Hitparade der Tragödien

Zeitungen lieben es bekanntlich, nach Unglücken aller Art eine Rückschau auf vergleichbare Ereignisse in der Vergangenheit zu halten – die beeindruckendsten Wirbelstürme der letzten zehn Jahre, die nassesten Überschwemmungen, die bewegendsten Erdbeben. Dieser Tradition hat der Bonner General-Anzeiger nun ein vorläufiges Sahnehäubchen aufgesprüht, als er nach dem Flugzeugabsturz in Kolumbien unter der Überschrift „Tra­gö­dien mit Sport­lern als Op­fer“ Flugzeugabstürze seit 1949 auflistet, bei denen sich Sportmannschaften unter den Opfern befanden. Ich frage mich: Wer will das wissen?

Noch niemals las ich indessen eine Chronik der schlimmsten rechtlich legitimierten Stadt-/Land-/Flusszerstörungen und Vertreibungen durch Menschenhand in Friedenszeiten, dabei spielt sich eine solche seit Jahrzehnten gar nicht weit von hier ab. In diesem Zusammenhang berichtet die oben genannte Zeitung von einem Angriff Unbekannter auf RWE-Mitarbeiter im Braunkohlegebiet Hambacher Forst, bei dem vier Personen leicht verletzt wurden.

Ich betone deutlich, dass ich jede Form von Gewalt verurteile, erst recht wenn dadurch Menschen zu Schaden kommen, und seien es Mitarbeiter eines rechtsstaatlich geschützten Lebensraumvernichters. Und doch glaube ich, durch das Dickicht meiner Ablehnung ganz schwach ein Lichtlein des Verständnisses für diese Aktion leuchten zu sehen.

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