Woche 46/2022: Wenn man sich wohlfühlt und Schweinefutterzusatzstoff als Zufluchtsort

Montag: Gewundert, mal wieder, über Kollegen, die ohne Not sonntags Mails schreiben.

Nach Feierabend suchte ich ein namhaftes Kaufhaus in der Bonner Innenstadt auf. Dort ist nun ein Teil der Rolltreppen außer Betrieb genommen worden, zur Energieersparnis, wie große, direkt vor den stehenden Treppen angebrachte Tafeln verkünden. Deswegen sind die stehenden Stufen nicht zugänglich, die Treppen somit auch als Nichtrolltreppen unbenutzbar. Stattdessen ist der Konsument, je nachdem, von welcher Seite er kommt, genötigt, nach Ankunft in der nächsten Etage eine Runde durch die Abteilung zu gehen, um per noch rollender Treppe ins nächste Stockwerk zu gelangen. Als Gernegeher beanstande ich das nicht, vielmehr frage ich mich, warum man überhaupt nur per Rolltreppe ins nächste Stockwerk gelangt, warum gibt es nicht auch ganz normale Treppen? Vermutlich gibt es die, irgendwo versteckt, wo man sie nicht auf Anhieb findet. Ich bin der Meinung, für Menschen ohne körperliche Einschränkungen oder unhandliche Traglasten gibt es keinen vernünftigen Grund, überhaupt eine Rolltreppe zu benutzen; Aufzüge erst ab fünf Stockwerken.

Dienstag: Erstmals kam es zu einem persönlichen Treffen mit Leuten eines IT-Dienstleisters, mit denen ich seit fast zwei Jahren gut und gerne zusammenarbeite und die ich bislang zwar regelmäßig, aber nur virtuell traf, und von denen ich zumindest teilweise nicht einmal wusste, wie sie aussehen, da sich kamerabegleitete Teams-Besprechungen bei uns erst langsam durchzusetzen beginnen, was ich bislang nicht vermisste. Das persönliche Treffen war sehr angenehm, wenngleich mir dabei deutlich wurde, wie wenig ich auch größere nicht-virtuelle Besprechungsrunden, bis März 2020 alltäglich, vermiss(t)e.

Abends aßen wir gemeinsam in einem vietnamesischen Restaurant, in dem ich bislang nicht gewesen war und das aufzusuchen ich mich ohne diese Einladung so bald auch nicht veranlasst gesehen hätte, manchmal hat man unerklärliche Vorbehalte gegenüber Unbekanntem. Das Essen war sehr gut, nicht zuletzt auch wegen der auf meinen Wunsch hin unterlassenen Korianderbeigabe. Mir ist völlig unerklärlich, wie man Koriander mögen kann. Ähnlich muss es schmecken, wenn man sich Seife über das Essen raspelt.

Mittwoch: Donald Trump hat (auf seinem Anwesen, wie berichtet wird) verkündet, demnächst wieder als Präsidentschaftskandidat antreten zu beabsichtigen. Als ob die Welt gerade nicht genug Krisen zu verkraften hätte.

Auf dem Rückweg zu Fuß vom Werk schnappte ich Gesprächsfetzen auf: „Das ist schon ganz nice“ und „Da hat man dann seinen eigenen space.“ Vielleicht ist das der Grund, warum junge Menschen heute kaum noch ohne Kopfhörer in der Öffentlichkeit anzutreffen sind, womöglich mögen sie den Unfug, den ihre Altersgenossen so von sich geben, einfach nicht hören. Beziehungsweise Altersgenossinnen, in diesem Falle war beides gesprochen von jungen Frauen. Sicher Zufall, es liegt mir fern, anzunehmen oder gar zu unterstellen, vor allem junge Frauen redeten dummes Zeug. Auch dieser Satz kam von einer jungen Frau: „Ich glaube, man bringt die beste Leistung, wenn man sich wohlfühlt.“ Wer wollte dem widersprechen.

Apropos wohlfühlen: Die Glühweinbude am Rheinpavillon hat nun wieder abends geöffnet. Das ist sehr erfreulich.

Besonders nice mit einem Hauch Amaretto

Nach Rückkehr musste ich mir von meinen Lieben anhören, ich röche wie ein Weihnachtsmarkt. Das war es wert.

Donnerstag: Heute legte ich mal wieder einen Inseltag ein, also einen anlasslos freien Tag zwischendurch. Warum ich diese Tage nicht auf einen Freitag oder Montag lege, werde ich gelegentlich gefragt. Nun: Ich mag diese Inseln im Fluss der Werktätigkeit. Die Arbeitswoche bis Mittwoch ist dadurch angenehm kurz, und am Freitag naht das Wochenende. Wohingegen sich die Rückkehr nach einem verlängerten Wochenende oft besonders mühsam anlässt. Darum Inseltage. Diesen nutzte ich für eine Wanderung durch die Wahner Heide südöstlich von Köln, die schon länger im Geplant-Ordner bei Komoot angelegt war. Das Wetter zeigte sich gnädig, nur ein paar wenige Regentropfen verlangten für kurze Zeit nach einer Kapuze, ansonsten blieb es trocken und mild.

Sehen Sie:

Bei Rösrath, kurz nach Betreten der Heide

Ebenfalls bei Rösrath

Vor Altenrath

Hinter Altenrath

Bei Lohmar

Vor Troisdorf. Im Vordergrund etwas verblühte Heide, also das namensgebende Kraut.

Während der Bahnfahrt nach Köln hörte ich eine Frau zu ihrem Begleiter sagen: „Ich finde das echt schwer, den Überblick zu behalten mit dem ganzen ab den Sechzigerjahren.“ Ich habe nicht genau mitbekommen, um was es ging; als 1967 Geborener stimme ich ihr jedenfalls uneingeschränkt zu.

Freitag: Manchmal, wenn ich Präsentationen anderer Bereiche sehe, bin ich froh, mit welchen Themen ich mich nicht beschäftigen muss.

Heute eröffnete der Bonner Weihnachtsmarkt. Unser Besuch am Abend fühlte sich unwirklich an, was nicht nur an den Männern in kurzen Hosen lag, die ich dort sah. Wie in besseren Zeiten strömten Menschen in großer Zahl durch die Budengassen und labten sich an Bratwurst, Backfisch und Warmgetränken. Erstmals wieder ohne Corona-Beschränkungen wie Masken, Impf-/Testnachweis und Abstände, als wäre es vorbei. Ich kritisiere das nicht, auch für mich hat die Seuche mittlerweile ihre Bedrohlichkeit weitgehend eingebüßt. Wenngleich mir bewusst ist, dass ich mich jederzeit erneut infizieren kann, nächstes Mal vielleicht mit langfristigen Folgen. Doch scheint mir die Gefahr zurzeit nicht größer, als während der Radfahrt ins Werk von einem Auto angefahren zu werden oder, wenn ich zu Fuß gehe, von einem irren Radfahrer, der während des Rasens durch die Fußgängerzone seine Aufmerksamkeit statt dem Fahrweg lieber dem Datengerät widmet.

Ist das wirklich so schwer?

Samstag: Im Rheinauenpark, durch den ich gelegentlich nach dem Mittagessen eine kleine Runde drehe, fand heute ein „Trauermarsch für die Nutrias“ statt, steht in der Zeitung. Damit will eine Initiative gegen das Abschießen der Tiere protestieren, die sich dort in den letzten Jahren mangels natürlicher Feinden stark vermehren und zunehmend aggressiv-futterfordernd gegenüber Parkbesuchern auftreten, wie mir meine Kollegin aus eigener Erfahrung bestätigte. Statt letaler Entnahme solle man sie sterilisieren, so die Forderung der Trauernden. Wie schön, wenn man keine anderen Probleme hat.

Ich werde alt. Das wurde mir mittags wieder auf dem Weihnachtsmarkt deutlich, wo ich einen bestimmten Stand suchte, den wir am Vorabend gesehen hatten, um auf Geheiß des Geliebten Trinkgefäße zu kaufen. Erst nach mehreren erfolglosen Runden über den Münsterplatz, wo ich mich mit den bereits um diese Tageszeit zahlreichen Besuchern im Tempo eines Gletschers durch die Gänge treiben ließ, fiel mir ein, dass sich der Stand in der Vivatsgasse befindet, wo ich ihn – immerhin – sofort fand und die Bierkrüge erstand.

Zahlreich auch die Kraniche, die nachmittags auf dem Weg Richtung Süden über das Haus zogen.

Nur eine von mehreren Formationen

Sonntag: Über Twitter wollte ich eigentlich nichts mehr schreiben. Einmal noch: Viele beklagen nun dessen Übernahme durch Elon Musk, der dort seitdem wütet und alles aus den Angeln zu heben im Begriff ist. Sie sehen sich dadurch aus ihrer digitalen Heimat vertrieben und beabsichtigen, Twitter zu verlassen oder haben es bereits getan. Als Zufluchtsort wird Mastodon genannt, was für mich weiterhin wie ein Schweinefutterzusatzstoff klingt.

Auch ich fühlte mich einst bei Twitter sehr wohl. Zehn Jahre lang, von 2009 bis 2019, betrieb ich dort einigermaßen – nun ja: erfolgreich ein Konto, hatte zeitweise mehr als tausend Follower. Mit der Zeit schwand die Freude daran, an meinem zehnten Jahrestag löschte ich das Konto. Die Gründe dafür habe ich hier und dort dargelegt. Doch bereits im August 2020 verspürte ich erneut Lust, wieder dabei zu sein, und legte mir einen neuen Anschluss zu. Was ich vorfand, war ein anderes Twitter als das, in dem ich mich früher so wohlgefühlt hatte. Zahlreiche derer, mit denen ich in gegenseitigem Gefolge verbunden war, fand ich wieder und folge ihnen erneut. Nur finde ich keinen Anschluss mehr: Fast keiner von ihnen folgt zurück, und wenn ich was schreibe, bleibt es ohne jede Resonanz. Wie ein Junge, der am Rand steht und den anderen beim Ballspielen zusieht, aber nicht mitspielen darf. Ein schlechtes Beispiel – ich verabscheue Sportarten mit Bällen. Besser dieses: Vielleicht kennen Sie die Szene von und mit Loriot, wo ein älterer Herr an einem Festessen teilnimmt und versucht, mit seinen Tischnachbarn ins Gespräch zu kommen, die sich untereinander bestens unterhalten, ihn jedoch beharrlich ignorieren. – Ich beklage das keineswegs im Sinne von „Keiner hat mich lieb“, bemerke es nur. Deshalb schaue ich nur noch unregelmäßig rein, noch seltener schreibe ich was. Wenn Herr Musk es demnächst stilllegen sollte, ist mir das egal. Mit Mastodon habe ich es bereits vor ein paar Monaten versucht, mich dort aber noch weniger wohl gefühlt. Daher ist das Konto längst wieder gelöscht.

Mit diesem Blog ist es ähnlich, mit dem Unterschied, dass es niemals „erfolgreich“ war und auch nicht sein soll. Dennoch beobachte ich jedes Mal mit einem ganz leicht in Richtung Neid tendierenden Gefühl, wenn in den Blogs, die ich regelmäßig lese, auf andere Blogs verwiesen wird, während das von mir hier Verfasste weitgehend unbeachtet bleibt. Das mag an dessen Qualität liegen, vielleicht weil es weder vegan noch gegendert ist. Wobei andere, die einfach nur täglich ganz knapp schreiben, was sie gegessen, getrunken und gelesen haben, dafür regelmäßig Gefallensbekundungen in zweistelliger Anzahl erhalten. (Die Gefällt-mir-Sternchen für dieses Blog würde ich übrigens gerne deaktivieren, finde die entsprechende Funktion bei WordPress aber nicht. Wenn jemand weiß, wie das geht, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar.) Bitte verstehen Sie auch das nicht als larmoyante Klage gegen die böse Blogwelt, es ist einfach so. Es gibt schlimmeres, zum Beispiel Koriander oder wenn irgendwo von „Mitgliederinnen und Mitgliedern“ zu lesen ist. – Ein paar regelmäßige Leserinnen und Leser gibt es hier, und darüber freue ich mich sehr. Daher wird dieses Blog weiterhin bestehen und regelmäßig beschrieben, selbst wenn Elon Musk irgendwann WordPress kaufen sollte, oder Donald Trump.

Diese Betrachtung ist nun länger geworden und hätte für einen separaten Aufsatz gereicht. Aber das würde dem Thema den Anschein einer Bedeutung verleihen, die es nicht hat.

Zum Schluss was Positives: Beim Spaziergang heute haben zweimal Autofahrer angehalten, um mich die Straße queren zu lassen, obwohl sie es nicht gemusst hätten. Daher nicht immer nur meckern.

Ein zusammenhangloses Bild vom Spaziergang

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Kommen Sie gut durch die Woche, lassen Sie sich nicht ärgern und umfahren.

Woche 45/2022: Weiterhin mild

Montag: Ein Wochenbeginn ohne nennenswerte Ereignisse. Vielleicht dieses: Auf der Rückfahrt vom Werk wurde ich auf dem kombinierten Rad-/Fußweg von einem Fußgänger beschimpft, nachdem ich zunächst wegen Gegenverkehrs einige Meter hinter ihm her und dann, als frei war, langsam an ihm vorbeifuhr. Seine in äußerst unfreundlichem Ton vorgetragene und mit wachsender Entfernung leiser werdende Anregung, ich solle gefälligst auf der Straße fahren, nahm ich unkommentiert hin, zumal eine Diskussion über die Bedeutung des Verkehrszeichens 240 wenig zielführend erschien. Stattdessen nahm ich mir vor, es abends im Blog zu vermerken, was hiermit erledigt ist.

Dienstag: Mittags in der Kantine gab es für mich, da sich vor beiden (!) Currywurst-Schaltern lange Schlangen gebildet hatten, Pappadelle Pomodoro, zu Deutsch Breitbandnudeln mit roter Soße. Der Mann hinter der Nudeltheke fragte jeden, obwohl es dort nur dieses eine Gericht gab: „Für Sie die Pasta?“ Ich war kurz versucht, Nein zu sagen, nur um zu sehen, was er dann macht, nahm davon aber Abstand, weil ich Hunger hatte (wegen einer Präsentation der obersten Werksleitung war ich eineinhalb Stunden später dran als üblich), zudem wollte ich den Betrieb nicht unnötig aufhalten.

Auf dem Rückweg zu Fuß war es schon fast dunkel und weiterhin ungewöhnlich mild. Ich mag es, wenn die Lichter der Radfahrer nebenan (sofern sie es anschalten und auf dem Radweg bleiben), Jogger (außer wenn mir ihre Stirnlampen ins Gesicht blenden) und Rheinschiffe an mir vorbeiziehen. Und am Rheinpavillon ist schon die Glühweinbude aufgebaut, heute noch geschlossen; somit dauern die Rückwege demnächst wieder eine Glühweinlänge länger.

…

Mittwoch: Im Friseursalon, den ich seit Jahren besuche, arbeitet eine sehr nette Dame am Empfangstresen. (Es ist ein ziemlich großer Salon, daher allein zu Empfangs- und Kassierzwecken eine eigene Mitarbeiterin ohne Frisierbefugnisse.) Bislang siezte sie mich, was weder zu hinterfragen noch zu beanstanden war. Bis heute: Bei meinem Besuch am Abend duzte sie mich mit irritierender Selbstverständlichkeit. Ich sprach sie darauf an, vorausschickend, dass es mich nicht stört und wir gerne dabei bleiben können. Mich interessierte nur, warum; vielleicht war ja ein Gebot der Geschäftsleitung ergangen, auf dass ab sofort ein jeder Kunde ungeachtet des Alters und Vertraulichkeitsgrades zu duzen sei, so wie es nicht nur der schwedische Möbelhändler schon lange in klebrig-anbiedernder Weise tut. Es schien ihr ein wenig peinlich, sei ihr gar nicht aufgefallen, sagte sie. Wie auch immer – seit heute duze ich mich mit der sehr netten Dame. Das muss ich mir jetzt nur noch merken bis zum nächsten Haarschnitt.

Während ich mich bei gereichtem Tee im Wartebereich fläzte, bis die mich behandelnde (und weiterhin siezende) Friseurin frei war, sah ich einen offenbar fertig frisierten Mann mittleren Alters an den Tresen meiner neuen Duzbekanntschaft treten. Er wies gewisse Ähnlichkeit mit den üblich Darstellungen des Jesus von Nazareth (oder Darstellungen Jesu, wenn Ihnen das lieber ist) auf: üppiger Bart, lange Haare. Wie mochte er ausgesehen haben, als er das Geschäft betreten hatte? Aber vielleicht hatte er auch nur Maniküre oder Augenbrauenfärben gebucht.

Donnerstag: Morgens war es kühl. Also nicht für Mitte November, aber verglichen mit der spätsommerlichen Anmutung der Tage zuvor. Bei Ankunft im Büro zeigte das Thermometer auf dem Schreibtisch gerade mal siebzehn Grad an; daran gemessen fühlte es sich wesentlich wärmer an. Kalt – und doch nicht so kalt, da soll man noch durchsteigen. Im Laufe des Tages stieg die Innentemperatur auf bis zu fünfundzwanzig Grad, als die Sonne nachmittags ums Haus kam. Beziehungsweise das Haus um die Sonne, Sie wissen schon, Galileo und so.

Mittags im Park

Abends auf dem Rückweg wurde es wieder kühl, dafür ließ intensives Abendrot die westlichen Glasfassaden der Bürohäuser erstrahlen; bitte denken Sie sich hier entsprechende Bilder. Die Glühweinbude am Rheinpavillon war trotz angemessener Kühle noch immer geschlossen. Die Vorfreude steigt.

(Während der Niederschrift vorstehender Zeilen scheint der abnehmende Vollmond durchs dunkle Geäst der Bäume gegenüber. Auch hierzu dürfen Sie sich gerne ein Bild denken, wenn Sie mögen.)

Freitag: Heute ist der elfte Elfte, somit offizieller Beginn der Karnevals-Session. Morgens, als ich mit Schal und Handschuhen ins Werk radelte, sah ich drei Jungjeckinnen in kurzen Röckchen und fror spontan mit ihnen. Ansonsten wurde mein Tag nicht närrischer als sonst.

Rheinischer Karneval ist eng mit Kölschbier verbunden, doch sollen auch andere Biere nicht unbeachtet bleiben: Heute vor 180 Jahren wurde erstmals Bier Pilsener Brauart ausgeschenkt, ist bei Wikipedia zu lesen.

Erstmals las ich von der „Igelstellung“. Das ist ein gänzlich unsexueller Begriff, so interessant es auch erscheinen mag; vielmehr bezeichnet er laut Duden eine militärische Stellung zur Verteidigung nach allen Seiten.

Vader Abraham ist im Alter von siebenundachtzig Jahren gestorben. War der nicht vor über vierzig Jahren, als er mit den Schlümpfen sang, schon um die achtzig?

Samstag: Aufgrund alkoholischer Ereignisse am Vorabend lag über der ersten Tageshälfte eine gewisse Blümeranz. Das hielt uns nicht davon ab, zur Eröffnung der Karnevals-Session in Godesberg zu fahren, wo der Verein einen Bierstand betrieb. Das erste Kölsch lief noch etwas unwillig ab, mit jedem weiteren wurde es besser.

Kaputt.

Anlässlich der demnächst beginnenden, als Fußballweltmeisterschaft deklarierten Großwerbeveranstaltung in Katar fragen sich nun viele, ob es trotz der regional eigentümlichen Auslegung der Menschenrechte und der zahlreichen beim Stadienbau verunglückten* Bausklaven moralisch vertretbar sei, sich die Spiele überhaupt anzuschauen. Mir als in Fußballdingen umfassend Uninteressiertem stellt sich diese Frage zum Glück nicht. Auch nicht, wenn „Wir“ spielt.

*Auch ein interessantes Wort. Das Gegenteil wäre dann wohl „verglückt“.

Sonntag: Sehr gut und lange geschlafen. Nach dem Frühstück und Lektüre der Sonntagszeitung führte der Sonntagsspaziergang bei mildem Sonnenschein ans andere Rheinufer.

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Gelesen in der PSYCHOLOGIE HEUTE über Perfektionismus: »Nur das Sichzufriedengeben unter Verzicht auf die optimale Lösung stellt eine den Grenzen des Lebens angemessene Verhaltensweise dar.« Als Lebensmotto durchaus geeignet.

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Kommen Sie gut durch die Woche.

Woche 44/2022: Ein Eintrag in der noch ungeschriebenen Liste der Dinge, für die ich im Leben dankbar bin

Montag: Morgens kam ich erstaunlich leicht aus dem Bett. Mit jeder weiteren Zeitumstellung im Herbst wird deutlicher, ich bin ein großer Freund der Normalzeit. Allerdings gehe ich davon aus, die Abschaffung der unsinnigen Sommerzeit nicht mehr persönlich zu erleben.

Da morgen Feiertag ist, ging ich bereits heute zu Fuß ins Werk, wo mich ein ruhiger Arbeitstag erwartete. Erstmals empfand ich es als kühl im Büro: Bei Ankunft zeigte das Thermometer auf dem Schreibtisch achtzehn Grad an, im Laufe des Tages stieg es auf zwanzig. Ab Mittwoch also wieder Pullover.

Abends auf dem Rückweg war ich grundlos genervt von Radfahrern auf dem Gehweg, Fußgängern und Läufern auf dem Radweg, Leuten, die langsam vor mir hergehen und stehen bleiben, telefonieren, mit Pappkaffeebechern herumlaufen, unangeleinte Hunde, schreiende Kinder, leergetrunkene, am Wegesrand liegende Durstlöscher-Packungen. Alles Dinge, die mich nicht persönlich betreffen und mir daher egal sein könnten. Es gibt so Tage, da ist meine Toleranz für derlei gering. Zum Glück kein Dauerzustand, denn in solchen Momenten bin ich mir selbst ziemlich unsympathisch.

„Das wichtigste vom Sport präsentiert Ihnen gleich Kristin Otto“, sagte der Nachrichtenmann zu Beginn der heute-Sendung. Sätze mit „Sport“ und „wichtig“ gleichsam in einem Atemzug verstehe ich nicht.

Dienstag: Wir schicken Flugkörper zum Mars, zur Sonne und auf ferne Asteroiden, entschlüsseln das Genom von Kellerasseln und spalten Atome. Anderseits gibt es immer noch Religionen, die teilweise sehr große Macht auf viele Menschen haben. Doch sei dies nicht beklagt, vielmehr den Christen gedankt, dass sie heute aller Heiligen gedenken und dadurch auch Ungläubigen wie mir ermöglichen, etwas länger im Bett liegen zu bleiben.

Gelesen:

Daß man älter wird, erkennt man daran, daß man den Eindruck hat, man müsse sich in immer geringeren Abständen die Fingernägel schneiden und Qlympische Spiele, Fußballweltmeisterschaften und ähnliche Mega-Non-Events würden jedes Jahr stattfinden.

Max Goldt: Fast vierzig zum Teil recht coole Interviewantworten ohne die dazugehörigen dummen Fragen, in „Lippen abwischen und lächeln“

Mittwoch: Heute früh fiel das Aufstehen deutlich schwerer, trotz ausreichend langer Nachtruhe, gutem Schlaf und Normalzeit. Nachmittags ließ ich mich werksärztlich stechen zwecks Grippeschutz. „Heute kein Sport und kein Alkohol“, sagte die nadelführende Ärztin. Kein Sport, schön und gut; aber kein Alkohol, wie soll das gehen in diesen Zeiten?

Ich schaue täglich in den werksinternen Pressespiegel. Besondere Freude bereitet mir dabei stets die Lektüre der Artikel diverser Online-Medien, allen voran eins, das die Bezeichnung einer üblicherweise auf der Karte links angeordneten Himmelsrichtung trägt. Eine typische Artikelüberschrift lautet etwa so: „Kölner stocksauer, als er DAS sah“. Es folgt ein Text in empörtem Ton, dessen Banalität auch durch zahlreiche Ausrufezeichen und in GROSSBUCHSTABEN gesetzte Wörter nicht zu verbergen ist; beliebtes Stilmittel sind auch falsche Possessivpronomen: „Die Stadt hat seine Mitarbeiter:innen angewiesen …“. Auch darf nicht fehlen, was der empörte Kölner über das erlittene Ungemach bei Facebook oder Twitter gepostet hat und was andere dazu kommentierten. Journalismus vom Feinsten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es eines der dämlichsten Stilmittel ist, hinter! jedes! Wort! ein! Ausrufezeichen! zu! setzen!

Nachträglich „Happy Halloween“, gelesen bei Kurt Kister:

Bis vor relativ kurzer Zeit war Halloween mit Grinsekürbissen, Horrorfasching und Trick-or-treat-Kindern einer jener vielen nordamerikanischen Bräuche oder Gegebenheiten, derentwegen man durchaus daran zweifeln kann, ob es wirklich eine westliche Wertegemeinschaft gibt.

Donnerstag: Der Fußweg ins Werk führte wie immer durch die City, wo Heidi und Leni verkehrswerbend zu besichtigen sind.

Der Name der dritten Dame war im Vorbeigehen nicht zu erkennen.

Zu den Dingen, die ich nie erlernte und in der verbleibenden Zeit voraussichtlich nicht mehr erlernen werde, gehört – neben Arabisch und der Steuerung eines Schützenpanzers – freihändiges Radfahren.

Wenigstens fährt er mit Licht und Helm.

In der Kantine gab es freies Eis.

Only heute

Nicht for free, aber preisreduziert: Auf dem Rückweg vom Werk schaute ich kurz beim Modellbahnladen meines Vertrauens rein.

Schon Ende der Fünfzigerjahre beschaffte die Deutsche Bundesbahn die Akkutriebwagen der Baureihe ETA 150, deren letzte die Deutsche Bahn AG 1995 ausmusterte. Erst seit kurzem kommt man wieder auf die Idee, Triebwagen mit Akkubetrieb zu beschaffen.

Freitag: In einer ruhigen Minute, das heißt während einer Besprechung ohne Redeerfordernis meinerseits, habe ich aus gegebenen Anlässen eine weitere Mailsignatur angelegt, bestehend aus meinem Namen, Stellenbezeichnung und darunter dem Hinweis »Bitte denken Sie an die Zeit und den Maileingang anderer, bevor sie „Allen antworten“ wählen«. Ihr erster Einsatz wird nicht lange auf sich warten lassen.

Etwa drei Sekunden nach Rückkehr aus einem durchaus angenehmen Werktag begann es mittelheftig zu regnen. Manchmal scheint es, die Engel hätten sich über meine Wiege gebeugt.

Die Polizei sucht einen Posträuber.

(aus General-Anzeiger Bonn)

Samstag: „Wenn ich was mache, will ich darin der Beste sein“, hörte ich jemanden sagen. Ein Eintrag in der noch ungeschriebenen Liste der Dinge, für die ich im Leben dankbar bin, ist die Tatsache, nicht im Selbstanspruch gefangen zu sein, immer siegen und in allem der Beste sein zu müssen.

Abends kam die Karnevalsgesellschaft nach Jahren der Zwangspause wieder zum General-Appell zusammen, in Uniform, mit Musik, Gardetanz und viel Alaaf. Noch etwas ungewohnt, jedenfalls sehr schön. In Anerkennung meines aktiven Kampfes gegen Griesgram und Muckertum wurde ich zum Hauptmann befördert. Das nützt weder mir noch sonstwem etwas, gleichwohl möchte ich es nicht unerwähnt lassen. Es muss ja nicht immer alles einen Nutzen haben, nicht wahr. Alaaf!

Sonntag: Die Getränkebegleitung des Vorabends legte einen Sonntagsspaziergang besonders nahe. Den nutzte ich auch, um mehrere gelesene und für nicht erneut lesenswert befundene Bücher in einen der mittlerweile zahlreichen öffentlichen Bücherschränke zu verbringen. Weiterhin entnahm ich für den Stapel der Ungelesenen ein Ringelnatz-Lesebuch.

Spontane Frage beim Anblick eines Gebäudes: Sagt man eigentlich noch Krüppelwalmdach, oder ist das inzwischen auch diskriminierend, gewissermaßen ein architektonisches N-Wort?

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.

Woche 43/2022: Lärmemission von Straßenkehrmaschinen und individuelle Freiheiten

Montag: Während der Radfahrt ins Werk und zurück wurde ich heute zweimal von Autos behindert, die unmittelbar vor mir auf dem Radstreifen anhielten, und zweimal von Radfahrern, die ohne nach hinten zu schauen einfach vor mir einbogen. Viel mehr ist über diesen ansonsten an Ungemach armen Tag nicht zu vermerken.

(Bitte denken Sie sich hier ein ausgiebiges Stöhnen und Seufzen.)

Dienstag: Als grundsätzlich und erst recht öffentlich ungern Telefonierender wird es mir für den Rest meiner vielleicht noch zahlreichen Tage ein Rätsel bleiben, warum so viele bereits morgens deutlich vor acht schon mit dem Telefon am Ohr (beziehungsweise flach vor das Gesicht gehalten) durch die Gegend laufen.

Dienstag ist Gehtag.

Zum Weltnudeltag gab es in der Kantine Spaghetti Bolognese. Dessen ungeachtet entschied ich mich für Krakauer an Kartoffelsalat.

Das Duden-Wort des Tages lautet „resultativ“, das Jugendwort des Jahres „smash“. Von mir aus.

Mittwoch: Zu früher Morgenstunde erwachte ich aus einem Traum und dachte: Das ist witzig, das muss ich mir merken und später bloggen. In der Tat gelang es, was keineswegs selbstverständlich ist, mir das Geträumte bis zum Morgen und darüber hinaus zu merken. Nur war es bei Lichte betrachtet weder witzig noch sinnergebend, daher bleibt es ungebloggt.

Mittags auf dem Rückweg vom Essen begegneten mir zwei Damen, deren eine also sprach: „Es gibt ja so‘ne und solche, aber DAS sind die allerschlimmsten.“ Ich weiß nicht, wer oder was gemeint war, fand es indes notierenswert.

Ich weiß wirklich nicht, warum dieses Gebäude immer wieder ins Bild springt.

Die dümmste Überschrift des Tages las ich im Tagesspiegel: »Wenn‘s am Briefschlitz selten klappert«.

Es ist fast November, und der Wettermann verkündet für die nächsten Tage bis zu sechsundzwanzig Grad. Was für Zeiten.

Donnerstag: Das Schöne an einer Partnerschaft ist, man hat jemanden an der Seite. Das Schlechte: Man wird nachts von der Seite angeschnarcht.

Ein weiteres zu unrecht vernachlässigtes Problem ist die Lärmemission von Straßenkehrmaschinen.

Freitag: Morgens fand ich die Haupteingangstür zum Bürogebäude verschlossen vor. Doch zeigte sich der Werkssesam am Seiteneingang einlassbereit, wodurch sich die Hoffnung auf einen arbeitsfreien Tag schnell verflüchtigte.

Schnell und zudem lichtlos war der Geliebte morgens mit dem Fahrrad unterwegs, was von der Staatsgewalt nicht unbemerkt blieb.

Augenscheinlich sieht sich auch der Freund und Helfer inzwischen als kundenorientierter Dienstleister.

Samstag: Besuch der Mutter in Bielefeld, aus logistischen Gründen mit dem von mir wenig geschätzten Automobil. Wieder einmal wurde deutlich, wir benötigen nicht nur ein generelles Tempolimit auf Autobahnen, sondern auch mehr Kontrollen und schmerzhaftere Bußgelder. Es ist schon bemerkenswert, wie viele Autofahrer bestehende Geschwindigkeitsbegrenzungen mit großer Selbstverständlichkeit und hohem Tempo ignorieren. Dazu passend schrieb Dr. Stefan F. aus N. in seinem Leserbrief an den Bonner General-Anzeiger: »Nach meiner Überzeugung ist die größte Gefahr für unser Gemeinwesen nicht der Klimawandel, sondern die Forderung, individuelle Freiheiten zur Bekämpfung des Klimawandels zu beschneiden.« Überzeugungen wie diese sind es, die mir jede Hoffnung auf einen längerfristigen Fortbestand unserer Spezies längst genommen haben und die diesen auch nicht länger rechtfertigen lassen.

Das WESTFALEN BLATT über die Zeitumstellung

Sonntag: Die Rheinnixe hat ausgedient. Jahrzehntelang verband sie das Bonner Rheinufer mit Bonn-Beuel. Nachdem der Fährmann seine letzte Überfahrt ins Jenseits angetreten hat, findet sich niemand, der den Job übernimmt, auch sollen die Fahrgastzahlen rückläufig sein. Deshalb haben sich die Betreiber entschlossen, die Verbindung einzustellen. Ich habe sie höchstens zwei- oder dreimal benutzt; mir leuchtete nicht ein, sich gegen – wenn auch geringes – Entgelt mit der Fähre ans andere Ufer bringen zu lassen, wenn man auch entgelt- und wartezeitfrei die naheliegende Brücke nutzen kann. Trotzdem schade, mit der Rheinnixe verschwindet ein kleines Stück Bonn. Jetzt ist sie am Beueler Ufer festgemacht und harrt ihrem weiteren Schicksal entgegen. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis die üblichen Idioten damit beginnen, sie zu beschmieren und die Scheiben einzuschlagen.

Die Rheinnixe heute Mittag in Beuel

Aufgrund der aktuellen Wetterlage waren beide Rheinufer von mehr oder weniger sommerlich bekleideten Menschen zu Fuß und zu Fahrrad bevölkert. Zurück auf der Bonner Seite endete der Spaziergang mit dem in diesem Jahr voraussichtlich letzten Besuch des Lieblingsbiergartens, wo ich die persönliche Untergangsstimmung bei einem kühlen Hellen genoss.

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.

Woche 42/2022: Bewegungszertifikate, Erikative und gebratene Penisse

Montag: Die Eisbahnbetreiber wünschen sich einen möglichst kalten Winter, um Energie zu sparen, steht in der Zeitung. Außerdem wird in völlig anderem Zusammenhang von einer „etwa 12 Jahre alten Teenagerin“ berichtet. Man muss sich wundern, was hiermit getan sei.

Morgens sah ich eine junge Frau in der für junge Frauen (und Männer) üblichen Weise telefonieren, mit flach vor das Gesicht gehaltenem Telefon; in der anderen Hand hielt sie ein Butterbrot, in das sie zwischen den Sätzen hineinbiss. Gerne hätte ich sie noch etwas länger beobachtet, vielleicht hätte sie irgendwann das Brot besprochen und ins Gerät gebissen.

Mittags bot die Kantine „Metzger Bratwurst“ an; meine Recherche, wo dieses Metzg liegt, blieb erfolglos.

Im August berichtete ich von einem Sturz, bei dem ich mir den rechten Ellenbogen lädiert hatte und in dessen Folge sich dort ein externes Hautläppchen bildete, der nach ärztlicher Befundung operativ zu entfernen wäre, ich möchte da nicht weiter ins Detail gehen. Aus urlaubsterminlichen Gründen war die Operation erst für heute am frühen Abend angesetzt. Indes: Seit die Wunde nicht mehr feuchtete, hatte ich die tägliche Pflasterung abgesetzt, seitdem trocknete das zu entfernende Häutchen vor sich hin. Heute Nachmittag nun, als ich nach Rückkehr aus dem Werk das Hemd ablegte, etwa eine halbe Stunde vor dem Termin, war es verschwunden. „Das kommt vor“, sagte die Ärztin. Wieder einmal sehe ich mich bestätigt: Abwarten ist oft nicht die schlechteste Option.

Dienstag: Das erste, was ich morgens hörte, kam aus dem Radio: Howard Jones sei „ein wichtiger Musiker der Achtziger“. Gewiss, er hatte ein paar Hits, unter anderem „What Is Love?“, das auch Bestandteil meiner Tonträgersammlung ist. Aber wichtig? Wodurch und für wen oder was wird ein Musiker wichtig, außer vielleicht als Ernährer oder Liebespartner? Waren die Beatles, Beethoven wichtig? Ich weiß es nicht.

Wolkenbänder umspielten am Morgen das Siebengebirge

Ein Wort, das in den letzten Tagen eine gewisse Inflation erlebt, ist „Machtwort“. Nachdem der Bundeskanzler von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch gemacht hat, weil seine zänkischen Koalitionspartner sich nicht über den vorübergehenden Weiterbetrieb deutscher Atomkraftwerke einigen konnten, gibt es hierzu keinen Medienbericht ohne den Satz „Olaf Scholz hat ein Machtwort gesprochen“. Dabei hat er nicht mal gesprochen, sondern seine Entscheidung schriftlich verkündet. Was soll das überhaupt sein, ein Machtwort? „Wumms“ ist wohl keines, allenfalls ein Erikativ. (Dieses wundervolle Wort las ich mal irgendwo als Synonym zur Wortart Interjektion. Es geht zurück auf Erika Fuchs, die langjährig tätige Übersetzerin der Donald-Duck-Comicks; Beispiele ihres Schaffens waren „Schluck!“, „Würg!“, „Seufz“, „Grummel“ und „Ächz!“.)

Mittwoch: Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation bewegen sich die Deutschen zu wenig, also körperlich. (Sonst vielleicht auch, nur ist dieses zu ermitteln nicht die WHO zuständig.) Empfohlen sind zweieinhalb Stunden Bewegung in der Woche. Grob überschlagen komme ich durch Arbeitswege zu Fuß und Rad sowie Sonntagsspaziergang locker auf acht Stunden. Wenn Sie am Erwerb von Bewegungszertifikaten interessiert sind, melden Sie sich.

„Hi, was kann ich für dich tun?“ – „Mich am A… lecken.“ – „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“ – Wenn Siri und der Geliebte ins Gespräch kommen. Kicher.

Donnerstag: Morgens rötete wieder der Himmel in gar wundervoller Weise.

Blick ans andere Ufer auf Bonn-Beuel
Vergleiche Dienstag

Die Flora zeigt sich nunmehr in herbstlicher Verfärbung:

Kurz vor Ankunft im Werk

Andernorts indessen dunkle Wolken über Hochspannung:

(Aus dem General-Anzeiger Bonn. Ich kann mir selbst nicht recht erklären, warum ich das komisch finde.)

Weiterhin aus der Tageszeitung:

»Zum zweiten Mal innerhalb von knapp drei Monaten ist ein Mann nach einem Polizeieinsatz in Dortmund ums Leben gekommen.« – Wie viele Leben hat(te) der?

»Ausbrüche in 14 Bonner Altenheimen« – Muss das nicht „aus“ heißen?

Gaspreisbremse ist auch eins von diesen zurzeit allgegenwärtigen Wörtern, die es vor wenigen Monaten noch gar nicht gab.

Freitag: Heute war ein Tag, an dem viel geschah und getan wurde, jedoch nichts, was hier zu notieren wäre. Alles andere finden Sie in der Zeitung oder den Medien Ihres Vertrauens. Immerhin ist Freitag und es gibt Alkohol.

Samstag: Der von mir mittlerweile bevorzugte Radiosender WDR 4 (ich kann es noch immer nicht recht glauben, wie sich dieser ehemalige Störsender der Achtziger gewandelt hat) spielt an diesem Wochenende die „Top 444“, welche die Hörer in den Wochen zuvor wählen konnten. Unter anderem wählten sie Nicole, die 1982 den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann, als der noch nicht Eurovision Song Contest hieß und die deutschen Beiträge nicht regelmäßig verloren, mit „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne … ein bisschen Wärme, das wünsch‘ ich mir“. Immerhin das mit der Sonne und Wärme ist in Erfüllung gegangen.

Kein Schreibfehler ist das schöne Wort „Unterschank“, das heute in der Zeitung zu lesen ist im Zusammenhang mit unzureichend gefüllten Bierkrügen auf dem Münchener Oktoberfest.

Bei Frau Kaltmamsell las ich was über gebratene Penisse, aus denen beim nochmaligen Lesen Panisse wurde. Ich weiß nicht, was Panisse ist, fand es dennoch irgendwie beruhigend.

Sonntag: Noch etwas Herbst in Bildern, aufgenommen beim Spaziergang, der wegen angenehmer Milde etwas länger ausfiel als ursprünglich geplant.

Am Rheinufer
In der Nordstadt

»Bin ja wohl vertraglich nicht verpflichtet, mir hier immer jede Woche ‚was Neues ausdenken zu müssen«, lese ich im wöchentlichen Newsletter* „Wittkamps Woche“, den zu lesen ich erst heute Gelegenheit fand, nicht, weil ich so beschäftigt wäre mit wichtigen Dingen, vielmehr hat es sich einfach nicht eher ergeben. Das passiert schonmal bei privaten Mails, wenn ich sie nicht sofort nach Eingang lese, vielleicht kennen Sie das. Das Abonnement von „Wittkamps Woche“ empfehle ich; bei Interesse bitte hier entlang.

*Newsletter ist auch einer jener eher unschönen Anglizismen, für die mir keine Entsprechung im Deutschen einfällt. „Nachrichtenbrief“ klingt albern, „Mitteilung“ unpassend. Daher also Newsletter.

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Kommen Sie gut durch die Woche. Wink.