Woche 50: Nie zuvor sah ich eine beeindruckendere Jogginghosendichte

Montag: Laut Radioreklame eines bekannten Möbelbausatzlieferanten erzeugt Schenken genauso viel Glückshormon wie beschenkt zu werden. Umso erschreckender empfinde ich die Gleichgültigkeit, mit welcher wir – mich selbst eingeschlossen – die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass es in einem Land wie unserem Obdachlose gibt. Wie die beiden mit dem Hund in der U-Bahn-Haltestelle, an denen ich – zusammen mit zahlreichen anderen hochbeschäftigten Menschen – jeden Morgen möglichst schnell vorbeigehe, ihre Frage nach etwas Kleingeld ignorierend, bloß keinen Blickkontakt entstehen lassen. Das geht so nicht weiter. Ab sofort habe ich ein paar Münzen griffbereit, die ich in ihren Becher lege, dazu ein freundliches „Guten Morgen“ tut auch nicht weh. Nicht jeden Tag, aber doch regelmäßig. Und zwar nicht nur die paar Kupfercent, Münzabfall, den ich üblicherweise zweifelhaften Musikern in ihr Schälchen lege, nachdem sie mich vor dem Straßencafé oder beim Spanier an der Ecke mit unerträglichem Gitarrengeschrammel belästigt haben, sondern richtiges Geld. „Aber die kaufen sich doch nur Alkohol und Zigaretten davon“, sagen Sie? Glaube ich nicht. Und selbst wenn, haben nur wir Reichen ein Anrecht auf ein bisschen Rausch? Mögen also die Endorphine sprudeln. Apropos Schenken: Meinen größten Weihnachtswunsch, den ich seit Jahren äußere, erfüllt mir leider niemand, dabei wäre das so einfach: endlich aufzuhören mit der überflüssigen Schenkerei unter Leuten, die schon alles haben. Solche wie ich.

Dienstag: Kann man bei zwei Personen schon von einer Warteschlange sprechen? Wenn ja, musste ich heute früh schlangestehen (oder schlange stehen? Schlange stehen?), um meine Münzen wie geplant in den Becher der Bedürftigen einzuwerfen, da ein Herr vor mir augenscheinlich entweder den gleichen Gedanken hegte oder sich spontan zu einer Spende entschlossen hatte. Wie auch immer: Ich tat es gerne und werde es wieder tun, auch wenn die Schlange länger wird, womit ich nicht rechne.

Mittwoch: Max Goldt zu lesen beglückt nicht nur die Seele, man lernt auch noch etwas dabei. So findet in einem seiner Aufsätze, der sich Frauen mit unangenehmen Stimmen widmet, die Knäkente (Anas querquedula) Erwähnung. Ohne je einem solchen Tier begegnet zu sein, ahne ich, was er meint, wobei ich die Gründe mit Rücksicht auf den interkollegialen Frieden nicht näher darlegen werde.

Donnerstag: Nachdem der Kater von der gestrigen Weihnachtsfeier endlich seine Krallen eingezogen hat, mache ich mich nun fertig für die nächste. Es hört einfach nie auf.

Freitag: Schadenfreude ist ein schändliches Gefühl. Meine Verachtung für Porschefahrer ist unermesslich. Am Abend traten diese beiden Tatsachen, die scheinbar unabhängig nebeneinander bestehen wie Bonn und Bielefeld, in eine unanständigeVerbindung, als ein SUV des vorgenannten Herstellers einem anderen Wagen (zum Glück nur leicht, aber mit einem deutlichen Rums) hinten drauf fuhr und meine Mundwinkel kurz nach oben zuckten.

Samstag: Weihnachtseinkäufe in Metz (Frankreich). Auf dem Weg dahin vor uns auf der Autobahn ein Molkerei-Tankzug mit der Aufschrift „Frische Milchideen“. Dazu fällt mir leider nichts ein. Auf dem Rückweg Zwischenhalt im Leclerc von Thionville. Nie zuvor sah ich eine beeindruckendere Jogginghosendichte als dort.

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Sonntag: Haushaltstipp der Woche: Die Anschaffung eine zweiten Spülmaschine macht Küchenschränke entbehrlich.