Woche 21/2026: Vielleicht bringt es ja Glück

Montag: Herzlichen Dank für die Kommentare zum letzten Wochenrückblick, in dem offen blieb, ob die Pariser für das linke Seine-Ufer eine besondere Bezeichnung haben, analog der „Schäl Sick“, wie der Kölner und Bonner die rechtsrheinischen Ortsteile nennt. Haben sie: entweder „Jaile Sique“, wofür ich allerdings weder im Französisch-Wörterbuch noch im Netz einen Beleg finde, oder „Rive Gauche“, die sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Auf dass kein Tag ohne neue Erkenntnisse vergehe.

Vielen Dank auch für den Hinweis auf mobile Jackenhaken, die man über das Türblatt hängen kann, wenn das Hotel mal wieder daran gespart hat, ein ständiges und völlig unnötiges Ärgernis. Während einer mäßig spannenden Besprechung recherchierte ich im Netz danach, fand bald das gesuchte und suchte direkt nach der Arbeit ein Haushaltswarengeschäft in der Innenstadt auf. Zu meinem Erstaunen fand ich in dem nicht gerade kleinen Laden, der sich über drei Etagen erstreckt, auf Anhieb, ohne lange zu suchen oder zu fragen ein Dreierpack solcher Haken, als hätte mir eine höhere Instanz den Weg gewiesen, auch dafür vielen Dank ans Universum.

Letzteres schickt uns laut Zeitungsbericht heute Abend einen Meteor, der erst vor wenigen Tagen entdeckt worden ist und zu späterer Stunde mit neunzigtausend Kilometern Abstand an der Erde vorbeirasen wird, somit weniger als ein Viertel der Entfernung zum Mond. Hoffen wir, dass der kosmische Brocken sich an den errechneten Abstand hält, sonst steht er morgen wieder in der Zeitung.

Ansonsten ist nach der Reise vor der Reise: Das Köfferchen ist schon wieder gepackt, morgen fahren wir nach Langenau bei Ulm, wo wir den südlichen Kollegen bis Donnerstag einige Neuerungen nahebringen werden. Ich freue mich drauf.

Dienstag: (Aus Gründen kollegialer Wiedersehensfreude, die angemessen begossen wurde, konnte dieser Eintrag erst am Mittwoch erfolgen.)

Anscheinend gelang der Vorbeiflug des Meteors berührungsfrei, jedenfalls meldeten die Nachrichten nichts gegenteiliges. Soweit ich den Zeitungsartikel in Erinnerung habe, erfolgt die nächste Annäherung erst in einigen tausend oder Millionen Jahren, vermutlich gibt es dann keine Menschen mehr, die sich darum sorgen könnten.

Die Autofahrt nach Langenau verlief zügig und staufrei, am Nachmittag kamen wir bei Sonnenschein und Frühlingsmilde an. Nach Bezug des Hotelzimmers unternahm ich einen Spaziergang durch die Stadt mit zahlreichen bewohnten Storchennnestern auf den Dächern.

Bei Rückkehr am Hotel saßen bereits die ersten eingetroffenen Kollegen beim Bier auf der Terrasse vor dem Haus, ich gesellte mich dazu und die Dinge nahmen ihren fröhlichen Lauf.

Der mobile Jackenhaken kommt übrigens nicht zum Einsatz, da genügend stationäre vorhanden sind. Vielleicht ist das so wie mit dem Regenschirm: Wenn man ihn dabei hat, regnet es nicht. Doch wehe, man hat ihn vergessen.

Ein gutes Haus
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Mittwoch: Da die meisten Teilnehmer heute anreisen, beginnt das Programm erst um zehn Uhr. Das ermöglichte mir, den Wecker auf acht Uhr zu stellen, was mir nach den Vorabendgeselligkeiten sehr gelegen kam. Noch im Bett liegend holte ich den gestrigen Tageseintrag nach.

Über dem Vormittag lag eine gewisse Rest-Blümeranz, meine Vorträge liefen dennoch ganz gut, da beim nunmehr vierten Mal eine gewisse Automatisierung eingetreten war. Anschließend wurde schon wieder Schaumwein anlässlich eines bevorstehenden Ruhestandes gereicht, es hört nicht auf.

Auch auf dem Haus neben dem Hotel nisten Störche. Einer davon hat dem Kollegen, begeisterter Hobby-Ornithologe, im Landeanflug aufs Auto gekackt. Die Witzigkeitsbewertungen darüber variieren; während ich grinste, als ich davon hörte, fand der Wagenbesitzer es weniger lustig. Vielleicht bringt es ja Glück. Oder Kinder, Störchen wird diesbezüglich ja einiges nachgesagt. Wobei davon auszugehen ist, dass der Kollege über so späten Nachwuchs genauso wenig beglückt wäre wie ich, darin dürften wir uns einig sein.

Herr Rau über sogenannte Künstliche Intelligenz:

Sehe ich das zu simpel? Wenn man an einen Zufallsgenerator eine Bombe hängt, geht die natürlich irgendwann hoch. Wenn man den Zufallsgenerator verbessert oder ihm wirklich gut zuredet, ändert das auch nichts daran. Die Lösung müsste sein, keine Bombe an einen Zufallsgenerator zu hängen. Ich fürchte, da ist die Verlockung zu groß.

Donnerstag: Dank vielleicht nicht eiserner, mindestens jedoch aluminiumner Disziplin meinerseits verlief der zweite Abend im Kollegenkreis glimpflich. Obwohl es spät wurde, weil um Mitternacht auf einen Geburtstag anzustoßen war. Bereits um halb sieben, eine Dreiviertelstunde vor dem Wecker, fühlte ich mich zwar nicht ausgeschlafen, doch immerhin so wach, dass keine Aussicht und kein Bedarf mehr auf weiteren Schlaf bestand.

Irgendwo in einem anderen Zimmer vibrierte zur selben Zeit ein Wecker über einen längeren Zeitraum. Womöglich war die Disziplin des dort zu Weckenden von eher wässriger Konsistenz gewesen.

Aus Zeit-, Appetit- und Frühkommunikationsvermeidungsgründen verzichtete ich wieder auf das Frühstück.

Mittags endete die Tagung, nach dem Mittagessen fuhren wir zurück nach Bonn. Bevor mir auf der Rückbank die Augen zufielen, was in Verkehrsmitteln aller Art selten vorkommt, nutzte ich die Zeit zum Lesen. Unter anderem dieses:

Felix Schwenzel hielt auf der re:publica einen Vortrag über die angeblich schlechte Welt, den Umgang mit ihren Ungemächern und halbvolle Gläser, der auch auf seinem Blog nachzulesen ist. Wenngleich ich das Lesen von ausschließlich in Kleinbuchstaben geschriebenen Texten anstrengend finde, ein sehr lesenswerter Vortrag bzw. Aufsatz:

wenn man das ne­ga­ti­ve als teil des le­bens, als be­din­gung für das po­si­ti­ve ak­zep­tiert, wirkt die scheis­se, die ei­nem die welt ent­ge­gen­wirft, plötz­lich — viel­leicht — wie schein­sch­eis­se.

Franziska Bluhm über das Bloggen:

Wir haben geschrieben, weil wir schreiben wollten. Weil Sprache uns etwas bedeutet hat. Das Schöne: Es gibt immer noch Menschen, denen das etwas bedeutet. Inmitten von KI-Texten, algorithmischen Feeds und kurzlebigen Trends sehnen sich Menschen nach Stimmen, die echt klingen. Nach Texten, die jemanden verraten. Nach Sprache, die nicht optimiert ist – sondern gemeint.

Freitag: Über Nacht kam der Sommer, und wie es aussieht, bleibt er einige Tage. Das inspirierte mich nach dem Mittagessen zu einem kleinen Spaziergang durch den Park statt Treppensteigen im Turm. Dort sah ich unter anderem zwei sich sonnende Wasserschildkröten und einen Reiher auf der Lauer. Hingegen kein Nutria; seit die Stadt sie aus für mich nachvollziehbaren Gründen abschießen lässt, habe ich keins mehr gesehen.

Rheinauenpark
Suchbild mit Schildkröte und Reiher

Abends waren wir eingeladen zu einer familiären Zusammenkunft mit Essen und Trinken in Bad Godesberg. Danach war ich müde und leicht knatschig, immerhin in Vorfreude auf ein langes, sonniges Pfingstwochenende ohne Reisen und mit Ausschlafen.

Samstag: Das Ausschlafen endete um neun Uhr, das war in Ordnung. Nach außerhäusigem Frühstück mit dem Liebsten unternahm ich einen Spaziergang durch die Stadt und an den Rhein, wo zahlreiche Menschen wie ich in sommerlicher Leichtbekleidung lustwandelten. Die Holunderbüsche stehen in voller Blüte, wie mir scheint, in diesem Jahr besonders intensiv. Vielleicht scheint das aber auch nur so.

An der ewigen Baustelle am Rheinufer geht es voran, sogar heute waren drei Arbeiter tätig, sie verlegten großvolumige, augenscheinlich hochwertige Pflastersteine, auf dass sie schon in wenigen Monaten mit zertretenen Kaugummis verziert werden.

Auf einer schattigen Bank am Wegesrand ließ ich mich nieder und las die Blogs, wozu ich gestern zwischen Büroschluss und familiären Pflichten nicht gekommen war. Gelesen beim Kiezschreiber:

Manche Ostdeutsche wünschen sich ja die Mauer zurück. Manche Westdeutsche auch. Aber wie würde das konkret aussehen? Für die Baugenehmigung würde die deutsche Bürokratie zwanzig Jahre brauchen. Und wehe, da lebt irgendein seltener Lurch. Umweltgutachten, Demonstrationen, aufwändige Umsiedlungsverfahren auf ein Nachbargrundstück. Haben wir überhaupt noch so viele Maurer, wie benötigt werden würden? Sind wir optimistisch: Am 13. August 2061 wäre die Mauer fertig. Kurz nach dem Stuttgarter Bahnhof.

An der Hausfassade in der Georgstraße hängt weiterhin der kleine Weihnachtsmann an seiner Strickleiter, dem armen Kerl dürfte ziemlich warm sein.

Abends fuhren wir mit der Bahn nach Köln und besuchten den Circus Roncalli, der zurzeit auf dem Neumarkt gastiert. Wie im letzten Jahr, als er im Bonner Hofgarten sein Zelt aufgestellt hatte, waren wir wieder sehr angetan von der beeindruckenden Akrobatik und den anrührend-lustigen Clowns. Wegen des Vorsommers war es im Zelt und vorher im zugehörigen Restaurant ziemlich warm, doch ließ es sich mit Wasser, Aperol und Kölsch auf ein erträgliches Maß herunter kühlen.

Preisliste
Weißclown Gensi
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Sonntag: Nach dem Frühstück auf dem Balkon nutzte ich den Tag relativ spontan für eine Wanderung, zumal ich in der kommenden, eigentlich kleinen Woche nicht dazu kommen werde. An einem sonnig-warmen Tag wie heute scheint es angeraten, möglichst im Wald zu wandern, daher wählte ich die Melbtal-Runde um den von Zuhause fußläufig zu erreichenden Venusberg, zurück durch das namensgebende Melbtal. Teilweise wich ich von der vorgegebenen Route ab, weil mir die Wege zu wanderautobahnmäßig erschienen. Im Melbtal empfiehlt es sich, den unteren Weg am Melbbach entlang zu nehmen, auch wenn er stellenweise matschig ist und über Holzstege von zweifelhafter Stabilität führt.

Nach knapp vier Stunden endete die Wanderung im bayrischen Wirtshaus in der Innenstadt, wo die Mühen mit einem Maibock belohnt wurden, während am Tisch schräg gegenüber ein dicker Amerikaner seinen bedauernswerten Gesprächspartner, oder eher Höropfer, volllaberte.

Immerhin, das muss man anerkennen, hat sie/er es geschafft, den Roller nicht quer zur Rad-Fahrspur an der Poppelsdorfer Allee abzustellen
Mit herzlichen Grüßen an Lotte
An der Waldau
Dieses Schild las ich erst nach Passieren der endgültig gesperrten Strecke. Eine Beschilderung der neuen Wegführung war nicht erkennbar. Nochmal gutgegangen.
Melbtal
Zurück in der sogenannten Zivilisation
Belohnung

Im Übrigen bemerke ich eine eher zweifelhafte Sommermode bei jungen Männern: möglichst bunt gemustertes T-Shirt mit Shorts im selben Design. Als Kind hatte ich sowas auch. Als Schlafanzug.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Kommen Sie gut durch die Woche und, falls es Ihnen etwas bedeutet und Sie gar wissen, um was genau es dabei geht, frohe Pfingsten.

18:00

Woche 18/2026: Fresse halten, fröhlich sein

Montag: Die neue, kurze Arbeitswoche begann durchgehend sonnig und ohne nennenswerten Verdruss. Die Morgentemperaturen sind vier Tage vor Mai noch steigerungsfähig; das wird schon, wenn die Wetteraussichten zutreffen. Bis dahin gibt es Handschuhe. Mittags in der Kantine gab es Spargel, erstaunlicherweise ohne olfaktorische Auswirkungen hinterher, Sie wissen schon. Ob sich daraus etwas über die Qualität der Erdgemüsestangen folgern lässt, weiß ich nicht. Ansonsten endete der Arbeitstag wegen des letzten Physio-Termins für den weiterhin genesenden Ellenbogen zeitig, was sich ungefähr mit meiner Arbeitslust deckte.

Dienstag: In der Nacht, vielleicht war es schon früher Morgen, ich schaute nicht auf die Uhr, lärmte ein Hubschrauber über der Siedlung, was mich aus dem Tuche nötigte, um das Fenster zu schließen. Wie die Zeitung heute berichtete, suchte die Polizei eine vermisste Jugendliche. Für mich ist es immer wieder ein Rätsel, wie es mithilfe eines Hubschraubers gelingt, in einer Stadt eine Person zu finden, aber es gelang wohl. Übertitelt ist der kurze Artikel mit „Deshalb kreiste am frühen Dienstagmorgen ein Hubschrauber über Bonn“. Keine Artikelüberschrift in Onlinemedien kommt heute noch ohne dieses Deshalb aus oder Das (z.B. „sind die Gründe“), beliebt auch Warum (z.B. „die Spritpreise weiter steigen)“. Wie auch berichtet wird, kontaktierten wegen des Hubgeschraubes mehrere Personen die Zeitung. Warum tut man das? Ähnlich verwunderlich immer wieder, wenn irgendwo die Erde bebt und die Leute deswegen die Polizei anrufen. Was soll die tun?

Dienstagsüblich ging ich zu Fuß ins Werk. In Turmnähe sind seit Jahren rätselhafte Zeichen auf die Gehwege gemalt, ein C und ein R, dazwischen ein Pfeil. Diese Markierungen, die regelmäßig nachgepinselt werden wie eine auf Dauer angelegte Schnitzeljagd, reichen mindestens bis in den Rheinauenpark. Wer weiß, vielleicht wartet am Ziel ein Schatz für CR, also Carsten Rainer. Vielleicht sogar kann ich als einziger diese Zeichen sehen, wie Harry Potter das Gleis 9 3/4. Irgendwann nehme ich mir mal die Zeit, dieser Spur systematisch zu folgen. Wenn dann am Endpunkt statt einer Truhe Gold ein Biergarten liegt, wäre das auch nicht schlecht.

Sehen Sie es?

Dass gut gemeint und gut gemacht oft auseinanderliegen, lässt sich neben dem Turm besichtigen. Dort liegt neben einer flachstufigen Treppe eine ebenfalls ansteigende Rasenfläche, die in der Vergangenheit regelmäßig von Fahrrädern, manchmal augenscheinlich auch Kraftfahrzeugen befahren wurde. In einem entsprechenden Zustand befand sie sich, gerade nach Regenwetter. Um dem zu begegnen, wurden dort vor einiger Zeit Felssteine aufgereiht, allerdings in einem derart großzügigen Abstand, der Fahrrädern kein ernsthaftes Hindernis bietet. Das könnte sich die derzeit amtierende Bundesregierung ausgedacht haben: Hauptsache, irgendwas machen, egal, ob es wirkt. Immerhin müssen und dürfen Kraftfahrzeuge nun die Treppe befahren, worauf ein Schild ausdrücklich hinweist.

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Morgens schaute kurz nach Ankunft im Büro eine länger nicht gesehene Kollegin, die auch schon lange dabei ist, bei mir rein mit den Worten „Wie lange noch?“, womit sie nicht wissen wollte, wann ich heute zu gehen beabsichtigte. Nachdem wir uns gegenseitig einstellige Zahlen genannt hatten, gingen wir zufrieden an die anstehenden Gewerke. Es gehört wohl zum guten Ton unter Kollegen über fünfzig, einander diese Frage zu stellen, ich merke es an mir selbst zunehmend.

Dazu passend und gleichwohl zufällig traf ich bei der Heimkehr den jungen Nachbarn, der seiner Freude über den beendeten Arbeitstag Ausdruck verlieh und diese mit dem Satz „Noch neunundzwanzig Jahre“ abrundete. Als ich mit meiner deutlich niedrigeren Zahl entgegnete, war ein gewisser Neid nicht zu übersehen; seine Antwort „Das hätte ich jetzt nicht gedacht“ werte ich als Kompliment betreffend mein gut erhaltenes Äußeres, danke dafür.

Auf dem Rückweg vorher gönnte ich mir einen Maibock vor dem bayrischen Wirtshaus in der Innenstadt und las dabei die Blogs. Obwohl ich nicht sehr schnell trank, reichte die Zeit eines halben Liters nicht, um alles zu lesen; die Mitblogger waren zu produktiv in den vorangegangenen zwölf Stunden oder ich lese zu langsam, weil ich mich immer wieder von vorbeigehenden Passanten ablenken lasse. Vielleicht sollte ich das Lesen beim Biertrinken überhaupt unterlassen und nur schauen. In Erinnerung geblieben ist mir nur ein älterer Herr im Anzug, der große Ähnlichkeit mit Opa Hoppenstedt aufwies und eine Pfeife im Mund trug, der allerdings kein erkennbarer Rauch entstieg. Pfeifenraucher sind selten geworden, stattdessen werden diese Elektrodinger gedampft, auch als Talahonflöten bezeichnet, wie ich vor längerer Zeit irgendwo las.

Mittwoch: Morgens fuhr ich an einem Plakat vorbei, das für eine Dinosaurier-Ausstellung wirbt. Wie das manchmal so ist, Sie kennen das vielleicht, sofort hatte ich dieses Lied im Kopf, den es in den nächsten Stunden nicht wieder verließ.

Um nicht selbst in den Ruf eines Dinosauriers zu geraten, zudem motiviert durch die Schulung vergangene Woche versuchte ich mich vormittags erstmals ernsthaft am Gebrauch künstlicher Intelligenz, namentlich dem bei uns zu verwendenden Copilot. Die Aufgabenstellung war nicht sehr kompliziert, er sollte ein vorhandenes Dokument in eine andere Form bringen, die ich ihm als Word-Vorlage hochlud. Inhaltlich war im Wesentlichen nichts zu ändern, auch die Kapitelüberschriften stimmten größtenteils überein, nur die Reihenfolge der Kapitel wich von der Ursprungsfassung ab. Ein Schülerpraktikant ohne fachliches Hintergrundwissen hätte es mühelos hinbekommen. Nicht so der Copilot: In der ersten Fassung war das Format ein anderes, die Inhalte der Kapitel waren nur rudimentär übertragen. Darauf hingewiesen, gab er mir recht, erging sich in Ausflüchte und versprach, nunmehr eine vollständige, korrekt formatierte Fassung zu erstellen. Und also befahl ich ihm. Die nächste Fassung hatte optisch gewisse Ähnlichkeit mit dem Gewünschten, inhaltlich blieb sie mager. Das ging noch einige Male so, bis ich immer trauriger wurde und von weiteren Versuchen absah. Anschließend kopierte ich die Inhalte selbst in das Zieldokument, was nur unwesentlich länger dauerte als die Zeit, die ich zuvor dem gepriesenen elektronischen Assistenten gewidmet hatte. Es dauert wohl noch etwas, bis wir Freunde werden. Wahrscheinlich lag es nur an meiner Unfähigkeit, richtig zu prompten.

Donnerstag: Für den heutigen Inseltag war die Bewanderung der sechsten Ahrsteig-Etappe von Walporzheim bis Bad Neuenahr geplant. Dem stand zunächst nichts im Wege, nach dem Frühstück im Bäckerei-Café am Bahnhof saß ich im Zug nach Ahrbrück, als die Durchsage kam: Wegen einer Störung im Stellwerk von Oberwinter (wozu gibt es dort immer noch ein Stellwerk?) verzögere sich die Abfahrt um unbestimmte Zeit. Wenig später die Durchsage: Aus vorgenanntem Grund fällt die Fahrt aus, man wisse nicht, wann der Oberwinterer Stellwerk wieder stellbereit ist, was auch immer es zu stellen hat. Nicht ausfallen musste deswegen mein Wandertag: Statt ins Ahrtal fuhr ich mit der Stadtbahn bis Alfter, um die Heimatblick-Runde durch das Vorgebirge und die Ville zu gehen; immer gut, wenn man ein paar Touren in Reserve gespeichert hat.

Kurz nach Start begann Komoot wieder zu phantasieren und die geplante Tour zu verstümmeln, schon vorletzte Woche beklagte ich das. Doch wie so oft ist der Anwender das Problem: Bei Neustart entdeckte ich den Schalter „Automatisch umplanen“, der sofort deaktiviert wurde, von da an lief die App zuverlässig; auf was man alles achten muss. Mein Vertrauen in die künstliche Intelligenz ist ein weiteres Mal erschüttert. In Alfter standen schon einige geschmückte Maibäume an den Fassaden, was mich wunderte, bislang nahm ich an, die würden erst in der Nacht zum 1. Mai aufgestellt. Vielleicht gelten diesbezüglich im Vorgebirge andere Regeln als in Bonn.

Die Wanderung bei Sonnenschein war wieder erbaulich. Ungefähr die erste Hälfte führt durch Wiesen und Felder mit Blick („Heimatblick“) über die Rheinebene, die zweite durch den Ville-Wald. Auch an einem Lavendelfeld kam ich vorbei; dass es in der Gegend eins geben soll, las ich vor längerer Zeit, seit heute weiß ich, wo. Kurz danach vernahm ich ein Geräusch, das Kuhglocken recht nahe kam, die Quelle konnte ich nicht ermitteln. Wozu also noch in die Provence oder ins Allgäu reisen, wenn es das alles vor der Haustür gibt? Ansonsten ist die Strecke wenig anspruchsvoll, ohne größere Steigungen und Unwegsamkeiten mit Stolperpotenzial. Das traf sich gut, die letzte Woche erstandenen Wanderstöcke hatte ich aus logistischen Gründen nicht dabei, weil der für deren Transport erforderliche Rucksack mit entsprechenden Halterungen noch nicht eingetroffen war. Auch Freunde schmaler Pfade könnten enttäuscht sein, meistens geht es über breite Wege, in der ersten Hälfte überwiegend asphaltiert.

Während des Gehens dachte ich über den Tod nach, was ich nicht schlimm finde; mit kurz vor sechzig darf man das. Er gehört dazu, ob wir das wollen oder nicht, irgendwann geht für jeden das Licht aus, für mich, für meine Lieben, für alle. Die Frage ist nur, wann und in welcher Reihenfolge die Sense mäht. Ich finde das ausgesprochen tröstlich, erwarte für danach nichts, kein Himmelreich, kein ewiges Leben, um Himmels Willen. Und wenn unser aller Atome schon lange woanders eingebunden sind, grünt der Wald der Ville Ende April aller Voraussicht nach immer noch frühlingfrisch, Vögel singen, Zitronenfalter flattern und Frösche sonnen sich in den Tümpeln, ist das nicht schön.

Nach knapp vier Stunden erreichte ich wieder Alfter, fuhr mit der Stadtbahn zurück nach Bonn und belohnte mich bei einer Gaststätte des Vertrauens mit Allgäuer Bier. Auf die übliche Currywurst verzichtete ich in Erwartung eines gemeinsamen Abendessens mit meinen Lieben.

Schloss Alfter
Lavendel
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Für Lotte
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Belohnung

Freitag: Der Mai ist gekommen und schenkt uns, obwohl er „Tag der Arbeit“ heißt, einen arbeitsfreien Tag; jedes Jahr erfreue ich mich erneut an diesem Paradoxon, auch dieses Jahr lasse ich Sie an meiner Freude teilhaben. Um den Tag nicht untätig verstreichen zu lassen, unternahmen der Liebste und ich eine Radtour durch die zu dieser Jahreszeit besonders schönen Siegauen. Wie man sich denken kann, waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee, wobei sich die Anzahl der sonst üblichen Rennrad-Irren in Grenzen hielt. Das Wetter war sonnig-warm, selbst für einen Fröstling wie mich kurzärmelig und ohne Jacke gut auszuhalten. Umso mehr wunderte ich mich, wie viele Radfahrer in hochgeschlossener Daunenjacke entgegenkamen. Ziel war die „Sieglinde“, eine gar zauberhafte Gaststätte mit Biergarten direkt an der Sieg nahe Hennef, wo wir Glück hatten und zwei freie Plätze fanden.

Nach ausreichender Stärkung fuhren wir auf der rechten Siegseite zurück, freundlich angeschoben vom Wind, der uns auf dem Hinweg kräftig entgegen geblasen hatte. Auf halber Strecke verließen wir den vorgesehenen Radweg auf der Deichkrone und bewegten uns auf holprigen Pfaden, im wörtlichen Sinne über Stock und Stein. Eine wunderschöne Strecke, die dazu einlädt, ohne Fahrrad erwandert zu werden.

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Bei Thomas las ich das Wort „Facepalm“, recherchierte dessen Bedeutung und vergrub augenblicklich das Gesicht entsetzt in der Handfläche.

Beim Wirtshausbesuch mit den Lieben am Abend gehört: „Fresse halten, fröhlich sein“. Das erscheint mir als Lebensmotto durchaus geeignet. Oder als Spruch für die Todesanzeige.

Samstag: Einer relativ spontanen Eingebung folgend kaufte ich mir eine leichte Jacke für die Sommermonate, um die Daunenjackensaison beenden zu können. Nicht, dass ich keine besäße, mehrere sogar, doch manchmal überkommt auch einen Konsummuffel wie mich das Verlangen nach etwas Neuem. Erst im dritten Geschäft fand ich eine, die bei ansprechendem Design und akzeptablem Preis die Anforderungen erfüllt: nicht zu kurz, damit sie bei Bedarf auch über einem Anzug bzw. Sakko getragen werden kann, und, ganz wichtig: zwei Innentaschen für Portemonnaie und Notizbuch. Die meisten zuvor gesehenen Jacken, die mir gefielen, hatten entweder nur eine oder gar keine.

Sonntag: In letzter Zeit bin ich davon abgekommen, einmal wöchentlich eine Frage von der Liste der 1000 Fragen zu beantworten. Das soll so nicht bleiben, deshalb heute die nächste.

Frage 674 lautet: „Wann hast du Mühe, dir selbst in die Augen zu schauen?“ Das gelingt mir bislang mühelos, selbst dann, wenn es am Vorabend etwas heftiger war, weil der Geliebte meinte, irgendeine Flasche müsste leer werden. Falls die Frage im übertragenen Sinne gemeint ist, also wenn ich etwas getan oder gesagt habe, das meiner Überzeugung widerspricht, auch dann kann ich mir in die Augen schauen, ein Spiegel vorausgesetzt. Wie sollte ich mich sonst mit einem tadelnden Blick strafen?

Apropos Fragen: Manche Menschen wissen auf alles sofort die Antwort, auch auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden.

Die Poppelsdorfer Allee in voller Blüte

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Ich werde sie aus beruflichen Gründen größtenteils außerhalb von Bonn verbringen, erst in Dresden, dann in Ostbevern bei Münster.

18:00

Woche 15/2026: Maibock, Marmelade und Mindestgeschwindigkeit für Fußgänger in Engstellen

Zunächst ein Nachtrag zur vergangenen Woche:

1) Vielen Dank für die Kommentare zu dem mir bis dahin unbekannten, während der Wanderung am Donnerstag fotografierten Gewächs am Wegesrand, die dieses als jungen Schachtelhalm identifiziert haben.

2) Während des Abendessens gestern kamen wir irgendwie auf diese alte amerikanische Spielfilmkomödie mit der grandiosen Autoverfolgungsjagd gegen Ende zu sprechen, wie hieß sie noch: „Is´ was, Doc?“ mit Barbra Streisand, nein: „Eine total, total verrückte Welt“ mit Spencer Tracy. Den schauten wir dann nach dem Essen. Als am Ende die Autojagd begann, merkte ich: Es wäre doch „Is‘ was, Doc?“ gewesen. Das ist nicht schlimm, ich habe den falschen Film bestimmt seit dreißig bis vierzig Jahren nicht mehr gesehen und Tränen gelacht. Dann müssen wir den anderen eben auch noch die Tage anschauen. Deshalb. Und deshalb.

Montag: Auch heute blieben wir lange im Bett und frühstückten spät, warum auch nicht. Um die Ostertage nicht nur essend, trinkend und schlafend zu verbringen, unternahmen der Liebste und ich nachmittags eine Radtour nach Brühl. Das Wetter zeigte sich anfänglich jackenkühl mit Sonnenschein, somit bestens für eine Radtour. Und also fuhren wir durch Felder und recht idyllische Orte wie Bornheim-Sechtem, das ich bislang nur vom Vorbeifahren mit der Bahn kannte. Die Rapsblüte schreitet voran, für mich immer wieder ein Grund, anzuhalten und zu fotografieren, obwohl es doch jedes Jahr gleich aussieht, wäre ja auch seltsam, wenn er plötzlich, sagen wir blau blühen würde. Die Bonner Kirschblüte ist ja auch immer gleich, dennoch strömen sie jedes Jahr in Scharen durch die Innere Nordstadt, die wir heute bewusst mieden, die Menschenmassen nahmen wir nur im Vorbeifahren aus den Augenwinkeln wahr. Zurück in die Bornheimer Felder: Auch der Flieder steht kurz vor der Blüte, nur die Kastanien brauchen noch etwas, bis sie sich mit ihren prächtigen weißen und roten Dolden schmücken. Für mich ist diese Phase der möglichst gleichzeitigen Raps-, Flieder und Kastanienblüte stets die schönste Zeit des Jahres, vermutlich schrieb ich es schon mehrfach, sehen Sie es mir bitte nach. Erstaunt war ich, dass der Rhabarber schon geerntet wird, auf dass die Produktion von Rhabarberkuchen, -schorle und -likör nichts ins Stocken gerät.

Ziel unserer Tour waren die Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust. Ersteres besuchte und besichtigte ich letztmals vor schätzungsweise fünfundzwanzig Jahren, zweiteres noch nie. Wie das so ist, wenn man so etwas gleichsam vor der Haustür hat. In der Außengastronomie bei Schloss Falkenlust stärkten wird uns: ich mit Weißbier, der Liebste mit einem Cappuccino. Er war schon immer der Vernünftigere von uns.

Vor Roisdorf
Alles gelb
Schloss Augustusburg
Schloss Falkenlust
Der Verfasser in guter Verfassung (Foto: der Liebste)
Bahnromatik bei Brühl
Bahnromatik in Bonn-Buschdorf

Dienstag: Nach fünf arbeitsfreien Tagen gibt es schöneres, als morgens ins Büro zu gehen. Doch möchte ich nicht klagen, so schlimm war es nicht. Eine Besprechung wurde abgesagt mit der Begründung „obsolet“. Wenn doch alle obsoleten Besprechungen abgesagt würden. Eine weitere endete nach vier Minuten, weil wir da bereits aligned waren, wie es hieß. Auch die war zweifellos obsolet.

Angenehmer Fußweg hin und zurück, morgens mit Handschuhen, nachmittags mit offener Jacke und Rast beim bayrischen Wirtshaus, wo wieder Maibock im Ausschank ist. Auf den freue ich mich jedes Jahr ungefähr so sehr wie auf die Blüte von Raps, Flieder und Kastanien.

Wie der Zeitung zu entnehmen ist, darf ab Sommer Marmelade genannt werden, was bislang nur als Fruchtaufstrich oder Konfitüre bezeichnet werden durfte, nämlich Produkte aus Nichtzitrusfrüchten. Bis heute war mir nicht bekannt, dass nur Zitrusfrüchte als Marmeladenbasis zugelassen sind, es somit Erdbeer- und Kirschmarmelade streng genommen gar nicht gibt, obwohl es jeder sagt; nun ist es auch egal. Oder wie es die Vertreterin des Bundeszentrums für Ernährung genderkorrekt ausdrückt: „Am Frühstückstisch der Verbrauchenden ändert das wohl wenig.“

Mittwoch: Mit dem Bürokollegen sprach ich über Träume. Also nicht im Sinne von unerfüllbaren oder bislang unerfüllten Wünschen, sondern über das, was während des nächtlichen Hirnfegens so in einem vorgeht. Erstaunlich fanden wir beide die dabei immer wieder erlebte Selbstverständlich absurdester Situationen, Sie kennen das sicher. Am Ende kam uns die Idee, vielleicht auch dieses Gespräch nur zu träumen, gleich daraus zu erwachen und sich zu fragen, wer der seltsame Vogel am Schreibtisch gegenüber war.

Für nach der Arbeit hatte ich einen Brötchenholauftrag für das Abendessen erhalten. Es gibt eine Bäckerei in Büronähe, doch deren Produkte sind meinen Lieben nicht gut genug, es muss unbedingt die Bäckerei M. sein, die in der Innenstadt drei Filialen betreibt. Keine davon ist tagsüber mit dem Fahrrad gut zu erreichen, das heißt an Fahrradtagen wie heute: Fahrrad abstellen und abschließen, die Tasche vom Gepäckträger nehmen, Brötchen kaufen, einpacken, Tasche wieder auf den Gepäckträger, aufschließen und im Schritttempo durch die menschenvolle Fußgängerzone nach Hause. Sehr umständlich. Nächstes Mal fahre ich wieder erst nach Hause, stelle das Fahrrad ab und gehe dann zu Fuß zum Bäcker. Das mag einige Minuten länger dauern, ist aber wesentlich entspannter.

Zeitvertreib ist auch so ein unnützes Wort: Welchen Sinn sollte es haben, Zeit zu vertreiben?

Ein interessantes Wort ist auch „Höhentief“. Ein solches ist laut Wettervorhersage für morgen zu erwarten.

Donnerstag: „Abstand rettet Leben“ stand auf dem Trikotrücken des Radfahrers, der nachmittags mit robustem Tempo durch die zahlreichen Fußgänger in der baustellenbedingten Engstelle am Rheinufer slalomierte. Im Übrigen erscheint mir so wünschenswert wie ein Tempolimit auf Autobahnen eine Mindestgeschwindigkeit für Fußgänger in Engstellen.

Freitag: Letzte Woche beklagte ich, dass sich der Bürorechner nicht mehr über den Schalter an der Dockingstation starten lässt, sondern ich dazu das Laptop aufklappen und dessen Einschaltknopf drücken muss. Zwar halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen bei Microsoft oder HP dieses Blog lesen, jedenfalls funktioniert es seit heute wieder auch über die Dockingstation. Vielleicht war es eine vorübergehende Systemunpässlichkeit.

Zum Abendessen suchten wir die andere Rheinseite auf. Zurück sah es so aus:

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Samstag: Morgens frühstückten wir vor dem Restaurant in der Fußgängerzone, wo die Frühstückslingssonne schon recht ordentlich wärmte.

Ab mittags beausflugte ich mit Leuten des Kölner Eisenbahnfreundevereins die Ahrtalbahn, die nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 seit vergangenem Dezember wieder durchgängig und nunmehr elektrisch befahren wird, ich berichtete. Zunächst fuhren wir bis zum Endpunkt in Ahrbrück, dann gleich wieder zurück bis Altenahr. Ab dort bewanderten wir sonnenbeschienen ein Stück des Rotweinwanderwegs, vorbei an noch blattlosen Reben und ohne Rotwein. Wobei das Wort Wanderung übertrieben wäre, Ziel war das nur etwa fünf Kilometer entfernte Mayschoß. Dort kehrten wir ein in die Bahnhofsgaststätte, und weil sich ein Ahrtalbesuch ohne Weinverzehr unvollständig anfühlt, wurden mehrere Flaschen Blanc de Noir geordert und geleert. Danach brachte uns, weiterhin im Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte, die Ahrtalbahn zurück nach Bonn, wo beim Abschied Einigkeit darüber herrschte, einen schönen Nachmittag miteinander verbracht zu haben.

In Bonn regnete es inzwischen, was den Liebsten nicht davon abhielt, für uns zu grillen. Dazu gab es Rotwein von der Ahr. Anschließend schauten wir „Is‘ was, Doc?“ und lachten sehr, nicht nur bei der Autoverfolgung, wobei da besonders.

Ahrbrück – Auch die RB 30 fährt nun elektrisch
Beim ungefähr dritten Glas (Foto: H. Hitzel)

Sonntag: Nach nicht sehr spätem Frühstück und Sonntagszeitungslektüre machte ich mich auf zum tagesüblichen Spaziergang. Es war kühler als gestern, die Sonne ließ sich nur zeitweise blicken. Im Rucksack einige Bücher für den öffentlichen Bücherschrank, sowohl gelesene als auch einige vom Stapel der ungelesenen, die ich irgendwann mal aus einem solchen Schrank mitgenommen, seitdem jedoch mangels Zeit nicht gelesen hatte. Außerdem hatte ich mein Schreibbuch eingesteckt, weil mir inzwischen eine Idee gekommen ist, wie die letzte Woche erwähnte Kurzgeschichte für die Anthologie weitergehen und zu Ende gebracht werden kann. Geplant war, mich damit in den Lieblingsbiergarten am Rheinufer zu setzen und bei einer Halben die Worte fließen zu lassen. Oder field writing zu betreiben, wie der Mitblogger aus Duisburg es zu nennen pflegt. Das scheiterte daran, dass der Biergarten nicht geöffnet war, vielleicht wegen des Wetters, das ich als durchaus draußenbiertauglich empfand, vielleicht wegen Krankheit, Reichtum oder Unlust. Schade, dann eben nicht. Da mir keine andere Gaststätte in gleicher Weise schreibtauglich erschien, ging ich nach Hause und schrieb dort weiter, ging auch.

Die Zierkirschen in der Inneren Nordstadt haben begonnen, ihre Blüten abzuwerfen und das Straßenpflaster mit rosa Konfetti zu bestreuen; der Regen des Vorabends hat indes noch reichlich Blüten oben gelassen, daher sind die beiden Straßen auch heute noch für Autos gesperrt und gefüllt vom flanierenden Instagramvolk. Auch die Kastanien machen sich bereit für die baldige Pracht.

In einer Seitenstraße sah ich einen Kleinwagen mit der Beschriftung „Heidis Orgelmobil“ an den Seiten, dazu stilisierte Orgelpfeifen. Falls es Sie interessiert, welcher Profession Heidi nachgeht, recherchieren Sie bitte selbst, eine von mir – zugegeben nicht sehr intensiv durchgeführte – Suche brachte dazu keine Erkenntnis. Jedenfalls klingt es lustig.

Lange dauert es nicht mehr

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Ich freue mich auf eine kleine Woche mit freiem Donnerstag, dessen Nutzung als Wandertag laut aktueller Wettervorhersage nichts im Wege steht.

19:30

Woche 23/2025: Was man halt so sagt je nach Tageszeit

Montag: Bereits gestern gelesen im Kieselblog: „Todos bauen sich auf wie Gewitterwolken, unter mir ein Teppich aus Lustlosigkeit.“ Ein Satz, der die montägliche Stimmung fast perfekt auf den Punkt bringt, sieht man einmal über den einleitenden Anglizismus großzügig hinweg. Doch so schlimm war es heute gar nicht, meine Stimmung war zufriedenstellend. Vielleicht lag es an der zusätzlichen Bewegung: Wegen eines technischen Defekts fielen ab Mittag die Aufzüge aus, so erhielt (nicht nur) ich Gelegenheit, gleich dreimal die Treppen zu nutzen, zweimal runter und (planmäßig) einmal hoch, rund 1.460 Stufen insgesamt. Da zahlt es sich aus, wenn man das freiwillig regelmäßig macht.

„Autsch!“ als Fehlermeldung. Originell-innovativ.

Dienstag: Zu Fuß ins Werk und zurück, erstmals in diesem Jahr ohne Jacke, da fühle ich mich anfangs immer wieder etwas unvollständig. Ich bin grundsätzlich ein Jackenmensch, so wie Mann früher nur mit Hut aus dem Haus ging. Auf dem Rückweg genehmigte ich mir in einer innerstädtischen Außengastronomie einen Maibock, der auch im Juni noch schmeckt, und schaute den Leuten beim Vorbeigehen zu.

Ich sollte mir abgewöhnen, Menschen, die beim Gehen ununterbrochen auf das Datengerät schauen, „Du Opfer“ zuzurufen, wenn auch nur gedanklich.

„Ich melde mich gleich bilateral bei dir“, hörte ich in einer Besprechung. Manche Wörter mögen klug oder wenigstens geschäftig klingen, gleichwohl verlöre der Satz nichts an Sinn, ließe man sie einfach weg.

Aus der Zeitung: „Die Vorgebirgsbahn S23 von Bonn nach Euskirchen soll elektrifiziert werden. Das heißt, die mit Diesel betriebenen Loks werden abgeschafft.“ Das ist Unfug: Erstens ist die Vorgebirgsbahn die heutige Straßenbahnlinie 18 von Köln über Brühl nach Bonn, gemeint ist vielmehr die Voreifelbahn. Kann passieren, auch einem Journalisten. Zweitens fahren dort seit sechsundzwanzig Jahren keine Dieselloks mehr, sondern Dieseltriebzüge. Zugegeben, eine Marginalie. Jedenfalls werden diese drittens nach Elektrifizierung der Strecke, wenn sie irgendwann mal fertiggestellt sein sollte, sofern sich keine Bürgerinitiative gegen dafür erforderliche Baumfällungen bildet und am Bahndamm keine seltene Echsen wohnen, ganz bestimmt nicht abgeschafft, sondern woanders eingesetzt.

Mittwoch: Eine Beobachtung, die ich kürzlich schon erwähnte, bestätigt sich zunehmend, jedenfalls ist das mein persönlicher Eindruck: Junge Kollegen grüßen nicht mehr. Egal, ob jemand den Aufzug betritt oder mir auf dem Flur im Turm begegnet, er/sie sagt nichts, unabhängig davon, ob seine/ihre Aufmerksamkeit gerade dem Datengerät gilt. Wenn ich dann Hallo sage oder was man halt so sagt je nach Tageszeit, werde ich angeschaut wie eine fremde Spezies oder als hätte ich einen dem Gegenüber unbekannten Zeichensatz verwendet. Ich bewerte das nicht, nehme es nur zur Kenntnis. Im Grunde ist eine Grußfloskel entbehrlich, manchmal vielleicht ein „Guten Morgen“ gar verlogen. Immerhin sagen sie auch nicht mehr „Mahlzeit“, das mal positiv sehen.

Aus einer Gruppennachricht: „Wir sollten bitte hier uns multilateral besprechen, denn ich glaube mein Sätze haben keine Klarheit gebracht.“ Dieser jedenfalls nicht sehr viel.

Donnerstag: Es lebe die Viertagewoche. Den heutigen freien Tag nutzte ich wieder für eine Wanderung, wegen Regenankündigung zum Nachmittag ohne längere An- und Abreise. Mit dem Bus fuhr ich bis Bonn-Röttgen, von dort ging ich eine Rundstrecke durch den Kottenforst, die mir mal auf Komoot vorgeschlagen wurde. Die Strecke ist abwechslungsreich, sie führt überwiegend durch den Wald. Es gibt einige Steigungen zu überwinden, indes keine fiesen Stolperstellen wie beim letzten Mal auf dem Siegsteig; gestolpert bin ich nur einmal noch innerhalb von Röttgen über eine hervorstehende Gehwegplatte. Die ersten Kilometer entlang des Katzenlochbachs sind besonders idyllisch, allerdings nach den Regenfällen der letzten Tage auch stellenweise matschig, entsprechend sahen die Schuhe hinterher aus.

Fazit: Eine schöne Wanderstrecke mit Variationsmöglichkeiten. Beispielsweise könnte man über den Venusberg weitergehen bis Bonn-Innenstadt statt wieder zurück nach Röttgen. Vielleicht mache ich das demnächst mal, wenn kein Regen zu erwarten ist. Der kam übrigens viel später als erwartet, auch die anschließende Currywurst mit Belohnungsbier in der Stadt konnte ich noch trocken draußen genießen.

Katzenlochbachtal
Ein Pilzlein wächst im Walde
Huflattich in großen Mengen am Wegesrand
Annaberger Feld
Stechpalme für Frau L
Geschafft

Freitag: Mittags in der Kantine saßen am Nebentisch zwei Männer, die sich auf Englisch unterhielten. Wobei „unterhielten“ nicht das richtige Wort ist, vielmehr redete der eine ununterbrochen auf den anderen ein in einem harten, ohrenscheinlich nicht muttersprachlichen Akzent, und sehr laut, derweil er, wen wunderts, mit dem Verzehr seiner Pizza nicht vorankam; soweit ich es aus den Augenwinkeln beobachten konnte, aß er während der ganzen Zeit, von meiner Platznehmung bis nach dem Dessert, keinen Bissen davon, inzwischen musste die Pizza kalt sein. Sein Gegenüber tat mir ein bisschen leid. Wieder einmal freute ich mich, allein am Tisch zu sitzen, wo ich mich unbesprochen der Reibekuchen an Salat und Apfelmus annehmen konnte.

Der Liebste hat mir ein Buch geschenkt. Ich freue mich und bin sehr gespannt.

Samstag: Wie üblich verband ich auch heute die Altglasentsorgung mit einem Spaziergang an den Rhein. Auf dem Rückweg begegnete mir eine Familie aus Vater, Mutter und drei Kindern. Auffällig war, sowohl der Vater als auch die Söhne zwischen schätzungsweise zwei und sieben Jahren, der jüngste im Kinderwagen, waren fast kahl geschoren, nur dunkle Stoppel waren noch auf den Köpfen auszumachen, eher Schatten denn Haare. Die Mutter, die den Kinderwagen schob, trug ein Kopftuch, daher war nicht auszumachen, ob auch sie haarlos war. Vielleicht hat es einen religiösen Hintergrund, ich weiß es nicht. Jedenfalls insgesamt ein mindestens irritierender Anblick.

Es ist an der Zeit für die nächste der tausend Fragen.

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Frage 4 lautet: „Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?“ Da gibt es keine bestimmte Kategorie, wie Blondinen-, Ostfriesen- oder Schweinkramwitze. Grundsätzlich kann ich über jeden guten Witz mehr oder weniger laut lachen, leider kann ich mir nur keinen merken. Doch, einen einzigen aus unerfindlichen Gründen schon, der ist allerdings nur so mittelgut. Ich habe ihn hier im Blog schonmal erzählt, aber wenn Sie unbedingt wollen, nochmal. Er geht so: Ein Dalmatiner steht an der Supermarktkasse. Als er an der Reihe ist, fragt die Kassiererin: „Sammeln Sie Punkte?“ Ach ja, richtig laut lachen kann ich auch über Horst Evers, siehe Eintrag von vorletzter Woche, und den Sitzungspräsidenten Volker Weininger. Überhaupt nicht lachen kann ich hingegen über sogenannte Comedy im Radio, erst recht nicht wenn die Stellen, an denen man lachen soll, mit einem sausenden Geräusch gekennzeichnet sind.

Spaziergangsbild, dem nichts hinzuzufügen ist

Sonntag: Das Wetter zeigte sich heute kleinteilig abwechslungsreich, jeweils kurze trockene Phasen wechselten sich ab mit teils heftigem Regen und starkem Wind. Erst zur Spaziergangszeit am frühen Nachmittag beruhigte es sich und die dafür zuständigen himmlischen Instanzen sahen freundlicherweise von weiteren Regengüssen ab, dennoch rüstete ich mich vorsichtshalber mit Regenjacke und Schirm. Später zeigte sich sogar für längere Zeit die Sonne und sie lockte die Leute aus den Stuben, in kurzen Hosen oder Daunenjacken, manche trugen beides gleichzeitig.

Ungeachtet meteorologischer Unwägbarkeiten fand auf der Beueler Rheinseite ein mutmaßlich sportliches Ereignis statt, jedenfalls deuteten Applaus und unentwegtes Plappern des lautsprecherverstärkten Kommentators darauf hin.

In der Südstadt ist eine weitere Straße aufgerissen zur Leitungsverlegung oder ähnlichem. Mein Eindruck ist, in Bonn gibt es immer mehr Baustellen, nur werden diese nie fertig. So ein bisschen wie Stuttgart 21. Fertig hingegen ist nun dieser Wochenrückblick.

Gewölk über Beuel
Wir wissen nicht, wer Max Osswald ist. Wenn Sie mögen, recherchieren Sie bitte selbst.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

Redaktionsschluss: 16:45

Woche 16/2025: Zur freien Verfügung

Montag: Manche Wörter lösen in mir eine gewisse Aggression aus, ohne dass ich genau weiß, warum. Ein solches ist „Mindset“. Vielleicht ein Fehler in meiner Denkweise.

Vielleicht auch ein Fehler der Denkweise ist die Annahme, der Montag sei stets von dumpfer Trübnis überschattet, selbst wenn wie heute die Sonne scheint. Denn heute ging es, Unlust und Müdigkeit hielten sich in Grenzen. Mittags in der Kantine setzte ich mich sogar freiwillig an den Tisch mit mehreren Kollegen und lauschte Gesprächen über ihre Kinder, was ich sonst eher meide. Vielleicht war es die Aussicht auf eine kurze Osterwoche, die meine Stimmung erhellte.

Dienstag: Während der Kindheit in den Sieb- und Achtzigern gehörte es zum täglich gewohnten Klangbild, wenn Militärflugzeuge über die Stadt hinwegdonnerten. (Ein beliebtes Eis am Stiel hieß „Düsenjäger“, ich weiß nicht, ob es das noch gibt; falls ja, heißt es bestimmt nicht mehr so.) Danach wurde es diesbezüglich ruhiger, wohl nur wenige werden es vermisst haben. Ich schreibe bewusst nicht „niemand“, gibt es doch für alles noch so Abwegige Liebhaber, etwa knallende Motorräder oder Gorgonzola-Käse. Da fiel es heute Morgen schon auf, als während des Fußweges ins Werk mal wieder so ein Düsenjäger (also nicht das Eis) über mich hinwegbrauste. Hoffen wir, dass wir uns künftig nicht wieder daran gewöhnen müssen.

Woran ich mich auch nicht gewöhnen werde und möchte sind geschäftliche Anliegen über Teams-Chat, ich schrieb es schon. Deshalb aus gegebenem Anlass nochmals dieser Hinweis an die lieben Kolleginnen und Kollegen: Fragen, die mich als Chatnachricht erreichen, werden nur beantwortet, wenn es kurzfristig möglich ist und ich gerade Zeit (und Lust) dazu habe. Wenn nicht, werden sie zuverlässig vergessen. Wie Sie sicher wissen, bedeutet Chat (engl.) Unterhaltung, Geplauder, Geplapper. Schriftliche Anliegen, die nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten sind, daher bitte grundsätzlich per Mail. Dann kann ich bei Bedarf Nachrichten weiterleiten, in Ordner ablegen und per Mausklick daraus eine Aufgabe anlegen. Zudem bin ich bestrebt, den Maileingang täglich leer zu arbeiten, so dass nur selten etwas vergessen wird. Danke.

Innere Nordstadt mit abnehmender Kirschblüte

Mittwoch: Der angekündigte Regen fiel freundlicherweise zu Zeiten, da ich nicht auf dem Fahrrad saß, die vorsorglich eingepackte Regenjacke konnte in der Tasche bleiben.

Im Büro wieder viele Besprechungen, so dass nur wenig Zeit war für einen Chat mit dem Kollegen gegenüber. Dazu muss ich kurz ausholen: Als ich von nunmehr sechsundzwanzig Jahren von der ostwestfälischen Niederlassung zum Bonner Mutterhaus wechselte, saßen wir beide mehrere Jahre im selben Büro und es verging kaum ein Arbeitstag, an dem wir nicht mindestens einmal laut lachten, weil unsere Humore und unsere Mindsets eine größere Schnittmenge aufweisen. Daher empfand ich fast so etwas wie Trennungsschmerz, als wir aus organisatorischen Gründen auseinandergesetzt wurden.

Dass wir nun wieder, trotz unterschiedlicher Abteilungen, wenigstens tageweise im selben Büro tätig sind, liegt an der aktuellen Arbeitsorganisation, die ich vor längerer Zeit schon beschrieb: Wenn man möchte, kann man an bis zu drei Tagen die Woche im Heimbüro arbeiten, dafür verzichtet man auf einen festen Schreibtisch und bucht sich einen, wenn man ins Bürobüro zu kommen beabsichtigt. Dadurch habe ich, der eine tiefe Abneigung gegen Heimbüro hegt und deshalb (als einziger im Geschäftsbereich) jeden Tag gerne ins Büro geht und somit über einen festen Schreibtisch verfügt, fast täglich wechselnde Zimmergenossen (manchmal auch keinen), somit, da wir nun wieder demselben Bereich angehören, auch besagten Kollegen. Das ist schön. Und gelacht haben wir trotz Besprechungen auch heute wieder.

Nicht ganz neue Kantinenerkenntnis zur Mittagszeit: Gemeinsam essen zu mehr als vier Leuten finde ich anstrengend, ich habe da immer weniger Lust drauf. Vor allem wenn das Tischthema Autos, Kinder oder Fußball ist, eins davon kommt meistens. In seltenen Fällen trifft das schon zu, wenn nur ein Mitesser zugegen ist.

Donnerstag: Der Gründonnerstag war grau und kalt, immerhin kam ich trockenen Fußes ins Werk und zurück, wobei auf dem Rückweg der Wind unfreundlich ins Gesicht blies.

Bei Ankunft morgens waren nur wenige Fenster des Turmes erleuchtet, auch auf unserem Flur blieben die meisten Büros leer, ich hatte meins für mich allein. Osterurlaub ist auch schön, wenn andere ihn haben. Während der Aufzugfahrt trug mir einer das Du an, der vor einigen Jahren, als Siezen noch nicht als exotisch galt, mein Chefchef war. Was soll man da sagen, womöglich wird er es irgendwann wieder.

Mittagessen mit einer lieben Kollegin, die ich aus dem gestern dargelegten Grund auch nicht mehr täglich sehe. Das war mindestens so schön wie allein zu essen. Ich hatte Weißwürste mit Radieschensalat und Kartoffelpüree, in das die Brezn in zerbröselter Form eingebettet war. Das klingt seltsam, hat jedenfalls sehr gut geschmeckt.

Freitag: Karfreitag. Da Ostern für uns in diesem Jahr nicht mit Reisen oder Besuchspflichten verbunden ist, bedeutet das vier freie Tage in der privat base (den Begriff las ich die Tage im Vorstellungs-Steckbrief einer neuen Kollegin) zur freien Verfügung. Während meine Lieben anderweitig beschäftigt waren, unternahm ich nach dem Frühstück eine kleine Wanderung auf die andere Rheinseite über Beuel, den Finkenberg (eine bewaldete Erhebung im Ortsteil Küdinghoven) bis Ramersdorf, zurück am rechten Rheinufer. Seit der letzten Wanderung hat die Begrünung der Natur noch einmal erheblich zugelegt, was den Weg mit Glücksgefühl anreicherte. Auch der angekündigte Regen blieb aus. Gar nicht zufällig führte der Rückweg an einem Biergarten vorbei, wo der erste Maibock des Jahres im Anstich ist und es wäre mir unhöflich erschienen, das zu ignorieren. Am Beueler Rheinufer überquerte ich die Osterkirmes, die aus bekanntem, zu recht zunehmend umstrittenem Grund heute geschlossen war.

Glücksgefühl auf dem Finkenberg
Glücksgefühl bei Maibock

Bei Herr Buddenbohm las ich das Wort „Leapfrogging“ und bin nun gespannt, wann es mir zum ersten Mal in einer Besprechung begegnet.

Samstag: Die samstagsüblichen Ent- und Besorgungen verband ich wieder mit einem Spaziergang. Außerplanmäßig suchte ich außerdem aus gegebenem Anlass ein Blumengeschäft auf. Die Sonne schien, doch war es nicht so warm wie vor einer Woche, auch die Kurze-Hosen-Dichte war deutlich geringer. Immerhin war es warm genug, um diesen Eintrag auf dem Balkon sitzend vorzunehmen.

Wann haben Sie zum letzten Mal ein Mofa gesehen?
Auch die Uferpromenade ist ergrünt

Abends waren wir im Zirkus Roncalli, der zurzeit in Bonn gastiert, für den uns die liebe Nachbarin Freikarten besorgt hatte. Es dürfte rund fünfzig Jahre her sein, als ich das letzte Mal in einem Zirkus war. Man hat ja auch so schon genug Zirkus im Werk und mit den Lieben, nicht wahr. Jedenfalls: Es war geradezu anrührend schön mit beeindruckender Akrobatik, Komik, einer Spur Erotik und ohne lebende Tiere. Gedanke während des Staunens: Diese Leute können so unendlich viel mehr als ich und bekommen dafür mutmaßlich viel weniger Geld.

Vergnüglich war es zweifellos

Sonntag: Geträumt, ich bin Mitglied der dreiköpfigen Jury bei Let‘s Drink, der Wettsaufshow auf RTL. Mein Name ist Kotzi Kabuse.

Der Liebste hat Geburtstag, deshalb der Blumenkauf gestern. Zur Feier des Tages unternahmen wir eine Radtour durch rechtsrheinische Gefilde bis Porz-Zündorf. Das war beglückend, die Sonne schien nicht zu warm; Raps, Kastanien und Flieder blühen, über den Feldern zwitschernde Lerchen. In Zündorf machten wir Rast in einem Biergarten, dann fuhren wir in Ufernähe unter zunehmender Bewölkung zurück, mit der Mondorfer Fähre wechselten wir schließlich wieder die Rheinseite. Während der Hinfahrt mussten wir immer wieder anhalten, weil leuchtende Rapsfelder die Motivklingel des Datengeräts heftig ausschlagen ließen.

Raps I
Raps II
Etwas Raps (III)
Raps IV – Suchbild mit Kölner Dom

Zum guten Schluss: Erfreulich in dieser Woche waren u. a. Wanderlust, der Zirkusbesuch und das Geburtstagsessen am Sonntagabend.

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.