schließlich verschaffte mir immerhin dieses schöne Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt. Ähnliches empfinde ich an manchen Tagen, wenn der Staubsauger endlich schweigt. Vielmehr noch, wenn eine Disharmonie ausklingt. Insofern wurde es doch noch mein Tag.

„Make peace, not love … sagt man doch so, oder?“

Übrigens weiß ich nun, wo die Spatzen abgeblieben sind, deren Verschwinden ich vergangene Woche bemerkte. Wie mir Martina S. per Mail mitteilte, sind sie ein kleines Stück gen Süden geflogen, genauer auf die Grafschaft bei Bad Neuenahr:

Liebe Martina, vielen Dank für die gute Nachricht, ich hoffe, ich darf das Bild hier verwenden; wenn nicht, bitte ich um kurze Mitteilung.

Samstag: Die Gendersternchen-Diskussion im General-Anzeiger hat noch nicht ihren Abschluss gefunden. Ortwin B aus M äußert dazu: »Viele Hundert Jahre ist unsere Sprache ohne die von Neurotikern, Egomanen und anderen Modernisten geforderten „Gendersternchen“ ausgekommen.« Mit anderen Worten: Das haben wir schon immer so gemacht, daher muss das richtig sein. Als Beleg bemüht er ein Bibelzitat von 1485, wonach Eva aus einer Adam entnommenen Rippe geschaffen wurde: »dise wirt genennet eyn mennyn. wann sy ist genommen von dem man.« Gendergerecht demnach vielleicht „man*yn“. Warum auch nicht.

Sonntag: Vergangene Nacht träumte ich, der bekannte Investor Frank Thelen sei verschwunden. Zuletzt sah man ihn auf einer volkstümlichen Veranstaltung, seitdem ist er weg. Mindestens so rätselhaft wie sein Verschwinden ist die Ursache, solches zu träumen. Ich bin Herrn Thelen noch niemals begegnet, habe ihn mangels Interesse an seinem Fachgebiet noch nicht im Fernsehen gesehen und nicht sein Buch gelesen. Wenn er in der Zeitung zitiert wird, schenke ich dem selten Aufmerksamkeit. Auch wirkt er auf mich, ohne ihm zu nahe treten zu wollen, nicht sonderlich sympathisch, was an seiner Physiognomie mit der strengen Investorenbrille liegen mag; auf der Liste derjenigen, die ich gerne mal auf ein Bier treffen möchte, steht er ziemlich weit unten. Insofern würde ich sein Verschwinden wahrscheinlich gar nicht bemerken.

Ziemlich weit oben auf der Liste der Dinge, die ich sehr gerne mal wieder tun würde – der Gedanke kam mir, als ich während des Sonntagsspaziergangs einen Briefkasten sah: mal wieder einen Brief schreiben, so richtig mit der Hand auf Papier und mit Briefmarke. Wenn ich nur wüsste, wem.

Ansonsten erfreulich in dieser Woche waren: Reibekuchen mit Lachs, das Hören einer Bruckner-Sinfonie, ein spontanes Straßenbier, eine schnelle Reparatur, ein passabler Haarschnitt.

Foto der Woche: Zeppelin

(c) Ethan Hoover

Das Blog Aequitas et Veritas lädt zur Aktion „Foto der Woche“ ein. Dabei geht es darum, jede Woche ein beliebiges Foto zu zeigen und etwas dazu zu schreiben. Die Aktion läuft bis zum 31. Dezember. Da bin ich gerne dabei; ob regelmäßig jede Woche, wird man sehen.

Hier also mein Foto der Woche:

Dieser Zeppelin drehte heute seine Runden über der Stadt. Zeppeline mag ich, auch wenn ich noch nie in einem gefahren bin. (Oder „fliegen“ die? Bei Ballons heißt es ja „fahren“, bei Luftschiffen bin ich mir gerade nicht sicher; ich erinnere mich dunkel, irgendwann mal gelesen zu haben, bei ihnen nennt man es „fliegen“, weil sie durch Propeller zusätzlichen Auftrieb erhalten, andererseits bin ich zu bequem, es zu recherchieren. So wichtig ist es auch nicht.)

Zum ersten Mal sah ich einen Zeppelin im zarten Kindesalter. Damals flog einer mit Reklame für eine einst sehr bekannte, heute vergessene Wuppertaler Biermarke mehrere Tage lang über Bielefeld. Als ich mittags zusammen mit Anke, der Nachbarstochter, den Kindergarten verließ, erschrak Anke heftig, zeigte auf den Zeppelin, der in der Ferne über der Stadt flog/fuhr und rief: „Kuck mal, eine Bombe!“

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Nachtrag: Sie fliegen, s. Kommentar unten. Vielen Dank, Herr Phillips, für die Recherche!

Woche 35: Unwissen schafft Freizeit

Montag: Morgens wurde eine Oberleitungsstörung zwischen Düsseldorf und Duisburg gemeldet. „Die Züge, die dort unterwegs sind, fallen heute aus“, sagte die Frau im Radio. Wahrscheinlich bin ich mal wieder der einzige, der das komisch findet.

Erstmals nach warmen Wochen zog ich wieder eine Jacke an. Ich beklage das nicht, bin ja eher ein Jackenmensch, bietet sie doch Platz für wichtige Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Telefon, Portemonnaie, Notizbuch, Kugelschreiber, Schlüssel und Altoids, welche sonst eine separate Umhängetasche erfordern, will man sie nicht in diversen Hosentaschen unterbringen, was nur unvollständig gelingt und zudem sehr unbequem und optisch unvorteilhaft ist.

In einer internen Werks-Mitteilung wird mal wieder „unsere gemeinsame DNA“ besungen. Das mag man auch nicht mehr hören noch lesen.

Dienstag: Mittags in der Kantine erfuhr mein kulinarischer Horizont eine wertvolle Erweiterung, weiß ich doch seitdem: Gewöhnliche Kartoffelsuppe wird zu „Berliner Kartoffelsuppe“, wenn man einige Nürnberger Rostbratwürste darin versenkt. Was soll’s, Hauptsache es schmeckt, und das hat es durchaus. (Da es mir in höchstem Maße albern erscheint, sein Essen zu fotografieren, kann ich nicht mit einem Bild dienen. Denken Sie sich als Serviervorschlag einfach eine Suppenschale voller deftigem Kartoffeleintopf mit drei kleinen Bratwürsten darin, das ganze verziert mit Petersilienstreuseln.)

Wie mir beim Blick aus dem Fenster während einer mehrstündigen Skype-Veranstaltung auffiel, sind die Halsbandsittiche zurück, nachdem sie sich wochenlang nicht blicken ließen. Vielleicht war es ihnen zu warm. Die Spatzen auf dem Fenstersims sind hingegen verschwunden. Wo mögen sie hin sein?

Mittwoch: Tief „Kirsten“ zog mit Sturm über das Land hinweg, zeigte sich im Raum Bonn jedoch gnädig, daher konnte ich auch heute von meteorologischer Unbill unbehelligt mit dem Rad ins Werk und wieder zurück fahren. Nur die Halsbandsittiche waren vorübergehend weggeblasen. Kollegin Kirsten, mit der ich telefonierte, zeigte sich hingegen freundlich wie immer. Eine launige Bemerkung wie „Was bist du heute stürmisch“ verkniff ich mir, vermutlich hatte sie dergleichen im Laufe des Tages schon mehrfach gehört und dazu gequält gelächelt.

Donnerstag: Ich bin bestimmt nicht der König der Effizienz. Wenn ich indessen sehe, wie viel Zeit manche Kollegen täglich verquatschen, wundert mich kaum, wenn sie mit ihrer Arbeitszeit nicht hinkommen.

Ansonsten bestätigte sich mal wieder in erfreulicher Weise: Manches erledigt sich von selbst, wenn man nicht auf jedes Anliegen umgehend reagiert. Merke: Unwissen schafft Freizeit.

Nur zwölf Prozent aller Bahnhöfe haben laut Zeitungsbericht kostenfreies WLAN. Auch so ein Skandal, dessen Empörungspotential mir allenfalls für ein „Heul doch“ gereicht.

Freitag: Erster Termin des Tages war beim Zahnarzt. Seit ich zu diesem gehe, ist alles Unbehagen gegenüber seinem Berufsstand verflogen. In all den Jahren hat er mir trotz mancher erforderlicher Maßnahme noch niemals weh getan. Ich empfehle ihn sehr. Wenn ich da an den „Sadisten“ meiner Kindheit in Bielefeld-Stieghorst denke … Der war schon schlechtlaunig, wenn ich mit nicht reinlichst geputzten Zähnen ihn aufzusuchen wagte, was er mich umgehend mit dem Bohrgerät spüren ließ. „Behaglich schnurrend mit dem Rädchen / dringt vor er bis zum Nervenfädchen“ dichtete Eugen Roth einst dazu.

Herr Emil freut sich über „eine übereinstimmende Feststellung der nicht gegebenen Sinnhaftigkeit einer Maßnahme“. Das verstehe ich gut und würde mich auch sehr freuen; leider kommen derartige Feststellungen in unserem Werk nur selten vor: Statt sich von einem augenscheinlich sinnlosen Vorhaben zu verabschieden, werden seitenlange, bunt bebilderte Präsentationen dazu erstellt. Wobei ich mich bei manchen text- und bildschwangeren Präsentationen frage, ob der Ersteller nur eine Sekunde lang an die Zielgruppe gedacht hat.

„Ach, ich bin derzeit insgesamt nicht annähernd so ruhig und ausgeglichen wie es vielleicht wirken mag“, lese ich bei Frau Myriade. Sie schreiben mir aus der Seele, meine Liebe! Jedenfalls ein bisschen im Moment.

Ein neues Wort legte der Liebste in die Wortschatztruhe: „Fernschlechtsehe“ als originelle Alternative zu „Kurzsichtigkeit“.

Samstag: Die Kirchen beklagen laut Zeitungsbericht mehr als eine halbe Million Austritte im vergangenen Jahr, nur sechzehn Prozent vertrauen noch der Katholischen Kirche als Institution, wie eine Forsa-Umfrage ergibt. Wobei, das sind eigentlich noch ganz schön viele, wenn man bedenkt: Die Menschheit ist in der Lage, Raumsonden auf Asteroiden zu landen, Atome zu spalten und Gene zu manipulieren; irgendwann wird vielleicht gar das Sitzplatznumerierungssystem der Bahn entschlüsselt sein. Gleichzeitig streiten sich erwachsene, gebildete Menschen darüber, ob sich ein kleines Plättchen trockenen Mehlgebäcks in den „Leib Christi“ verwandelt, und durch wen.

Sonntag: In den Tiefen meines Inneren bewundere ich Leute, die sich für Fußball oder Formel-Eins-Gebrause begeistern können. Also eher so eine irritierte Bewunderung statt einer neiderfüllten; nicht von der Art, wie man sie für jemanden empfindet, der beispielsweise gut Klavier spielen oder sich auf Französisch verständigen kann, sondern so eine, die man einer Person entgegen bringt, die vielleicht mit den Ohren wackeln oder mit Fürzen Melodien erzeugen kann.

Ansonsten erfreulich in dieser Woche waren: diverse Kelche, die an mir vorübergingen, ein Stein, der nicht flog, eine Stimmungsaufhellung, eine konfliktlösende Maßnahme, ein Restaurantbesuch, ein erster Hauch von Herbstluft und ein langer Spaziergang ans andere Ufer, also Rheinufer, meine ich.

Woche 34: Eine gute Wahl

Montag: „Blöder kann man wohl nicht in eine neue Woche starten“, schrieb ich hier vor genau einer Woche. Doch, kann man: Bereits um zwanzig nach drei in der Frühe schreckten wir hoch von drei Schüssen irgendwo draußen auf der Straße oder in den Höfen, wie soll man das in dem Moment so genau wissen. Nachdem am Morgen keine Leiche und keine Einschusslöcher in den Fassaden auszumachen waren, nehme ich an, dass ein Irrer ein neues Spielzeug hat. (Bereits am frühen Samstagmorgen hatte es fünfmal in gleicher Weise geknallt.) Eher unwahrscheinlich, dass jemand denkt: „Hier wohnt doch dieser K, den wecke ich jetzt mal, damit er was zu bloggen hat, dem fällt ja sonst nix Gescheites ein.“ Bloggerschicksal: Während meine Lieben schon wieder in sanften Träumen weilten, lag ich noch länger wach und dachte über die Formulierung nach.

Dienstag: Morgens brüllte am Wegesrand ein Laubbläser. Geht schneller als mit einem Rechen, klar. Aber was genau ist beim Laubklauben eilbedürftig?

Abends gab es was zu sehen, in gewisser Weise eine optische Wiedergutmachung für das vorgenannte Gelärme.

Spätabends vermeldete der Geliebte die Sichtung der vierten Maus im Vogelhaus. Das macht nichts, es bietet genug Platz für noch einige mehr. Wir schaffen das, wie die Kanzlerin sagen würde.

Mittwoch: Als ich morgens zum Werk kam, versperrte ein Auto den Zuweg zum Fahrradständer, weil die Fahrerin direkt vor der daneben befindlichen Packstation parkte, um ein Paket abzuholen. Das Angebot an sie, meine Kollegen zu fragen, ob sie nicht eine Packstation entwickeln wollen, in die man ganz hineinfahren kann, verkniff ich mir.

Während einer größeren Skype-Veranstaltung verbreitete sich ein Verbalvirus, Sie erinnern sich vielleicht, was ich meine: Jemand sagt ein bestimmtes Wort wie „quasi“, „genau“ oder „tatsächlich“, daraufhin taucht es in jedem weiteren gesprochenen Satz auf. Heute war es „natürlich“. Dummerweise bemerkte ich es erst, nachdem ich es selbst einige Male gesagt hatte.

Die Nachbarn von unten sind aus dem Urlaub zurück, einen Tag früher als erwartet. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, andererseits erfordert es vom Geliebten umgehende Verhaltensanpassung dahingehend, ab sofort keine Krümel und andere Gegenstände mehr kurzerhand über die Balkonbrüstung auf deren Terrasse zu entsorgen.

Donnerstag: Mitschrift aus einem Vortrag mit anschließender Diskussion: 62 mal „natürlich“, 48 mal „entsprechend“, 46 mal „Ich sag mal“, 15 mal „genau“, 14 mal „im Endeffekt“, 14 mal „quasi“, (nur) 11 mal „tatsächlich“, 11 mal „irgendwie“, 6 mal „an der Stelle“, 5 mal „am Ende des Tages“, je 4 mal „(agil) unterwegs“ und „vertesten“, je 3 mal „ehrlicherweise“ und „im Nachgang“, je 2 mal „im Prinzip“, „Zeitleiste“ und „wie gesagt“, und je einmal „Range“, „im Vorfeld“, „ausspeichern“ und „on point“.

Freitag: Die Briefwahlunterlagen für die Kommunalwahl sind eingetroffen. Wen ich nicht wählen werde ist klar. Aber wo soll ich mein Kreuzchen machen? Gar nicht so einfach.

Eine gute Wahl ist hingegen die neue Weinbar, die unweit unserer Wohnung neu eröffnet hat. (Zuvor befand sich in den Räumlichkeiten eine Billigbäckerei mit dem etwas albernen Namen „Back Oven“.) Sehr zu empfehlen, wobei sich die geringe Entfernung aufgrund des von uns vertesteten Angebots vor allem für den Rückweg günstig auswirkte.

Samstag: Heute ist „Erdüberlastungstag“, also der Tag, an dem die Menschen die natürlichen Ressourcen für dieses Jahr verballert haben und gewissermaßen auf Kredit weiter aasen. Warum der ausgerechnet heute ist und nicht gestern oder morgen, weiß die Wissenschaft, irgendwelche klugen Leute haben das mit vermutlich hochkomplizierten Methoden ermittelt. Jedenfalls ist das auch so ein stiller Feiertag, den kaum jemand zur Kenntnis nimmt, es passiert ja nichts Spektakuläres, also nicht mehr als an anderen Tagen. Die Erde könnte sich ja melden mit Orkanen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder Tsunamis, seht her ihr doofen Menschen, was ihr mir antut. Stattdessen leidet sie still vor sich hin. Wobei ich glaube, sie leidet nicht, vielmehr ist es ihr vollkommen egal, wann wir uns endlich ausgerottet haben.

Jährlich werden alleine in Deutschland etliche Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, davon ein nennenswerter Anteil aus unserem Haushalt, weil der Liebste manchmal einkauft, als gelte es, eine fünfköpfige Bergarbeiterfamilie nach einer anstrengenden Bergwanderung zu sättigen. Ich prangere das regelmäßig an, was heute mal wieder leichte zwischenmenschliche Spannungen erzeugte, die aber abends in erfreulicher Weise unter anderem mit einem Restaurantbesuch abgebaut werden konnten.

Sonntag: Michael Spehr schreibt in der F.A.S. über Freisprech-Telefonierer:

„Das Freisprechgeplärre ist die aggressive akustische Besetzung eines Raumes, den man nicht hat. Noch nie ließen sich Frechheit und Selbstgefälligkeit so einfach zur Schau stellen. Man muss dazu noch nicht einmal auf eine dieser neuerdings modischen Idioten-Demos zu gehen, sondern benötigt nur ein Smartphone und die Dreistigkeit der Dummen.“

Nämliches gilt für diese plärrenden Lautsprecher-Dinger, die sich Leute ans Fahrrad oder den Rucksack hängen, um damit ungefragt ihr Umfeld mit zweifelhafter Musik zu belästigen.

Ebenfalls nicht besonders leise, von manch unfrohen Naturen gar als Belästigung empfunden ist der Karneval. Zurzeit wird recht laut darüber nachgedacht, die bevorstehende Session aus aktuellem Anlass ausfallen zu lassen. Für mich persönlich habe ich diese Entscheidung längst getroffen, und ich gehe nicht davon aus, es allzu sehr zu vermissen.

Wie ich nachmittags während des Sonntagsspazierganges feststellte, hat der Ekelgrad der Schnellgastronomie augenscheinlich eine neue Stufe erreicht. Was zum Teufel ist das? Es sieht ziemlich widerlich aus.

Ich bin ein schwacher Mensch. Deswegen bin ich rückfällig geworden. Nein, ich rauche nicht wieder, das nicht. Aber ähnlich: Ich habe mir wieder ein Twitterprofil angelegt, vorletzte Woche schon, bitte fragen Sie nicht warum, es überkam mich. Doch besteht Hoffnung: Bereits heute weiß ich wieder, weshalb ich mich erst im letzten Jahr nach zehn Jahren Aktivität dort verabschiedet hatte. Insofern gehe ich nicht davon aus, dass das neue Profil lange bestehen wird.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Wochenrückblick entstand nicht ganz freiwillig mit dem neuen Editor von WordPress, den ich als arg gewöhnungsbedürftig empfinde und noch nicht durchblicke. Für etwaige Qualitätsmängel in der Gestaltung bitte ich um Nachsicht. Ursachen für mögliche inhaltliche Mängel sind indes nicht dem Editor anzulasten sondern wie immer demjenigen, der ihn nutzt.

Ihnen eine angenehme neue Woche!

Woche 33: Harmonische Dreisamkeit im Mausehaus

Montag: „Zu tun gibt es ja immer was“, sagte der Mann in der Radioreklame, die mich morgens angenehmen Träumen entriss. Blöder kann man wohl nicht in eine neue Woche starten.

Als ich vor gut zwanzig Jahren im Mutterhaus die Arbeit aufnahm, waren Anzug oder wenigstens Jacket und Krawatte eine ungeschriebene Selbstverständlichkeit für männliche Büroknechte. Auch freitags. Wer ohne Krawatte ins Büro kam, konnte sich einer entsprechenden Bemerkung des Chefs sicher sein, es sei denn, die Temperaturen lagen wie zurzeit über dreißig Grad – dann verzichteten sogar Chefs auf den Halsbinder, manche öffneten gar den zweiten Hemdenknopf, auch nicht immer schön. Die Damen hatten es da deutlich besser – leichte Sommerkleider und offene Schuhe waren nie Gegenstand des Anstoßes. In dieser Hinsicht hat sich vieles zum deutlich Besseren verändert: Zunächst entfiel an Freitagen die Krawattenerwartung – womit widerlegt ist, so ungern ich das zugebe, alles, was aus Amerika kommt, sei schlecht – später auch an den übrigen Tagen. Inzwischen sind Krawattenträger klar in der Minderzahl, und das ist gut so. Sogar Männer – auch Abteilungsleiter – in kurzen Hosen zeigen mittlerweile mehr oder weniger wohlgeratene Beine. Auch das ist gut, wobei ich selbst so weit noch nicht bin. Kommt vielleicht noch, wenn ich demnächst der letzte auf dem Flur in langen Beinkleidern bin. ‪Doch so warm der Sommer auch glüht – für Kaffee ist es nie zu heiß.‬

Nicht zu heiß, trotz Anzug und Krawatte und in ganz anderer Hinsicht, war es vergangenen Samstag Florian Schroeder in Stuttgart, der für mich ab sofort zu den ganz Großen dieser Zeit zählt. Deswegen.

Ich habe übrigens beschlossen, mich nicht länger aufzuregen, wenn andere das mit dem Abstand nicht begreifen oder einfach nicht wollen; es würde meine allgemeine Lebensqualität zu sehr beeinträchtigen. Ich kann nur weiterhin für mich selbst darauf achten. Mehr kann ich für mich und andere nicht tun.

Dienstag: Vergangene Nacht schlief ich wärmebedingt schlecht, hinzu kamen akustische und olfaktorische Unwägbarkeiten von der Nebenmatratze, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Während einer längeren Wachphase überlegte ich: Erreichen Florian Schroeder nach seinem Auftritt in Stuttgart nun wohl wüste Beschimpfungen und Morddrohungen? Wie geht man mit so etwas um? Droht mir ähnliches, nachdem ich für ihn Sympathie bekundete? Eher nicht, weil das hier nicht viele lesen. Vorteil des Kleinbloggers.

Tagsüber schrieb man mir per Mail: „Bitte geh du hier in den Lead.“ Soll ich jetzt singen, oder was?

Laut Zeitung rüsten die Stadtwerke Bonn ihre Busflotte derzeit mit Anti-Infektionsschutzwänden aus. Maschendraht?

Abends grummelte in der Nähe ein Gewitter, das etwas Regen schickte. Auch zwischenmenschlich grummelte es ein wenig, ohne konkret erkennbare Ursache; manchmal ist das so, wenn Menschen zusammen leben. Womöglich auch eine Folge der Hitze.

Mittwoch: Kurz nach Mitternacht kam das nächste Gewitter. Zunächst ein fernes Dauergrollen, das scheinbar nur sehr langsam sich näherte. Später erhellten Blitze den Nachthimmel über der Stadt und Donner rollte um die Häuser. Nicht wenige Menschen behaupten, sie schliefen besonders gut, wenn über ihnen die Naturgewalten toben; vielleicht haben sie dann auch besonders guten Sex, warum auch nicht, in dieser Hinsicht gibt es ja wenig, was es nicht gibt. Bei mir gilt das nur für nächtlichen Regen ohne Gewitter (also das mit dem Schlafen, mit dem anderen will ich Sie nicht unnötig langweilen). Eine Art erhalten gebliebener Urrespekt aus der Kindheit hält mich bei Gewitter wach. Immerhin, statt mir, bis es vorbei ist, die Bettdecke über den Kopf zu ziehen, wo bald Erstickung droht, stehe ich mittlerweile auf und schaue es mir vom Fenster aus an. Dann zähle ich die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Wie weit ist es weg? Kommt es näher? Alte Faustregel, wenn ich nicht irre: Anzahl Sekunden geteilt durch drei gleich Entfernung in Kilometern. Um kurz nach halb zwei war es vorbei. Kurz vor drei kam das nächste, recht schnell und bald wieder vorbei, dafür mit starkem Regen. Dieses Mal blieb ich im Bett und schlief dann doch noch ganz gut.

Nach einem weiteren heißen Tag zog am Abend das nächste Unwetter mit Gewitter, Sturm und viel Regen über die Stadt und richtete (zum Glück nicht bei uns) größeres Unheil an. Vorher sah das vom Balkon so aus:

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Hinterher nach vorne hinaus so:

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Auch die interne Gewitterneigung war noch nicht ganz abgeklungen, weil Tief C sich aus nach wie vor unerfindlichen Gründen noch immer nicht aufgelöst hatte. Hingegen harmonische Dreisamkeit am späten Abend in unserem VogelMausehaus:

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Donnerstag: Badgespräch am Morgen: „Stehst du schon wieder hinter mir!“ – „Nein, du stehst vor mir.“

Billie Eilish – laut Zeitung der zweitwichtigste Teenager der Welt. Nie gehört. Nachteil des Boomerdaseins. Oder Vorteil, wer weiß.

In den Medien wird behauptet, die demokratische Kandidatin für das US-Vizepräsidentenamt, Kamala Harris, sei „schwarz“. Verstehe ich nicht. Sie ist doch mindestens so „weiß“ wie Donald Trump, wenn man die Bilder vergleicht.

Freitag: Nur kurz Regen am Abend. Überhaupt regnet es zu wenig in letzter Zeit, manche Kommunen haben schon Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Die Schwimmbecken sind voll, aber der Duschkopf bleibt trocken. Dagegen war die Klopapierkrise ein Witz.

Ist Ihnen mal aufgefallen, dass es in Filmen selten regnet ohne Gewitterbegleitung, einfach nur Regen? Befürchten die Filmemacher, der Zuschauer würde den Regen sonst nicht bemerken? Darüber regt sich mal wieder niemand auf.

Samstag: „Die Vorstellung, dass an irgendeiner Stelle des Internets gesiezt wird, ist geradezu abwegig“, steht im General-Anzeiger zum Schwinden des „Sie“. Der Schreiber scheint dieses Blog nicht zu kennen. Warum sollte er auch.

Sonntag: Zwei notierenswerte Sätze aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

„Nichts verpufft schneller als die öffentliche Empörung.“
(Rainer Hank über integres Handeln von Unternehmen)

„Heute kommen Menschen aus allen Kontinenten, um Paderborn weiträumig zu umfahren.“
(Oliver Maria Schmitt über Paderborn)

In der PSYCHOLOGIE HEUTE las ich einen interessanten Artikel über sogenannte Spätblüher, das sind Leute, die erst im fortgeschrittenen Alter ihre wahre Berufung finden. Das gibt mir Hoffnung, doch noch Karriere zu machen als erfolgreicher, angesehener … wasweißich.

Am späteren Abend nach Einbruch der Dunkelheit werkelte der Nachbar gegenüber etwas Undefinierbares auf seiner Terrasse herum, wie so häufig. Dass wir ihm offensichtlich dabei zuschauen, störte ihn nicht. Kennen Sie das, wenn Sie jemanden bei seinem unablässigen Tun betrachten und sich fragen: Was treibt ihn nur?

Woche 32: Ästhetische Grundbedürfnisse an warmen Tagen

Montag: Morgens auf dem Weg ins Werk hielt vor einer roten Ampel ein anderer Radfahrer direkt neben mir, Abstand unter einem Meter. Wäre ich nicht so konfliktscheu und hätte er zudem nicht gewisse ästhetische Grundbedürfnisse bei mir angesprochen, also der hätte was zu hören bekommen!

Die erste Hälfte des Tages war von geradezu schmerzhafter Unlust begleitet, nach dem Mittagessen wurde es nur geringfügig besser. Erst der Abend zu Hause mit den Lieben und Begleitgetränk auf dem Balkon war ganz schön. Dieses Konzept „Arbeiten um zu leben“ bedarf der Nachbesserung.

Einen wesentlichen Teil meines inneren Friedens ziehe ich wohl daraus, mich nicht allzu sehr dafür zu interessieren, was andere Leute tun oder denken. Dazu gehört auch, abweichende Meinungen auszuhalten. Gleichwohl fand ich es sehr irritierend, von jemandem, den ich ansonsten sehr schätze, solches zu hören: „Das ist doch alles völlig überzogen.“ – „Was soll schon passieren, es ist nicht schlimmer als eine Grippe.“ – „Eine unglaubliche Einschränkung meiner Freiheit.“ – „Muss doch jeder selbst entscheiden, ob er eine Maske trägt und Abstand hält.“ – „Impfen bringt sowieso nichts.“ – „Wer weiß, was da wirklich hintersteckt.“ – „Es trifft doch fast nur die Alten.“ – „Italien? Das italienische Gesundheitswesen ist halt desolat.“

Noch einmal ästhetische Grundbedürfnisse: „Brauchst du eine kalte Dusche?“ lautete die Frage des Tages bei Quergeföhnt. Ja, abends im Rewe hätte sie zur Linderung einschlägiger Gedanken beitragen können, leider war gerade keine im Angebot.

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Dienstag: Erstmals las ich in der Zeitung das Wort „Fußgehende“ als gendergerechte Bezeichnung für Menschen, die Wege zu Fuß zurücklegen. Ich weiß nicht recht – nicht gerade eine prachtvolle Rose im Wörtersee.

Wie ich nämlicher Zeitung entnahm, beklagt ein gewisser Damian Hardung, mir bislang unbekannter Schauspieler, häufige Belästigungen durch unverlangt zugesandte Zuschriften und Anfragen sittenlosen Inhalts. Nach kurzer Bildrecherche im Netz verstehe ich.

Mittwoch: Morgens auf dem Weg ins Werk sah ich einen, der mit einem Laubbläser den halben Hofgarten in eine Staubwolke hüllte. War wohl eher ein Staubbläser. (Ja ich weiß, humoristisch eher flachwurzelnd.)

Donnerstag: „Manche führen, manche folgen“, stand auf dem hinteren Nummernschildträger eines sterntragenden Wagens, der vor dem Werk parkte. Manche spinnen, erlaube ich mir zu ergänzen.

„Es gibt keine Amseln mit Brustwarzen“, stellte der Geliebte am Abend klar, was wohl nicht einmal der derzeit amtierende amerikanische Präsident anzweifeln würde, sofern er weiß, was eine Amsel ist; Brustwarzen wird er wohl kennen. Später beklagte er sich, also der Geliebte, nicht der Präsident, worüber, sei dahingestellt: „… und ich werde wieder an den Pranger genagelt.“

Freitag: Schiefe Bilder auch im Werk. Aus einer Besprechung: „Wir müssen sehen, ob wir da einen Schuh dran kriegen.“

Die letzte Besprechung des Tages zog sich bis nach siebzehn Uhr hin. Während andere sich bereits kühlenden Wochenendgetränken widmeten, saß ich noch immer im warmen Büro und sah per Skype zu, wie jemand anderes eine Präsentation erstellte.

Hier eine kleine Serviceleistung für die warmen Tage:

(Mein erstes selbst erstelltes Gif, entstanden während einer Besprechung, die nicht meiner vollen Aufmerksamkeit bedurfte. Bitte beachten Sie die Fliege am Fenster.)

Abends waren wir zum ersten Mal beim Griechen im Rosenthal. Jahrelang waren wir auf dem Weg zum und vom Lieblingsbiergarten immer nur daran vorbei gegangen; nie sahen wir die Taverne gut besucht, was möglicherweise Rückschlüsse auf Qualität, Freundlichkeit oder andere Mängel zuließ. Auf nachbarliche Empfehlung hin hielten wir nun Einkehr und waren sehr zufrieden: Das Essen war reichhaltig und wohlschmeckend, der Service freundlich, die Preise moderat; nur der Ouzo des Hauses hätte kälter sein dürfen, dafür bekam jeder zwei. Da werden wir ganz bestimmt wieder hingehen.

Samstag: Es ist zu warm für viele Worte. Daher heute nur ein Archivbild aus kühleren Zeiten.

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(Aufgenommen bei Göttingen am 21. Januar dieses denkwürdigen Jahres)

Sonntag: Der Sonntagsspaziergang fiel hitzebedingt kurz aus, anschließend mied ich den Balkon und zog mich in mein abgedunkeltes Zimmer zurück, um in Ventilatorbegleitung die Sonntagszeitung zu lesen. Sie können davon ausgehen: Wenn es selbst mir zu warm zum Spazieren und Balkonsitzen ist, dann ist es verdammt warm.

Die Zeitungslektüre war ebenfalls verkürzt, nicht wegen der Hitze, sondern weil nachts ein Irrer unseren Briefkasten und einige andere aufgebrochen und die Inhalte teilweise zerrissen in die Einfahrt verstreut hat, darunter auch die Zeitung. Was hat der zu erbeuten gehofft? Warum tut man sowas?

Außerdem habe ich mir den kurzen Beitrag von Dieter Nuhr für die DFG-Aktion „Gemeinsam #für das Wissen“ angehört, um den in den letzten Tagen soviel Geschrei gemacht wurde, Sie wissen schon, Meinungsfreiheit und so, siehe auch Montag. Ich kann an der Stellungsnahme absolut nichts Erregenswertes erkennen. Im übrigen schätze ich Dieter Nuhr sehr, sowohl auf der Bühne als auch als Autor, gerade weil er gerne mal eine abweichende Meinung vertritt.

Aus der Erklärung der DFG dazu:

In verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft hat sich eine Debattenkultur entwickelt, in der oft nicht das sachliche und stärkere Argument zählt, in der weniger zugehört und nachgefragt, sondern immer häufiger vorschnell geurteilt und verurteilt wird. An die Stelle des gemeinsamen Dialogs treten zunehmend polarisierte und polarisierende Auseinandersetzungen.

Dem ist nichts hinzuzufügen.