Woche 21/2026: Vielleicht bringt es ja Glück

Montag: Herzlichen Dank für die Kommentare zum letzten Wochenrückblick, in dem offen blieb, ob die Pariser für das linke Seine-Ufer eine besondere Bezeichnung haben, analog der „Schäl Sick“, wie der Kölner und Bonner die rechtsrheinischen Ortsteile nennt. Haben sie: entweder „Jaile Sique“, wofür ich allerdings weder im Französisch-Wörterbuch noch im Netz einen Beleg finde, oder „Rive Gauche“, die sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Auf dass kein Tag ohne neue Erkenntnisse vergehe.

Vielen Dank auch für den Hinweis auf mobile Jackenhaken, die man über das Türblatt hängen kann, wenn das Hotel mal wieder daran gespart hat, ein ständiges und völlig unnötiges Ärgernis. Während einer mäßig spannenden Besprechung recherchierte ich im Netz danach, fand bald das gesuchte und suchte direkt nach der Arbeit ein Haushaltswarengeschäft in der Innenstadt auf. Zu meinem Erstaunen fand ich in dem nicht gerade kleinen Laden, der sich über drei Etagen erstreckt, auf Anhieb, ohne lange zu suchen oder zu fragen ein Dreierpack solcher Haken, als hätte mir eine höhere Instanz den Weg gewiesen, auch dafür vielen Dank ans Universum.

Letzteres schickt uns laut Zeitungsbericht heute Abend einen Meteor, der erst vor wenigen Tagen entdeckt worden ist und zu späterer Stunde mit neunzigtausend Kilometern Abstand an der Erde vorbeirasen wird, somit weniger als ein Viertel der Entfernung zum Mond. Hoffen wir, dass der kosmische Brocken sich an den errechneten Abstand hält, sonst steht er morgen wieder in der Zeitung.

Ansonsten ist nach der Reise vor der Reise: Das Köfferchen ist schon wieder gepackt, morgen fahren wir nach Langenau bei Ulm, wo wir den südlichen Kollegen bis Donnerstag einige Neuerungen nahebringen werden. Ich freue mich drauf.

Dienstag: (Aus Gründen kollegialer Wiedersehensfreude, die angemessen begossen wurde, konnte dieser Eintrag erst am Mittwoch erfolgen.)

Anscheinend gelang der Vorbeiflug des Meteors berührungsfrei, jedenfalls meldeten die Nachrichten nichts gegenteiliges. Soweit ich den Zeitungsartikel in Erinnerung habe, erfolgt die nächste Annäherung erst in einigen tausend oder Millionen Jahren, vermutlich gibt es dann keine Menschen mehr, die sich darum sorgen könnten.

Die Autofahrt nach Langenau verlief zügig und staufrei, am Nachmittag kamen wir bei Sonnenschein und Frühlingsmilde an. Nach Bezug des Hotelzimmers unternahm ich einen Spaziergang durch die Stadt mit zahlreichen bewohnten Storchennnestern auf den Dächern.

Bei Rückkehr am Hotel saßen bereits die ersten eingetroffenen Kollegen beim Bier auf der Terrasse vor dem Haus, ich gesellte mich dazu und die Dinge nahmen ihren fröhlichen Lauf.

Der mobile Jackenhaken kommt übrigens nicht zum Einsatz, da genügend stationäre vorhanden sind. Vielleicht ist das so wie mit dem Regenschirm: Wenn man ihn dabei hat, regnet es nicht. Doch wehe, man hat ihn vergessen.

Ein gutes Haus
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Mittwoch: Da die meisten Teilnehmer heute anreisen, beginnt das Programm erst um zehn Uhr. Das ermöglichte mir, den Wecker auf acht Uhr zu stellen, was mir nach den Vorabendgeselligkeiten sehr gelegen kam. Noch im Bett liegend holte ich den gestrigen Tageseintrag nach.

Über dem Vormittag lag eine gewisse Rest-Blümeranz, meine Vorträge liefen dennoch ganz gut, da beim nunmehr vierten Mal eine gewisse Automatisierung eingetreten war. Anschließend wurde schon wieder Schaumwein anlässlich eines bevorstehenden Ruhestandes gereicht, es hört nicht auf.

Auch auf dem Haus neben dem Hotel nisten Störche. Einer davon hat dem Kollegen, begeisterter Hobby-Ornithologe, im Landeanflug aufs Auto gekackt. Die Witzigkeitsbewertungen darüber variieren; während ich grinste, als ich davon hörte, fand der Wagenbesitzer es weniger lustig. Vielleicht bringt es ja Glück. Oder Kinder, Störchen wird diesbezüglich ja einiges nachgesagt. Wobei davon auszugehen ist, dass der Kollege über so späten Nachwuchs genauso wenig beglückt wäre wie ich, darin dürften wir uns einig sein.

Herr Rau über sogenannte Künstliche Intelligenz:

Sehe ich das zu simpel? Wenn man an einen Zufallsgenerator eine Bombe hängt, geht die natürlich irgendwann hoch. Wenn man den Zufallsgenerator verbessert oder ihm wirklich gut zuredet, ändert das auch nichts daran. Die Lösung müsste sein, keine Bombe an einen Zufallsgenerator zu hängen. Ich fürchte, da ist die Verlockung zu groß.

Donnerstag: Dank vielleicht nicht eiserner, mindestens jedoch aluminiumner Disziplin meinerseits verlief der zweite Abend im Kollegenkreis glimpflich. Obwohl es spät wurde, weil um Mitternacht auf einen Geburtstag anzustoßen war. Bereits um halb sieben, eine Dreiviertelstunde vor dem Wecker, fühlte ich mich zwar nicht ausgeschlafen, doch immerhin so wach, dass keine Aussicht und kein Bedarf mehr auf weiteren Schlaf bestand.

Irgendwo in einem anderen Zimmer vibrierte zur selben Zeit ein Wecker über einen längeren Zeitraum. Womöglich war die Disziplin des dort zu Weckenden von eher wässriger Konsistenz gewesen.

Aus Zeit-, Appetit- und Frühkommunikationsvermeidungsgründen verzichtete ich wieder auf das Frühstück.

Mittags endete die Tagung, nach dem Mittagessen fuhren wir zurück nach Bonn. Bevor mir auf der Rückbank die Augen zufielen, was in Verkehrsmitteln aller Art selten vorkommt, nutzte ich die Zeit zum Lesen. Unter anderem dieses:

Felix Schwenzel hielt auf der re:publica einen Vortrag über die angeblich schlechte Welt, den Umgang mit ihren Ungemächern und halbvolle Gläser, der auch auf seinem Blog nachzulesen ist. Wenngleich ich das Lesen von ausschließlich in Kleinbuchstaben geschriebenen Texten anstrengend finde, ein sehr lesenswerter Vortrag bzw. Aufsatz:

wenn man das ne­ga­ti­ve als teil des le­bens, als be­din­gung für das po­si­ti­ve ak­zep­tiert, wirkt die scheis­se, die ei­nem die welt ent­ge­gen­wirft, plötz­lich — viel­leicht — wie schein­sch­eis­se.

Franziska Bluhm über das Bloggen:

Wir haben geschrieben, weil wir schreiben wollten. Weil Sprache uns etwas bedeutet hat. Das Schöne: Es gibt immer noch Menschen, denen das etwas bedeutet. Inmitten von KI-Texten, algorithmischen Feeds und kurzlebigen Trends sehnen sich Menschen nach Stimmen, die echt klingen. Nach Texten, die jemanden verraten. Nach Sprache, die nicht optimiert ist – sondern gemeint.

Freitag: Über Nacht kam der Sommer, und wie es aussieht, bleibt er einige Tage. Das inspirierte mich nach dem Mittagessen zu einem kleinen Spaziergang durch den Park statt Treppensteigen im Turm. Dort sah ich unter anderem zwei sich sonnende Wasserschildkröten und einen Reiher auf der Lauer. Hingegen kein Nutria; seit die Stadt sie aus für mich nachvollziehbaren Gründen abschießen lässt, habe ich keins mehr gesehen.

Rheinauenpark
Suchbild mit Schildkröte und Reiher

Abends waren wir eingeladen zu einer familiären Zusammenkunft mit Essen und Trinken in Bad Godesberg. Danach war ich müde und leicht knatschig, immerhin in Vorfreude auf ein langes, sonniges Pfingstwochenende ohne Reisen und mit Ausschlafen.

Samstag: Das Ausschlafen endete um neun Uhr, das war in Ordnung. Nach außerhäusigem Frühstück mit dem Liebsten unternahm ich einen Spaziergang durch die Stadt und an den Rhein, wo zahlreiche Menschen wie ich in sommerlicher Leichtbekleidung lustwandelten. Die Holunderbüsche stehen in voller Blüte, wie mir scheint, in diesem Jahr besonders intensiv. Vielleicht scheint das aber auch nur so.

An der ewigen Baustelle am Rheinufer geht es voran, sogar heute waren drei Arbeiter tätig, sie verlegten großvolumige, augenscheinlich hochwertige Pflastersteine, auf dass sie schon in wenigen Monaten mit zertretenen Kaugummis verziert werden.

Auf einer schattigen Bank am Wegesrand ließ ich mich nieder und las die Blogs, wozu ich gestern zwischen Büroschluss und familiären Pflichten nicht gekommen war. Gelesen beim Kiezschreiber:

Manche Ostdeutsche wünschen sich ja die Mauer zurück. Manche Westdeutsche auch. Aber wie würde das konkret aussehen? Für die Baugenehmigung würde die deutsche Bürokratie zwanzig Jahre brauchen. Und wehe, da lebt irgendein seltener Lurch. Umweltgutachten, Demonstrationen, aufwändige Umsiedlungsverfahren auf ein Nachbargrundstück. Haben wir überhaupt noch so viele Maurer, wie benötigt werden würden? Sind wir optimistisch: Am 13. August 2061 wäre die Mauer fertig. Kurz nach dem Stuttgarter Bahnhof.

An der Hausfassade in der Georgstraße hängt weiterhin der kleine Weihnachtsmann an seiner Strickleiter, dem armen Kerl dürfte ziemlich warm sein.

Abends fuhren wir mit der Bahn nach Köln und besuchten den Circus Roncalli, der zurzeit auf dem Neumarkt gastiert. Wie im letzten Jahr, als er im Bonner Hofgarten sein Zelt aufgestellt hatte, waren wir wieder sehr angetan von der beeindruckenden Akrobatik und den anrührend-lustigen Clowns. Wegen des Vorsommers war es im Zelt und vorher im zugehörigen Restaurant ziemlich warm, doch ließ es sich mit Wasser, Aperol und Kölsch auf ein erträgliches Maß herunter kühlen.

Preisliste
Weißclown Gensi
..

Sonntag: Nach dem Frühstück auf dem Balkon nutzte ich den Tag relativ spontan für eine Wanderung, zumal ich in der kommenden, eigentlich kleinen Woche nicht dazu kommen werde. An einem sonnig-warmen Tag wie heute scheint es angeraten, möglichst im Wald zu wandern, daher wählte ich die Melbtal-Runde um den von Zuhause fußläufig zu erreichenden Venusberg, zurück durch das namensgebende Melbtal. Teilweise wich ich von der vorgegebenen Route ab, weil mir die Wege zu wanderautobahnmäßig erschienen. Im Melbtal empfiehlt es sich, den unteren Weg am Melbbach entlang zu nehmen, auch wenn er stellenweise matschig ist und über Holzstege von zweifelhafter Stabilität führt.

Nach knapp vier Stunden endete die Wanderung im bayrischen Wirtshaus in der Innenstadt, wo die Mühen mit einem Maibock belohnt wurden, während am Tisch schräg gegenüber ein dicker Amerikaner seinen bedauernswerten Gesprächspartner, oder eher Höropfer, volllaberte.

Immerhin, das muss man anerkennen, hat sie/er es geschafft, den Roller nicht quer zur Rad-Fahrspur an der Poppelsdorfer Allee abzustellen
Mit herzlichen Grüßen an Lotte
An der Waldau
Dieses Schild las ich erst nach Passieren der endgültig gesperrten Strecke. Eine Beschilderung der neuen Wegführung war nicht erkennbar. Nochmal gutgegangen.
Melbtal
Zurück in der sogenannten Zivilisation
Belohnung

Im Übrigen bemerke ich eine eher zweifelhafte Sommermode bei jungen Männern: möglichst bunt gemustertes T-Shirt mit Shorts im selben Design. Als Kind hatte ich sowas auch. Als Schlafanzug.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Kommen Sie gut durch die Woche und, falls es Ihnen etwas bedeutet und Sie gar wissen, um was genau es dabei geht, frohe Pfingsten.

18:00

Woche 38/2024: Wenn man sich auf etwas freuen kann

Montag: Eine lange Fünftagewoche ohne freien Donnerstag beginnt. Auch die geht vorüber.

Höhere Mächte verlangten bereits vormittags dreimal einen Neustart des Rechners. Das Gute: Auch das ist bezahlte Arbeitszeit. Ansonsten verlief der Arbeitstag angenehm und ohne nennenswerte Montäglichkeit. Nur eine einzige halbstündige Besprechung unterbrach mein emsiges Wirken, an der ich erst einige Minuten später teilnehmen konnte, weil nach dem dritten Rechnerneustart Teams und Kopfhörer erst wieder zusammenfinden mussten.

Am frühen Abend war wegen einer Vereinspflicht meine Anwesenheit in Bad Godesberg gewünscht. Da es sich nicht lohnte, zwischendurch nach Hause zu fahren, radelte ich über die Südbrücke ans andere Rheinufer, wo ich mir im Sonnenschein ein Stück Pflaumenkuchen und eine Tasse Kaffee gönnte, bitte denken Sie sich das entsprechende Bild dazu. (Und später ein klitzekleines Halbliterchen Hellbier, ich gebe es ja zu.) Ein wenig Urlaubsgefühl zum Wochenbeginn.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr es Fußgänger irritiert, wenn man mit dem Fahrrad vor dem Zebrastreifen für sie anhält.

Dienstag: Heute war perfektes Anzugwetter, was bei der Textilauswahl am Morgen entsprechende Berücksichtigung fand. Wie schön, dass der Lieblingsanzug, der nach der letzten Kleiderschrankaufräumaktion als einziger übrig geblieben ist, immer noch ziemlich perfekt passt. Dass man darin inzwischen auffällt, nachdem sich die Kleidungsgewohnheiten im beruflichen Umfeld spätestens seit der Corona-Pandemie deutlich gewandelt haben, stört mich überhaupt nicht. Wenn ich in Anzuglaune bin, trage ich einen Anzug.

Dank freiwilliger Meldung als Brandschutzhelfer erhielt ich im Rahmen einer örtlichen Einweisung durch den Werksoberbrandmeister Einblicke hinter Türen, die dem gewöhnlichen Mutterhausbewohner verschlossen sind. Das war sehr interessant. Die nächste Übung kann kommen. Der Ernstfall lieber nicht.

Alle irre

Die CDU/CSU hat sich auf Friedrich Merz als nächsten Kanzlerkandidaten geeinigt. Mir ist das egal, ich werde sie voraussichtlich nicht wählen. Nicht, weil ich sie für schlechter als andere hielte, indes kann ich keiner Partei meine Stimme geben, die „Christlich“ in ihrem Namen trägt, weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass Politik und Religion konsequent voneinander getrennt gehören, auch im Namen.

Mittwoch: Auch heute nutzte ich das Anzugwetter. Im Büro geriet ich in einen erfreulichen Flow-Zustand. Ein Zusammenhang zur Bekleidung ist weitgehend auszuschließen.

Dessen ungeachtet verband ich abends einen Gesundheitstermin mit einem Besuch des Rewe, wo ich aus der vielfach umstrittenen, da angeblich zu frühen Adventsauslage einen kleinen Vorrat* an Nougat-Marzipan-Baumstämmen erstand. „Sie wollen wohl einen Wald pflanzen“ scherzte die Dame an der Kasse. Schon Alf wusste: Es ist nie zu früh und selten zu spät.

*zehn Stück

Während seit einigen Tagen die Daunenjacke einsatzbereit am Garderobenhaken hängt und schon mehrfach in Gebrauch war, kehrte nachmittags der Sommer noch einmal zurück mit milder Luft und erfreulichen Anblicken. Mal sehen, wie lange er bleibt; mich stört er nicht.

Das Laufen am Abend geriet trotz bester Rahmenbedingungen und passender Musikbegleitung wieder sehr schwerfällig.

Donnerstag: Heute war es schon morgens fast wieder etwas zu warm für eine Anzugjacke. Aber eben nur fast.

Weg ins Werk

Erwartungshaltung ist auch so ein Wort, das deren Nutzer sich etwas bedeutender fühlen lässt.

Freitag: In der Kantine gab es hausgemachten Backfisch. Was auch immer das in Kantinenzusammenhängen bedeuten mag. Im weitesten Sinne ist ja alles hausgemacht, das nicht unter freiem Himmel produziert wird, insofern taugt dieses Attribut nur wenig, die Qualität eines Produktes anzupreisen. Der Fisch schmeckte jedenfalls ganz passabel, nur der Kartoffelsalat entfaltete mit einsetzender Sättigung ein leicht seltsames Aroma, deshalb blieb ein Rest ungegessen auf dem Teller zurück.

Stefan Raab treibt wieder sein mediales Unwesen, wie dieser Tage überall zu vernehmen ist. Von mir aus. Ich fand den schon früher sch mochte den schon früher nicht, es ist nicht damit zu rechnen, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird.

Der Liebste hat für uns eine Woche Flusskreuzfahrt* in Frankreich im nächsten Jahr gebucht. Bis dahin fließt noch viel Wasser die Rhône herab, doch ist es immer schön, wenn man sich auf etwas freuen kann.

*Ja ich weiß: So ein Schiff ist eine Dreck- und CO2-Schleuder, die Arbeitsbedingungen des Personals fragwürdig. Auch ich bin halt nicht konsequent.

Samstag: Aus Gründen, die bei der Gestaltung des Vorabends zu suchen sind, erwachte ich mit einer gewissen Todessehnsucht, die bis in den frühen Nachmittag anhielt. – In der Tageszeitung ein Artikel über das Arbeitsethos der Japaner, für die unbezahlte Überzeitarbeit selbstverständlich ist. Manche arbeiten sich gar zu Tode, dafür haben sie ein eigenes Wort: „Karoshi“. Ich weiß nicht, was mich eines Tages hinraffen wird, Karoshi wird es wahrscheinlich eher nicht sein.

Nicht nur Menschen sterben, auch Sprachen. Dazu ein Artikel in derselben Zeitung mit dieser schönen Feststellung: „Dabei hat die Kultur eines Sprachsystems nichts mit seiner Größe zu tun. Im Gegenteil: Bei 100 Millionen Sprechern ist das Risiko viel größer, dass Leute wie Mario Barth dabei rauskommen.“

„Wie wir alle 100 werden“ lautet die Titelgeschichte des SPIEGEL in dieser Woche. Das muss nun wirklich nicht sein.

Nachmittags unternahm ich einen Spaziergang zur Wiederbelebung der Lebensgeister. In der Fußgängerzone ein verhaltensauffälliger Mann, der lautstark und heftig unter Gebrauch von Fäkalausdrücken auf die Italiener schimpfte und ankündigte, sie alle aus dem Land zu treiben. Ein bei uns eher selten geäußertes Feindbild. Was genau er den Italienern vorwarf, wurde nicht deutlich und ich verzichtete darauf, ihn zu fragen.

Abends waren wir nach längerer Zeit wieder im Malente-Theater, dieses Mal spanischer Themenabend. Es wurde viel gelacht. Erstaunlich viele Plätze blieben unbesetzt, das habe ich dort bislang so noch nicht erlebt.

Sonntag: Am voraussichtlich vorläufig letzten Sommertag* machten der Liebste und ich uns mittags auf zu einer Radtour über eine Teilstrecke der sogenannten Apfelroute, von Bonn durch das Vorgebirge bis Walberberg, zurück durch die Felder. Die Hinfahrt war aufgrund mehrerer Steigungen streckenweise anstrengend, der Liebste mit seiner Elektrounterstützung klar im Vorteil, wohingegen ich mich rein mechanisch hochkurbeln musste, unterbrochen von mehreren notwendigen Verschnaufpausen.

*Kalendarisch ist es auf jeden Fall der letzte Sommertag, wettermäßig wird man sehen

Dabei durchfuhren wir mehrere recht idyllische Orte wie Brenig, Dersdorf und Kardorf, die ich alle, man glaubt es kaum, bislang nicht kannte. In letzterem bot eine kleines Dorffest mit Getränkebude eine willkommene Erfrischung von innen. Die äußere Erfrischung erfuhren wir auf dem Rückweg bei Unterquerung der Autobahn 555 bei Hersel. Der Boden der Unterführung war mit Wasser bedeckt, wie tief, war nicht zu erkennen, also fuhren wir durch. Dann wussten wir es: bis über Pedalhöhe. Freundlicherweise befindet sich kurz dahinter eine Pausenstation mit Bänken, wo wir uns der durchnässten Socken entledigen konnten. Da es auch heute recht warm war, war das kein Problem.

Die Ebene zwischen Bonn und Köln ist geprägt vom Gemüseanbau. Mit ihren Gewerbegebieten und Hochspannungsleitungen nahm ich die Gegend beim Durchfahren mit der Bahn oder dem Auto über die 555 bislang als langweilig bis hässlich wahr. Der Eindruck wurde mit der Radtour heute widerlegt. Demnächst werde ich mal eine Wanderung dorthin planen. Zu Fuß sieht man ja nochmal mehr als mit dem Rad.

Blick über die Rheinebene oberhalb von Roisdorf. Links denken Sie sich bitte Köln, rechts Bonn
Trafoturm in Dersdorf für die Sammlung

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Kommen Sie gut durch die Woche, genießen Sie den Herbst.

Woche 32/2022: Der kleine Hippolyt möchte aus dem Bälleparadies abgeholt werden

Montag: „Ich liebe den Sommer, weil die Leute schon morgens gut gelaunt sind“, sagte in der Frühe eine Frau im Radio. Was für Leute kennt die? Mich offenbar nicht.

Der Sommer macht mich eher nervös, nicht nur aus klimatischen, vielmehr aus optisch-hormonellen Gründen.

Tennissocken sind wieder im Trend

Schlechtlaunig erschienen mir abends auf der Rückfahrt vom Werk die Verkehrsteilnehmer; da war ein Drängen, Hupen und Schimpfen auf den Straßen wie selten. Ein wenig sprang das auf mich über: Als ich nach der Heimkehr zu Fuß Brötchen für das Abendessen holte, bereitete es mir diffuse Freude, Radfahrern, die mir regelwidrig in der Fußgängerzone begegneten, bewusst nicht auszuweichen; das unausgesprochene „A…loch“ in ihrem Blick nahm ich befriedigt zur Kenntnis. Ansonsten bin ich meistens ganz verträglich.

Dienstag: Olivia Newton-John ist tot, dreiundsiebzig ist sie geworden. Ihr größter Hit für mich war „Xanadu“, den sie 1980 mit dem Electric Light Orchestra in die Radios brachte. Der Ohrwurm des Tages spielte indes dieses, etwas älter, auch schön.

Mittags in der Kantine gab es rheinischen Döppekuchen, allerdings nicht für mich. Da ich aufgrund einer Besprechung etwas später zum Essen ging, konnte ich nur zusehen, wie die letzte Portion bereits um kurz nach zwölf an den Kollegen vor mir ausgegeben wurde, anscheinend hatte man die Beliebtheit des Gerichtes unterschätzt. Kann passieren, zumal ich die Kantine heute so voll erlebte wie zuletzt in Vorseuchenzeiten. „Döppekuchen ist wahrscheinlich aus, ich frage mal in der Küche nach“, beschied mir die freundliche Bedienung und verschwand. Während ihrer Abwesenheit bildete sich hinter mir eine Schlange weiterer Döppekuchenhungriger. Sie kehrte zurück mit einer dampfend gefüllten Wanne, doch ach: „Döppekuchen ist aus, es gibt jetzt Kartoffelauflauf.“ Das missfiel dem Kollegen hinter mir, er zog empört ab ob der vergeudeten Warteminute mit Worten ähnlich „Das müssen Sie doch besser kommunizieren“, die Antwort „Ja ja …“ der Servierdame wird er nicht mehr gehört haben. Der Kartoffelauflauf schmeckte vorzüglich.

Gelesen in einer Mitteilung: »Fange nie an, aufzuhören, und höre nie auf, anzufangen.« Du liebe Güte. Kennen Sie das, wenn man sich am liebsten einen Blecheimer über den Kopf stülpen und so lange mit einem hölzernen Kochlöffel dagegen schlagen möchte, bis es aufhört?

Mittwoch: Morgens erlosch, wie regelmäßig in letzter Zeit, im Bad das Licht, während ich den alten müden Leib für den Tag herzurichten mich mühte. Grund ist die moderne Haustechnik, die in wundersamer Weise mit dem Datengerät des Liebsten vernetzt ist. Sobald er das Haus verlassen und eine gewisse Distanz erreicht hat, gehen bei uns die Lichter aus. Früher gab es fest in der Wand installierte Lichtschalter, im Haus meiner Großeltern waren das Bakelitschalter mit so einem Drehdings in der Mitte, die bei Betätigung laut „klack“ machten, später einfache Drucktaster. Eines war allen gemeinsam: Wenn man drehte oder drückte, gingen diesen Schaltern fest zugewiesene Lampe an oder aus. Ein größeres Wunder war, wenn man eine Lampe über zwei Schalter an unterschiedlichen Stellen beliebig an- oder ausschalten konnte, das nannte man Wechselschaltung; in Physik war das mal Unterrichtsgegenstand, ich könnte heute nicht mehr erklären, wie das funktioniert. Jedenfalls funktionierte es zuverlässig.

Lichtschalter haben wir heute auch noch an den Wänden, die fast so laut „klack“ machen wie ihre Bakelitahnen, allerdings ist völlig rätselhaft, was sie auslösen und wer das entscheidet. Mal gehen auf Knopfdruck die Lampen in der Küche an, mal im Flur, ein anderes Mal wechseln sie nur den Farbton von grellweiß nach schummriggrün. Manchmal passiert nichts, dann schimpft der Geliebte und der Liebste ist stundenlang mit irgendwelchen Apps beschäftigt. Ohnehin werden bei uns nur noch selten Schalter gedrückt, stattdessen sagt einer „Hey Siri – im Wohnzimmer Lampen aus“ oder „Hey Siri – alle Lampen an“, daraufhin sagt eine devote Frauenstimme irgendwas und im günstigsten Fall wird der Befehl ausgeführt. Manchmal auch nicht, dann sagt sie so etwas wie „Ich kann die Lampe im Bad nicht finden“ oder sowas, woraufhin wieder der eine schimpft und der andere sich den Apps widmet. Manchmal bin ich dessen schrecklich müde und wünsche mir die alten Klackschalter von Oma zurück. Bei Manufactum gibt es die noch, allerdings werden die sich wohl nicht mit des Liebsten Datengerät und Siri verstehen.

Donnerstag: Wie jeden Donnerstag ging ich zu Fuß ins Werk, davon hält mich auch Sommerglut nicht ab. Erstaunlich, wie viele Läufer auch bei solcher Hitze noch laufen. Warum tun die das? Weder macht es Spaß, noch ist es gesund. Aber das trifft auf vieles zu, was Menschen tun.

Auch sah ich Fahrradfahrer mit freiem Oberkörper. In hormoneller Hinsicht unbedenklich – meist sind ja diejenigen am wenigsten bekleidet, von denen man lieber weniger sehen würde.

Abends waren wir im Biergarten, von wo aus wir dem Mond beim Aufgehen zuschauten.

Leider verschwand er sogleich wieder hinter einer Wolke.

Freitag: Morgens im Radio: „Sei mein kleiner Säugling“ – einer der zahlreichen Liedtexte, die nur in Englisch möglich sind.

Etwas tiefsinniger klingt „Kein Grund zu bleiben ist der beste Grund zu gehen“, gesungen von Roland Kaiser, lautstark mitgesungen vom Geliebten. Es wird wohl nichts zu bedeuten haben.

Ich war beim Friseur. Einem spontanen Beschluss folgend ließ ich die Haare sommerlich kurz schneiden und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch wenn aufgrund einer gewissen altersbedingten Spärlichkeit je nach Lichtfall die Kopfhaut nun deutlicher zutage tritt.

Schwarz-weiß ist gnädig

Gelesen und notiert:

… man kann, dachte Frank, jemanden sympathisch finden und sich dennoch wünschen, dass er mal eine Weile wegbleibt.

Sven Regner / „Glitterschnitter“

Samstag: Aus nicht näher darzulegenden und im Übrigen nicht völlig nachvollziehbaren Gründen fiel ich letzte Nacht aus dem Bett; vorangegangener Alkoholgenuss kann als alleinige Ursache weitgehend ausgeschlossen werden. Ja, der Vorabend endete, wie die meisten Freitage, in der Weinbar des Vertrauens, doch hielt sich der Verzehr im Rahmen, soweit ich mich erinnere. Folgen des Bettsturzes sind eine nur leichte Schramme am linken Unterarm sowie, gravierender, eine Wunde am rechten Ellenbogen, die recht ordentlich blutete, ziemlich genau an der Stelle, mit der man gerne mal irgendwo anstößt, was sich nun jedes Mal mit einem „Aaaa-ja“ schmerzhaft bemerkbar macht.

Nachmittags fuhren der Liebste und ich nach Mayschoß im Ahrtal, wo die Zerstörungen nach der Flut im vergangenen Jahr noch allgegenwärtig sind. Während wir in Rech vor einer Baustellenampel warteten, blickten wir links auf die halb weggerissene Nepomukbrücke, die nun der berühmten Brücke von Avignon ähnlich mitten im Fuss endet, dahinter Häuser in unterschiedlichen Beschädigungs- und Wiederaufbaugraden sowie freie Flächen, wo einst Häuser standen. Auf der rechten Seite dagegen eine gut besuchte Schankwirtschaft, wo sich fröhliche Leute auf der Terrasse den Wein schmecken ließen. Das ist gut, das Leben muss weitergehen, auch wenn es im Ahrtal es wohl noch lange dauern wird, bis die Spuren der Katastrophe beseitigt sind. Wenn nicht vorher die nächste „Jahrhundertflut“ durch das Tal tobt. Davon heute keine Spur: Die Ahr war nicht viel mehr als ein friedlicher Bach, in dem Graureiher ihrem Tagwerk nachgingen, an menschliche Schicksalen ohnehin uninteressiert. Zweck unseres Ausflugs war übrigens der Besuch eines Weingutes, wo uns der gut gelaunte Winzer einiges probieren ließ, anschließend fanden mehrere Kartons den Weg in den Kofferraum. Das Leben muss weitergehen, auch mit vorübergehend lädiertem Ellenbogen.

Namenstag haben heute: Pontianus, Kassian, Hippolyt, Ludolf und Wigbert. „Der kleine Hippolyt möchte aus dem Bälleparadies abgeholt werden.“ (Oder die? Das?)

Sonntag: Auch der Rhein ist zurzeit weit entfernt von einer Jahrhundertflut, aber das wissen Sie als medienkompetenter Mensch wahrscheinlich längst.

Noch fahren Schiffe.

In der aktuellen PSYCHOLOGIE HEUTE fand ich übrigens das schöne Wort „Pornografiekompetenz“. Habe ich.

Anscheinend gibt es in Bonn eine Initiative zur Unsichtbarmachung von Stomkästen, mit sehenswerten Ergebnisse:

Kleine Anekdote am Rande: Keineswegs unsichtbar und auch nicht unsachgemäß abgestellt war der Elektroroller, über den ich nach Fertigen des letzten Bildes stolperte, woraufhin ich mich gründlich auf die Klappe legte. Immerhin nicht auf den bereits verwundeten Ellenbogen, dafür schlug ich mir beide Knie blutig wie ein Fünfjähriger beim Rollschuhlaufen. Also erstmal keine längeren Spaziergänge mehr.

Ansonsten gesehen:

Ich weiß ja nicht.

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Ich wünsche Ihnen (und mir) eine angenehme Woche ohne Stürze aller Art.

Woche 18/2022: Camargue in Brandenburg und Sympathie in Lippe

Montag: »Das ist harter Tobak«, ist in einem Zeitungskommentar zu lesen. Auf der Liste der abgegriffensten Metaphern ein ganz alter Hut.

Wie weiterhin in der Zeitung zu lesen ist, erlaubt ein Göttinger Schwimmbad aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit jetzt auch Besucherinnen an Wochenenden den Besuch mit freiem Oberkörper. (Für Freunde des generischen Femininums: also allen Besucherinnen.) Das ist zu befürworten, solange aus der Erlaubnis keine Verpflichtung wird.

Dienstreise nach Schönefeld bei Berlin. Die Notdurft der mitfahrenden Kollegin erforderte einen kurzen Halt auf einem Rastplatz. Wo wir schon mal hielten, wollte auch ich die Gelegenheit nutzen, kam allerdings nicht dazu, weil die Herrenabteilung der Toilette verschlossen war. Jetzt, da Frauen oben ohne ins Freibad dürfen, wäre es wünschenswert, endlich auch diese unsinnige Geschlechtertrennung bei Toiletten zu überdenken. Und wozu gibt es immer noch Damen- und Herrenfahrräder?

Wo wir gerade beim Wünschen sind: Der Ort Wünschdorf wird auf einem braunen Sehenswürdigkeitenhinweisschild am Autobahnrand als „Bücher- und Bunkerstadt“ bezeichnet. Vielleicht habe ich mich auch verlesen.

Dienstag: Teil zwei unserer Tagungstournee. Der Tagungsort ist, verglichen mit Buch am Ammersee in der vergangenen Woche, nicht ganz so idyllisch gewählt, aber wir sind ja nicht (nur) zum Vergnügen hier: Statt bayrischer Seeidylle Neubau- und Gewerbegebiet. Immerhin – in einem Teich zwischen Bahnstrecke und vierspuriger Straße weilen Flamingos, und sie scheinen sich dort nicht unfreiwillig aufzuhalten. Ein Hauch von Camargue in Brandenburg.

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Finde den Fehler.
Kleines Rätsel am Wegesrand
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Auch das kollegiale Abendprogramm war überwiegend angenehm. Gewiss, einer nervt immer, das gehört dazu. Im Übrigen kann ich wunderbar abschalten, während andere über Fußball sprechen.

Mittwoch: Dank rechtzeitigem Absprung am Vorabend erwachte ich in einigermaßen erfreulichem Zustand. Dennoch verzichtete ich aus in der vergangenen Woche bereits dargelegten Gründen auf das Frühstück.

Tagsüber gehört und notiert: „Wir sind relativ statisch unterwegs.“

Zügig unterwegs waren wir nachmittags auf dem Weg nach Celle zur dritten Tagungsetappe, die morgen startet. Nach dem Abendessen in kleiner Runde im Hotelrestaurant zeitig ins Tuch. Man weiß nicht, was einem der nächste Abend abverlangt.

Donnerstag: Hypothese: Je voluminöser der Gast, desto größere Mengen an Nahrung werden auf den Teller gepackt. Während meiner stillen Beobachtung beim Frühstücksbüffet treten Ursache und Wirkung in einen fröhlichen Streit miteinander. Ansonsten gibt es Saftgläser in angemessener Größe und im Zimmer einen Haken für die Jacke, was in Hotels keineswegs selbstverständlich ist.

Neben uns tagt hier auch eine Gruppe von Rheinmetall, ein Unternehmen, das seine Eigenschaft als bevorzugtes Verabscheuungsobjekt aus aktuellen Gründen zumindest teilweise eingebüßt hat. Bleibt immer noch Amazon.

Vor dem Abendessen ging ich ein wenig durch die Gegend.

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Rapsfelder gehen immer
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Freitag: Erst gegen Mittag kehrte das uneingeschränkte Wohlbefinden zurück, da am Vorabend Rosé, Hausbrand, Wiedersehensfreude und Willensschwäche in eine ungünstige Konstellation getreten waren, die morgens noch etwas nachwirkte.

Gegen 18 Uhr kehrte ich nach einer sehr angenehmen Tagungswoche heim in die Arme der Lieben. Die vierte und letzte Etappe folgt übernächste Woche, ich freue mich drauf.

Samstag: Da plötzlich Sommer ist, frühstückten wir erstmals in diesem Jahr auf dem Balkon, den wir neuerdings mit dem Außenaggregat der neuen Klimaanlage teilen, die seit dieser Woche unsere Wohnung bereichert, weil die Lieben meinen, wir benötigen derlei, und wer bin ich, daran zu zweifeln. „Daran gewöhnst du dich“, sagt der Liebste. Bestimmt, man gewöhnt sich angeblich auch an Tinnitus. Und im Gegensatz zum Ohrenflöten kann man auf dem Gerät Dinge abstellen, immer auch das Positive sehen.

„Ich würde mir wünschen, dass du das mal begutachtest“, hörte ich in der Fußgängerzone einen zu seiner mutmaßlichen Gattin sagen. Vielleicht haben sie gerade ein Seminar über erfolgreiche Kommunikation in der Partnerschaft absolviert.

Sonntag: Um 0:45 Uhr aufgewacht, weil jemand an der Haustür geklingelt hatte (wobei das bei uns nicht klingelt, sondern ein „Düdl-düdl-düdl“-Geräusch ertönt; ich wollte aber nicht „gedüdelt“ schreiben). Da wir weder Besuch noch ein weiteres Paket erwarteten, reagierten wir nicht und konnten, da nicht erneut geklingelt beziehungsweise gedüdelt wurde, in Ruhe weiterschlafen.

Heute vor fünfundzwanzig Jahren erkannten zwei (damals noch) junge Männer während einer Gruppenwanderung durch lippische Wälder und Fluren gegenseitige Sympathie; auf den Tag genau fünf Jahre später sagten sie vor dem Bonner Standesamt „Ja“. Mein Liebster, danke für die Jahre, in denen wir uns nun schon aufs Angenehmste reiben! Ich freue mich auf die nächsten fünfundzwanzig. Mindestens.

Der zwanzigste Hochzeitstag heißt übrigens „Porzellanhochzeit“. In Japan heißt es „Kintsugi“, wenn die Risse eines zerbrochenen und wieder zusammengefügten Porzellangefäßes mit Goldstaub hervorgehoben werden, habe ich mal irgendwo gelesen. Das hat keinen direkten Bezug zum vorstehenden Absatz, ist trotzdem schön.

Auch schön. Wenn wir Menschen uns irgendwann erfolgreich selbst ausgerottet haben, wird sich die Natur alles ganz schnell zurück holen. Immer das Positive sehen.

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Kommen Sie gut durch die sommerliche Woche.

Woche 26: Provence, Vaucluse, Drôme – Hauptsache Südfrankreich

Südfrankreich finden wir schön, deswegen fahren wir da andauernd hin – auch wenn diese Sprache und ich wohl niemals richtige Freunde werden. Übrigens liegt unser Ort Malaucène nicht in der Provence, sondern im Vaucluse; die eigentliche Provence beginnt südlicher. Das macht aber nichts, ist genau so schön. Außerdem hält dies diverse Markthändler und Souvenirläden der Region nicht davon ab, ihre feilgebotenen Waren als „provençale“ zu bezeichnen, den Touristen stört es nicht, denn er wähnt sich ja in der Provence. So wie sich der Bonn(besuch)er in der Altstadt wähnt, wenn er in die Innere Nordstadt kommt. Egal.

Also waren wir in der vergangenen Woche wieder dort. Dieses Mal endete der Urlaub mit einem besonderen Ereignis: wir waren zur Hochzeit in einer befreundeten Winzerfamilie im Drôme eingeladen, was ohne Zweifel eine große Ehre ist. Hierbei lernte ich etwas über französische Vermählungen. Erstens: Wenn der Termin in der mairie für 16 Uhr angesetzt ist, dann heißt das noch lange nicht, dass das Brautpaar um 16 Uhr schon anwesend ist. Zweitens: Der Bräutigam darf die Braut schon vor dem Jawort küssen. Drittens: Die Stimmung während der Zeremonie in der Kirche ist angenehm locker, statt Orgel greift der Pfarrer zur Gitarre, Freunde und Familie werden aktiv in das Geschehen eingebunden, und wenns schön ist, darf applaudiert werden. Viertens: Auch der Ablauf des Abendessens weicht von gewohnten Gepflogenheiten ab – zwischen Vorspeise und Hauptgang gibts erstmal eine Stunde Party mit Tanzen, damit die Gäste wieder Hunger bekommen. Ob das in Frankreich so üblich ist, weiß ich nicht, hier war es so. Um Mitternacht dann die riesige Hochzeitstorte, das kennt man wieder. Ein schöner Abend, die Stimmung war trotz Gewitter und Regen ausgezeichnet.

Eine weitere angenehme Begleiterscheinung der Woche war das Wetter: zumeist sonnig um dreißig Grad, das vermisse ich besonders. Da hilft auch kein Regenbogen über der Eifel gestern Abend auf der Rückfahrt.

Ein paar Bilder habe ich die Woche auch wieder gemacht. Inspiriert durch Martins #weekstagram habe ich mir erlaubt, einige davon durch den bekannten Filter zu ziehen. Voila:

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