Woche 38/2022: Gluck des Urlaubs

Montag: Ein angenehmer Urlaubstag nach gutem Schlaf und spätem Aufstehen. Beim Frühstück schauten wir kurz in die Beerdigung der Queen. Mein Interesse an königshäuslichen Schicksalen ist nicht sehr ausgeprägt, daher ging mir ihr Ableben nicht sonderlich nahe. Als die Dudelsäcke loslegten, stellte sich schon eine gewisse Gänsehaut ein.

Nachmittags verbanden wir die Besorgung regionaler Spezereien (Trüffelprodukte, Olivenöl, Rosé) mit einer Ausfahrt durch die immer wieder Herz und Auge erfreuende Gegend.

Dienstag: Morgens nahm ich drei Tassen aus dem Geschirrschrank, ehe mir einfiel, dass wir nur zu zweit hier sind. Die Gewohnheit.

Nach dem Frühstück durchwanderten wir bei Sonnenschein die Umgebung, selbstverständlich mit einem angemessenen Pique Nique.

Den Nachmittag nach Rückkehr verbrachte ich überwiegend im Liegestuhl, wo Vorstehendes notiert wurde und aus dem ich Sie herzlich grüße.

Mittwoch: „Hier ist dein Gluck“, schrieb morgens jemand per Mail. Er ahnte wohl nicht, wie recht er damit hat.

Der Sportteil der Tageszeitung erfährt von mir normalerweise keine Beachtung und wird rasch überblättert. Heute blieb das desinteressierte Auge indes an dem Wort „Schach-Skandal“ hängen. (Ähnliches geschah vor längerer Zeit schon einmal beim Wort „Schachschlacht“, das ich notierte und mangels Verwendungszweck bislang nicht benutzte.) Wodurch also kann eine derart unaufgeregte Beschäftigung wie das Schachspiel (es fällt mir schwer, es als Sport zu bezeichnen, gleiches gilt für Angeln und Autorennen) einen Skandal auslösen? Folgendes ist passiert: Der in Schachinteressiertenkreisen als Superstar gefeierte Magnus Carlsen hat eine Partie verloren gegen einen unbekannten Neunzehnjährigen, weil letzterer womöglich betrogen hat. Das wirft die Frage auf, wie man bei einem Brettspiel, wo für jedermann sichtbar schwarze und weiße Püppchen verschoben werden, betrügen kann. Die konkrete Antwort bleibt der Bericht schuldig, nur soviel: Laut einem Experten sei es denkbar, „mithilfe von Analkugeln Vibrationssignale zu empfangen, um die nächsten Züge zu planen“. Mir ist schleierhaft, wie rektale Stimulation ausgerechnet geschicktere Schachzüge anzuregen vermag. Jedenfalls rief die Idee bei mir länger anhaltendes Grinsen hervor.

Apropos Züge: Laut einem anderen Bericht beabsichtigt die Deutsche Bahn, die Staatsbahn der Ukraine bei der Einführung europäischer Standards im Bahnbetrieb und Management zu beraten. Trotz Krieg gilt die ukrainische Eisenbahn bislang als erstaunlich zuverlässig, daher sollte sie das Angebot der DB besser ausschlagen. Oder ein Gegenangebot unterbreiten: die Beratung der Deutschen Bahn bezüglich stabiler Betriebsführung unter widrigen Umständen wie Sturm, Laubfall, Hitze und Schnee.

In von mir abonnierten Blogs las ich gleich zweimal das Wort „lecker“, das ich aus nicht näher bekannten Gründen furchtbar finde.

Köstlich hingegen das Getränk und die Lektüre. Gluck des Urlaubs.
Abends hätte ich beinahe einen Sonnenuntergang fotografiert

Donnerstag: Manchmal, zum Gluck Glück nicht allzu oft, wache ich nachts auf und schlafe nur schwer wieder ein, so wie vergangene Nacht, nachdem mich Blasendruck aus dem Tuch getrieben hatte. Dann geht in meinem Kopf ein Gedankenquirl an, der mich eine Zeit lang mit potentiellen Unannehmlichkeiten beschäftigt, etwa die, Fremde schlichen um das Haus, um uns auszurauben oder zu meucheln, oder sie brechen das Auto auf und klauen den Wein aus dem Kofferraum. Jedes draußen vernommene Knacken und Rascheln wird plötzlich zur Gefahr. Doch schlief ich irgendwann wieder ein und wachte ungemeuchelt auf, als hinter der Jalousie der neue Tag hellte.

Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem unversehrten Auto nach Avignon, zunächst in die Metro, die wir jedes Mal erst nach einem längeren Verwaltungsakt, der mehrere Metromitarbeiter beschäftigt, betreten dürfen. Hauptzweck des Besuchs war die Ergänzung der Champagnervorräte, ein Kistchen Rosé landete ebenfalls auf dem Wagen; beides sollte stets in ausreichender Menge im Haus sein, gerade in diesen Zeiten.

Danach fuhren wir in die Markthalle, waren allerdings spät dran, viele Stände schlossen schon. Dennoch werden wir voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht hungern.

Nach einem Kaffee (manchmal geht es auch ohne Alkohol) auf dem zentralen Place de l‘Horloge fuhren wir zurück, wo der Liegestuhl schon bereit stand.

Noch einmal zur Bahn. Die bekommt neue Züge. Dazu die Zeitung (Hervorhebungen durch den Chronisten):

An neuen Zügen wird der Aufschwung des Schienenverkehrs nicht scheitern. Bahnchef Richard Lutz kündigt ein gewaltiges Investitionsprogramm für neue Züge an. Bis zum Ende des Jahrzehnts gibt die Bahn 19 Milliarden Euro für neue Züge aus.

[…]

Ein großer Teil der Pläne war bereits bekannt, etwa die Anschaffung von insgesamt 73 ICE 3 Neo, die ab dem kommenden Dezember auf die Gleise kommen und allein 2,5 Milliarden Euro verschlingen.

[…]

Die Modernisierung der Strecken wird viele weitere Milliarden verschlingen, die der Bund bereitstellen muss.

(General-Anzeiger Bonn)

Ich weiß nicht, ob der Verfasser des Artikels sich in Ausbildung befindet oder nur einen schlechten Tag hatte; gleichwohl fraget man sich: Liest das vor Veröffentlichung niemand mehr gegen?

Freitag: Eine Woche geht immer schnell herum, das gilt (zum Glück) für Arbeits- wie (leider und umso mehr) für Urlaubswochen. So ist heute schon wieder der letzte Tag vor unserer Abreise morgen früh. Den Vormittag verbrachte ich sitzend (beziehungsweise liegestuhlliegend) und lesend vor unserem Haus. Der Liebste unternahm unterdessen einen Ausflug nach Vaison La Romaine in den Supermarkt. Er kann sich dort stundenlang aufhalten und die regionalen Lebensmittelangebote besichtigen, wohingegen mein diesbezügliches Interesse nach kurzer Zeit nachlässt. Daher ist es für alle Beteiligten besser, er fährt ohne mich.

Bei Max Goldt las ich den aus der Psychiatrie stammenden Begriff „querulatorischer Interpunktionsexzess“. Dieser bezeichnet den Drang mancher Internetnutzer, ihre mehr oder weniger sinnvollen Wortbeiträge mit möglichst vielen Ausrufe- und Fragezeichen zu bekräftigen. Also etwas, das Sie in diesem Blog üblicherweise nicht vorfinden!!!!!

Samstag: In der Nacht hatte es zu regnen begonnen. Auch morgens zur Abfahrt trommelten noch schwere Tropfen auf das Vordach und den Blechtisch vor der Tür, an dem wir an den Vorabenden den Rosé zur Nacht genossen hatten. Einerseits linderte der Regen den Abschiedsschmerz ein wenig, andererseits blieb die übliche Wehmut, die mich jedesmal begleitet, wenn wir auf dem Weg von Malaucène zur Autobahn letztmalig Landschaft und Dörfer durchfahren. Bis zum nächsten Mal – voraussichtlich im nächsten Frühling, wenn nicht eine Seuche, ein Atomkrieg, ein Meteoriteneinschlag oder was anderes Dummes dazwischen kommt. Man muss ja mit allem rechnen.

Sonntag: Hier noch ein bebilderter Rückblick auf die zurückliegende Woche.

Die Nachbarschaft
Höflichkeit hat ihren Wert – in diesem Fall max. 1,20€
Blick in Richtung Grozeau-Quelle
Besucher nach dem Pique Nique
Es ging uns gut
Nochmal unser wunderbares Haus
Wasserangebot im Metro zu Avignon. Gut Ding will Kohle haben.
Haustechnik

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, bitte entschuldigen Sie die diese reichlich abgewetzte Floskel. Der Rucksack ist gepackt für die viertägige Reise ins Allgäu von morgen bis Donnerstag, worauf ich mich trotz ungünstiger Wetterprognose sehr freue. Möge die Deutsche Bahn mit mir sein.

***

Ich wünsche auch Ihnen eine angenehme Woche.

Woche 33: Diverse Unwägbarkeiten

Montag: Regen am Morgen. So sehr ich des Sommers Hitze schätze, so sehr kann ich mich auch für Regen begeistern. „Regenmöger“ als Bezeichnung meiner Person wäre daher nicht deplatziert, ebenso Warmduscher. Ich wüsste wirklich nicht, was an einem Brausebad unter angewärmtem Wasser Anlass zur Geringschätzung bietet.

Meine Bahn entfällt. Komme ich also später ins Werk, da gibt es wohl schlimmeres. Die Bahnhaltestelle ist überdacht und ich habe ein Buch dabei.

Die größte Herausforderung an Montagen liegt ja oft darin, nach dem Wochenende das Interesse wieder auf Dinge zu lenken, für welche zu interessieren man mich entlohnt.

„Die Lösung ist nicht ganz so fancy„, hörte ich in einer Besprechung und notierte es umgehend.

Dienstag: Nachtrag zu letzter Woche: Franzi hat einen schönen Text (unter anderem) zum Thema „Leben in der eigenen Welt“ geschrieben, den sie letzten Freitag auf der #Mimimimi-Lesung vortrug. Zitat: »Warum ist „Du lebst in deiner eigenen Welt“ nicht ganz offiziell eines der schönsten Komplimente, die man einem anderen Menschen machen kann?« Recht hat sie. Jeder hat das Recht, wenn nicht die Pflicht, in seiner eigenen Welt zu leben. Jedenfalls zeitweise.

In einer sehr eigenen Welt leben wohl auch Menschen, die sich Wörter wie „Eisenbahn-Inbetriebnahmegenehmigungsverordnung“ ausdenken.

Mittwoch: Jan Ullrich, Ende der Neunziger bekannt geworden als Radrennprofi und Werbeträger eines großen Telekommunikationsanbieters, zieht zurzeit aufgrund diverser persönlicher Unwägbarkeiten das Interesse zahlreicher Medien auf sich. Dabei ist das nur mäßig bis gar nicht interessant. Warum lassen die ihn nicht einfach in Ruhe?

Donnerstag: Heute war ich ziemlich müde den ganzen Tag über, vielleicht ein Glas Rosé zu viel am lauen Vorabend. Deshalb heute Weißwein.

Ich habe jetzt einen Rückspiegel am Fahrrad. Das ist wohl so ziemlich das uncoolste, was man haben kann, und doch wesentlich lebenserleichternder als so manche absurde App.

Herbert Reul beweist seine hervorragende Eignung als Innenminister von NRW, indem er verlangt, Gerichtsentscheidungen müssten auch das „Rechtsempfinden der Bevölkerung“ berücksichtigen. Nur: Was soll das sein? Was die Bild-Zeitung schreibt? Oder was bei Facebook gepostet wird? Oder was am lautesten geschrien wird?

Apropos Düsseldorf: „Dort gibt es Läden, in denen man gebrauchte Baby-Kleidung kaufen und gleichzeitig einen smoothie trinken kann. Das ist genau die Lebenswelt, die ich abstoßend und verachtenswert finde“, schreibt Seppo. Ich verstehe gut, was er meint.

Freitag: In gewisser Weise erscheint mit der Brückeneinsturz von Genua wie ein Symbol unserer Gesellschaft und ihrem Umgang mit der Natur: Viele wissen, dass dringend etwas getan werden muss, doch die, die was tun müssten, tun nichts. Bis zum Zusammenbruch. Dann haben die, die zuvor nichts taten, es ja immer gewusst.

Samstag und Sonntag: (Wird aus Zeitgründen nachgereicht.)

Woche 29: Wiedereingliederung für Urlaubsrückkehrer

Montag: „Ich habe heute Morgen total intensiv an dich gedacht“, rief am Morgen eine mir unbekannte Frau einer anderen auf dem Weg ins Werk zu. Woran ich heute früh total intensiv dachte, ich mir entfallen. Vielleicht an meine Abneigung gegen die unsägliche Begrüßung „Der Urlauber ist wieder da“, wenn man zurück ist. Kam dann auch. Ansonsten war der erste Tag erträglich. Nach Sichtung meiner etwa zweihundertfünfzig Mails hätte ich indes nichts dagegen gehabt, wieder zu gehen. Warum gewährt man Urlaubsrückkehrern nicht eine Wiedereingliederung, also zunächst einige Tage lang maximal zwei Stunden Anwesenheit, dann langsam steigern, bis man wieder urlaubsreif ist?

Urlaubsreif ist vielleicht auch ein Redakteur des Bonner General-Anzeigers, der  zum Thema französischer Nationalfeiertag dieses schrieb: „Vor zwei Jahren hatte ein Attentäter in Nizza Feiernde mit einem Lastwagen über den Haufen gefahren und 86 Menschen getötet“. Passenderweise äußert sich zwei Seiten weiter ein Bonner Linguist über angemessene und unangemessene Metaphern. Ich freue mich schon auf die Leserbriefe dazu.

Dienstag: Erkenntnis der Morgenstunde: Es gibt gute Gründe, den sommerlauen Montagabend nicht mit einer Flasche Rosé zu veredeln. Allerdings gibt es ebensogute Gründe, genau das zu tun.

Gewitter am Abend. „Schwacher Brummler“, „Mittlerer Roller“, „Starker Knaller“ – das sind nicht etwa Drogensorten, sondern so lautet die kachelmannsche Klassifizierung für Blitze. Diese ließe sich ohne besondere Phantasie auch auf Geräusche übertragen, welche dem menschlichen Körper gelegentlich entfahren, wobei dann noch der „Leise Stinker“ hinzuzufügen wäre.

Mittwoch: Manchmal sehe ich jemanden und denke: Es gibt aber auch hässliche Vögel. Im Übrigen bin ich der Meinung, es gibt keine Grund, außerhalb von Schwimmbädern oder fern eines Badestrandes öffentlich seine Füße zur Ansicht zu stellen.

Doch gibt es nicht nur ästhetisch benachteiligte Menschen, sondern auch – zurückhaltend formuliert – seltsame Namen. In dieses Regalfach würde ich Answer legen. Laut Zeitung haben Menschen, die so heißen, heute Namenstag. Dazu habe ich keine weiteren Fragen.

Donnerstag: Wie ich am Morgen während des Fußweges ins Werk sah, hat sich jemand die Mühe gemacht, fast alle Laternenpfähle am Rheinufer mit einem Aufkleber zu versehen:

KW29 - 1

(Für Nicht-Bonner: eine ironische Anspielung auf das offizielle Stadt-Motto „Freude. Joy. Joie. Bonn.“ Er hätte auch wählen können: „Stadt. Land. Fluss. Bonn.“) Irgendwann werden städtische Mitarbeiter ähnliche Mühe aufwenden, diese Aufkleber wieder von den Pfählen abzuknibbeln. So geht die Arbeit niemals aus, hat ja auch sein Gutes.

An der Arbeitsstelle angekommen, las ich dann in der Mail eines Kollegen, der vermutlich nicht in einer Gehaltsklasse über mir liegt, dieses: „Da ich ab Dienstag im Urlaub bin, kannst du mich bei Rückfragen auch gerne per Handy erreichen.“ Das ist wohl dieses „Work-Life-Blending“.

Was geht nur vor in diesen Menschen?

Freitag: Die Digitalisierung ist „Chefsache“ und nicht aufzuhalten, werden sie zu verkünden nicht müde. Wer wollte dem widersprechen. Wie ich las, werden einem gewissen Douglas Adams, Science-Fiction-Autor von Beruf, folgende Axiome zugeschrieben:

„1. Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen Funktionieren der Welt dazu.

2. Alles, was zwischen deinem 15. und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär.

3. Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.“

Dazu erlaube ich mir zu ergänzen:

1. Es ist nicht zu beanstanden, abwegige Ideen zu haben.

2. Es ist erstaunlich bis bedenklich, wenn solche Ideen verwirklicht werden.

3. Es ist unfassbar, wie viele Menschen sich so ein Zeugs in die Wohnung holen.

Samstag: Laut Zeitungsbericht fürchtet der Wehrbeauftragte, „dass der Gesellschaft das Militärische fremd wird“. Das wäre ja nun wirklich nicht das Schlechteste.

Sonntag: Den Seinen gibts der Herr im Schlaf. Demnach ist es um meine göttliche Gunst nicht allzu schlecht bestellt, denn vergangene Nacht fiel mir im Traum ein äußerst origineller, tiefsinniger Aphorismus ein, dessen Qualität sich bonmottechnisch nicht hinter Äußerungen von Oscar Wilde, Mark Twain und Robert Lembke zu verstecken brauchte, der sie vielleicht gar hätte denken lassen: Brillant, warum ist mir das nicht eingefallen? Vor Begeisterung wachte ich auf und dachte: Wirklich gut, musst du gleich morgen früh notieren. Am Morgen hatte sich der Sinnspruch leider in Nichts aufgelöst, daher kann ich ihn Ihnen nicht zur Kenntnis bringen und muss mich bezüglich meiner Berühmtheit als Bonmoteur noch ein wenig in Geduld üben. Sollte er mir wieder einfallen, werden Sie die ersten sein, die ihn lesen, versprochen.

In der Bäckerei in der Inneren Nordstadt, wo ich am Morgen Brötchen für die Lieblingsmenschen und mich holte, zeigte die Leuchtschrift der Registrierkasse an: „Es bedient Sie S. Sen“. Passend dazu das Schild in der Eingangstür eines Friseursalons: „Inhaber Karl G. Schoren“, welches ich allerdings nirgendwo gesehen, sondern mir soeben ausgedacht habe.

Gute Frage

Der Bonner General-Anzeiger stellt allwöchentlich mehr oder weniger prominenten Personen (die ich meistens nicht kenne) einen feststehenden Katalog an Fragen, welche dann mitsamt den Antworten unter der Rubrik GUTE FRAGE in der Wochenendbeilage zu lesen sind. Zum Glück bin ich nicht prominent, daher wird mich der General-Anzeiger nicht fragen. Dennoch habe ich mir erlaubt, mir die Fragen selbst zu stellen und sie zu beantworten.

***

Was ist Ihr Lieblingsplatz?
Mein Stuhl im Glaserker über unserer Straße, von wo aus ich einen ausgezeichneten Überblick über das Geschehen draußen habe. Lieblingsszene: zwei Autos stehen sich gegenüber, einer will in die Tiefgarage, der andere kommt gerade heraus. Aneinander vorbei können sie nicht, keiner will zurücksetzen. Erst hupen, dann schreien sie sich an. Vermutlich wichtige Godesberger.

Und im Internet?
Dieses Blog.

Was muss immer im Kühlschrank sein?
Eine Flasche Rosé.

Wofür haben Sie zu letzt Geld ausgegeben?
Toilettenpapier.

Was würden Sie heute twittern?
Wieso „würde?“ Zuletzt: „Vor 55 Jahren wurde Laika ins All geschossen. Angesichts mancher heutiger Köter bedauerlich, dass sich das nicht durchgesetzt hat.“

Über welches Geschenk würden Sie sich freuen?
Einen kleinen Störsender für die Hosentasche, mit dem ich jedes Mobilgequatsche in der Bahn unterbinden könnte. Oder eine Glashütte-Original-Armbanduhr. Beides Dinge, die ich mir entweder nicht kaufen kann oder kaufen würde. Das heißt, den Sender würde ich schon kaufen, wenn es ihn gäbe.

Woran glauben Sie?
Vermutlich zu oft an das Gute im Menschen. Und dass nach dem Tod noch nicht alles vorbei ist.

Was wollen Sie noch lernen?
Gut zu schreiben. Schließlich will ich irgendwann mein Buch in der SPIEGEL-Bestsellerliste sehen, bei aller Bescheidenheit.

Wie viele Freunde haben Sie bei Facebook?
Keine. Wenn Sie die Leute meinen, mit denen ich dort verbunden bin: etwa hundert.

Wie viele hätten Sie gerne?
Freunde: ein oder zwei. Die anderen: die Anzahl ist mir schnurzegal.

Welche TV-Sendung lassen Sie sich nie entgehen?
ZDF heute. Ansonsten langweilt mich Fernsehen extrem.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?
„Bereits 1 Million Exemplare seines Romans verkauft“

Wen würden Sie gerne einmal treffen?
Loriot, aber das ist ja in diesem Leben nicht mehr möglich. Ansonsten einige Twitterer: @Agent_Dexter, @HerrAusragend, @hoch21, @schmerzwach, @Mindpenetrator1 und ein paar andere.

Im nächsten Leben werden Sie?
Auf jeden Fall Pornodarsteller.

Wie fühlen Sie sich gerade?
Leicht herbstdepressiv, ansonsten zufrieden, Danke.