Kindlos glücklich

„Willst du denn keine Kinder?“, fragen sie mich manchmal, und ich antworte aus voller Überzeugung: Nein, will ich nicht. „Warum denn nicht?“ fragen sie mich dann mit einem Blick, als hätte ich bekanntgegeben, mich bevorzugt von Einhörnern und Katzenbabys zu ernähren. – Nun, wie erkläre ich meine unpoluläre Haltung zum Nachwuchs: Es gibt mehrere in meinen Augen triftige Gründe, keine Kinder zu wollen.

Erstens: Ich kann mit Kindern nichts anfangen, sie sind für mich Wesen von einem anderen Planeten. Es gelingt mir nicht, mit ihnen in eine Interaktion zu treten, und wenn mir in der Bahn ein Kind gegenübersitzt, mich mit großen Augen anstarrt und immer wieder dieselbe Melodie singt, während es vom Vater oder der Mutter daneben ermahnt wird, den Mann nicht mit den Füßen ans Knie zu treten, wechsle ich lieber den Platz, als dass ich so etwas sage wie „Aber das macht doch nichts. Wie heißt du denn?“

Zweitens: Zurzeit leben rund siebeneinhalb Milliarden Menschen auf dieser Welt, Tendenz steigend. Das sind jetzt schon mehr, als die Welt verkraften kann. Dieser Vermehrung möchte ich durch eigenen Fortpflanzungstrieb nicht Vorschub leisten.

Drittens: Ich fürchte, unsere gewohnte „westliche“ Lebensweise in Frieden und weitgehender Freiheit ist ein Auslaufmodell. Die Entwicklungen in den USA, der Türkei, Polen, Ungarn, Großbritannien, Nordkorea und einigen weiteren Ländern sowie das zunehmende Erstarken der Rechten und die Zunahme religiös motivierter Gewalt deuten darauf hin. Wenn ich Glück habe, muss ich die großen Umwälzungen selbst nicht mehr miterleben. Für meine Kinder könnte ich das nicht garantieren.

Viertens: Ich kann ein Glas Wein trinken, Zigaretten rauchen und rote Fußgängerampeln ignorieren, ohne meiner Brut ein schlechtes Vorbild zu sein (für die Erziehung fremder Kinder bin ich nicht zuständig). Und ich kann am Wochenende ausschlafen, so lange wie ich will!

„JA ABER:“

„Kinder sind deine Altersversorgung!“ – Ich gebe zu, das ist ein gutes Argument. Jedoch setzt dies voraus, dass meine Kinder eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle finden. Angesichts zunehmender Job-Miniaturisierung, „Freelancertum“ und sonstiger Errungenschaften der vielgepriesenen Digitalisierung bin ich mir dessen nicht sehr sicher.

„Willst du euren Stammbaum nicht fortsetzen?“ – Das ist nun wirklich das geringste Problem. Richtig, ich bin der Letztgeborene unserer Familie, und mit meinem Tod wird die Linie abreißen. Na und? Die Welt wird es überstehen. Der Familienname wird dennoch weiterbestehen, sogar an prominenter Stelle in Schleswig-Holstein, wenn auch ohne verwandtschaftliche Verbindung, jedenfalls ist mir keine bekannt.

„Du warst doch auch mal Kind.“ – Das ist richtig, ich bin es sogar noch heute, jedenfalls so lange meine Mutter lebt, also hoffentlich noch lange.

„Kinder zu haben ist das größte Glück, dagegen verliert alles andere an Bedeutung.“ – Mag sein, dass das für euch so ist; für mich zweifle ich sehr daran. Während der Satz „XY wird Papa“ bei euch Freude oder womöglich Neid auslöst, denke ich nur: Der Arme. Im Gegenteil, ich bin glücklich ohne Kinder und ohne den Wunsch, welche zu haben. Ansonsten fehlt es mir an nichts, Danke.

Übrigens gilt vorstehendes grundsätzlich auch für Hunde, nur dass ich mir durchaus vorstellen kann, Hundefleisch zumindest einmal zu probieren; zudem dürfte der Beitrag des Hundes an meiner Altersversorgung gering sein, selbst wenn er vollzeit berufstätig wäre. Andererseits würde ich mein Kind vermutlich nur in Ausnahmefällen an Laternenpfähle pinkeln und in fremder Leute Vorgarten kacken lassen.

Woche 15: Sieben Tage ohne die tanzende Mutter

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Montag: Abendveranstaltung der Lirac-Winzer anlässlich der von uns besuchten Weinmesse in Avignon. Das Verhalten der Mitmenschen an den Häppchenplatten inspiriert mich zu einem Gedicht:

Was immer gilt auf dieser Welt,

das gilt auch jetzt und hier:

Sobald umsonst es etwas gibt,

da wird der Mensch zum Tier.

Dienstag: Das Angebot französischer Supermärkte ist für das deutsche Auge bisweilen ungewohnt.

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Mittwoch: Laut einem Zeitungsbericht konsumieren die Deutschen jährlich im Schnitt 29,3 Liter Wein. Rein rechnerisch deckt mein persönlicher Konsum somit ungefähr den Jahresbedarf der Mainzelmännchen ab.

Donnerstag: Ein südhessisches Unternehmen vermietet laut Zeitungsbericht Hühner, wobei die während der Mietzeit gelegten Eier dem Mieter zufallen. Das bringt mich auf eine Geschäftsidee: Seit diesem Jahr sind Rauchmelder in Wohnungen Pflicht. Man könnte Hühner zu Rauchmeldern ausbilden und dann mit dem geschützten Warenzeichen ‚Alarmglucken‘ an den Markt gehen.

Unterdessen fordert die AfD, der evan­ge­li­schen und ka­tho­li­schen Kir­che den Sta­tus ei­ner Kör­per­schaft des öf­fent­li­chen Rechts zu ent­zie­hen, was das Ende von Kirchensteuer und Religionsunterricht in Schulen (und vielleicht irgendwann gar des karfreitäglichen Vergnügungsverbotes) nach sich ziehen würde. Ich bin weit davon entfernt, den Ideen der AfD Sympathie zu bekunden, aber diese erscheint gar nicht so verkehrt.

Freitag: Allerdings bedeutete dies, konsequent weitergedacht, auch die Abschaffung aller kirchlichen Feiertage wie diesem. Das mag die Wirtschaft freuen, dürfte jedoch auch beim atheistischstenen AfD-Wähler nur auf wenig Zustimmung stoßen.

Samstag: Ein einwöchiger Frankreichaufenthalt bietet neben vielen anderen auch den großen Vorteil, sieben Tage lang nicht aus dem Radio von einem gewissen Max Giesinger wegen einer tanzenden Mutter belästigt zu werden.

Sonntag: So schön der Urlaub war – das Wohlgefühl ausgehend von der ersten Nacht im eigenen Bett und der ersten Darmerleichterung auf heimischer Brille nach Rückkehr ist kaum zu steigern. Nur an die rheinische Kühle nach einer Woche in provencalischem Kurzehosenwetter muss ich mich noch etwas gewöhnen.

Zum Schluss noch ein paar Bildeindrücke der zurückliegenden Woche:

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Zu Hause ist es indessen auch ganz schön:

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Eine Woche in Avignon oder: Aus meinem Leben als Unternehmergattin

Die vergangene Woche verbrachten wir in Avignon, zuvörderst zum Besuch der Weinmesse découvertes en Vallée du Rhône, aber auch das touristische Programm kam nicht zu kurz, schließlich kann man nicht ununterbrochen Wein saufen. Als Unterkunft hatte uns der Liebste ein kleines Appartement mitten in der Stadt gebucht, von wo aus die Erprobungsstätten fußläufig gut zu erreichen waren, im Falle einer Weinmesse ein ja nicht ganz unwesentlicher Aspekt.
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Nach unserer Ankunft am frühen Samstagnachmittag trotzten wir der Müdigkeit von der langen Fahrt und ließen uns von der Sonne und den für uns ungewohnt milden Temperaturen nach draußen locken zum ersten Glas Bier, nach welchem wir wunderbar ruhten.

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Sonntag besuchten wir zunächst den Ort Fontaine de Vaucluse, wo die gleichnamige Quelle des Flüsschens Sorgue deutlich mehr sprudelte, als wir es aus den Sommermonaten kannten, und die Fluten das Tal mit beeindruckendem Rauschen erfüllten. Ansonsten war nicht viel los, die meisten Touristenneppbuden geschlossen.

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Danach fuhren wir nach Caromb. Da die örtliche Weinhandlung zwar trotz Sonntag geöffnet, wegen der vom Franzosen stets konsequent eingehaltenen Mittagspause jedoch noch etwa eine halbe Stunde geschlossen war, gingen wir zunächst durch den Ort, wo auch nicht viel los war.

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Über Malaucène, wo wir unser Nachmittagsgetränk zu uns nahmen, fuhren wir zurück nach Avignon.

Montag machten wir einen Ausflug durch das Vaucluse über Gigondas, Vinsobres, Nyons und Beaume de Venise. Die gewohnten üppigen Farben der Provence wirkten noch recht blass, doch hat auch diese Jahreszeit hier durchaus ihren Reiz, sehen Sie selbst:

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Dienstag wurde es dann ernst: Die Geschäfte, das heißt die Weinmesse erforderten unsere Anwesenheit im Ort Tain d’Hermitage, etwa 150 Kilometer nördlich von Avignon gelegen, somit leider nicht fußläufig zu erreichen. Aber was nimmt man nicht alles auf sich für einen guten Tropfen… Zur Akkreditierung erhielten wir einen kleinen roten Umhängebeutel, eine Codekarte und ein Weinglas, hiermit waren wir berechtigt, die Hallen der Messe zu betreten und zu probieren, so viel wie wir wollten und – nur theoretisch natürlich – konnten. Der Profi trinkt den probierten Wein übrigens nicht, sondern kaut mit sprudelndem Geräusch darauf herum, um ihn anschließend kunstvoll in scharfem Strahl in bereit stehende Spuckbehälter zu speien, verständlich, sonst käme er nicht weit. So auch der Liebste, zum einen weil er als monsieur importateur der Profi ist, zum anderen, weil er den Wagen wieder heile zurück nach Avignon lenken musste. Mir indes kam in meiner Eigenschaft als Importeursgattin eine eher repräsentativ-dekorative Funktion zu, daher ignorierte ich die Profispucknäpfe. War aber kein Problem, man ist ja im Training.

Nach dem Mittagsbüffet suchten wir die Edel-Schokoladenmanufaktur Valrhona auf, wo es reichlich Möglichkeit der Verkostung gab und welche wir mit gefülltem Magen, knapp drei Kilo Naschwerk und leicht erwärmter Kreditkarte wieder verließen. Danach fuhren wir noch auf den Berg, der diesem Weinanbaugebiet seinen Namen verleiht und von wo aus man einen schönen Blick auf Ort und Rhone hat.

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Mittwoch und Donnerstag fand die Messe dann in Avignon im Papstpalast, im Rathaus und dem Petit Louvre statt. Dort waren die Weine der südlichen Cote du Rhône zu verkosten, welche mir mehr zusagen als die aus Hermitage, zudem sind sie preislich wesentlich günstiger. Mittwoch begann dann leider auch der Mistral, welcher in heftigen Böen durch die Straßen blies, aber auch einen strahlend blauen Himmel über der Provence leuchten ließ.

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Abends waren wir eingeladen – warum, wissen wir selbst nicht so genau – zu einer exklusiven Veranstaltung, bei der es neben edlen Weinen aus Châteauneuf du Pape auch ein verzicktes Büffet gab, unter anderem mit geklammerten Schinkenhäppchen, und das alles für lau.

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Freitag stand die letzte geschäftliche Fahrt an, sie führte nach Châteauneuf du Pape. Ansonsten ließen wir den Tag und den Abend ruhig angehen. Auch der Mistral hatte sich wieder beruhigt.

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Samstag fuhren wir mit einem Auto voller Weinkartons, Trüffel und sonstigen französischen Spezereien zurück nach Bonn, außerdem brachten wir den Frühling mit, nichts zu danken, gern geschehen.

Übrigens: Es macht sich ungerechtfertigter Vorverurteilung schuldig, wer behauptet, der Franzose kommuniziere ausschließlich in seiner eigenen Sprache und lehne jede andere Form der Verständigung kategorisch ab.

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Summernight City

http://www.youtube.com/watch?v=TuZEVL61uFI

Kommt der Sommer nicht im Juni, meckern alle über Kälte, Regen und trüben Himmel. Kommt er dann im Juli endlich, meckern sie auch wieder, über die „unerträgliche“ Hitze. Das ist normal, jedes Jahr wieder. Ich meckere nicht, ich liebe den Sommer mit all seinen Begleiterscheinungen: Temperaturen über 30 Grad, brennende Sonne, Biergarten, Balkon, die Stadt voller Leben, auch nachts, leicht bekleidete Menschen in den Straßen, laue Nächte, in denen man kaum richtig schlafen kann. Na gut, auf diese Gewitter mit Starkregen und Hagel kann auch ich gut verzichten, aber die gibt’s ja nicht nur im Sommer.

Genau so war die vergangene Woche, gleichzeitig die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub. Jeden Abend auf dem Balkon mit mindestens einer Flasche Rosé zu zweit, mit dem Wein kommt die Lust auf Zigaretten, die Stimme der Vernunft, welche gemahnt, besser langsam ins Bett zu gehen, wird ignoriert, es ist ja noch so schön gerade. Am nächsten Morgen mit trüben Augen und Blümeranz ins Büro, und mit dem festen Vorsatz, heute früher ins Bett zu gehen, aber dann ist es wieder so schön, siehe oben.

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Dann das Wochenende: Freitagabend Bierbörse in den Rheinauen mit den großartigen QUEEN KINGS, und viel Bier, wie der Name schon sagt, gestern mit schwerem Kater zum Altglascontainer, Weinflaschen entsorgen. Wenn er könnte, würde er mich wohl schon mit Namen begrüßen. Abends Grillen mit dem Nachbarn und (immerhin nicht ganz so viel) Wein. Lange schlafen, trotz Hitze.

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Heute legt der Sommer eine kleine Pause ein, trübe, aber nicht kalt, ab und zu ein paar Tropfen Regen, die Sonne hat Mühe, sich durch die Wolkenschleier zu kämpfen; immerhin, die Unwetterzentrale meldet „alles grün“. Zum Abendessen wird wohl wieder eine Flasche Wein aufgemacht, danach die erste Zigarette des Tages. Aber mein Körper und ich sind uns einig, dass wir danach zeitig ins Bett gehen. Wenn es nicht gerade wieder so schön ist.