Woche 20/2026: Beeindruckt und übermenscht in Paris

Montag: Wie angekündigt kam über Nacht der Regen, der bis zum Nachmittag fiel und eisheilige Kühle mit sich brachte. Auch diese Woche beginnt mit einer Dienstreise, über zwei Tage nach Bad Breisig, wo wir aus demselben Anlass und im selben Hotel schon mehrfach tagten. Die Bahnfahrt morgens hierher verlief auf die Minute pünktlich, das darf man mal lobend hervorheben.

Vom Bahnhof zum Hotel ging ich zu Fuß über die Uferpromenade, vorbei an den Cafés und Restaurants mit Rheinblick, die zur verregneten Morgenstunde noch geschlossen waren und heute vermutlich keinen größeren Ansturm erwarteten.

Auf dass ein jeder Teilnehmer sein Laptop laben kann, waren im Tagungsraum Mehrfachsteckdosen ausgelegt in einer Weise, die jede Sicherheitsfachkraft grausen ließe. Doch es ging gut, weder ein Kabelbrand noch sonstiges Unbill störten den Verlauf.

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Das Tagungsprogramm verlief gut, gut auch die allgemeine Stimmung der Teilnehmer. Direkt im Anschluss an den geschäftlichen Teil wurde anlässlich der bevorstehenden Zurruhesetzung des Kollegen Schaumwein gereicht. Eine Woche kann auch ohne Regen wesentlich trüber beginnen.

Das Hotelzimmer ist geräumig, indessen insofern unpraktisch, als dass weder das Bett noch das Sofa über ein festes Kopfende verfügen, an das man zum Lesen und Schreiben den Kopf stützen könnte. Das Fehlen eines Jackenhakens möchte ich nicht schon wieder bejammern, allenfalls erwähnen. Macht man sich wohl der Sachbeschädigung schuldig, wenn man selbst einen mitbringt und an den Kleiderschrank schraubt?

Dienstag: Nach erfreulichem Verlauf auch des zweiten Tages der Tagung war ich kurz im Büro, wo ich einige Kleinigkeiten erledigte, anschließend ging ich zu Fuß nach Hause. Dort blieben mir knapp zwei Stunden zum Auspacken und zur Erledigung von Notwendigkeiten, dann musste ich mich schon wieder aus gleichsam beruflichem Anlass in die Gastronomie begeben, wohin der bereits gestern erwähnte ruhestandsnahe Kollege die Bonner Kollegen geladen hatte. Ein schöner Abend, dennoch bin ich froh, nun zu Hause zu sein und zur Abwechslung mal wieder im eigenen Bett schlafen zu können.

Per Post kam Werbung von einem Hörakustiker mit dem Angebot eines kostenlosen Hörtests. Die Gelegenheit nahm ich wahr, für Ende Mai einen Termin zu buchen. Vielleicht kann ich irgendwann wieder bei kollegialen und ähnlichen Zusammenkünften wie heute Abend den Gesprächen folgen, ohne dauernd „Wie bitte?“ sagen zu müssen.

Mittwoch: Zur Abwechslung mal wieder ein normaler Büroarbeitstag mit Aufarbeiten von Mailrückständen, Besprechungen, Kantinenessen und anschließendem Treppensteigen. Fast habe ich es vermisst nach zahlreichen Tagen außer Haus. Am Ende des Arbeitstages war noch etwas Arbeit übrig, das ist nicht schlimm, Montag komme ich wieder. Wenn mich bis dahin nicht der Schlag trifft oder eine andere Imponderabilie zuschlägt.

Doch das Reisen geht weiter. „Ich war noch niemals in New York“ sang einst der wunderbare Udo Jürgens. Ich auch nicht, will ich auch gar nicht. Allerdings war ich auch noch nie in Paris, das ändern wir morgen. Dafür wurden abends die Koffer gepackt, morgen früh fahren wir los, Sonntag kehren wir zurück. Ich freue mich darauf und bin sehr gespannt.

Donnerstag: Wie morgens im Radio gemeldet wurde, ist der Weinkonsum zurückgegangen. An mir liegt das nun wirklich nicht.

Das Verkehrsmittel der Wahl für die Fahrt nach Paris war das Auto, weil, wie der Liebste schon vor Monaten geschaut hatte, die Bahnfahrt für drei Personen an diesem verlängerten Wochenende über neunhundert Euro gekostet hätte. Die Fahrt verlief gut, die Autobahnen waren nicht so voll wie erwartet. Zwischendurch begleitete uns heftiger Regen.

Spontaner Gedanke beim Durchfahren eines Autobahnkreuzes: Das Wäldchen innerhalb eines Kleeblatts wäre der ideale Ort, um eine Leiche zu entsorgen, wohl niemand wird dort danach suchen. Vorausgesetzt, man schafft es, sie unbemerkt dort abzulegen. Daran könnte es scheitern, besser also, man möchte keine Leiche entsorgen. Ich weiß nicht, wie ich darauf kam, aktuell hege ich keinerlei derartigen Absichten.

Nach fünf Stunden erreichen wir mittags die Stadtgrenze von Paris, wenig später sah ich erstmals ganz kurz in der Ferne die Spitze des Eiffelturms, es gibt ihn wirklich. Eine halbe Stunde später fuhren wir am Hotel vor, wo wir zunächst nur die Koffer abgaben, das Zimmer war noch nicht fertig. Dann brachten wir das Auto in die nahe Tiefgarage und begaben uns anschließend zur leiblichen und geistigen Stärkung in ein Café.

Regen immer wieder auch hier in Paris, während wir nach oben erwähnter Stärkung eine erste Runde durch die Stadt gingen. Der Weg führte vorbei an zahlreichen Geschäften der bekannten Luxusanbieter, an den Türen jeweils Herren in dunklen Anzügen mit finsterem Blick und Knopf im Ohr. Das muss ein äußerst langweiliger Job sein, deswegen vielleicht der Blick.

Der erste Tag endete nach einem Restaurantbesuch an der Seine mit einer touristischen Schifffahrt auf dieser, zum Ende vorbei am beleuchteten Eiffelturm. Zweifellos ein beeindruckendes Bauwerk. Zurück zum Hotel fuhren wir mit dem Linienbus, der sich als echte Klapperkiste erwies. Bei der Fahrt über das Kopfsteinpflaster rappelten die Fenster, als wären die Scheiben nur lose mit viel Spiel eingefasst gewesen. Jedenfalls kamen wir unversehrt an und schlossen den Tag mit einem letzten Rosé in der Hotelbar ab. Auf dass der Weinkonsum wenigstens in Frankreich nicht in Schieflage gerät.

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Freitag: Der Vorteil, wenn man täglich was ins Blog schreibt und nur einmal wöchentlich veröffentlicht, ist, dass es an Tagen, an denen kaum Zeit zum Bloggen, geschweige denn andere Blogs zu lesen ist, genügt, einige Stichwörter zu vermerken, die dann später, spätestens bis zum Redaktionsschluss am Sonntagabend, notfalls auch erst bis montagfrüh zu ganzen Sätzen zusammengefügt werden können, sofern ich später noch weiß, was mit den Stichwörtern gemeint war. So ein Tag war heute.

Frühstück gibt es im Hotel bis zehn Uhr, das bedeutet auch heute zeitiges Aufstehen. Das Maison Astor im 8. Arrondissement ist gut und für Pariser Verhältnisse einigermaßen günstig, das Zimmer für drei Personen groß genug, mit Haken für Jacken. Nur das Bad ist unpraktisch, zwar geräumig, jedoch bietet es kaum Ablageflächen und Halterungen für Handtücher. Die Hotelbar für das abendliche Schlussgetränk ist gemütlich.

Nach dem Frühstück besichtigten wir die Kaufhäuser Printemps und Galleries Laffayette mit ihren beeindruckenden Glaskuppeln und Aussichtsterrassen. Wir waren bei weitem nicht die einzigen Touristen, die nur zum Kucken kamen und nichts kauften. Überhaupt ist die Stadt, wenig überraschend, an diesem Wochenende stark besucht, auch zahlreiche Deutsche unter den Touristen. An vielen Stellen bilden sich lange Warteschlangen: vor einigen Restaurants und Läden, nicht immer ist auf Anhieb zu erkennen, wofür man ansteht. Vielleicht weil dort unlängst irgendein bedeutender Instagrammer einen viralen Furz gelassen hat. Vor den bekannten Sehenswürdigkeiten sowieso, etwa vor der wieder aufgebauten Kathedrale Notre Dame, wo sich die Schlange mehrfach um den Vorplatz wand; ich bin meinen Lieben dankbar, wie ich keinen Wert darauf zu legen, ein solches Objekt zu besichtigen.

Kaufhaus Printemps
Blick von der Aussichtsterrasse des Printemps
Tinnef im Kaufhaus Galleries Laffayette

Mittags fuhren wir mit der Metro nach Pigalle, wo der Liebste eine Bouillon* für das Mittagessen ausgesucht hatte. Da sich auch davor bei unserer Ankunft bereits eine lange Schlange gebildet hatte, suchten und fanden wir ein anderes Lokal, wo wir gut und günstig aßen. Nur beim Digestif handelten wir unbedacht: Vierzehn Euro für einen Hauch Armagnac trieben auch dort die Rechnung in dreistellige Höhe. Man gönnt sich ja sonst nichts, wie es früher mal in der Werbung hieß.

*Nicht eine Brühe, sondern ein derart bezeichnetes traditionelles Restaurant.

Nach dem Essen gingen wir hoch nach Montmartre, vorbei an zahlreichen Geschäften mit Touristentinnef wie Eiffeltürme in allen Größen und Materialien, auch Plüsch, und Baskenmützen. Vor der Standseilbahn wieder eine lange Warteschlange ungefähr von derselben Länge wie die überwundene Strecke der Bahn. Also zu Fuß hoch, für mich dank werktäglichem Turmtreppensteigens kein Problem, auch die Lieben schafften es ohne nennenswerte Atemnot. Oben wieder Touristen in Massen, immerhin wird man mit einem passablen Blick über die Stadt belohnt. Zurück fuhren wir mit dem Bus, auch das wegen der engen, abfallenden Straßen und immer wieder beiseite gebimmelten Menschen ein Erlebnis.

Wartende auf die Standseilbahn zum Montmartre
Blick vom Montmartre

Zum Abendessen besuchten wir das Le Train Bleue im Gare de Lyon, ein riesiges, unbedingt sehenswertes Restaurant am Kopf des Bahnhofs mit aufwendiger Deckenmalerei, gutem Essen und Service, aufgrund der Größe nur etwas laut. Zurück fuhren wir mit dem Bus, der sich ohne größere Hemmungen seinen Weg durch den lebhaften Straßenverkehr bahnte. Nach Ankunft nahmen wir einen letzten Rosé in der Hotelbar, anschließend fiel ich erschöpft und reichlich übermenscht in tiefen Schlaf.

Le Train Bleue

Samstag: Vormittags fuhren wir mit dem Bus ins 4. Arrondissement, das architektonisch noch dem alten Paris entspricht, bevor im neunzehnten Jahrhundert alles platt gemacht und neu aufgebaut wurde. Auffallend viele Läufer liefen durch die Straßen, nicht gerade die ideale Laufstrecke, sie werden ihre Gründe gehabt haben.

Place des Vosges

Im 1. Arrondissement, an der Ecke Rue Saint-Honré / Rue des Prouvaires saß ein Rabe auf einer Balkonbrüstung und beschimpfte mit großer Freude die Touristen.

Mit der Metro fuhren wir zum Triumphbogen, auch der ein beeindruckendes Monument. Genauso beeindruckend der Wagemut, mit dem sich Kraftfahrzeuge aller Art, vom Kleinwagen bis zum Omnibus, hupend in den großen Kreisverkehr um das Bauwerk einfädeln. Auch hier gilt, was nicht nur für Paris, sondern fast jede Stadt und Autobahn gilt: Es gibt viel zu viele Autos.

Foto: der Geliebte

Der öffentliche Nahverkehr in Paris ist ausgezeichnet. Alle paar Minuten fährt ein Bus und eine Metro, mit dem bereits in Deutschland in die Wallet des Telefons geladenen Wochenticket kann man sie jederzeit nutzen. Man muss nur das Telefon an die Kontaktstellen in den Stationen und Bussen halten, ohne es vorher aufzuwecken. Sehr praktisch.

Metro-Station Solferino

Zum Abendessen suchten wir eine Bouillon auf der anderen Seineseite (der Kölner und Bonner würde sagen: op de Schäl Sick; ob die Pariser dergleichen sagen, weiß ich nicht) auf. Auch hier waren wir sehr zufrieden. Übrigens erlebten wir weder hier noch in den anderen besuchten Restaurants die Arroganz des Personals Auswärtigen gegenüber, von der regelmäßig zu hören ist. Überall war man sehr freundlich und sprach bei Bedarf englisch.

Als Nebenthema ergab sich eine Diskussion meine Kopfbedeckung betreffend. Das ist nämlich so: Zu meinem letzten Geburtstag bekam ich eine Mütze geschenkt, so ein Modell, das allgemein Schiebermütze genannt wird, vermutlich wissen Sie, was ich meine. Die trage ich in der Freizeit gerne. Nun ist die Frage, wann man sie auf- und wieder absetzt (für Rheinländer: an- und auszieht). Ich bin der Meinung, zusammen mit der Jacke, also Jacke an, Mütze auf, Jacke aus, Mütze ab. Der Liebste meint hingegen, in geschlossenen Räumen trägt Mann auf keinen Fall eine Kopfbedeckung, auf dem Weg vom Hotelzimmer bis zur Straße sei sie also in der Hand zu halten. Sie sehen, auch ich habe es nicht immer einfach.

Sonntag: Nach dem Frühstück verließen wir Paris über erstaunlich wenig befahrene Innenstadtstraßen. Dafür standen wir vor Aachen im Stau. Es gibt einfach zu viele … siehe oben. Das also war mein erster Besuch von Paris; ich hoffe, nicht der letzte. Au revoir. Und merci beaucoup an den Liebsten für die hervorragende Planung!

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Für mich steht die nächste Dienstreise an, dieses Mal von Dienstag bis Donnerstag in die Nähe von Ulm.

18:30

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