Woche 43/2026: Helau und Hotelfrühstückshöllen

Montag: Der Mensch neigt dazu, Fehler stets bei anderen zu sehen, die eigenen hingegen übersieht er gerne. Das trifft auf mich gleichermaßen zu, wie zwei Korrekturhinweise zum letzten Wochenrückblick zeigen, die mich im Laufe des Vormittags erreichten. Beim ersten staunte ich über meine Blindheit, die Verwechslung von „ich“ und „ist“ erst auf Rückfrage zu erkennen. Besonders gefreut habe ich mich über die Art und Weise, mit der der geschätzte Mitblogger Nömix den Unterschied zwischen Bund- und Buntfaltenhosen aufzeigt:

Symbolbild (Foto: Nömix)

Als selbsternannten Sprach- und Rechtschreibpingel sehen Sie mich zerknirscht, gleichwohl danke ich sehr für die Hinweise.

Jeden Tag eine gute Tat: Morgens öffnete ich einem neuen Kollegen die Tür zu seinem Büro, weil er noch nicht dafür freigeschaltet war. Kurz darauf bedankte er sich per Mail für den Tür Support. Was junge Leute so von sich geben.

Aufzeichnung einer Besprechung mit einem montagsangemessenen Redeanteil meinerseits

Nachmittags sah ich zwei Jungs gemeinsam auf einem Elektroroller durch unsere Straße brausen. Für manchen vielleicht eine willkommene Gelegenheit, einen anderen männlichen Körper zu umklammern, ohne in Schwulitätsverdacht zu geraten.

In einem Zeitungsinterview über Künstliche Intelligenz wunderte ich mich über die Verwendung des Wortes „Superintelligenz“, kaum dass der amerikanische Präsident in seiner Herrlichkeit die Umbenennung verkündet hat. Die Selbstverständlichkeit, mit der Journalisten es mittlerweile Deal nennen, wenn sich irgendwo auf etwas geeinigt wurde, finde ich hingegen geradezu widerlich.

Dienstag: Morgens fuhren mit mir im Aufzug zwei Personen, die sich offensichtlich kannten und länger nicht gesehen hatten. Während der Fahrt erzählte sie ihm in einer für die Tageszeit unangemessen Lebhaftigkeit und Lautstärke, sie sei gerade aus Elternzeit mit dem zweiten Kind zurück, kürzlich seien sie in Madrid gewesen, insgesamt sei alles anstrengend aber gut. Ich war froh, als ich aussteigen und mich in die vorläufige Ruhe meines Büros begeben konnte.

Ein Nachtrag zum letzte Woche gekauften Anzug: Bevor ich ihn am Sonntagmorgen anziehen konnte, mussten Gesäßtaschen und die äußeren Taschen der Jacke geöffnet werden, da sie wie bei neuen Anzügen üblich mit lockerem Faden zugenäht waren, damit sie beim Transport oder wann auch immer, also vor erstmaliger Nutzung nicht ausbeulen. Jedenfalls nehme ich an, dass das der Grund ist. Bei der Hose und der Brusttasche funktionierte das auch durch leichtes Auseinanderziehen und Einsatz einer Nagelschere. Nicht so bei den Seitentaschen der Jacke, die sehr solide vernäht waren. So sehr ich auch zog und zerrte, tat sich kein Spalt auf. Da ich die Jacke nicht ruinieren wollte, nahm ich zunächst an, das müsste so sein, die angedeuteten Taschen wären nur Attrappe. Ungewöhnlich, aber möglich; die Knöpfe an den Jackenärmeln dienen ja meistens auch nur noch zur Zierde.

Gestern und heute trug ich den Anzug im Büro und war von dessen Tragekomfort weiterhin begeistert, trotz zuer Taschen. Da der Rückweg mich heute an dem Bekleidungsgeschäft in der Friedrichstraße vorbeiführte, ging ich spontan hinein und fragte nach. Siehe da: Es sind doch Taschen, nur eben besonders haltbar vernäht. Mit fachfraulichen Fingern und einer Schere öffnete die freundliche Verkäuferin sie in wenigen Minuten. Manchmal ist man einfach zu ängstlich.

Mittwoch: Der Arbeitstag war erfreulich arm an Besprechungen, bis zum Mittagessen waren sie durch. Solche Tage sind selten. Ich fühlte mich produktiv, auch wenn ich Ihnen als Außenstehende den Inhalt der bearbeiteten Gewerke nicht auch nur ansatzweise erklären könnte.

Wie einem Zeitungsbericht zu entnehmen war, heißt das auch bei jungen Leuten sich zunehmender Beliebtheit erfreuende Hobby, Vögel zu beobachten und zu fotografieren, Birding. (Die direkte Übersetzung dieses Begriffs ins Deutsche bezeichnet hingegen eine völlig andere, nicht nur bei jungen Leuten beliebte Beschäftigung.) Ich selbst geriet nachmittags eher zufällig ins Vög Börding, als ich vom Büro aus mehrere große Greifvögel dabei beobachtete, wie sie nebenan über dem Gebäude kreisten, in dem die Deutsche Welle residiert. Wer mag, kann darin eine gewisse Symbolik erkennen, muss man aber nicht.

Donnerstag: Der Fußweg ins Werk war von Morgenröte begleitet. Bei Ankunft schlug die Motivklingel des Datengerätes an, ausgelöst durch reizvolles Lichtspiel zwischen den Glasfronten von Turm und Kantinenanbau. Als ich nach Erfüllung der Fotografenpflicht das Gebäude betrat, kam eine Dame des Sicherheitsdienstes auf mich zu und fragte, ob ich draußen gerade fotografiert hätte, wahrheitsgemäß bejahte ich. Das sei nicht erlaubt, wurde ich daraufhin belehrt. Ach was: Die Stelle ist jederzeit für jedermann frei zugänglich, auch am Wochenende und nachts, es ist nichts betriebsgeheimnisvolles zu sehen, warum also soll man man da nicht fotografieren dürfen, zumal kein Schild es verbietet? Anstatt sie das zu fragen, sagte ich, und da staune ich, dem sonst fast jede Regel heilig ist, über meine Renitenz mit einem Hauch von Arschloch: Das ist mir eigentlich egal. (Warum ich „eigentlich“ sagte, weiß ich nicht, jedenfalls sagte ich es.) Damit ließ ich sie stehen, ging zu den Aufzügen und fuhr hoch in mein Büro. Mehr passierte nicht. Da ich deswegen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchte, erlaube ich mir, Ihnen das Bild zu Kenntnis zu geben. Voila:

Es wäre doch zu schade, wenn das unfotografiert geblieben wäre, oder nicht?

Freitag: Apropos Regeln: Als Radfahrer kann man nicht nur Fußgänger irritieren, indem man vor einem Zebrastreifen anhält und sie passieren lässt; auch andere Radfahrer rechnen nicht damit, dass man ihnen vor einer einmündenden Straße aufgrund der Rechts-vor-links-Regel Vorfahrt gewährt. Die Erfahrung lehrt, sich besser nicht darauf zu verlassen, dass diese Regel auch anderen Radfahrern bekannt ist oder von ihnen Beachtung erfährt.

Sturmtief Luise bringt Wind und Regen. Zum Zeitpunkt des Auslösens waren die erwähnten Blätter offenbar bereits verflogen. (General-Anzeiger Bonn online)

Samstag: Es geht wieder los. Mittags fuhren wir in karnevalistischer Mission nach Düsseldorf, die dortige Ehrengarde hatte zu ihrem Generalappell eine kleine Abordnung unserer Gesellschaft eingeladen. Nun gilt im Köln-Bonner Raum Düsseldorf als verbotene Stadt, jedenfalls unter Eingeborenen, was mich als Zugezogenen nicht sonderlich kratzt. Jedenfalls war es vergnüglich, das Altbier genießbar und auch der in Köln und Bonn bei Strafe verbotene Schlachtruf „Helau“ ging nach anfänglichem Zögern und weiteren Alt gut über die Lippen.

Sonntag: Die Kritik an der zweimal jährlich stattfindenden Uhrenumstellung reißt nicht ab, auch ich könnte gut darauf verzichten. In der vergangenen Nacht kam die zusätzliche Stunde indessen gelegen.

Morgens sah ich wieder meine Vorbehalte gegen Hotelfrühstückshöllen* bestätigt: Es war voll, laut und beim Büffet stand man sich gegenseitig im Wege, selbst wenn man nur eine Tasse Kaffee zapfen wollte. Immerhin waren der Service gut und die Saftgläser ausreichend groß.

*Zunächst stand dort „-hallen“, „höllen“ erscheint mir angemessener.

Ein heimisches Projekt befasst sich mit dem Raum, der als Büro und Modelleisenbahnzimmer dient. Die Möblierung ist uneinheitlich zusammengestückelt und mit den Jahren ist eine gewisse Zunahme der Entropie nicht zu übersehen, anders ausgedrückt, das Zimmer wurde immer mehr vollgerümpelt. Das zu ändern haben wir uns schrittweise für das kommende Jahr vorgenommen. Im ersten Schritt wird der Inhalt des Bücherregals stark reduziert, im Rahmen des Sonntagsspaziergangs brachte ich den Inhalt zweier großer Tragetaschen in öffentliche Bücherschränke. Darunter auch einige Büchlein von Loriot und sämtliche Bücher von Ephraim Kishon, deren sich im Laufe der Zeit einige angesammelt hatten. Ich war früher ein großer Freund seines Schaffens, zu Anlässen wie Weihnachten und Geburtstagen kamen stets weitere dazu. Seine Art, die Alltäglichkeiten zu beschreiben, mochte ich sehr, er inspirierte mich, selbst mit Schreiben anzufangen, sein Stil hat mich sicher beeinflusst. (Was selbstverständlich nicht heißen soll, ich könnte und wollte mich mit ihm messen; gleiches gilt für Max Goldt.) Nun ist es nicht so, dass ich Kishon nicht mehr mag, doch war die Wahrscheinlichkeit, dass ich demnächst wieder zu einem seiner Bücher greifen würde, gering. Deshalb dürfen die Bücher jetzt andere lesen; vielleicht nehme ich irgendwann wieder eins mit, wenn ich es im öffentlichen Bücherschrank vorfinde.

Als nächstes werden dann die meisten Bücher aus der Reihe Süddeutsche Zeitung | Bibliothek, eine Auswahl „50 große Romane des 20. Jahrhunderts“ der SZ-Feuilletonredaktion Anfang der Zweitausenderjahre, den Weg in die öffentlichen Bücherschränke finden. Mit ihren in unterschiedlichen Farben, ansonsten gleich gestalteten, mittlerweile etwas ausgeblichenen Buchrücken machten sie sich gut im Regal, gelesen habe ich indes nur einen geringen Teil davon, woran sich in absehbarer Zeit nichts ändern wird. Ein paar davon werde ich zumindest anlesen, auf Dauer behalten wohl keines.

Was schön war diese Woche: Morgenrot, geöffnete Anzugjackentaschen, Luft im Bücherregal.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Mögen wir von Auswirkungen der PHP2Shell-Lücke verschont bleiben.

19:00

Woche 6/2026: Immerhin wurde nicht Happy Birthday gesungen

Montag: Heute streikte der ÖPNV, was ich nicht kritisiere und was mich auch nicht stört, weil ich montags grundsätzlich mit dem Fahrrad zur Wertschöpfung fahre. Es sei denn, es regnet. Das tat es morgens, doch passend zur Abfahrt war der Regen, bis auf wenige Resttropfen, durch. Manchmal passt es einfach.

„Die IT ist manchmal ein Eichhörnchen“ sagte eine in der Besprechung. Ich habe nicht den Hauch einer Idee, was sie damit ausdrücken wollte, war aber nicht genug daran interessiert, um nachzufragen und verbuche es unter der Rubrik Was so geredet wird.

Wie meine Mutter am Telefon mitteilte, ist ein alter Kollege von mir gestorben. Alt ist wörtlich zu nehmen, er muss weit über achtzig gewesen sein, schon vor mehr als dreißig Jahren ging er in den wohlverdienten Ruhestand. (Selten hört oder liest man das Wort ohne dieses Attribut, egal ob es stimmt oder nicht. In diesem Fall stimmte es.) Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich schätzte den Kollegen sehr, sowohl fachlich als auch menschlich, er war stellvertretender Leiter der Dienstelle in Bielefeld gewesen, in der ich mich sehr wohl fühlte. Wir duzten uns nie, das war früher nicht so üblich wie heute. Er wird mir in guter Erinnerung bleiben.

Dienstag: Der Fußweg ins Werk und zurück war begleitet von ungemütlich feuchter Kaltluft, morgens kam noch etwas Regen hinzu. Das hielt einen entgegenkommenden Läufer nicht davon ab, seinen Frühsport in kurzen Hosen und T -Shirt zu absolvieren, soweit nicht ungewöhnlich und der Notiz wert; sobald die Temperatur zweistellig ist, wird er wieder auf das T-Shirt verzichten. Allerdings trug er heute dazu Handschuhe, was in der Kombination recht putzig aussah.

Einige hundert Meter weiter legten mehrere Personen im Ruderboot am Rheinufer ab und ruderten flussaufwärts. Als Gelegenheitsmodell- und ehemals aktiver Museumseisenbahner, außerdem Karnevalist sollte ich mich in Zurückhaltung üben bei der Beurteilung der Freizeitgestaltung anderer; als Blogger seien mir diese Zeilen gestattet.

Blick auf Beuel, morgens

Während eines natürlichen Bedürfnisses staunte ich über den jungen Kollegen am Nebenurinal, der während der Verrichtung auf sein Datengerät schaute. „Du Opfer“ flüsterte ich nur innerlich, er wird es nicht vernommen haben.

Spontaner Gedanke beim Lesen des Wortes Architekt*innen: Muss das nicht Innen*Architekt heißen? Verzeihung, ich bin etwas albern.

Auf dem Rückweg regnete es

Mittwoch: Wieder ein Jahr älter und dem Ruhestand näher, um auch das Positive an der zunehmenden Alterung nicht aus dem Blick zu verlieren. Wie üblich an diesem Tag nahm ich zahlreiche Gratulationen entgegen im persönlichen Gespräch, telefonisch und über die elektronischen Kommunikationsmedien, deren Beantwortung gewisse (Arbeits-)Zeit beanspruchte, der Kanzler wird es nicht gerne hören. Auch nicht im Kanzlersinne: Zunehmend kommt in diesen Konversationen die Frage „Wie lange noch“ vor. Immerhin wurde nicht Happy Birthday gesungen.

Jemand hatte stapelweise mutmaßlich selbstgebackene Waffeln mitgebracht und auf dem Tisch im Büroflur platziert, dazu ein Glas Kirschen, Puderzucker und Sprühsahne. Wer es war und warum, blieb im Dunkel, es lag kein Zettel daneben. Um nicht unberechtigt im Lichte der Großzügigkeit zu erscheinen, wies ich alle persönlichen Gratulanten vorsorglich darauf hin, dass ich nicht der Spender war. Kurz war ich versucht, einen entsprechenden Hinweiszettel anzubringen, etwa „Von mir sind die Waffeln nicht, lasst sie euch dennoch schmecken”, verwarf die Idee jedoch wieder. Sie schmeckten übrigens gut, danke dafür, falls der- oder diejenige mitliest.

Mein persönliches Selbstgeschenk war ein frühes Arbeitsende kurz nach dem Mittagessen. Zu Hause beantwortete ich in Sofalage zu den Klängen von Bruckners fünfter Sinfonie weitere Gratulationen, die über WhatsApp reingekommen waren, nahm – entgegen meiner Abneigung gegen das Telefonieren, wenigstens einmal im Jahr muss es gehen – weitere Anrufe entgegen, dann war der Nachmittag fast schon wieder vorüber und ich ging zum Sport, wo das Telefon in der Umkleide verblieb.

Neben den üblichen Wünschen für Glück, Gesundheit und ein langes Leben wünschte mir eine Gratulantin weniger Strenge mir selbst gegenüber. Das fand ich erstaunlich, erscheint mir doch etwas mehr Disziplin durchaus angebracht, gerade hinsichtlich meines gelegentlichen Alkoholkonsumes nicht nur zur Karnevalszeit; so wird das nichts mit einem langen Leben. Muss auch nicht; dieses Longevity, von dem so viele reden, kann mich mal.

Vor fünf Jahren hatte ich auch schon Geburtstag
Auch nur eine Zahl

Donnerstag: Werbespruch aus der Hölle: „Iss mal ne Fairnane“, gelesen morgens auf einem Plakat. Das waren noch Zeiten, als die Werbung ewig währende Weisheiten hervorbrachte wie „Mühe allein genügt nicht“ (Frau Sommer) oder „Da weiß man, was man hat“ (Persilmann).

Wie zu erfahren war, hatte die Waffeln ein Kollege mitgebracht, der gestern ebenfalls Geburtstag hatte. Wäre das auch geklärt.

Freitag: Es widerstrebt mir, Menschen mit ihrem Spitz- oder verkürzten Vornamen (wie Chris, Flo, Basti usw.) anzureden, wenn ich sie nicht gut kenne. Selbst dann, wenn sie sich mir mit genau diesem Namen vorgestellt haben beziehungsweise von allen anderen so nennen lassen.

Werbung im Netz:

Welches Gas mag dort verheizt werden?

Samstag: Während weite Teile des Landes unter Schnee- und Eislast ächzen, nahm unsere Karnevalsgesellschaft bei Sonnenschein und fast frühlingshafter Milde am großen Sternmarsch* mehrerer regionaler Corps in der Bonner Innenstadt teil, wo in diesem Jahr zweihundert Jahre Bonner Karneval gefeiert werden. Das war schön. Danach mussten wir uns erholen, um abends fit zu sein für das Nachgeburtstagsessen beim Franzosen unseres Vertrauens.

Auf dem Marktplatz mit Blick auf der Alte Rathaus, von wo der Oberbürgermeister seine Rede vom Blatt ablas

*Von manchen auch Sternenmarsch genannt, obwohl sich aus tageszeitlichen Gründen keine Sterne blicken ließen. Stern deshalb, weil die verschiedenen Corps aus unterschiedlichen Richtungen gleichsam sternförmig zum Marktplatz marschierten.

Sonntag: Der Vorabend im Restaurant war wieder sehr schön und wirkte noch ein wenig nach. Ansonsten verlief der Tag weitgehend wie ein normaler Sonntag mit Ausschlafen, kleinem Frühstück, langem Spaziergang (heute durch Beuel), Sofalesezeit und ohne besondere Bemerknisse oder Pointe.

Müsste das nicht Karneval’ssamstag/-sonntag geschrieben werden?
Postfrevel in Beuel

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Wenn Sie mögen, mit Alaaf, Helau oder wie auch immer das bei Ihnen heißt.

19:30

Woche 46/2024: Ein weiterer Pinselstrich im düsteren Bild unseres Unterganges

Montag: „Ich bin hier noch sehr unwissend unterwegs“, schrieb einer per Mail. Das ist kein bisschen besser als das vor allem bei jungen Menschen weit verbreitete „keine Ahnung“. Im Übrigen war der erste Arbeitstag der Woche erträglich und nicht zu lang. Ab Mittag zeigte sich nach längerer Abwesenheit mal wieder die Sonne; die den elften Elften feiernden Jecken auf dem Marktplatz und anderswo wird es gefreut haben.

Im Briefkasten ein handgeschriebener Brief aus Duisburg beziehungsweise Düsseldorf, über den ich mich, obwohl per Mail angekündigt, freue und der so bald wie möglich beantwortet wird. Da sage noch jemand, es würden keine Briefe mehr geschrieben. Wenn Sie mir auch gerne schreiben möchten, meine Adresse finden Sie im Impressum. Es würde mich freuen und ich schreibe zurück, irgendwann, versprochen.

Abends schauten der Liebste und ich anlässlich der Sessionseröffnung ein Stündchen im nahegelegenen Zeughaus der Bonner Ehrengarde rein. Es war nicht überfüllt, doch gute Stimmung und lebhaftes Partytoben. Ein wenig ungewohnt ist es noch, am Montagabend zu einschlägigem Liedgut Kölsch zu trinken, das wird schon wieder.

Dienstag: Während des Fußwegs ins Werk überholte mich am Rheinufer ein jüngerer Läufer. Kurz vor mir blieb er stehen, holte sein Datengerät aus der Hosentasche, hielt es schräg über Kopfhöhe, grinste es gequält an und steckte es wieder ein. Warum er das direkt in meinem Blickfeld tat anstatt vorher, oder zu warten, bis der mittelalte Mann mit dem morgenmürrischen Gesicht vorbeigegangen ist, weiß ich nicht. Vermutlich kann er sich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die diese Selfiesucht seltsam finden und darüber bloggen, was, zugegeben, auch eine Art Sucht geworden ist.

Komplimente to go, welch schöne Idee
Auch in dieser Woche darf dieses Motiv nicht fehlen

Mittags gab es Gänsekeule mit Knödeln, Maronen und Rotkohl, eine umfangreiche Portion von beglückendem Geschmack. Für die Kantine war es ungewöhnlich teuer, im Restaurant hätte es in vergleichbarer Menge und Qualität indes das dreifache gekostet; immer das Verhältnis sehen, schon wird es günstiger. Ich vermute einen Zusammenhang mit diesem Martin, wegen dessen sie dieser Tage überall auf die Straße gehen.

Mittwoch: Ein insgesamt angenehmer Tag ohne berichtenswerte Beobachtungen und Erlebnisse. Schauen wir deshalb mal wieder auf die WordPress-Tagesfrage, die heute lautet: „Was ist das Coolste, das du je gefunden (und behalten) hast?“ Puh. Dazu fällt mir spontan gar nichts ein, jedenfalls nicht, wenn man die Frage auf einen Gegenstand bezieht, den man zufällig am Wegesrand aufsammelte und ihn sich auf den Kaminsims stellte, wo er noch heute vollstaubt. Und cool soll es ja auch noch sein, was ist schon cool? Ist dieses Wort heute überhaupt noch gebräuchlich, ist das nicht Jugendsprache aus vergangenen Zeiten? Ich selbst gebrauchte und gebrauche es selten bis nie, was die Beantwortung der Frage nicht einfacher macht. Lassen Sie mich deshalb eine Nacht darüber schlafen; sollte mir etwas einfallen, reiche ich es nach.

Donnerstag: Über den Straßen der Fußgängerzone sind die jahreszeitüblichen Besinnlichkeitsleuchtmittel angebracht, wie ich morgens sah, vorläufig noch unbeleuchtet. Vielleicht hängen sie schon länger dort und sie sind mir nur nicht aufgefallen, wenn ich mich mit gesenktem Blick ins Werk schleppe. Immerhin dürfte es nun nicht mehr lange dauern, bis am Rheinpavillon die Glühweinbude aufgebaut ist, die mich auf dem Rückweg zur besinnlichen Einkehr nötigt.

Kürzlich berichtete ich über einen Jüngling auf dem Fahrrad, der bei ähnlich niedrigen Temperaturen wie jetzt obenrum mit nichts als einem Rucksack bekleidet war. Heute sah ich ihn in gleicher Weise (un-)bekleidet wieder am Rheinufer entlang radeln. Immerhin trug er zusätzlich eine Wollmütze.

…
Morgens
Abends

Freitag: Wie im Radio morgens gemeldet wurde, klagen sauerländische Hotelbesitzer gegen das Aufstellen von zwei Windrädern, weil sie den Panoramablick verunzieren und somit schlecht fürs Geschäft mit dem Ski-Tourismus sind. Ein weiterer Pinselstrich im düsteren Bild unseres Unterganges.

In diesen Tagen gibt der künftige US-Präsident bekannt, wer künftig seiner Administration angehören wird, unter anderem der nicht minder irre reichste Mann der Welt. Armes Amerika, aber sie wollen es so. Vielleicht ist es das beste, die dortigen Geschehnisse nicht als Drama, sondern als Komödie zu betrachten. Ich weiß, das ist dem Ernst der Lage nicht angemessen, aber ich kann ja nichts daran ändern.

Aus dem Bonner General-Anzeiger:

„Vertagt wurde lediglich die Erhöhung der Abwassergebühren, weil die Fraktionen noch Klärungsbedarf haben.“

„Eine vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröte ist über 8000 Kilometer von ihren Heimatgewässern entfernt gefunden und nun wieder zurückgebracht worden.“

Von der Internetseite der Stadt Bonn zum Parkraumkonzept: „Öffentliche Parkplätze in der Nordstadt sollen vor allem Anwohnenden zur Verfügung stehen. Diese können mit dem Bewohnerparkausweis parken.“

Samstag: Für den voraussichtlich künftigen Bundeskanzler Merz ist das Recht auf Abtreibung ein Thema, „das wie kein zweites das Land polarisiert“. Da fielen mir umstrittenere Themen ein, wenn man mich fragte. Aber mich fragt ja keiner.

Morgens fuhren der Liebste und ich nach Bad Godesberg, wo die Karnevalssession traditionell erst am Samstag nach dem elften Elften mit Buden und Bühnenprogramm auf dem Theaterplatz eröffnet wird. Unsere Gesellschaft war mit einer Bierbude vertreten, allerdings war mein Bierbedarf gedämpft, es war zu kalt für Kaltgetränke. Stattdessen holte ich mir an einem anderen Stand den ersten Glühwein der Saison, der allerdings nur unzureichend wärmte, vor allem nicht die Füße. Deshalb war ich nicht unfroh, als wir vorzeitig aufbrachen. (Ich hörte mal vor längerer Zeit, wenn man eine Veranstaltung, etwa eine Party, ohne Abschied verlässt, heißt das „polnische Verabschiedung“, warum auch immer. Vielleicht ist es in Polen so üblich, was ich durchaus sympathisch fände.)

Auf dem Rückweg vom Hauptbahnhof nach Hause wurden wir, durch Vereinsjacke, Orden und Schiffchen als Karnevalisten erkennbar, mit „Helau“ angerufen. Eine Dame fragte immerhin, ob man hier Helau oder Alaaf rufe, eine Frage, die den Rheinländer vermutlich stärker polarisiert als die Abtreibungsfrage; eine Passantin äußerte sich uns gegenüber bestürzt über derlei Unwissenheit. Ich nehme das den Leuten nicht übel, als zugezogener Ostwestfale ist meine (nicht nur) diesbezügliche Leidenschaft gering. Touristen halt.

Sonntag: Nachmittags besuchte ich eine Modelleisenbahnbörse in einer Schule in Bornheim-Roisdorf, da es regnete mit der Stadtbahn. Nachdem ich alles gesehen, einen Waggon erstanden und den im Eintrittspreis enthaltenen Kaffee getrunken hatte, hatte es zu regnen aufgehört und die Sonne ließ das verbliebene Herbstgelb leuchten. Deshalb beschloss ich, zu Fuß zurück zu gehen, so kam ich auch noch zum Sonntagsspaziergang, eher schon eine kleine Wanderung. Zuvor suchte ich die Toiletten auf, wo ich mich wunderte:

Zum einen über die keinerlei Sinn ergebenden Anführungszeichen. Vor allem aber über den Anbringungsort bei den Waschbecken und nicht in den Verrichtungszellen. Das verstehe ich nicht: Nach meiner Erfahrung hat es sich bewährt, unmittelbar nach dem Geschäft nach dem Papier greifen zu können, ohne die Gründe dafür weiter auszuführen. Wie läuft das hier? Entnimmt der Schüler vorher so viele Blätter, wie er zu benötigen schätzt? Wenn er zu großzügig geschätzt hat, wird er das überzählige Papier vermutlich mit wegspülen, was Verschwendung ist. Was aber soll er tun, wenn er zu wenig mit in die Kabine nahm?

Schotterbeete sind deprimierend. Doch gibt es nichts, was sich nicht noch steigern ließe.
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Zwischen Alfter und Bonn-Dransdorf zauberte die Meteorologie einen beeindruckenden Regenbogen. Kurz darauf setzte ein Regenschauer ein, der das Gehglück nur geringfügig trübte.

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Kommen Sie gut durch die Woche.