Woche 41/2026: Damen mit gefärbten Haaren und geschlechtsunabhängige Armtätowierungen

Montag: Die Bahnreise mit Buseinlage nach Lichtenstein in Sachsen verlief zwar nicht planmäßig, immerhin besser als befürchtet, nach Abfahrt in Siegburg legte sich meine Nervosität etwas. Für eine Reise mit viermal umsteigen und Schienenersatzverkehr (dieses Wort begeistert mich immer wieder) ist eine zwei Stunden spätere Ankunft vielleicht nicht akzeptabel, jedoch hinnehmbar. Es lag vor allem an der Verspätung des Regionalexpress von Erfurt nach Gera, dadurch war der Busanschluss verpasst und der nächste fuhr erst gut eineinhalb Stunden später.

Ansonsten schien heute Tag der Klassenfahrten zu sein: Schon auf dem Bahnsteig in Siegburg befand sich eine größere Ansammlung Jugendlicher, die mit mir in den ICE nach München stiegen. Im anschließenden ICE von Frankfurt nach Erfurt saß ich inmitten einer solchen Gruppe, die sich trotz Ruhebereich und mehrfacher pädagogischer Ansprache durch den Lehrkörper nicht vom Plappern und Zanken abhalten ließ; hätte ich Strichliste geführt, wie häufig allein das Wort „Digga“ fiel, hätte eine Seite des Notizbuchs nicht ausgereicht.

Gegen halb fünf am Nachmittag erreichte ich das Hotel, früh genug für einen ersten Spaziergang durch die Stadt, wo es auffallend viele Damen mit gefärbten Haaren gibt, bevorzugt in violett und kupferrot. Auffallend auch die hohe Anzahl geschlechtsunabhängiger Armtätowierungen.

Was es auch gibt, ist die Knopf- und Mutzbratenstadt Schmölln, wie das braune Sehenswürdigkeitenschild an der Autobahn 4 ausweist, gesehen während der Busfahrt von Gera nach Glauchau. Was es nicht gibt, jedenfalls heute nicht für mich, weil ich das Passwort nicht weiß und versäumt habe, es zu erfragen, ist WLAN im Hotel. Deshalb kann ich wegen schwachen Mobilfunks erst später recherchieren, was Mutzbraten ist, falls es mich dann noch interessiert.

Dienstag: Das Hotel ist sauber, das Zimmer erfüllt seinen Zweck für drei Übernachtungen völlig. Auf der Rückseite des villenartigen Gebäudes hat man Zugang zu einem kleinen Park, der etwas großspurig „Stadtpark“ heißt. Schönheitsfehler: Das Hotelrestaurant ist nur noch am Wochenende geöffnet, was leider auch das Frühstück einschließt. Es gibt keine Rezeption, für Fragen gibt es eine Telefonnummer. Dennoch hält sich tagsüber im Restaurant- und Küchenbereich Personal auf, was auch immer sie dort tun. Andere Gäste habe ich auch noch nicht wahrgenommen. Alles in allem etwas gespenstisch.

Dafür habe ich gut geschlafen. Nach nicht allzu spätem Ausschlafen begab ich mich in eine Bäckerei in die Innenstadt. Danach ließ ich mich ohne Plan und Ziel durch das Städtchen treiben, erklomm rund hundertfünfzig Treppenstufen zum Schloss, das gerade zu einem Hotel umgebaut wird, und war fasziniert von der riesigen ehemaligen Strumpffabrik in Bahnhofsnähe, einst großer Arbeitgeber der Stadt, nach 1990 stillgelegt und nun unter Denkmalschutz stehend dem sichtlich fortgeschrittenen Verfall preisgegeben. Letzteres trifft auch für nicht wenige weitere Gebäude zu.

Das Hotel, Parkseite
Postkartenblick über Lichtenstein
Strumpffabrikruine
Mutmaßlich vom selben Verfasser wie „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“

Würde das Berufliche Schulzentrum in heutigen Zeiten erbaut, müsste wohl ein weiterer Eingang vorgesehen werden, wobei interessant wäre, was darüber geschrieben stünde. (Verzeihung, das konnte ich mir nicht verkneifen.)

Nachmittags kam ich dann zum eigentlichen Anlass dieser Reise, der Anpassung und Übergabe der Hörgeräte durch die befreundete Akustikerin. Auch wenn es vielleicht noch zu früh für eine abschließende Bewertung ist, bin ich sehr zufrieden damit. Sie passen sich gut ein, und neben dem Hauptzweck der Hörvermögensverbesserung begeistert mich, wie schon bei den vorherigen Probegeräten, die Möglichkeit, darüber Musik zu hören und zu telefonieren. Somit erfüllen sie denselben Zweck wie die weißen Ohrstöpsel, mit denen die jungen Leuten den ganzen Tag herumlaufen, nur unauffälliger. Es gibt also keinen Grund, mich deswegen alt zu fühlen, jedenfalls nicht älter, als ich ohnehin bin.

Mittwoch: Den letzten Tag hier nutzte ich bei bestem Wetter für eine Wanderung durch den Rümpfwald nördlich von Lichtenstein. Abgesehen von einer navigativen Fehlleitung der Komoot-App durch unwegsames Unterholz kurz nach Beginn war die Strecke sehr angenehm auch ohne Wanderstöcke zu gehen, mit nur mäßigen Steigungen und überwiegend auf Waldwegen. Immer wieder geht man an Teichen vorbei, einer davon beherbergt in größerer Anzahl Goldfische und Flusskrebse. An anderer Stelle veranstaltete die Forstwirtschaft rechten Ohres ein Kettensägenkonzert.

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Immer wieder traf ich auf Leute, die mit Körben ausgestattet in die Pilze gingen. Auch ich sammelte ein paar davon, allerdings nur mit der Kamera.

Auch meine Moosbegeisterung wurde wieder angesprochen, großflächige Teppiche bildet hier diese faszinierende Lebensform, die uns Menschen vermutlich um einige Millionen Jahre überleben wird.

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Während der Mittagspause auf einer Bank bei Voigdlaide fragte ich mich, warum belegte Brötchen aus Bäckereifachgeschäften immer diese helle Kleckerpampe enthalten müssen.

Insgesamt war es sehr erfreulich und endete mit Torte, Kaffee und anschließendem Bier auf der Terrasse eines empfohlenen Cafés im Ort.

Danach versuchte ich, Postkarten zu erstehen, die ich beim Abendessen schreiben und anschließend absenden wollte. Leider ohne Erfolg, weder die Post-/Lottofiliale noch die Schreibwarenhandlung führen welche und man konnte mir nicht sagen, wo sie erhältlich seien. Die üblichen, hier mitlesenden Postkartenempfänger mögen sich daher bitte auf diesem Wege als gegrüßt betrachten.

Im Hotel war heute niemand zu sehen, weder morgens beim Verlassen noch nachmittags und abends bei Rückkehr. Immerhin wurde zwischendurch das Bett gemacht, von wem auch immer. Sollte ich in der bevorstehenden letzten Nacht von einer Messerklinge träumen, die im Takte schrillen Geigenstakkatos beim Brausebad in meine Brust einsticht, würde es mich nicht wundern.

Da war er wieder, mein Lieblingsfehler: „Die Frankfurter Buchmesse ruft und unsere Jubiläumsanthologie steht in den Startlöchern und freut sich auf seine Releaseparty.“ steht im Njusletter des Schreiberverbandes, dem auch ich angehöre. Meine freundlich formulierte Antwortmail, wessen Releaseparty gemeint sei, blieb bislang unbeantwortet.

Der Koffer ist gepackt, morgen früh geht es zurück mit fünfmaligem Umsteigen und zweimal Schienenersatzverkehr. Ich sehe dem mit erstaunlicher Gelassenheit entgegen, vielleicht hatte die Hinreise am Montag die heilende Wirkung einer Konfrontationstherapie.

Donnerstag: Die letzte Nacht im verlassenen Hotel verlief ruhig, die Träume blieben unspektakulär. Die Rückreise verlief am äußeren Rande des Rahmens der Erwartung, zehneinhalb Stunden nach Verlassen des Hotels erreichte ich die heimische Wohnungstür. Andere fliegen in der Zeit in ferne Länder. Einige Reiseeindrücke:

Der Bahnhof von Glauchau verfügt noch über eine intakte, saubere Wartehalle mit Buchhandlung, Bäckereigeschäft und Fahrkartenschalter. Andere Städte vergleichbarer Größe haben häufig nicht mal mehr ein Bahnhofsgebäude und man muss froh sein, wenn es Sitzgelegenheiten unter einem zugigen Bahnsteigdach gibt. Sofern sie überhaupt noch einen Bahnanschluss haben.

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Ebenfalls in Glauchau überbrückte der SEV-Busfahrer die Zeit bis zur Abfahrt mit dem Schauen ohrenscheinlich eines Actionfilmes mit viel Geschrei, aufbrausenden Motoren und Reifenquietschen. Auf seine Fahrweise hatte das zum Glück keinen Einfluss. Im Gegensatz zur Hinfahrt führte die Fahrt nach Gera nicht über die Autobahn, sondern durch die Städte mit Bahnhof, unter anderem Meerane, ein gar nicht mal kleiner Ort, von dem ich nie zuvor gehört hatte. Immer wieder sieht man leerstehende, mehr oder weniger verfallene Häuser an der Strecke. In Ronneburg hatten wir in einer schmalen Straße unüberholbar die Müllabfuhr vor uns, was zu einigen Minuten Verspätung führte, die sich insgesamt nicht reiseverlängernd auswirkte.

In Erfurt wurde wegen der verspäteten Regionalbahn aus Hermsdorf-Klosterlausnitz der Anschluss an den ICE nach Frankfurt verpasst und deshalb die Zugbindung aufgehoben. Auch das war nicht schlimm, eine gute halbe Stunde später fuhr der nächste, bis dahin hatte ich genug zu lesen dabei. Letztlich erreichte ich Siegburg/Bonn gut eineinhalb Stunden später als geplant. Hier nun, gleichsam als Sahnehäubchen, ein weiterer, unangekündigter Schienenersatzverkehr bis Sankt Augustin, erst ab dort fuhr die Stadtbahn.

An all dem gemessen war ich bei Ankunft gut gelaunt. Warum auch nicht – abends gingen wir zur Feier des Wiederkehr ins Wirtshaus, morgen habe ich frei.

Freitag: Der freie Tag fühlte sich samstäglich an. Während des Gangs zum Altglascontainer wunderte ich mich über Menschen an der Stadtbahnhaltestelle Stadthaus, die auf die Bahn zum Hauptbahnhof warteten; weiter fährt sie wegen des fortbestehenden Wagenmangels immer noch nicht. Laut Anzeige sollte die nächste Bahn in einundzwanzig Minuten eintreffen. Zu Fuß ist die Distanz in maximal zehn Minuten zu schaffen.

Nachmittags übten wir auf ausdrücklichen Wunsch des Geliebten Winter.

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Samstag: Es ist mal wieder Zeit für die Beantwortung einer der tausend Fragen.

Nr. 67 lautet: „Welche Eigenschaft schätzt du an einem Geliebten sehr?“ Es sei mir gestattet, das Wort „einem“ durch „dem“ zu ersetzen. Am Geliebten schätze ich trotz gelegentlicher Reibungen einiges, unter anderem dieses: Er bringt mich fast täglich zum Lachen, auf unterschiedliche Weise, zum Beispiel indem er Sachen sagt wie „Der Mäusefänger von Harlem“, „Schneewittchen und die Eisheiligen“ oder „Gomorron und Soda“. Oder wenn er Lieder im Radio gesanglich begleitet mit erstaunlicher Textkenntnis und perfekter Beherrschung der Eintonleiter.

Zwei Töne beherrschte hingegen ein roter Einsatzwagen mit der Aufschrift „Zivilschutz“, der abends mit Blaulicht und LALÜ durch die Stadt sauste. So ein Fahrzeug sah ich nie zuvor. Was mag das für ein Einsatz gewesen sein?

Sonntag: Die Profischreiber der FAS können es auch nicht besser – aus einem Artikel über Steuerverschwendung: „Zweifellos nimmt die Mehrzahl der Vertreter in den Ämtern den Job ernst, gibt sein Bestes.“

Doch soll nicht immer nur alles bemeckert und kritisiert werden. In letzter Zeit viel zu kurz gekommen ist die beliebte Kategorie „Was schön war“. Ab sofort soll sie auch in diesem Blog wieder Platz finden, regelmäßig am Sonntag, dem besten Zeitpunkt, um die Woche mit einem positiven Rückblick zu beenden. Schön waren in dieser Woche neben anderem: eine geglückte An- und Abreise, mehrstündige Wanderlust, etwas Alleinzeit, Feuer im Kaminofen und ein herbstlicher Sonntagsspaziergang.

Bonner Südstadt I
Bonner Südstadt II
Immerhin parkt er nicht unbefugt auf dem Behindertenparkplatz

Ach ja, ehe ich es vergesse: Sie kommen doch am kommenden Sonntag ins Kulturbad Rüngsdorf, wenn ich mit drei anderen was vorlesen darf? Bis dahin habe ich hoffentlich auch entschieden, was.

Wann: Sonntag, 18. Oktober 2026, 11:30 Uhr

Wo: Rüngsdorfer KulturBad, Rheinstraße 82, 53179 Bonn

Wer: Lothar Schiefer, Julius Esser, Der Käpt’n, Carsten Kubicki

Weitere Informationen: Hier.

Und falls Sie wissen wollen, was Mutzbraten ist, lesen Sie bitte dort nach.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

17:30

Woche 40/2026: Zur Feier des Tages

Montag: Da ich Ihnen keine weitere Strophe des ewigen Klageliedes über den Montag, Müdigkeit und Arbeitslustmangel zumuten möchte, gibt es heute nichts zu berichten. Alles, was möglicherweise der Notiz wert gewesen wäre, blieb im Nebel des Desinteresses verborgen, der Muse Kuss blieb aus.

Vielleicht nur dieses, wo es gerade um Gesang geht: Zum dritten Mal besuchte ich die Chorprobe und ich sehe mich darin bestätigt, dass gemeinsames Singen die Stimmung erheblich aufzuhellen vermag, sogar an einem Montag. Daher werde ich wohl dabei bleiben, wenn sie mich haben wollen.

Dienstag: Laut WordPress-Rückblick war ich vor einem Jahr in Büsum an der Nordsee, wo ich bei bestem Wetter einige Tage Alleinzeit sehr genoss. Unglaublich, dass seitdem schon wieder ein Jahr vergangen ist. (Just in dem Moment, da ich diese Zeilen schreibe, schickt mein Bruder Bilder aus Büsum, wo er kürzlich mit Gattin weilte.)

In einer Woche habe ich wieder Urlaub, dann bin ich in Lichtenstein / Sachsen. Das kam so: Da mein Hörvermögen mit dem Alter etwas nachlässt, vor allem bei lauten Hintergrundgeräuschen wie Restaurantraunen, was Tischgespräche erschwert, lag mir der Liebste seit geraumer Zeit in den Ohren, etwas dagegen zu tun. Daher begab ich mich, wie berichtet, zu einem örtlichen Akustiker, wo mir nach einem Hörtest Hörgeräte zur Probe mitgegeben wurden, die ich über den Urlaub in der Bretagne testete. Mit dem Ergebnis war ich nicht sonderlich zufrieden, deshalb gab ich sie nach dem Urlaub zurück.

Nun ergab es sich, dass eine Freundin der Mutter des Geliebten Akustikermeisterin ist. Während eines Besuchs in Bonn vermaß sie meine Lauschfähigkeiten (verfluchte sei das Synonymgebot) erneut und händigte mir andere, bessere Geräte zur Probe aus. Die trage ich seitdem vor allem dann, wenn zwischenmenschliche Kommunikation zu erwarten ist, also nahezu täglich.

Nachdem auch ein HNO-Arzt ein Hörhilfenerfordernis bestätigt hat, erhalte ich in der kommenden Woche die Hörsysteme. Leider ist die Akustikerin in Lichtenstein ansässig, was die Reise erklärt. Um den vergnüglichen Aspekt nicht zu vernachlässigen, verbinde ich das mit ein paar Tagen Urlaub, es soll dort ganz schön sein.

Leider ist die Reise mit Reisen verbunden, wie (für mich) üblich mit der Bahn. Wie mir selbige schon vor Wochen mitgeteilt hat, ist die Zugbindung für die geplante Hinfahrt aufgehoben, weil sich Änderungen ergeben haben. Diese betreffen vor allem die Strecke ab Gera, wo Schienenersatzverkehr stattfindet. Es könnte abenteuerlich werden.

Ansonsten hat der liebe Nachbar unter uns heute Geburtstag. Vielmehr hätte, wenn er nicht vor zwei Jahren gestorben wäre. Einer der Kontakte in meinem Verzeichnis, die zu löschen ich nicht übers Herz bringe.

Abgesehen davon, dass er auf dem Fuß- statt Radweg fährt: Für mich die lächerlichste Art der Fortbewegung auf zwei Rädern

Mittwoch: Mittwoch (und Sonntag) ist Rasiertag. Während einer sechsköpfigen Teams-Besprechung mit annen Kameras stellte ich fest, der einzige Teilnehmer ohne Gesichtsbehaarung zu sein. Nicht weiter bedeutsam, es fiel mir nur auf.

Auch heute war es noch sommerlich warm. Morgen dann nicht mehr, es soll den ganzen Tag regnen, wir brauchen den Regen ja. Morgen habe ich frei.

Donnerstag: Der angekündigte Regen fiel zuverlässig und ausdauernd, somit fiel die inseltagsübliche Wanderung ins Wasser. Stattdessen frühstückte ich nach Ausschlafen auswärts im Kaufhof-Restaurant, wo ich mich zeitig einfand, ehe die Rentner alle Fensterplätze belegten, wobei von meinem Platz aus nicht mehr zu sehen war als eine umbaute Dachbegrünung. Im Übrigen verbrachte ich den Tag mit der Erledigung einiger Dinge von öffentlichem Desinteresse, weshalb sie hier nicht näher dargelegt sein sollen.

Restaurantfensterblick mit Grün und Plastikraben

Freitag: Der Tag begann mit Nebel. Kann es sein, dass es früher öfter nebelte als heute, so wie früher, also ganz viel früher, im Winter mehr Schnee lag? Wie dem auch sei, ich mag Nebel, wenn ich darin nicht gerade ein Kraftfahrzeug lenken muss. Das mag ich ohnehin nicht, auch ohne Nebel.

Der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub endete für einen Freitag recht spät, indes mit dem guten Gefühl, alle wesentlichen Gewerke erledigt zu haben. Also nicht erledigt im Sinne von vollendet, immerhin in einen Zustand versetzt, der meine einwöchige Abwesenheit guten Gewissens ermöglicht.

Bürofensterblick, morgens

Samstag: Heute ist Tag der Deutschen Einheit, vor sechsunddreißig Jahren endete die Existenz der DDR, ist es denn zu fassen, wie lange das schon wieder her ist. Nicht wenige Menschen beiderseits der damaligen Demarkationsgrenze (so hieß das damals im Diercke-Schulatlas, wenn ich mich recht erinnere) bedauern das. Ich selbst zähle ausdrücklich und aus voller Überzeugung nicht dazu, freue mich vielmehr über die Selbstverständlichkeit, mit der ich übermorgen nach Sachsen reisen kann. Von all den Bekanntschaften mit Menschen, die oben Genannte gerne despektierlich als Ossis bezeichnen, möchte ich keine einzige missen. Und dass uns in diesem und dem nächsten Jahr ein arbeitsfreier Tag entgeht, jedenfalls denjenigen, die das Privileg der Fünftagewoche begünstigt, weil der Feiertag auf das Wochenende fällt, dafür kann nun wirklich niemand etwas, weder in West noch Ost. Nicht einmal Friedrich Merz.

An jenem 3. Oktober 1990 war ich auf Wangerooge, wo ich mit einem Freund ein paar Tage verbrachte, unter anderem um die Inselbahn zu fotografieren. Deren Lokomotiven waren zur Feier des Tages mit Deutschlandfähnchen geschmückt, irgendwo müsste ich davon noch ein Bild haben, Moment … hier:

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Apropos Arbeit: Frau Kaltmamsell teilt meine tiefe Abneigung gegen Heimbüro:

Doch auch diesmal behagte mir das Arbeiten daheim überhaupt nicht. Dieses Einsickern von Arbeitsthemen, -sorgen, -mühen in mein heimisches Refugium und Rückzugsgebiet fühlt sich nach Vergiftung an.

Sonntag: Vergangene Nacht schlief ich schlecht. Für diese Erkenntnis benötige keine kluge Armbanduhr und keine App, die das für mich messen. Mehrfach wachte ich auf und lag längere Zeit wach. Als Ursache vermute ich eine akute Vorreisenervosität, die mit zunehmendem Alter immer heftiger wird. Eine gewisse Skepsis ist durchaus angebracht, die geplante Reise sieht fünfmaliges Umsteigen mit Schienenersatzverkehr vor, ich muss also innerhalb der teils kurzen Umsteigezeiten nicht nur das Gleis wechseln, sondern auch die Abfahrtstelle der Busse finden.

Andererseits muss ich das Ziel nicht zu einem bestimmten Termin erreichen, nur sollte ich bis 19 Uhr am Hotel sein, was auch bei großzügiger Verspätungskalkulation zu schaffen sein sollte, planmäßig soll ich gegen 15 Uhr ankommen. „Man weiß nie …“, raunt mein innerer Skeptiker. Anstatt mich also auf ein paar Tage Urlaub zu freuen, fühle ich mich, als stünde morgen eine wichtige Prüfung oder eine Operation an. Immerhin ist dadurch das Thema für den morgigen Blogeintrag bereits gesetzt.

Gesetzt ist auch jeden Sonntag der Spaziergang:

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Hätte ich Nachkommen und lebte ich dann noch, würde ich mich auch über so eine Bank freuen
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Es wird immer irrer
Balkonblick, anschließend

Im übrigen hoffe ich, Sie am 18. Oktober zu sehen, wenn ich was vorlesen darf. Weiteres hier.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

17:00

Woche 32/2026: Rad- und Achsbruch

Montag: Da heute Schreiblust und Inspiration bis zum Abend ausblieben, gibt es nichts, was über den ansonsten nicht zu beanstandenden Beginn dieser kleinen Woche zu berichten wäre. Alles Weitere finden Sie in den von Ihnen bevorzugten Medien.

Dienstag: In der vergangenen Nacht muss es nennenswert geregnet haben, jedenfalls zeugten morgens mehrere Pfützen am Wegesrand davon. Davon war nachmittags auf dem Rückweg nichts mehr zu sehen, dafür rann mir das Wasser von der Stirn und aus den Poren, nur mit letzter Kraft erreichte ich eine schattige Außengastronomie in der Innenstadt, wo mich ein Helles erquickte. Eine voluminöse Frau in einem viel zu kurzen gestreiften Sommerkleid, darunter mutmaßlich nichts, hinter sich eine Laptoptasche her schleifend, blieb in der Nähe meines Tisches stehen, schaute ins Leere und redete Wirres, ehe sie weiterzog. Vermutlich keine unmittelbare Hitzefolge. Ein Bettler zeigte sich dankbar für die Münzen, um die er mich angehalten hatte.

Trocken und gelb dagegen die Rasenflächen im Rheinauenpark und anderswo, die ersten Büsche tragen welkes Grün mit Tendenz ins Bräunliche, mehrere Pappeln am gegenüberliegenden Rheinufer haben begonnen, Blätter abzuwerfen, nur noch schütter belaubt ragen ihre Kronen in die Höhe. Die Anlegerbrücken auf dieser Seite ragen steil nach unten, die Pontons an ihren Enden liegen bald trocken. Die Frachtschiffe, die nur noch mit geringer Ladung fahren können, ragen weit aus dem wenigen Wasser. Und der August hat gerade erst begonnen.

Hofgarten, morgens
Rheinauen, nachmittags
Restfeuchte
Lächelgrund am Rheinufer

„Qualität / Service / Tradition / Wasauchimmer wird bei uns groß geschrieben“, so der häufig zu lesende, dümmliche Werbespruch; wie soll man es denn sonst schreiben. Alternativvorschlag für Reedereien: „Bei uns wird Schifffahrt mit drei f geschrieben“.

Mittwoch: Manches vergesse ich mit zuverlässiger Regelmäßigkeit, obwohl ich es genauso häufig recherchiere, etwa die Bedeutung von Pfingsten oder Fronleichnam. Ähnliches gilt für manche Wörter, zum Beispiel heute wieder gelesen: Provenienz, nicht zu verwechseln mit Prominenz, Provinz oder Provence. Laut Duden bedeutet Provenienz (feminin, bildungssprachlich) „Bereich, aus dem jemand, etwas stammt; Herkunft[sland]“. Vielleicht kann ich es mir so merken: Meine Provenienz ist die ostwestfälische Provinz, auch wenn Bielefeld einige Tausend Einwohner mehr hat als mein jetziger Wohnort Bonn, immerhin Bundesstadt. In Bielefeld bin ich wieder am kommenden Wochenende, in der Provence in drei Wochen, darauf schon mal vorfreuen. Und auf morgen, dann habe ich frei und das Wetter soll wanderabel werden. (Das kennt der Duden nicht, habe ich mir gerade ausgedacht.)

Donnerstag: Bei wie erwartet perfektem Wetter, sonnig, trocken, nicht zu warm, durchwanderte ich mal wieder die Wahner Heide. Das ist wie mit Champagner als Vergnügungsgetränk oder ABBA als Partymusik: Wahner Heide geht immer. Landschaftlich abwechslungsreich, dabei wenig anstrengend ohne starke Steigungen und Wege mit Rutsch- und Stolpergefahr. Mit der Bahn fuhr ich nach Troisdorf, wo die Tour nach dem Frühstück im Café startete und (mit Pausen) fünf Stunden später endete.

Am Troisdorfer Friedhof lag Laubbläserlärm in der Luft, der geeignet war, die Totenruhe zu stören. Die Überquerung des Güldenbergs gestaltete sich wegen größerer Mengen Totholz über dem kaum auszumachenden Weg schwierig, kurz danach wollte mich Komoot über einen weiteren nicht vorhandenen Pfad leiten.

Ansonsten war es wieder sehr beglückend, und das ist wörtlich zu verstehen, wie bei jeder Wanderung: Sobald ich die Stadt verlassen habe und den Wald betrete, mich dessen Grün umfängt, sich der Verkehrslärm auf ein fernes Hintergrundrauschen reduziert, ehe er ganz verstummt und vornehmliches Geräusch der Gesang der Vögel ist, tritt ein tiefes Glücksgefühl ein. Dabei kann ich meinen Gedanken nachgehen, auch solchen, die hier nicht zu lesen sind, ein Liedchen summen und das eine oder andere Selbstgespräch führen. Herrlich.

Meine Hoffnung auf blühende Heideflächen erfüllte sich nicht, ein paar Wochen benötigt das Kraut noch bis zur Blüte. Nur hier und da war in der Ferne, die zu betreten wegen militärischer Sperrzone untersagt ist, nach wie vor ist die Wahner Heide Übungsgebiet, ein rötlicher Schimmer auszumachen. Bereits nach dreieinhalb Stunden erreichte ich das Ausflugslokal Heidekönig. Da ich erst kurz zuvor mein Proviant gegessen hatte, verzichtete ich auf Wurstverzehr und nahm mit einem Landbier vorlieb.

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Ein Hauch von Heideblüte
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Archivbilder aus dem Vorjahr:

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Der Geliebte hat kürzlich das Wort „Richtlinienkompetenz“ entdeckt. Seitdem glaubt er, das hätte irgendetwas mit ihm zu tun.

Freitag: In einer Besprechung bedankte man sich für das wrap up, es wurde ausgespeichert, ein clash festgestellt, eine hidden agenda verneint; wegen eines harten Anschlags endete der Termin pünktlich. Den ebenfalls gefallenen Satz „Nicht darüber reden ist die falsche Strategie“ würde ich nicht nicht vorbehaltlos unterschreiben. Jedenfalls gibt es einen Folgetermin, auf dass auch kommende Woche noch was auszuspeichern ist.

Die Bonner Stadtwerke sehen sich zurzeit heftiger Kritik ausgesetzt. Wie berichtet, dürfen sechzig Stadtbahnwagen aus den Siebziger- bis Neunzigerjahren wegen Sicherheitsmängeln nicht eingesetzt werden. Was zunächst nur als vorsorgliche Maßnahme in Absprache mit der Aufsichtsbehörde verkündet wurde, hat sich nun als erhebliche Betriebsgefahr für Leib und Leben der Fahrgäste herausgestellt, unter anderem weil bei Reparaturen nicht zugelassene Teile verbaut wurden. Betroffen sind auch Wagen, die seit 2012 komplett modernisiert worden sind. Mit einer baldigen Wiederinbetriebnahme ist nicht zu rechnen, vielmehr muss der Betrieb aufrechterhalten werden mit den neueren Fahrzeugen von 2003, die wegen niedriger Bahnsteighöhen nicht überall halten dürfen und, weil es davon nicht genug gibt, nur in halber Zuglänge. Weiterhin unterstützt durch Fahrzeuge aus Köln, solange sie dort noch entbehrlich sind. Also voraussichtlich längstens bis zum Ende der Sommerferien in drei Wochen. Verwunderlich ist, derselbe Fahrzeugtyp, der in Bonn nicht mehr fahren darf, ist in Städten wie Köln, Dortmund, Duisburg und Düsseldorf weiterhin im täglichen Einsatz. Offenbar arbeiten die Werkstätten dort sorgfältiger. Mich betrifft es nur am Rande, weil ich nur noch bei Regen mit der Bahn fahre. Gleichwohl bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht. Mir bleibt nur, Rad- und Achsbruch zu wünschen.

Ein Skandal wird erst richtig zu einem Skandal durch passende Bebilderung. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Wie die Oma schon wusste: Mit Lebensmitteln spielt man nicht.

(General-Anzeiger Bonn online)

Samstag: Für dieses Wochenende stand der nächste Besuch der Mutter in Bielefeld an. Vor den Besuch hat das Universum die Reise gesetzt, die begann pünktlich in Bonn mit der Regionalbahn. Auch zu früher Stunde waren schon laute Menschen unterwegs: einige Reihen vor mir eine Gruppe Männer mit Bierflaschen, von hinten juchten sektfröhliche Damen.

Der Ticketkontrolleur war begleitet von zwei Sicherheitsleuten, finstere Gesellen: der eine mit Glatze und Sonnenbrille, großflächigen Tätowierungen auf den Armen und am Hals, wo sonst noch, war zum Glück nicht zu sehen; in den Kinnbart zwei alberne Zöpfe geflochten. Der andere sah nicht ganz so finster aus, brachte jedoch durch Kaugummikauen und drohenden Blick zum Ausdruck, dass man besser keine Probleme macht.

Aufgrund einer Signalstörung bei Neuss ging es in Köln ungefähr eine Stunde später weiter als ursprünglich geplant. Hier wunderte ich mich wieder über die Fahrgastinformation der Bahn: „(Dingdong) – Der RE 7 nach Münster fällt heute aus, wir bitten um Verständnis.“ – Pause. – „(Dingdong) – Sonderzug 93115 nach Münster, planmäßig Abfahrt neun Uhr elf, heute zehn Minuten später.“ Kein Wort darüber, dass dieser Sonderzug offenbar der Ersatzzug für den ausgefallenen RE 7 war. Warum werden Fahrgäste mit solchen Information behelligt? Es ist doch völlig egal, unter welcher Nummer der Zug verkehrt, solange er zur selben Zeit vom selben Gleis mit demselben Ziel abfährt. Aus den zehn wurden zwanzig, dann vierzig, später fünfundfünfzig Minuten. Wie viele es noch wurden, weiß ich nicht, weil ich den nächsten RE 6 nahm, der bis Bielefeld eine Viertelstunde Verspätung erlitt.

Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir welkgelbe Landschaften, viele Bäume proben schon den Herbstfall.

In Düsseldorf gibt es in einigen Straßenzügen immer noch Gaslaternen. In Bonn wurden die letzten auch erst vor elf Jahren durch elektrische ersetzt, die wie Gaslaternen aussehen, aber keine sind.

Nach Ankunft in Bielefeld die nächste Überraschung: Der Bahnhofsvorplatz war von der Polizei großräumig abgesperrt; um zur Stadtbahn zu gelangen, war ein längerer Fußweg um ein Hotel und die Stadthalle erforderlich. Macht ja nichts, ich gehe ja gerne. Erst an der Stadtbahnstation erfuhr ich dann, dass die Bahnen wegen Bauarbeiten in der Innenstadt nicht fahren, Schienenersatzverkehr (ein weiteres schönes deutsches Wort) mit Bussen ist eingerichtet. Wo, war leider nicht zu erfahren. Aus den Aushängen ließ sich erahnen, dass die Bahnen zu meinem Ziel ab Marktstraße fahren. Dank Ortskunde begab ich mich dorthin, Gehen macht glücklich, tatsächlich kam bald eine Bahn und brachte mich zur Mutter. Trotz zweistündiger Verspätung wurde der restliche Tag und Abend dann noch sehr angenehm und unterhaltsam.

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Sonntag: Der RE 6, der Bielefeld pünktlich verließ, war erstaunlich voll. Erst ab Dortmund bekam ich einen Fensterplatz. Ab Essen wurde es bummelig, immer wieder musste wegen nicht freier Streckenabschnitte langsam gefahren und außerplanmäßig angehalten werden. Also das übliche. Dass es dennoch möglich ist, auch Pünktlichkeit großzuschreiben zeigte der in Düsseldorf anschließende RE 5, der mich mit erfreulicher solcher nach Bonn brachte.

Wie zu lesen ist, haben unwohlmeinenden Menschen über eine Sicherheitslücke bei WordPress Schadcode eingeschleust. Nutzern wird dringend empfohlen, ein Plugin zu installieren. Da liegt mein Problem: Ich nutze WordPress wie ein Auto oder ein Fahrrad. Mit der Bedienung bin ich einigermaßen vertraut, weiß wie man tankt oder die Kette nachölt. Für alles weitere gibt es Werkstätten. Weder habe ich die Begabung noch größeres Interesse daran, mich mit solchen technischen Angelegenheiten zu befassen. Viel zu groß die Befürchtung, durch unsachgemäßes Herumfummeln mein Blog ins digitale Jenseits zu befördern. Deshalb die Frage an die treue Leserschaft: Kann jemand eine verlässliche Blogwerkstatt empfehlen?

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

18:00

Woche 16/2026: Schienenersatzverkehr nach Siegburg und Unzucht in Euskirchen

Vorab herzlichen Dank für die freundlichen Kommentare zum letzten Wochenrückblick, Sie sehen mich stets bemüht.

Montag: Wegen Regenerwartung fuhr ich mit der Stadtbahn in die Wertschöpfung und zurück. Zurzeit fährt sie wegen Gleisbauarbeiten nur zwischen Stadthaus und Bad Honnef, während in Richtung Siegburg Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde, auch eines der schönen Wörter, die unsere Sprache ermöglicht. Für mich war das praktisch, weil ich dann nicht bei kühlem Bahnsteigwind auf die Bahn aus Siegburg warten musste, sondern einfach in den bereitstehenden Zug einsteigen konnte. Der Regen kam pünktlich im Laufe der Vormittags und hielt sich bis zum Nachmittag, mit der Verkehrsmittelwahl lag ich richtig.

Der Arbeitstag war nicht sehr montäglich und ziemlich kurz, weil nachmittags ein Physio-Termin anstand zur weiteren Genesung des kürzlich operierten Ellenbogens. Dem geht es weiterhin gut, es tut nichts weh und die Bewegung ist nicht eingeschränkt. Fast frage ich mich, wozu er überhaupt physiotherapeutischer Anwendungen bedarf, es wird dadurch nichts besser, jedenfalls nicht erkennbar, immerhin auch nicht schlechter. Zudem ist Bewegung nie verkehrt. Bis ich wieder – in derselben Stätte – Sport an Geräten machen kann, dauert es noch einige Wochen, hoffentlich habe ich mich bis dahin nicht an die diesbezügliche Untätigkeit gewöhnt, sowas geht ja schnell und die Lust darauf muss danach erst wieder mühsam angewöhnt werden.

Ungeachtet des usseligen, wenig frühlingshaften Wetters werden in Büsum die Strandkörbe aufgestellt.

Siehe hier: https://www.buesum.de/buesum-erleben/webcams/gruenstrand

Dienstag: Morgens beim Fußweg ins Werk lag Nebel über dem Rhein, im Laufe des Tages zeigte sich das Wetter wieder frühlingsfreundlich. Die ewige Baustelle am Rheinufer lässt leichte Fortschritte erkennen.

Nach Rückkehr lagen im Briefkasten gleich zwei Briefe meiner Brieffreundschaften, was mich sehr freute und bislang noch nicht vorkam. Somit habe ich nun drei Briefe zu beantworten, was so bald wie möglich erledigt wird, indes noch einige Tage dauern kann. Ich bitte um Geduld.

Liebe Kinder, wie wir Alten in Zeiten vor Strieming Musik hörten, hat der liebe Onkel Nicolay hier sehr anschaulich aufgeschrieben. Eine Stereoanlage mit Plattenspieler und Kassettendeck, Schallplatten und Kassetten besitze ich noch heute und ich sehe keinen Grund, mich davon zu trennen, auch wenn ich sie nur noch selten benutze.

Morgens
„Gegen Abend ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen“ – Immer wieder schön, wenn Offensichtliches per Schild gleichsam amtlich wird

Mittwoch: In einer Besprechung wurde der Begriff „Gesamtwohlfahrtsmaximierung“ erläutert. Wenn ich es richtig verstanden habe, bezeichnet er ein Wirtschaftsprinzip, das vorhandene Mittel so aufteilt bzw. einsetzt, dass möglichst alle möglichst viel davon haben. Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden, jedenfalls ein weiteres wunderbares Wort.

In einer anderen, einstündigen Besprechung zur Mittagszeit führte ich, um nicht einzuschlafen, Strichliste darüber, wie häufig „ich sag mal“ und „tatsächlich“ gesagt wurde. Ergebnis: 76 mal „ich sag mal“ einschließlich der Varianten „ich sag jetzt mal“ und „sag ich mal“, dagegen nur siebenmal „tatsächlich“. Außerdem ungezählte Male „quasi“ und ein paar mal „genau“.

Nachmittags herrschte in der Bonner Innenstadt Verkehrschaos, weil eine Autobahn gesperrt ist und eine Rheinbrücke für die nächsten Jahre, bis zu ihrem Abriss und Neubau, nicht mehr von LKW und Bussen befahren werden darf. Dazu wurde intensiv gehupt, weil das bekanntlich immer hilft. Als Radfahrer ist man klar im Vorteil, als Fußgänger sowieso.

Donnerstag: Kleine Woche, Inseltag, Wandertag. Heute ab Siegburg über den Heideweg, eine Etappe der Erlebniswege Sieg. Die gut zweiundzwanzig Kilometer lange Runde beginnt und endet im Nordwesten von Siegburg, führt über Lohmar und durch die östliche Wahner Heide. Wie am Montag schon erwähnt, fahren zwischen Bonn und Siegburg zurzeit keine Stadtbahnen, stattdessen ist Schienenersatzverkehr mit Gelenkbussen eingerichtet, die im Takt weniger Minuten pendeln. Da ich ahnte, dass das länger dauert als die Bahn, stand ich bereits zur normalen Werktagszeit auf und fuhr zeitig los. Das war eine richtige Entscheidung, trotz großzügiger Auslegung der geltenden Vorfahrts- und Geschwindigkeitsregelungen durch den Busfahrer dauerte die Fahrt fast eine Stunde, die Bahn wäre in gut zwanzig Minuten am Ziel gewesen. Immer wieder standen wir im Stau, was wieder einmal zeigt, es gibt viel zu viele Menschen, die meinen, auf das Auto angewiesen zu sein.

Während der Fahrt zogen von Nordwesten dunkle Wolken auf, die sich bald als heftiger Regen ergossen. Das war der Wanderlust nicht abträglich; nach Ankunft in Siegburg frühstückte ich in der Bäckerei am Bahnhof, danach fuhr ich mit einem anderen Bus, den nur die App der Verkehrsbetriebe, jedoch nicht die örtliche Anzeige kannte, zum Ausgangspunkt der Wanderung, von da an regnete es nicht mehr. Später schien die Sonne.

In Lohmar-Heide, etwa auf halber Strecke, ließ mich die Komoot-App wieder im Stich, indem sie die angezeigte Tour einfach dort enden ließ. Grundsätzlich lässt sich der Heideweg auch ohne Navigation gehen, weil er gut markiert ist (weißes S auf rotem Grund), doch ausgerechnet in Heide war auch die Markierung mangelhaft, oder ich zu blind, sie zu sehen, kann ja auch sein. Dieses Mal war ich immerhin so schlau, die Navigation abzubrechen und die Tour neu zu starten, bis zum Ende hielt Komoot dann durch. Trotzdem halte ich sie inzwischen für eine Mist-App; falls Sie mir eine bessere Alternative empfehlen können, sehr gerne.

Bei Heide gibt es einen Friedwald, mit Schildchen an den Bäumen statt Grabsteinen. Etwas abseits des Weges wurde eine Beisetzung abgehalten, dazu wurde „Und die Chöre singen für dich“ von Mark Foster gespielt. Ich bin nicht gerade ein Fan von ihm, doch finde ich diese Art der letzten Ehrerweisung sehr ansprechend. Auch wenn es mir, wie bereits geschrieben, völlig egal ist, auf welche Weise mein Kadaver dereinst entsorgt wird. Sollte es zu einer Trauerfeier kommen, wünsche ich mir dafür als musikalische Begleitung, auch wenn ich dann nichts mehr davon habe, „The Show Must Go On“ von Queen und die Arie „Ebben? Ne andrò lontana“ aus der Oper La Wally, gesungen von den Kölner Spitzbuben:

Das wäre schön.

Zurück ins Leben: Bei Lohmar gibt es einen Campingplatz, direkt an der Agger sehr schön gelegen, allerdings in unmittelbarer Nähe und Hörweite die Autobahn 3, darüber die Ausflugschneise des Flughafens Köln / Bonn. Man muss Camping schon sehr mögen und dazu möglichst schwerhörig sein, um dort zu verweilen. Daran gemessen war der Platz gut belegt.

Zur Wanderstrecke: Die erste Hälfte führt überwiegend durch Wald, allerdings zum größeren Teil auf breiten, über längere Strecken geraden Wegen. Hinter Lohmar in der Wahner Heide wird es etwas wilder und abwechslungsreicher. Kurz vor Siegburg traf ich überraschend auf ein zugewachsenes Bahngleis, einst die Bahnstrecke von Siegburg nach Lohmar, die bereits 1989 stillgelegt wurde. Umso erstaunlicher, dass das Gleis immer noch liegt. Ab hier wich ich von der vorgesehenen Route ab und folgte dem Weg neben dem Gleis bis zu seinem Ende kurz vor Siegburg, ab da führt der Weg auf der ehemaligen Bahntrasse bis in die Siegburger Innenstadt.

Zum ersten Mal seit ich weiß nicht wie vielen Jahren sah ich eine Blindschleiche, die sich über den Weg schlängelte.

Nach ziemlich genau fünf Stunden erreichte ich wieder den Bahnhof Siegburg, von wo ich mit einem Schienenersatzbus zurück nach Bonn fuhr. Ich hätte vorher in Siegburg die übliche Belohnungscurrywurst essen können, doch erschien es mir klüger, direkt zurück zu fahren, ehe der Berufsverkehr einsetzt und der Bus im Stau steht. Die Currywurst gab es dann wieder vor der Gaststätte auf dem Bonner Marktplatz. Von meinem Platz aus beobachtete ich, wie ein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn vorfuhr und vor dem Fitness-Studio gegenüber hielt. Die drei Sanitäter gingen dann ohne erkennbare Eile hinein. Es war wohl nicht so dringend. Oder es hatte sich erledigt. The show must go on.

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Die Zeitung berichtet über Unzucht in Euskirchen und erfreut mit einem weiteren Symbolbild aus der Hölle:

(General-Anzeiger Bonn online)

Freitag: Am Ende des für einen Freitag gar nicht mal so kurzen Arbeitstages blieb vieles unerledigt, unter anderem weil mich Besprechungen und ein einstündiger Info Call mal wieder von der Arbeit abhielten. Nächste Woche wird es nicht besser. „Das kommt davon, wenn man lieber durch die Gegend läuft, anstatt ins Büro zu gehen“, könnten Sie nun nach dem freien Tag gestern einwenden. Dem ist zu entgegnen: Das ist es mir wert. Was auch immer liegen bleibt, niemand kommt dadurch zu Schaden.

Onkel Michael macht sich, wie ich finde, kluge Gedanken über akzeptierten Sprachgebrauch. Kostprobe:

„Darf ich das so sagen?“, „Ist das noch zulässig?“, „Gibt es dafür inzwischen ein besseres Wort?“ – und während man noch innerlich Formulare ausfüllt, ist der ursprüngliche Gedanke längst verhungert. Das ist kein Verbot, das ist Dressur. Und zwar eine ziemlich effektive.

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Das Ergebnis ist eine Sprache, die immer glatter, immer vorsichtiger, immer risikofreier wird. Eine Sprache, die niemanden beleidigt – und dabei zunehmend auch niemanden mehr interessiert. Sie ist korrekt, sauber, gut gemeint und ungefähr so lebendig wie ein Beipackzettel.

Dagegen sind Besprechungssätze wie „Lass uns bilateral sprechen wegen der Zeitschiene“, „Ich muss da Erwartungsmanagement betreiben“ oder „Das werde ich später racapen“ völlig unzensiert möglich. Leider, bin ich versucht, hinzuzufügen.

Samstag: Die Nacht endete früh, da ich nach Bielefeld zu fahren beabsichtigte, um die Mutter zu besuchen, wie üblich und trotz allem mit der Bahn. Das fing schon gut an, denn, wie die Bahn-App morgens meldete, fiel die vorgesehene Fahrt mit dem RE 6 aus. Das war nicht so schlimm, ich war früh genug aufgestanden, um eine frühere Verbindung zu erreichen, die mit erfreulicher Pünktlichkeit verlief.

„Ganz Köln ist ein Drecksloch“, sagte eine Dame hinter mir bei Erreichen der Stadt zu ihrem Begleiter. Nun ist Köln wohl nicht die schönste aller Städte, auch wenn Kölner das anders sehen, doch sie in ihrer Gesamtheit derart zu bezeichnen erscheint mir übertrieben. (Da fällt mir ein alter Witz ein, der nur gesprochen seine Komik entfaltet: „Köln ist ein Drecksloch? Mainz sollten Sie mal sehen.“ – Tusch.)

Ab Oelde füllte sich der Zug mit Menschen, die blau-weiß-schwarz gekleidet und beschalt waren, den Farben des örtlichen Bielefelder Fußballvereins. Einige waren mit Bierflaschen ausgestattet, immerhin verhielten sie sich ruhig. Dennoch befürchtete ich im Falle eines Sieges akustisches Ungemach für die Rückfahrt.

Während die Mutter nach dem Mittagessen eine halbe Stunde ruhte, unternahm ich einen Spaziergang durch den Stadtteil, in dem ich aufgewachsen bin und der sich seitdem naturgemäß stark verändert hat, wie ich auch. Einiges ist geblieben, etwa das Einkaufszentrum im Waschbeton-Charme der frühen Siebzigerjahre. Auch einige Geschäfte darin haben sich bis heute gehalten, etwa die Lottoannahmestelle, die Sparkasse, das Restaurant und der Friseursalon. Auch dem Vater stattete ich auf dem Friedhof einen kurzen Besuch ab.

Meine Befürchtung bezüglich Fußballfangelärmes auf der Rückfahrt war unbegründet. Der Bahnsteig gegenüber an Gleis 8 war dicht bevölkert mit Blau-Weiß-Schwarzen, Gesang schallte herüber, ehe sie sich in die viel zu kurze Regionalbahn nach Paderborn quetschten. Mein Mitgefühl galt den weniger fußballbegeisterten Mitreisenden. Mit meinem Zug in Richtung Köln fuhr nur eine kleine Gruppe Fußballfreunde, allerdings nicht blau-weiß-schwarz sondern irgendwas mit rot. Auch sie stimmten während der Fahrt kurz Gesang an, allerdings einen Wagen weiter, somit kaum störender als das übliche Geplapper in einem Zug. Die Rückfahrt verlief im Übrigen ebenfalls pünktlich, zweimal vier Stunden reichten dann auch.

Sonntag: „Ich glaube, mich streift ein Bus“ sagte man früher, um seiner Verwunderung oder Empörung Ausdruck zu verleihen. Ob dem Autofahrer dieser Spruch bekannt ist, weiß ich nicht, jedenfalls erlebte er beziehungsweise sein Wagen ein solches Ereignis heute Nachmittag, wie ich beim Spaziergang beobachtete. Bus und Auto warteten in der Weststadt nebeneinander vor einer Ampel, links der Bus, rechts der Wagen. Dann war ein unschöner Knall zu hören, Glas splitterte, der Bus fuhr über die Kreuzung und hielt dahinter warnblinkend an. Der Busfahrer verließ sein Fahrzeug nicht, vielleicht stand er unter Schock. Dem Auto waren der linke Rückspiegel und die Vorderfront weggerissen, am Bus war eine Scheibe der hinteren Tür zersplittert. Menschen kamen dem Anschein nach nicht zu Schaden, gleichwohl dürfte für die Beteiligten der Sonntag gelaufen sein. Auch die Busfahrgäste haben heute was zu erzählen.

Im Übrigen ließen dunkle Wolken im Norden und erste Regentropfen die Beendigung der Spaziergangs nach einer Stunde ratsam erscheinen. Somit auch heute kein Freiluftgetränk im Lieblingsbiergarten, das ist nicht schlimm.

Während an der Poppelsdorfer Allee die ersten Kastanien blühen …
… ist die Kirschblüte in der Inneren Nordstadt bald durch

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Für mich ist sie mit einer sechsstündigen KI-Schulung und einer dreitägigen Dienstreise nach Höxter verbunden, auf letztere freue ich mich ein wenig.

19:00

Woche 1/2025: Schon mal ein guter Anfang

Montag: Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, fuhr ich heute mal wieder ins Büro. Dort war nicht sehr viel zu tun, der Maileingang während der Weihnachtsurlaubstage überschaubar. Auch sonst war es ruhig, in den anderen Büros und mittags in der Kantine nur wenige Menschen. Das Arbeitsende kam zeitig, morgen habe ich schon wieder frei, um das Gleitzeitkonto zu putzen. Ab Donnerstag dann wieder voller Einsatz. Oder ab nächsten Montag. Spätestens Dienstag.

Weiterhin waren die letzten Fächer des Büro-Adventskalenders zu leeren. Statt den Schokoladeninhalt direkt zu verzehren, verstaute ich ihn vorerst in der Schreibtischschublade. Die Lust auf Süßes hält sich im Moment in Grenzen, neben drei Schoko-Nikolausen (oder -läusen?) liegen dort sogar noch zwei Nougat-Marzipan-Baumstämme. Danke, ansonsten geht es mir gut.

Vergangene Woche äußerte ich mich despektierlich gegenüber der menschlichen Bequemlichkeit, stets den Aufzug statt die Treppe zu nutzen. Als keineswegs konsequenter Mensch nehme ich ihn selbst täglich, um ins Büro zu kommen, das allerdings zurzeit im achtundzwanzigsten Stock liegt, sei zu meiner Ausflucht angeführt. Hierzu ist der Entschluss ergangen, ab sofort einmal täglich wenigstens für eine Teilstrecke aufwärts das Treppenhaus zu benutzen. Damit habe ich heute sogleich begonnen, sogar zweimal: nach dem Treffen der Kollegin vormittags über sieben, nach dem Mittagessen sogar zehn Stockwerke. Das ist schon mal ein guter Anfang.

Ebenfalls bezugnehmend auf den Eintrag vergangener Woche wurde ich darauf hingewiesen, dass die Mehrzahl von Teelicht „Teelichte“ heißt und nicht „Teelichter“. Das ist für einen Sprachpingel wie mich, der gerne Anstoß nimmt an anderer Leute liederlichem Sprachgebrauch, peinlich. Doch ein Blick in den Duden zeigt: Beides ist korrekt. (Glück gehabt.)

Dennoch danke für den Hinweis.

Dienstag: Wie morgens gemeldet wurde, gingen bei der Polizei Notrufe wegen vorzeitig gezündeter Silvesterraketen ein. Warum auch nicht, die Polizisten freuen sich bestimmt, wenn sie was zu tun haben.

Auch dieses heute endende Jahr war das wärmste seit Messbeginn, steht in der Zeitung. An diese Meldung müssen wir uns wohl gewöhnen, jedes Jahr wieder um Silvester, jeweils mit aktueller Jahreszahl.

Im Zusammenhang mit der Kennzeichnung Bonner Fahrradstraßen fällt das Wort „Planungsmeinungen“. Interessant.

Nachmittags schrieb ich den persönlichen Jahresrück- und -ausblick ins Tagebuch, wie jedes Jahr. Damit will ich Sie gar nicht weiter behelligen, vielleicht nur der letzte Satz: Trotz aller weltpolitischen und klimatischen Unwägbarkeiten blicke ich für mich und uns persönlich mit Zuversicht dem neuen Jahr entgegen. – Mag sein, dass das naiv ist. Aber das von vielen nicht nur in den Blogs zu recht beklagte 2024 war für uns persönlich auch nicht schlecht.

Den Silvesterabend verbrachten wir in einem Restaurant an der Adenauerallee, wo ein viergängiges Menü serviert wurde. Essen, Weinbegleitung und Service waren ausgezeichnet. Leider setzte bei mir beim dritten Gang die Sättigung ein, vielleicht komme ich wirklich langsam ins Seniorentelleralter. Dank Unterstützung meiner Lieben kam nichts um.

Das Essen war so zeitig beendet, dass wir gemütlich am Rhein entlang nach Hause spazieren konnten, wo wir vor Mitternacht ankamen. Während der Gehens sahen wir auf beiden Rheinseiten schon zahlreiche vorzeitige Raketen ihre bunten Lichter streuen, hoffentlich ohne Notrufauslösung. Je mehr wir uns der Innenstadt näherten, desto mehr Menschen, vor allem mit Raketen und Böllern hochgerüstete junge Männer versammelten sich am Ufer. Ich vermute eine Schnittmenge mit jenen Testosteronträgern, die im übrigen Jahr in sogenannten Sportwagen mit knallfurzenden Auspuffen durch die Innenstadt brausen. Nur eine Vermutung.

Ich bin übrigens froh, in Bonn zu wohnen und nicht in Hamburg oder Berlin. Der Liebste und ich waren vor Jahren mal zu Silvester in Hamburg. Schon auf dem Weg zur Party am frühen Abend wurden uns in der Menschenmenge alle paar Meter Knaller vor die Füße geworfen; nicht diese kleinen roten Pengmacher, sondern richtig fiese, dicke, laute Dinger. Da beschloss ich, Silvester nie wieder in einer so großen Stadt zu verbringen.

Diesen Jahreswechsel erlebten wir hingegen in altersgerechter Entspanntheit: Mit einem Glas Cremant in der Hand schauten wir vor dem Haus zu, wie andere wieder viel Geld in die Luft jagten.

Rückweg

Mittwoch: Frohes neues Jahr, mit lange schlafen, knappem Frühstück und einem Spaziergang mit dem Liebsten.

Was von 2024 übrig blieb

Donnerstag: Vergangene Nacht schlief ich schlecht, schätzungsweise bis vier Uhr wälzte ich mich wach, obwohl draußen Regentropfen auf die Fensterbank trommelten, was normalerweise schlaffördernd wirkt. Doch wurde das Trommeln untermalt, zeitweise übertönt durch Schnarchen in Stereo Dolby Surround von nebenan.

Erstmals in diesem Jahr ging ich, durch immer noch leichten Regen, zu Fuß ins Werk. Das übliche Foto mit Rhein, Promenade, Siebengebirge und Mutterhaus im Hintergrund denken Sie sich heute bitte, da ich durch den Regenschirm gehindert war, es zu schießen. Es war ohnehin noch dunkel.

„Frohes Neues“ aus allen Mündern. Der Arbeitstag fühlte sich montäglich an, Laune und Arbeitseifer entsprachen ungefähr der Trübnis vor dem Bürofenster. Vielleicht eine Folge des Schlafmangels. Dazu wenig passend eine längere Teams-Besprechung am Vormittag mit einem Lieferanten für ein geplantes Vorhaben, die mehr Aufmerksamkeit meinerseits erforderte als verfügbar. Irgendwie kamen wir dennoch ganz gut durch und vorzeitig zum Ende. Ansonsten weiterhin in den Büros nebenan wenig Betrieb, dafür war mittags die Kantine erstaunlich gut besucht. Meine Hoffnung auf ungestörtes Alleinessen mangels der üblichen Mitesser erfüllte sich nicht, als sich ein gesprächsbereiter Kollege zu mir setzte. Die Unterhaltung war dann aber recht angenehm, insbesondere die Erkenntnis: Mit dem möchte ich auch nicht tauschen. Anschließend ging ich dem neuen Vorsatz entsprechend elf Etagen durch das Treppenhaus hoch ins Büro, ab da weiter mit dem Aufzug. Nicht gleich zu Beginn übertreiben.

„Herzlichen Glühstrumpf“ sagte ein Kollege in anderem Zusammenhang, was meinen Sprachnerv leicht zucken ließ.

Entgegen meiner Abneigung sah ich mich abends genötigt, mit dem Auto zur Musikerprobe nach Bad Godesberg zu fahren. Wegen Regens erschien mir die übliche Radfahrt unangenehm, der Stadtbahnnutzung stand der derzeitige Schienenersatzverkehr entgegen. Ich habe nie behauptet, ein konsequenter Mensch zu sein, der gegen die Verlockungen der Bequemlichkeit immun ist.

Freitag: Morgens nach Ankunft im Büro zeigte sich vorübergehend ein Anflug von Morgenröte und Sonnenaufgang über dem Siebengebirge, ehe dichte Wolken den Himmel verdunkelten; bald darauf war der Turm von Schnee umtost. Zumindest diesbezüglich ist meine Arbeitsstelle aussichtsreich.

Ob es am perfekten Al Dente der Spaghetti lag, die es mittags in der Kantine gab, weiß ich nicht, jedenfalls löste sich beim Essen erneut die Zahnkrone oben rechts hinten, zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten. Das hielt mich nicht davon ab, auch heute nach der Mittagspause über elf Etagen die Treppe zu nehmen, notfalls ginge das ganz ohne Zähne. Glücklicherweise erreichte ich nach Rückkehr ins Büro noch die Zahnarztpraxis meines Vertrauens, was am Freitagmittag nicht selbstverständlich ist; bereits für Montagmorgen wurde mir ein Reparaturtermin eingeräumt. Vielleicht kommt der Zahn doch bald raus, schon lange empfiehlt mir das der Zahnarzt, weil er locker sitzt und Probleme bereiten könnte. Dieser Konjunktiv hielt mich bislang davon ab, da mir der Zahn bislang keinen Kummer machte. Bis auf den gelegentlichen Kronenabwurf halt. Mal hören, was der Dentist Montag sagt.

Kurz vor Feierabend hüllte die Spätnachmittagssonne den Rheinauenpark in gar wunderbares Licht. Die Ufos am oberen Bildrand sind nur Spiegelungen der Bürobeleuchtung.

Samstag: Der Wecker melde sich zu wochenendlicher Unzeit bereits um acht Uhr, da eine Vereinspflicht zu erfüllen war. Diese bestand aus der gemeinsamen Probe mit dem befreundeten Musikverein aus und in Morsbach-Holpe, einem idyllischen Ort im Bergischen Land, der unser Musikcorps demnächst bei der Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft unterstützen wird. Meine anfänglich trübe Stimmung infolge des verhinderten Ausschlafens hellte sich augenblicklich auf, als das erste Stück gemeinsam gespielt wurde. Welch ein Unterschied gegenüber dem Gewohnten, mit so vielen Leuten und unterschiedlichen Instrumenten zu musizieren! Die Begeisterung versetzte mich in länger anhaltendes Grinsen, was beim Trommeln glücklicherweise nicht hinderlich ist; das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt.

Im Bergischen Land liegt Schnee. Blick auf Waldbröl-Heide

Sonntag: Die amtlich angekündigte Eisglätte fand in Bonn zum Glück nicht statt, nur Regen ließ ein längeres Verweilen im Bett verlockend erscheinen. Doch auch dieser Tag begann früh, erneut aus karnevalistischen Gründen. In einer Godesberger Kirche wurde die jährliche Mundart-Messe gehalten, an der unsere Karnevalsgesellschaft beteiligt ist mit Musik und Lesungen in rheinischer Sproch. Wie für andere der Heiligabend, ist dies (nicht nur) für mich regelmäßig der einzige Grund im Jahr, mich länger in einer (kalten) Kirche aufzuhalten. Wie immer war es sehr kurzweilig, weil der diensthabende Pastor seine Sache sehr gut macht, gelegentlich wird auch gelacht und applaudiert, was in Gottesdiensten ja sonst eher selten vorkommt. Warum eigentlich? Wenn es den gütigen Gott gibt, hat er bestimmt nichts dagegen.

Vielleicht hat er auch nichts gegen Silvesterfeuerwerk: Fast so heftig wie das zurückliegende sind nun die allgegenwärtigen Forderungen nach einem Verbot, nachdem es – wie jedes Jahr – zu Verletzungen und Todesfällen durch unzulässiges Pyromaterial und mangelnde Vorsicht kam. (Das in diesem Zusammenhang häufig benutzte Wort „tragisch“ ist nur angebracht, soweit Unbeteiligte betroffen sind. Ansonsten ist es schlicht Dummheit.) Seit vielen Jahren geben meine Lieben und ich für derlei Zeug kein Geld mehr aus, auch könnte ich auf Licht- und Knallbegleitung des Jahreswechsels verzichten; das neue Jahr beginnt trotzdem, die bösen Geister bleiben. Gleichwohl stört es mich im angemessenen Rahmen nicht, solange andere nicht bewusst damit belästigt werden, siehe die Anmerkungen vom Dienstag. Auch liegt es mir fern, alle, die Spaß daran haben, pauschal als Vollidioten zu betrachten. Deshalb erscheint mir ein generelles Verbot nicht sinnvoll, zumal die Mehrheit der Pyrofreunde vermutlich besonnen und – soweit man das hier so nennen kann – vernünftig handelt. Vielmehr würden es bestimmte Parteien als weitere Bestätigung ihrer zweifelhaften Thesen missbrauchen.

Spaziergang am Nachmittag. Es gibt kein schlechtes Wetter.

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Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Jahr 2025 mit viel Gesund- und Zufriedenheit sowie wenigstens etwas Optimismus. Es nützt ja nichts, nur noch die bösen Geister zu sehen. Und eine gute Woche; wenn Sie jetzt wieder zu arbeiten beginnen, lassen Sie es möglichst ruhig angehen. Hektisch wird es wieder früh genug.