Woche 47: Gesang, Nahverkehrsbeobachtungen und eine Postleitzahl

Montag: Meine ersten Gedanken des Tages fand ich an einem Laternenpfahl recht gut auf den Punkt gebracht:

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So schlimm wurde der erste Nachurlaubstag dann aber nicht.

Dienstag: Es erfüllt mich mit Stolz, am heutigen Tage heraustreten zu dürfen aus der langen Reihe derjenigen, die noch niemals mit Vicky Leandros auf einer Bühne gesungen haben. Möge der Himmel alle schlimmen Dinge von ihr fern halten. (Köln, Rudolfplatz)

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Mittwoch: Am Morgen saß mir in der Bahn ein junger Mann mit extravaganter Frisur gegenüber. Das lange Deckhaar, bei aufrechter Haltung elegant gescheitelt um den Kopf geschwungen, fiel ihm in seiner bevorzugten, tief über sein Datengerät gebeugten Sitzposition als dichter, etwa vierzig Zentimeter langer Vorhang über das Gesicht. Ihn dabei zu beobachten, wie er im Halbminutentakt die Tolle abwechselnd mit der Hand oder mit einem zur Seite gewandten Kopfzucken beiseite zu bewegen suchte, was das Haar, der Schwerkraft gehorchend, wenig beeindruckte, war mindestens so interessant wie mein Buch. – Dem einen fallen die Haare ins Gesicht, dem anderen, mir, komische Sachen ein. Inspiriert von einer Werbung, deren Inhalt beziehungsweise beworbenen Gegenstand ich nicht erinnere, kam mir eine Idee: Wäre es nicht wunderbar, einen Reparaturservice für Gitarren, Harfen und Geigen zu gründen, nur um ihn Saitenwechsel nennen zu können?

Donnerstag: Der Tag begann mit Morgenrot. Darum, unter anderem, ist es am Rhein so schön.

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Hinweis an die Stadtwerke Bonn: Der Stadtbahnwagen 7753 ist eine Schrottkarre. Ein Sitzpolster liegt nur noch lose auf dem Rahmen, und der Spaltrost hat eine zentimeterbreite, dreckgefüllte Lücke zwischen Fenstereinfassung und Innenverkleidung getrieben. Bitte den Wagen bald modernisieren oder ausmustern.

Freitag: Die Zeitung berichtet von den subversiven Umtrieben des bayrischen Sängers Christ­oph Wei­he­rer. Dieser ruft dazu auf, die im Einzelhandel gern gestellte Frage nach der Postleitzahl stets mit 25541 zu beantworten, wodurch die schleswig-holsteinische Stadt Brunsbüttel gewisse Aufmerksamkeit erlangt. Er soll für sein Anliegen bereits eine größere Anhängerschaft gefunden haben, was laut Bericht erste Händler im Raum Augsburg dazu bewogen hat, sich den Ausweis des Käufers zeigen zu lassen. Ich finde die Aktion sehr gut und würde mich gerne daran beteiligen, fürchte jedoch, dass ich mir die Postleitzahl 25541 nicht merken kann.

Samstag: Irgendwann muss ich aufhören, Menschen zu hassen, weil sie langsam vor mir her gehen und auf ihr Display starren. – Tag 1 unseres Konzerts im „Jot Jelunge“ lief gut.

Sonntag: Sekt schmeckt in Verbindung mit den Endorphinen eines gelungenen Auftritts besonders gut. Auch ohne Vicky.

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