Woche 41/2026: Damen mit gefärbten Haaren und geschlechtsunabhängige Armtätowierungen

Montag: Die Bahnreise mit Buseinlage nach Lichtenstein in Sachsen verlief zwar nicht planmäßig, immerhin besser als befürchtet, nach Abfahrt in Siegburg legte sich meine Nervosität etwas. Für eine Reise mit viermal umsteigen und Schienenersatzverkehr (dieses Wort begeistert mich immer wieder) ist eine zwei Stunden spätere Ankunft vielleicht nicht akzeptabel, jedoch hinnehmbar. Es lag vor allem an der Verspätung des Regionalexpress von Erfurt nach Gera, dadurch war der Busanschluss verpasst und der nächste fuhr erst gut eineinhalb Stunden später.

Ansonsten schien heute Tag der Klassenfahrten zu sein: Schon auf dem Bahnsteig in Siegburg befand sich eine größere Ansammlung Jugendlicher, die mit mir in den ICE nach München stiegen. Im anschließenden ICE von Frankfurt nach Erfurt saß ich inmitten einer solchen Gruppe, die sich trotz Ruhebereich und mehrfacher pädagogischer Ansprache durch den Lehrkörper nicht vom Plappern und Zanken abhalten ließ; hätte ich Strichliste geführt, wie häufig allein das Wort „Digga“ fiel, hätte eine Seite des Notizbuchs nicht ausgereicht.

Gegen halb fünf am Nachmittag erreichte ich das Hotel, früh genug für einen ersten Spaziergang durch die Stadt, wo es auffallend viele Damen mit gefärbten Haaren gibt, bevorzugt in violett und kupferrot. Auffallend auch die hohe Anzahl geschlechtsunabhängiger Armtätowierungen.

Was es auch gibt, ist die Knopf- und Mutzbratenstadt Schmölln, wie das braune Sehenswürdigkeitenschild an der Autobahn 4 ausweist, gesehen während der Busfahrt von Gera nach Glauchau. Was es nicht gibt, jedenfalls heute nicht für mich, weil ich das Passwort nicht weiß und versäumt habe, es zu erfragen, ist WLAN im Hotel. Deshalb kann ich wegen schwachen Mobilfunks erst später recherchieren, was Mutzbraten ist, falls es mich dann noch interessiert.

Dienstag: Das Hotel ist sauber, das Zimmer erfüllt seinen Zweck für drei Übernachtungen völlig. Auf der Rückseite des villenartigen Gebäudes hat man Zugang zu einem kleinen Park, der etwas großspurig „Stadtpark“ heißt. Schönheitsfehler: Das Hotelrestaurant ist nur noch am Wochenende geöffnet, was leider auch das Frühstück einschließt. Es gibt keine Rezeption, für Fragen gibt es eine Telefonnummer. Dennoch hält sich tagsüber im Restaurant- und Küchenbereich Personal auf, was auch immer sie dort tun. Andere Gäste habe ich auch noch nicht wahrgenommen. Alles in allem etwas gespenstisch.

Dafür habe ich gut geschlafen. Nach nicht allzu spätem Ausschlafen begab ich mich in eine Bäckerei in die Innenstadt. Danach ließ ich mich ohne Plan und Ziel durch das Städtchen treiben, erklomm rund hundertfünfzig Treppenstufen zum Schloss, das gerade zu einem Hotel umgebaut wird, und war fasziniert von der riesigen ehemaligen Strumpffabrik in Bahnhofsnähe, einst großer Arbeitgeber der Stadt, nach 1990 stillgelegt und nun unter Denkmalschutz stehend dem sichtlich fortgeschrittenen Verfall preisgegeben. Letzteres trifft auch für nicht wenige weitere Gebäude zu.

Das Hotel, Parkseite
Postkartenblick über Lichtenstein
Strumpffabrikruine
Mutmaßlich vom selben Verfasser wie „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“

Würde das Berufliche Schulzentrum in heutigen Zeiten erbaut, müsste wohl ein weiterer Eingang vorgesehen werden, wobei interessant wäre, was darüber geschrieben stünde. (Verzeihung, das konnte ich mir nicht verkneifen.)

Nachmittags kam ich dann zum eigentlichen Anlass dieser Reise, der Anpassung und Übergabe der Hörgeräte durch die befreundete Akustikerin. Auch wenn es vielleicht noch zu früh für eine abschließende Bewertung ist, bin ich sehr zufrieden damit. Sie passen sich gut ein, und neben dem Hauptzweck der Hörvermögensverbesserung begeistert mich, wie schon bei den vorherigen Probegeräten, die Möglichkeit, darüber Musik zu hören und zu telefonieren. Somit erfüllen sie denselben Zweck wie die weißen Ohrstöpsel, mit denen die jungen Leuten den ganzen Tag herumlaufen, nur unauffälliger. Es gibt also keinen Grund, mich deswegen alt zu fühlen, jedenfalls nicht älter, als ich ohnehin bin.

Mittwoch: Den letzten Tag hier nutzte ich bei bestem Wetter für eine Wanderung durch den Rümpfwald nördlich von Lichtenstein. Abgesehen von einer navigativen Fehlleitung der Komoot-App durch unwegsames Unterholz kurz nach Beginn war die Strecke sehr angenehm auch ohne Wanderstöcke zu gehen, mit nur mäßigen Steigungen und überwiegend auf Waldwegen. Immer wieder geht man an Teichen vorbei, einer davon beherbergt in größerer Anzahl Goldfische und Flusskrebse. An anderer Stelle veranstaltete die Forstwirtschaft rechten Ohres ein Kettensägenkonzert.

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Immer wieder traf ich auf Leute, die mit Körben ausgestattet in die Pilze gingen. Auch ich sammelte ein paar davon, allerdings nur mit der Kamera.

Auch meine Moosbegeisterung wurde wieder angesprochen, großflächige Teppiche bildet hier diese faszinierende Lebensform, die uns Menschen vermutlich um einige Millionen Jahre überleben wird.

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Während der Mittagspause auf einer Bank bei Voigdlaide fragte ich mich, warum belegte Brötchen aus Bäckereifachgeschäften immer diese helle Kleckerpampe enthalten müssen.

Insgesamt war es sehr erfreulich und endete mit Torte, Kaffee und anschließendem Bier auf der Terrasse eines empfohlenen Cafés im Ort.

Danach versuchte ich, Postkarten zu erstehen, die ich beim Abendessen schreiben und anschließend absenden wollte. Leider ohne Erfolg, weder die Post-/Lottofiliale noch die Schreibwarenhandlung führen welche und man konnte mir nicht sagen, wo sie erhältlich seien. Die üblichen, hier mitlesenden Postkartenempfänger mögen sich daher bitte auf diesem Wege als gegrüßt betrachten.

Im Hotel war heute niemand zu sehen, weder morgens beim Verlassen noch nachmittags und abends bei Rückkehr. Immerhin wurde zwischendurch das Bett gemacht, von wem auch immer. Sollte ich in der bevorstehenden letzten Nacht von einer Messerklinge träumen, die im Takte schrillen Geigenstakkatos beim Brausebad in meine Brust einsticht, würde es mich nicht wundern.

Da war er wieder, mein Lieblingsfehler: „Die Frankfurter Buchmesse ruft und unsere Jubiläumsanthologie steht in den Startlöchern und freut sich auf seine Releaseparty.“ steht im Njusletter des Schreiberverbandes, dem auch ich angehöre. Meine freundlich formulierte Antwortmail, wessen Releaseparty gemeint sei, blieb bislang unbeantwortet.

Der Koffer ist gepackt, morgen früh geht es zurück mit fünfmaligem Umsteigen und zweimal Schienenersatzverkehr. Ich sehe dem mit erstaunlicher Gelassenheit entgegen, vielleicht hatte die Hinreise am Montag die heilende Wirkung einer Konfrontationstherapie.

Donnerstag: Die letzte Nacht im verlassenen Hotel verlief ruhig, die Träume blieben unspektakulär. Die Rückreise verlief am äußeren Rande des Rahmens der Erwartung, zehneinhalb Stunden nach Verlassen des Hotels erreichte ich die heimische Wohnungstür. Andere fliegen in der Zeit in ferne Länder. Einige Reiseeindrücke:

Der Bahnhof von Glauchau verfügt noch über eine intakte, saubere Wartehalle mit Buchhandlung, Bäckereigeschäft und Fahrkartenschalter. Andere Städte vergleichbarer Größe haben häufig nicht mal mehr ein Bahnhofsgebäude und man muss froh sein, wenn es Sitzgelegenheiten unter einem zugigen Bahnsteigdach gibt. Sofern sie überhaupt noch einen Bahnanschluss haben.

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Ebenfalls in Glauchau überbrückte der SEV-Busfahrer die Zeit bis zur Abfahrt mit dem Schauen ohrenscheinlich eines Actionfilmes mit viel Geschrei, aufbrausenden Motoren und Reifenquietschen. Auf seine Fahrweise hatte das zum Glück keinen Einfluss. Im Gegensatz zur Hinfahrt führte die Fahrt nach Gera nicht über die Autobahn, sondern durch die Städte mit Bahnhof, unter anderem Meerane, ein gar nicht mal kleiner Ort, von dem ich nie zuvor gehört hatte. Immer wieder sieht man leerstehende, mehr oder weniger verfallene Häuser an der Strecke. In Ronneburg hatten wir in einer schmalen Straße unüberholbar die Müllabfuhr vor uns, was zu einigen Minuten Verspätung führte, die sich insgesamt nicht reiseverlängernd auswirkte.

In Erfurt wurde wegen der verspäteten Regionalbahn aus Hermsdorf-Klosterlausnitz der Anschluss an den ICE nach Frankfurt verpasst und deshalb die Zugbindung aufgehoben. Auch das war nicht schlimm, eine gute halbe Stunde später fuhr der nächste, bis dahin hatte ich genug zu lesen dabei. Letztlich erreichte ich Siegburg/Bonn gut eineinhalb Stunden später als geplant. Hier nun, gleichsam als Sahnehäubchen, ein weiterer, unangekündigter Schienenersatzverkehr bis Sankt Augustin, erst ab dort fuhr die Stadtbahn.

An all dem gemessen war ich bei Ankunft gut gelaunt. Warum auch nicht – abends gingen wir zur Feier des Wiederkehr ins Wirtshaus, morgen habe ich frei.

Freitag: Der freie Tag fühlte sich samstäglich an. Während des Gangs zum Altglascontainer wunderte ich mich über Menschen an der Stadtbahnhaltestelle Stadthaus, die auf die Bahn zum Hauptbahnhof warteten; weiter fährt sie wegen des fortbestehenden Wagenmangels immer noch nicht. Laut Anzeige sollte die nächste Bahn in einundzwanzig Minuten eintreffen. Zu Fuß ist die Distanz in maximal zehn Minuten zu schaffen.

Nachmittags übten wir auf ausdrücklichen Wunsch des Geliebten Winter.

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Samstag: Es ist mal wieder Zeit für die Beantwortung einer der tausend Fragen.

Nr. 67 lautet: „Welche Eigenschaft schätzt du an einem Geliebten sehr?“ Es sei mir gestattet, das Wort „einem“ durch „dem“ zu ersetzen. Am Geliebten schätze ich trotz gelegentlicher Reibungen einiges, unter anderem dieses: Er bringt mich fast täglich zum Lachen, auf unterschiedliche Weise, zum Beispiel indem er Sachen sagt wie „Der Mäusefänger von Harlem“, „Schneewittchen und die Eisheiligen“ oder „Gomorron und Soda“. Oder wenn er Lieder im Radio gesanglich begleitet mit erstaunlicher Textkenntnis und perfekter Beherrschung der Eintonleiter.

Zwei Töne beherrschte hingegen ein roter Einsatzwagen mit der Aufschrift „Zivilschutz“, der abends mit Blaulicht und LALÜ durch die Stadt sauste. So ein Fahrzeug sah ich nie zuvor. Was mag das für ein Einsatz gewesen sein?

Sonntag: Die Profischreiber der FAS können es auch nicht besser – aus einem Artikel über Steuerverschwendung: „Zweifellos nimmt die Mehrzahl der Vertreter in den Ämtern den Job ernst, gibt sein Bestes.“

Doch soll nicht immer nur alles bemeckert und kritisiert werden. In letzter Zeit viel zu kurz gekommen ist die beliebte Kategorie „Was schön war“. Ab sofort soll sie auch in diesem Blog wieder Platz finden, regelmäßig am Sonntag, dem besten Zeitpunkt, um die Woche mit einem positiven Rückblick zu beenden. Schön waren in dieser Woche neben anderem: eine geglückte An- und Abreise, mehrstündige Wanderlust, etwas Alleinzeit, Feuer im Kaminofen und ein herbstlicher Sonntagsspaziergang.

Bonner Südstadt I
Bonner Südstadt II
Immerhin parkt er nicht unbefugt auf dem Behindertenparkplatz

Ach ja, ehe ich es vergesse: Sie kommen doch am kommenden Sonntag ins Kulturbad Rüngsdorf, wenn ich mit drei anderen was vorlesen darf? Bis dahin habe ich hoffentlich auch entschieden, was.

Wann: Sonntag, 18. Oktober 2026, 11:30 Uhr

Wo: Rüngsdorfer KulturBad, Rheinstraße 82, 53179 Bonn

Wer: Lothar Schiefer, Julius Esser, Der Käpt’n, Carsten Kubicki

Weitere Informationen: Hier.

Und falls Sie wissen wollen, was Mutzbraten ist, lesen Sie bitte dort nach.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

17:30

Woche 35/2025: Die erste Liegestuhlprobe verlief erfolgreich

Montag: Morgens auf dem Fahrrad war es recht kühl, vor allem an den Händen. Doch Handschuhe im August erscheinen selbst mir als ausgewiesenem Scheinfrostfühler unangemessen. Auf dem Rückweg war es dann in Anzugjacke fast etwas zu warm. Man hat es nicht leicht.

Dafür, dass die Sommerferien zu Ende sind, war es im Büro und den Nachbarzellen ungewöhnlich ruhig, auch der Eingang an Anliegen in Wort und Schrift war gering. Das darf gerne bis einschließlich Donnerstag so bleiben, danach habe ich Urlaub.

Gelesen bei Herrn Fischer und tatsächlich für gut befunden:

Also (ich hatte kurz überlegt, ob ich „genau“ schreiben sollte, fürchtete aber, dass die Ironie darin nicht rüber käme, weil schon zu viele, selbst von den klügeren viele ständig „genau“ sagen, weil sie sonst selbst nicht wissen, dass sie fertig sind mit Denken, von daher also:
Also: …

Genau.

Dienstag: Eine der wichtigsten Fragen in dieser meteorologischen Übergangszeit: Was ziehe ich an? So, dass es morgens nicht zu kalt und nachmittags nicht zu warm ist. Für den heutigen Fußweg ins Werk und zurück war langärmliges Hemd ohne Jacke genau die richtige Wahl. Auf dem Hinweg schien die Sonne, auf dem Rückweg nicht mehr, es war dennoch sehr warm, was zu einem Feierabendbier am Rheinufer motivierte. Wer weiß wie lange noch, ehe wieder Daunenjacke und Wollmütze erforderlich sind. Ebendiese trug einer, der mir morgens begegnete. Das fand sogar ich übertrieben.

Nachmittags rief mich jemand vom Bonner General-Anzeiger an, um mit mir über die Kündigung des Abonnements zu sprechen, die ich zum Ersten dieses Monats veranlasst hatte. Bereits vergangene Woche hatte er deswegen angerufen, ich hatte ihm die Gründe erklärt: Zunehmend empfinde ich die Berichterstattung als meinungslastig; mich interessiert überhaupt nicht, was unbekannte Menschen zu einem Thema meinen und am allerwenigsten, was sie dazu auf Facebook gepostet haben; das Sahnehäubchen sind Qualitätsmängel im Text wie regelmäßig dieser: „Die Stadt Bonn hat seine Mitarbeiter angewiesen …“. Dafür sind mir über vierhundert Euro im Jahr zu teuer. Das fand der Anrufer schade und wir verblieben, dass ich es mir nochmal überlege (manchmal bin ich zu weich) und er in dieser Woche noch einmal anrufe. Heute also. Zu meinem Erstaunen fragte er mich genau dasselbe wie letzte Woche. Auf meinen Einwand, dass hätte ich ihm doch schon letzte Woche erzählt, ob er sich nicht erinnere, stammelte er so etwas wie „Doch, aber ich wollte nochmal …“ Unnötige Wiederholungen, sei es in Besprechungen oder in Gesprächen wie diesen zerren erheblich an meiner Geduld, mein Tonfall wird dann schnell ungehalten bis genervt. Daran muss ich noch arbeiten. Übrigens habe ich nun das wesentlich günstigere Online-Abo gebucht.

Mittwoch: Die Schule hat wieder begonnen. Auf dem Fahrrad muss man nun wieder besonders achtgeben auf andere Radfahrer, die ohne zu schauen den Weg kreuzen oder von der Seite einbiegen, was mich morgens auf dem Weg zum Büro veranlasste, einen, der mit hoher Geschwindigkeit von vorne rechts kam und unmittelbar vor mir schräg die Straßenseite wechselte, einen Idioten zu schimpfen, was mich wiederum sofort ärgerte; nicht so sehr der Radfahrer, sondern mein verbaler Ausfall. Manchmal passiert es einfach, da kann man nichts machen.

In ein Anforderungsformular schrieb ich als fachlichen Nutzen „Fahlervermeidung“, bemerkte es und freute mich.

Abends im Bett war ich mit dem neuen Buch „Aber?“ von Max Goldt durch, auf dessen Lektüre ich mich sehr gefreut hatte. Es ist mit knapp hundertsechzig Seiten nicht sehr umfangreich, doch auch inhaltlich hatte ich etwas mehr erwartet. Viele der Texte lesen sich wie Verschriftlichungen von Comics des Duos Katz & Goldt, sind es vermutlich auch, das Gedicht zum Schluss machte mich ratlos, was an meiner lückenhaften Lyrikkompetenz liegen mag. Ich vermisse die für ihn typischen Abschweifungen und Themenwechsel innerhalb desselben Textes und Wortschöpfungen wie die legendäre „Klofußumpuschelung“ oder „beliebte Fernkugel“ als Synonym für den Ex-Planeten Pluto aus früheren Büchern. Vielleicht ist er nach so langer Zeit ein wenig aus der Übung und muss erst wieder in den richtigen Schreibfluss kommen. Hoffen wir also auf weitere Bücher von ihm in nicht so ferner Zukunft. Ich werde sie auf jeden Fall kaufen und lesen.

Donnerstag: Besser kann der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub kaum sein. Bis zum Mittag war alles Wesentliche abgearbeitet, bis zum Nachmittag kam nichts Aufwendiges, dringend zu Erledigendes mehr hinzu, so dass ich guten Gewissens und bester Laune den Heimweg antreten konnte, nachdem der Rechner in der Schreibtischschublade verstaut und das dienstliche Telefon ausgeschaltet waren. Da der Regen durch war und die Sonne wieder schien, stand einem urlaubseinleitenden Getränk auf dem Rückweg nichts im Wege.

Laut kleiner kalender ist Maus-flitz-Tag. Ah ja. Demnächst dann vielleicht Beutel-kratz-Tag.

Freitag: Was schön war: der erste Urlaubstag, externes Frühstück mit den Lieben im Sonnenschein, eine störungsfreie Autofahrt nach Beaune im Burgund, das Wiedersehen mit dem freundlichen Hotelpersonal, das erste Glas Burgunder nach der Ankunft, das Abendessen im Hotelrestaurant.

Blick aus dem Hotelzimmer auf ein vorüberziehendes Gewitter

Samstag: Nach dem Frühstück im Hotel verließen wir Beaune mit Ziel Malaucène, wo wir nach staureicher Fahrt am frühen Abend ankamen. Es ist spätsommerlich warm, die Sonne scheint vom blauen Himmel und lässt die Provence in den üblichen Grün- und Ockertönen leuchten. Die erste Liegestuhlprobe verlief erfolgreich. Rosé ist im Kühlschrank. Wir sind sehr zufrieden und freuen uns auf die vor uns liegenden zwei Wochen an diesem wunderbaren Ort.

Apropos zwei – Frage 2 lautet: „Mit wem verstehst du dich am besten?“ Ganz klar: Mit dem Liebsten, und das nun schon seit vielen Jahren. Das schließt gelegentliche Zankereien nicht aus, aber ohne die wäre es ja auch etwas langweilig.

Blaugrün
„So strahlt kein Atommüll“ sagte einer.
Abendglas

Sonntag: Auch der erste Tag hier in Malaucène lag unter blauem Himmel bei Kurze-Hosen-Temperatur, dazu ab Mittag ein leichter Wind. Nach dem ersten Frühstück draußen vor dem Haus blieb ich am Tisch sitzen und stellte diesen Wochenrückblick fertig; heute besonders früh, da nachher Bonner Freundinnen, die ebenfalls zurzeit in Malaucène weilen, zum Grillen kommen. Nach Fertigstellung werde ich mit einem Buch in den Liegestuhl wechseln und dort bis auf weiteres zu einer zufriedenen Freizeitstatue erstarren. Sollte sich im Laufe des Tages noch etwas Berichtenswertes ergeben, wird es nachgereicht. Jetzt entschuldigen Sie mich bitte.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Kommen Sie gut durch die Woche.

13:30

Hitparade der Tragödien

Zeitungen lieben es bekanntlich, nach Unglücken aller Art eine Rückschau auf vergleichbare Ereignisse in der Vergangenheit zu halten – die beeindruckendsten Wirbelstürme der letzten zehn Jahre, die nassesten Überschwemmungen, die bewegendsten Erdbeben. Dieser Tradition hat der Bonner General-Anzeiger nun ein vorläufiges Sahnehäubchen aufgesprüht, als er nach dem Flugzeugabsturz in Kolumbien unter der Überschrift „Tra­gö­dien mit Sport­lern als Op­fer“ Flugzeugabstürze seit 1949 auflistet, bei denen sich Sportmannschaften unter den Opfern befanden. Ich frage mich: Wer will das wissen?

Noch niemals las ich indessen eine Chronik der schlimmsten rechtlich legitimierten Stadt-/Land-/Flusszerstörungen und Vertreibungen durch Menschenhand in Friedenszeiten, dabei spielt sich eine solche seit Jahrzehnten gar nicht weit von hier ab. In diesem Zusammenhang berichtet die oben genannte Zeitung von einem Angriff Unbekannter auf RWE-Mitarbeiter im Braunkohlegebiet Hambacher Forst, bei dem vier Personen leicht verletzt wurden.

Ich betone deutlich, dass ich jede Form von Gewalt verurteile, erst recht wenn dadurch Menschen zu Schaden kommen, und seien es Mitarbeiter eines rechtsstaatlich geschützten Lebensraumvernichters. Und doch glaube ich, durch das Dickicht meiner Ablehnung ganz schwach ein Lichtlein des Verständnisses für diese Aktion leuchten zu sehen.