Abgeschrieben: Augen-Blicke

Es kommt nicht sehr häufig vor, dass ein Text mein Herz berührt, dass er eine wohlige Wärme in meinem Bauch erzeugt, so oft ich ihn auch lese. Einen solchen Text hat am vergangenen Mittwoch Tom in seinem Blog AbsolutTom verfasst. Mit seiner freundlichen Erlaubnis darf ich ihn hier präsentieren, dafür herzlichen Dank an Tom und viel Freude beim Lesen an meine geneigten Leser!

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Ich spüre einen warmen Hauch auf meinen Wangen und öffne die Augen. Verschwommen erkenne ich die Zimmerdecke und erinnere mich, dass ich hier gestern mit dir eingeschlafen bin. Ich drehe den Kopf und sehe dich. Schlafend. Entspannt. Mein Herz macht einen Sprung, du bist noch da. Warum solltest du auch weg sein? Aber ich stelle fest: Es macht das Ganze noch ein bisschen besser, wenn ich mir bewusst mache, dass alles immer noch so schön ist wie gestern Abend.

Also mache ich es mir gemütlich, stütze den Kopf auf und schaue dir beim Schlafen zu. Ruhig atmest du ein und aus, die Augen geschlossen. Wo du wohl gerade bist? Und ob ich dabei bin? Hoffentlich bin ich dabei. Zumindest soll es schön sein, da wo du bist. Sollte ich nur ein Anzeichen eines schlechten Traums sehen, werde ich dich sofort wecken.

Dich wecken ist wohl nicht nötig. Du brummst etwas und bewegst dich ein bisschen unter der Decke, streckst dich langsam und… siehe da, du öffnest deine wundervollen Augen ein wenig. So verschwommen wie ich vorhin die Zimmerdecke gesehen habe, müsstest du jetzt mich sehen. Ob du mein Strahlen schon erkennst? Wahrscheinlich schon, denn auch du beginnst zu lächeln. „Mmmmh”, grummelst du leise, „guten Morgen” flüstere ich. „Habe ich dir schon mal gesagt, dass du das Schönste bist, was ich je gesehen habe?” Du grinst mich an. „Schleimer.” „Wenn’s doch wahr ist”, beharre ich und kuschele mich an dich, „du kannst das ja gar nicht beurteilen.” Du schlingst die Arme um mich und ziehst mich noch ein bisschen näher an dich heran. Ich fühle die Wärme deines Körpers und höre dein Herz, ruhig und gleichmäßig.

So liegen wir still nebeneinander, lassen den Schlaf verfliegen und hängen unseren Gedanken nach. Unter der Decke ist es herrlich warm, ich glaube, ich werde nie aufstehen wollen. Überhaupt werde ich diesen Moment niemals beenden. „Wir werden für immer hier liegen bleiben, tagträumen, reden, schlafen und durch das Fenster die Jahreszeiten beobachten”, beschließe ich. „Und was ist mit Essen? Außerdem müssen wir doch auch mal…” „Du bist so unromantisch!”, keife ich gespielt entrüstet und drücke dir ein Kissen ins Gesicht. Du lachst hinein, doch wirst plötzlich stumm, so dass ich es weg nehme und dich fragend anschaue.

Dein Gesicht ist ernst. „Du?” „Hm?” „Ich bin glücklich.” „Ich auch.” „Nein”, sagst du, „ich meine, ich bin richtig glücklich. Rundum. Mit dir. Mit mir. Mit diesem Morgen, diesem Leben.” Deine Augen füllen sich mit Tränen. „Ich bin gerade der glücklichste Mensch auf der Welt.”

Quelle: http://www.absoluttom.de/?p=271

Fürs Leben gezeichnet

Die Tätowierung der Menschheit begann vor etwa siebentausend Jahren, wie entsprechende Mumienfunde im nördlichen Chile belegen. War die dauerhafte Körperzeichnung bis vor einigen Jahren noch überwiegend Kennzeichen gewisser Randgruppen, etwa Knastbrüder, Seefahrer und zweifelhafter Damen, deren Hauptkunden Knastbrüder und Seefahrer waren, so bildet heute die nicht-tätowierte Minderheit eine immer geringer werdende Randgruppe. Nicht nur der Punk auf dem Bahnhofsvorplatz oder die Aushilfsuschi im Lidl, auch leitende Angestellte und Zahnarzt- wie Bundespräsidentengattinnen bekennen heute Farbe.

Meine erste Begegnung mit einer Tätowierung hatte ich in den Siebzigerjahren, als die Popgruppe Sailor auf dem Höhepunkt ihrer Zeit angekommen und regelmäßig in Ilja Richters Disco oder dem Musikladen mit Manfred Sexauer (ob der wohl wirklich so hieß? Der Name erinnert  ein wenig an ungeübten Analverkehr) zu sehen war, die älteren von Ihnen erinnern sich vielleicht: Girls, Girls, Girls, A Glas Of Champagne und The Old Nickelodeon Sound; die vier Jungs aus England, Erfinder und Nutzer des Nickelodeons, einem sperrigen, von zwei gegenüberstehenden Personen zu bedienenden Tasteninstrument, heute längst in den popmusikalischen Tiefen abgetaucht, sowohl die vier Jungs als auch ihr tönendes Sperrmöbel.

Disco und Musikladen, so was gibt es  heute leider gar nicht mehr, heute muss man Wetten, dass…? kucken, wenn man im Fernsehen internationale Popstars auf der Bühne sehen will, und wer will das schon, also Wetten, dass…? kucken, meine ich. In diesem Zusammenhang unbedingt erwähnenswert erscheint mir auch die Plattenküche mit Helga Feddersen, Gott habe sie selig, und Frank Zander, eine Mischung aus Musikladen und Klimbim, nur ohne die Titten von Ingrid Steeger.

In den Achtizigern gab es dann Formel Eins mit Peter Illmann, gefolgt von Ingolf Lück, Stefanie Tücking und Kai Böcking. Die Stars traten nun nicht mehr in Form von Bühnenpräsenz in Erscheinung, dafür aber in ihren Musikvideos, eine musikalische Darreichungsform, die kurz zuvor in Mode gekommen war. Formel Eins, ich habe es geliebt (während ich den gleichnamigen Autorennsport ungefähr so interessant fand und finde wie die Betrachtung eines Grashalmes beim Wachsen); leider musste es mit dem Aufkommen von MTV und VIVA bald sterben, sehr bedauerlich. Manchmal wird Formel Eins heute noch wiederholt, leider in unerträglicher Form, anstatt die damaligen Folgen einfach noch einmal zu senden, zeigen sie nur einzelne Ausschnitte, ständig unterbrochen von völlig überflüssigen Kommentaren nicht minder überflüssiger sogenannter B-Prominenter („Oh ja, bei dem Lied habe ich damals zum ersten Mal onaniert“ und so weiter).

Zurück zum Thema. Zu Zeiten von Formel Eins war das Schiff von Sailor längst gesunken oder bestenfalls im hintersten Winkel eines Hafenbeckens für alle Zeiten festgemacht als seeuntüchtiges Restaurantschiff. Ihr Sänger, George Kajanus, sang nicht nur sehr schön, während er auf seiner Gitarre spielte (übrigens eine sogenannte akustische Gitarre, was für ein Unfug in sich, das Gegenteil ist dann wohl eine optische oder olfaktorische oder was??), sondern er trug auf seiner Wange die Tätowierung eines kleinen Ankers. Also ich nehme nicht an, dass der wirklich tätowiert war, aber man weiß ja nie bei so einem richtigen Seebären. Ich gebe zu, es gab Zeiten, da vergötterte ich Sailor, konnte viele ihrer Lieder, frei von jeglichen Englischkenntnissen, mitsingen, und zu Karneval ging ich als – nein, nicht als Seemann – als George Kajanus, ohne Gitarre, aber mit Ringelpullover, Schiffermütze und Anker auf der Backe, also auf der Wange, meine ich. (Ich bin mir sicher, heute gibt es nicht wenige Menschen, die einen Anker oder andere Bildnisse auf der Backe, nicht auf der Wange tragen.)

Sah man früher Tätowierungen bei den oben genannten Randgruppen vor allem auf Unterarmen und im Falle von George Kajanus im Gesicht, auch die alten Nordchilenen beschränkten sich zunächst auf Hände und Füße, so ist heute nahezu keine Körperregion mehr davon ausgenommen. Während das in den Neunzigern vor allem bei Damen beliebte Arschgeweih aus gutem Grund aus der Mode gekommen ist (was bei einer Tätowierung ja eher eine Art langfristiges persönliches Pech bedeutet), sieht man zunehmend junge Männer mit tätowierten Waden. Ich finde das schlimm. Ein Jungsbein soll haarig sein, aber nicht tätowiert, so ist es meines Wissens in der päpstlichen Schöpfungsordnung vorgesehen, vielleicht irre ich mich aber auch. Vielleicht ist ja auch der Papst unterhalb seines wallenden Gewandes großflächig gefärbt, niemand wird es je erfahren, ist wohl auch besser so.

Proportional zur Anzahl der Tätowierwilligen wächst auch die Zahl der Tattoo-Studios, in der Nachbarschaft zum Beispiel erfolgt die piksende Färbung direkt hinter einem Schaufenster, der einzufärbende sitzt mit entblößtem Körper(teil) in einer Art Frauenarztstuhl, während der Künstler mit mächtigen, von oben bis unten tätowierten Armen für jedermann sichtbar seinem stechenden Werk nachgeht. Ich frage mich, tätowiert der sich eigentlich selbst, oder geht er dafür seinerseits in ein Tatoo-Studio seines Vertrauens? Sinngemäß dieselbe Frage stelle ich mir schon seit langem für Frisöre und Zahnärzte, ohne je eine verlässliche Antwort erhalten zu haben.

Ich gestehe: auch ich wollte nicht länger zur Randgruppe der Nichttätowierten gehören, deswegen ließ ich das bereits vor geraumer Zeit ändern, nur was ganz kleines aus dem Tätowiererkatalog, etwas größeres hätte auch nicht auf meinen spillerigen Oberarm gepasst; ein Ornament ohne jede symbolische Aussage, so hoffe ich jedenfalls, aber genau weiß ich es nicht, vielleicht ist es ja ein fremdländisches Schriftzeichen, welches mich in ein eher ungünstiges Licht rückt, etwa als Kinderhasser oder Paarhuferkopulierer. Wenn es so sein sollte, werde ich es hoffentlich niemals erfahren.

Tätow

Eine Bitte zum Schluss: keine Wort darüber an meine Eltern, auch mit Mitte vierzig bin ich kein Freund unnötiger Diskussionen. Vielen Dank!

 

Herbstimpressionen

Mein Sonntagsspaziergang führte mich heute ungeplant durch den Bonner Norden über die Friedrich-Ebert-Brücke bis zur Siegmündung und auf der anderen Rheinseite wieder zurück. Die Herbstsonne ließ dabei die Siegauen in wunderschönen Farben erleuchten.

Hier ein paar Eindrücke, teilweise mit Instagram bearbeitet.

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Alles furchtbar wichtig.

Am besten man macht keinen Urlaub mehr, nie mehr. Ich meine das ernst. Denn: Während ich zwei Wochen lang meinen Bauch und andere Körperregionen in die provencalische Sonne hielt, sammelten sich, gleich einem angestauten Bach, E-Mails und andere Unerfreulichkeiten an meinem Arbeitsplatz an, erfreulicherweise keine größeren Imponderabilien, aber Kleinmist ist bekanntlich auch Mist, die Menge macht’s. Nachdem ich mich Montag und gestern noch auf einer Tagung in – sei es drum – Düsseldorf halbwegs ausruhen durfte, heute nun der erste richtige Bürotag nach zweiwöchiger südfranzösischer Muße. Irgendwie habe ich das Gefühl, alle drehen im Moment am Rad, und sicherlich nicht am Glücksrad, denn ein größerer Gewinn als der früher oder später eintretende Feierabend beziehungsweise das nächste Wochenende steht nicht in Aussicht: alle wollen was, schicken irgendwelche Dokumente, die bis spätestens gestern freigegeben werden sollen, dazu Besprechungen, Termine und so weiter; wenigstens das Telefon, nach SMS die zweitgrößte Kommunikationsgeißel, ließ mich heute weitgehend in Ruhe.

Ich fühle mich wie ein kleiner Arbeiter, der mit Schaufel und Schubkarre bis morgen Mittag einen riesigen Sandhaufen abzutragen hat, während ein großer Radlader minütlich neuen Sand auf den Haufen kippt. Und fast allen Kollegen, mit denen ich spreche, geht es ungefähr ähnlich.

Manchmal beneide ich einen Winzer. Er hat auch einen langen Tag teilweise harter körperlicher Arbeit, vermutlich im Schnitt länger als meiner, und doch muss es sehr befriedigend sein, am Ende dieses Tages (NICHT zu verwechseln mit der heute so beliebten Floskel „am Ende des Tages“!!!) zu sehen, was er geschafft hat, die eingefahrene Traubenernte, letztlich den gelungenen Wein beim Fassanstich. Was kann ich dagegen vorweisen? 43 abgearbeitete E-Mails, 5 Aufgaben in meiner Liste abgehakt? Gut, ich will nicht undankbar sein, es gibt Tage, da sind es deutlich weniger. – Und vielleicht beneidet mich der Winzer ja auch um meinen geregelten Bürojob, immer im Warmen, ich säe nicht, ich ernte nicht, und doch kommt die monatliche Gehaltsabrechnung mit schöner Regelmäßigkeit, hat ja auch was für sich.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Insgesamt bin ich sehr zufrieden, ich gehe durchaus gerne zur Arbeit. Noch gelingt es mir, den von außen aufgebauten Stress nicht zu nahe an mich heran zu lassen, Feierabend zu haben zum Feierabend und Wochenende am Wochenende (nicht alle Kollegen schaffen das). Und doch denke ich immer öfter: Ist es das wirklich, ist es das, was ich wirklich will?

Jein.

Abi ’86

Älter werden bringt nicht nur die ersten grauen Haare, eine Lichtung am Hinterkopf, nachlassendes Hör- und Sehvermögen und den Ansatz eines Bäuchleins mit sich, sondern auch die Einladung zum fünfundzwanzigjährigen Abitur-Nachtreffen. Die Einladung kam bereits Ende März, gestern war es so weit. Also machte sich auf auch Carsten K. aus Bonn nach Bielefeld. Ich war gespannt: Wie viele würden kommen? Wie viele davon würde ich wieder erkennen? Wie oft würde ich die Frage „Und was machst du jetzt“ beantworten müssen? Mein Vorsatz war, selbst diese Frage nicht zu stellen, da ich mir die Antworten ohnehin nicht merken könnte.

Die ersten Erinnerungen an die Schulzeit kamen schon abends bei der Busfahrt von Bielefeld-Sieghorst nach Heepen auf, so wie früher jeden Morgen mit der „33“, auch wenn sich die Linienführung inzwischen leicht geändert hat, trotzdem war es noch seltsam vertraut. Kurz nach sieben kam ich dann an am „Runkelkrug“ in Brönninghausen an, der für die Feier reserviert war. Dort leichte Irritation: Dass ich nicht alle auf Anhieb wieder erkennen würde, hatte ich erwartet, aber so wenige? Das konnte ja ein anstrengender Abend werden… Doch die Irritation löste sich schnell auf, denn gleichzeitig feierte auch der Abi-Jahrgang 1991, und die kannte ich nicht, die waren ja noch so klein damals.

Nachdem ich dann endlich auf der richtigen Veranstaltung angekommen war, wurde es richtig schön. Ja, erstaunlich viele habe ich wieder erkannt, die einen sofort, andere etwas später, und die meisten Namen dazu fielen mir auch ein, und wenn nicht, konnte ich ja fragen. Über achtzig Leute kamen, eine sehr beachtliche Quote. Leider fehlten einige von denen, die ich besonders gerne wieder getroffen hätte; vielleicht konnten sie nicht, vielleicht wollten sie aber auch nicht.

Natürlich haben sich alle über die Jahre verändert, mehr Bauch, weniger Haare, ein paar Falten, die einen mehr, die anderen weniger, wobei ich mich, bei aller Bescheidenheit, eher der zweiten Kategorie zugehörig fühle, hat ja auch was tröstliches; fast alle haben Kinder. Mit den einen unterhielt ich mich mehr, mit anderen weniger, im Grunde auch so wie früher. Und die Was-machst-du-jetzt-Frage musste ich auch höchstens fünf mal beantworten…

Sehr gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Frank S., den Schreiber des lesenswerten Blogs QUERGEFÖNT. Zu späterer Stunde und nach einigen Gläsern Bier kam uns eine wunderbare Idee für ein gemeinsames Projekt. Ich werde Sie darüber auf dem Laufenden halten!

Zum Schluss: Vielen vielen Dank an die vier Organisatorinnen Andrea, Anke, Ina und Susanne!