Im Wald

Bevor ich zu meinem eigentlichen Anliegen komme, möchte ich meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, heute als 50. Abonnenten meiner bescheidenen Zeilen Frau Schwarzbrot begrüßen zu dürfen. Seien Sie herzlich willkommen!

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Nun aber:

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Im Wald

Im Wald, da sind die Räuber, so ein altes Volkslied kündet,

auch Räuber Hotzenplotz man dort in seiner Höhle findet.

Nun wissen wir aus Fernsehen, Funk, des Netzes Offenbarung,

oder, im allerschlimmsten Fall, aus eigener Erfahrung:

Der echte Dieb verschmäht den Wald, denn dort ist nichts zu holen.

(Es sei denn, er ist Nesträuber und frisst die Brut der Dohlen.)

 

Die wahren Gauner sind bei uns, in Stadt und auf dem Land.

Sie rauben, was uns lieb und wert. Nicht nur den Diamant.

Doch heute kommen sie nicht nur durch Fenster oder Tür:

Auch holst du sie, per Mausklick, App, tagtäglich heim zu dir.

Sie wollen nicht dein Hab und Gut, man achte auf den Stern*,

sie wollen deine Daten nur. Du Trottel gibst sie gern.

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* Sie gehören auch zu den Menschen, die die Kenntnisnahme der Datenschutzbestimmungen von Amazon, Google, Facebook, Payback und wie sie alle heißen meistens ungelesen bestätigen? Zugegeben, ich auch. Et hätt noch emmer joot jejange, so Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes.

Zum Abend

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Lang genug geschienen habend

senkt die Sonne sich am Abend.

Sie hat vollendet ihren Lauf,

drum hört sie nun zu scheinen auf.

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Anmerkung: Der ursprüngliche Verfasser vorstehender Zeilen ist mir nicht bekannt, ich bin es jedenfalls nicht. Manfred S., mein alter Deutschlehrer am Heeper Gymnasium, der seine Unterrichtsstunden gerne mal mit einem Kopfstand oder der Präsentation seiner Kriegsverletzung an der Wade auflockerte und auch sonst eine gewisse Verhaltensauffälligkeit nicht zu verbergen vermochte, rezitierte sie des öfteren. Es ist eines von zwei Gedichten aus der Schulzeit, die ich bis heute auswendig aufsagen kann (das andere ist Der Zahnarzt von Eugen Roth). Seltsam, welche Prioritäten das Hirn manchmal setzt.

Niemals in New York

Ich war noch niemals in New York,

und das möcht‘ ich nicht ändern.

Viel eher zieht es mich nach Bork-

um statt nach fernen Ländern.

 

Was sollte ich in Afrika,

zu sehen wildes Tier?

Dann lieber Gran Canaria,

da gibt es Kölner Bier.

 

In der Provence halt ich’s gut aus,

im Allgäu und der Rhön.

Das ist zu weit nicht von zu Haus,

zudem ist es dort schön.

 

Am liebsten bin ich hier am Rhein,

den mag ich wirklich leiden.

auf dem Balkon, beim Gläschen Wein,

vor allem: bei euch beiden.

Nie wieder

Das April-Wort des von mir sehr geschätzten Blog-Projektes *.txt lautet ‚Alkohol‘. Als dieser Substanz nicht grundsätzlich abgeneigtem Menschen fällt es mir nicht sonderlich schwer, ihr ein paar Zeilen zu widmen.

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Alkohol

„Trink Wein auf Bier“,

so riet man mir,

„Zu Bier nach Wein

sag auch nicht nein!“

Doch waren dies schlechte Berater,

am Morgen schnurrt ein fetter Kater

in meinem Kopf auf feuchtem Zwirn

und schlägt die Krallen in mein Hirn.

Vernehmt drum folgende Parol‘:

Ich trink nie wieder Alkohol!

Kein Bier, kein Schnaps, nicht Wein noch Sekt,

nur Wasser noch, auch wenn‘s nicht schmeckt!

Des Katers Krallen längst vergessen,

des Koches Kunst bei gutem Essen

ist rein mit Wasser nicht zu loben.

Des Liedes Ende: Siehe oben.

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Schon vor sechs Jahren schrieb ich nach feuchter Nacht dieses zum Thema. Es gibt Dinge, die hören nie auf. Begießt mein hoffentlich noch fernes Grab mit Rosé.