Woche 38 in Bildern – Noch einmal Provence

Die zurückliegende Woche verbrachten der Liebste und ich (mal wieder) in der Provence.

Bei der Anreise am Samstag vor einer Woche machte wir Halt in Tain d’Hermitage, wo wir dem Werksverkauf der Valrhona-Schokoladenfabrik eine Besuch abstatteten. Man kann dort sehr viel probieren, was einige Besucher bis an die Grenze der Schamlosigkeit ausnutzten (wir natürlich nicht). Merke: Gib dem Menschen was umsonst, und er wird zum Tier.

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Das Wetter zeigte sich bei unserer Ankunft in Malaucène unentschlossen, aber immerhin noch so warm, dass wir den ersten Pastis draußen einnehmen konnten.

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Aber wir waren nicht nur zum Vergnügen dort; geschäftliche Pflichten des Weinimporteurs machten am Montag einen Besuch des Auchan-Marktes in Le Pontet erforderlich, eine Verpflichtung, der ich mich als Unternehmergattin natürlich nicht entziehe:

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Es gibt sie noch, die guten Dinge:

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Den Mittwochnachmittag verbrachte ich überwiegend damit, von der Dachterrasse aus den von heftigem Südwind getriebenen Wolken zuzusehen. Man kann Tage schlimmer verbringen.

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Am Abend zogen im Nordosten Gewitter auf, die in sicherer Entfernung von unserer Dachterrasse aus ein beeindruckendes Schauspiel boten; zeitweise leuchtete der Himmel ununterbrochen auf. Gegen zwei Uhr in der Frühe erreichte das Gewitter Malaucène und brachte zeitweise heftigen Regen und etwas Hagel mit sich. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht nur diese erbärmliche Wichtigtuerfloskel als Satzeinleitung hasse, sondern auch nächtliche Gewitter. Bis Donnerstagmittag regnete es und es wollte es gar nicht richtig hell werden. Doch am frühen Nachmittag kam der Spätsommer mit blauem Himmel zurück, so machten wir doch noch den ursprünglich für den Vormittag geplanten Ausflug nach Nyons.

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Am Freitag wanderten wir bei herrlichem Wetter mit ganz leichtem Mistral durch die Felder und Hügel östlich von Malaucène, traditionell mit einem Pique Nique.

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Gestern fuhren wir zurück. Auf dem Weg von Malaucène zur Autobahn wieder die alte Frage, nicht viel mehr als ein Traum: Wie wäre es, für immer dort zu bleiben, in einem schönen alten Haus inmitten von Weinfeldern, mit Blick auf die grünen Hügelketten und den Mt. Ventoux? Ja, vielleicht irgendwann, wenn mir der Durchbruch als erfolgreicher Schriftsteller endlich gelungen ist. Manche Träume bleiben eben nur Träume…

Abends kamen wir zurück in die Bonner Wirklichkeit. Dort spazierte ich heute Nachmittag in Richtung Nordbrücke und an den Rhein. Und wieder stelle ich fest: Der Anblick des Rheins nach einer Woche Urlaub tröstet ein wenig darüber hinweg, dass mit dem morgigen Montag der Büroalltag zurück kehrt. Selbst wenn der Himmel darüber nicht provencalisch-blau leuchtet.

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Für immer dreiunddreißig – über Jogginghosen, Sportsocken und Fußballerfrisuren

Vor ein paar Tagen hatten die Medien wieder Gelegenheit, das bei ihnen so beliebte Synonym ‚Modezar‘ weiter abzunutzen: Karl Lagerfeld feierte Geburtstag, möglicherweise seinen achtzigsten. Genau weiß man es nicht, auch weiß man nicht, ob er selbst es weiß; ist ja auch nicht so wichtig, das Alter ist nur eine Zahl, die manchmal erheblich vom Spiegelbild und dem persönlichen Eigenempfinden abweicht. Ich habe Verständnis für seine Zurückhaltung ob der Bekanntgabe seines Alters, fühle ich mich doch selbst seit Jahren wie dreiunddreißig, aber das ist ein anderes Thema, zu dem ich mich in frühestens zwei Jahren vielleicht mal äußern werde.

Vielleicht stehe ich nicht ganz alleine in dieser Welt mit meinem Eindruck, Karl Lagerfeld sei eine – nennen wir es mal – spezielle Person. Sein Auftreten, seine Bekleidung, seine Art zu sprechen heben ihn hervor als einen Menschen, wie ihn wohl nur die wenigsten in ihrem engeren Bekannten- und Familienkreis wissen. Ob man ihn deswegen mag, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich mag ihn, vor allem wegen des ihm zugeschriebenen Zitats: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Nun kenne ich diesen Ausspruch nur alleinstehend, aus dem Zusammenhang gerissen. Auch würde ich mich nicht als einen ausgewiesenen Kenner in Modefragen bezeichnen. Wie dem auch sei – er spricht mir aus der Seele. Sofort denke ich dabei an junge Männer (ja, es sind fast ausschließlich Jungs, sehr selten Mädchen), die dieses abscheuliche Teil aus hellgrauem Baumwollstoff tragen, oben vorne zwei Bommel zum Zuschnüren, unten umschmiegen Gummibunden die bloßen oder in weiße Sportsocken gehüllten Fußfesseln, wobei ich entgegen der herrschenden Modemeinungen weißen Sportsocken grundsätzlich und je nach Trageanlass (Sport, Porno) eine Daseinsberechtigung, gar eine gewisse Ästhetik zugestehe. Junge Männer also, mit tätowierten Unterarmen und dieser allgegenwärtigen Fußballerfrisur, an den Seiten kurz, oben länger und streng zur Seite gegelt, die Sätze wie „Alda, wo bist du“ und „Isch bin U-Bahn“ in ihr Mobilgerät nuscheln.

Unter Umständen, mit sehr viel Wohlwollen, kommt auch der Jogginghose eine gewisse Daseinsberechtigung zu, etwa an Winterabenden zu Hause auf dem Sofa vor dem Fernseher, wenn einen niemand sieht. Doch wie sehr muss ein Mensch sich selbst aufgegeben, jedes Gefühl für Selbstwahrnehmung verloren haben, wie verzweifelt über an Selbsthass grenzende Gleichgültigkeit um sein Äußeres muss er sein, wenn er in einem solchen Beutel das Haus verlässt?
Lieber Karl Lagerfeld, ich erhebe mein Glas Rosé auf Sie, mögen Sie noch viele Jahre lang die Welt mit modischen Kreationen bereichern, vor allem aber mit solch klugen Sätzen!

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Hinweis: Vorstehende Zeilen wurden nachträglich eingereicht für die wunderbare Aktion „Kleider machen Leute“ vom Wortmischer. Bitte lesen Sie hier:

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Wenn es nicht läuft

Ist der Chef zufrieden, freut sich der Mensch. Es gibt gute Arbeitstage, da läufts. Und es gibt die anderen, zumindest bei mir erfreulicherweise selteneren, wo man abends eher unzufrieden nach Hause geht, zum Beispiel weil man für etwas – verzeihen Sie die Wortwahl – angekackt wurde, das man nur sehr begrenzt beeinflussen konnte; schließlich kann, will und muss man nicht alles selber machen in so einem großen Unternehmen. So ein Tag war heute, Einzelheiten erspare ich Ihnen.

Doch für solche Tage gibt es einen guten Rat, den ich letzte Woche aufschnappte. Nach einem Scheitern – in meinem heutigen Fall ein zu starkes Wort, ein schwächeres, welches treffender das von mir Gemeinte zum Ausdruck bringt, fällt mir gerade nicht ein, auch die Synonymsuchseite ist wenig hilfreich (Versagen, Durchfall, Desaster, Fiasko, Pleite, Misslingen… ja, Misslingen passt ganz gut) – nach einem misslungenen Arbeitstag also frage man sich:

  1. Sind Menschen zu schaden gekommen oder ist damit zu rechnen?
  2. Spricht in einem halben Jahr noch irgendjemand darüber?

Sofern man beides mit „Nein“ beantworten kann, gräme man sich nicht länger. In meinem heutigen Fall: 1. ein klares Nein, 2. wahrscheinlich nicht, kann man bei optimistischer Betrachtung als „Nein“ werten.

Nach der Arbeit war ich laufen, zehn Kilometer am Rhein. Das lief richtig gut.

#BloggerFuerFluechtlinge

BFF_1508_HeaderBlau1-300x111-300x111Der Zustrom von Flüchtlingen ist das dominierende Thema in diesen Wochen, begleitet einerseits von dummen Parolen und Gewalttaten noch dümmerer Menschen, oder nennen wir sie besser Subjekte, denn Menschlichkeit scheint ihnen fremd; andererseits aber auch von großer Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung. Ich selbst stamme auch aus einer Flüchtlingsfamilie: Meine Mutter flüchtete nach dem Krieg mit ihren Eltern und ihren Geschwistern aus dem ostpreußischen Elbing nach Niedersachsen, zunächst kamen sie im Dorf Güntersen bei Göttingen unter, schließlich in einem Bahnwärterhaus zwischen Göttingen und Dransfeld, wo meine Großeltern bis 1975 lebten und wo ich selbst viele der schönsten Tage meiner Kindheit verbrachte, aber das ist ein anderes Thema, über das ich später vielleicht mal berichte.

Wie ich aus Erzählungen weiß, war die Familie nicht gerade willkommen, vor allem in Güntersen, wo sie einem Bauern zugewiesen worden waren. Allgegenwärtiger Begleiter Ihrer Flucht war der Hunger. Für meinen Großvater war es bis zum Schluss die größte Sünde, Speisen zu verschwenden, was sich auch auf meine Erziehung auswirkte und bis heute auswirkt: Noch heute empfinde ich großes Unbehagen, den Teller nicht leer zu essen („Iss wenigstens das Fleisch auf!“ lautete ein Leitsatz meiner Jugend) oder Lebensmittel nach abgelaufenem Haltbarkeitsdatum wegzuwerfen, weil der letzte Einkauf mal wieder etwas zu üppig ausgefallen war.

Aus diesen Gründen möchte ich mich hier einbringen, helfen, wenn ich kann. Ein erster kleiner Schritt ist mein Hinweis auf die Aktion „Blogger für Flüchtlinge“, wo Sie Informationen finden, wie Sie die ankommenden Menschen unterstützen können, durch Geld- und Sachspenden oder wie auch immer. Auch in Ihrer Stadt.

Was im August a u c h in der Zeitung stand

Griechenland, Ukraine, Flüchtlinge, Islamischer Staat – das sind die großen Themen, welche die Medien in diesen Wochen füllen. Doch wollen wir auch den eher unbedeutenden Ereignissen einen kleinen Teil unserer Aufmerksamkeit widmen. Hier eine unvollständige und keineswegs repräsentative Auswahl aus dem scheidenden Monat August.

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Glaube und Videospiele – Die „Gamechurch“-Bewegung verbindet Spieltrieb und Spiritus, was weniger absurd ist, als es auf den ersten Blick erscheint: Videospiele und Religion passen aufgrund ihrer fiktionalen Grundlage perfekt zusammen. Die Spieler treffen sich wöchentlich im lippischen Lemgo und sprechen, während sie sich diversen Ego-Shootern widmen, über Glaube und Gott, „aber nur, wenn jemand Bock hat“, so der Gründer der deutschen Sektion; wie oft das der Fall ist und ob überhaupt, weiß der Himmel. Die Gamechurch-Idee kommt übrigens – wie kann es anders sein – aus Amerika.

Ebenfalls aus den USA kam folgende Meldung:

Beziehungs-Aus für Miss Piggy und Kermit – Der Frosch mit dem merkwürdigen Zackenkragen und die divenhafte Sau gaben ihre Trennung bekannt. Dennoch wollen sie weiter zusammen arbeiten.

Womit wir beim nächsten Thema sind.

Mehrheit geht gerne zur Arbeit – Nur jeder achte Arbeitnehmer ist laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung unzufrieden mit seinem Job – alle anderen gehen mehr oder weniger gerne zur Arbeit. Manche möglicherweise sogar montags.

Vielleicht auch deshalb, weil sie ihre Arbeit bei Musik verrichten dürfen:

Zu Helene Fischer unters OP-Messer – Forscher bewerten die musikalische Untermalung von Operationen als positiv, sowohl für die Operateure, auf die die Musik entspannend wirkt, als auch für die Operierten, deren Schmerz- und Angstempfinden mit Musikbegleitung abnimmt. Ob das auch bei Beschallung durch die Fischerin zutrifft, wage ich zu bezweifeln.

Wer arbeitet, ob gerne oder nicht, braucht ab und zu Urlaub.

Mehrheit der Deutschen gut erholt – Laut dem DAK-Urlaubsreport gab die Mehrheit in einer Befragung an, sich im Urlaub gut oder sehr gut erholt zu haben. 38 Prozent derjenigen, für die das nicht zutraf, nannten „nicht abschalten können“ als Grund, nur 13 Prozent „schlechtes Wetter“. Vielleicht sollten erstere einfach mal einen Blick in die Bedienungsanleitung ihres dienstlichen Mobiltelefons werfen.

Mobiltelefone und Kopien teurer Markenuhren werden in China hergestellt, und nicht nur das:

Chinesen kopieren Goldman Sachs – Rein zufällig wählte eine chinesische Bank, die mit der bekannten amerikanischen Investmentbank nichts zu tun hat, deren Namen. „Wir haben den Namen zufällig ausgewählt, es ist nicht absichtlich derselbe“, so eine Sprecherin. Kann ja passieren.

Nicht nur in China, auch in Spanien gibt es Zufälle:

Blutige Fiesta – Bislang kamen in diesem Jahr zehn Menschen bei Stiertreiben ums Leben, deutlich mehr als in den Vorjahren. Diese Zuname der Todesfälle sei „zufällig“, so ein Organisator. Wie viele Stiere für diesen Unfug ihr Leben lassen mussten, bleibt hingegen offen. Doch trotz Protesten von Tierschützern halten die Spanier an dieser fragwürdigen Tradition fest.

Nicht nur Stiere, auch ihre weiblichen Artgenossen leiden traditionell:

Alarmgeläut gegen die Kuhglocken – Die Kuhglockendebatte aus der Schweiz ist nun auch in Bayern angekommen. Tierschützer verlangen ein Verbot, da die Tiere unter dem permanenten Gebimmel leiden (wie ein Mensch unter der Dauerbeschallung durch Helene Fi… lassen wir das). Das ist natürlich „kompletter Schmarrn“, denn in den Glocken komme der Stolz der Almhirte zum Ausdruck, so Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu: „Das ist Tradition im Allgäu und gehört dazu.“

Manchmal indes bewirken Proteste etwas:

Der runde Bauch ist zurück – Nachdem die zeitgemäße Verschlankung des rothaarigen Kobolds Pumuckl eine Protestwelle nach sich zog, darf er sich nun wieder eine kleine Plauze anfressen.

Es ist schon bemerkenswert, worüber sich Menschen erregen. Erregung in mehrfacher Hinsicht war auch der Auslöser folgender Meldung:

Jugendarrest für Sex im Erlebnisbad – Ein junges Paar (18 und 19) muss ins Jugendarrest, weil sie die Bezeichnung „Erlebnisgrotte“ in einem Augsburger Hallenbad wörtlich nahmen und dort ihren natürlichen Trieben freien Lauf ließen. Das finde ich reichlich übertrieben, andererseits: In Amerika wären sie dafür vermutlich hingerichtet worden. Oder Youporn-Stars, beides ist gleichermaßen möglich.

Alle Jahre wieder – Einen weiteren Grund dauerhafter, mir völlig unverständlicher Erregung beleuchtet folgende Meldung:

Alljährliche Plätzchen-Hysterie – In Kürze stehen wieder Dominosteine, Zimtsterne, Marzipanbrote und Lebkuchen in den Supermarktregalen; damit einhergehen wird die übliche Welle der Empörung und der Boykottaufrufe in den sozialen Hetzwerken. In Österreich soll sogar schon ein Lebkuchenständer in Brand gesetzt worden sein. Dass es heutzutage fast ganzjährig Erdbeeren und Spargel zu kaufen gibt, regt hingegen kaum jemanden auf.

Apropos soziale Hetzwerke:

Eine Milliarde bei Facebook – Erstmals haben eine Milliarde Menschen freiwillig das bekannte Datenmonster genutzt, vermeldet der Chef Zuckerberg stolz. Angesichts des Umgangs mit Schmähungen gegen Flüchtlinge gelingt es mir leider nicht, den Satz „Herzlichen Glückwunsch“ mit aufrichtiger Ehrlichkeit hervorzubringen. Das wird den weiter steigenden Nutzerzahlen nicht im Wege stehen.