Woche 36/2026: Auch für Schuppenflügler werden die Zeiten nicht besser

Montag: Die zweite und letzte Urlaubswoche begann mit einer Wanderung. Zwar war es dafür bei knapp dreißig Grad zu warm, doch da ich diese Wanderung unbedingt machen wollte und die Wettervorhersage für die verbleibende Zeit, die wir noch hier sind, keine kühleren Tage in Aussicht stellte, entschied ich, heute sollte Wandertag sein. Und also wanderte ich ab unserem Haus in östliche Richtung über den Berg bis Sainte-Marguerite, ab da den nächsten Berg hoch, den Hang entlang oberhalb von Les Valettes, durch eine landschaftlich beeindruckende Hochebene, schließlich der Abstieg bis Saint-Sébastien, zurück durch die Felder.

Erstaunlich die Komoot-Klassifizierung der Tour als „Moderat“. Sie weist erhebliche, lange Steigungen auf und auf der zweiten Hälfte ab Sainte-Marguerite grobsteinige Kraxel-Abschnitte mit Abrutsch- und Stolpergefahr, man muss vor allem bergab sehr aufpassen, der Gebrauch von Wanderstöcken ist dringend zu empfehlen. Es gibt nur wenige bequem zu gehende, halbwegs neigungsarme Strecken. Dafür bietet die Tour wunderbare Fernblicke unter anderem auf die Dentelles de Montmirail und den Mont Ventoux. Fazit: In dieser Form werde ich die Wanderung wohl nicht wiederholen, jedenfalls nicht die zweite Hälfte, die bis zum letzten Meter des Abstiegs anstrengend war; ständig aufpassen zu müssen, keinen falschen Schritt zu tun, trübte die Wanderlust ein wenig.

Erschwerend hinzu kamen Wärme und Sonnenglut, zum einen beim ersten Aufstieg, wo schattige Abschnitte die Ausnahme waren, zum anderen auf dem Rückweg durch die Felder. Aber das war meine eigene Schuld, ich musste ja heute unbedingt wandern. Nach einem Brausebad und dem ersten kühlen Getränk im Schatten vor dem Haus war ich wieder mit der Welt und der Sonne versöhnt.

Praktisch – neben den Wanderstöcken, ohne die ich nicht unversehrt zurückgekehrt wäre – war die Kopplung der Komoot-App mit den Hörgeräten. So wurde mir die Navigation direkt ins Ohr gesprochen. Nur einmal zeigte sich Frau K. unaufmerksam und ließ mich zunächst an einer Abzweigung vorbeigehen, um mir etwa hundert Meter später mitzuteilen, ich befände mich nicht mehr auf der Route. Beim zweiten Verläufer war es meine Schuld, weil ich in den vor mir liegenden Felsen zunächst den Pfad nicht erkannt hatte und eigenmächtig abgebogen war.

Während ich an der Chapelle Sainte-Marguerite vorbeiging, formulierte ich gedanklich eine Religionskritik, um sie später zu notieren. Wie mir der WordPress-Rückblick später zeigte, habe ich die längst aufgeschrieben, bereits vor sechs Jahren: „Die Menschheit ist in der Lage, Raumsonden auf Asteroiden zu landen, Atome zu spalten und Gene zu manipulieren; irgendwann wird vielleicht gar das Sitzplatznumerierungssystem der Bahn entschlüsselt sein. Gleichzeitig streiten sich erwachsene, gebildete Menschen darüber, ob sich ein kleines Plättchen trockenen Mehlgebäcks in den Leib Christi verwandelt, und durch wen.“

Statt zu wandern zog der Liebste es vor, währenddessen in Carpentras einen Supermarkt zu besichtigen. Eine bewährte Zutat aus dem Rezeptbuch für gelingende Partnerschaften: Jeder darf auch seins machen.

Fernblick auf die Dentelles de Montmirail und über Malaucène
Moderate Wegführung
Gruß nach Augsburg – hier wesentlich kleinblättriger als in rheinischen Gefilden
Hochebene
Suchbild mit Mont-Ventoux-Gipfel

Dienstag: Erster September, meteorologisch beginnt meine mittlerweile liebste Jahreszeit, auch wenn hier in der Provence davon noch nicht viel zu spüren ist, die Sonne wärmt weiterhin vom wolkenlosen Himmel, die Bäume sind grün.

Heute vor vierzig Jahren Jahren war mein erster Arbeitstag. Der war nicht sehr lang, im Wesentlichen bestand er darin, in der Personalstelle bei verschiedenen Sachbearbeitern zahlreiche Formulare und Erklärungen zu unterschreiben. Höhepunkt des Tages war der zu leistende Amtseid, ich weiß nicht mehr genau, ob ihn der Stellenvorsteher der Personalstelle oder der Amtsvorsteher persönlich abnahm. Auch an den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr, „in guten wie in schlechten Zeiten“ kam wohl nicht darin vor. Wohl aber optional die Schlussformel „so wahr mir Gott helfe“, worauf ich schon damals aus den gestern dargelegten Gründen verzichtete. Schließlich fuhr ich stolz mit einer Urkunde in der Tasche nach Hause, die mich als Beamtenanwärter des mittleren nichttechnischen Dienstes auswies.

Diesem Arbeitgeber, zwischenzeitlich von der Behörde zur Aktiengesellschaft gewandelt, verkaufe ich noch heute einen Teil meiner Zeit, und das überwiegend ganz gerne, stets im Bewusstsein, dass uns ein Arbeitsverhältnis verbindet und keine Liebesbeziehung. Karrieremäßig habe ich alles erreicht, was ich erreichen wollte und was vielleicht mehr ist, als ich vor vierzig Jahren erwartet und angestrebt hätte. Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert, sehe ich den verbleibenden Jahren bis zum Ruhestand optimistisch entgegen.

Aus einem Artikel bei Spiegel Online über die Nosferatu-Spinne – es wird immer bekloppter:

Vorher
Nachher

Ansonsten verbrachten wir den Tag mit etwas Liegestuhlzeit und einer Fahrt nach Nyons, um bestellte Oliven für der Bonner Lieblingsrestaurant zu kaufen. Abends folgten wir einer Einladung zum Grillen mit der Bonner Nachbarin und Freundinnen, die derzeit unten im Ort weilen.

Mittwoch: Geträumt: Ich befand mich irgendwo zusammen mit vielen anderen Menschen, vielleicht auf einer Party, einem Konzert oder in einer Großgastronomie. Als ein bekanntes Lied gespielt wurde (das mir inzwischen entfallen ist) fingen alle um mich herum an, im Takt der Musik die rechte Handkante gegen den linken Handteller zu schlagen und ich dachte: Aus welchem Film, den ich als mutmaßlich einziger nicht gesehen habe, ist das nun wieder?

Im übrigen übe ich mich heute nach zwei wortreichen Vortagen in vornehmer Kurzfassung. Nach einem kurzen Besuch des Wochenmarktes, wo es viel zu warm war zum längeren Verweilen, verbrachten wir nach mühsamem Rückweg durch sengende Sonne den Tag aufs Angenehmste am Haus in überwiegend sitzender Position. Nachmittags begab ich mich zur Abkühlung in die Piscine, wo ich einen Schmetterling insgesamt dreimal aus dem Wasser rettete, weil er, sobald die Flugfähigkeit wieder hergestellt war, immer wieder hineinflog. Vielleicht war er lebensmüde, auch für Schuppenflügler werden die Zeiten nicht besser. Vielleicht war ihm auch nur warm.

Dann war auch schon die Blaue Stunde.

..

Donnerstag: An diesem vorletzten Urlaubstag brachten wir die Fahrräder zurück nach Vaison-la-Romaine. Das verbanden wir mit einer letzten Radtour über Le Barroux, Beaumes-de-Venise, Vacqueyras, Gigondas, Sablet und Séguret. Für letzteres gilt ebenfalls, was ich vergangene Woche schon über Brantes und Montbrun-les-Baines schrieb: Es ist sehr postkartenmotivtauglich an einen Berghang gebaut.

Dentelles de Montmirail
Séguret

Bonetti schrieb:

Meine Großeltern erlebten die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg. Aber auch die heutige Jugend steht vor großen Herausforderungen: Laktoseintoleranz und Nussallergie.

Freitag: Über dem letzten Urlaubstag liegt stets eine gewisse Melancholie, so auch heute. Zum letzten Mal Frühstück vor dem Haus, morgen früh werden wir ungefrühstückt abreisen. Alles, was heute nicht aufgebraucht ist oder mitgenommen werden soll, landet im Müll statt im Kühlschrank. Zum letzten Mal Liegestuhllesen im Garten mit Ausblick auf die Berge im Norden und das Dorf Crestet am Hang, während alle halbe Stunde der Glockenschlag des Uhrenturms unten in Malaucène leise zu vernehmen ist.

Der letzte Spaziergang zur Müll- und Glassammelstelle war nicht sehr vergnüglich, weil es nochmal sehr heiß geworden ist und in den nächsten Tagen bleiben soll, was den Abschiedsschmerz ein wenig lindert. Die letzte Schwimmrunde in der Piscine, der lebensmüde Falter von Mittwoch, ein Magerrasen-Perlmuttfalter, wie das Netz weiß, badete auch schon wieder; ab morgen muss er sehen, wer ihn rettet. Nachmittags wurden die Koffer gepackt und die meisten Sachen ins Auto verstaut, auf dass wir morgen zeitig aufbrechen können. Dieser schwebende Zustand zwischen nicht mehr richtig hier und noch nicht weg. Abends zum letzten Mal runter in den Ort zum Pizzaessen.

Letztmals Liegestuhlperspektive

Samstag: Gegen halb neun fuhren wir mit dem üblichen Bedauern ab und kamen nach stau- und ereignisarmer Fahrt zehn Stunden später in Bonn an. Die Temperaturen sind hier deutlich gemäßigter: Erstmals nach zwei Wochen trug ich wieder lange Hosen, in der Stadt waren abends zahlreiche Menschen in Jacken zu sehen, für das Abendessen beim spanischen Restaurant bevorzugten wir einen Tisch drinnen.

Wäre ich noch Schüler und der Lehrer diktierte mir ins Aufgabenheft, mein schönstes Ferienerlebnis aufzuschreiben (ich weiß nicht, ob Schüler heute überhaupt noch Aufsätze schreiben oder ob sich das durch die sogenannte künstliche Intelligenz erledigt hat), so fiele mir das schwer. Es gab viele schöne Momente: die Stunden im Liegestuhl, die Radtouren, der erste Kaffee nach Decken des Frühstückstisches, ehe der Liebste mit frischem Baguette aus dem Ort zurück kam, die Abende vor dem Haus, nachdem die Hitze mit der Sonne hinter dem Berg gegenüber verschwunden war und wir der Welt bei Rosé und Kerzenschein beim Dunkelwerden zuschauten, während über uns in niedriger Höhe die Fledermäuse hinweg sausten. Manchen mag diese Art von Urlaub fad erscheinen, für mich ist sie nahezu perfekt. Ich benötige keine spektakulären Abenteuer, mit denen ich mittags in der Kantine die Kollegen beeindrucken kann. In einem Jahr sind wir voraussichtlich wieder dort, wenn nichts dazwischen kommt. Menschen mit Talent zum Pessimismus mag da einiges einfallen.

Gedanke: Wenn sich dieser Urlaub ohne Rücksicht auf berufliche und sonstige Pflichten beliebig verlängern ließe oder aufgrund eines Defekts im Raum-Zeit-Gefüge nicht enden würde, wie lange würde es dauern, bis es langweilig wird und ich zurück nach Bonn möchte? Oder würde dieser Wunsch nie eintreten?

Sonntag: Nach womöglich etwas zu ausführlichem Begießen der Wiedersehensfreude mit dem Geliebten erwachte ich mit einem gewissen Todeswunsch. Überhaupt finde ich, der Sonntagmorgen nach einem Urlaub ist der ideale Zeitpunkt zum sterben. Da das Universum oder die für derlei zuständige Instanz diese Meinung offenbar nicht teilt, frühstückten wir recht spät beim Restaurant in der Innenstadt, wo ich mich freiwillig in die Sonne setzte, weil es im Schatten ungewohnt kühl war.

Anschließend las ich auf dem Balkon, weiterhin an der Gänsehautgrenze, die Sonntagszeitung. Darin ein interessantes Interview mit einer Psychologin, die empfiehlt, man möge sich eine „innere Oma“ (bzw. als männliche Person einen inneren Opa) zulegen, die man bei anstehenden Entscheidungen befragen kann. Also nicht: Was würde meine Oma dazu sagen?, sondern was mein Ich im hohen Alter raten würde. Ein interessanter Gedanke. Zur Verbildlichung möge man sich ein Foto von sich selbst im entsprechenden Alter erstellen lassen. Ich habe ChatGBT dazu beauftragt, das Ergebnis finde ich schmeichelhaft:

Mein innerer Opa

Zu einem Sonntag gehört ein Spaziergang am Nachmittag. Dieser führte durch die Nordstadt an den Rhein mit Visite des Biergartens. Ein Vorteil, wieder hier zu sein ist, ich kann wieder vollumfänglich ohne Sprachbarriere kommunizieren. Nachteil: Auch das Geschwätz vom Nebentisch verstehe ich wieder.

Ebenfalls der Sonntagszeitung war zu entnehmen, der Rheinpegel sei wieder gestiegen. Davon war nichts zu sehen, immer noch ragen steinige Landzungen großflächig weit ins Flussbett, teilweise mittlerweile begrünt. Auffallend grün auch wieder die Rasenflächen, nicht mehr so gelbverdörrt wie vor dem Urlaub. Für die Bäume lohnt es sich aus Herbstgründen indessen nicht mehr, nochmal zu ergrünen.

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Dieser Wochenrückblick schließt im Futur zwei: Nach Redaktionsschluss werden wir mit der Nachbarin unter uns und Freundinnen von ihr gegessen haben, dieselbe Nachbarin, die wir vergangenen Dienstag noch in Malaucène antrafen.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Falls Sie ebenfalls Urlaub hatten und noch berufstätig sind, wünsche ich einen guten Start.

17:30

Woche 35/2026: Ohne größere Anstrengung bei farbenfrohem Wetter

Hinweis: Der folgende Wochenrückblick kann Wiederholungen in Text und Bild zu Vorjahren enthalten. Hierfür bitte ich um Verständnis.

Montag: Der Rosé des Vorabends wirkte etwas nach. Deshalb begab ich mich nach dem Frühstück zunächst zum Lesen mit dem Liegestuhl in den Zypressenschatten im Garten. Dort wachsen zurzeit seltsame braune Kugeln aus dem Boden, die (zum Glück nur optisch) eine gewisse Ähnlichkeit mit den Hinterlassenschaften von Pferden aufweisen. Wie das allwissende Netz erklärt, handelt es sich dabei um Exemplare des Gemeinen Erbsenstreulings, einer Pilzart.

Pisolithus arhizus

Mittags fuhren wir mit dem Bus nach Vaison-la-Romaine, wo der Liebste bei einem Fahrradverleih Räder reserviert hatte, etwa zum halben Preis wie die örtlichen Anbieter hier in Malaucène. Die Rückfahrt war trotz elektrischer Unterstützung anstrengend, da es wieder heiß geworden ist, dazu blies permanent warmer Gegenwind aus Süden. Aber man kann ja nicht zwei Wochen nur im Liegestuhl verbringen. Wobei: warum eigentlich nicht?

Gegen Abend wurde der Wind stärker und es bewölkte sich. Dabei wurde ein interessantes Schauspiel geboten: Während sich die oberste Wolkendecke gemächlich in Richtung Norden schob, zogen die Wolken darunter schneller nach Westen. Im Osten über dem Mont Ventoux verdunkelte sich der Himmel. Der angekündigte Regen traf etwas früher ein als erwartet und nötigte uns mit gegrilltem Abendessen unter das Dach der Terrasse, von wo aus wir gute Aussicht auf die Gewitter hatten, die mit beeindruckenden Blitzen südwestlich vorbeizogen.

Nicht ganz geglückter Versuch eines Blitzbildes

Dienstag: Die Gewitter brachten wenigstens vorübergehend etwas Abkühlung mit sich, die beim Frühstück ein leichtes Jäckchen erforderte, jedenfalls wenn man so fröstelig ist wie ich.

Nach dem Frühstück fuhren wir (mit dem Auto) nach Vaison, um dort auf dem Wochenmarkt Austern und anderes Meeresgetier zu kaufen. Der Markt war stark besucht, nur langsam bewegten wir uns mit den anderen Menschen, Kinderwagen und Hunden durch die schmalen Straßen, gesäumt von Ständen, die Textilien, Taschen und sonstigen Tinnef aller Art feilboten. In der Menge vor uns rief ein Mädchen ungefähr im Dreisekundentakt „Martine!“, offenbar war im Gewühl jemand verloren gegangen. Immer wieder blieben vor uns welche stehen, um die angebotenen Waren zu betrachten oder auf ihr Datengerät zu schauen, während ich befürchtete, von hinten einen Kinderwagen in die Hacken geschoben zu bekommen. Beim Fischhändler waren Austern aus, die erstanden wir später in erforderlicher Anzahl (für abends erwarteten wir Besuch) im Supermarkt.

Nach Rückkehr erledigte ich die Entsorgung von Abfall und Altglas, verband dies mit einem angenehmen Spaziergang. Auch im Urlaub darf die Erfüllung notwendiger Pflichten nicht vernachlässigt werden.

Mittwoch: Die erste größere Radtour des Urlaubs führte in die nördliche Umgebung über Entrecheaux, Mollans-sur-Ouvèze bis zum ehemaligen Eisenbahntunnel bei Pierrelongue, wo die örtliche Gastronomie aufgrund seltsamer Öffnungszeiten von Donnerstags bis Montags leider geschlossen war. Zurück ging es durch das Tal des Toulourenc und über den Berg zurück nach Malaucène. Die Parkplätze am Toulourenc, einem kleinen Fluss hinter dem Berg mit augenscheinlich hohem Erholungswert bei Touristen wie Eingeborenen, waren die Parkplätze belegt, was mehrere Fahrzeuglenker, auch Deutsche unter den Irren, nicht davon abhielt, auf der schmalen Straße nach Malaucène darauf zu warten, bis ein Platz frei wird, so dass man gerade so mit dem Fahrrad vorbeikam, jedoch keine anderen Kraftfahrzeuge. Zum Glück nicht unser Problem. Auch wenn ich mich wiederhole: In dieser Berg-und-Tal-Gegend begeistert mich die elektrische Unterstützung am Fahrrad immer wieder.

Kurz vor dem Ziel. Hinten der Tunnel der ehemaligen Schmalspurbahn von Orange nach Buis-les-Barronnies
Über den Berg

Die vergangene Woche noch vermisste Urlaubsstimmung ist inzwischen vollständig eingetroffen.

Donnerstag: Ein ruhiger Urlaubstag ohne Aktivitäten außerhalb des Grundstücks, das wir nicht einmal für ein Nachmittagsgetränk unten im Ort verließen. Es ist zu warm. Bereits gestern Abend deutete sich das an, als wir im Restaurant waren und mir erst dort auf der Außenterrasse einfiel, dass ich mein Jäckchen vergessen hatte, das ich an den Vorabenden bei Einsetzen der Abendkühle gerne überzog. Gestern brauchte ich es nicht; auch als wir wieder zurück waren bei unserem Haus, wo es üblicherweise etwas kühler ist als unten in Malaucène und den Tagesabschlussrosé öffneten, blieb es überraschend mild. Heute liegt eine drückende Schwüle über dem Land, der Himmel ist dunstig von Saharastaub, die Berge gegenüber erscheinen zunehmend schemenhafter, aus Süden bläst warmer Wind durch die Bäume neben dem Haus. Laut Vorhersage steht eine warme Nacht bevor, für morgen werden Gewitter erwartet.

Stattdessen, Sie ahnen es, verbrachte ich wieder längere Zeit im Liegestuhl lesend. Nachmittags nahm ich mir nach monatelanger Untätigkeit daran mal wieder die Romanbaustelle vor. Die Geschichte (was mit Eisenbahn, Leben und Sterben und gänzlich ohne Liebeswirren bzw. Kopulationsdrängen) gefällt mir gut, sie erscheint mir auch schlüssig. Einziges Manko: Der Umfang beträgt bislang nur knapp dreißig Seiten und ich habe keine Idee, wie ich ihn auf romanübliche ein- bis zweihundert Seiten ausdehnen kann.

Für heiße Sommertage haben Haus und Grundstück zwei große Vorzüge: erstens drinnen eine Klimaanlage und zweitens draußen ein Schwimmbecken, von dem wir nachmittags Gebrauch machten und das dank blickgeschützter Lage bedenkenlos auch ohne Badehose beplanscht werden kann. Ich bitte um Verständnis, davon keine Bilder zu zeigen, um die Bevölkerung nicht unnötig zu beunruhigen, oder wie der frühere Innenminister Thomas de Maizière, ich weiß nicht mehr, aus welchem Anlass, das mal ausdrückte.

Gleich muss ich grillen und die vom Dienstag übrig gebliebenen Austern knacken, denn, wie der Liebste es ausdrückt, ich bin nicht nur hier zum Lesen und Austernschlürfen.

Liegestuhlperspektive vormittags
Saharadunst abends

Freitag: Die erwarteten Gewitter äußerten sich – jedenfalls hier – nur durch gelegentliches Grummeln in den frühen Morgenstunden und im Laufe des Vormittags. Nächtlicher Regen hinterließ bräunlichen Belag auf der Tischplatte vor dem Haus. Bis in den Nachmittag zogen dunkle, tiefliegende Wolken über die Gegend, die immer wieder einige Regentropfen abließen, deswegen wurde das Frühstück auf die überdachte Terrasse verlagert, wo wir danach vorläufig blieben.

Am späteren Nachmittag blaute der Himmel auf und die Sonne zeigte sich. Das veranlasste uns zu einer spontanen, kleinen Radtour in die nähere Umgebung durch Beaumont-du-Ventoux, Des Valettes und Sainte-Marguerite, die sich gut mit einem Abendanfangsbier in Malaucène verbinden ließ. Plötzlich war dann schon wieder Apérozeit und ich hatte bis dahin während des gesamten Tages nicht eine Sekunde lang auch nur eine Andeutung von Langeweile empfunden.

Mittags
Nachmittags
Apéro
Abendglimmen

Samstag: Auch heute unternahmen wir eine Radtour: über Le Barroux, Baumes-de-Venise, Lafare und Suzette, zurück nach Malaucène über den Col de la Chaine, wo die Lavendelfelder längst abgeerntet sind. (Das müssen Sie sich nicht alles merken oder gar auf einer Karte nachvollziehen, es wird nicht später abgefragt. Es dient nur der persönlichen Chronik, wenn ich es später nochmal nachlese.)

Kurz vor Suzette wird es sehr steil, dort mussten die Fahrräder zeigen, was sie können, auf einer Strecke von wenigen Kilo-, vielleicht auch nur Hundertmetern sank die Akkufüllung um mehr als zwanzig Prozent. Dabei ließ es sich ohne größere Anstrengung fahren. Nur die Arretierung meines Sattels hatte sich gelockert, vielleicht habe ich in den letzten Tagen an Gewicht zugelegt; er sank immer tiefer in den Rahmen ein, mit dem beigefügten Werkzeug ließ er sich nicht befestigen. Nach Rückkehr in Malaucène suchten wir eine der hier zahlreichen Fahrradwerkstätten auf, mit wenigen Handgriffen und gezielten Hammerschlägen wurde das Problem behoben, sogar gratuitement. Mit einem Scheinchen in die Kaffeekasse (oder wie das in Frankreich heißt) zeigte ich mich erkenntlich.

Auch wenn ich mich wiederhole, da sich auch die beschriebene Empfindung nach all den Jahren, in denen wir hier schon unsere Urlaube verbringen, stets wiederholt, ist es mir ein Bedürfnis, es nochmals aufzuschreiben: die beglückende Harmonie der Farben an solchen Tagen – die unterschiedlichen Grüntöne der Pinien, Kiefern, Eichen, Zypressen, Weinreben, Olivenbäume, Obstplantagen und was sonst noch fleucht; das Beige-Grau der Felsen und Steinmauern; die rötlichen Ziegeldächer und ocker-beigen Wände der alten Häuser; das Blau-weiß des Himmels über all dem. Im Frühsommer kommt noch das Violett der Lavendelfelder hinzu. Was ich auch schon mehrfach fragte: Bleibt das Entzücken ob dieser Schönheit bestehen, wenn man dauerhaft hier lebt? Auch hier gibt es einen Alltag mit seinen Verzwickungen und Prioritäten, die sich irgendwann über alles legen. Vielleicht freut man sich dann über zwei Wochen am Rhein mit Siebengebirge, Bonner Südstadt und Godesberger Villenviertel genauso.

Farbenspiel I
Farbenspiel II
Unsere Rechnung nach dem Abendessen in Beaumont-du-Ventoux

Sonntag: Bei weiterhin farbenfrohem Wetter unternahmen wir eine Ausfahrt nördlich des Mont Ventoux und über ihn zurück, aus Zeit- und Bequemlichkeitsgründen mit dem Auto statt Fahrrädern. Ich weiß, zahlreiche Menschen machen in dieser Gegend Urlaub, gerade um mit dem Fahrrad über diesen Berg zu fahren, und zwar ohne elektrische Unterstützung; ein Kollege von mir bezwang den Gipfel an einem Tag gleich dreimal. Eine Freizeitbeschäftigung, die meiner Welt in etwa so fremd ist wie ungesichert in Felswänden zu klettern, nach Haien zu tauchen oder Fußballkucken. Ein jeder wie er mag. Während der Abfahrt kam uns ein Auto entgegen mit Fahrrad am Heck befestigt. Vielleicht erzählt der Fahrer nächste Wochen den Kollegen, er sei im Urlaub mit dem Fahrrad über den Mont Ventoux gefahren, gelogen wäre es nicht.

Die Fahrt führte (wieder nur für die Chronik) über Entrechaux, Eygaliers mit Abstecher nach Plaisans, Brantes, Montbrun-les-Bains, wo wir in einer Creperie kurze Einkehr hielten, und Sault, ab da über den Mont Ventoux zurück nach Malaucène. Bei manchen Orten wie Brantes und Montbrun ist man versucht, den Gründern zu unterstellen, die Häuser wären nur pittoresk an die Hänge geheftet worden, damit später daraus Motive für touristische Ansichtskarten und Instagram-Beträge entstehen.

Brantes
Montbrun-les-Baines

Während der Fahrt über den Berg sahen wir nie zuvor so viele vor allem ältere Radfahrer, die auf den letzten Kilometern vor dem Gipfel, die steil durch schattenlose Schotterwüste führen, ihr Rad schoben; vielleicht hatten sie ihre Kräfte etwas überschätzt. Der Gipfel war voll von Menschen und Fahrzeugen, deshalb hielten wir gar nicht erst an. Ansonsten offenbarte die Fahrt wieder Einblicke in Abgründe menschlichen Verkehrsverhaltens, egal ob zu Rad, Motorrad oder Auto. Es wird ohne Helm zu Tal gerast, möglichst mit Pedalieren statt zu bremsen, es wird gedrängelt und vor unübersichtlichen Kurven überholt, als ob es irgendeinen Vorteil brächte.

Gipfel des Mont Ventoux in Sicht
Gipfelblick

Nach Niederschrift dieses Eintrags begebe ich mich wieder in den Garten unter die Zypressen und freue mich, mit dem Liebsten weitere fünf Tage (Samstag ist Abreise, der zählt nicht mit) in dieser wunderschönen Gegend verbringen zu können, auch wenn meine Beine von Mücken zerstochen sind. Irgendwas ist ja immer.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

18:00

Woche 34/2026: Ein kollektives „Endlich“

Montag: Was sich als Thema für Smoltok bewährt hat, gilt für Blogs gleichermaßen: Wetter geht immer. Die große Hitze scheint vorläufig vorüber zu sein, der Tag begann mit Regen, ein allgemeines Aufatmen, ein kollektives „Endlich“ war zu vernehmen.

Da ich ungern mit nassen Hosenbeinen im Büro sitze, fuhr ich nach längerer Zeit mit der Bahn zum Werk, die trotz weiterhin halber Zuglänge und dank Sommerferien nicht sehr voll war. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadtwerke es bis zum Ende der Ferien schaffen, wenigstens einen Teil der sechzig immer noch außer Betrieb befindlichen Wagen wieder einzusetzen, auch hier wäre ein „Endlich“ dringend erforderlich.

Bei Ankunft im Turm waren die Jalousien am gesamten Gebäude weiterhin herabgelassen und sie ließen sich nicht hochfahren. Mein Anruf bei der Haustechnik wurde freundlich aufgenommen, man gebe es weiter. Nach dem Mittagessen ein weiterer Endlich-Moment: Sie fuhren hoch und erlaubten nach einer Woche im abgedunkelten Büro wieder den ungehinderten Blick nach draußen, was der Arbeitslust zuträglich war.

Mittags drang durch die geöffneten Fenster leichter Brandgeruch ein. Der große Waldbrand im Hohen Venn ist auch in Bonn präsent.

Da es nachmittags wieder trocken war, endete der Arbeitstag außerplanmäßig mit einem Fußmarsch nach Hause, heute ohne Weggetränk.

Dienstag: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Schirme. Da ich einen guten, recht großen habe, konnte mich der leichte Regen am Morgen nicht vom Fußweg ins Werk abhalten. Das war sehr erbaulich.

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Während des Mittagessens in der Kantine saß in meinem Blickfeld ein junger Kollege in alterstypischer Speisehaltung: links die Gabel, rechts das Datengerät, von dem er auch nicht abließ, als er fertig gegessen hatte und das Tablet zum Rückgabeband trug; auch beim Verlassen der Kantine klebte sein Blick auf dem Display. „Jung und europäisch“ lautete der Schriftzug auf dem Rücken seines T-Shirts. „Und digital versklavt“ rief ich ihm nach, selbstverständlich nur gedanklich.

Mittwoch: Im Berliner S-Bahn-Verkehr kam es morgens wegen einer Signalstörung zu Verzögerungen, ist in der Bonner Zeitung zu lesen. Das mag interessant sein für Menschen innerhalb des hauptstädtischen S-Bahn-Netzes, das ziemlich groß ist, jedoch nicht bis ins Rheinland reicht. Wozu also diese Meldung, sogar mit Bild? Muss das Sommerloch gefüllt werden? Berichtete die Zeitung auch nur im halben Umfang über jede Signalstörung zwischen Lindholm und Lindau, bliebe kein Raum für weitere Nachrichten, was an manchen Tagen vielleicht gar nicht so schlecht wäre.

„Da bin ich wohl ziemlich biased“ sagte einer in einer Besprechung. Vielleicht sagt man das jetzt in sich für modern haltenden Kreisen.

Donnerstag: Der Fußweg ins Werk führt üblicherweise am Groß-Frisiersalon Hagemann vorbei, bei dem auch ich längere Zeit zufriedener Kunde war und vermutlich immer noch wäre, wenn sich nicht inzwischen eine kostengünstigere Alternative in Wohnungsnähe gefunden hätte. Erst heute fiel mir im Vorbeigehen ein: Es ist wohl ein Zeichen von Professionalität, dass sie sich noch nicht umbenannt haben in Haargemann.

Der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub endete mit der diffusen Sorge, irgendetwas Wichtiges vergessen zu haben. Das hielt mich nicht davon ab, zu angemessener Zeit den Rechner auszuschalten und im Schreibtischrollcontainer zu verstauen; mit ihm ließ ich auch fast jedes Interesse an all den Dingen, mit denen ich mich sonst von Montag bis Freitag im Büro beschäftige, zurück.

Auf dem Rückweg ging ich in der Fußgängerzone an zwei Greenpeace-Aktivisten vorbei, die augenscheinlich darauf lauerten, arglose Passanten zu belästigen. Obwohl ich direkt auf einen zuging und mich ihm auf weniger als einen Meter näherte, freilich unter strikter Vermeidung von Augenkontakt, sonst hat man bei denen schon verloren, blieb ich unangesprochen. Vielleicht sieht man mir inzwischen an, dass ich in Fußgängerzonen auf keinen Fall von angesprochen werden möchte. Vielleicht stehe ich in Aktivistenkreisen inzwischen auch auf einer Schwarzen Liste, mit Bild und dem Vermerk: Stets freundlich, aber zwecklos.

Zur Feier des Vorurlaubsabends begaben wir uns abends zum Restaurant am Friedensplatz. Auf dem Weg dorthin wurden wir Zeuge, wie ein Straßenbahnwagen aus der Thomas-Mann-Straße mit hoher Geschwindigkeit in den Berliner Platz einfuhr, offensichtlich nachdem er zuvor das Haltesignal missachtet hatte: Wenige Meter vor Erreichen der Fußgängerampel wechselte diese auf grün und die Passanten gingen los, ohne auf die Straßenbahn zu achten, warum auch, sie hatten ja grün. Der Fahrer betätigte die Glocke, ohne die Geschwindigkeit zu drosseln, woraufhin die Fußgänger zurück wichen. Das hätte böse enden können, daher bin ich geneigt, das den Stadtwerken, vielleicht auch der Polizei zu melden. Wagennummer und Uhrzeit habe ich vorsorglich notiert.

Freitag: Erster Urlaubstag. Nach dem Frühstück verließen wir Bonn mit Zwischenziel Beaune im Burgund, von wo aus es morgen weitergeht nach Malaucène. Während der Fahrt las ich (als Beifahrer) unter anderem die im Reader angesammelten Blogbeiträge, die Mitblogger waren wieder fleißig. Gerade als ich zum Blog „es regnet“ kam, schlugen Tropfen auf die Windschutzscheibe und ich sagte zum Liebsten völlig überflüssiger Weise, er sah es als Fahrer ja selbst: Es regnet.

Ansonsten sind auch in Frankreich die Folgen der Hitzewelle und Dürre nicht zu übersehen. Die Wiesen in der Lorraine erstrecken sich trocken-vergilbt über die Kuppen, darauf Kühe, bei denen nicht klar ist, was sie dort tun; grasen kann man es nicht nennen. Bei Dijon fuhren wir an einer beeindruckenden Gewitterfront vorbei, die die Trockenheit auch nicht zu lindern vermochte.

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Nach sechs Stunden Fahrt erreichten wir unser Stammhotel in Beaune, wo wir wieder wie alte Freunde begrüßt wurden. Es ist überraschend warm hier, nachdem das Thermometer während der Fahrt durch einen Regenschauer zwischenzeitlich fünfzehneinhalb Grad angezeigt hatte.

Hotelfensterblick
Der Chronist im Zustand größerer Zufriedenheit beim ersten Urlaubswein (Foto: der Liebste)

Samstag: Ein weiteres „Endlich“ ergab sich am Nachmittag, als wir Malaucène erreichten. Seit nunmehr zwanzig Jahren fahren wir mindestens einmal im Jahr nach Südfrankreich, seit neunzehn nach Malaucène und immerhin vier in dieses Haus mit dem großen Garten etwas außerhalb des Ortes. Der Himmel ist wolkenlos blau, die Temperatur unter dreißig Grad, im Kühlschrank kühlt Rosé. Zudem ist es hier auffallend grüner als erwartet.

Unsere Herberge im Abendlicht

Ob es Ausdruck guter Urlaubslaune ist weiß ich nicht, jedenfalls, da das mögliche Schadensereignis im Konjunktiv blieb, habe ich mich entschieden, den am Donnerstag beschriebenen Straßenbahnvorfall nicht zur Anzeige zu bringen. Vielleicht war der Fahrer gestresst, weil seine Bahn wegen des bonnüblichen Verkehrsgewühls bereits erhebliche Verspätung hatte und er deshalb von der Leitstelle angemahnt wurde, vielleicht braucht auch er Urlaub.

Sonntag: Einer guten Tradition folgend verbrachte ich den ersten Tag in Malaucène ohne größere Aktivität im beschatteten Liegestuhl. Ein angenehm warmer Windhauch streicht unter weiterhin blauem Himmel durch die Bäume und lässt deren Blätter rauschen, aus der Küche kommt leise Radio Nostalgi, in Hörweite hinter mir geht ein nervöses Insekt seinem Tagesgeschäft nach, ohne mein Nichtstun zu stören. Während der Niederschrift dieser Tagesnotiz testet der Liebste die Wassertemperatur der Piscine, wahrscheinlich mache ich das später auch noch. Auf all das habe ich mich seit Wochen gefreut, was auch diesen Tag mit einem „Endlich“ versieht. Dennoch will die gewohnte Urlaubsstimmung noch nicht so recht eintreten. Das kommt bestimmt noch.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

16:30

Woche 35/2025: Die erste Liegestuhlprobe verlief erfolgreich

Montag: Morgens auf dem Fahrrad war es recht kühl, vor allem an den Händen. Doch Handschuhe im August erscheinen selbst mir als ausgewiesenem Scheinfrostfühler unangemessen. Auf dem Rückweg war es dann in Anzugjacke fast etwas zu warm. Man hat es nicht leicht.

Dafür, dass die Sommerferien zu Ende sind, war es im Büro und den Nachbarzellen ungewöhnlich ruhig, auch der Eingang an Anliegen in Wort und Schrift war gering. Das darf gerne bis einschließlich Donnerstag so bleiben, danach habe ich Urlaub.

Gelesen bei Herrn Fischer und tatsächlich für gut befunden:

Also (ich hatte kurz überlegt, ob ich „genau“ schreiben sollte, fürchtete aber, dass die Ironie darin nicht rüber käme, weil schon zu viele, selbst von den klügeren viele ständig „genau“ sagen, weil sie sonst selbst nicht wissen, dass sie fertig sind mit Denken, von daher also:
Also: …

Genau.

Dienstag: Eine der wichtigsten Fragen in dieser meteorologischen Übergangszeit: Was ziehe ich an? So, dass es morgens nicht zu kalt und nachmittags nicht zu warm ist. Für den heutigen Fußweg ins Werk und zurück war langärmliges Hemd ohne Jacke genau die richtige Wahl. Auf dem Hinweg schien die Sonne, auf dem Rückweg nicht mehr, es war dennoch sehr warm, was zu einem Feierabendbier am Rheinufer motivierte. Wer weiß wie lange noch, ehe wieder Daunenjacke und Wollmütze erforderlich sind. Ebendiese trug einer, der mir morgens begegnete. Das fand sogar ich übertrieben.

Nachmittags rief mich jemand vom Bonner General-Anzeiger an, um mit mir über die Kündigung des Abonnements zu sprechen, die ich zum Ersten dieses Monats veranlasst hatte. Bereits vergangene Woche hatte er deswegen angerufen, ich hatte ihm die Gründe erklärt: Zunehmend empfinde ich die Berichterstattung als meinungslastig; mich interessiert überhaupt nicht, was unbekannte Menschen zu einem Thema meinen und am allerwenigsten, was sie dazu auf Facebook gepostet haben; das Sahnehäubchen sind Qualitätsmängel im Text wie regelmäßig dieser: „Die Stadt Bonn hat seine Mitarbeiter angewiesen …“. Dafür sind mir über vierhundert Euro im Jahr zu teuer. Das fand der Anrufer schade und wir verblieben, dass ich es mir nochmal überlege (manchmal bin ich zu weich) und er in dieser Woche noch einmal anrufe. Heute also. Zu meinem Erstaunen fragte er mich genau dasselbe wie letzte Woche. Auf meinen Einwand, dass hätte ich ihm doch schon letzte Woche erzählt, ob er sich nicht erinnere, stammelte er so etwas wie „Doch, aber ich wollte nochmal …“ Unnötige Wiederholungen, sei es in Besprechungen oder in Gesprächen wie diesen zerren erheblich an meiner Geduld, mein Tonfall wird dann schnell ungehalten bis genervt. Daran muss ich noch arbeiten. Übrigens habe ich nun das wesentlich günstigere Online-Abo gebucht.

Mittwoch: Die Schule hat wieder begonnen. Auf dem Fahrrad muss man nun wieder besonders achtgeben auf andere Radfahrer, die ohne zu schauen den Weg kreuzen oder von der Seite einbiegen, was mich morgens auf dem Weg zum Büro veranlasste, einen, der mit hoher Geschwindigkeit von vorne rechts kam und unmittelbar vor mir schräg die Straßenseite wechselte, einen Idioten zu schimpfen, was mich wiederum sofort ärgerte; nicht so sehr der Radfahrer, sondern mein verbaler Ausfall. Manchmal passiert es einfach, da kann man nichts machen.

In ein Anforderungsformular schrieb ich als fachlichen Nutzen „Fahlervermeidung“, bemerkte es und freute mich.

Abends im Bett war ich mit dem neuen Buch „Aber?“ von Max Goldt durch, auf dessen Lektüre ich mich sehr gefreut hatte. Es ist mit knapp hundertsechzig Seiten nicht sehr umfangreich, doch auch inhaltlich hatte ich etwas mehr erwartet. Viele der Texte lesen sich wie Verschriftlichungen von Comics des Duos Katz & Goldt, sind es vermutlich auch, das Gedicht zum Schluss machte mich ratlos, was an meiner lückenhaften Lyrikkompetenz liegen mag. Ich vermisse die für ihn typischen Abschweifungen und Themenwechsel innerhalb desselben Textes und Wortschöpfungen wie die legendäre „Klofußumpuschelung“ oder „beliebte Fernkugel“ als Synonym für den Ex-Planeten Pluto aus früheren Büchern. Vielleicht ist er nach so langer Zeit ein wenig aus der Übung und muss erst wieder in den richtigen Schreibfluss kommen. Hoffen wir also auf weitere Bücher von ihm in nicht so ferner Zukunft. Ich werde sie auf jeden Fall kaufen und lesen.

Donnerstag: Besser kann der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub kaum sein. Bis zum Mittag war alles Wesentliche abgearbeitet, bis zum Nachmittag kam nichts Aufwendiges, dringend zu Erledigendes mehr hinzu, so dass ich guten Gewissens und bester Laune den Heimweg antreten konnte, nachdem der Rechner in der Schreibtischschublade verstaut und das dienstliche Telefon ausgeschaltet waren. Da der Regen durch war und die Sonne wieder schien, stand einem urlaubseinleitenden Getränk auf dem Rückweg nichts im Wege.

Laut kleiner kalender ist Maus-flitz-Tag. Ah ja. Demnächst dann vielleicht Beutel-kratz-Tag.

Freitag: Was schön war: der erste Urlaubstag, externes Frühstück mit den Lieben im Sonnenschein, eine störungsfreie Autofahrt nach Beaune im Burgund, das Wiedersehen mit dem freundlichen Hotelpersonal, das erste Glas Burgunder nach der Ankunft, das Abendessen im Hotelrestaurant.

Blick aus dem Hotelzimmer auf ein vorüberziehendes Gewitter

Samstag: Nach dem Frühstück im Hotel verließen wir Beaune mit Ziel Malaucène, wo wir nach staureicher Fahrt am frühen Abend ankamen. Es ist spätsommerlich warm, die Sonne scheint vom blauen Himmel und lässt die Provence in den üblichen Grün- und Ockertönen leuchten. Die erste Liegestuhlprobe verlief erfolgreich. Rosé ist im Kühlschrank. Wir sind sehr zufrieden und freuen uns auf die vor uns liegenden zwei Wochen an diesem wunderbaren Ort.

Apropos zwei – Frage 2 lautet: „Mit wem verstehst du dich am besten?“ Ganz klar: Mit dem Liebsten, und das nun schon seit vielen Jahren. Das schließt gelegentliche Zankereien nicht aus, aber ohne die wäre es ja auch etwas langweilig.

Blaugrün
„So strahlt kein Atommüll“ sagte einer.
Abendglas

Sonntag: Auch der erste Tag hier in Malaucène lag unter blauem Himmel bei Kurze-Hosen-Temperatur, dazu ab Mittag ein leichter Wind. Nach dem ersten Frühstück draußen vor dem Haus blieb ich am Tisch sitzen und stellte diesen Wochenrückblick fertig; heute besonders früh, da nachher Bonner Freundinnen, die ebenfalls zurzeit in Malaucène weilen, zum Grillen kommen. Nach Fertigstellung werde ich mit einem Buch in den Liegestuhl wechseln und dort bis auf weiteres zu einer zufriedenen Freizeitstatue erstarren. Sollte sich im Laufe des Tages noch etwas Berichtenswertes ergeben, wird es nachgereicht. Jetzt entschuldigen Sie mich bitte.

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Kommen Sie gut durch die Woche.

13:30

Woche 41/2024: Kiloweise Trüffel, nicht geleerte Teller und Abschied

(Der letzte Blogeintrag vergangener Woche war der eintausendste, wie ich erst jetzt bemerkt habe. Somit ist dies der tausenderste.)

Montag: Die Woche begann bewölkt mit ein wenig Regen, dafür ungewöhnlich warm. Also nicht T-Shirt-kurze-Hosen-warm, jedenfalls nicht für mich, immerhin ließ es sich mit Pullover im Liegestuhl ganz gut aushalten. Wobei ich dazu kaum kam, nachmittags unternahmen wir eine Ausfahrt in die Umgebung: In Saint-Maurice-sur-Eygues erstanden wir in der Bisquiterie eine größere Menge regionaltypischen Gebäcks. In Vinsobres besuchten wir das befreundete Weingut, wo man gerade gut mit der Lese beschäftigt ist. Wie überall ist die Erntemenge in diesem Jahr wegen des Wetters gering, dafür wird eine hohe Qualität erwartet. Auf einen größeren (W)Einkauf verzichteten wir, irgendwann muss das ganze Zeug in unserem Keller ja mal getrunken werden. In Nyons besorgten wir im Brauerei-Werksverkauf lokales Bier und Limonade, außerdem in der Coopérative zwei Eimer Oliven für das befreundete Restaurant in Bonn.

Für das Abendessen (wegen ungünstiger Wetterprognose zu Hause) kauften wir bei Puyméras weißen Trüffel, dessen Preis, wie bei Trüffeln üblich, mit einem vierstelligen Betrag je Kilogramm ausgewiesen war. Wer kauft kiloweise Trüffel? Warum keine Preisangabe je Tonne? Für alles weitere, wie Nudeln und Knoblauch, suchten wir den Super-U in Vaison-la-Romaine auf. Gelernt, als ich einfach einen Beutel Bandnudeln aus dem Regal nehmen wollte: Man muss sich an das Produkt herantasten.

Bewölkung, morgens
Krokusse im Oktober? Nein, Herbst-Goldbecher, sagt die künstliche Intelligenz. Und eine Schnecke.
Besuch zum Aperitif am Abend (Foto: Stefan K.)
0,000018 Tonnen Weißer Trüffel; nach meinem Geschmack überbewertet, was am erkältungsbedingt immer noch eingeschränkten Geschmacksempfinden liegen mag

Dienstag: Der Regen, der seit der Nacht bis zum Mittag teils heftig fiel, verwandelte den Hof vor dem Haus in einen kleinen See. Immerhin, die von Wetter Online für heute Vormittag in tiefstem Violett angekündigte Gewitterzelle, in deren Zentrum Malaucène liegen sollte, blieb aus. Daher begab ich mich nach dem Frühstück zunächst lesend in den Liegestuhl auf der Terrasse, um mich herum zahlreiche kleine Schnecken, denen es wohl draußen zu naß war. Dabei stelle ich es mir recht heimelig vor, sich bei Regen einfach ins Spiralhäuschen zurückzuziehen und abzuwarten, bis es vorbei ist. Nach dem ersten Knacks unter der Schuhsohle bemühte ich mich, keine weiteren zu zertreten.

Land unter am Morgen
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Nachmittags schien wieder die Sonne, wir unternahmen eine kleine Wanderung durch die nähere nördliche Umgebung, die im Ort mit zwei Bierchen endete.

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Massenhaft Kakteen, als wäre es das natürlichste von der Welt, dass hier massenhaft Kakteen wachsen
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Herzliche Grüße an den Kiezschreiber, auch wenn die Schreibweise etwas abweicht.

Abends versuchten wir es mal wieder mit einem Dreigängemenü im Restaurant. Es ging einiges zurück, was will man machen. Satt ist satt.

Mittwoch: Trotz am Vorabend nicht geleerter Teller erfreuten heute blauer Himmel und warme Luft Auge und Seele, nur der Wind blies unangemessen heftig. Selbst einer Frostbeule wie mir war es problemlos möglich, große Teile des Tages ohne Jacke und Pullover zu verbringen. Nach dem Frühstück (wegen des Windes weiterhin drinnen) besuchten wir den Wochenmarkt von Malaucène, um Gegrilltes und diverse Sättigungsbeilagen für das Abendessen einzukaufen. Der Markt war wesentlich kleiner als im Sommer, die Durchgangsstraße nicht gesperrt. Als wir um kurz nach zwölf ankamen, wurden einige Stände schon abgebaut, obwohl offiziell bis dreizehn Uhr geöffnet.

Bereits gestern Abend hatten wir für mich ein (elektrisch unterstütztes) Leihfahrrad geholt. Der Liebste hat seins schon seit Samstag für seine Alleinzeit jeden Morgen mit Kaffee in der Bar und Baguettekauf, derweil ich zu Hause das Frühstück vorbereite. Nach Rückkehr vom Markt machten wir damit heute eine Tour, wie wir sie ähnlich schon im Sommer letzten Jahres gemacht hatten: über den Berg (nicht den Mont Ventoux, im Leben fiele mir, im Gegensatz zu vielen anderen, nicht ein, den mit einem Fahrrad zu bereisen, auch nicht elektrisch unterstützt) bis Mollans-sur-Ouvèze, zurück über Entrechaux, teilweise auf der ehemaligen Schmalspurbahn-Trasse. Immer wieder von heftigen Windböen umtost, die uns mehrfach vom Sattel zu pusten versuchten.

Nach Rückkehr zogen wir uns bald ins Haus zurück, als die Sonne hinter Wolken verschwand und der Wind kühl unter das Terrassendach blies. Später kam Regen dazu und wir waren froh, zum Abendessen nicht mehr raus zu müssen.

Bei Malaucène, mit herzlichen Grüßen an das Fachblog für Bewölkung
Blick über den Berg auf den nächsten und Wolken
Mollans

Eine schlechte Nachricht erreichte uns aus Bonn, einen sehr lieben Menschen betreffend, dem wir es unter anderem zumindest indirekt verdanken, dass wir so oft und gerne hier in Malaucène sind.

Donnerstag: Vorletzter Urlaubstag, wie immer vergeht so eine Woche viel zu schnell. Während der Liebste ein paar letzte Einkäufe in Vaison erledigte, machte ich einen Spaziergang, der ungeplant zu einer Wanderung wurde, weil ein von Google Maps behaupteter Weg nicht existiert. Zum Glück hatte ich vorsorglich Wanderschuhe angezogen. So zog sich der Weg stetig ansteigend mit schönen Aussichten in die fernere Umgebung, bis der Bergkamm erreicht war und es auf der andere Seite über steinige Pfade wieder herunter ging bis Beaumont-du-Ventoux. Von da an flanierte es sich recht entspannt weiter durch Obstplantagen und Weinfelder, wie ursprünglich beabsichtigt. Zu meiner Freude begegnete mir niemand. Man möge mir verzeihen, dass mich das freut, doch manchmal, wirklich nur manchmal, betrachte ich die Abwesenheit von (anderen) Menschen als Geschenk. Was mir auch nicht begegnete, daran dachte ich erst in des Waldes Einsamkeit, waren Wildschweine, deren es hier dem Vernehmen nach reichlich gibt; in den letzten Tagen waren immer wieder Gewehrschüsse aus den umliegenden Wäldern zu hören, die Jagd ist eröffnet. Auch hielt mich glücklicherweise kein Chasseur im Pastisnebel für ein solches.

Nach ziemlich genau zwei Stunden kam ich wieder am Haus an, wo ich mich mit einem kleinen Imbiss belohnte. Kurz darauf traf auch der Liebste wieder ein und wir genossen noch etwas Liegestuhlzeit auf der Terrasse bei Sonnenschein und nur noch leichtem Wind.

Aufstieg
Aussicht
Abstieg
Reptil mitten auf dem Weg
Für Frau Lotelta
Blick auf Vaison-la-Romaine
Moos
Obst
Imbiss nach Rückkehr

Obwohl noch letzte Ausläufer der Erkältung spürbar sind, scheint der Appetit wieder hergestellt. Abends im Restaurant gelang es, das Dreigängemenü rückstandsfrei und mit Genuss zu verzehren.

Freitag: Letzter Urlaubstag. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel, die Luft war zunächst kühl, im Laufe des Tages wärmte sie sich auf, ich war genötigt, den Pullover gegen ein Polohemd zu tauschen. Nachmittags begannen wir, die ersten Sachen ins Auto zu packen, ansonsten verbrachten wir die meiste Zeit auf der Terrasse, wo diese Zeilen sowie der Entwurf eines neuen Blog-Aufsatzes entstanden. Außerdem las ich den Stanišić fertig. Es bleibt dabei, das Buch kommt demnächst in den öffentlichen Bücherschrank, wenn es niemand haben möchte.

Was ich mir für den Urlaub vorgenommen hatte, jedoch nicht getan habe: an meinem Romandings weiter zu schreiben. Im Moment hänge ich etwas in der Geschichte, auch fehlen Antrieb und Inspiration. Das ist nicht schlimm, es hat keine Eile. Zudem ist, wie der SPIEGEL gestern meldete, der Literatur-Nobelpreis für dieses Jahr ohnehin bereits vergeben. (Die Meldung erreichte mich während des Aufstiegs auf den Berg. Deswegen stört ihr mich?, dachte ich. Meldet euch erst wieder, wenn der Preis an mich geht. Was man so denkt in Momenten größerer Anstrengung.)

Die Müllentsorgung verband ich mit einem Spaziergang durch die environs. Man hat hier übrigens keine verschiedenfarbigen Hausmülltonnen, die regelmäßig durch die Müllabfuhr geleert werden. Stattdessen stehen an vielen Stellen öffentliche Müllcontainer, in die man die Abfälle einwirft, immerhin seit einigen Jahren auch hier getrennt nach Verpackung, Papier, Glas und Restmüll.

Gegend und unser Haus (Pfeil)

Die übliche Urlaubsende-Melancholie und das Bedauern über die morgige Abreise hielten sich in Grenzen. Nicht, dass ich mich wieder auf die Werktätigkeit ab Montag gefreut hätte, doch löste der Gedanke daran auch kein Unbehagen aus. Vielleicht liegt das etwas an meinem neuen Arbeitszeitmodell, der nächste freie Donnerstag steht schon im Kalender.

Zum Abendessen gingen wir runter in die Pizzeria, die erst seit gestern wieder geöffnet hat. Dort war es sehr laut durch eine sechsköpfige Herrenrunde am Nachbartisch, später kam noch eine vierköpfige, nicht viel leisere am Nebentisch hinzu. Hatten wohl alle Ausgang. Der Genuss von Pizza und Rosé wurde dadurch nicht wesentlich gemindert.

Malaucène-Zentrum, nach der Pizza

Samstag: Abreisetag. Morgens um sieben schlug der Wecker an, eine halbe Stunde später standen wir auf; noch hatten wir Urlaub, da kann der Wecker allenfalls unverbindliche Vorschläge machen. Eine gute Stunde später war alles Restliche zusammengeräumt, der Kühlschrank geleert, ohne Frühstück verließen wir das Haus. Bevor es in Richtung Autobahn ging, fuhren wir zu einem Obstbauern ein Tal weiter, um eine Kiste frisch geernteter Muscat-Trauben für das befreundete Restaurant in Bonn abzuholen.

Bei Abfahrt stellte Frau Navi eine Ankunft nach bereits neuneinhalb Stunden in Aussicht. Gedanklich schlug ich aus Erfahrung eine halbe bis ganze Stunde drauf für Pausen und Staus. Lyon durchfuhren wir dann ohne die übliche Umleitung auf eine Ausweichstrecke und ohne auch nur einmal staubedingt anhalten zu müssen, das ist sehr selten. So kamen wir wirklich fast zur angezeigten Zeit zu Hause an, vom Geliebten wiedersehensfreudig und mit Cremant begrüßt.

Sonntag: Der Tod ist unabwendbarer Teil des Lebens* – das sagt sich so leicht. Wenn er dann in der näheren Umgebung zuschlägt und einen lieben Menschen holt, trifft es einen doch. Was sich am Mittwoch ankündigte, wurde heute Morgen zur Gewissheit. Lieber K, wir werden dich sehr vermissen.

*Auch wenn irgendwelche Spinner glauben, die natürliche Alterung des Körpers ließe sich aufhalten und umkehren, somit wäre ewiges Leben möglich. Welch furchtbare Vorstellung.

Für uns geht das Leben vorerst weiter. Heute mit einem herbstlichen Spaziergang durch die Südstadt und an den Rhein. Hier ist deutlich mehr Herbst als in Südfrankreich. Die Außengastronomien sind noch nicht überall eingeräumt, dort, wo noch Tische und Stühle vor den Lokalen stehen, sitzt niemand mehr. Der Rhein fließt bräunlich dahin, er scheint anzusteigen.

Südstadt
Rheinufer

„Das Mittel gegen den rauen Ton“ wird eine Halspastille an einer Litfaßsäule beworben. Davon sollten einige Politiker, und nicht nur die, ganz viel nehmen.

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Kommen Sie gut durch die Woche. Wenn auch Sie Urlaub hatten, einen guten Start in den Alltag. Sonst auch.