Abgeschrieben: Morgenmuffel

Die Menschheit teilt sich bekanntlich in ,Eulen‘ und ,Lerchen‘. Darüber hinaus gibt es Menschen, denen verbale Kommunikation sowohl am frühen Morgen als auch am Abend zuwider ist, ein adäquates Äquivalent aus dem Tierreich hierzu ist mir nicht bekannt. Als gebürtiger Ostfestfale vermeide ich hingegen von Natur aus jedes unnötige gesprochene Wort, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Müsste ich mich jedoch zwischen Eule und Lerche entscheiden, dann genießt der Nachtvogel unzweifelhaft meine Sympathie.

Daher freue ich mich sehr, hier mal wieder einen Text von einem meiner Lieblingsblogs, Mind-Penetrator, präsentieren zu dürfen, dem ich nichts hinzuzufügen habe. Viel Vergnügen!

***

„Guten Morgeeeeeeeeen!!!!!!!!“
„…..“

Außer einem kehligen Raunen darf man von mir keine Antwort erwarten. Und je fröhlicher der morgendliche Gruß ausfällt, desto wütender und muffeliger werde ich. Und desto schlechter wird der Morgen des vermeintlich freundlich Grüßenden. Ich hasse gute Laune am frühen Morgen, ebenso wie die Menschen mit den Kreissägen, die man tatsächlich deutschlandweit überall antrifft. Man kann hinziehen, wo man will, irgendwo wohnt er, der Mann mit der Kreissäge und er zögert nicht, diese in aller Herrgottsfrühe samstags morgens zu benutzen. Und wenn es keine Kreissäge ist, ist es ein Rasenmäher. Und es muss natürlich samstags morgens sein, um den Leuten, die einen gesunden Schlaf haben und sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche auf einen Tag des Ausschlafens freuen, zu zeigen, wie arbeitsfreudig man morgens um 8 Uhr schon sein kann. Und wie lange man mit einer Kreissäge durcharbeiten kann. Irgendwann werde ich ihn finden… Es gibt nur ein Problem: wenn ich aufwache, bin ich keiner Sprache mächtig und nur bedingt bewegungsfähig.

Ich wache nicht auf, ich evolutioniere morgens. Angefangen von einem tierischen Knurren, das eindeutig an den hinterhältigen Wecker gerichtet ist, schaffe ich es nach etwa 5 Minuten, meinen Arm soweit zu bewegen, dass meine Hand in Höhe des Weckers gelenkt wird. Dann werden die Muskeln entspannt, die Hand landet mehr oder weniger gezielt auf der „Snooze“-Taste und ich schlafe weiter. Für 5 Minuten. Das Spiel wiederholt sich etwa viermal, dann ist der linke Arm wach. Mühsam lasse ich mich aus dem Bett fallen, die Beine funktionieren – meistens. Der Rücken ist die aufrechte Position noch nicht gewöhnt und so schleifen die Handrücken mehr oder weniger über den Boden – wie ein Neandertaler übe ich mich am aufrechten Gang. Glücklicherweise funktioniert mein Orientierungssinn, der mich ordnungsgemäß ins Badezimmer leitet. Dies funktioniert allerdings nur in der eigenen Wohnung, schlafe ich woanders, stellt sich mir das ein oder andere Mal heimtückisch eine Wand in den Weg – die ich nicht sehe, denn die Augenlider sind noch schwer und geschlossen. Glücklicherweise, denn so bleibt mir der Blick in den Spiegel erspart, der mich vermutlich unwillkürlich zurückschrecken ließe. Nach der Dusche kann ich aufrecht gehen, bin der Sprache allerdings noch nicht mächtig. Hier ist es wichtig, etwaigen Besuch vorzuwarnen. Wir bekommen keine Probleme, sofern er auch ein Morgenmuffel ist, es wird kurz und freundlich geknurrt und jeder schleppt sich weiter seines Weges. Sollte allerdings ein fröhlicher Frühaufsteher da sein, könnte sein Morgengruß durch ein Fauchen erwidert werden und dies gilt es durch eben jene Warnung zu vermeiden. Auf zur Kaffeemaschine. Mein Orientierungssinn bringt volle Leistung, der linke Arm ist bereits zur Höchstform aufgelaufen. Nachdem der Kaffee die Kehle runterrinnt, kann ich langsam mit Sprachübungen starten. Es ist kein richtiges „Guten Morgen“, mehr ein „mrgnnnnn“… Vokale sind zu umständlich für die frühe Uhrzeit.

Äußerst unglücklich ist es, wenn es in der Familie einen Frühaufsteher und zwei Morgenneandertaler gibt. Meine Mutter ist ein fideler Frühaufsteher und wenn ich damals zur Schule musste, hatte man das Gefühl, die 2000 Worte, die sie in einer Stunde des Wachseins nicht aussprechen konnte, weil niemand freiwillig so früh aufsteht, mussten raus, wenn ich aufwache. Die Worte verhallten zwischen den drei Weckern und meinem Knurren. Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden konnten, waren zumindest irgendwie zu handhaben mit einem kurzen „grm“ für „ja“ und „grmgrmmmm“ für „nein“. Bis sie mich aus den Federn geschmissen hatte, war sie meist mit den Nerven am Ende, aber irgendwie hatte sie sich noch ein Stück guter Laune aufgehoben für den zweiten Morgenmuffel… meinen Vater. Während ich bereits bewegungsfähig aus dem Bad lief, wurde er freundlich geweckt, gefolgt von 20 Fragen und kurzen Einschüben, was heute morgen schon alles passiert sei. Auch dieses Mal wurde es nur mit einem kurzen Knurren gewürdigt. Ich glaube, einmal hat er es geschafft, „nachher“ herauszubringen.

Es ist immer diese kleine Differenz zwischen den Frühaufstehern und den Morgenmuffeln, nur diese eine Stunde am Morgen, die dem glücklichen Tag entgegensteht.

Liebe Frühaufsteher, habt Mitleid mit uns. Wir quälen uns jeden Morgen und wir fänden es auch schöner, gut gelaunt aufstehen zu können. Es geht aber leider nicht – warum auch immer. Egal, wann ich ins Bett gehe, ich werde morgens nicht fit sein – und schon gar nicht freundlich!

Und erst wenn ich im Auto sitze, das Radio einschalte und losfahre, fühle ich mich als Mensch, bis der erste VOLLIDIOT WIE DER LETZTE NEANDERTALER DURCH DIE GEGEND FÄHRT!!!!!!

Quelle: http://mindpenetrator.blogspot.de/2012/09/morgenmuffel.html

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