Woche 19: Ein Rosé geht immer

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Montag: Wenn Ihnen nach spätestens zweihundert Metern Autofahrt auf der Landstraße ein weißer Lieferwagen an der Stoßstange klebt, dann sind Sie vermutlich in Südfrankreich.

Dienstag: Während die Franzosen heute das Ende des Zweiten Weltkriegs mit einem Feiertag würdigen, begehen der Liebste und ich den sechzehnten Hochzeitstag, laut einer Liste im Netz, deren Richigkeit ich nicht beurteilen kann, die Saphierhochzeit. Wie auch immer: Danke, dass du es noch immer mit mir aushältst! Passend dazu ist laut Zeitungsbericht in China heute der Tag des Lächelns. Das ist bemerkenswert, mir war nicht bekannt, dass es im Land des Lächelns dazu noch eines besonderen Tages bedarf.

Ungeachtet aller Feierlichkeiten berichtet der Liebste hier über unsere derzeitige Geschäftsreise.

Die Post steht zurzeit in der Kritik wegen ihrer Personalpolitik zur Übernahme von Mitarbeitern in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Ich kann nicht erkennen, was falsch daran sein soll, hierfür bestimmte Kriterien wie Krankheitstage festzulegen, jede Firma würde (und sollte) das tun. Den Ausführungen von Nicolai Levin hierzu stimme ich daher zu. Bis auf einen Punkt: Warum müssen es immer gutaussehende junge Damen sein, die am Empfang als Blickfang dienen? Ist das nicht auch ein klein wenig diskriminierend?

Mittwoch: Notiz an mich: Nicht immer „super“ sagen, wenn mir etwas ganz gut gelungen erscheint. Auch nicht bei einem äußerst wohlschmeckenden Wein aus Vacqueyras.

Donnerstag: „Selfieccino“ heißt das neueste Steinchen im großen Mosaik, welches die Verblödung der Menschheit abbildet. In einem Londoner Café kann man sich laut Zeitungsbericht nun ein Bildnis des eigenen Antlitzes auf den Kaffeeschaum sprühen lassen, nicht etwa mit Kakaopulver, sondern geschmackloser Lebensmittelfarbe. Wie nicht anders zu erwarten, stehen die Leute Schlange und füllen Instagram mit ihren Kaffeeportraits. Weitere Steinchen (unter vielen vielen anderen) sind: Filme mit Computerspiele spielenden Menschen auf Youtube anschauen und Selfiestangen.

Freitag: Ausflug nach Avignon, Sie wissen schon, die Stadt mit der besungenen, vom Sehenswert meines Erachtens jedoch völlig überbewertete halbe Brücke über die Rhône (welche strenggenommen der Rhône heißen müsste, denn die Eingeborenen nennen den Fluß le Rhône). Ansonsten ist die Stadt gerade an warmen Tagen immer wieder sehr schön. Erkenntnis des Tages: Ein Rosé geht immer.

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Was nicht geht, sind lustige Filmchen, die ein Bekannter seit Tagen regelmäßig in eine Whatsapp-Gruppe „postet“, welcher ich zufällig angehöre. Stets bleiben sie von mir unangesehen, weil sie mich nicht interessieren. Sollte mir jemals Herr Zuckerberg begegnen, und ich hätte drei Wünsche frei, so wünschte ich mir als erstes eine Filterfunktion für Whatsapp, die mich von unverlangt zugesandten Filmchen verschont. Die beiden anderen Wünsche mir zu überlegen, erübrigt sich, da mir Herr Zuckerberg mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals begegnen wird.

Samstag: Rückfahrt im mit Wein und weiteren Lebensmitteln vollgeladenen Wagen von der Provence in heimatlich-rheinische Gefilde. Schon nach wenigen Kilometern meldet das Auto Druckverlust in einem Reifen. Je älter ich werde, desto lästiger erscheinen mir Abweichungen vom gewohnten Regelablauf. Glücklicherweise stellte sich die Meldung als nicht dramatisch dar und wir kamen nach Luftaufnahme an der nächsten Tankstelle ohne weitere Zwischenfälle zu Hause an.

Sonntag: Das Wohlgefühl der ersten Nacht im eigenen Bett nach einer Reise ist mit Geld nicht zu bezahlen. Als ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster blickte und den Regen auf unseren Balkontisch prasseln sah, lächelte ich und dachte, ganz ohne Ironie und Bitterkeit: Wie schön!

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Woche 18 in Bildern: Regen und Blüten

Ja, auch ich hoffe auf einen sonnigen Sommer mit blauem Himmel und Temperaturen deutlich oberhalb der zwanzig Grad im Schatten. Und doch komme ich nicht umhin, auch einem Regentag seinen Reiz zuzugestehen. Es muss ja nicht gleich tagelanger Dauerregen mit Gewitter und Hagel sein. Die nachfolgenden Bilder entstanden in der vergangenen Woche in und um Malaucène, Südfrankreich:

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Dass auch der rheinische Regen dem in nichts nachsteht, mögen die nächsten Bilder verdeutlichen, die ich heute in Bonn machte:

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Abschreckung

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Die staatlich verordnete Madigmachung des Tabakgenusses in Form aufrüttelnder Bilder ist in Frankreich noch nicht so konsequent durchgesetzt wie beispielsweise in Australien, wo der Raucher mit jeder Packung Zigaretten statt der Tabakmarke gleichsam einen tiefen Einblick in die dunkle Welt möglicher Körperschädigungen erwirbt.

Christophe (links) und Marie bereitete die Erstellung des Fotos viel Freude. Der Fotograf benötigte mehrere Stunden, bis ein Bild gelang, bei dem nicht wenigstens bei einem der beiden die Andeutung eines Grinsens im Mundwinkel aufzuckte. Nur nach aufwändiger Bildbearbeitung fand dieses Foto schließlich den Weg in das Arsenal visueller Abschreckung.

Hinterher verblieben die beiden noch längere Zeit in dem andeutungsweise abgebildeten Bett. Die anschließende Zigarette einer namhaften französischen Marke genossen sie sehr.

Woche 26: Provence, Vaucluse, Drôme – Hauptsache Südfrankreich

Südfrankreich finden wir schön, deswegen fahren wir da andauernd hin – auch wenn diese Sprache und ich wohl niemals richtige Freunde werden. Übrigens liegt unser Ort Malaucène nicht in der Provence, sondern im Vaucluse; die eigentliche Provence beginnt südlicher. Das macht aber nichts, ist genau so schön. Außerdem hält dies diverse Markthändler und Souvenirläden der Region nicht davon ab, ihre feilgebotenen Waren als „provençale“ zu bezeichnen, den Touristen stört es nicht, denn er wähnt sich ja in der Provence. So wie sich der Bonn(besuch)er in der Altstadt wähnt, wenn er in die Innere Nordstadt kommt. Egal.

Also waren wir in der vergangenen Woche wieder dort. Dieses Mal endete der Urlaub mit einem besonderen Ereignis: wir waren zur Hochzeit in einer befreundeten Winzerfamilie im Drôme eingeladen, was ohne Zweifel eine große Ehre ist. Hierbei lernte ich etwas über französische Vermählungen. Erstens: Wenn der Termin in der mairie für 16 Uhr angesetzt ist, dann heißt das noch lange nicht, dass das Brautpaar um 16 Uhr schon anwesend ist. Zweitens: Der Bräutigam darf die Braut schon vor dem Jawort küssen. Drittens: Die Stimmung während der Zeremonie in der Kirche ist angenehm locker, statt Orgel greift der Pfarrer zur Gitarre, Freunde und Familie werden aktiv in das Geschehen eingebunden, und wenns schön ist, darf applaudiert werden. Viertens: Auch der Ablauf des Abendessens weicht von gewohnten Gepflogenheiten ab – zwischen Vorspeise und Hauptgang gibts erstmal eine Stunde Party mit Tanzen, damit die Gäste wieder Hunger bekommen. Ob das in Frankreich so üblich ist, weiß ich nicht, hier war es so. Um Mitternacht dann die riesige Hochzeitstorte, das kennt man wieder. Ein schöner Abend, die Stimmung war trotz Gewitter und Regen ausgezeichnet.

Eine weitere angenehme Begleiterscheinung der Woche war das Wetter: zumeist sonnig um dreißig Grad, das vermisse ich besonders. Da hilft auch kein Regenbogen über der Eifel gestern Abend auf der Rückfahrt.

Ein paar Bilder habe ich die Woche auch wieder gemacht. Inspiriert durch Martins #weekstagram habe ich mir erlaubt, einige davon durch den bekannten Filter zu ziehen. Voila:

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Immer nur Provence

Mittagshitze liegt über dem kleinen Ort Vinsobres. Die alten Häuser aus beigem Stein scheinen unter verwitterten Dachziegeln zu schlafen, haben ihre Augen mit lavendelblauen oder lindgrünen Fensterläden geschlossen. Auf der Straße, in den Gassen fast keine Menschen, nur in dem kleinen Restaurant in der Mitte des Dorfs Geschäftigkeit, Mittagszeit, der junge Kellner trägt Speisen, Wasser, Weinflaschen und Kaffee an die Tische unter der Markise, fast Festtagsstimmung an einem normalen Dienstagmittag in der Provence. Das gelbe Auto von La Poste fährt vorbei, ohne anzuhalten.

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Ringsum grüne Hügel unter blauem, wolkenlosem Himmel, die Sonne heizt die Luft auf. Das einzige, was man hört, ist der Gesang der Zikaden, es müssen hunderte sein, aus allen Richtungen, wie in einem Wettstreit, wer es am lautesten kann; ab und zu zwitschert ein Vogel dazwischen, leichter Wind haucht durch die Sträucher, sonst Stille, keine menschlichen Stimmen, kein Straßenlärm. In der Ferne, an den Hängen und in den Feldern, ducken sich einzelne Häuser zwischen Büschen und Weinreben, unverbaubarer Blick auf eine unvergleichlich schöne Landschaft. Lavendelfelder leuchten violett, viel dezenter als auf den Postkarten, es duftet nach Kräutern und Sommer.

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„Fahrt ihr wieder nach Frankreich?“, werde ich gefragt, wenn ich den anstehenden Urlaub erwähne, und vernehme den Unterton „Warum immer nur nach Frankreich, nicht mal nach Italien, Thailand, Ägypten, Afrika, auf die Seychellen, in die Türkei, Griechenland… gut, Griechenland im Moment vielleicht nicht unbedingt. Warum also immer nach Frankreich, in die Provence? – Siehe oben.

Weitere Eindrücke aus unserem Urlaub gibt’s übrigens hier: http://www.kubicki-in-bonn.de/kubicki-blog/Provence_im_Juli_12/Provence_im_Juli_12.html