Woche 53: Winterfeeling im Wertstoffhof

Montag: „Endlich ist dieses Jahr vorüber“, hört man sie nun sagen, als ob bereits ab Freitag alles wie zuvor wäre. Doch will ich nicht die Stimmung trüben. Freuen wir uns vielmehr, endlich wird auch bei uns geimpft was die Spritzen hergeben. Anlässlich dessen zwang mich die Tagesschau gestern Abend, achtmal schaudernd den Blick vom Fernseher abzuwenden, weil eine Nadel in einen meist runzeligen Oberarm getrieben wurde. Bei fünfzehn Minuten Sendezeit ergibt das durchschnittlich alle 1,9 Minuten bzw. 113 Sekunden einen Stich. Hoffen wir, dass es auch die Impfablehner überzeugt.

Dienstag: Offenbar haben die Leute „zwischen den Jahren“ nichts besseres zu tun, als in Scharen nach Winterberg und in die Eifel zu fahren, weil dort Schnee liegt. Viel mehr als Straßen und Parkplätze zu verstopfen können sie dort nicht machen – Skilifte, Hotels und Lokale sind bekanntlich geschlossen. Lange Schlangen laut Radiomeldung auch vor den örtlichen Wertstoffhöfen, weil viele die Entsorgung ihrer Abfälle offenbar mit einem Familienausflug verbinden. Vielleicht hoffen sie, zusammen mit dem alten Fernseher auch das alte Jahr symbolisch loszuwerden, kann man ja keinem verdenken.

Abfall zu produzieren ist nunmal wesentlicher Bestandteil menschlicher Natur. Um die übrige Natur ein klein wenig zu schonen, ersannen wir die Abfalltrennung in Wertstoffhöfen und bunten Tonnen, immerhin. Nicht alle verstehen das Prinzip, wie immer wieder festzustellen ist. Es bedarf schon erstaunlicher Phantasie, mehrere Liter nicht mehr benötigten (flüssigen) Tapetenkleisters als Verpackungsmüll zu deklarieren und in den dafür vorgesehenen Behälter zu füllen. Vielleicht wollte mir der Geliebte auch nur ein wenig Blogstoff liefern. Oder ich bin in diesen Dingen zu empfindlich, wird doch nur ein sehr geringer Anteil der Verpackungsabfälle wieder verwertet, wie ich kürzlich las, der Rest wird zusammen mit Haarschnitt, Hausstaub und Hundekot der Verbrennung zugeführt.

Auch der Liebste und ich verbanden heute die Abholung von Schaumwein im Ahrtal mit einer kleinen Ausfahrt durch die Eifel, indes unbeschneit.

(Beide Bilder entstanden am späten Nachmittag oberhalb von Mechernich-Wachendorf; das Ding da im Feld ist kein Futter- oder Raketensilo, sondern die Bruder-Klaus-Kapelle, ein recht eigenwilliger Sakralbau.)

Aus gegebenem Anlass: Werter Herr Saitenbacher, ich habe keinen Grund, an der hohen Qualität Ihrer Produkte zu zweifeln. Dennoch versichere ich Ihnen, niemals eins davon zu kaufen. Grund ist die wirklich unerträgliche Reklame dafür.

Mittwoch: Nur weil Weihnachten vorüber ist, heißt das nicht, der Paketbube hätte bei uns nichts mehr zu tun. Heute brachte er ein weiteres Glasgefäß unbekannter Zweckbestimmung für den Geliebten, der in letzter Zeit eine unerklärliche Sammelleidenschaft für Bleikristall entwickelt hat. In Anlehnung an Loriot ausgedrückt: Die Menschheit wird gerade von einem Virus hingerafft, aber wir haben Zuckerdosen und Milchkännchen.

Erkenntnis: Man muss nicht jeden Abend zwei Flaschen Wein trinken. Eine genügt auch.

Donnerstag: Am letzten Tag des Jahres wird traditionell der Jahresrückblick ins Tagebuch eingetragen.

Ob er nach Sattel schmeckt, fragte der Liebste abends bei Verkostung eines Bordeaux, den Experten als „ein önologisches Violinkonzert“ bezeichnen. Ich habe nicht die leiseste Idee, wie ein Sattel schmeckt, und Sie sehen mich in banger Hoffnung, das weder im neuen Jahr noch irgendwann danach erfahren zu müssen.

Freitag: Da das önologische Silvesterkonzert mehrere Zugaben erfuhr, verließ ich das Bett erst am späteren Mittag. Warum auch nicht, das neue Jahr ist nachmittags auch noch da.

„Das beste kommt noch“, las ich während des Ernüchterungsspaziergangs auf einem Zettel, den jemand hinter seiner Fensterscheibe befestigt hat. Das wollen wir doch hoffen. Es ist im Übrigen sehr ungewöhnlich, am Neujahrstag durch weitgehend saubere Straßen zu gehen. Nur vor unserer eigenen Hauseinfahrt liegt eine größere Ansammlung bunter, glitzernder Foliensterne auf der Straße, die dort nicht näher bezeichnete Personen in der Silvesternacht geräusch- und raucharm verstreut haben. Das ist einerseits eine Sauerei, andererseits hübscher anzusehen als die Glasscherben, Raketenabschussrampen, Böllerfetzen und Brechlachen der Vorjahre.

Samstag: Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, verursacht Polarluft in höheren Lagen „ein brauchbares Winterfeeling“. Was auch immer das sein soll und wer es braucht. Vielleicht hält das die Leute davon ab, weiterhin massenhaft nach Winterberg und in die Eifel zu fahren, weil sie den Winter auch vor der Haustür feelen.

Wenn Sie in der Schule in Physik gut aufgepasst haben, wissen Sie vielleicht noch, was Diffusion ist. Sehr gut zu beobachten ist dieser Vorgang zurzeit in unserer Straße, wo die bunten Sterne durch Wind und Autoreifen langsam in entferntere Stadtteile diffundieren.

Auch Herr B geht gerne spazieren, und zwar mit offenen, offenbar nicht überwiegend auf ein Datengerät gerichteten Augen. „Es war, ich möchte mich da festlegen, der bisher beste Tag des Jahres“, enden seine Betrachtungen über den Neujahrstag.

Sonntag: Morgens gegen halb sechs aufgewacht und vermutlich nicht wieder eingeschlafen, dennoch durfte ich erst gegen zehn das Bett verlassen, bitte fragen Sie nicht. Wozu sollte ich auch an einem Sonntag früher aufstehen, der Carpe-Diem-Gedanke lässt sich auch im Liegen sinnierend gut verwirklichen. Wie ich mal gelesen habe, hat man Leute, die an häufiger Schlaflosigkeit litten, in einem Schlaflabor vermessen, und siehe da: Ohne es selbst zu merken, schlummerten sie wie ein Igel in seiner Winterhöhle. Deshalb schrieb ich eben „vermutlich“. Nur weil man etwas nicht bemerkt, bedeutet das nicht zwingend, dass es nicht stattfindet.

Vermutlich hat mein ermüdeter Körper in den vergangenen zehn Nächten genügend Schlaf getankt, irgendwann ist es damit auch mal gut. Morgen ist es damit ohnehin vorbei, wenn wieder die innere Werkssirene heult. Wenn es Ihnen ähnlich ergeht, wünsche ich uns einen angenehmen Start in die neue Arbeitswoche. Lassen Sie es ruhig angehen und sich nicht hetzen, das Jahr ist noch jung.

Was ich auch gelesen habe: Offenbar kann oder konnte man beim Bachmann-Wettbewerb den Ernst-Willner-Preis gewinnen. Auch ohne Kenntnis, wer Ernst Willner ist oder war und warum in seinem Namen Preise vergeben werden, finde ich das ganz wunderbar. (Damit sind alle Notizen der Woche in diesem Rückblick verwurstet, was ich auch ganz wunderbar finde.)

Woche 24: Einfache Lösungen

Montag: „Nachhaltiges Motorradfahren darf nicht zu Kompromissen in der Leidenschaft führen“, lese ich zum Thema Elektro-Motorrad im mir zufällig in die Hände geratenen zweifelhaften Testesteronblättchen eines Herstellers nicht minder zweifelhafter koffeinhaltiger Energiegetränke.

Noch was zu Pfingsten:

„Wer ahnte, daß zum Weihnachtsfest

Cornelia mich sitzen lässt?

Das war noch nichts: zu Ostern jetzt

hat sie mich abermals versetzt!

Nun freu’ ich mich auf Pfingsten –

nicht im geringsten!“

Heinz Erhardt

Dienstag: Meine derzeitige Stadtbahnlektüre: „Tagebuch schreiben“ von Olaf Georg Klein. Interessantes Buch. Demnach schrieb 1834 ein gewisser Ralph Waldo Emerson: „Jede unwillkürliche Abneigung, die in deinem Inneren aufsteigt, verdient Beachtung. Sie ist der Widerschein einer zentralen Wahrheit.“

Wesentlich profaner dagegen, was ein nicht minder gewisser Carsten K einhundertdreiundsiebzig Jahre später, offenbar nach sittenlosem Treiben, notierte: „Es war ganz nett, aber manche Dinge bedürfen bei Tageslicht nicht unbedingt einer Wiederholung.“ Ziemlich betrübt dagegen der Eintrag einige Monate später, rückblickend habe ich keine Ahnung, was mich da drückte: „Eigenartige düstere persönliche Stimmung, wie ein Schatten, eine Vorahnung, aber von was? Vor allem: Warum empfinde ich eine Art Befriedigung dabei? Ich fühle mein Ende nahen und finde das auch noch gut. Werde ich langsam verrückt?“ Es lohnt sich wirklich, ab und zu mal in alten Tagebüchern zu blättern.

Christian Wüst schreibt im aktuellen SPIEGEL zum Thema Segen der Digitalisierung:

„Dass Google und die anderen Wundertüten des Silicon Valley beim Beseitigen läppischer Lästigkeiten große Kollateralschäden verursachen, jedoch kein einziges echtes Problem lösen, ist für den von Siri umsorgten Konsumtölpel nicht erkennbar – und vielleicht auch gar nicht von Interesse. […] Die Datenspeicher, in denen die globale Kakophonie der sozialen Netzwerke zusammenfließt, zählen zu den größten Verbrauchern im Stromnetz.“ 

Mittwoch: „Komplexität entsteht nur, wenn man die Dimensionen vermischt“, sagt der Projektleiter, der nicht müde wird zu betonen, er bevorzuge einfache Lösungen, in einer nicht enden wollenden Besprechung. Ein Satz, dem eine gewisse Esoterik innewohnt. Wenig professionell dagegen die für alle Teilnehmer sichtbaren, an die Wand projizierten Mailbenachrichtigungen, welche im Minutentakt, begleitet von einem Signalton, aufblenden.

Sehr professionell dagegen am Abend der Triebfahrzeugführer der verspäteten RB 48 auf dem Weg nach Bonn, der um Entschuldigung bittet, dass wir nicht vom schnelleren RE 5 überholt werden.

Donnerstag: Laut Zeitungsbericht möchte ein gewisser Horst Burbulla in den Bonner Rheinauen durch die Stadt Bonn einen hundertsechzig Meter hohen Aussichtsturm bauen lassen und ihn dann für fünfzig Jahre pachten. Mit Verlaub: Sollte wirklich die Stadt Bonn den Turm bauen, kann Herr Burbulla froh sein, wenn er in fünfzig Jahren fertig ist.

Freitag: Auch in unserer geordneten zivilisierten Welt ist nicht zu übersehen, dass der Mensch im Grunde noch immer ein wildes, von Instinkten gesteuertes Tier ist.

KW24 - 1

Samstag: Samstag in der Stadt. Ich bin der Meinung, jedes Betätigen der Autohupe sollte mit einer Gebühr von mindestens fünf Euro belegt werden, welche automatisch mit der Kraftfahrzeugsteuer eingezogen wird.

Sonntag: Laut Meldung in der Sonntagszeitung mögen einundfünfzig Prozent der befragten Berufstätigen die Arbeitszeit genauso wie die Freizeit. Seltsamerweise ist mir noch niemand begegnet, der das von sich behauptet. Siehe auch Eintrag vom Dienstag, erster Absatz.

 

#499 – 10 Jahre „Alltägliches und Ausgedachtes“

Heute vor zehn Jahren eröffnete ich das Blog „Alltägliches und Ausgedachtes“ auf blog.de. Der erste Eintrag trug die wenig originelle, gleichwohl zutreffende Überschrift „Da bin ich…“. Ich zitiere daraus:

„Es soll Leute geben, die schreiben ein Blog in der Hoffnung, dass es möglichst viele lesen und sie vielleicht sogar ihre mehr oder weniger geistreichen Kommentare abgeben. Mir ist es vollkommen egal, ob das hier irgendjemand liest, ich schreibe das nur für mich. Kommentare? Bitte, wenn Sie es nicht lassen können, schreiben Sie; auch das ist mir ziemlich egal. Meine intimsten Gedanken werde ich hier sicher nicht zum Ausdruck bringen, die bleiben meinem Tagebuch vorbehalten (ja, so ein richtiges Buch mit Seiten aus Papier, in das man mit einem Stift schreibt, die älteren unter Ihnen kennen so etwas vielleicht noch).

Warum ich dann überhaupt hier bin, fragen Sie? Nun: Es ist schlicht und einfach meine Freude am Schreiben. Und ich werde versuchen, das hier regelmäßig zu tun. Über was? Weiß ich noch nicht. Über den Alltag vielleicht. Vielleicht auch Geschichten, die ich irgendwo gehört oder mir selbst ausgedacht habe.“

Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert, vor allem die Schreibfreude erfreut sich nach wie vor stabiler Gesundheit, wobei ich gerne zugebe, dass mir Gefallensbekundungen und Kommentare keineswegs egal sind und sie mich geschmeichelt erröten lassen. Gleichwohl halte ich nicht nach, ob nach einer neuen Veröffentlichung hundert, zehn oder zwei hier reinschauen, oder gar keiner. Insofern begegne ich Ratschlägen, wie man die Reichweite und Besucherzahl seines Blogs erhöhen kann, noch immer mit Schulterzucken. Geringe Popularität hat ihre Vorzüge: Nahezu unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit kann ich ohne Hemmungen Gedanken mit nur geringer Jugendfreiheit notieren oder über Kirche, Religion, Erdogan, Kinder, Hunde und Katzen herziehen, ohne einen Shitstorm zu riskieren.

Ich will Sie nicht mit Statistikdaten langweilen oder gar mit Besucherzahlen protzen, zumal es da nicht viel zu protzen gäbe. Nur soviel: Bis heute sind (mit diesem) 499 Beiträge erschienen, also fast einer je Woche. Kurz war ich versucht, einen weiteren zwischenzuschieben, um heute stolz die Zahl 500 verkünden zu können, aber den hebe ich mir für nächste Woche auf, so gibt es einen Anlass, eine weitere Flasche Sekt zu öffnen.

Eine Zeit lang pflegte ich den „Blogtausch“ mit anderen Bloggern, das heißt, ich veröffentlichte deren Texte bei mir, und sie dafür Zeilen aus meiner Feder bei sich, zum Beispiel hier, da und dorten. Diese schöne Tradition ist leider wieder eingeschlafen, ich würde sie jedoch gerne fortsetzen, falls sich freiwillige Tauschpartner finden.

Im Juni 2013 trat ich den Bonner Ironbloggern bei, was mich seitdem drängt, mindestens einmal wöchentlich etwas zu schreiben; vorher geschah dies nicht ganz so regelmäßig. Hierdurch kam ich in Kontakt mit weiteren Bonner Bloggern, die gemeinsamen Abende waren stets sehr angenehm und in kühle Getränke gerahmt. Schade, dass nicht noch mehr Schreiber bei den Eisernen mitmachen, ich kann nur dafür werben.

Als besondere Ehre empfand und empfinde ich es nach wie vor, einige meiner Texte persön- und öffentlich vortragen gedurft zu haben, zum Beispiel hier:

Jourfitz, Köln, 5. April 2011 (1)

Jourfitz, Köln, 5. April 2011 (2)

#Mimimimi!, Bonn, 20. Februar 2016 (ab Minute 45)

Mitte Dezember 2015 wurde blog.de geschlossen, deshalb musste ich mir eine neue Bleibe suchen und zog mit komplettem Inventar hierher nach WordPress um. Das klappte problemlos, seitdem fühle ich mich hier heimisch. Übrigens gehen die Meinungen darüber auseinander, ob es das oder der Blog heißt, laut Duden ist beides erlaubt. Mir persönlich gefällt das Neutrum etwas besser, aber das ist natürlich, wie so vieles im Leben, Geschmacksache.

So erhebe ich nun mein Glas auf Sie, liebe Leserinnen und Leser! Es freut mich, wenn Sie regelmäßig oder nur ab und zu hereinschauen, ob sie dies nun mit einem „Gefällt mir“ oder Kommentar kundtun oder nicht. Und wer weiß, vielleicht bekomme ich das mit dem Shitstorm auch noch irgendwann hin.

Stöckchen: Neunzehnhundertachtundachtzig

Frau serotonic hat ein virtuelles Stöckchen gefangen, mit welchem sie aufgefordert wurde, in ihrem Blog einen Blick zurück auf ihr persönliches Jahr 2003 zu werfen. Da ich das für eine schöne Idee halte, rief ich bereitwillig „hier“, als sie sich anschickte, das Stöckchen weiter zu werfen. Und da ich schon ein alter Sack bin und die Stöckchenwerferin das offenbar weiß, wies sie mir das Jahr 1988 zu – ganz schön lange her. Aber nach einem Blick ins Tagebuch und auf diverse Musikkassetten gelingt auch mir dieser Rückblick mühelos. Alsdann:

Mein Jahr 1988

Alter: süße 21 Jahre.

Beziehung: Weit entfernt von einer solchen, dafür verzweifelt auf der Suche. Zeitweise ahnte ich bereits, dass ich möglicherweise in die falsche Richtung schaute, was ich aber ein weiteres Jahr lang mehr oder weniger erfolgreich verdrängte.

Beruf: Im August beendete ich meinen Vorbereitungsdienst für den „mittleren nichttechnischen Postdienst“ und durfte mich nach erfolgreich bestandener Laufbahnprüfung fortan mit der Dienstbezeichnung „Postassistent zur Anstellung“ schmücken. Damals war es noch einfach, die Frage „Was machst du beruflich“ zu beantworten: Schalterbeamter bei der Deutschen Bundespost.

Musik: Nichts bestimmtes, dieses Zeug der späten Achtzigerjahre halt. Hier eine repräsentative Auswahl: „Ship Of Fools“ von World Party, „Standing On Higher Grounds“ von Alan Parsons Projekt, „True Faith“ von New Order, „Ayla“ von Flash And The Pan, „Never Tear Us Apart“ von INXS und „Heart´s Desire“ von Gerry Rafferty (B-Seite von „Shipyard Town“. Wenn Sie nicht wissen, was eine B-Seite ist, scheuen Sie sich nicht, zu fragen.)

Haare: Weiß ich nicht mehr genau, leider (oder zum Glück) gibt es von mir so gut wie keine Bilder aus der Zeit. Vermutlich etwas länger als heute. Jedenfalls war es morgens immer ein Kampf mit Geltube und Fön, den ich meist verlor – selten lagen sie so, wie ich es gerne gehabt hätte.

Aufenthaltsort: Bielefeld-Stieghorst, in meinem Elternhaus, inklusive Verpflegung und Wäscheservice gegen ein geringes monatliches Entgelt, welches „Kostgeld“ genannt wurde. Bis zur ersten eigenen Wohnung sollten noch fünf Jahre vergehen, auch wäre daran mit meinem schmalen Jungbeamtensalär 1988 noch gar nicht zu denken gewesen.

Fazit: Insgesamt war 1988 kein schlechtes Jahr für mich, jedoch liegt es mir fern, mich in jene Zeit zurück zu sehnen. Früher war nicht alles besser, nur vieles anders.

Wenn Sie nun auch das Stöckchen fangen wollen – die Adresse finden Sie oben.

Tagebuch

In seinem Blog schmerzwach forderte Jannis Ende November dazu auf, in unseren alten Tagebüchern zu stöbern, Fotos davon zu machen und daraus zu zitieren. Ich halte das für eine wunderbare Idee, daher folge ich seinem Aufruf gerne. Seit 1986 schreibe ich mehr oder weniger regelmäßig Tagebücher, bis heute, ich erwähnte es schon. Im Gegensatz zu heute, wo man gar nicht genug Leser haben kann für seine Blogs, Tweets und so weiter, hatte ich damals eine geradezu panische Angst, jemand könnte mein Tagebuch lesen. Daher schrieb ich in deutscher Sütterlin-Schreibschrift, die ich mir kurz zuvor selbst beigebracht hatte. Die Schrift habe ich bis heute beibehalten, denn auch heute noch möchte ich nicht alles, was den Weg in mein Tagebuch findet, von anderen gelesen wissen, zumal das meiste eh höchst uninteressant sein dürfte.

Zur Sache nun: Der nachfolgende Eintrag ist vom 29.11.1992. Ich war mal wieder verliebt (das waren immer die Zeiten, wo meine Tagebücher Hochkonjunktur hatten); leider währte die Gegenliebe nur kurz und erodierte bald zu „Wir können ja Freunde bleiben“. Im Abklingbecken meiner Gefühle entstanden die beiden folgenden Gedichte. Ich neige sonst nicht zu Lyrik, aber hier passte es ganz gut:

*

Chaos
Ich sage dir, daß alles in Ordnung ist zwischen uns.
Ich sage dir, daß ich darüber hinweg bin.
Ich erzähle dir sogar alles von dem anderen.
Ich bemühe mich, das alles selbst zu glauben.
Ich versuche zu vergessen, was war.
Doch wie die Sonne an einem bewölkten Tag
kommt die Wahrheit immer wieder durch
und wirft mich zu Boden.
Dann tut es noch so weh wie am Anfang.
Aber ich weiß, daß die Zeit für mich arbeitet…
Und das gibt mir wieder Hoffnung!

Am selben Tag schrieb ich:

Cognitive Dissonanz
Du sagst, wir passen nicht zusammen.
Mein Verstand sagt das auch.
Nur mein Herz will das einfach nicht begreifen.
Und du wunderst dich, daß ich unausgeglichen bis?

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