Abgeschrieben: Morgenmuffel

Die Menschheit teilt sich bekanntlich in ,Eulen‘ und ,Lerchen‘. Darüber hinaus gibt es Menschen, denen verbale Kommunikation sowohl am frühen Morgen als auch am Abend zuwider ist, ein adäquates Äquivalent aus dem Tierreich hierzu ist mir nicht bekannt. Als gebürtiger Ostfestfale vermeide ich hingegen von Natur aus jedes unnötige gesprochene Wort, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Müsste ich mich jedoch zwischen Eule und Lerche entscheiden, dann genießt der Nachtvogel unzweifelhaft meine Sympathie.

Daher freue ich mich sehr, hier mal wieder einen Text von einem meiner Lieblingsblogs, Mind-Penetrator, präsentieren zu dürfen, dem ich nichts hinzuzufügen habe. Viel Vergnügen!

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„Guten Morgeeeeeeeeen!!!!!!!!“
„…..“

Außer einem kehligen Raunen darf man von mir keine Antwort erwarten. Und je fröhlicher der morgendliche Gruß ausfällt, desto wütender und muffeliger werde ich. Und desto schlechter wird der Morgen des vermeintlich freundlich Grüßenden. Ich hasse gute Laune am frühen Morgen, ebenso wie die Menschen mit den Kreissägen, die man tatsächlich deutschlandweit überall antrifft. Man kann hinziehen, wo man will, irgendwo wohnt er, der Mann mit der Kreissäge und er zögert nicht, diese in aller Herrgottsfrühe samstags morgens zu benutzen. Und wenn es keine Kreissäge ist, ist es ein Rasenmäher. Und es muss natürlich samstags morgens sein, um den Leuten, die einen gesunden Schlaf haben und sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche auf einen Tag des Ausschlafens freuen, zu zeigen, wie arbeitsfreudig man morgens um 8 Uhr schon sein kann. Und wie lange man mit einer Kreissäge durcharbeiten kann. Irgendwann werde ich ihn finden… Es gibt nur ein Problem: wenn ich aufwache, bin ich keiner Sprache mächtig und nur bedingt bewegungsfähig.

Ich wache nicht auf, ich evolutioniere morgens. Angefangen von einem tierischen Knurren, das eindeutig an den hinterhältigen Wecker gerichtet ist, schaffe ich es nach etwa 5 Minuten, meinen Arm soweit zu bewegen, dass meine Hand in Höhe des Weckers gelenkt wird. Dann werden die Muskeln entspannt, die Hand landet mehr oder weniger gezielt auf der „Snooze“-Taste und ich schlafe weiter. Für 5 Minuten. Das Spiel wiederholt sich etwa viermal, dann ist der linke Arm wach. Mühsam lasse ich mich aus dem Bett fallen, die Beine funktionieren – meistens. Der Rücken ist die aufrechte Position noch nicht gewöhnt und so schleifen die Handrücken mehr oder weniger über den Boden – wie ein Neandertaler übe ich mich am aufrechten Gang. Glücklicherweise funktioniert mein Orientierungssinn, der mich ordnungsgemäß ins Badezimmer leitet. Dies funktioniert allerdings nur in der eigenen Wohnung, schlafe ich woanders, stellt sich mir das ein oder andere Mal heimtückisch eine Wand in den Weg – die ich nicht sehe, denn die Augenlider sind noch schwer und geschlossen. Glücklicherweise, denn so bleibt mir der Blick in den Spiegel erspart, der mich vermutlich unwillkürlich zurückschrecken ließe. Nach der Dusche kann ich aufrecht gehen, bin der Sprache allerdings noch nicht mächtig. Hier ist es wichtig, etwaigen Besuch vorzuwarnen. Wir bekommen keine Probleme, sofern er auch ein Morgenmuffel ist, es wird kurz und freundlich geknurrt und jeder schleppt sich weiter seines Weges. Sollte allerdings ein fröhlicher Frühaufsteher da sein, könnte sein Morgengruß durch ein Fauchen erwidert werden und dies gilt es durch eben jene Warnung zu vermeiden. Auf zur Kaffeemaschine. Mein Orientierungssinn bringt volle Leistung, der linke Arm ist bereits zur Höchstform aufgelaufen. Nachdem der Kaffee die Kehle runterrinnt, kann ich langsam mit Sprachübungen starten. Es ist kein richtiges „Guten Morgen“, mehr ein „mrgnnnnn“… Vokale sind zu umständlich für die frühe Uhrzeit.

Äußerst unglücklich ist es, wenn es in der Familie einen Frühaufsteher und zwei Morgenneandertaler gibt. Meine Mutter ist ein fideler Frühaufsteher und wenn ich damals zur Schule musste, hatte man das Gefühl, die 2000 Worte, die sie in einer Stunde des Wachseins nicht aussprechen konnte, weil niemand freiwillig so früh aufsteht, mussten raus, wenn ich aufwache. Die Worte verhallten zwischen den drei Weckern und meinem Knurren. Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden konnten, waren zumindest irgendwie zu handhaben mit einem kurzen „grm“ für „ja“ und „grmgrmmmm“ für „nein“. Bis sie mich aus den Federn geschmissen hatte, war sie meist mit den Nerven am Ende, aber irgendwie hatte sie sich noch ein Stück guter Laune aufgehoben für den zweiten Morgenmuffel… meinen Vater. Während ich bereits bewegungsfähig aus dem Bad lief, wurde er freundlich geweckt, gefolgt von 20 Fragen und kurzen Einschüben, was heute morgen schon alles passiert sei. Auch dieses Mal wurde es nur mit einem kurzen Knurren gewürdigt. Ich glaube, einmal hat er es geschafft, „nachher“ herauszubringen.

Es ist immer diese kleine Differenz zwischen den Frühaufstehern und den Morgenmuffeln, nur diese eine Stunde am Morgen, die dem glücklichen Tag entgegensteht.

Liebe Frühaufsteher, habt Mitleid mit uns. Wir quälen uns jeden Morgen und wir fänden es auch schöner, gut gelaunt aufstehen zu können. Es geht aber leider nicht – warum auch immer. Egal, wann ich ins Bett gehe, ich werde morgens nicht fit sein – und schon gar nicht freundlich!

Und erst wenn ich im Auto sitze, das Radio einschalte und losfahre, fühle ich mich als Mensch, bis der erste VOLLIDIOT WIE DER LETZTE NEANDERTALER DURCH DIE GEGEND FÄHRT!!!!!!

Quelle: http://mindpenetrator.blogspot.de/2012/09/morgenmuffel.html

Abgeschrieben: Unbegabt

Manchmal, oder eher: selten entdecke ich in einem Blog einen Text, bei dem ich denke: Genau, das bin ich! Dies trifft auf den Text „Unbegabt“ in dem von mir sehr geschätzten und wärmstens empfohlenen Blog Mind-Penetrator zu, vor allem die Stelle mit dem Sport. Mit freundlicher Erlaubnis darf ich ihn hier wiedergeben. Viel Vergnügen!

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„Das ist aber ein schönes Bild, so bunt. Soll das ein Herbstwald sein?“
„Nein, das ist eine Giraffe!“

So fing es an. Malen war nie meins. Unglücklicherweise malt man sehr viel in seiner Schullaufbahn. Eigentlich werden die Bilder immer anspruchsvoller… mit Fluchtpunkten und Aquarell. Und jeder meiner Klasse entwickelte sich weiter. Die Bilder wurden ausgehängt und die Eltern konnten stolz die Werke ihrer Kinder bestaunen. Meine Eltern nicht. Nie. Die Bilder verschwanden vor der Ausstellung auf mysteriöse Weise. Vielleicht auch Glück für meine Eltern, sonst hätten sie das Trauerspiel noch schön reden müssen.
Einmal sollten wir uns einen Arbeitspartner suchen und ein Portrait zeichnen. Mein Arbeitspartner hat danach nie wieder mit mir gesprochen.

Ton- und Holzfiguren waren da schon einfacher… die Arbeit mit nach Hause nehmen, das Häufchen Elend Mutter in die Hand drücken, die glücklicherweise ein besseres Händchen dafür hatte, und machen lassen. Sie hat eine glatte 2 dafür bekommen.

Es ist nicht so, als hätte ich nicht gewollt, aber ich konnte es einfach nicht. Das hält sich hartnäckig bis heute.

Man kann ja nicht alles können. Dafür könnte man ja sportlich sein. Nunja. Nein. Ich habe mir während des Sportunterrichts zwei Mal den Arm gebrochen. Nicht bei extravaganten Turnübungen, Stabhochsprung oder waghalsigen Figuren am Reck oder an den Ringen. Soweit wäre ich nie gegangen. Ich habe Geräteturnen ohnehin gehasst. Dieser blöde Bock wurde beim Daraufzulaufen immer höher… ein Wolkenkratzer und das vergleichsweise minimalitische Sprungbrett verschwindend klein. Grundsätzlich habe ich eine Sekunde vorher abgedreht und mich wieder hinten in die Schlange eingereiht.
Den Arm hatte ich mir beide Male beim Joggen gebrochen. Einmal bin ich ausgerutscht, das andere Mal gegen die Wand gelaufen. Ja, ich bin schon eine Sportskanone.
Ballspiele endeten in einer Katastrophe. Badminton hat sich mir bis heute nicht erschlossen: ein derart winziger Schläger für einen vergleichsweise großen Ball… Und das Netz… wieso muss da ein Netz hängen?
Brennball.. für mich ein winzig kleiner Ball, den man in der Unendlichkeit der Sporthalle aufheben – im schlimmsten Fall – fangen muss.
Bei Fußball endete der Spaß gänzlich, nachdem ich mit voller Wucht derart heftig angeschossen wurde, dass ich wie ein Pappmännchen zu Boden ging.

Sportfeste waren der Gipfel meiner Erniedrigung. Es gibt viele Fotos mit den Teilnehmern, die stolz ihre Ehren- und Siegerurkunden in den Händen halten. Von mir nicht. Ich war grundsätzlich froh, wenn ich es beim Weitsprung überhaupt in den Sand schaffte, beim Ballwurf niemandem den Ball vor den Kopf warf und beim Laufen die Endmarke erreichte. Mein ganzer Stolz war es, weder mich selbst, noch andere verletzt zu haben.

Aber es gab ja auch Musikunterricht. Angefangen beim Blockflötenspiel. Ich hasse Blockflöten. Dieses dissonante Gefiepe, bei dem man möglichst stolz drein blicken muss, während das Kind mit strahlenden Augen „Alle meine Entchen“ zum Besten gibt. Ich habe mich erfolgreich gegen Blockflöten gewehrt und habe mich an dem Keyboard versucht. Nach einigen Übungsstunden und blutenden Ohren meiner Zuhörer gab ich es auf. Zum Wohle meiner Mitmenschen.
Beim Singen im Musikunterricht konnte ich glänzen. Dachte ich. Nach der 3. Stunde nahm unser Musiklehrer mich beiseite. Mit der Bitte, ab sofort nur noch die Lippen zu bewegen, ohne einen Ton zu erzeugen.

Musikalisch bin ich also auch nicht.

All das liegt lange zurück und ich habe mich nie unterkriegen lassen. Grundsätzlich probiere ich neue Sachen aus, um zu sehen, wie talentfrei ich genau in diesem Bereich bin. So weiß ich wenigstens, was ich alles nicht kann. Oder was ich weniger nicht kann.
Bälle, Musikinstrumente und Malwerkzeuge sind aus meinem Leben verschwunden. Ebenso wie eine Werkzeugkiste. Möbel zusammenbauen ist auch eher ein Nicht-Talent von mir. Eigentlich war es nur ein Nachttischchen mit 4 Brettern und 3 Schrauben. Es kostete mich einen Tag, ca. 1 Liter Blut. Schließlich war es fertig, hatte allerdings linkerhand einen Riss von rechts unten nach links oben. Die Kunst ist, es so hinzustellen, dass die Macke nicht mehr auffällt.

Kochen ist ebenso eines meiner vielen Nicht-Talente. Bekannte und Familie nehmen vorher ein großes Mahl ein, denn bei mir gibt es meistens Kleinigkeiten, die zwar gut aussehen können, aber weder satt machen noch besonders schmackhaft sind. Dafür gibt es bei mir genug alkoholische Getränke – als Wiedergutmachung – und zum Nachspülen.

Wenn man nicht-talentiert ist, sollte das größte Talent sein, all sein Nicht-Können charmant zu vertuschen. Es bedarf viel Humor. Und genau das kann ich: über mich selber lachen. Mich davon nicht beeindrucken lassen. Und wenn mich jemand fragt, was ich besonders gut kann, antworte ich: „Nichts. Aber das kann ich richtig gut und mit voller Leidenschaft.“

Und dann schaue ich mit verträumten Blick aus dem Fenster und stelle mir vor, wie ich mit einer Gitarre in der Hand an den Ringen Kunststücke vollbringe und nebenher ein Nachttischchen zusammenbaue.

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Quelle: http://mindpenetrator.blogspot.de/2012/08/unbegabt.html

Abgeschrieben: Die Anatomie des Aufregens

Dass mich in letzter Zeit eine gewisse Twitter-Müdigkeit beschleicht, erwähnte ich unlängst. Umso mehr freut es mich, wenn ich dann bei meinen seltener gewordenen Besuchen dort auf Twitterer stoße wie den @Mindpenetrator1, der nicht nur sehr gut zwitschert, sondern unter dem Namen Mind-Penetrator auch ein sehr lesenswertes Blog über Alltägliches betreibt. Mit seiner freundlichen Erlaubnis hier eine Kostprobe seines Schaffens. Viel Vergnügen!

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Der nachfolgende Text wurde unter heftigstem Gefluche geschrieben, da der PC seinen Job wieder nicht vernünftig erledigt hat!!!!!

Ich habe nun schon einige Blogposts über die kleinen Aufreger des Alltags verfasst. Doch wie sieht er eigentlich aus, der kleine Aufreger? Über die ganz kleinen Ärgerlichkeiten bis hin zu den größeren?

Es gibt verschiedene Typen des Aufregens, die nach Charakter, Tagesform und natürlich auch dem Auslöser an sich zu unterteilen sind. Und es ist immer wieder erfrischend festzustellen, wie andere Leute ihrem Unmut Luft machen – es erfrischt aber auch nur, wenn man Beobachter der Situation ist und nicht selber der Auslöser war.

Da gibt es die Leute, die in jeder Situation die Contenance behalten, ruhig bleiben, manchmal sogar lächeln. Man kann sich mit ihnen nicht streiten, da sie von einem stetigen Ruhepol umgeben werden, der ihnen nicht das geringste Anzeichen von Wut erlaubt. Ein „Heuwägelchen“ und die Welt ist wieder in Ordnung.

Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Im Gegenteil, wenn ich wütend bin und ich dann noch angelächelt werde, treibt mich das endgültig zur Weißglut. Ich selber bin eher etwas cholerisch. Nicht immer. Aber wenn ich allein bin und mich niemand sieht, dann können schon Dinge das Fliegen lernen. Zuletzt war es Bärchenwurst. Ich will ja nichts kaputt machen.

Der PC ist heutzutage einer der größten Wutanfallauslöser. Jeder kennt die Problematiken und die damit verbundenen Fluchattacken. Man hört von Leuten plötzlich Neologismen im Schimpfwortrepertoire, auf die man so nicht kommen würde „DreckskackendePissarschsau…“ Sie wissen schon, der normale Wutausbruch eben.
Sollte der PC weiterhin störrisch bleiben und sich von den Schimpfwörtern unbeeindruckt zeigen, muss Gewalt her. Wenn man die Maus durchs Zimmer wirft, wird er schon sehen, was er davon hat. Auf der Arbeit würde ich so etwas natürlich nicht tun, zumeist gibt es dort keine kabellosen Mäuse und das darauffolgende Gespräch mit dem Chef dürfte auch unangenehm werden.
Im Normalfall nimmt der Kopf einige Minuten später wieder eine gesunde Hautfarbe an und die Adern senken sich wieder an ihre dafür vorgesehenen Stellen. Im besten Fall.

Die mutwillige Verletzung des Zehs durch ein Möbelstück ist ebenfalls gern einen Aufreger wert. Nachts hat man Durst, möchte etwas trinken und plötzlich taucht die Kommode aus dem Nichts auf und stößt gegen den Zeh. Hier ist man meist zu müde, um sich böse Schimpfworte einfallen zu lassen, in diesem Fall reicht ein gezielter Tritt gegen das hinterhältige Möbelstück, mit dem man den anderen Fuß ebenfalls lädiert, aber wenigstens mit einem triumphierenden Grinsen. Mistding.

Politik… auch ein Aufreger par excellence. So weitreichend. So endlos. Und so sinnlos. Entweder wird man aktiv oder man nimmt die Situation als gegeben hin. Wenn ich stundenlang im Wohnzimmer mit Freunden oder der Familie darüber diskutiere, hilft das niemandem. Man frisst es nur nicht in sich hinein. Ich habe die These aufgestellt, dass politische Themen als Lückenfüller auf Geburtstagen herhalten. Das Gezeter hilft keinem, aber man hat wenigstens ein Thema, auf dem kollektiv herumgehackt werden kann.

Die Dreistheit mancher Leute treibt uns regelmäßig in den Wahnsinn. Ob es der penetrante Drängler mit seinem dicken Gefährt auf der Autobahn ist oder ein frecher Verkäufer, der gierig auf seine Provision ist.

Straßenverkehr: Schätzungsweise wurde das wüste Fluchen und Beschimpfen hier erfunden. Jeder war mit Sicherheit schon einmal kurz davor, in sein Lenkrad zu beißen, weil die Anderen, die Vollidioten, die den Führerschein im Lotto gewonnen haben, einfach nicht in der Lage sind, vernünftig zu fahren. Vorfahrtnahme, dreistes Drängeln, wildes Überholen. Stau. Man steigt gut gelaunt ins Auto ein und ist nach 20 Minuten an dem Punkt angelangt, einfach aus dem Wagen zu steigen und zu gehen. Wie Michael Douglas in „Falling Down“. Speziell an Sommertagen gleicht die Autofahrt einer rivalisierenden Fehde von Einzelkämpfern. Ich kann mir dieses Phänomen bis heute nicht erklären, versuche mittlerweile aber, bei schönem Wetter das Auto stehen zu lassen. Aus Umweltschutzgründen. Und aus Selbstschutz. Es ist ein weitläufiges Thema, der Straßenverkehr. Wenn man Fahrrad fährt, sind die Autofahrer nicht vorsichtig genug, fährt man nächsten Tag Auto, sind die Fahrradfahrer die Idioten. Eigentlich stört alles und jeder.
Sicherlich basiert vieles auf der Unfähigkeit mancher Leute, vieles sind Mißverständnisse, klären werden wir das Thema allerdings nie.

Provisionsgeile Verkäufer. Wir sind mittlerweile geimpft, nichts zu schnell zu kaufen, alles zu prüfen und uns nichts aufschwatzen zu lassen. Das klappt bei Versicherungen und Staubsaugervertretern, in Klamottenläden sind wir dem meist jedoch schutzlos ausgeliefert. Während der Verkäufer wortgewandt auf den hilflosen Käufer einredet, wie TOLL die neue Hose an ihm aussieht, versuche ich meistens, den Blick des Käufers zu erhaschen und vorsichtig den Kopf zu schütteln. Es hängen ja auch überall Spiegel, aber wenn der Verkäufer eben sagt, dass das jetzt SO getragen wird, dann muss er ja Recht haben. Spätestens zu Hause fliegt die neu gekaufte Hose in die Ecke.

Manchmal sehen wir über etwas hinweg, weil wir gut gelaunt sind, weil wir Zeit genug haben, weil jedem von uns mal Fehler passieren:
Dann hat der Postbote eben geschellt und ihm war nunmal heute nicht danach, die Stufen hochzutraben, um das Paket abzugeben. Nun liegt ja der Abholschein im Briefkasten, aber man hat Zeit und kann sein Paket auch selber abholen. Solange dies das einzig unangenehme Vorkommnis des Tages ist, hat man ja kein Problem.
Bin ich mit dem falschen Fuß aufgestanden oder habe mich bereits auf der Arbeit oder im Straßenverkehr geärgert, wird die Fahrt zur Abholstelle sowohl für die Autofahrer im Umkreis als auch die Mitarbeiter am Schalter der Post eher weniger erfreulich.

Es gibt noch viele andere Aufreger und es kommen jeden Tag neue dazu. Letztlich ärgern wir uns, wenn wir kritisiert werden, verletzt werden, wenn wir keine Zeit haben, in Hektik sind und es kommt etwas dazwischen, wenn uns Geld abgeluchst wurde für irgendein unnützes Zeug, wenn wir selber etwas verbocken und uns dabei über uns selber ärgern.
Zum Beispiel, wenn man eine Uhr reparieren will. Auf einem Holztisch. Und schon eine Unterlage benutzt, um den Tisch nicht zu vermacken. Das Gehäuse zuschraubt. Die Uhr hochnehmen will. Feststellt, dass die Uhr am Tisch festgeschraubt ist. Durch die Unterlage durch. Ein Loch im Tisch.
#?!&%$@*%!!!!
Die nachfolgenden Minuten hätte selbst der Tonmeister bei RTL wegzensiert.

Aufreger haben eben keine bestimmte Anatomie, sie können laut und heftig sein, ein deftiger Tritt gegen Gegenstände, ein Knurren. Ein zartes „Ach herrje, das ist aber gar nicht schön“. Soll das ein Fluchen sein? Das ist doch kein Fluchen! Wenn man flucht, da muss man doch laut… also das regt mich jetzt echt auf!!!

Ein fröhliches „Heuwägelchen“!

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Quelle: http://mindpenetrator.blogspot.de/2012/06/die-anatomie-des-aufregens.html