Woche 24/2026: Orte mit Wasserturm und Balkon mit Seeblick

Montag: Es ist ein beglückendes Gefühl, morgens zur gewohnten Zeit aufzuwachen und noch zwei Wochen Urlaub vor uns zu wissen. Weiterhin sind wir in Beaune im Burgund, morgen fahren wir weiter an die Loire. Zu einem Aufenthalt in Beaune gehört für mich ein Spaziergang über die Remparts, den zu etwa zwei Drittel erhaltenen Wall um die historische Innenstadt. Das erledigte ich vormittags, während der Liebste einige weitere Einkäufe tätigte; so tat ein jeder, woran er Freude hat.

Gegen Mittag trübte es sich ein und leichter Regen fiel. Das hinderte uns nicht an einem weiteren Spaziergang zum Cité des Climats et vins de Bourgogne, einem architektonisch interessanten Rundbau südlich außerhalb der Innenstadt, darin eine Art Museum, das sich thematisch der Weinerzeugung im Burgund widmet. Der Rückweg führte durch die ebenfalls überwiegend altbebaute, dabei wesentlich weniger pittoreske Vorstadt. Anschließend lockte leichter Bierappetit ins Bistrot. Es muss nicht immer Wein sein.

Rempart Saint-Jean
Cité des Climats et vins de Bourgogne
Rue du Faubourg Perpreuil, südliche Vorstadt

Dienstag: Vormittags verließen wir Beaune, fast fiel der Abschied von diesem mittlerweile vertrauten Ort schwer. Doch der Urlaub geht weiter. Zwischenziel war der Weltkulturerbe-Ort Vézelay, wo wir uns nach einem kurzen Anstieg die Kirche anschauten. Ich war wieder angemessen beeindruckt von dem Bauwerk, auch wenn ich bei solchen Gelegenheiten jedes Mal denke: Welch ein Aufwand wegen dieser Legende, die Menschen vor ein paar Tausend Jahren mal aufgeschrieben haben. Mehr zu Vézelay bei Bedarf hier.

Anschließend fuhren wir abseits der Autobahnen durch Wälder, Felder und Orte mit Wassertürmen, teils über Straßen, die sich über mehrere Kilometer lichtstrahlgerade durch die Landschaft ziehen. Unter anderem führte der Weg durch die Stadt Clamecy, deren Pracht schon seit geraumer Zeit vergangen zu sein scheint und die erstaunlich auto- und menschenleer war, was vielleicht auch an der Mittagszeit lag.

Weiter ging es über die Loire, mit kleinem pique-nique am Hafen von Châtillon-sur-Loire. Ziel der heutigen Reise war das Hotel Les Hayes en Sologne in der Nähe von Fontaines-en-Sologne, in einem idyllisch gelegenen Schlösschen mit großem Garten, umgeben von Wald. Nach Ankunft und Auspacken unternahmen wir einen kleinen Spaziergang durch den Park, der am Restaurant endete, wo ein Ankunftsgetränk angemessen und erforderlich erschien.

Chicane in Billy-sur-Oisy
D 957 zwischen Entrains-sur-Nohain und Bouhy
Bouhy
Vannes-sur-Cosson
Zufahrt zum Hotel
Das Hotelschlösschen
Ein gutes Haus

Mittwoch: Die Loire-Region ist bekannt für ihre zahlreichen Schlösser. Eines davon besuchten und besichtigten wir heute: Chambord. Als Kind baute ich Burgen aus Sand mit viel Wasser. Wenn man das Sand-Wasser-Gemisch aus der Faust träufeln ließ, türmten sich daraus kleine Säulen von ungleichmäßiger Struktur. Daran fühlte ich mich erinnert, als ich heute das Château mit seinen zahlreichen Türmchen und Schornsteinen sah, Neuschwanstein ist ein nüchterner Zweckbau dagegen. Architektonische Besonderheit ist die doppelte Wendeltreppe im Zentrum des Bauwerks, zwei umeinander verschlungene Wendeln innerhalb des Turmes. Im Übrigen gilt das gleiche wie gestern über Kathedralen geäußert: riesiger Aufwand für eine Legende, in diesem Fall die, dass bestimmte Menschen allein aufgrund ihrer Geburt über anderen stehen und sich deshalb zu rein repräsentativen Zwecken solche Schlösser bauen lassen konnten, während das Volk schuften und darben musste.

Château Chambord

Danach fuhren wir nach Blois, eine dem Anschein nach recht große, von der Einwohnerzahl unter fünfzigtausend indes erstaunlich kleine Stadt an der Loire, von der ich noch nie gehört hatte. Das ist selbstverständlich nicht von Bedeutung, die wenigsten Franzosen werden je von beispielsweise Rheda-Wiedenbrück oder Buxtehude gehört haben.

Nach Rückkehr im Hotel begaben wir uns in im Garten bereitstehende Liegestühle, wo vorstehende Zeilen notiert wurden. Zur Perfektion des Urlaubsglückes fehlte nur ein Glas Rosé. Man kann nicht alles haben.

Nachtrag: Kann man doch. Man muss nur seine Hemmungen überwinden, dem Personal womöglich Umstände zu bereiten, und danach fragen.

Donnerstag: Nach dem Frühstück verließen wir das Hotelschlösschen in Richtung Bretagne. Wieder mieden wir Autobahnen, über eine längere Strecke fuhren wir auf dem Damm neben der Loire. Etwa fünf Stunden später, nach Überquerung der Loire-Mündung über die Brücke bei Saint-Nazaire, erreichten wir unser nächstes Ziel Le Croisic direkt am Atlantik, wo wir eine Woche verweilen werden. Die Sonne scheint, noch weht kühler Wind über den Balkon des Hotelzimmers mit Meerblick, doch die weiteren Wetteraussichten sind vielversprechend.

La Chapelle-sur-Loire
Brücke über die Loire-Mündung
Hotelbalkonblick
Unser Balkon

Freitag: Die erste Nacht in Le Croisic schlief ich sehr gut und wachte bewusst erstmals nach sechs Uhr auf, vielleicht liegt es an der Seeluft. Das Hotel bietet kein Frühstücksbüffet an, stattdessen bestellt man das Gewünschte am Vortag mit einem Formular, auf Wunsch wird es dann morgens im Frühstücksraum serviert oder ins Zimmer gebracht. Wir entschieden uns heute für die zweite Variante und frühstückten windgeschützt auf der rückwärtigen Terrasse des Zimmers.

Nach dem Frühstück sogleich die erste Aktivität: eine kleine Wanderung um die Landzunge, auf der Le Croisic liegt. Mein Hirnradio spielte dazu „An der Nordseeküste“ von Klaus & Klaus, man kann es sich nicht immer aussuchen. Am Hafen stärkten wir uns in einer Crêperie mit – Überraschung: Crêpes, dazu eine Flasche Cidre; wie bereits am Montag geschrieben: Es muss nicht immer Wein sein. Mein Crêpe war gefüllt mit Frangipane, einer mir bis dahin unbekannten, mit Rum angereicherten Mandelcreme. Köstlich. Zurück zum Hotel ging es dann wesentlich schneller, durch den Ort gleichsam quer über die Zungenwurzel. Das Wetter war heute noch unentschieden, nicht sehr warm und nicht kalt, ab und zu leichter Niesel, zwischendurch lugte kurzzeitig die Sonne durch die Wolkendecke und ließ es augenblicklich warm erscheinen.

Bitte denken Sie sich links den Atlantik
Hafen von Le Croisic

Wir sind nicht die einzigen Deutschen hier. Während der Notiz vorstehender Zeilen auf dem Balkon radelten zwei jüngere Männer vorüber, leicht bergan und gegen den Wind. „Wir können heute Abend doch mit den Fahrrädern fahren“, schlug der hintere vor. „Auf gar keinen Fall“ lautete die Antwort des vorderen.

Das Abendessen fand heute auf dem Balkon mit Seeblick statt, der Liebste hatte dafür etwas eingekauft, dazu gab es den Champagner, den uns die Hotelleitung in Beaune geschenkt hatte. Nach den zahlreichen Restaurantbesuchen der letzten Tage war so ein kleines Abendessen eine willkommene Abwechslung. Während wir also saßen und aßen, stand ein paar hundert Meter entfernt auf einem der vorgelagerten Felsen ein hell gekleideter Mann mit dem Rücken zum Meer, den Arm vor sich ausgestreckt, offenbar machte er Selfies oder ein Video. Dabei zeigte er beeindruckende Ausdauer, schätzungsweise eine Stunde verharrte er so, wechselte ab und zu den Arm, bewegte sich jedenfalls nicht von der Stelle. Vielleicht ein YouTube-Prominenter oder Influencer, was weiß ich; er wird seine Gründe gehabt haben. Erst als aus Westen Nebel aufzog, verließ er seinen Standort, drehte sich am Ufer eine Zigarette und verschwand schließlich in Richtung Stadt.

Suchbild mit Nebel und Influencer

Mit dem Nebel kam auch deutliche Kühle auf, die uns vom Balkon nach drinnen vertrieb, wo wir in behaglicher Zimmerwärme und weiterhin mit vernebeltem Seeblick den Champagner leerten. Morgen soll es bis zu siebenundzwanzig Grad warm werden. So recht glauben kann ich es nicht, wir werden sehen beziehungsweise fühlen.

Samstag: Die Wettervorhersage hat nicht zu viel versprochen, seit dem Mittag ist es warm. Morgens zog noch etwas Dunst über das Meer und auf dem Weg vormittags in die Markthalle war ein Jäckchen angebracht, das änderte sich dann rasch. Den Nachmittag verbrachte ich in leichter Sommerkleidung auf dem Balkon und widmete mich der Schreiberei, während in meinem Blickfeld Menschen in den Fluten planschten und Menschen in Deutschland eine unsommerliche Kühle beklagen.

Auch hier gibt es Ebbe und Flut, mit einem Tidehub von vier Metern und darüber hinaus wesentlich ausgeprägter als in Büsum und anderswo an der Nordsee. Und doch fällt es dort mehr auf. Während sich da das Wasser bei Ebbe um hunderte Meter zurückzieht und großflächig das Watt freilegt, sind es hier nur einige -zig Meter und die Felsen ragen etwas mehr aus dem Wasser.

Apropos Meer: Abends ließen wir uns im Bistrot gegenüber eine Meeresfrüchteplatte kommen. Dazu wurden Werkzeuge gereicht, deren Anblick sonst auf Esstischen zumindest für einen Kulinarikbanausen wie mich ungewohnt ist. Nun denn: Die Austern ließen sich auch vom Ungeübten mit der Gabel aus ihrer Halbschale heben, wobei ich mich nach wie vor frage, was die Menschheit oder wenigstens ein Teil davon so toll an diesem salzigen Schleim findet. Auch die Schnecken in zwei Größen – klein und ganz klein – ließen sich mit dem beiliegenden Stechwerkzeug recht einfach aus den Häuschen zerren. Schwieriger wurde es bei den Riesengarnelen (oder wie die hier heißen), bei denen ich alles vergessen konnte, was ich einst in Büsum über das Krabbenpulen gelernt habe. Erst bei der vierten (von fünf) hatte ich es einigermaßen raus, wobei der Aufwand, die paar Fleischfasern aus den Ärmchen zu lösen, in keinem vertretbaren Verhältnis zum Ertrag steht. Schließlich der halbierte Riesen-Taschenkrebs (auch hier fehlt mir gerade die korrekte regionale Bezeichnung) im Zentrum der Platte: Aus dem Körper quoll eine unappetitliche graue Masse, die ich unangerührt ließ, dem Rest war unter Zuhilfenahme der Nussknackerzange und dem Stecheisen einigermaßen beizukommen. Immerhin war ich am Ende zwar nicht übersättigt, indes auch nicht mehr hungrig. Fazit: Kann man mal machen, gerne aber nicht oft.

Essbesteck

Während wir uns durch das Meeresgetier kämpften, planschte nebenan eine Gruppe aus jungen Leuten und einem riesigen aufblasbaren Schwan im zurück gehenden Wasser, dazu legten einige der Jungs das altersübliche Balzgehabe an den Tag. Ein anderes junges Paar erregte meine Aufmerksamkeit: Sie gingen langsam in Richtung Wasser, das Mädchen trug einen Badeanzug, der Junge war bekleidet mit Schuhen und hochgezogenen Socken, Shorts, die zumindest aus der Ferne nicht nach Badehose aussahen und einem langärmeligen Pullover. So gingen sie, bis ihnen das Wasser ungefähr bis zum Bauch reichte, verharrten dort einige Minuten, dann gingen sie zurück bis zum Strand unterhalb der Promenade, legten sich dort noch einige Zeit in den Sand und verschwanden schließlich. Womöglich war er etwas schamhaft, in jungen Jahren ist das ja nicht ungewöhnlich, man kennt es vielleicht aus eigener Erfahrung.

Gruppenbild mit Schwan

Apropos Meeresfrüchte: Laut einem Zeitungsbericht droht Deutschland wegen der EU-Sanktionen gegen Russland bald eine Fischstäbchenkrise. Auch das noch, möchte man entsetzt ausrufen. Unterstützung der Ukraine schön und gut, aber doch nicht unter Gefährdung der Fischstäbchenversorgung!

Apropos Konsequenz: Dem Vernehmen nach hat die Fußballweltmeisterschaft begonnen. In den Blogs zahlreiche Artikel, die aus nachvollziehbaren Gründen – Geldgier des einen, Geltungssucht des anderen – fordern, die Spiele zu ignorieren. Auch ich werde mir kein Spiel anschauen, auch nicht, wenn Wir spielt, wie bei jedem Turnier. Nicht in erster Linie aus oben genannten Gründen, vielmehr weil es mich von Natur aus nicht interessiert. Andere werden es tun, viele auch bereit sein, die horrenden Preise für Anreise, Hotel und Tickets zu zahlen, um leif dabei zu sein, einfach weil sie sich für Fußball begeistern. Es liegt mir fern, sie dafür zu tadeln; ich wäre der letzte, der sich dafür rühmt, stets konsequent zu handeln.

Sonntag: Zu den Situationen, in denen ich stundenlang sitzen und untätig schauen kann, ohne mich auch nur eine Sekunde zu langweilen, gehört neben Bahnfahren und Kaminfeuer eine Schifffahrt. Die unternahmen wir heute, und zwar ab Vannes etwa drei Stunden lang durch den Golf von Morbihan. Dazu mussten wir eine Stunde früher aufstehen als üblich, es hat sich gelohnt. Manchmal muss man Opfer bringen.

Balkonblick, morgens. Am Horizont leuchten die Hochsee-Windkraftanlagen, nach meiner Zählung 71 an der Zahl
Golf von Morbihan
Darinnen zahlreiche Inseln, hier die Île de Berder
Geradeaus der Atlantik

Zum Abendessen waren wir in einer im besten Sinne „einfachen“ Brasserie am Hafen von Le Croisic. Nach dem gestrigen Meeresfrüchtegemetzel habe ich die Bratwurst mit Pommes sehr genossen.

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Für uns bricht die letzte Urlaubswoche an, bis Mittwoch weiterhin hier in Le Croisic, danach weiter in die Champagne.

23:30

Woche 38/2022: Gluck des Urlaubs

Montag: Ein angenehmer Urlaubstag nach gutem Schlaf und spätem Aufstehen. Beim Frühstück schauten wir kurz in die Beerdigung der Queen. Mein Interesse an königshäuslichen Schicksalen ist nicht sehr ausgeprägt, daher ging mir ihr Ableben nicht sonderlich nahe. Als die Dudelsäcke loslegten, stellte sich schon eine gewisse Gänsehaut ein.

Nachmittags verbanden wir die Besorgung regionaler Spezereien (Trüffelprodukte, Olivenöl, Rosé) mit einer Ausfahrt durch die immer wieder Herz und Auge erfreuende Gegend.

Dienstag: Morgens nahm ich drei Tassen aus dem Geschirrschrank, ehe mir einfiel, dass wir nur zu zweit hier sind. Die Gewohnheit.

Nach dem Frühstück durchwanderten wir bei Sonnenschein die Umgebung, selbstverständlich mit einem angemessenen Pique Nique.

Den Nachmittag nach Rückkehr verbrachte ich überwiegend im Liegestuhl, wo Vorstehendes notiert wurde und aus dem ich Sie herzlich grüße.

Mittwoch: „Hier ist dein Gluck“, schrieb morgens jemand per Mail. Er ahnte wohl nicht, wie recht er damit hat.

Der Sportteil der Tageszeitung erfährt von mir normalerweise keine Beachtung und wird rasch überblättert. Heute blieb das desinteressierte Auge indes an dem Wort „Schach-Skandal“ hängen. (Ähnliches geschah vor längerer Zeit schon einmal beim Wort „Schachschlacht“, das ich notierte und mangels Verwendungszweck bislang nicht benutzte.) Wodurch also kann eine derart unaufgeregte Beschäftigung wie das Schachspiel (es fällt mir schwer, es als Sport zu bezeichnen, gleiches gilt für Angeln und Autorennen) einen Skandal auslösen? Folgendes ist passiert: Der in Schachinteressiertenkreisen als Superstar gefeierte Magnus Carlsen hat eine Partie verloren gegen einen unbekannten Neunzehnjährigen, weil letzterer womöglich betrogen hat. Das wirft die Frage auf, wie man bei einem Brettspiel, wo für jedermann sichtbar schwarze und weiße Püppchen verschoben werden, betrügen kann. Die konkrete Antwort bleibt der Bericht schuldig, nur soviel: Laut einem Experten sei es denkbar, „mithilfe von Analkugeln Vibrationssignale zu empfangen, um die nächsten Züge zu planen“. Mir ist schleierhaft, wie rektale Stimulation ausgerechnet geschicktere Schachzüge anzuregen vermag. Jedenfalls rief die Idee bei mir länger anhaltendes Grinsen hervor.

Apropos Züge: Laut einem anderen Bericht beabsichtigt die Deutsche Bahn, die Staatsbahn der Ukraine bei der Einführung europäischer Standards im Bahnbetrieb und Management zu beraten. Trotz Krieg gilt die ukrainische Eisenbahn bislang als erstaunlich zuverlässig, daher sollte sie das Angebot der DB besser ausschlagen. Oder ein Gegenangebot unterbreiten: die Beratung der Deutschen Bahn bezüglich stabiler Betriebsführung unter widrigen Umständen wie Sturm, Laubfall, Hitze und Schnee.

In von mir abonnierten Blogs las ich gleich zweimal das Wort „lecker“, das ich aus nicht näher bekannten Gründen furchtbar finde.

Köstlich hingegen das Getränk und die Lektüre. Gluck des Urlaubs.
Abends hätte ich beinahe einen Sonnenuntergang fotografiert

Donnerstag: Manchmal, zum Gluck Glück nicht allzu oft, wache ich nachts auf und schlafe nur schwer wieder ein, so wie vergangene Nacht, nachdem mich Blasendruck aus dem Tuch getrieben hatte. Dann geht in meinem Kopf ein Gedankenquirl an, der mich eine Zeit lang mit potentiellen Unannehmlichkeiten beschäftigt, etwa die, Fremde schlichen um das Haus, um uns auszurauben oder zu meucheln, oder sie brechen das Auto auf und klauen den Wein aus dem Kofferraum. Jedes draußen vernommene Knacken und Rascheln wird plötzlich zur Gefahr. Doch schlief ich irgendwann wieder ein und wachte ungemeuchelt auf, als hinter der Jalousie der neue Tag hellte.

Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem unversehrten Auto nach Avignon, zunächst in die Metro, die wir jedes Mal erst nach einem längeren Verwaltungsakt, der mehrere Metromitarbeiter beschäftigt, betreten dürfen. Hauptzweck des Besuchs war die Ergänzung der Champagnervorräte, ein Kistchen Rosé landete ebenfalls auf dem Wagen; beides sollte stets in ausreichender Menge im Haus sein, gerade in diesen Zeiten.

Danach fuhren wir in die Markthalle, waren allerdings spät dran, viele Stände schlossen schon. Dennoch werden wir voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht hungern.

Nach einem Kaffee (manchmal geht es auch ohne Alkohol) auf dem zentralen Place de l‘Horloge fuhren wir zurück, wo der Liegestuhl schon bereit stand.

Noch einmal zur Bahn. Die bekommt neue Züge. Dazu die Zeitung (Hervorhebungen durch den Chronisten):

An neuen Zügen wird der Aufschwung des Schienenverkehrs nicht scheitern. Bahnchef Richard Lutz kündigt ein gewaltiges Investitionsprogramm für neue Züge an. Bis zum Ende des Jahrzehnts gibt die Bahn 19 Milliarden Euro für neue Züge aus.

[…]

Ein großer Teil der Pläne war bereits bekannt, etwa die Anschaffung von insgesamt 73 ICE 3 Neo, die ab dem kommenden Dezember auf die Gleise kommen und allein 2,5 Milliarden Euro verschlingen.

[…]

Die Modernisierung der Strecken wird viele weitere Milliarden verschlingen, die der Bund bereitstellen muss.

(General-Anzeiger Bonn)

Ich weiß nicht, ob der Verfasser des Artikels sich in Ausbildung befindet oder nur einen schlechten Tag hatte; gleichwohl fraget man sich: Liest das vor Veröffentlichung niemand mehr gegen?

Freitag: Eine Woche geht immer schnell herum, das gilt (zum Glück) für Arbeits- wie (leider und umso mehr) für Urlaubswochen. So ist heute schon wieder der letzte Tag vor unserer Abreise morgen früh. Den Vormittag verbrachte ich sitzend (beziehungsweise liegestuhlliegend) und lesend vor unserem Haus. Der Liebste unternahm unterdessen einen Ausflug nach Vaison La Romaine in den Supermarkt. Er kann sich dort stundenlang aufhalten und die regionalen Lebensmittelangebote besichtigen, wohingegen mein diesbezügliches Interesse nach kurzer Zeit nachlässt. Daher ist es für alle Beteiligten besser, er fährt ohne mich.

Bei Max Goldt las ich den aus der Psychiatrie stammenden Begriff „querulatorischer Interpunktionsexzess“. Dieser bezeichnet den Drang mancher Internetnutzer, ihre mehr oder weniger sinnvollen Wortbeiträge mit möglichst vielen Ausrufe- und Fragezeichen zu bekräftigen. Also etwas, das Sie in diesem Blog üblicherweise nicht vorfinden!!!!!

Samstag: In der Nacht hatte es zu regnen begonnen. Auch morgens zur Abfahrt trommelten noch schwere Tropfen auf das Vordach und den Blechtisch vor der Tür, an dem wir an den Vorabenden den Rosé zur Nacht genossen hatten. Einerseits linderte der Regen den Abschiedsschmerz ein wenig, andererseits blieb die übliche Wehmut, die mich jedesmal begleitet, wenn wir auf dem Weg von Malaucène zur Autobahn letztmalig Landschaft und Dörfer durchfahren. Bis zum nächsten Mal – voraussichtlich im nächsten Frühling, wenn nicht eine Seuche, ein Atomkrieg, ein Meteoriteneinschlag oder was anderes Dummes dazwischen kommt. Man muss ja mit allem rechnen.

Sonntag: Hier noch ein bebilderter Rückblick auf die zurückliegende Woche.

Die Nachbarschaft
Höflichkeit hat ihren Wert – in diesem Fall max. 1,20€
Blick in Richtung Grozeau-Quelle
Besucher nach dem Pique Nique
Es ging uns gut
Nochmal unser wunderbares Haus
Wasserangebot im Metro zu Avignon. Gut Ding will Kohle haben.
Haustechnik

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, bitte entschuldigen Sie die diese reichlich abgewetzte Floskel. Der Rucksack ist gepackt für die viertägige Reise ins Allgäu von morgen bis Donnerstag, worauf ich mich trotz ungünstiger Wetterprognose sehr freue. Möge die Deutsche Bahn mit mir sein.

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Ich wünsche auch Ihnen eine angenehme Woche.

Provence die erste – ein paar Urlaubsbilder

Die vergangene Woche verbrachten wir mal wieder in der Postkartenidylle der Provence, der Region des besonders blauen Himmels und Herkunft wunderbarer Weine. Hier ein paar Eindrücke – voila:

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Schon im letzten Jahr hatten wir einen Ausflug ins Bergdorf Brantes versucht, doch hielt uns dort ein schweres Gewitter mit Hagel direkt über uns davon ab, das Auto zu verlassen. Am Sonntag (27. April) hatten wir mehr Glück:

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Am Donnerstag wanderten wir ab und bis Baumes-de-Venise „einmal um den Berg“:

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Keine Wanderung ohne Pique nique:

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Katzenbilder? Kann ich auch:

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