Woche 31/2026: In gefestigter Stimmung

Montag: „Mir war wichtig, euch abzuholen, damit ihr damit fein seid“, sagte einer am Ende der von ihm einberufenen Besprechung. Wie so geredet wird, wahrscheinlich war ich wieder mal der einzige in der Runde, der daran innerlich Anstoß nahm.

Dafür finde ich das Wort „Ablagevertragsaufnahmeerleichterungshilfe“ als Titel eines Verbesserungsvorschlags aus dem Betrieblichen Vorschlagswesen ganz wunderbar; allein schon dafür verdient der Einreicher eine Prämie. Vorschlagswesen ist im Übrigen auch ein schönes Wort, aus dem Autoren wie Walter Moers vielleicht eine Figur schaffen können, zum Beispiel einen Gnom, der jeden Satz mit „Wir könnten doch …“ beginnt. In dem Zusammenhang stellt sich mir spontan die Frage, wie der Vorschlaghammer zu seinem Namen kam.

Dienstag: Ein schönes Wort ist auch „Mehrzweckeier“, laut Zeitungsbericht nicht zugelassen zur diesjährigen Wahl für das Jugendwort des Jahres, weil es geeignet sei, den Bundeskanzler zu verunglimpfen. Letzteres ist ebenfalls ein schönes Wort.

Gehört I: „Fehlerfreie Software ist nicht effizient.“ Demnach sind einige mir bekannte IT-Anwendungen hocheffizient.

Gehört II: „Neun von zehn haben kein Problem mit Mobbing.“

Mittwoch: Der Arbeitstag begann mit einer Auffrischung der Brandschutzhelferkenntnisse im Freien vor dem Turm, dazu praktische Übungen mit offenem Licht und Feuerlöschern. Das war informativ und unterhaltsam, dennoch sehne ich mich nicht danach, die erneuerten Kenntnisse eines Tages in der Praxis anwenden zu müssen. Den ausnahmsweise termin- und besprechungsfreien Nachmittag wollte ich nutzen zur Erledigungen mehrerer Aufgaben, dann trafen per Teams, Telefon und persönlicher Ansprache eine Reihe spontaner Anliegen ein, schließlich leitete eine Kollegin nach vorheriger fernmündlicher Ankündigung eine Imponderabilie weiter, derer mich anzunehmen ich am späteren Nachmittag nur noch wenig Lust verspürte. Bevor am Ende der Rechner runterfuhr, war nicht eine einzige Aufgabe in der Liste abgehakt, stattdessen sind neue dazugekommen, auf dass die Arbeit nicht ausgehe, es hat ja auch sein Gutes. Solche Tage gibt es, vielleicht wird es morgen, trotz wieder vollem Kalender, besser. Jedenfalls wird es wieder wärmer.

Donnerstag: Bereits morgens auf dem Fußweg ins Werk stach die Sonne. Während des Gehens kam mir, warum auch immer, die Melodie eines der gar schrecklichen Lieder in den Sinn, die uns in der lang zurückliegenden Schulzeit unser Musiklehrer regelmäßig singen ließ, gerne auch einzeln vor der gesamten Klasse, für den stimmbrüchigen Gymnasiasten eine tiefe Demütigung, die mir die Freude am Gesang fast genommen hatte. Zum Glück entdeckte ich sie später, nun in gefestigter Stimmung, wieder. Dass mir ausgerechnet diese Lieder, von denen ich mich weder an Titel noch Text erinnern kann und will, immer wieder einfallen, während mir Namen und gängige englische Vokabeln regelmäßig entfallen, zähle ich zu den Rätseln des Lebens.

Es geht doch: Nach einem besprechungsreichen Arbeitstag war dennoch einiges in der Aufgabenliste abgehakt, auch die Imponderabilie konnte ohne größere Mühe gelöst werden. Wieder bestätigt sich, dass es oft am besten ist, eine auf den ersten Blick unangenehm-lästige Aufgabe nicht sofort anzugehen.

Artikelüberschrift: „Paketbote rettet entlaufenen Wellensittich während seiner Tour“

Morgens – fast kann man die Wärme sehen
Niedrigwasser im Rhein. Bald liegt die Rheinnixe am Beueler Ufer trocken. Sie fährt ohnehin nicht mehr.

Gelesen bei Fliegende Bretter:

Es ist immer wieder faszinierend, wie dieselben Leute, die dem Staat andauernd Untätigkeit und Handlungsunfähigkeit vorwerfen, jede kleinste staatliche Maßnahme als diktatorisch und übergriffig bekämpfen, sobald es sie betrifft.

Freitag: Seit vielen Jahren erfreut uns die Kölschbrauerei Früh mit Wortspiel-Werbung, oft recht originell, manchmal auch direkt aus der Wortspielhölle. Welcher Kategorie die aktuelle Reklame zuzuordnen ist, mag jeder für sich entscheiden.

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Mittags in der Kantine stand One-Pott Pasta zur Auswahl. Dabei handelte es sich um ein wohlschmeckendes Spiralnudelgericht mit Linsen, das entgegen der seltsamen Bezeichnung auf einem gewöhnlichen Teller gereicht wurde. Irgendwie müssen die Dinge ja heißen. Zum Dessert gab es grüne Götterspeise mit einem Häubchen Vanillesoße. Eine Arbeitswoche kann kulinarisch schlechter enden.

Freitags erscheint die Wochenkolumne „Deutscher Alltag“ von Kurt Kister, die ich abonniert habe, weil mir sein Schreibstil gefällt. Ich weiß nicht warum, regelmäßig werde ich nach einigen Wochen nicht mehr beliefert, was ich genauso regelmäßig immer erst nach einigen unbelieferten Wochen bemerke, woraufhin ich mich neu anmelde. Heute erhielt ich sie wieder, darin folgende Kanzlerverunglimpfung:

Die nächste Bundestagswahl findet 2029 statt, vielleicht aber auch früher, falls die SPD sich von der Union trennen will oder die Union von Friedrich Merz oder Merz sich möglicherweise bei seiner nächsten Kabinettsumbildung selbst austauscht, ohne vorher mit sich gesprochen zu haben. 

Samstag: Einer spontanen Idee des Liebsten folgend nahmen wir nach dem externen Frühstück an einer touristischen Stadtrundfahrt durch Bonn in einem Doppeldeckerbus mit offenem Dach teil. Wenn man schon seit siebenundzwanzig Jahren in dieser Stadt wohnt, sollte man auch das mal gemacht haben. Die Fahrt dauert zwei Stunden, sie führt durch die Innenstadt, Endenich, Poppelsdorf, die Südstadt, Bad Godesberg, Rüngsdorf, auf die andere Rheinseite zum Bonner Bogen und das ehemalige Regierungsviertel. Auch wenn sie keine neuen Erkenntnisse brachte, war sie sehr vergnüglich, ich empfehle Ihnen das, falls Sie mal in Bonn sind. Bemerkenswert fand ich die Abschnitte, die auch die Straßenbahn befährt, wo deren Oberleitung zum Greifen nahe über den Sitzen hängt. Deshalb sind die Fahrgäste auf dem offenen Oberdeck angehalten, sich anzuschnallen; kontrolliert wird das nicht. Erstaunlich für ein Land, in dem zur Vermeidung möglicher Haftungsansprüche oft die absurdesten Verbote erlassen werden. Aktuelles Beispiel in Bonn: Die Stadtbahnwagen, die zurzeit nach vorübergehender Außerbetriebnahme von sechzig Zügen den Betrieb aufrecht erhalten, müssen an den Haltestellen in Oberkassel durchfahren, weil es dort keine Hochbahnsteige gibt und die Wagen nicht über untere Trittstufen verfügen. Früher war das kein Problem, heute könnte jemand stolpern, deshalb lieber gar nicht halten.

Im Godesberger Villenviertel
Unter Strom
Warnhinweis

(Lieber T., wie bereits besprochen machen wir beide diese Tour auch noch zusammen.)

Anschließend besuchten wir den CSD auf dem Münsterplatz, wo wir fast keine Bekannten sahen. Im Gegensatz zu früheren Jahren, als es noch das Schwulen- und Lesbenzentrum in der Nordstadt gab, das wir regelmäßig besuchten und das, wenn es es noch gäbe, vermutlich inzwischen anders hieße, auf dass sich aus der bunten LGBTQundsoweiter-Buchstabensuppe niemand ausgegrenzt fühle. Welcher Buchstaben mag die Männer bezeichnen, die dort heute aufgrund sehr spezieller Vorlieben eine Leder-Hundemaske trugen?

Sonntag: Eher zweifelhaft auch der Werbespruch, den ich beim Spaziergang auf einem großen Plakat an einem Baugerüst in der Nordstadt las: „Zuviel Power? Werde Gerüstbauer!“ Aua.

Weiterhin spazierte ich am Rhein, der, wie die Zeitung heute meldet, ein so noch nie gemessenes Niedrigwasser aufweist, mit weiter fallendem Pegel ist zu rechnen. Dazu passend sieht ein Wissenschaftler im Interview der Sonntagszeitung eine Dürrekatastrophe auf uns zukommen, womöglich mit rationiertem Wasser. Vorläufig noch unbegrenzt verfügbar ist bayrisches Helles, wie ich beim anschließenden Besuch des Lieblingsbiergartens mit gewisser Erleichterung feststellte.

Finde den Fehler

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die nächste warme Woche.

17:30

Woche 40/2024: Auf Kosten des Hauses

Montag: „Österreich ist nach rechts gerückt“, hieß es morgens im Radio. Vermutlich rätseln die Geologen noch, wie es dazu kommen konnte. Nicht auszuschließen ist, dass Bayern und die Schweiz nachrücken werden. (Zugegeben, das war jetzt eher flachwurzelnd.)

Ansonsten verlief der erste von drei letzten Arbeitstagen vor dem Urlaub insgesamt zufriedenstellend. Ein Kollege aus der Nachbarabteilung hatte seinen letzten Arbeitstag, ab morgen ist er Pensionär. Wie stets zu solchen Anlässen, die sich in letzter Zeit häufen, beneide ich ihn ein klein wenig. Also im positiven Sinne, fernab jeder Missgunst.

Mittags nahm ich erstmals an einem Fire Side Chat mit dem Oberchef teil, von einem Townhall Meeting kaum zu unterscheiden. Letztlich eine Informationsveranstaltung vor internem Publikum in einem Konferenzsaal, mit Interview durch eine Dame der Kommunikationsabteilung und einer Q&A Session. Hauptsache es klingt modern und bedeutend. Was solls – ich werde gut dafür bezahlt, es mir anzuhören.

Etwas in Sorge bin ich wegen eines Kratzens im Rachen, das vormittags ganz dezent anfing und sich im Laufe des Tages steigerte. Zur Sicherheit verzichtete ich zum Abendessen auf den Rosé, stattdessen Rotwein.

Dienstag: Ein gewöhnlicher Dienstag mit Fußweg ins Werk und zurück, morgens mit etwas Regen zwischendurch, das war nicht schlimm. In einer Gruppe von Schulkindern sah ich ein Mädchen, das statt Ranzen oder Rucksack einen rosa Rollkoffer hinter sich herzog (erst beim Notieren bemerke ich die R-Lastigkeit des Satzes). Nun also auch die Schüler, und warum auch nicht.

Weg ins Werk vor Regenschleier

In einer Besprechung zuckte der Sprachnerv etwas, als eine Kollegin etwas als „specialig“ (sprich: sspeschelig) bezeichnete.

Das Halskratzen konnte mit Lutschbonbons kleingehalten werden, die sich allerdings negativ auf das Geschmacksempfinden auswirken. Der Genuss von Currywurst und roter Götterspeise mittags wurde dadurch nicht beeinträchtigt, wohl aber das Glücksgefühl beim Verzehr eines Nougat-Marzipan-Baumstammes am Nachmittag. Deshalb suchte ich auf dem Rückweg statt einer Gastronomie eine Apotheke auf.

Darüber könnte Max Giesinger mal singen. Titelvorschlag: Und wenn sie surft

Mittwoch: Der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub endete zeitig und ohne die gelegentlich auftretende Vorurlaubshektik, wenn kurz vor Schluss noch Sachen reinkommen, die dringend zu erledigen sind. Nun ist es für derartige Anliegen zu spät: Der Rechner ruht in der Schreibtischschublade im Büro, das dienstliche Datengerät ist ausgeschaltet.

Die Vorfreude ist bereits da, nun muss nur noch Urlaubsstimmung aufkommen. Das Rachenkratzen ist abgeklungen, dafür läuft sich die Nase gerade ein; als erste Maßnahme wurde die vorübergehende Umstellung von Stoff- auf Papiertaschentücher bereits vollzogen. Egal: Die Sachen sind gepackt, morgen früh gehts los. Immer optimistisch bleiben.

Donnerstag: Morgens brachen wir auf, sechs Stunden später erreichten wir nach recht entspannter Autofahrt Beaune im Burgund, mittlerweile traditionell unser Zwischenziel auf der Reise in den Süden. Unterkunft nahmen wir wieder im Hotel la Poste, obwohl wir beim letzten Mal unzufrieden waren, weil die gebuchte Suite (man gönnt sich ja sonst nichts) sich als geräumige Dachkammer mit defektem Dachfenster erwiesen hatte. Nachdem der Liebste sich per Mail ausführlich beschwert hatte, Cc an die französische Tourismus-Ministerin, darauf muss man erstmal kommen, zeigte sich die Hausleitung zerknirscht und bot uns an, beim nächsten Aufenthalt, also jetzt, in der besten Suite zu residieren, und zwar, das ist das beste, auf Kosten des Hauses. Ich finde das etwas übertrieben, aber nun sind wir hier und sehr zufrieden. Von der Terrasse blickt man über die Stadt und auf die Weinberge. Leider ist es inzwischen zu kühl für längeres Terrassenverweilen, irgendwas ist ja immer.

Beaune im Abendlicht
Hinten die Côte d‘Or

Was auch ist: Die Erkältung plagt mich weiterhin mit Nasenlauf, Hustenreiz und Kopfdröhnen wie nach übermäßigem Alkoholverzehr am Vorabend. Zwar hatten wir gestern Abend auf den Urlaub angestoßen, von Übermaß kann indes keine Rede sein. Jedenfalls verzichtete ich nach Ankunft in Beaune auf eine Runde durch die Stadt mit dem Liebsten und hielt ein Schläfchen; wenn man schon die beste Räumlichkeit bewohnen darf, sollte man das nutzen. Anschließend teebegleitetes Bloggen, voila.

Für das Abendessen hatte der Liebste schon vor Monaten in einem Restaurant in der Stadt reserviert. Das Essen war ausgezeichnet, wegen der Erkältung allerdings Appetit und Genuss eingeschränkt. Bedauerlich, aber nicht zu ändern.

Freitag: Zwei kleine Kritikpunkte wies das Hotelzimmer doch auf, so klein, dass eine Mail ans Ministerium unangemessen erscheint. Zum einen fehlen auch hier Jackenhaken; immer wieder frage ich mich, warum die meisten Hotels an dieser Kleinigkeit sparen. Vielleicht sollte ich gelegentlich nach Reisejackenhaken recherchieren, die man ins Türblatt einhängen kann, vielleicht gibt es sowas. Zum anderen die Dusche: Zwar mit extravaganter Armatur, doch ohne Möglichkeit, die Brause über Kopf irgendwo einzuhängen, um sich darunter berieseln zu lassen. Stattdessen muss man sich mit der Brause in der Hand bewässern. Als Spritzschutz gegen das Badezimmer ein gerade mal etwa vierzig Zentimeter breiter Glasstreifen, entsprechend sah der Boden neben der Wanne aus, als ich abgebraust war.

Extravagente Armatur

Auch die Weiterfahrt nach Malaucène verlief entspannt, auffallend viele deutsche Autos waren unterwegs. Nach Verlassen der Autobahn in Bollène wurden wir von einem LKW hinter uns bedrängt und angehupt, dessen Fahrer die zulässigen achtzig Stundenkilometer offenbar für einen nicht ernst zu nehmenden Vorschlag hielt. Im nächsten Kreisverkehr, derer es hier viele gibt, ließen wir ihn vor.

Bei Meursault

Nach viereinhalb Stunden Fahrt kamen wir an unserem Haus an. Die Sonne scheint, leichter Mistral pustet den Himmel blau. Wunderbar.

Kurz nach Ankunft. Bitte denken Sie sich den Wind dazu

Samstag: Der erste Tag in Malaucène verlief bei erfreulichem Wetter ohne besondere Unternehmungen. Alles Weitere ist hier nachzulesen.

Sonntag: Vergangene Nacht träumte ich, mein Bruder wäre mit einem Lied über Biertrinken zum Youtube-Star geworden, man muss sich wirklich wundern, was sich so ein Hirn zusammenspinnt, während man schläft. Da sich das Thema über mehrere Traumphasen hinweg hielt, schaute ich morgens zur Sicherheit nach, bekam nur die Fratze das Antlitz von FDP-Kubicki angezeigt, schloss Youtube daher schnell wieder; schlimm genug, sich mit dem den Familiennamen teilen zu müssen. Lieber M., wenn ich was übersehen habe, lass es mich bitte wissen.

Des Himmels Blau war morgens hinter einer dichten Wolkendecke verschwunden, für den weiteren Verlauf des Tages war Regen angekündigt. Der perfekte Tag zum Nichtstun. Und also taten wir: Der Liebste zog sich nach dem Frühstück zum Lesen und Genesen in die Gemächer zurück, ich begab mich in Daunenjacke in den Liegestuhl auf der Terrasse, wo ich auf Empfehlung des daheim gebliebenen Geliebten die heute-Show und Böhmermann, außerdem Nuhr vom vergangenen Freitag nachschaute, danach las ich weiter im Stanišić. Vorläufiges Urteil nach der ersten Hälfte: Nach dem Auslesen werde ich das Buch wohl in einen öffentlichen Bücherschrank bringen. Wenn Sie es haben wollen, melden Sie sich gerne. Am frühen Nachmittag kam der erwartete Regen, nur so wenig, dass die Dachziegel über der Terrasse die Tropfen aufsaugten, es rann nichts vom Dache herab. Unterdessen terrorisierte eine Gruppe PS-Freunde über längere Zeit die Umgebung, indem sie mit motordröhenden Fahrzeugen ohrenscheinlich in größerer Anzahl den Mont Ventoux überquerten.

Erst abends verließen wir Haus und Grund für das Abendessen im Ort.

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Kommen Sie gut durch die Woche. Falls Sie eine Erkältung oder Schlimmeres plagt, baldige Genesung.

#WMDEDGT im Dezember: Wörtliche Rede und Vorfreude

Am fünften eines jeden Monats ruft die geschätzte Mitbloggerin Frau Brüllen zur Pflege der Tagebuchblogkultur auf. Hierzu schreibt der geneigte Teilnehmer einen Aufsatz zum Thema „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“, kurz #WMDEDGT, und verlinkt ihn auf dem Brüllen-Blog.

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Während der Zeitungslektüre zum ersten Kaffee am Morgen las ich diesen Satz: »Es wird Zeit, dass Bund und Land sich ehrlich machen.« Sich ehrlich machen – eine weitere Floskel für die Liste.

Ehrlich machen sollte sich auch eine Metzgerei in der Bonner Innenstadt, an deren Fenster seit Tagen, wenn nicht Wochen, ein handschriftlicher Zettel angebracht ist: »Heute nur Barzahlung«.

»Wir bringen das Mittelmeer in Ihre Küche«, wirbt ein paar Meter weiter ein Fachgeschäft für olivenhölzerne Haushaltswaren. Das muss nun wirklich nicht sein.

Der dienstagsübliche Fußmarsch ins Werk erfolgte bei Trockenheit und etwas milderer Temperatur gegenüber den letzten Tagen. Auch der Rheinpegel liegt wieder auf einem normalen Niveau, mal sehen, wie lange angesichts der Schneefälle der vergangenen Tage im Süden.

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Kurz nach Ankunft im Büro klopfte ein Kollege an die Tür, den ich nur selten sehe, weil er im Gegensatz zu mir meistens zu Hause arbeitet. Es kam zu einem längeren Plausch über Gott und die Welt, was in diesem Fall wörtlich zu verstehen ist; trotz meiner grundsätzlichen Abneigung gegen wörtliche Rede am frühen Morgen (also vor neun Uhr) war es sehr angenehm.

Der Arbeitstag floss recht erfreulich dahin; die gestern herrschende Generalunlust hatte sich gelegt, wie so häufig von Montag auf Dienstag. Vor dem Fenster kam immer wieder die Elster zu Besuch, vielleicht waren es auch mehrere abwechselnd, und machte(n) sich, nachdem das von mir dort aufgestellte Futterhäuschen auf mysteriöse Weise abhanden gekommen war, über das nun auf einem profanen Teller dargereichte Vogelfutter her. Ansonsten habe ich zweimal Nein gesagt. Das war gar nicht schwer und fühlte sich gut an.

Der SPIEGEL meldet das »Pisa-Debakel«, nach dem »Pisa-Schock« von 2001. Was kommt als nächstes, Pisa-Krise, -Katastrophe, -Misere? -Horror? Wir werden es vielleicht noch erleben, wenn nicht andere Imponderabilien dazwischenkommen.

Zum Mittagessen in die Kantine gingen wir zu sechst, bis Ende 2019 nichts Besonderes. Jetzt, da ich es gewohnt bin, mittags zumeist allein, allenfalls mal zu zweit zu essen, weil fast alle überwiegend zu Hause arbeiten, empfinde ich derartige Gruppenessen als gewöhnungsbedürftig bis anstrengend. Anscheinend hat meine Sozialtoleranz während der Coronazeit einen irreparablen Schaden genommen. – Gegessen habe ich vegetarisch: Kartoffelpolenta an Grünkohlsalat, ganz gut, hätte etwas mehr sein dürfen. Zum Dessert gab es laut Karte »Schichtdessert von Erdbeeren und Waldmeister-Quark-Creme«. De facto ein Schälchen mit sehr fester, säuerlicher grüner Götterspeise (wenig göttlich), darauf fünf bis sechs kleine Erdbeeren, wo auch immer die herkommen Anfang Dezember, gekrönt mit einer Haube aus einer sahneartigen Vanillecreme. An den meisten Tagen bin ich mit dem Angebot der Kantine höchst zufrieden, heute würde ich allenfalls ein Ausreichend vergeben.

Ab Mittag setzte Regen ein, der sich bis zum Arbeitsende hielt. Deshalb verzichtete ich auf den Fußweg zurück (und auf die Einkehr auf einen Glühwein am Rheinpavillon) und nahm die Bahn. Den Glühwein gab es dann an einer etwas abgelegenen Bude auf dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt, der trotz Regen recht gut besucht war, insbesondere die überdachten Trinkstellen.

Abends war ich ein weiteres Mal auf dem Weihnachtsmarkt, nun mit dem Liebsten, zum Abendessen (erst Reibekuchen, dann Bratwurst) und auf ein Warmgetränk, derweil bei immer noch leichtem Regen eine feuchte Kälte langsam durch die Jacke drang.

Auf dem Rückweg reservierten wir für den Vorheiligabend in unserem Lieblingsrestaurant. Es ist immer schön, wenn man sich auf etwas freuen kann.