Woche 23: Voll gefreut

Montag: Jedes Jahr muss ich mir die Bedeutung von Pfingsten neu anlesen, wobei ich sie regelmäßig allerspätestens zu Allerheiligen wieder vergessen habe.

Dienstag: Die Kreativität der Werbewirtschaft hat mit „SimSalatbim“ einen neuen vorläufigen Tiefpunkt erreicht.

Mittwoch: Ständiger Begleiter auf meinen Bahnfahrten ist die Hoffnung, nicht auf jemanden zu treffen, der mit mir sprechen möchte.

Donnerstag: „Nee war schön, war aber auch echt schön, hab mich voll gefreut…“ – Dann stieg sie aus der Bahn, das Telefon immer noch am Ohr. Da habe ich mich auch echt voll gefreut.

Freitag: Während die britische Premierministerin eine grandiose Wahlschlappe erleidet, feiert die Werbung ein Produkt, welches den Harnstrahl stärkt.

Samstag: Eines Tages wird der Wein mich töten. Wenn nicht die Sauferei, so das Geschleppe der leeren Flaschen zum Altglascontainer.

kw23 - 1

Sonntag: In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreibt Lars Jensen:

kw23 - 1 (1)

Nein, Sie sind nicht allein.

Über Pfingsten

schänzchen

Acht von zehn befragten kennen nicht die Bedeutung von Pfingsten, und die zwei, die es zu wissen vorgeben, können nicht erklären, was es mit dem Heiligen Geist auf sich hat. Das ist erschreckend und bedarf dringend der Aufklärung. Folgendes also trug sich zu:

An einem sonnigen, warmen Freitagabend verabredete sich die erste Mannschaft des FC Jerusalem (Kreis Soltau) in ihrem Lieblingsbiergarten, um den Aufstieg in die Kreisliga zu feiern. Am Nebentisch saß eine japanische Reisegruppe, daneben drei französische Austauschstudentinnen; die Japaner fotografierten die Fußballer und die Studentinnen empfingen erste interessierte Blicke.

Das Bier floss in Strömen, und je später es wurde, desto beschwingter die Stimmung und schwerer die Zungen, bald verständigten sie sich nur noch über konsonantenarme Laute, Gesten und Zeichensprache, zunächst nur die Fußballer untereinander, bald bezogen Sie auch die Japaner mit ein und stellten die Tische zusammen, schließlich traten auch die jungen Französinnen der lustig-lallenden Runde bei.

Da stand Petrus, der Mannschaftstrainer, auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: „Ihr Japaner, Französinnen und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen!“ Die Runde lachte, Blitzlichter leuchteten auf und die Studentinnen blickten lasziv über ihre riesigen Sonnenbrillen hinweg, die sie noch immer trugen.

Also geschah es. Die Aufstiegsfeier zog sich hin bis zum frühen Sonntagabend, am Montag wurden sie alle heimgesucht von einem riesigen Kater, auf dass sie nicht arbeiten konnten. (Die absurde These „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“ wurde erst Jahrhunderte später durch die evangelische Kirche in die Welt gesetzt.) Daher haben wir noch heute am Pfingstmontag frei.

Jetzt wissen Sie es, falls mal wieder einer fragt, was genau Pfingsten ist. De rien.