Ursprünglich notiert an einem Sommersonntag in einer Außengastronomie in der Bonner Südstadt
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Die Welt ist voller Krisen und Probleme, die Menschen werden scheinbar zunehmend verrückter. Letzteres glaube ich nicht: Schaut man in die Geschichte zurück, waren die Menschen immer verrückt, man muss nur in der Bibel lesen; daran wird sich voraussichtlich bis zur bevorstehenden Selbstauslöschung der Spezies nicht mehr viel ändern. Statt zu verzweifeln und deshalb irrationale Dinge zu tun wie mich auf die Straße zu kleben, schaue ich lieber darauf, was gut läuft, wie das frisch gezapfte Bier, das mir während der Niederschrift dieses Aufsatzes gereicht wurde. Und auf die Dinge, auf die ich mich freue. Vorfreude soll ja die schönste Freude sein, heißt es. Ich freue mich auf:
Den nächsten Urlaub, der schon in wenigen Wochen ansteht. – Den nächsten Aufenthalt in Südfrankreich, wenn auch erst wieder im nächsten Jahr. – Den nächsten Inseltag im September, an dem ich voraussichtlich wieder wandern werde. – Den nächsten Besuch des Lieblingsrestaurants mit meinen Lieben. – An Werktagen freue ich mich morgens auf die Mittagspause und ganztägig auf das nächste Wochenende, sonntagsmorgens auf den Spaziergang am Nachmittag. – Ein Wiedersehen und meine aktive Teilnahme an der Lesung der TapetenPoeten Anfang September. – Ein gemeinsames Blogvorhaben, das hoffentlich bald startet. – Alle Jahre wieder, wenn Weihnachten überstanden ist, alle Geschenk- und Besuchspflichten erfüllt sind.
Auf den Ruhestand, auch wenn ich mich bis dahin noch ein paar Jahre gedulden muss. Das ist nicht schlimm, mit meiner derzeitigen Arbeitssituation bin ich sehr zufrieden, auch wenn sich das hier manchmal anders liest. Wenn es so bleibt, halte ich die verbleibenden maximal neun Jahre locker durch.
Auch meinem Lebensende sehe ich einigermaßen gelassen entgegen, wobei Vorfreude hier der falsche Begriff wäre, da ich als nicht (mehr) religiöser Mensch nicht annehme, dass mit dem Ableben Hauptfreude eintreten wird. Das werde ich ja sehen. Oder eben nicht.
Montag: Am Wochenbeginn war nichts Wesentliches zu beanstanden, es gab schon montäglichere Montage. Zu beklagen ist der Defekt der Geschirrspülmaschine nach nur acht Jahren Betrieb, was nicht dem Montag anzulasten ist. Dabei handelt es um ein Gerät des einst für die Verlässlichkeit und dauerhafte Haltbarkeit seiner Produkte bekannten Gütersloher Hausgeräteherstellers im gehobenen Preissegment. Anscheinend kann man sich auf nichts mehr verlassen. Vor geraumer Zeit stellte bereits der Wäschetrockner aus demselben Hause seine Dienste ein; sein Nachfolger, ebenfalls aus Gütersloh, nervt seitdem mit durchdringendem Piepen nach Trocknungsende.
Aus einem Zeitungsbericht über den Brand in einem Landauer Autohaus am vergangenen Wochenende: »Durch das Feuer wurden unter anderem Autos zerstört« – Wer hätte das gedacht.
Arno Frank im aktuellen SPIEGEL über Freibadkultur: »Und wenn weibliche Brüste vom Schönheitschirurgen sein können, dann sind männliche manchmal von der Brauerei.«
Dienstag: Vormittags fuhr ein Lieferwagen auf die gelb verdorrte Rasenfläche hinter dem Werk, mit Anhänger, darauf ein Aufsitz-Rasenmäher, obwohl es dort nichts mehr ernsthaft zu mähen gab. Bevor er lärmend zu grasen begann, brachte der Grünschnittvollstrecker mittels einer nicht minder lärmenden Motorsense die umstehenden Hecken in Facon. An Büroschlaf war nicht zu denken. Ich schloss die Fenster und dachte: Der macht auch nur seine ihm aufgetragene Arbeit. Wenigstens bediente er sich zum Aufsammeln der Heckenreste einer klassischen Harke statt eines Blasinstruments.
„Da sind wir schon in Progress“ hörte ich in einer Besprechung und fasste mich an den Kopf.
In einer Überschrift las ich was von „spannendem Gemüse“ und wunderte mich.
Aus gegebenem Anlass wünsche ich mir für WhatsApp eine Funktion, die eine Gruppe automatisch für mindestens acht Stunden stummschaltet, sobald jemand ein Spruchbild darin veröffentlicht. Oder mehr als ein Ausrufezeichen verwendet.
Nachmittags unterhielt ich mich mit einem Kollegen über den Ruhestand und kam zu der Erkenntnis, dass ich in spätestens neun Jahren gehen kann. Neun Jahre sind nicht viel, zurückgerechnet ist das 2014. Das war doch gerade erst.
Mittwoch: „Wir haben leider ein Delay“ hörte ich in einer Besprechung. Das tut mir leid, hoffentlich singt er nicht.
Die Tagesfrage des Blogvermieters lautet, welche Strategie ich anwende, um das tägliche Leben angenehmer zu gestalten. Eine bewusste Strategie, die einhergeht mit einer Planung, verfolge ich nicht, doch gibt es schon ein paar Dinge, die mir unverzichtbar erscheinen: die konsequente Trennung von Beruf und Privat, weshalb ich Heimarbeit ablehne. Eine Mittagspause ohne geschäftliche Gespräche und abseits des Schreibtisches, ganz wichtig und nicht verhandelbar. – Bewegung, das muss kein Sport im engeren Sinne sein: Radfahrten und Fußgänge ins Werk, Spaziergänge, die weitgehende Meidung von Rolltreppen und Aufzügen. (Das Sportstudio, das ich vor Jahren regelmäßig aufsuchte, ehe ich daran die Lust verlor, befindet sich im zweiten Stock. Sie glauben nicht, wie viele der Muskelzüchter dorthin den Aufzug benutzten.) – Ein, zwei Gläser Wein oder Bier am Abend. Ja ich weiß, nicht gut, weniger wäre besser, gehört für mich aber dazu. – Ausreichend Schlaf, das heißt, vor Arbeitstagen gegen zweiundzwanzig Uhr ins Bett, am Wochenende nicht vor zehn wieder raus. – Mich nicht für alles interessieren, worum allgemeines Geschrei tönt. – Lesen. Schreiben. – Das war eine kleine Auswahl, die sich mit etwas Nachdenken noch erweitern ließe.
Abendgewölk
Donnerstag: Etwas, das das Leben auch angenehmer macht, sind Unterbrechungen des Alltags. Das muss nicht gleich ein mehrwöchiger Urlaub sein, einzelne Tage zwischendurch erquicken ebenfalls. Ein solcher Inseltag war heute, den ich bei perfektem Wetter wandernd verbrachte, auf der zweiten Etappe des Natursteigs Sieg von Hennef nach Blankenberg. Glücksgefühl stellte sich erstmals ein, nachdem der zum Teil steile Zuweg von Hennef herauf geschafft war und mich auf dem Hauptweg Waldkühle umgab, derweil von rechts aus dem Tal fernes Stadt- und Straßenrauschen ans Ohr drang.
Der Wanderweg führt nicht nur durch Wald und Feld, sondern ab und an auch durch ein Wohngebiet. Ich mag das. Ob die Anwohner es genauso mögen, wenn fremde Leute an ihren Gartenzäunen entlang wandern, ist eine andere Frage.
Während der Mittagspause auf einem wohlgelegenen Rastplatz mit Blick auf das Tagesziel diktierte ich aus gegebenem Anlass die erste Whatsapp-Sprachnachricht meines Lebens. Dabei hielt ich, worüber ich sonst gerne lästere, das Telefon flach vor den Mund und schaute mich immer wieder um, ob mich jemand sehen könnte. Obwohl es für viele völlig normal ist, wäre mir das peinlich gewesen. Ähnlich wie beim WildWaldpinkeln.
Gegen vierzehn Uhr erreichte ich den Ortsteil Stein, wo ich mich in einer Außengastronomie an einem Weizenbier labte. Derart gestärkt erklomm ich anschließend den Hügel, auf dem die idyllische Stadt Blankenberg ruht, eigentlich schon Beginn der dritten Siegsteig-Etappe, die ich mir für einen der nächsten Wandertage vornehme. Danach fuhr ich, von Wanderglück beseelt, mit einer fast leeren S-Bahn zurück nach Siegburg, wo spontan aufgekommener Currywurstappetit gestillt wurde.
Wenn es Sie interessiert, hier einige Eindrücke des Tages:
Sieg bei HennefWaldeslustFarbenDas Ziel vor Augen (Pfeil)Für die Sammlung (Stein)Stadt BlankenbergFinde den Fehler
Freitag: „Es wird demnächst tatsächliche Standards für die Betreiber kritischer Infrastruktur geben“, sagte die Innenministerin anlässlich der Störaktion Klimaklebender auf dem Düsseldorfer Flughafen. Tatsächlich. Dann kann ja nichts mehr passieren.
Irgendwer hat mir per Teams ohne weitere Kommentierung eine Aufgabe zugewiesen. Da ist er bei mir richtig. Ohne genauer zu wissen, was er von mir will, habe ich sie auf Erledigt gesetzt und warte ab, was passiert. Mit dem Alter kommt die Gelassenheit, derlei nicht ernst zu nehmen und die Erkenntnis, dass in über neunzig Prozent solcher Fälle gar nichts passiert.
Samstag: Das Wetter zeigt sich unentschieden, mal regnet es, ab und zu lugt die Sonne durch ein Wolkenloch, dazu angenehme Temperaturen nicht weit über zwanzig Grad. Dank der neuen Markise kann ich den Nachmittag niederschlagsunabhängig auf dem Balkon sitzen und das Blog befüllen, auf dass Sie am Montag wieder was zu lesen haben. Ein wenig getrübt wird das Vergnügen durch Arbeitsgeräusche des bisweilen zu Hyperaktivität neigenden Nachbarn gegenüber, der heute etwas mit einer elektrischen Handkreissäge bearbeitet, dazwischen heult immer wieder ein Staubsauger mit nervensägenden Klopfgeräuschen, ungefähr so: „Uüüüüüüüüü – bum bum bum – üüüüüüüüü – bum bum bum – üüüüü …“.
Aus Unpässlichkeitsgründen haben wir ausnahmsweise Cola im Haus, die klassische bauchige Glasflasche im Einliterformat, ich wusste nicht, dass es das (noch) gibt. Nach so langer Zeit schmeckt die braune Süßbrause erstaunlich gut, wird aber nicht zur Gewohnheit werden.
Aus der Zeitung:
Haben die das wirklich nicht gemerkt?
Alles Gute zum Namenstag unter anderem an Bonaventura, Gumbert und Regiswind.
Sonntag: Bei den Kraftstoffpreisen ist offenbar noch Luft nach oben. Anders ist nicht zu erklären, dass ich beim Spaziergang an gleich drei Fahrzeugen vorbeiging, die mit laufendem Motor entweder am Straßenrand standen, derweil der Fahrer sich mit dem Datengerät beschäftigte, oder vor geschlossen Bahnschranken. Soll man die Leute ansprechen? Ja, sollte man wohl, aber außer einer dummen Antwort, vielleicht auch Gewaltandrohung, wird man nichts erreichen.
Meine Abneigung gegen das Händeschütteln schon lange vor der Seuche brachte ich bereits des öfteren zum Ausdruck. Wie der aktuellen Ausgabe der PSYCHOLOGIE HEUTE zu entnehmen ist, praktizierten die australischen Walbiri den Penishandschlag. Leider wird nicht erläutert, wie eine solche Begrüßung genau ablief, auch in des Netzes Weiten fand ich nichts dazu. Das würde mich sehr interessieren, wenngleich ich nicht annehme, für dieses Wissen eine praktische Anwendung beziehungsweise eine allgemein akzeptierte Alternative zum Händeschütteln zu finden.
Montag: Trotz Sommerzeitbeginn fiel das Aufstehen am Morgen nicht schwerer als sonst. Auch die persönliche Stimmung blieb ganztägig zufriedenstellend.
Wenig sommerzeitlich zeigt sich das Wetter: Es ist kalt und abwechslungsreich, ab und zu fällt Schneeartiges, etwa als ich mit dem Fahrrad abends nach Hause fuhr, dann scheint wieder die Sonne. Was soll man machen.
Der große, von Verdi und der Bahngewerkschaft ausgerufene Verkehrsmittelstreik blieb dem Vernehmen nach ohne größere Auswirkungen. In Erwartung voller Straßen blieben offenbar viele zu Hause. So geht es auch. Mein Fahrrad fährt erfreulicherweise tarifungebunden, wenn es mal streikt, bringe ich es in die Werkstatt.
In einer internen Mitteilung las ich mal wieder das Wort „Preisanpassung“. Wie häufig kommt es vor, dass ein Preis nach unten angepasst wird? Ist es den Leuten nicht mehr zuzumuten, die Preissteigerung beim Namen zu nennen?
Ein anderes Wort, das in mir stets ein Störgefühl auslöst, ist „verbeamtet“. Man wird zum Beamten ernannt, mit Ernennungsurkunde und Amtsbezeichnung, wenn es gut läuft auf Lebenszeit mit Pensionsansprüchen. Dann ist man beamtet. Aber wieso ver-beamtet? Klingt wie eine irrtümliche oder fehlerhafte Ernennung durch ein Büroversehen. Es ist wohl wie oft: Das sagt man halt so.
Dienstag: Bereits um kurz nach fünf in der Frühe wachte ich aus interessanten Träumen auf, deren Inhalt ich nicht wiedergeben kann, da wie meistens jede Erinnerung daran sich innerhalb von Minuten auflöste. Zudem würde eine Wiedergabe vermutlich keinen erkennbaren Sinn ergeben, wohingegen während des Träumens noch alles logisch und richtig erscheint, Sie kennen das sicher. (Vielleicht denke ich dereinst ähnlich über mein Leben, wenn ich darauf zurückblicke, wer weiß.) Danach schlief ich nicht wieder ein, weil mich ein grundsätzlich angenehmes Gedankengemisch daran hinderte. Hinzu kam eine gewisse Unruhe der Mitschläfer, was ich ihnen nicht vorwerfe.
Ganz anders Frau Kaltmamsell, die da schreibt: »Wieder sehr gut geschlafen. Richtig viel guter Schlaf erreicht Körper- und Seelenstellen – da kommt Urlaub gar nicht hin.« Welch wunderbarer Satz.
Auf dem Rückweg vom Werk kehrte ich auf einen Tee in der Gaststätte am Rheinufer ein, wo ich einmal mehr über einen jungen Mann am Nebentisch staunte, der ununterbrochen auf seine Begleitung einredete. Sie schien es zu mögen. So verschieden sind Menschen.
Zu den akustischen Umweltunerträglichkeiten zählen auch junge Weiber, die bereits aus nichtigen Gründen „Oh mein Goott“ kreischen.
Mittwoch: Mittags wurde der sehr geschätzte Kollegen K. in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, mit launiger Ansprache des Abteilungsleiters, Verlesung und Überreichung der Zurruhesetzungsurkunde. Wieder einer, der es geschafft hat, ein wenig beneide ich ihn; nicht so dagegen um die Großvaterpflichten, der nun umso mehr auf ihn zukommen. Ich werde ihn vermissen. Nach dem offiziellen Teil wurde billiger Sekt gereicht, der später beim Abteilungs-Jour Fixe ermüdend wirkte, also noch mehr, als mich Jour Fixes ohnehin regelmäßig ermüden; zudem lag er übel im Magen und verursachte unwohlschmeckende Aufstoßer. Der Nachteil einer gewissen Champagnerverwöhnung.
Ein weiterer Beitrag zum Thema Duzen und Siezen: »Ich kann als Chef meine Mitarbeitenden duzen und trotzdem ein Arschloch sein«, sagt darin der Sprachwissenschaftler Horst Simon. Das kann ich bestätigen, wobei der Chef, an den ich dabei sofort denke, nicht mehr im Unternehmen ist.
Donnerstag: Durch die Bezeichnung „Onepager“ für eine Kurzpräsentation gewinnt selbst der trivialste Unfug an Bedeutung.
WordPress schlägt vor, etwas zu nennen, was die meisten Leute nicht verstehen. Bitte sehr: 1) die Relativitätstheorie, 2) Abseits, 3) das Sitzplatznumerierungssystem der Bahn.
Etwas, das ich nicht verstehe, findet sich im aktuellen SPIEGEL, wo der s.Oliver-Chef Bernd Freier zitiert wird: »Ich wache um 4 Uhr auf, schreibe E-Mails und telefoniere mit meinen Managern in Asien, bei denen dann schon Mittag ist. Um 7 Uhr gehe ich aufs Laufband oder stemme Gewichte. Mein Gehirn ist permanent unter Strom, ich rede von früh bis spät und halte in Sitzungen durch, wenn viele schon eingeschlafen sind. Die junge Generation ist anders, die wollen mehr Freizeit. Wenn ich freitagnachmittags über den Parkplatz gehe, steht da kein Auto mehr. Und ab 17 Uhr soll man keine dienstlichen SMS mehr verschicken – wie willst du damit eine Schlacht gewinnen?« Ich empfinde Mitleid mit derart Getriebenen, trotz ihrer Erfolge und aller Befriedigung, die sie für sich aus ihrem Treiben ziehen. Im Übrigen ist mir nicht daran gelegen, Schlachten zu gewinnen. Und schon gar nicht, von früh bis spät zu reden. Vielleicht ein Indiz, dass auch mir im Herzen noch eine gewisse Jugend innewohnt
Freitag: Da Regen drohte und die Drohung wahr machte, fuhr ich mit der Bahn ins Werk. Dort sah ich einen vielleicht zehnjährigen Buben sich die Frisur richten. Immer wieder schaute er sich im Spiegel der Fensterscheibe kritisch an, die Stirn in Falten gelegt, zupfte hier, legte da, korrigierte dort. Ob er am Ende zufrieden war, weiß ich nicht. Ich kenne das, nur fing das bei mir mit etwa achtzehn an, vorher war mir die Frisur weitgehend wurscht. Auch hier ist die Jugend heute weiter.
Auch Pflanzen haben laut Forschung Gefühle, nehmt dies, Veganer: »Der Tomate ist es ganz und gar nicht egal, wenn man ihr an den Fruchtkörper rückt. Auch Tabak, Weizen oder Mais geben demnach Laut, stehen sie unter Stress. Nur dass die Pflanzen damit beim Menschen auf taube Ohren stoßen und ein Mähdrescher ohnedies das letzte Stöhnen aus dem Kornfeld zuverlässig übertönt.«
Samstag: Heute ist der erste April, kein Scherz; somit ist das erste Vierteljahr bereits wieder Vergangenheit. Erschreckend.
Bereits am frühen Morgen machten der Liebste und ich uns auf ins niedersächsische Dransfeld, wo Tante und Onkel zum jeweils achtzigsten Geburtstag geladen hatten. Nach störungsfreier Autofahrt kamen wir gegen elf an, kurz darauf trafen die anderen Gäste ein. Alle waren gekommen: meine Mutter, mein Bruder nebst Gattin, alle noch lebenden Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen, die ich teilweise seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, ein jeder und eine jede wie ich auf ihre Art gealtert. Dazu eine Schar an Kindern, die zu benennen und den jeweiligen Eltern zuzuordnen mir kaum möglich war. Es wurde gegessen, getrunken, gesprochen, gelacht und erinnert. Alles in allem eine ganz wunderbare Zusammenkunft, die es in dieser Form und Vollständigkeit womöglich nicht wieder geben wird. Obwohl ein eher sozialphlegmatischer Mensch habe ich das frühe Aufstehen an diesem Morgen kein bisschen bereut.
Erkenntnis: Auch in Verwandtschaftskreisen wird dieses Blog gelegentlich zur Kenntnis genommen. Das freut mich und wird bei künftigen Einträgen berücksichtigt.
Sonntag: Bereits am frühen Morgen lärmten auf dem Flur unserer Unterkunft Amerikaner. Die sind wirklich überall, sogar in Südostniedersachsen.
Nach Rückkehr in Bonn am frühen Nachmittag holte ich den sonntagsüblichen Spaziergang nach. Zur Abwechslung ist es wieder kühler geworden, „der Wind ist frisch unterwegs“ sagt die Frau im Radio. Immerhin ist das Frühlingsergrünen und -blühen hier gegenüber dem östlichen Niedersachsen deutlich fortgeschritten. Die Zierkirschblüte in der Inneren Nordstadt hat begonnen, bis jetzt nur die früheren Sorten in einigen Nebenstraßen, was schon die ersten Blütenkucker und Selfiesüchtigen anlockt. Die Bäume in Heer- und Breitestraße zeigen nur rötliche Knospen. In schätzungsweise ein bis zwei Wochen werden sie wieder zu den inzwischen weltberühmten Blütentunneln erblühen und Touristen mit Datengeräten aus aller Welt anlocken.
Archivbild aus dem Vorjahr – offenbar war es da auch kühl, wie die Fellkapuze rechts ahnen lässtAuch in der Inneren Nordstadt – was mit Liebe
Noch immer sieht man Radfahrer mit angelegter Schutzmaske im Gesicht. Vielleicht wollen sie einfach nicht erkannt werden, wenn sie unter Missachtung aller Verkehrsregeln durch die Stadt sausen.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die FDP verboten werden muss. (Das hatte ich vergangene Woche vergessen.)
Montag: Manchmal muss man aus Routinen ausbrechen. Entgegen der Gewohnheit ging ich bereits heute zu Fuß ins Werk, in der Hoffnung, ein längerer Gang durch die Morgenfrische würde des Montags Müdigkeit mildern. Was den gewünschten Effekt betrifft: ging so.
Vergangene Woche beschrieb ich im Zusammenhang mit einem Friseurbesuch mein Unbehagen, das allzu Offensichtliche auszusprechen. Heute erschien beim Öffnen eines neuen Internet-Tabs das vermutlich von Microsoft so eingerichtete Bild eines Eisberges, dazu dieser Hinweis:
Manchmal weiß ich wirklich nicht, was ich dazu sagen soll.
Auf dem Rückweg ging ich hinter dem Mutterhaus an einem vorbei, der Tenorhorn übte, weithin gut hörbar, beziehungsweise nicht gut; er mühte sich immer wieder mit einer kurzen Tonfolge ab, die nicht recht gelingen wollte, auch nicht bei der werweißwievielten Wiederholung. Ob es Teil eines Liedes war oder eine Etüde, war nicht zu erkennen. Ebenfalls nicht, warum er ausgerechnet dort übte statt im Schallschutz des heimischen Kellers. Vielleicht haben die Nachbarn auf Unterlassung geklagt oder der Vermieter mit Beendigung des Mietverhältnisses gedroht, wundern würde es nicht. Er muss noch viel üben. Oder besser Briefmarken sammeln.
Das Wetter zeigte sich tagsüber trübe, erst am Abend heiterte es auf und bildete auf diese Weise meine persönliche Stimmung ziemlich genau ab.
Dienstag: Gegen 14 Uhr ist die Arbeitsunlust am größten. Dann rief auch noch ein ehemaliger Kollege an und schwärmte vom Ruhestand. Als er fragte, wie lange ich noch zu arbeiten habe, kamen mir die Tränen und die Lippen begannen zu zittern.
In einem Artikel der PSYCHOLOGIE HEUTE über Alter und Eintritt ins Rentenalter las ich von „Firmenpatriarchen und -patriarchinnen.“ Patriarchinnen? Ein weiteres Mosaiksteinchen im Bild einer Welt, die immer weniger meine ist.
Oder dieses: Die Zeitung berichtet über einen vierzigjährigen Wanderer, der vom Rhein-Sieg-Kreis einen Bußgeldbescheid über mehr als zehntausend Euro erhalten hat. Grund: Bei seinen Wanderungen verstieß er immer wieder gegen Naturschutzbestimmungen, indem er gesperrte Wege benutzte, in Schutzhütten übernachtete, im Wald Feuer entfachte und mutwillig einen Feuersalamander und eine Spinne beunruhigte. Über all das berichtete er umfassend auf Youtube, was der behördlichen Beweisführung sehr entgegenkam. Bei Reue hätte man ihm einen Nachlass gewährt, indes: „Ich bin es leid, mich zu verbiegen und die geforderte Einsicht und Reue zu zeigen“, so der vom rechten Wege Abgekommene. Weiter: „Es kann aber auch nicht sein, dass man erst Verordnungen lesen muss, bevor man einen Wald betritt.“ Ich finde es einmal mehr unerträglich, wie Medien Menschen, die sich nicht an Regeln halten wollen und deswegen zur Rechenschaft gezogen werden, Gelegenheit geben, sich als Opfer darzustellen.
Mittwoch: Wie der heutigen Wikipedia-Startseite zu entnehmen ist, starb vergangenen Sonntag im Alter von 69 Jahren ein „kanadischer Rockeranführer und Verbrecher“. Bemerkenswert, mit welchem Lebenswandel man es auf die Wikipedia-Startseite schafft. Doch wer weiß, vielleicht steht dort dereinst, wenn für mich die Zeit gekommen ist: „Carsten K., erfolgloser und weitgehend unbeachteter Kleinblogger“.
»Ich könnte heulen vor Wut!«, so endet ein Kommentar in der Berliner Zeitung. Dabei ging es nicht um den russischen Angriff auf die Ukraine oder die beharrliche Weigerung der FDP, Vernunft anzunehmen, vielmehr wurde die Schließung zweier Postfilialen beklagt. Heul doch, möchte man da antworten.
Donnerstag: Zu Fuß ins Werk, wie jeden Donnerstag.
Morgendliche RheinruheWenn es doch so einfach wäreDas Geheimnis meiner SchönheitUm Gottes Willen
In der Zeitung ein weiterer Artikel über den Dienstag genannten Falschwanderer, dieses Mal etwas kritischer, vielleicht haben sie es selbst gemerkt. In diesem Zusammenhang ist das Wort „Outdoorer“ zu lesen, was vermutlich soviel wie Freiluftinfluencer bedeutet. Die Verwendung solcher Wörter sollte auch bußgeldbewehrt sein.
Ich habe mir übrigens einen lang gehegten Wunsch erfüllt, beziehungsweise seine Erfüllung in die Wege geleitet: Ende September werde ich eine viertägige Alleinzeit am Niedersonthofener See im Allgäu verbringen, wo unsere Familie bis in die Achtziger häufig Urlaub machte. Darauf freue ich mich sehr und bin gespannt, was sich dort seitdem verändert hat, und was nicht. In letztere Kategorie fällt hoffentlich der allgegenwärtige leichte Kuhdungduft, ohne den das Allgäu für mich undenkbar wäre.
Freitag: Dieses Layla-Lied, über das sich gerade empört wird, kenne ich nicht, und das zu ändern liegt nicht in meiner Absicht. Es interessiert mich einfach nicht. Im Übrigen verstehe ich die Aufregung nicht. Der Anteil der Liedtexte, die in fragwürdiger Weise körperliche Reize preisen, dürfte erheblich sein, ohne dass daran nennenswert Anstoß genommen wurde und wird.
Gelesen in der PSYCHOLOGIE HEUTE über Hochbegabte: »Das Erdulden von Geschwätz erzeugt bei ihnen immense innere Spannung.« Bin ich hochbegabt? Aber in was nur?
Samstag: Aus Gründen familiärer und freundschaftlicher Kontaktpflege reiste ich nach Bielefeld, man muss diese Zeit zwischen den Wellen nutzen. Bei der Gelegenheit komme ich nicht umhin, den Schienenpersonennahverkehr zu loben: Die Bahnen waren pünktlich und nicht überfüllt.
„Alles wird schlechter“, hörte ich hinter mir jemanden ins Telefon sprechen, der am Düsseldorfer Flughafen zugestiegen war und seine Gesprächspartnerin davon in Kenntnis setzte, dass sein Gepäck nicht mitgeflogen war und sich noch in München befand.
Das sah der Vater einer dreiköpfigen Familie vermutlich anders: Immer wieder zeigte er sich begeistert von dem modernen Zug, der Anzeige der Anschlüsse vor dem nächsten Halt auf dem Monitor und der (funktionieren) Klimaanlage. Vielleicht war er zum letzten Mal Zug gefahren, als die Bahn den Nahverkehr noch mit Silberlingen abwickelte.
Flickwerk in Duisburg
In Essen ist an einem Gebäude der Stadtwerke der Schriftzug »Wohlfühlwärme von STEAG« zu lesen. Hoffentlich noch recht lange, möchte man eingedenk der aktuellen Entwicklung hinzufügen.
Kurz vor Rheda-Wiedenbrück mahnte der Triebfahrzeugführer per Lautsprecherdurchsage einen Fahrgast, der offenbar Freude daran hatte, immer wieder den Knopf für die Anforderung einer Rollstuhlrampe zu betätigen: „Dieser Zug ist ein Beförderungsmittel und kein Abenteuerspielplatz.“ Ein Satz aus Kindertagen: Oft, wenn wir uns irgendwo aufhielten, wo es einem Erwachsenen nicht genehm war, auf einer Baustelle oder so, wurde uns beschieden „Hier ist kein Spielplatz.“ Lange nicht gehört.
Vor Gütersloh sagte mein Sitznachbar ins Telefon: „Die Aufgabenstruktur soll ziemlich geil sein.“ Ein ebenso bemerkens- wie notierenswerter Satz.
Sonntag: Am Vormittag besuchte ich kurz die Dampfkleinbahn, die nach zweijähriger Zwangspause wieder fährt.
Lok 7 „Gustav“, Baujahr 1949, baustellenbedingt (auch bei der Kleinbahn wird gebaut) auf der sonst planmäßig nicht mehr befahrenen Oststrecke zwischen Mühlenstroth-Postdamm und Mühlenstroth-Forst
Danach trat ich ab Gütersloh die Heimreise nach Bonn an mit einer Bahn, die wesentlich stärker ausgelastet war als die Dampfkleinbahn. „Es zwingt Sie niemand, sich für neun Euro in überfüllte Züge zu quetschen“, sagte ein offenbar genervter Triebfahrzeugführer per Lautsprecher, nachdem er Fahrgäste aus der ersten Klasse verscheucht hatte. Er schien noch nicht völlig überzeugt von dem aktuellen Angebot der Bundesregierung.
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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche, möglichst in Wohlfühlwärme statt allzu großer Hitze.
Montag: Auch der erste Arbeitstag nach einer erholsamen Urlaubswoche war schon wieder reich an Besprechungsterminen. Eine der Runden bestand ausschließlich aus Teilnehmern, die zum anstehenden Thema jeweils maximal über Halbwissen verfügten, die Einladende und den Chronisten eingeschlossen, wobei sich die einzelnen Wissensfragmente leider nicht zu einem Ganzen fügten. Deshalb wurde nach vierzig Minuten, als jeder seine vagen Vermutungen zum Problem und seiner Lösung geäußert hatte, manche auch mehrfach, beschlossen, zu einer neuen Besprechung mit Wissenden einzuladen. Besser ist das.
Doch klage ich nicht, das ist alles ruhegehaltsfähig, und jeder vergangene Tag, ja jede Stunde bringt mich dem an manchen Tagen besonders herbeigesehnten „wohlverdienten“ Ruhestand ein kleines Stückchen näher.
Dem baldigen Ruhestand strebt auch dieses Jahr entgegen. Ob wohlverdient, mag ein jeder für sich entscheiden.
…
Dienstag: Mittags in der Kantine stand vor mir eineFrau, die unentwegt, auch während sie bedient wurde, mit Kabel in den Ohren auf ihrDatengerät fixiert war. Dem Mann hinter dem Tresen bedeutete sie unterdessen ihren Wunsch „zum Mitnehmen“; zu diesem Zweck hält die Kantine verschließbare Mehrwegbehälter ähnlich dem klassischen Tupper-Produkt vor. Als der Kantinist sich zunächst schwertat mit dem Deckel, bot sie an, das Gefäß selbst zu verschließen, was ich gerne gesehen hätte mit dem Gerät in der Hand. Er schaffte es dann aber doch. Merke: Wer beim Mittagessen telefoniert, hat seine Arbeit nicht im Griff.
Kennen Sie diese Tage, an denen man jemandem, den man an den meisten anderen Tagen ganz gerne hat, am liebsten in den Hin… den hinteren Süden treten möchte? So ein Tag war heute. Erst ab 19:46 Uhr hellte sich die Stimmung wieder auf.
Mittwoch: „Das ist ein richtiges Autofahrlied – wenn der anfängt zu trommeln, muss ich immer auf dem Lenkrad mittrommeln“, sagte morgens der Mann im Radio. Ich fahre zum Glück nur noch selten Auto; ein Autofahrlied zeichnet sich für mich indessen vor allem dadurch aus, dass ich dabei mit hinreichender Textsicherheit laut mitsinge. Als ich noch täglich fuhr, zu der Zeit steckte man Musikkassetten in einen Schlitz, besaß ich mehrere Kassetten mit der Rückenbeschriftung „Zum Mitsingen“. Das vermisse ich ein kleines bisschen auf der täglichen Radfahrt.
Heute betrat ich zum ersten Mal nach achtzehn Monaten wieder ein Hotel, wo eine Präsenzveranstaltung abgehalten wurde, so richtig mit (für mein Empfinden zu vielen) anderen Menschen in einem (f. m. E. zu engen) Besprechungsraum. Das habe ich überhaupt nicht vermisst. Immerhin gab es danach eine Wiedersehensfeier mit desinfizierenden Getränken.
Donnerstag: (Der nachfolgende Satz ist für Menschen mit Gendersprechbedürfnis nicht geeignet.) Auf dem Fußweg ins Werk hätte ich zwei Fahrradfahrer anschreien können: Die eine, weil sie mich beim Überqueren der Kreuzung fast umgefahren hätte, den anderen, weil er mich auf dem Fußweg von hinten anklingele. Aber ach, wem hilft es.
Manches hat man schon häufig fotografiert. Dennoch tut man es immer wieder. Weil es schön ist und nichts kostet.
Kurz vor Ankunft im Werk sah ich ein Eichhörnchen die Straße überqueren, ordnungsgemäß über den Zebrastreifen. Offenbar nahm es die Verkehrsregeln ernster als die vorgenannten Radfahrer.
Freitag: Oktober nun. „Die Heizperiode beginnt heute“, hieß es morgens im Radio, als ob der Kalender alleinige Entscheidungsbefugnis über unser Temperaturempfinden hätte. Dessen ungeachtet fuhr ich heute erstmals mit dickerer Jacke*, Schal und Handschuhen ins Werk. Nicht so die Schulkinder, die morgens auf ihren Rädern vor mir an der Ampel warteten, in kurzen Hosen und T-Shirts, als ob morgen die Sommerferien begönnen. Da zog ich den Reißverschluss der Jacke reflexartig noch ein paar Zähne höher. Warum lassen Eltern sie so aus dem Haus? Oder gibt es mittlerweile kälteabweisende Sprays, mit denen sie ihre Brut morgens einsprühen?
* für die unsere Vorfahren einst das wunderschöne Wort „Übergangsjacke“ ersannen
Die Kastanien im Rheinauenpark lassen wieder ihre stacheligen Früchte auf die Wege fallen, wo sie zerplatzen und ihre braunglänzend furnierten Kerne freigeben, auf dass der mittägliche Flaneur sie vor sich her trete. Nur einige Rosenblüten strahlen noch, als hätten sie das Wort Heizperiode noch nie gehört, wohingegen der Wegweiser zum Bootsverleih seine Bestimmung für die kommenden Monate vorläufig eingebüßt hat. – Ich liebe den Herbst, aber das erwähnte ich wohl schon.
Abends wurde in einer Bonner Gaststätte nach nur geringer Alkoholeinnahme eine neue Weichtier-Spezies entdeckt: die Fiesmuschel.
Samstag: Impflust durch die Vordertür – in der Bonner Innenstadt stand ein Impfbus, davor eine lange Schlange Impfwilliger. Anscheinend besteht doch noch etwas Hoffnung.
In Itzehoe befindet sich laut Zeitungsbericht eine 96-jährige Frau in Untersuchungshaft, derer sie sich zuvor vergeblich durch Flucht zu entziehen versucht hatte. Die Dame ist als damalige Sekretärin in einem Konzentrationslager der Beihilfe zum Mord angeklagt. Ich bin bestimmt kein Anhänger der Irgendwannmussesauchmalgutsein-Idee, dennoch frage ich mich in diesem Fall: Muss das sein? Als Sekretärin wird sie wohl kaum todbringende Entscheidungen getroffen haben. Aber was weiß ich schon.
Sonntag: Beim Spaziergang sah ich einige Damen das Schaufenster eines Geschäfts in der Innenstadt weihnachtlich dekorieren, einschließlich Tannenbaum mit Lichterkette. Das ist wieder Zimt auf die Sterne der Spätsommerspekulatius-Empörten.
Wer auch immer Bundeskanzler wird – er wird all die aktuellen Probleme nicht lösen können, weil dazu etwas erforderlich wäre, was es nicht gibt: die Bereitschaft der Bürger, auf Dinge wie Ungeimpftsein, Urlaubsreisen, freie Fahrt und geschotterte Vorgärten zu verzichten. Warum also wollen manche unbedingt Kanzler werden? Wohl kaum der Bezahlung wegen, da kann man woanders wesentlich mehr Geld mit wesentlich weniger Ärger bekommen. Warum also? Was passiert eigentlich, wenn das irgendwann keiner mehr machen will? Wird das dann per Los bestimmt?