Woche 19/2025: Kein Oberdeckwetter, beeindruckende Aromatik und eingeschränktes Bemühensinteresse

Montag: Wir sind weiterhin auf Flusskreuzfahrt auf der Rhône in Frankreich, heute auf dem Weg von Avignon, wo wir gestern Mittag abgelegt haben, bis Lyon, wo wir am frühen Abend ankamen. Da es gestern regnete und kühl geworden ist, verbrachten wir den Abend nicht an Deck, sondern im Salon, wo es sich nicht vermeiden ließ und sogar angenehm war, mit Mitreisenden ins Gespräch zu kommen. Wir gingen zeitig zu Bett, konnten jedoch nur schlecht einschlafen. Vermutlich war es keine so gute Idee, einen French Coffee zu bestellen.

Als wir dennoch zeitig erwachten, lag das Schiff vor Andance, einem kleinen Ort zwischen Valence und Vienne, es legte bald wieder ab und setzte die Fahrt fort. Dass und warum wir in Andance Halt machten, war nicht mitgeteilt worden, man muss nicht alles wissen.

Man muss auch nicht alles hinnehmen. Vergangene Woche äußerte ich mich kritisch über nicht ganz frisches Brot zum Frühstück. Was heute an Brot angeboten wurde, grenzte an Frechheit, die Scheiben bogen sich kurz vor hart. Ich halte mich für einen verträglichen Menschen, der (vielleicht manchmal zu) vieles als gegeben zu akzeptieren bereit ist, wenn das Gesamtbild passt. Doch irgendwann kommt auch bei mir der Punkt, wo die Sicherheitsventile abblasen. Der war heute erreicht, zu vieles entspricht seit Abreise nicht den Erwartungen: die geänderte Reiseroute wegen geschlossener Schleusen auf der Saône am 1. Mai, die erst bei Abfahrt mitgeteilt wurde, als ob man das nicht vorher gewusst hätte. Ungefähr jeder zweite Wein von der Karte ist nicht vorrätig, nicht einmal Pastis, mitten in Frankreich. Die Qualität des Essens, die seit den letzten Reisen mit diesem Veranstalter stark nachgelassen hat. All das trugen wir der Reiseleiterin vor, die es sich geduldig anhörte, Notizen machte und versprach, die Beanstandungen weiterzugeben. Wir sind nicht die einzigen an Bord, die diese Mängel empfinden, wie sich aus Gesprächen mit anderen Gästen ergibt. Immerhin hat man damit etwas, worüber man sich unterhalten kann.

Doch vermag all das die Urlaubsfreude nur geringfügig zu trüben. Ebensowenig wie das weiterhin regnerisch-kalte Wetter, das uns vom Oberdeck fernhält und in die Kabine oder die Panorama-Lounge treibt, wo vormittags ein Apéro mit „Spezialitäten aus der Region“ gereicht wurde. Noch gesättigt vom Frühstück verzichteten wir.

Am frühen Abend erreichten wir so zeitig Lyon, dass bis zum Abendessen (unsere Tage an Bord sind im Wesentlichen durch die Essenszeiten getaktet) noch eine Stunde Zeit blieb für eine Runde durch die Stadt. Angesichts des Wetters reichte das auch.

Dienstag: In der Nacht fuhren wir weiter nach Trévoux an der Saône. Trotz Verzichts auf Ohrstöpsel bekam ich nichts davon mit, entweder war das Schiff sehr leise gefahren oder man hat sich inzwischen daran gewöhnt, so wie man Züge nachts nicht mehr hört, wenn man länger an einer Bahnstrecke wohnt.

Nach dem Spätstück verließen wir das Schiff für eine Runde durch Trévoux, ein hübscher Ort mit einer fotogenen Brücke. Nach Rückkehr an Bord hatten wir ein recht angenehmes Gespräch mit der Reiseleiterin, die inzwischen unsere gestrige, oben genannte Beanstandungen betreffende Mail an den Veranstalter erreicht hatte. Zwar kann sie die Mängel nicht alle beheben, sagte uns aber für die letzten Tage frisches Brot und angemessene Weinauswahl zu.

Da es weiterhin zu kalt ist für das Oberdeck, verbrachten wir den Nachmittag im Salon im Vorderschiff mit Tee, Lesen, Postkartenschreiben und in die Gegend Kucken. Auch von dort hat man einen schönen Blick nach draußen, ohne zu frieren.

Auch im Urlaub lese ich den Bonner General-Anzeiger, immer informiert bleiben. Darin heute in einem Artikel über eine geführte Radtour auf den Spuren der stillgelegten Straßenbahn nach Mehlem dieser Satz: „Gerhard Lemm führt die Teilnehmenden auf einer rund zweistündigen Rundfahrt in die Zeit von 1891 bis 1976, als eine Bahntrasse für eine Dampf- und später Diplomatenbahn seine Passagiere bis nach Mehlem beförderte.“ Eine Bahntrasse beförderte Herrn Lemms Passagiere? Erst mit Dampfloks, später wurden Diplomaten vor die Wagen gespannt?

Am frühen Abend erreichten wir Mâcon, wo wir über Nacht bleiben, ehe es morgen zurück nach Lyon geht.

Brücke in Trévoux

Mittwoch: Zum Spätstück gab es frisches Brot und Brötchen, die sich ohne Verletzungsgefahr aufschneiden ließen. Geht doch, unsere Hinweise zeigen Wirkung, leider etwas spät, morgen endet für uns die Reise.

Vormittags gingen wir von Bord und schauten uns Mâcon an. Mittags legten wir ab nach Lyon, das abends erreicht wurde. Weiterhin kein Oberdeckwetter. Dennoch suchten wir kurz vor Erreichen des Ziels das Vorderdeck auf, die Einfahrt auf der Saône in Lyon ist bei jedem Wetter ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Müllabfuhr in Mâcon
Einfahrt Lyon I
Einfahrt Lyon II
Abendblick ans andere Rhône-Ufer

Aus der Zeitung: „Vatikan informiert über weiße Rauchzeichen“

Im Übrigen finde ich es nicht angemessen, bereits jetzt über Bundeskanzler Merz und seine Regierung zu richten. Lasst sie doch erstmal versagen.

Donnerstag: Nach dem letzten Frühstück verließen wir planmäßig und geordnet das Schiff, brachten die Koffer ins Auto im nahen Parkhaus und spazierten zur immer besuchenswerten Markthalle, wo es noch ziemlich ruhig war. Wegen der frühen Stunde tranken wir an der Marktschänke einen Kaffee, keinen Rosé.

Danach fuhren wir zum Hotel auf der anderen Rhône-Seite, wir bleiben eine weitere Nacht in Lyon. Das Hotel, das uns der Liebste gebucht hat, ein ehemaliges historisches Krankenhaus, ist mit grandios einigermaßen zutreffend beschrieben. Nicht gerade günstig, zum heutigen 23. Hochzeitstag gönnen wir uns das. Irgendwie hat er ein Apgret hinbekommen, die Suite, in der wir residieren, so muss man das wohl nennen, erstreckt sich über zwei Etagen mit einer Gesamtdeckenhöhe von schätzungsweise sechs bis sieben Metern, die Vorhänge vor dem hohen Fenster werden auf Knopfdruck elektrisch geschlossen und geöffnet. Gemütlich ist anders, auf jeden Fall beeindruckend. Doch auch hier, wie in fast allen Hotels, spart man an Kleinigkeiten, sie ahnen es: Es gibt keine Jackenhaken. Ich werde nicht müde, das immer wieder zu beanstanden.

Nach dem Einschecken gingen wir in die Altstadt, die am Hang liegt und deren höhergelegene Teile über mehrere Treppen mit hunderten Stufen erreichbar sind. Obwohl mir urlaubsbedingt der mittägliche Treppensteig im Mutterhaus des Arbeitgebers fehlt, kam ich gut hoch, der Liebste geriet im letzten Viertel etwas ins Schwitzen. Lyon ist eine großartige Stadt, auch wenn mir die Altstadt etwas zu menschenvoll war.

Auf dem Weg zum Parkhaus
Weg zur Markthalle
Hundehalter
Hotel, Außenansicht
Unsere Kammer, Teilansicht
Blick von der oberen Altstadt

Freitag: Nach dem Frühstück verließen wir Lyon mit Ziel Langres, der letzten Etappe dieser Urlaubsreise. Wieder fuhren wir autobahnmeidend über Land, unter anderem durch die Dombes, eine Art Seenplatte aus künstlich angelegten Fischteichen, wie die Wikipedia weiß. Von den Teichen sahen wir indes nicht viel, weil sie meistens von Gebüsch umsäumt waren. Dafür sahen wir auf einem Acker zahlreiche Störche, die in dieser Gegend vermutlich reichlich zu futtern finden. Ansonsten durchfuhren wir Dörfer und sahen zahlreiche blühende Akazien.

In Beaune legten wir einen Zwischenhalt ein zum Einkauf von Spezialitäten, auf dass wir auch in den nächsten Tagen nicht hungern müssen und vielleicht, wenn es schlecht läuft, in den übernächsten Tagen wieder was zum Wegwerfen haben.

Auch in Langres, das am frühen Abend erreicht wurde, hat der Liebste ein Hotel in gehobener Kategorie gebucht. Nicht minder gehoben das angeschlossene Restaurant, wo wir den Abend bei beeindruckender Aromatik und überraschenden Zutaten (z.B. hölzerne Farnwurzeln, deren Verzehrzweck nicht ganz klar war) verbrachten. Mein Bedarf an französischer Sternküche ist damit vorerst gedeckt, ein wenig freue ich mich wieder auf die Kantine ab Montag. Auf die nahende Werktätigkeit nicht so sehr, das kommt bestimmt noch.

Störche und Möwen bei Villars-les-Dombes
Saint-Julien-sur-Reyssouze
Vor Bonnencontre
Unser Hotel in Langres – ein erstklassiges Haus

Samstag: Nach dem Frühstück traten wir die Heimfahrt an, bis Vittel über die Dörfer, ab dort auf die Autobahn. Am späten Nachmittag erreichten wir Bonn. Fazit: Trotz meteorologischer und bordgastronomischer Schwächen war es ein schöner Urlaub, und ja, ich äußerte es bereits früher bei ähnlicher Gelegenheit, die Bedenklichkeit von (Fluss-)Kreuzfahrten hinsichtlich Umweltschutz und Arbeitsbedingungen des Personals ist mir bewusst.

Wieder einmal komme ich zu der Erkenntnis, Frankreich ist ein sehr schönes Land. Wäre ich noch religiös und ließe es sich nicht vermeiden, dass ich nochmals als Mensch geboren werde, dann gerne dort. Dann käme ich auch mit der Sprache klar: Obwohl wir seit Jahren Urlaub in Frankreich machen, fällt es mir immer noch schwer, Französisch zu verstehen oder gar selbst darin zu kommunizieren. Das ist traurig, doch mangelt es mir an Talent, andere Sprache zu erlernen. Ähnliches gilt, nicht ganz so ausgeprägt, für Englisch. Vielleicht, nein ziemlich sicher ist es auch eine gewisse Bequemlichkeit meinerseits, mehr Aufwand für das Erlernen aufzubringen. Oder wie der Liebste es ausdrückt, der fließend Englisch und ganz passabel Französisch spricht: Mein Bemühensinteresse ist sehr eingeschränkt.

Sonntag: Die Mauersegler sind da, ist in den Blogs zu lesen, auch hier bei uns sausen sie wieder durch die Siedlung, wenn auch noch nicht in großer Anzahl. Nicht nur die, auch der Zeppelin dreht wieder seine Runden über die Stadt, jedenfalls sah ich ihn vormittags zweimal, nachmittags nicht mehr.

Nachmittags unternahm ich einen langen Spaziergang über die Kennedybrücke auf die andere Rheinseite und über die Nordbrücke zurück. Während ich letztere überquerte, fuhr unter mir aus Köln kommend ein großes Partyschiff mit menschenvollem Oberdeck und Tanzfläche, auf der man sich zu „Amsterdam“ bewegte. Ich blieb stehen und betrachtete das Treiben aus sicherer Entfernung, manche winkten mir zu, als meistens freundlicher Mensch winkte ich mit nicht übertriebenem Bewegungsaufwand zurück. Wie üblich bei solchen Fahrten wurde unter der Brücke gejohlt, weil das so schön hallt; ein wenig fühlte es sich an, als jubelte man mir zu. Das Lied hallte danach noch längere Zeit ohrwurmend in meinen Hirnwindungen nach.

Ansonsten die nicht neue Erkenntnis: Wir haben es hier auch ganz schön.

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„Bahnhöfchen Style“ tut ein kleines bisschen weh
Rheinauen vor Schwarzrheindorf
„Mimimi“

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Kommen Sie gut durch die Woche. Falls Sie auch Urlaub hatten, einen angenehmen Start in den Alltag.

#BlogWochen2025 – Was uns antreibt

Dieses Blog wird im November achtzehn Jahre alt, dann dürfte es, wenn das für Blogs vorgesehen wäre, ein Kraftfahrzeug steuern, hochprozentigen Alkohol kaufen, Filme bei Youporn anschauen und an Wahlen teilnehmen. Andere Blogs sind noch älter, etwa dieses, das und jenes, die schon seit zwanzig bzw. fünfundzwanzig Jahre bestehen, hierzu meine Gratulation. Aus diesem Anlass haben die drei Blogherren zu den #BlogWochen2025 aufgerufen. Bis November sind die Blogger der Welt eingeladen, ihre Gedanken zu verschiedenen Themen aufzuschreiben, näheres dazu ist hier zu finden. Blogparaden grundsätzlich zugeneigt beteilige ich mich gerne daran, wenn auch nicht bei allen Themen, zu vielen fällt mir nichts ein außer einem virtuellen Schulterzucken.

Das Thema zum 1. Mai lautete: „Warum bloggen wir eigentlich immer noch?!“ Da ich aus urlaubsterminlichen Gründen nicht dazu kam, fasse ich meinen Aufsatz zusammen mit dem Thema zum 8. Mai, also heute, das lautet: „Blogger:innen und ihre Motivation – Was uns antreibt“. Ohnehin lässt sich beides meines Erachtens nur schwerlich trennen. Soviel der Vorrede. Zur Sache nun:

Meine Neigung, Dinge aufzuschreiben, begann im Alter von achtzehn Jahren, als ich, inspiriert durch Ephraim Kishon, kurze Texte zu alltäglichen Themen verfasste, zunächst handschriftlich, dann mit mechanischer Schreibmaschine abgetippt. Die Idee war, eines fernen Tages daraus ein Buch zu machen. Dieses Vorhaben verflüchtigte sich bald wieder wie überhaupt das regelmäßige Schreiben von Texten – mit achtzehn war ich noch etwas flatterhaft und hatte anderes im Kopf wie den Führerschein machen, erste Liebeswirren, Feten, die nahende Abiturprüfung und Gedanken über die berufliche Zukunft. Meine ganz persönlichen, nicht zur Veröffentlichung geeigneten Gedanken notierte ich mehr oder weniger regelmäßig ins Tagebuch, bis heute, das ist ein anderes Thema.

Sachen ins Internet zu schreiben begann ich mit dem Aufkommen von Twitter, das ich sehr liebte und zu dem sich eine gewisse Sucht nach Sternchen, Gefolge und Erwähnungen entwickelte. Auch an mehreren Twitter-Treffen, so richtig in echt, nahm ich teil. Es war sehr interessant, Leute, denen ich folgte, manche etwas bewunderte, in echt zu treffen. Die meisten waren sehr angenehm und witzig, mindestens einer mit mehreren Tausend Followern ein arrogantes Arschloch, ich nenne keinen Namen. So genau erinnere ich mich auch nicht mehr daran, irgendwas mit Gesäßbehaarung. Zeitweise versuchte ich es auch mit Facebook, wurde damit jedoch nicht richtig warm und kündigte den Anschluss wieder. Auch Twitter habe ich verlassen, lange bevor Elon M. es kaputt gemacht hat. Ich bin jetzt bei Bluesky, schaue aber nur sehr selten da rein.

Über Twitter wurde ich auf Blogs aufmerksam. Das wollte ich auch ausprobieren, daher meldete ich mich bei blog.de an und begann mit dem Bloggen. Zunächst unregelmäßig, manchmal wochenlang gar nichts. Auf diese Weise setzte ich fort, was ich mit achtzehn begonnen und bald wieder eingestellt hatte, wobei einige Aufsätze entstanden, die ich, bei aller Bescheidenheit, auch heute noch ganz gut finde. Da blog.de vor zehn Jahren geschlossen wurde, zog ich um zu WordPress, wo ich mich seitdem sehr wohl fühle, auch wenn die Jetpack-App für das iPad immer wieder geändert wird und ich mich jedes Mal wieder zurechtfinden muss.

Regelmäßigkeit beim Bloggen kam auf ab 2013 mit dem Beitritt bei den Bonner Ironbloggern. Dort verpflichtet man sich, mindestens einmal die Woche was zu bloggen. Wenn das nicht gelingt, zahlt man fünf Euro in eine Gemeinschaftskasse ein, deren Bestand bei ausreichender Höhe gemeinsam versoffen in geselliger Runde verbraucht wird. Ich war bei mehreren Treffen dabei, auch da war es, wie zuvor bei den Twitter-Treffen, stets interessant, Leute persönlich kennen zu lernen, von denen man sonst nur liest. Ich selbst musste nie einzahlen, was für meine eiserne Blogdisziplin spricht. Leider ist es still geworden um die Ironblogger, nur noch wenige sind dabei. Ein Treffen gab es schon lange nicht mehr.

2016 begann ich mit den Wochenrückblicken, die jeweils am Montagmorgen veröffentlicht werden. Seitdem hat sich dieses Format im Blog durchgesetzt, längere Texte zu bestimmten Themen (wie diesen) schreibe ich dagegen nur noch selten. Das ist etwas schade.

Zur den Ausgangsfragen, warum ich immer noch blogge, was mich antreibt, könnte ich es mir einfach machen: aus Spaß am Schreiben. Es bereitet mir große Freude, alltägliche Beobachtungen und Wahrnehmungen aufzugreifen und in Sätze zu packen, Formulierungen zu finden, manchmal etwas gedrechselt, einzelne Wörter zweckzuentfremden oder neu zu konstruieren. Nebenbei entsteht dadurch eine Chronik meines Lebens, jedenfalls mit den Dingen, die sich zur Veröffentlichung eignen; alles andere wird weiterhin ins Tagebuch geschrieben.

Gewiss, dazu bräuchte es kein Blog (ich bin übrigens Anhänger der Auffassung, es heißt „das“ und nicht „der Blog“, aber jeder wie er mag; ich bin auch kein großer Freund des Genderns, Innen und alle anderen mögen sich bitte mit angesprochen fühlen), das könnte ich auch in ein Notizbuch oder Textverarbeitungsprogramm schreiben. Was das Bloggen besonders macht, ist die Interaktion mit Lesern und anderen Bloggern, sei es durch Gefallenssternchen, freundliche Kommentare oder gar persönliche Treffen. Das ist es auch, was ich gerne intensivieren würde: den persönlichen Austausch mit anderen Bloggernden, sei es durch gemeinsame Blogprojekte oder persönliche Treffen.

Immerhin, aus dem Buch ist dann nach fast vierzig Jahren doch noch was geworden.

Woche 18/2025: Ausgiebig Gelegenheit zum Nichtstun

Montag: Erste Urlaubswoche in Frankreich. Nach dem Frühstück im erfreulich leeren und dadurch ruhigen Frühstücksraum verließen wir das Hotel in bzw. bei Épernay und fuhren weiter zu unserer nächsten Etappe, Beaune im Burgund, wo wir bis Donnerstag bleiben. Wieder fuhren wir überwiegend über die Dörfer, erst ab Chablis, wo ein kurzer Weinkaufhalt eingelegt wurde, ging es über die Autobahn weiter. Außerdem machten wir Halt an der Abbeye de Pontigny, wie die Kathedrale von Reims ein beeindruckendes Bauwerk, wenn auch ganz anders. (Ähnliches gilt auch für das Mutterhaus meines Arbeitgebers, nur nicht so heilig. Jedenfalls anders.)

Unterwegs erfreuten liebliche Landschaften mit blühenden Rapsfeldern das Auge, während die durchfahrenen Orte zwar idyllisch wirken, teilweise jedoch den Eindruck eines gewissen Niedergangs erwecken. Viele Häuser und Höfe stehen leer, nicht wenige wirken verfallen. Erstaunt waren wir über die riesige Anzahl an Windrädern bis zum Horizont. Anscheinend setzt auch Frankreich nicht nur auf Atomstrom, wie immer wieder zu lesen ist.

In Beaune sind wir wieder im vertrauten Hotel untergebracht. Kleine Überraschung bei Ankunft: Über dem Bett hingen Luftballons unter der Decke, von denen güldene Bänder herabhingen; das Bett war mit Rosenblütenblättern bestreut. Bei der Anmeldung hatte der Liebste auf die Frage, ob unsere Reise einen besonderen Anlass hat, angegeben, wir seien auf Hochzeitstagsreise. Das ist nicht ganz falsch, unser dreiundzwanzigster Hochzeitstag fällt wirklich in diesen Urlaub, allerdings erst nächste Woche, wenn wir längst woanders sind. Vielleicht sagen wir beim nächsten Mal, einer von uns habe runden Geburtstag. Mal sehen, was sie dann machen.

Windräder bei Fère Champenoise

Dienstag: Sonnig-warmes Wetter ließ eine Radtour alternativlos erscheinen. Und also machten wir uns auf mit den hoteleigenen Leihfahrrädern zu einer Ausfahrt durch die Weinberge in nördliche Richtung bis nach Nuits-Saint-Georges und zurück. Wie stets in hügeligen Gefilden war ich dankbar für die elektrische Unterstützung des Fahrrads.

Auch im Burgund kann man nicht den ganzen Tag nur Burgunderwein trinken. Deshalb bestellte ich als Vorabendgetränk auf der Hotelterrasse ein Bier.

Bei Aloxe-Corton
Blick auf Ladoix-Serrigny

Mittwoch: Nach dem Frühstück fuhr der Liebste in den großen Supermarkt zum Nur-mal-schauen. Da er mich dabei nicht gebrauchen kann, wie er sagte und womit er zweifellos recht hat, zog ich mich zum Lesen der Zeitung und der Blogs auf eine schattige Bank im nahegelegenen Parc de la Bouzaize zurück, wo auch diese Zeilen notiert wurden. Der Park ist recht gut besucht, zahlreiche Menschen flanieren durch die Grünanlagen, andere laufen ihre Runden, wieder andere, wie ich, bevorzugen es, zu sitzen, derweil in den Bäumen die Vögel vor sich hin zwitschern (bzw. Paarungbereitschaft bekunden; in der Natur hat fast alles, was uns als Zierde erscheint, einen Zweck) und in der Ferne mehrere Hähne um die Wette krähen. Auch das ist Urlaub, wenngleich man dafür nicht extra nach Frankreich reisen müsste, dasselbe könnte ich auch im Bonner Rheinauenpark haben, bis auf die Hähne.

Direkt an den Park grenzt ein Weinfeld. Ein Fahrzeug fährt mit Motorgetöse durch die Rebenreihen und besprüht sie mit einer Flüssigkeit, von der man lieber nicht so genau wissen will, was es ist.

Parc de la Bouzaize
Beaune

Den Abend verbrachten wir im Restaurant, das zum Hotel gehört und mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist. Während am Nebentisch eine französische Mutter ihren minderjährigen Kindern anhand praktischer Übungen erläuterte, wie man einen Wein verkostet, erörterten wir als Tischgespräch die alte Frage, warum in Deutschland die mediale Darstellung einer Erektion und weiblicher Brüste die Jugend gefährdet, wohingegen die Darstellung von Mord und Verbrechen zur besten Sendezeit, wie der Tatort am Sonntagabend, zur Kultur erhoben und am nächsten Tag in der Tageszeitung besprochen wird. Zu einem befriedigenden Ergebnis kamen wir nicht, jedenfalls diese Frage betreffend, sonst schon: Es ist immer wieder erstaunlich, wie sättigend derart augenscheinlich kleine Portionen sind.

Am Ende brachte man uns einen Teller mit Konfekt, einem brennenden Kerzlein und einer in Schokolade aufgebrachten schriftlichen Hochzeitstagsgratulation. Auf musikalische Begleitung und sonstige Aufsehenerregungen wurde freundlicherweise verzichtet.

Donnerstag: Nach dem Frühstück verließen wir Beaune in Richtung Lyon, wo am frühen Abend unser Schiff ablegen würde. Wieder mieden wir Autobahnen und durchquerten lieblich-maiengrüne Landschaften des Burgunds und Beaujolais. Zwischenhalt machten wir in Paray-le-Monial, wo wir, Sie ahnen es vielleicht, die örtliche Basilika anschauten.

Nachmittags erreichten wir Lyon, wo wir das Auto im Parkhaus verstauten und zum nahen Ablegeplatz an der Rhône rollkofferten, inzwischen war es sommerlich warm geworden.

Es ist dasselbe Schiff und grundsätzlich die gleiche Tour wie vor drei Jahren, allerdings wegen heute gesperrter Schleusen an der Saône in geänderter Fahrtfolge (oder auf Bahndeutsch in umgekehrter Wagenreihung): Erst auf der Rhône nach Süden und zurück, dann auf die Saône, sofern die Schleusen dann wieder schleusen. Uns soll es recht sein, solange die Weinvorräte an Bord sichergestellt sind.

Bei Santenay
Bei Saint-Julien-de-Civry
Ablegen in Lyon
Vienne

(Diese Notiz erfolgte nach dem Abendessen auf dem Vorderdeck, wo wir rosébegleitet bei leichtem Südwind der Nacht entgegen gleiten. Das gehört immer zu den schönsten Momente einer solchen Reise.)

Freitag: Die erste Nacht an Bord ist stets etwas gewöhnungsbedürftig wegen der permanenten Geräusche, die so ein Schiff erfüllen, dank Ohrstöpseln schliefen wir dennoch gut. Zur Aufstehzeit lagen wir, also das Schiff, in Le Pouzin, wo für die, die es wollten, zur Morgenstunde der erste Ausflug startete. Wir wollten lieber nicht und gingen frühstücken, waren allerdings spät dran, bereits um neun Uhr war man mit dem Umräumen des Restaurants für das Mittagessen beschäftigt, was der Gemütlichkeit etwas abträglich war. Ab morgen also entweder früher aufstehen oder das Spätfrühstück mit reduziertem Angebot in der Panoramabar aufsuchen. Luxusprobleme halt.

Nachdem die Ausflügler in Le Pouzin auf die Busse verteilt waren, legten wir ab und fuhren weiter bis Viviers, wo wir gute eine Stunde früher als vorgesehen ankamen und erst ein kleineres Boot vom Kai vertrieben werden musste, ehe wir anlegen konnten.

Nach dem Frühstück begaben wir uns auf das Vorderdeck zum Lesen und in die Gegend kucken, meine liebste Beschäftigung bei Flussschiffsreisen. Das Oberdeck war wegen niedriger Brücken weiterhin gesperrt und wurde erst bei Ankunft in Viviers freigegeben. Unter anderem durchfuhren wir die Schleuse von Chateauneuf-du-Rhone, mit einem Höhenunterschied von über zwanzig Metern ein faszinierendes Bauwerk.

Schleuse Chateauneuf-du-Rhone, unteres Tor geschlossen
Ebenda, unteres Tor geöffnet

Nachmittags schauten wir uns Viviers an, was nach einer knappen Stunde erledigt war, ein recht malerischer kleiner Ort. Danach begaben wir uns zum Lesen und Erholen (von was auch immer) auf das Oberdeck. Gegen 19 Uhr wurde abgelegt mit Etappenziel Avignon.

Das Schiff am Anleger von Viviers
Viviers

Samstag: Zu urlaubsunangemessener Zeit um sieben Uhr ging morgens der Wecker. Nicht aus den genannten Frühstücksgründen, nur für ein Frühstück würde ich nicht früher als notwendig aufstehen. Vielmehr wollten wir ohne Hetze, weil das Schiff bereits mittags weiterfuhr, einen Gang durch Avignon machen, das uns zwar von früheren Aufenthalten gut bekannt ist, das wir dennoch auch bei dieser Gelegenheit nicht unbegangen lassen wollen, insbesondere die Markthalle. Dabei entdeckten wir auch einen uns bislang unbekannten Wochenmarkt.

Avignon

Vor der Weiterfahrt nach Arles passierte das Schiff das Fragment der berühmt-besungenen Brücke von Avignon unter Abspielen des entsprechenden Liedes in Dauerschleife. (Das Original wurde übrigens NICHT von Mireille Mathieu gesungen, falls Ihnen das die KI mal weiszumachen versuchen sollte. Dreiviertel der Deutschen glauben ihr ungeprüft, las ich heute.) Während der Fahrt wurden wir vom Wind aus Süden gründlich durchgepustet.

Le pont d‘Avignon

Nachmittags wurde Arles erreicht, wo wir über Nacht bleiben. Auch hier verzichteten wir auf einen geführten Ausflug und erkundeten die augenscheinlich recht schöne und touristisch gut besuchte Stadt unbegleitet. Nach Rückkehr begaben wir uns wieder auf das Oberdeck, wo bis zum Abendessen gerade genug Zeit war, vorstehendes zu notieren.

Arles von oben. Ich mag Dachansichten.

Sonntag: Das große Frühstück verschliefen wir und labten uns am kleinen Spätstück in der Panoramabar. Für mich, ohnehin nicht der große Frühstücker, reichte das Angebot mit Brot, Croissant, Aufschnitt und Marmelade völlig aus, nur das Brot hätte frischer sein können, doch was soll man immer meckern. Über dieses vielleicht doch: Obwohl wir in Frankreich sind, gibt es kein Baguette, weder beim großen noch beim kleinen Frühstück, das finde ich zumindest befremdlich, um dieses Wort mal wieder zu verwenden. Ansonsten war heute ausgiebig Gelegenheit zum Nichtstun, das Schiff legte nur kurz in Avignon an, um Ausflügler aufzunehmen, dann ging es weiter in Richtung Lyon, wo wir erst morgen ankommen werden.

Es ist deutlich kühler geworden. Vormittags zeigte sich noch zeitweise die Sonne, so dass wir die Zeit bis zum Mittagessen an Deck verbringen konnten. Nachmittags trieb uns stärkerer Regen unter Deck. Während der Niederschrift dieser Zeilen liegen wir auf dem Bett und schauen zu, wie der Regen gegen das große Kabinenfenster schlägt. Das ist ausgesprochen gemütlich und überhaupt nicht zu bemeckern. Das einzige, was ich an diesem Sonntag etwas vermisse, ist der Spaziergang; bei einer Schiffslänge von 135 Metern sind die Möglichkeiten eingeschränkt. Doch was soll man meckern.

***

Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche Ihnen eine angenehme Woche.

Woche 17/2025: Dafür kann man es nicht selbst machen

Montag: Weiterhin Ostern. Der Papst ist tot. Völlig unangemessen spielt, seit ich es erfahren habe, in meinem Kopf der Kinderkanon „Der Hahn ist tot“, nur statt Hahn eben Papst und „Hallelu – lelujah“ statt „kokodi – kokoda“. Sein Chef möge mir verzeihen.

Nachmittags unternahm ich einen Spaziergang durch die Nordstadt und an den Rhein. Dabei sah ich unter anderem ein Schwanenballett:

..

Die Zufahrten zur Inneren Nordstadt sind weiterhin für den Durchgangsverkehr gesperrt, obwohl die meisten Kirschblüten inzwischen abgefallen sind und einen rosa Niederschlag auf dem Pflaster bilden.

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Peterstraße, mittlerweile kirschblütenfrei

Die Liste des Grauens wurde nach längerer Zeit mal wieder ergänzt.

Dienstag: Auch die letzten dürften inzwischen mitbekommen haben, dass der Papst gestorben ist, daher erscheinen weitere Meldungen, Brennpunkte und mediale Trauerbekundungen entbehrlich. Wenngleich weiterhin viele Menschen aus ihrem Glauben Halt und Hoffnung schöpfen, sollte nicht vergessen werden: Der Papst ist oberster Repräsentant eines weltweiten Konzerns, der auf Grundlage uralter, zweifelhafter Überlieferungen viel Leid und Schmerz über die Menschen gebracht hat.

Im Übrigen war der erste Arbeitstag der Woche wenig montäglich. Er endete spät, weil eine Besprechung um eine halbe Stunde überzogen wurde und ich davon absah, zum vorgesehenen Ende die Runde zu verlassen; ich bin einfach zu nett. Angenehme Fußwege hin und zurück. Da auf dem Rückweg die Sonne schien, erlag ich den Verlockungen der Außengastronomie und entschädigte mich für den späten Feierabend.

Weg ins Werk
Detail am Wegesrand

Mittwoch: Heute war Gelegenheit, den großen bunten Regenschirm zu benutzen, den mir meine Lieben mal zum Geburtstag geschenkt haben, da es sowohl morgens als auch feierabends regnete und daher die Stadtbahn das Verkehrsmittel der Wahl war. Die fuhr jeweils pünktlich und war osterferienmäßig unvoll, das gerne mal loben bei allem Gezeter in der Welt (und oft genug auch in diesem Blog, ich weiß).

Vom Schreibtisch aus schaute ich der Meteorologie bei der Arbeit zu, wie sie von Südwesten dunkles Gewölk über den Venusberg schob und über der Stadt abregnen ließ, einmal war leichtes Donnergrollen zu vernehmen. Gearbeitet habe ich selbstverständlich auch, seit gestern Nachmittag mit Windows 11, auf das mein Rechner apgedäitet … geapdäitet* … na Sie wissen schon wurde. Noch ein wenig gewöhnungsbedürftig, das wird schon. Jedenfalls stört es mich nicht so sehr wie einen Kollegen, der unschöne Worte dafür gebraucht, die Ihnen erspart seien.

*Ja ich weiß, selbstverständlich schreibt man upgedatet. Ab sofort halte ich es damit wie Frau Anje: „… aber wie sonst sollen neue Wörter entstehen, die man nicht sofort als geklaut erkennt?“

Nachmittags verspürte ich Appetit auf Süßes. Hierfür liegen noch mehrere Marzipanbrote und Nougat-Marzipan-Riegel aus der letzten Weihnachtszeit in meiner Schreibtischschublade, was bemerkenswert ist, in früheren Jahren wären die spätestens im Februar vollständig vertilgt gewesen. Vielleicht ist der verminderte Zuckerdrang eine weitere Altersbegleiterscheinung, wenn ja, wohl nicht die schlechteste. Heute jedenfalls gelüstete es mich danach, nur ein halbes, den Rest später. Daraus wurde dann in kürzester Zeit doch ein ganzes. Reicht jetzt aber auch erstmal wieder.

Aus der Zeitung: In einem Artikel über in örtlichen Gewässern entsorgte Heimtiere beklagen Experten ausgesetzte Rot- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten, die »den heimischen Landschildkröten […] großen Schaden zufügten«. Heimische Landschildkröten im Rheinland, überhaupt in Deutschland? Da hat der Reporter wohl nicht richtig zugehört.

Ein echter Experte auch Herr Dr. Uwe H. aus Bonn. In seinem Leserbrief nimmt er Bezug auf einen Artikel aus der vergangenen Woche, wonach die Stadt Bonn einem Oldtimer-Club aus Mehlem untersagt hat, ihre historischen Autos nach einer traditionellen Landpartie der Öffentlichkeit im Park einer Villa zu präsentieren, weil es dadurch zu Bodenverdichtung und Verunreinigungen durch auslaufendes Öl kommen könnte. Die Entscheidung der Stadt möchte ich hier nicht bewerten, Herr Dr. H. weiß hingegen: »Die Besucher [der Villa früher, Anm. d. Chronisten] mit Auto suchten sich einen Platz im Park. Das sind meines Erachtens die Wurzeln des Wortes „Parkplatz“ und des „Parkens“«. Die Akademiker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Donnerstag: Diese Woche ist Kleine Woche, also wäre heute planmäßig frei gewesen. Da sie schon durch den Ostermontag nur vier Arbeitstage aufweist, verzichtete ich auf den freien Tag und spare mir die Stunden für später auf, zumal auf diese Woche zwei Wochen Urlaub folgen. Spare in (bzw. an) der Zeit, dann hast du in der Not, wie die Oma wusste.

Auch heute regnete es die meiste Zeit, freundlicherweise morgens nicht und abends nur leicht, so dass ich zu Fuß trocken ins Werk und zurück kam. Zurück nur einigermaßen trocken, nicht weil wieder die Gastronomie lockte, vielmehr waren bei Rückkehr trotz Schirm die Socken an den Fußspitzen feucht, als hätte ich Sandalen statt Turnschuhe* getragen. Offenbar nicht die richtigen für Leichtregen. Auf dem Hinweg sah ich am Rheinufer den Monteurwagen eines Unternehmens mit dem Namen „Pipe Protection“, dessen Profession demnach in der Wartung von Leitungen liegt. Wäre es meine Firma, hieße sie vielleicht „Rohrsorge“.

*Für die Jüngeren: Snieker.

Die Arztrechnung für die Zahnziehung kürzlich ist gekommen. Demnach kostet die „Entfernung eines tief frakturierten/zerstörten Zahnes“ 34,93 Euro. Da kann man nicht meckern, dafür kann man es nicht selbst machen.

Morgens

Freitag: Der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub war nochmal für einen Freitag ungewöhnlich reich an Besprechungen, dennoch gelang es, die anstehenden Angelegenheiten zu erledigen oder wenigstens in einen Zustand zu versetzen, der es erlaubt, sich ihnen mit gutem Gewissen erst nach dem Urlaub wieder zu widmen.

Der Regen ist durch, ab dem Nachmittag schien wieder die Sonne, die erste Flasche Schaumwein geöffnet, gleichsam ein Vorgeschmack: Die Koffer sind gepackt, morgens früh geht es los in die Champagne. Vorfreude streichelt das Gemüt.

Samstag: In nicht allzu früher Morgenstunde brachen wir auf nach Épernay, wo wir am späten Nachmittag ankamen. Die Anfahrt verlief äußerst entspannt durch die Eifel und Belgien unter Vermeidung von Autobahnen, so sieht man wesentlich mehr, auch wenn es länger dauert, vor allem wenn man mehrfach hinter Traktorgespannen herfährt, ehe man sie überholen kann. Wir haben ja Zeit.

Bei Ankunft im Hotel etwas außerhalb des Ortes wurde als erstes ein Glas ortsüblichen Schaumweins gereicht. Wir fühlten uns sogleich willkommen geheißen.

Sonntag: Am ersten Urlaubstag unternahmen wir eine Ausfahrt ins nahegelegene Reims. Am Weg dorthin lag ein Leclerc-Supermarkt, der, wie in Frankreich üblich, auch sonntags geöffnet ist. Daher ließ es sich der Liebste nicht nehmen, dort einen Halt einzulegen. Das erwies sich als erträglich, da der Markt nur mäßig besucht war.

In Reims besichtigten wir die örtliche Kathedrale, die (wenigstens mich) vor allem durch ihre bunten Fenster beeindruckt. Ansonsten gilt, was für alle derartigen Bauten gilt: Man muss der Kirche nicht nahestehen, um die Leistung zu würdigen, derartiges zu bauen, erst recht mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln.

Anschließend besichtigten wir den Keller von Pommery. Über 136 Treppenstufen steigt man hinab und durchschreitet ziemlich dunkle Gänge, in denen neben unzähligen Champagnerflaschen in allen gängigen Größen zahlreiche Kunstwerke zu sehen sind, die mit der Schaumweinkellerei in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen und aus meiner unmaßgeblichen Sicht dort entbehrlich sind. Immerhin bekommt man, nachdem man die 136 Stufen wieder aufgestiegen ist, ein Gläschen eingeschenkt. Insgesamt erschien es mir ziemlich teuer für das Gebotene, muss man nicht unbedingt machen. Zurück fuhren wir über die Dörfer, in denen bekannte große Champagner-Produzenten ihre Residenzen haben.

Apropos Schaumwein: Schaumloser Wein heißt Stillwein, erklärte der Liebste, der es wissen muss. Stillwein – da bekommt das Wort „stillen“ eine neue Bedeutung.

Unser Hotel, Teilansicht
ÖPNV in Reims
Kathedrale ebendort
Reims
Keller von Pommery
Drogenanbau bei Bouzy

(Aufgrund später Rückkehr von den vorgenannten Tagesaktivitäten entstand dieser Tageseintrag unter Zeitdruck, die Schlussredaktion für diesen Wochenrückblick erfolgte unter leichtem Alkoholeinfluss. Etwaige Fehler und sonstige Nachlässigkeiten bitte ich zu entschuldigen.)

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.

Woche 16/2025: Zur freien Verfügung

Montag: Manche Wörter lösen in mir eine gewisse Aggression aus, ohne dass ich genau weiß, warum. Ein solches ist „Mindset“. Vielleicht ein Fehler in meiner Denkweise.

Vielleicht auch ein Fehler der Denkweise ist die Annahme, der Montag sei stets von dumpfer Trübnis überschattet, selbst wenn wie heute die Sonne scheint. Denn heute ging es, Unlust und Müdigkeit hielten sich in Grenzen. Mittags in der Kantine setzte ich mich sogar freiwillig an den Tisch mit mehreren Kollegen und lauschte Gesprächen über ihre Kinder, was ich sonst eher meide. Vielleicht war es die Aussicht auf eine kurze Osterwoche, die meine Stimmung erhellte.

Dienstag: Während der Kindheit in den Sieb- und Achtzigern gehörte es zum täglich gewohnten Klangbild, wenn Militärflugzeuge über die Stadt hinwegdonnerten. (Ein beliebtes Eis am Stiel hieß „Düsenjäger“, ich weiß nicht, ob es das noch gibt; falls ja, heißt es bestimmt nicht mehr so.) Danach wurde es diesbezüglich ruhiger, wohl nur wenige werden es vermisst haben. Ich schreibe bewusst nicht „niemand“, gibt es doch für alles noch so Abwegige Liebhaber, etwa knallende Motorräder oder Gorgonzola-Käse. Da fiel es heute Morgen schon auf, als während des Fußweges ins Werk mal wieder so ein Düsenjäger (also nicht das Eis) über mich hinwegbrauste. Hoffen wir, dass wir uns künftig nicht wieder daran gewöhnen müssen.

Woran ich mich auch nicht gewöhnen werde und möchte sind geschäftliche Anliegen über Teams-Chat, ich schrieb es schon. Deshalb aus gegebenem Anlass nochmals dieser Hinweis an die lieben Kolleginnen und Kollegen: Fragen, die mich als Chatnachricht erreichen, werden nur beantwortet, wenn es kurzfristig möglich ist und ich gerade Zeit (und Lust) dazu habe. Wenn nicht, werden sie zuverlässig vergessen. Wie Sie sicher wissen, bedeutet Chat (engl.) Unterhaltung, Geplauder, Geplapper. Schriftliche Anliegen, die nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten sind, daher bitte grundsätzlich per Mail. Dann kann ich bei Bedarf Nachrichten weiterleiten, in Ordner ablegen und per Mausklick daraus eine Aufgabe anlegen. Zudem bin ich bestrebt, den Maileingang täglich leer zu arbeiten, so dass nur selten etwas vergessen wird. Danke.

Innere Nordstadt mit abnehmender Kirschblüte

Mittwoch: Der angekündigte Regen fiel freundlicherweise zu Zeiten, da ich nicht auf dem Fahrrad saß, die vorsorglich eingepackte Regenjacke konnte in der Tasche bleiben.

Im Büro wieder viele Besprechungen, so dass nur wenig Zeit war für einen Chat mit dem Kollegen gegenüber. Dazu muss ich kurz ausholen: Als ich von nunmehr sechsundzwanzig Jahren von der ostwestfälischen Niederlassung zum Bonner Mutterhaus wechselte, saßen wir beide mehrere Jahre im selben Büro und es verging kaum ein Arbeitstag, an dem wir nicht mindestens einmal laut lachten, weil unsere Humore und unsere Mindsets eine größere Schnittmenge aufweisen. Daher empfand ich fast so etwas wie Trennungsschmerz, als wir aus organisatorischen Gründen auseinandergesetzt wurden.

Dass wir nun wieder, trotz unterschiedlicher Abteilungen, wenigstens tageweise im selben Büro tätig sind, liegt an der aktuellen Arbeitsorganisation, die ich vor längerer Zeit schon beschrieb: Wenn man möchte, kann man an bis zu drei Tagen die Woche im Heimbüro arbeiten, dafür verzichtet man auf einen festen Schreibtisch und bucht sich einen, wenn man ins Bürobüro zu kommen beabsichtigt. Dadurch habe ich, der eine tiefe Abneigung gegen Heimbüro hegt und deshalb (als einziger im Geschäftsbereich) jeden Tag gerne ins Büro geht und somit über einen festen Schreibtisch verfügt, fast täglich wechselnde Zimmergenossen (manchmal auch keinen), somit, da wir nun wieder demselben Bereich angehören, auch besagten Kollegen. Das ist schön. Und gelacht haben wir trotz Besprechungen auch heute wieder.

Nicht ganz neue Kantinenerkenntnis zur Mittagszeit: Gemeinsam essen zu mehr als vier Leuten finde ich anstrengend, ich habe da immer weniger Lust drauf. Vor allem wenn das Tischthema Autos, Kinder oder Fußball ist, eins davon kommt meistens. In seltenen Fällen trifft das schon zu, wenn nur ein Mitesser zugegen ist.

Donnerstag: Der Gründonnerstag war grau und kalt, immerhin kam ich trockenen Fußes ins Werk und zurück, wobei auf dem Rückweg der Wind unfreundlich ins Gesicht blies.

Bei Ankunft morgens waren nur wenige Fenster des Turmes erleuchtet, auch auf unserem Flur blieben die meisten Büros leer, ich hatte meins für mich allein. Osterurlaub ist auch schön, wenn andere ihn haben. Während der Aufzugfahrt trug mir einer das Du an, der vor einigen Jahren, als Siezen noch nicht als exotisch galt, mein Chefchef war. Was soll man da sagen, womöglich wird er es irgendwann wieder.

Mittagessen mit einer lieben Kollegin, die ich aus dem gestern dargelegten Grund auch nicht mehr täglich sehe. Das war mindestens so schön wie allein zu essen. Ich hatte Weißwürste mit Radieschensalat und Kartoffelpüree, in das die Brezn in zerbröselter Form eingebettet war. Das klingt seltsam, hat jedenfalls sehr gut geschmeckt.

Freitag: Karfreitag. Da Ostern für uns in diesem Jahr nicht mit Reisen oder Besuchspflichten verbunden ist, bedeutet das vier freie Tage in der privat base (den Begriff las ich die Tage im Vorstellungs-Steckbrief einer neuen Kollegin) zur freien Verfügung. Während meine Lieben anderweitig beschäftigt waren, unternahm ich nach dem Frühstück eine kleine Wanderung auf die andere Rheinseite über Beuel, den Finkenberg (eine bewaldete Erhebung im Ortsteil Küdinghoven) bis Ramersdorf, zurück am rechten Rheinufer. Seit der letzten Wanderung hat die Begrünung der Natur noch einmal erheblich zugelegt, was den Weg mit Glücksgefühl anreicherte. Auch der angekündigte Regen blieb aus. Gar nicht zufällig führte der Rückweg an einem Biergarten vorbei, wo der erste Maibock des Jahres im Anstich ist und es wäre mir unhöflich erschienen, das zu ignorieren. Am Beueler Rheinufer überquerte ich die Osterkirmes, die aus bekanntem, zu recht zunehmend umstrittenem Grund heute geschlossen war.

Glücksgefühl auf dem Finkenberg
Glücksgefühl bei Maibock

Bei Herr Buddenbohm las ich das Wort „Leapfrogging“ und bin nun gespannt, wann es mir zum ersten Mal in einer Besprechung begegnet.

Samstag: Die samstagsüblichen Ent- und Besorgungen verband ich wieder mit einem Spaziergang. Außerplanmäßig suchte ich außerdem aus gegebenem Anlass ein Blumengeschäft auf. Die Sonne schien, doch war es nicht so warm wie vor einer Woche, auch die Kurze-Hosen-Dichte war deutlich geringer. Immerhin war es warm genug, um diesen Eintrag auf dem Balkon sitzend vorzunehmen.

Wann haben Sie zum letzten Mal ein Mofa gesehen?
Auch die Uferpromenade ist ergrünt

Abends waren wir im Zirkus Roncalli, der zurzeit in Bonn gastiert, für den uns die liebe Nachbarin Freikarten besorgt hatte. Es dürfte rund fünfzig Jahre her sein, als ich das letzte Mal in einem Zirkus war. Man hat ja auch so schon genug Zirkus im Werk und mit den Lieben, nicht wahr. Jedenfalls: Es war geradezu anrührend schön mit beeindruckender Akrobatik, Komik, einer Spur Erotik und ohne lebende Tiere. Gedanke während des Staunens: Diese Leute können so unendlich viel mehr als ich und bekommen dafür mutmaßlich viel weniger Geld.

Vergnüglich war es zweifellos

Sonntag: Geträumt, ich bin Mitglied der dreiköpfigen Jury bei Let‘s Drink, der Wettsaufshow auf RTL. Mein Name ist Kotzi Kabuse.

Der Liebste hat Geburtstag, deshalb der Blumenkauf gestern. Zur Feier des Tages unternahmen wir eine Radtour durch rechtsrheinische Gefilde bis Porz-Zündorf. Das war beglückend, die Sonne schien nicht zu warm; Raps, Kastanien und Flieder blühen, über den Feldern zwitschernde Lerchen. In Zündorf machten wir Rast in einem Biergarten, dann fuhren wir in Ufernähe unter zunehmender Bewölkung zurück, mit der Mondorfer Fähre wechselten wir schließlich wieder die Rheinseite. Während der Hinfahrt mussten wir immer wieder anhalten, weil leuchtende Rapsfelder die Motivklingel des Datengeräts heftig ausschlagen ließen.

Raps I
Raps II
Etwas Raps (III)
Raps IV – Suchbild mit Kölner Dom

Zum guten Schluss: Erfreulich in dieser Woche waren u. a. Wanderlust, der Zirkusbesuch und das Geburtstagsessen am Sonntagabend.

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.