Woche 27/2025: Auch gegenüber Nervensägen immer höflich bleiben

Montag: Die Büros waren für einen Montag ungewöhnlich stark belegt, was daran liegen mag, dass der Turm gut gekühlt ist, während draußen das früher sogenannte schöne Wetter vor sich hin glüht. Die Rückfahrt mit dem Rad war dementsprechend mühsam, irgendwas ist ja immer.

Nach Rückkehr holte ich in der nicht minder heißen Innenstadt Brötchen für das Abendessen. Dabei kam ich mal wieder an einem Stand junger Aktivisten vorbei, die unschuldigen Passanten ein Gespräch über ihr Anliegen aufzuzwingen suchten, vielleicht Kinder-, Tier- oder Klimaschutz, ich habe nicht so genau darauf geachtet. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, das sind wichtige Anliegen, aber diese Leute sind unangenehm anstrengend. Als ich mich also näherte, winkte mir eine Aktivistin zu und rief mit der üblichen aufgesetzten Fröhlichkeit „Halloho!“ Da ich als überzeugter Passivist solchen Gesprächsgesuchen gegenüber nicht an einer Konversation interessiert war, erwiderte ich das Halloho nicht minder fröhlich und ging weiter meines Weges. Auch gegenüber Nervensägen immer höflich bleiben.

Früher lag die Macht in der Familie beim Besitzer der Fernseherfernbedienung. Heute ist es das Bedienaggregat für die Klimaanlage. (Geschrieben mit steifgefrorenen Fingern.)

Dienstag: Als ich morgens zu Fuß ins Werk ging, saß auf einer Bank am Rheinufer eine junge Frau und übte Blockflöte. Vor ihr stand ein Notenständer, die Noten waren daran mit Klammern befestigt, damit sie nicht vom bereits morgens sehr warmen Südwind fortgeblasen wurden. Sie spielte nicht schlecht, doch begann sie das mir unbekannte Stück mehrfach von vorn. Ganz offensichtlich spielte sie nicht für Publikum oder mit dem Ziel, dafür von Passanten Münzen zu beziehen, jedenfalls stand kein Sammelbecher vor ihr. Warum sie als Ort für ihr Üben das Rheinufer anstatt der heimischen Stube wählte, weiß ich nicht. Vielleicht ist es dort zu warm oder sie hat geräuschsensible Nachbarn. Ähnliches gilt vermutlich für den schon vor einiger Zeit erwähnten Trompetenspieler, der täglich mittags in der Tiefgarage des Mutterhauses übt, wo es schön hallt, aus den Schächten herausschallt und weithin zu hören ist. Nein, nicht schön: Nie hörte ich ihn ein Lied oder wenigstens Teile davon spielen, immer nur wiederkehrende, öde Tonfolgen. Dabei erreicht er erstaunliche Höhen, jedenfalls manchmal, wenn er den Ton trifft. Gleichwohl, hören möchte man es nicht. Dagegen war die Flötistin richtig gut.

In einer Stellungnahme las ich das schöne Wort „Erwachsenenunterhaltung“ als Umschreibung für unterleibserfreuende Anregungsmedien und notierte es für alle Fälle.

Heimweg durch Schatten
Heiß

Aus der Zeitung:

(General-Anzeiger Bonn)

Aufgrund einer spontanen Idee des Liebsten gab es zum Abendessen Sushi, für mich zum ersten Mal. Hat gut geschmeckt, gerne wieder. Und das mit den Stäbchen versuchen wir beim nächsten Mal.

Mittwoch: Heute sei der heißeste Tag des Jahres, sagte morgens der Mann im Radio. Anfang Juli eine eher gewagte Prognose.

Nachmittags hatte ich einen Termin in einem anderen Gebäude unweit des Mutterhauses. Der Weg dorthin und zurück fühlte sich an, als würde ich von einem riesigen, unsichtbaren Fön auf höchster Temperaturstufe angeblasen. Um dem ganzen noch eine gewisse Absurdität zu verleihen, trug ich eine Fleecejacke im Unternehmesdesign mit mir für einen Fototermin, die dann doch nicht gebraucht wurde.

„Jetzt müssen wir aber wirklich was gegen den Klimawandel tun“ ist mal wieder überall zu hören. Morgen wird es kühler, dann sind die Benzinpreise wieder wichtiger. Wohlstand, Wachstum, Wirtschaft und so. Und die nächste Urlaubsreise in sonnige Gefilde, die haben wir uns nun wirklich verdient.

Letzten Freitag schrieb ich: „Für die Rückfahrt mit dem Fahrrad war ich genötigt, eine neue Strecke zu nehmen, weil die bisherige Route inklusive möglicher Varianten wegen mehrerer Baustellen zurzeit nicht nutzbar ist. Ging auch. Mal sehen, wie lange, ehe auch diese wegen neuer Bautätigkeiten unpassierbar wird.“ Raten Sie mal, was heute auf der Rückfahrt den Weg versperrte. Immerhin kann man die neue Baustelle über die Auto-Fahrbahn umfahren. Dafür sind auf der Zu-Fuß-Strecke zwei Baustellen beendet, wie ich bereits gestern mit freudigem Staunen zur Kenntnis nahm.

„China drängt nach Europa“, so der Titel eines Zeitungsartikels. Liest sich nach einem größeren tektonischen Vorhaben.

Donnerstag: Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Person habe ich meine freien Donnerstage auf die geraden Wochen verlegt. Was nicht heißt, dass ich heute ins Werk führe, vielmehr ergeben sich durch die Änderung zwei freie Donnerstage in Folge.

Am Vorabend brachte eine Kaltfront mit Gewittern, die um Bonn freundlicherweise herum zogen, eine gewisse Abkühlung, so wurde es heute nicht wärmer als fünfundzwanzig Grad: Wanderwetter. Das nutzte ich für eine Wanderung durch den (oder das?) Königsforst östlich von Köln, eine Tour, die mir die liebe Kollegin schon vor längerer Zeit empfohlen hat.

Die Anfahrt mit der Bahn gestaltete sich gewohnt abenteuerlich – eine Regionalbahn verschwand ohne Begründung plötzlich von der Anzeige, die nächste war verspätet. Aber ich hatte Zeit und erreichte vor der Mittagsstunde die Zielhaltestelle.

Die ersten Kilometer der Wanderung erschienen zunächst etwas eintönig mit geraden, breiten Wegen, doch dann wurde es deutlich abwechslungsreicher. Für warme Tage ist die Strecke ideal: überwiegend im Wald, keine nennenswerten Steigungen und Stolperstellen, und mit achtzehn Kilometern nicht zu lang. Höhepunkt der Tour, jedenfalls geografisch, ist der Monte Troodelöh, laut Beschilderung der höchste Punkt Kölns. Es gibt sogar ein Gipfelbuch, in das ich mich selbstverständlich eintrug. Im Gegensatz zur Zugspitze, wo wegen des hohen Andrangs kürzlich ein zweites Gipfelkreuz aufgestellt wurde, wie dieser Tage zu lesen ist, war hier nichts los.

Insgesamt war es wieder beglückend. Die Rückfahrt mit der Bahn verlief pünktlich. Einziges Bemerknis war ein Jungvater ein paar Reihen weiter, der lautstark offenbar mit Frau und Kind videotelefonierte und dabei immer wieder die Fragen „Wo ist Luca? – Wo ist der Papa?“ Für jedermann hörbar ins Abteil stellte. Sie konnten nicht abschließend geklärt werden, weil der Papa noch was arbeiten und deshalb Schluss machen musste. Ein allgemeines Aufatmen ging durch den voll besetzten Wagen. Nach Ankunft in Bonn wie üblich Currywurst und Bier, letzteres ungegrillt, siehe oben.

Sonstige Erkenntnisse des Tages:

1) Schön an einer Wanderung alleine sind stets die Selbstgespräche, ohne dass jemand „Was?“ sagt.

2) Im Kölner Ortsteil Heumar gibt es eine Straßenbahnhaltestelle „Autobahn“. Warum? Warum gerade dort? Köln ist umringt von Autobahnen, wer Zeit und Lust hat kann gerne recherchieren, an wie vielen Stellen diese von einer Straßenbahnlinie gekreuzt werden. Gibt es in Heumar nichts anderes, das als Haltestellennamensgeber herhalten kann?

Sehen Sie:

Birken
Gipfelschild
Mit dem Link ist das wie bei Hunden, die an jede Laterne urinieren müssen
An diesem Weiher nahm ich das Mittagessen zu mir, derweil das Telefon sich an der Pauerbenk labte
Suchbild mit Fröschen
..
..

Freitag: Jemand schreibt „der Zustellende“ statt „der Zusteller“. Wenn die Gendersprache im Singular regelmäßig an ihre Grenzen stößt. Mehr gibt es über den Tag nicht zu berichten, es war ja auch gestern genug.

Samstag: Über Nacht hatte sich das iPhone nahezu vollständig entladen, vielleicht hatte ich es am Vorabend nach dem letzten Glas Rosé nicht korrekt auf die induktive Ladefläche gelegt. Daher musste ich das Gerät zurücklassen, als wir aushäusig frühstücken gingen. Das fühlte sich erstaunlich normal an, ich habe es nicht vermisst und geriet ob der Offleinigkeit nicht in Unruhe. Das finde ich beruhigend.

Heute ist schon der 186. Tag des Jahres. Anstatt diese unabänderliche Tatsache zu beklagen, beantworte ich lieber eine weitere der tausend Fragen. Frage Nr. 186 lautet: „Worüber grübelst du häufig?“ Das kann ich kurz machen: gar nichts. Oder länger: Ich neige nicht dazu, meine Gedanken längere Zeit um ein Problem kreisen zu lassen ohne Aussicht auf eine Lösung. Vielleicht weil ich zum Zeitpunkt der Niederschrift in der glücklichen Situation bin, von größeren Sorgen ungeplagt zu sein, weder finanzieller noch gesundheitlicher oder beruflicher Natur. Auch gelingt es mir ganz gut, die großen Krisen der Welt, die ich nicht beeinflussen kann, nicht allzu nah an mich heranzulassen. Zudem habe ich keine Kinder, um deren Zukunft ich mich sorgen müsste. Auch das ist sehr beruhigend.

Sonntag: Nach strukturellem Biertrinken auf dem Godesberger Parkfest am Vortag, wo die Karnevalsgesellschaft mit Getränkeausschank und Grillstand vertreten war, blieben wir heute etwas länger liegen. Dabei verpassten wir nichts, es regnete den ganzen Tag und es hat sich deutlich auf unter zwanzig Grad abgekühlt. Das war kein Grund, auf den Spaziergang am Nachmittag zu verzichten, der mit einer Runde durch die Nordstadt und an den Rhein etwas kürzer ausfiel und gastronomisch unbegleitet blieb. Etwa auf halber Strecke bemerkte ich, dass es eine ganz gute Idee gewesen wäre, die wasserdichten Wanderschuhe anzuziehen, leider zu spät. Trotz riesigem Regenschirm, unter dem eine vierköpfige Familie Platz hätte, gelingt es mir nie, die Füße trocken zu halten. Nur wenige Menschen zog es bei dem Wetter nach draußen, die Rheinpromenade war nahezu menschen- und fahrradleer, das Tor zum Lieblingsbiergarten verschlossen. Bedauerlich war das Wetter für die Teilnehmer an der heutigen CSD-Parade in Köln, die dadurch die Wahl hatten zwischen Frieren und weniger Haut zu zeigen.

Promenade, menschenleer

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die voraussichtlich nicht zu warme Woche.

Woche 26/2025: Läufer mit entblößtem Oberkörper und mehr oder weniger tätowierte Innenstadtbesucher

Montag: Laut einer Zeitungsnotiz wären vierzig Prozent der Arbeitnehmer zu Gehaltsverzicht bereit, wenn sie dafür mehr im Heimbüro arbeiten dürfen. So unterschiedlich sind die Menschen: Mir müssten sie mehr zahlen, damit ich überhaupt freiwillig zu Hause arbeite.

Der große amerikanische Versandhändler mit dem A will seine Leute gar nicht mehr zu Hause arbeiten lassen. Wie in einem Artikel zu lesen ist, motiviert A nun zum Umzug in Werksnähe, indem die Mitarbeiter, die diesen verweigern, ohne Abfindung entlassen werden. Dabei werden ihnen immerhin dreißig Tage für die Entscheidung und sechzig Tage für den Umzug gewährt. Ja ja, bestellt ihr nur weiterhin jeden Schlüpfer bei A, es ist ja so bequem.

Ansonsten herrschte heute angenehme Ruhe in Büros und Kantine. Vielleicht mussten sich die lieben Kollegenden in der Behaglichkeit des Heimbüros von den Strapazen des langen Wochenendes erholen.

Dafür größere Unruhe draußen, wo Wind und zeitweise Regen den Turm umtosten. Doch pünktlich zum Heulen der inneren Werkssirene beruhigte es sich wieder, so dass ich jackenlos trockenen Hemdes nach Hause radeln konnte. Am Konferenzzentrum sah ich zahlreiche umgestürzte Fahrräder und Elektroroller, auch dort musste es ordentlich geblasen haben.

Wie sich heute wieder zeigte, habe ich eine Konkret-Schwäche: Ich kann das Wort „konkret“ nicht auf Anhieb korrekt schreiben, niemals. Stets schleicht sich ein überflüssiges t nach dem r ein, also „konkrtet“.

Dienstag: Wenn neue Kollegen im Geschäftsbereich sich per Wonpäidscher vorstellen, mangelt es selten an gängigen Floskeln. Heute wieder: Die eine freut sich auf die „gemeinsame Reise der Transformation“, der andere sieht die „spannende Herausforderung“. Gleich zwei – sicher nur zufällig männliche – Kollegen geben Essen als Hobby an. Demnächst dann vielleicht Atmen oder Defäkieren. Sollte ich nochmal in die Verlegenheit geraten, mich persönlich vorzustellen, könnte ich Biertrinken als mein Plaisir nennen.

Von Pils zu Pilz – aus der Zeitung: „Man liebt ihn oder man hasst ihn. Trüffel polarisiert.“ Das ist Unfug. Nehmen Sie mich: Ich mag die hochpreisige Erdpilzknolle durchaus, über Nudeln geraspelt oder ins Omelette gerührt, doch verfalle ich ob des Aromas nicht in mehrstrophige Jubelgesänge; ohne diese fungiden Fruchtkörperspäne schmeckt es mir kaum weniger gut. Wenigstens schrieben sie nicht, Trüffel spalte die Gesellschaft, wie angeblich so vieles.

Mittwoch: „Du bist keine Schönheit“ sang Herbert Grönemeyer morgens, gerade, als ich im Bad das Radio einschaltete. Ja, Schönheit ist vergänglich, wie nicht zuletzt der Spiegel jeden Morgen aufs Neue zeigt.

Ansonsten wurde der Tag ganz schön. Der Arbeitgeber zeigte sich fürsorglich, indem er für die Mitarbeiter die Möglichkeit bot, in einem dafür hergerichteten Besprechungsraum durch einen Arzt die Haut auf Auffälligkeiten untersuchen zu lassen. Da Vorsorge nicht schaden kann, hatte ich mich dafür angemeldet und kam zur vorgesehenen Zeit auch gleich dran, nachdem ich wegen vorübergehender Funktionsverweigerung der Aufzüge spontan zweiundzwanzig Stockwerke durch das Treppenhaus nach unten gehetzt war. Der Dermatologe sah sich alles an, und ich meine: wirklich alles. Dadurch erhielt ich erstmals Gelegenheit, in den Geschäftsräumen das Genital zu präsentieren; irgendwann ist halt immer das erste mal. Er zeigte sich zufrieden, also insgesamt, nicht nur mit vorgenanntem Detail. Danach fuhren die Aufzüge auch wieder.

Donnerstag: Für das heutige Wetter war ausgiebige Wechselhaftigkeit angekündigt. In den frühen Morgenstunden nahm ich im Halbschlaf behagliches Prasseln gegen das Schlafzimmerfenster wahr. Als ich später das Haus in Richtung Wertschöpfung verließ, lagen in der Einfahrt zahlreiche Blätter, die das behagliche Prasseln von der Rosenranke darüber abgeschlagen hatte. Ins Büro kam ich trockener Socken.

Meine vergangene Woche um diese Zeit getätigte despektierliche Äußerung über Läufer mit entblößtem Oberkörper nehmen ich zurück. Heute Morgen kam mir einer entgegen … mein lieber Scholli, mir wurde noch wärmer als es eh schon war. (Leider kein Bild.)

Nachmittags ging ein heftiger Schauer mit angedeuteter Gewitterbegleitung hernieder. Als ich später nach Hause ging, zeugten nur die üblichen Pfützen vom vorangegangenen Brausen. Die Rheinpromenade war nahezu menschenleer, ich kann mich nicht erinnern, jemals dort um diese Zeit derart wenige Flaneure und Läufer gesehen zu haben.

Rheinpromenade nachmittags und unbemenscht

In einer Informationsveranstaltung, wie üblich unter der höchst albernen Bezeichnung „Town Hall Meeting“, war häufig die Wortfolge „nach vorne raus“ zu hören. Hinten raus wäre ja auch Kacke.

Freitag: Ein trotz besprechungsüberladenem Vormittag insgesamt angenehmer letzter Arbeitstag der ersten Fünftagewoche seit längerem. Die nächste Woche wird wieder eine kleine mit freiem Donnerstag, wir wollen es nicht übertreiben.

Beim Mittagessen zu sechst fragte einer in die Runde: Was macht ihr am Wochenende? Kurz war ich versucht, zu antworten: Mir gepflegt einen antrinken. Das verkniff ich mir dann aber und war dankbar, als bereits ein anderer seine Vorhaben erklärte und danach nicht weiter gefragt wurde.

Nachmittags las ich in einem Artikelentwurf das Wort „Privatkund:innenen“ (müsste es nicht „Privatkund:innenden“ heißen?), daraufhin wurde mir schwindelig und ich beschloss, dass es jetzt mal gut war mit Büro, Büro für heute und diese Woche.

Für die Rückfahrt mit dem Fahrrad war ich genötigt, eine neue Strecke zu nehmen, weil die bisherige Route inklusive möglicher Varianten wegen mehrerer Baustellen zurzeit nicht nutzbar ist. Ging auch. Mal sehen, wie lange, ehe auch diese wegen neuer Bautätigkeiten unpassierbar wird. Die Stadt Bonn, insbesondere die die derzeitige Oberbürgermeisterin stellende Partei, rühmt sich gerne ihrer Fahrradfreundlichkeit, gelegentlich entsteht der Eindruck, der ADFC sei gewählter Koalitionspartner im Stadtrat. Davon ist im Moment wenigstens am Rheinufer wenig zu spüren: Radfahrer und Fußgänger werden über gemeinsame schmale Pfade geleitet, unangenehm für alle, außer diejenigen Mit-Radfahrenden, die das nicht schert und die dennoch mit unverminderter Geschwindigkeit durch die Menge meinen rasen zu dürfen bzw. müssen.

Samstag: Das Frühstück erfolgte extern beim französischen Café in der Fußgängerzone, wo wir einen freien Tisch draußen vorfanden. Von dort hatten wir wunderbare Aussicht auf die vorübergehenden, mehr oder weniger tätowierten Innenstadtbesucher. (Es heißt übrigens nicht Tätowierer, sondern Tattoo-Artist, wie ich wo las. Von mir aus.) Auffällig viele, also noch mehr als ohnehin, gingen in kleinen Gruppen oder allein mit auf Datengeräte gesenktem Blick vorbei, mehrere davon hielten zwei, manche gar drei Geräte gleichzeitig im Blick. Ich könnte die gar nicht so halten, was freilich nichts heißt, ich kann ja nicht mal freihändig Fahrrad fahren. Ist wieder eine Pokemonseuche oder ähnliches ausgebrochen?

Spontaner Verdacht beim Zeitunglesen: Früher sagte man „ist halt so“, heute heißt das „strukturell“.

Sonntag: Der Spaziergang führte am Freibad im Bonner Norden entlang, das an diesem heißen Sommertag heftig besucht war. Ich war seit vielen Jahren nicht mehr in einem Freibad. Es zieht mich dort nicht sonderlich hin, schon gar nicht an solchen Tagen: zu voll, zu laut, und wenn ich ins Wasser ginge, dann voller Sorge um den Verlust von Portmonee, Schlüssel und Telefon, die ich an der Liegestatt unbeaufsichtigt zurücklassen müsste. Allenfalls könnte ich mich mit der Option anfreunden, das Becken zu meiden und stattdessen Leute zu kucken, zu sehen gäbe es reichlich in allen ästhetischen Abstufungen. Nur, warum sollte ich dazu ins Freibad gehen?

Sehr gut besucht war auch der bayrische Lieblingsbiergarten am Rheinufer, wo ich den letzten freien Tisch im Schatten belegte und bei Hellem und einer Brezel die Blogs las. Dort störten mich die vielen Mitbesucher überhaupt nicht. Umso mehr danach die Einkäufer im Supermarkt unter dem Hauptbahnhof, der auch sonntags geöffnet hat und den ich wegen eines Besorgungsauftrags für das Abendessen aufsuchte. Können die nicht wie normale Menschen an Werktagen einkaufen?

Zwei interessante Informationen aus der Sonntagszeitung:

1) „Ein universelles Prinzip aller Naturprozesse ist ihr Bestreben, wenn möglich den energieärmsten erreichbaren Zustand einzunehmen.“ Für mich trifft das insbesondere an Montagen zu.

2) Telepressure bezeichnet den Drang, auf eingehende Nachrichten möglichst umgehend zu reagieren. Diesem Drängen unterliege ich zum Glück nur selten, vor allem nicht bei Chatnachrichten per Teams. 

Aller guten Dinge sind drei, Zeit für die Beantwortung der nächsten Frage.

Frage Nr. 3 lautet: „Worauf verwendest du viel Zeit?“ Hm … Sind sieben bis acht Stunden Schlafen viel? Oder zwanzig Minuten Toilettenaufenthalt mit Zeitungslektüre? Acht Stunden am Arbeitsplatz? Viel Zeit verwende ich auf jeden Fall für dieses Blog, auch wenn man es ihm vielleicht nicht ansieht, und für Spaziergänge, beides sehr angenehme Zeitverwendungen. Gerne mehr Zeit würde ich für das Abarbeiten des weiterhin hohen Stapels ungelesener Bücher verwenden und für das Weiterschreiben an dem Romandings. Nur wenig Zeit verbringe ich mit Telefonieren (ich mag es nicht) und Anschauen von Filmen und Serien mangels größerem Interesse an bewegten Bildern.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

(Redaktionsschluss: 17:50)

Woche 25/2025: Möglichst im Schatten

Montag: Schon länger bemängele ich eine allgemein nachlassende Sorgfalt beim Verfassen von Schriftlichkeiten, hier und da merkte ich es bereits an. Heute in einer offiziellen Mitteilung an den Vertrieb: „Wir bitten für euer Verständnis.“ Fürbitte im harten Geschäftsleben ist mir bislang selten begegnet.

Ansonsten war der Start in die neue Arbeitswoche, schon wieder eine viertägige dank Feiertag, erträglich. Nur die Zahl der Besprechungen war etwas zu hoch, davon die erste bereits morgens um halb neun, somit deutlich vor meiner täglichen Buchstabenlieferung. Wenigstens blieben die meisten Kameras aus und ich hatte nur geringen Redeanteil. Währenddessen betrachtete ich in der Ferne die lange Warteschlange vor dem Konferenzzentrum, wo man sich dieser Tage wieder zu einer internationalen Klimakonferenz trifft. Und wieder frage ich mich, ob das dafür ausgestoßene CO2 in einem angemessenen Verhältnis zum zu erwartenden Ergebnis steht.

In einer anderen Besprechung nachmittags schweifte ich gerade gedanklich etwas ab, als ich plötzlich um meine Meinung gefragt wurde. Meine Antwort, nachdem ich das Mikrofon endlich eingeschaltet hatte, lautete sinngemäß „Ja, das kann man so machen.“ Hat hoffentlich keiner gemerkt.

Dienstag: Wenn ich wie heute zu Fuß ins Werk gehe, komme ich in der Innenstadt an einem äußerst hässlichen Haus vorbei. Gebaut wurde es mutmaßlich in den Siebzigerjahren, als ohnehin nicht sonderlich auf Ästhetik geachtet wurde oder man anders darauf schaute, jedenfalls ist mir aus dieser Epoche kein auch nur halbwegs ansehnliches Gebäude bekannt. Dieses Haus mit seiner zweifelhaften Ornamentik aus bräunlicher Metallverkleidung sticht besonders hervor. Im Erdgeschoss ist ein Friseursalon, die Etagen darüber werden von einer Leiharbeitsfirma genutzt. Ob es darüberhinaus weitere Nutzer, gar Bewohner gibt, weiß ich nicht, ist auch nicht wichtig. Weshalb ich es erwähne: An der Fassade ist eine Uhr angebracht. Diese steht schon seit Jahren, seit ich das Gebäude erstmals zur Kenntnis genommen habe, konstant auf halb eins. Als ob sie uns sagen wollte: Es ist nicht fünf vor zwölf, auch nicht fünf nach, sondern schon halb eins, und das seit Jahren. Also seht euch vor, noch fünf Minuten, und es ist um euch geschehen.

Es würde nicht verwundern, wenn es unter Denkmalschutz steht

Am Rheinufer sah ich zahlreiche Konferenzteilnehmer auf umweltfreundlichen Elektrorollern zum Konferenzzentrum rollern, in der Hoffnung, den nächsten Zeigersprung der Uhr aufzuhalten oder wenigstens verzögern zu können. Außerdem zwei mittelalte Läufer, die sich wegen der Wärme bereits am Morgen ihrer T-Shirts entledigt hatten. Auch kein sonderlich ästhetischer Anblick, aber sowas soll man ja nicht mehr sagen oder schreiben wegen Badischäiming.

Auch nicht gerade eine Schönheit

In der Kantine gab es Fairmasthuhn, demnach fair gemästet, welch Widerspruch in sich; dem Huhn gegenüber erscheint es nicht sonderlich fair. Den ersten Gedanken, ob es nicht Viermasthuhn heißen müsste, verwarf ich wieder. (Obwohl die Rechtschreibprüfung keine roten Strichelchen darunter macht.)

Wesentlich zufriedener als Fair- oder Viermasthühner wirkte diese Gänsegroßfamilie, die mir auf dem Rückweg begegnete.

Gans schön viele. Verzeihung.

Mittwoch: Außer dem von mir sehr geschätzten Erbseneintopf zum Mittag verlief der Büroaufenthalt ohne besondere Bemerknisse. Der Tag endete mit einer Geburtstagsfeier in einem Garten südlich von Bad Godesberg. Viel mehr ist danach nicht erinnerlich.

Den Herkulesstauden an den Gleisen wurde noch immer nicht der Garaus gemacht

Donnerstag: An Fronleichnam feiern die Katholiken, wenn ich es richtig verstehe, jedes Jahr muss ich es erneut nachlesen, die bleibende Gegenwart von Jesus Christus. Erfreulich, dass wir auch zweitausend Jahre später deswegen heute nicht ins Büro müssen, auch Unkathohlen nicht. Sofern man im richtigen Bundesland wohnt; in den anderen scheint Jesus nicht so gegenwärtig zu sein.

Den freien Tag nutzte ich nach spätem Frühstück mit den Lieben auf dem Balkon unter anderem für einen längeren Spaziergang durch Schwarzrheindorf und Beuel. Es war sehr warm, nur wenige Menschen zog es aus den Häusern, auf dem sonst stark befahrenen Rheindeich nur wenige Radfahrer. Vielleicht sind die auch alle weggefahren über das lange Wochenende und drängen sich jetzt an irgendwelchen Stränden. Da bleibe ich lieber zu Hause.

Dieser als Reihenhaus getarnte Trafoturm in Beuel war mir bislang entgangen.

Dort läuft die Klimaanlage auf Hochtouren, der Geliebte lässt darüber nicht mit sich reden. Dadurch ist es in der Wohnung kühl, für mein diesbezüglich etwas eigenartiges Empfinden, weswegen ich mir schon die Bezeichnung „fimschiges Weibchen“ gefallen lassen musste, zu kühl. Das treibt mich immer wieder zum Aufwärmen raus auf den Balkon, ehe es mir dort zu warm wird und ich wieder rein gehe, bis es zu kalt wird und ich wieder raus … siehe oben. Man macht was mit.

Auch Frau K. ist übers lange Wochenende weggefahren. In ihrem immer lesenswerten Landlebenblog schreibt sie wieder wunderbare Sätze wie diesen:

… Motorradfahrer brüllen sich über den ohrenbetäubenden Krach ihrer blubbernden Motorräder gegenseitig Unverständliches zu, bevor sie jaulend und heulend starten. Ich wundere mich, mit welcher Begeisterung und welchem Durchhaltevermögen Menschen laut sind – in einer ohnehin ja schon durchaus lauten Zeit. 

Freitag: Im Büro herrschte dank Brückentag der anderen die erwartete Ruhe mit nur wenigen Besprechungen und geringem Aufkommen an Anliegen in Wort und Schrift. Das motivierte mich zu einem zeitigen Verlassen der Arbeitsstätte mit Zwischenhalt zur inneren Kühlung auf dem Heimweg, da man bekanntlich nicht warten soll, bis der Durst sich meldet. Von der wesentlich jüngeren Ausschankkraft wurde ich geduzt, ich werte es positiv und fühle mich geschmeichelt.

Feierabend

Bei Gunkl las ich das wunderbare Wort „Bedeutungsüberschuß“ und nehme mir vor, es demnächst in werklichen Angelegenheiten mal anzuwenden.

Samstag: Heute ist kalendarischer Sommeranfang, nachdem das Wetter sich schon länger sommerlich geriert. Wie üblich verband ich die erforderliche Altglasentsorgung mit einem Spaziergang, stets möglichst im Schatten, durch die Nordstadt, an den Rhein und durch die Innenstadt. In letzterer ist an diesem Wochenende Straßenfest, dazu ist die Friedrichstraße auf voller Länge mit einem roten Teppich ausgelegt und für den Radverkehr gesperrt. Zusätzlich zur dort ohnehin zahlreich ansässigen Gastronomie werden alle paar Meter Speisen und Getränke zum örtlichen Verzehr angeboten, trotz Hitze waren die Plätze gut belegt. An einer Stelle mit Livemusik ging ich etwas schneller, da ich Livemusik außerhalb von Konzerten und Karnevalsveranstaltungen zumeist als lästig empfinde. Immerhin gelang es mir, den gastronomischen Verlockungen zu widerstehen und mich zurück in die klimatisierte Wohnung zu begeben, die mir heute, im Gegensatz zu Donnerstag, nicht zu kalt vorkommt.

Nordstadt, sommerlich

Zeit für eine weitere Frage. Da heute der 21. ist, nehme ich die doch gleich. Frage 21 lautet: „Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?“ Ja, grundsätzlich schon, jedenfalls bei Menschen, die mich kennen und die mir was bedeuten. Das halte ich auch für gut und richtig, denn Leute, denen das völlig egal ist, sind in der Regel die größten Arschlöcher, verzeihen Sie meine derbe Ausdrucksweise. Eine Folge daraus ist ein gesteigertes Harmoniebedürfnis und eine gewisse Konfliktscheu, was nicht immer gut ist, aber ich kann es nicht ändern.

„Bonn gewinnt“, mit dieser an ein in den Achtzigern beliebtes Spiel erinnernden Sentenz, bei dem es darum ging, als erster vier farbige Plastikplättchen in eine Reihe zu bringen, wirbt die amtierende Oberbürgermeisterin auf Plakaten um Wiederwahl bei den Kommunalwahlen im September. Offen bleibt dabei, was genau zu gewinnen ist und gegen wen. Vielleicht Bielefeld? Rätselhaft auch ein anderes Wahlplakat derselben Partei:

Macht für das Morgen? Was bedeutet das? Macht im Sinne von mächtig, oder macht mal?

Gelesen bei Herrn Buddenbohm und zustimmend vehement genickt:

Als älterer Mensch jedenfalls, wenn man aus der Perspektive eines Menschen auf Szenen und Geschehen oder überhaupt auf irgendwas sieht, der nicht mehr primär an Action und Erlebnis interessiert ist, sondern vielleicht allmählich etwas mehr an Ruhe und Kontemplation, ohne damit allzu ambitioniert klingen zu wollen, aus dieser Perspektive, so glaube ich, wirkt die damalige Zeit naheliegenderweise anziehend. […] Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so. Wie bekanntlich alle Fragen, die mit „Bin ich eigentlich der oder die Einzige …“ beginnen, kategorisch verneint werden können.

Nein, Sie sind nicht der Einzige.

Sonntag: Auch heute war es sehr warm, wärmer noch als gestern, was selbstverständlich kein hinreichender Grund ist, auf den allsonntäglichen Spaziergang zu verzichten.

Ob DAS die Wähler überzeugt?
Wenig los an der Poppelsdorfer Allee, nicht nur dort

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche und den Sommer.

Redaktionsschluss: 18:30

Woche 24/2025: Zufriedenstellende Arbeitslust und Kohlroulade

Montag: Da in dieser Woche aus Pfingstgründen der Montag auf morgen verlegt wurde, hatten wir einen weiteren Tag frei. Herzlichen Dank dafür an die Christenheit und an Herrn Merz, dass uns faulem Pack dieser Tag noch nicht gestrichen wurde. Da sich das Wetter wieder freundlich zeigte, nutzte ich ihn für eine neue Folge der Reihe Bonner Buslinien, heute die 604 nach Ückesdorf, ein weiterer Ortsteil, bei dem ich erstmal schauen musste, wo das überhaupt ist. Dorthin also ließ ich mich fahren und spazierte zurück, eine angenehme Strecke von neun Kilometern durch das Katzenlochbachtal, Lengsdorf, Poppelsdorf und die Südstadt, sie endete zufällig in einer Außengastronomie in der Innenstadt mit Maibock-Ausschank.

In Ückesdorf besteht eine gewisse Uneinigkeit über die Priorität der Verkehrsmittel. Wobei man sich schon fragen muss, ob die Stadt Bonn zu viel Geld hat, denn hier dürften sich Autos und Fahrräder auch ohne aufwendige Markierungen kaum ins Gehege kommen.
Bei Ückesdorf
Mordkapellenpfad oderhalb Poppelsdorf
Rosenblüte in Poppelsdorf

Dienstag: Der nachgeholte Montag verlief recht zufriedenstellend mit nur wenigen Besprechungen und Anrufen, auch sonst hielt der Arbeitstag keine Imponderabilien bereit und er endete zeitig, man muss ja nicht gleich am ersten Tag die Welt retten.

Am frühen Nachmittag befiel erstmals ein Krampf den linken Zeigefinger. Er gehorchte nicht mehr den gängigen Bewegungsbefehlen und ließ sich nur mit Hilfe der rechten Hand beugen, dazu leichter Schmerz. Nach ungefähr zehn Minuten war es vorüber, der Finger funktioniert wieder. Interessant, was man erlebt, wenn so ein Körper älter wird.

Mittwoch: Regelmäßig wundere ich mich über Eltern, deren volle Aufmerksamkeit, während sie ihre Brut im Kinderwagen durch die Gegend schieben, ihrem Datengerät gilt. Eine Variante davon sah ich morgens auf dem Weg ins Werk: Ein Fahrrad fuhr mit belegtem Kindersitz am Rheinufer, der Fahrer trug Kopfhörer. Vielleicht ein Sennheiser Divine-Silence PXC-700.

In einer Besprechung ohne externe Teilnehmer wurde sich teilweise noch gesiezt. Das erlebt man auch immer seltener, fast ist es schon Nostalgie.

Man sagt nicht mehr „Das ist mein Lieblings-[irgendwas]“, es heißt jetzt „Das ist mein go to …“, wie ich abends während der Verabschiedung einer lieben Kollegin in den Ruhestand von zwei jungen Kolleginnen erfuhr. Ansonsten war es ein sehr schöner Abend mit Grillgut, Getränken und Gesprächen im Ennert-Wald.

Ebendorten

Im Briefkasten ein Postkartengruß des Bloggerkollegen aus Duisburg aus Hamburg. Also der Gruß aus Hamburg, der Blogger aus Duisburg. Lieber M., herzlichen Dank!

Donnerstag: Morgens kam ich nur schlecht aus dem Bett, Körper und Geist wären gerne noch etwas länger liegen geblieben. Ein Zusammenhang zum Vorabend ist weitgehend auszuschließen, da ich mich beim Bier in Zurückhaltung geübt hatte und zeitig wieder zu Hause war. Vielleicht setzt nach nunmehr drei freien Donnerstagen hintereinander eine gewisse Gewöhnung ein. Nächste Woche wieder.

Belohnt wurde das Aufstehen mit zufriedenstellender Arbeitslust und Kohlroulade zum Mittagessen. Neben Grünkohl und Erbseneintopf ein Gericht, über das ich mich immer besonders freue, wenn es auf der Karte steht.

Nach der Arbeit war ich beim Friseur, der sich heute ungewöhnlich gesprächig zeigte. Nicht, dass mir das einreißt.

Freitag: Vor geraumer Zeit veröffentlichte ich unter dem Pseudonym Christian Rebeck das Buch „Herbsterwachen“, eine Geschichte über Liebe und Triebe zwischen männlich gelesenen Personen, heute heißt das wohl innerhalb der LGBTQ*-Komjuniti, mit Schwerpunkt auf G. Nun erhielt ich die Mailnachricht von jemandem, der wirklich Christian Rebeck heißt mit der Frage, wie ich auf diesen schönen Namen gekommen sei. Das ist schnell erklärt: Namensgeber sind zwei mir nahestehende Personen. Der eine gab seinen Vornamen, der andere hieß mit Geburtsnamen Becker, woraus als Anagramm Rebeck entstand. Ich hätte mich auch Eckber oder Keberc nennen können, wer weiß, wer dann geschrieben hätte. Weitere Bücher unter diesem Namen und dieses Genres sind von mir im Übrigen nicht zu erwarten.

Aus einer Besprechung: „Wir hatten uns gemeeted, um uns zu syncen.“ Es erscheint mir im Übrigen höchst albern, ein Problem als „Herausforderung“ zu euphemisieren.

Es ist warm geworden, sehr warm. Sogar für mein verfrorenes Empfinden, und das will was heißen. Die Menschen zeigen wieder ihre mehr oder weniger sehenswerten Körper.

oder weniger
Morgens im Rheinauenpark
Abends auf dem Weg zur Packstation, hier eine der vergangene Woche erwähnten unendlichen Bonner Baustellen an der Bornheimer Straße

Samstag: „No woman, no cry“ sang Bob Marley morgens im Radio. Ein Satz, der sich problemlos auf alle Geschlechter erweitern ließe, ohne ein Körnchen an Wahrheit einzubüßen.

Am frühen Nachmittag fuhren der Liebste und ich bei immer noch heftiger Hitze mit dem Schiff nach Königswinter. Dort waren wir verabredet mit Freunden zum gemeinsamen Besuch des jährlichen Weinfestes oberhalb von Rhöndorf. Die Wetter-App hatte vormittags noch Grund zur Hoffnung geboten, dass die angekündigten Gewitter und Unwetter weiter nördlich ihr Unbill treiben würden, doch je näher wir Königswinter kamen, desto dräuender zeichnete sich eine Wolkenfront im Süden ab und erstes Grollen war zu vernehmen. Mit Verlassen des Schiffes fielen dicke Tropfen, die einerseits angenehme Kühlung brachten, andererseits die Freude auf das Weinfest trübten. Da die Freunde noch nicht mit der Fähre aus Mehlem eingetroffen waren, stellten wir uns zunächst mit zahlreichen anderen mehr oder weniger nassen Menschen in den Unterstand der Stadtbahn.

Bei Ankunft der Freunde war der erste Schauer durch, doch kündigte sich aus Süden bereits der nächste mit Gewölk und Grollen an. Dessen unbeeindruckt fuhren wir mit der Stadtbahn nach Rhöndorf und gingen zum Weinfest oben in den Weinbergen. Ich zog die vorausschauend eingepackte Regenjacke an, derweil mein Unbehagen gegen die Naturgewalten wuchs; bei Gewitter ist es nicht das Vernünftigste, sich in einen Weinberg zu begeben, wo allenfalls Pavillonzelte etwas Wetterschutz bieten. Auch das erste Glas Riesling brachte mir nur wenig Gelassenheit über die selbstgefasste Einrede, dass man sich schließlich von Geburt an in ständiger Lebensgefahr befindet. Erst gegen achtzehn Uhr und einige Gläser später waren die Schauer durch und die Sonne beschien die Umgebung. Von da an wurde es sehr gemütlich und der Abend endete ohne weitere Zwischenfälle. Einen Vorteil hatte es: Die Hitze war vorerst gebannt, was bei Weingenuss von Vorteil ist.

Rheintal im Sonnenschein, später

Sonntag: Der Tag begann deutlich kühler und bewölkter als der gestrige, das war nicht schlimm, immer noch angenehmes Kurze-Hosen-Wetter. Der Spaziergang führte durch die Nordstadt und an den Rhein mit Einkehr auf ein Helles im neu möblierten Lieblingsbiergarten. Man kann ja nicht immer nur Wein trinken.

Lieblingsbiergarten mit neuer Möblierung

Was war noch – ach ja, richtig: eine der tausend Fragen. Heute die

110.

Frage Nr. 110 lautet: „Bist du manchmal von anderen enttäuscht?“ Ja, selbstverständlich, wer wäre es nicht, wenn andere sich nicht an Vereinbarungen halten oder Zusagen nicht einhalten, den Geburtstag vergessen oder sich nicht mehr melden. Häufig kommt das allerdings nicht vor, da meine Erwartungen an die Menschheit im Allgemeinen nicht sehr hoch sind. Das letzte Mal enttäuscht war ich nicht von einer Person, sondern einem Unternehmen, konkret dem Veranstalter unserer letzten Schiffsreise im Mai, weil wie berichtet die Verpflegung an Bord deutlich schlechter war als auf unseren vorherigen Reisen mit demselben Veranstalter.

Enttäuscht bin ich auch vom Bonner General-Anzeiger, unserer Tageszeitung. Gestern wurde fast eine zweidrittel Seite lang berichtet über einen kaputten Klodeckel, was die betroffene Mieterin dazu bei Facebook postete und was andere darauf antworteten. Schon vor längerer Zeit habe ich das Abonnement gekündigt mit der Absicht, es nach Ablauf zu günstigeren Konditionen neu abzuschließen. Mittlerweile überlege ich, ob ich das wirklich tun soll.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, ich hoffe, Sie mit diesem Rückblick nicht enttäuscht zu haben. Kommen Sie gut durch die Woche.

Redaktionsschluss: 18:30

Woche 23/2025: Was man halt so sagt je nach Tageszeit

Montag: Bereits gestern gelesen im Kieselblog: „Todos bauen sich auf wie Gewitterwolken, unter mir ein Teppich aus Lustlosigkeit.“ Ein Satz, der die montägliche Stimmung fast perfekt auf den Punkt bringt, sieht man einmal über den einleitenden Anglizismus großzügig hinweg. Doch so schlimm war es heute gar nicht, meine Stimmung war zufriedenstellend. Vielleicht lag es an der zusätzlichen Bewegung: Wegen eines technischen Defekts fielen ab Mittag die Aufzüge aus, so erhielt (nicht nur) ich Gelegenheit, gleich dreimal die Treppen zu nutzen, zweimal runter und (planmäßig) einmal hoch, rund 1.460 Stufen insgesamt. Da zahlt es sich aus, wenn man das freiwillig regelmäßig macht.

„Autsch!“ als Fehlermeldung. Originell-innovativ.

Dienstag: Zu Fuß ins Werk und zurück, erstmals in diesem Jahr ohne Jacke, da fühle ich mich anfangs immer wieder etwas unvollständig. Ich bin grundsätzlich ein Jackenmensch, so wie Mann früher nur mit Hut aus dem Haus ging. Auf dem Rückweg genehmigte ich mir in einer innerstädtischen Außengastronomie einen Maibock, der auch im Juni noch schmeckt, und schaute den Leuten beim Vorbeigehen zu.

Ich sollte mir abgewöhnen, Menschen, die beim Gehen ununterbrochen auf das Datengerät schauen, „Du Opfer“ zuzurufen, wenn auch nur gedanklich.

„Ich melde mich gleich bilateral bei dir“, hörte ich in einer Besprechung. Manche Wörter mögen klug oder wenigstens geschäftig klingen, gleichwohl verlöre der Satz nichts an Sinn, ließe man sie einfach weg.

Aus der Zeitung: „Die Vorgebirgsbahn S23 von Bonn nach Euskirchen soll elektrifiziert werden. Das heißt, die mit Diesel betriebenen Loks werden abgeschafft.“ Das ist Unfug: Erstens ist die Vorgebirgsbahn die heutige Straßenbahnlinie 18 von Köln über Brühl nach Bonn, gemeint ist vielmehr die Voreifelbahn. Kann passieren, auch einem Journalisten. Zweitens fahren dort seit sechsundzwanzig Jahren keine Dieselloks mehr, sondern Dieseltriebzüge. Zugegeben, eine Marginalie. Jedenfalls werden diese drittens nach Elektrifizierung der Strecke, wenn sie irgendwann mal fertiggestellt sein sollte, sofern sich keine Bürgerinitiative gegen dafür erforderliche Baumfällungen bildet und am Bahndamm keine seltene Echsen wohnen, ganz bestimmt nicht abgeschafft, sondern woanders eingesetzt.

Mittwoch: Eine Beobachtung, die ich kürzlich schon erwähnte, bestätigt sich zunehmend, jedenfalls ist das mein persönlicher Eindruck: Junge Kollegen grüßen nicht mehr. Egal, ob jemand den Aufzug betritt oder mir auf dem Flur im Turm begegnet, er/sie sagt nichts, unabhängig davon, ob seine/ihre Aufmerksamkeit gerade dem Datengerät gilt. Wenn ich dann Hallo sage oder was man halt so sagt je nach Tageszeit, werde ich angeschaut wie eine fremde Spezies oder als hätte ich einen dem Gegenüber unbekannten Zeichensatz verwendet. Ich bewerte das nicht, nehme es nur zur Kenntnis. Im Grunde ist eine Grußfloskel entbehrlich, manchmal vielleicht ein „Guten Morgen“ gar verlogen. Immerhin sagen sie auch nicht mehr „Mahlzeit“, das mal positiv sehen.

Aus einer Gruppennachricht: „Wir sollten bitte hier uns multilateral besprechen, denn ich glaube mein Sätze haben keine Klarheit gebracht.“ Dieser jedenfalls nicht sehr viel.

Donnerstag: Es lebe die Viertagewoche. Den heutigen freien Tag nutzte ich wieder für eine Wanderung, wegen Regenankündigung zum Nachmittag ohne längere An- und Abreise. Mit dem Bus fuhr ich bis Bonn-Röttgen, von dort ging ich eine Rundstrecke durch den Kottenforst, die mir mal auf Komoot vorgeschlagen wurde. Die Strecke ist abwechslungsreich, sie führt überwiegend durch den Wald. Es gibt einige Steigungen zu überwinden, indes keine fiesen Stolperstellen wie beim letzten Mal auf dem Siegsteig; gestolpert bin ich nur einmal noch innerhalb von Röttgen über eine hervorstehende Gehwegplatte. Die ersten Kilometer entlang des Katzenlochbachs sind besonders idyllisch, allerdings nach den Regenfällen der letzten Tage auch stellenweise matschig, entsprechend sahen die Schuhe hinterher aus.

Fazit: Eine schöne Wanderstrecke mit Variationsmöglichkeiten. Beispielsweise könnte man über den Venusberg weitergehen bis Bonn-Innenstadt statt wieder zurück nach Röttgen. Vielleicht mache ich das demnächst mal, wenn kein Regen zu erwarten ist. Der kam übrigens viel später als erwartet, auch die anschließende Currywurst mit Belohnungsbier in der Stadt konnte ich noch trocken draußen genießen.

Katzenlochbachtal
Ein Pilzlein wächst im Walde
Huflattich in großen Mengen am Wegesrand
Annaberger Feld
Stechpalme für Frau L
Geschafft

Freitag: Mittags in der Kantine saßen am Nebentisch zwei Männer, die sich auf Englisch unterhielten. Wobei „unterhielten“ nicht das richtige Wort ist, vielmehr redete der eine ununterbrochen auf den anderen ein in einem harten, ohrenscheinlich nicht muttersprachlichen Akzent, und sehr laut, derweil er, wen wunderts, mit dem Verzehr seiner Pizza nicht vorankam; soweit ich es aus den Augenwinkeln beobachten konnte, aß er während der ganzen Zeit, von meiner Platznehmung bis nach dem Dessert, keinen Bissen davon, inzwischen musste die Pizza kalt sein. Sein Gegenüber tat mir ein bisschen leid. Wieder einmal freute ich mich, allein am Tisch zu sitzen, wo ich mich unbesprochen der Reibekuchen an Salat und Apfelmus annehmen konnte.

Der Liebste hat mir ein Buch geschenkt. Ich freue mich und bin sehr gespannt.

Samstag: Wie üblich verband ich auch heute die Altglasentsorgung mit einem Spaziergang an den Rhein. Auf dem Rückweg begegnete mir eine Familie aus Vater, Mutter und drei Kindern. Auffällig war, sowohl der Vater als auch die Söhne zwischen schätzungsweise zwei und sieben Jahren, der jüngste im Kinderwagen, waren fast kahl geschoren, nur dunkle Stoppel waren noch auf den Köpfen auszumachen, eher Schatten denn Haare. Die Mutter, die den Kinderwagen schob, trug ein Kopftuch, daher war nicht auszumachen, ob auch sie haarlos war. Vielleicht hat es einen religiösen Hintergrund, ich weiß es nicht. Jedenfalls insgesamt ein mindestens irritierender Anblick.

Es ist an der Zeit für die nächste der tausend Fragen.

..

Frage 4 lautet: „Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?“ Da gibt es keine bestimmte Kategorie, wie Blondinen-, Ostfriesen- oder Schweinkramwitze. Grundsätzlich kann ich über jeden guten Witz mehr oder weniger laut lachen, leider kann ich mir nur keinen merken. Doch, einen einzigen aus unerfindlichen Gründen schon, der ist allerdings nur so mittelgut. Ich habe ihn hier im Blog schonmal erzählt, aber wenn Sie unbedingt wollen, nochmal. Er geht so: Ein Dalmatiner steht an der Supermarktkasse. Als er an der Reihe ist, fragt die Kassiererin: „Sammeln Sie Punkte?“ Ach ja, richtig laut lachen kann ich auch über Horst Evers, siehe Eintrag von vorletzter Woche, und den Sitzungspräsidenten Volker Weininger. Überhaupt nicht lachen kann ich hingegen über sogenannte Comedy im Radio, erst recht nicht wenn die Stellen, an denen man lachen soll, mit einem sausenden Geräusch gekennzeichnet sind.

Spaziergangsbild, dem nichts hinzuzufügen ist

Sonntag: Das Wetter zeigte sich heute kleinteilig abwechslungsreich, jeweils kurze trockene Phasen wechselten sich ab mit teils heftigem Regen und starkem Wind. Erst zur Spaziergangszeit am frühen Nachmittag beruhigte es sich und die dafür zuständigen himmlischen Instanzen sahen freundlicherweise von weiteren Regengüssen ab, dennoch rüstete ich mich vorsichtshalber mit Regenjacke und Schirm. Später zeigte sich sogar für längere Zeit die Sonne und sie lockte die Leute aus den Stuben, in kurzen Hosen oder Daunenjacken, manche trugen beides gleichzeitig.

Ungeachtet meteorologischer Unwägbarkeiten fand auf der Beueler Rheinseite ein mutmaßlich sportliches Ereignis statt, jedenfalls deuteten Applaus und unentwegtes Plappern des lautsprecherverstärkten Kommentators darauf hin.

In der Südstadt ist eine weitere Straße aufgerissen zur Leitungsverlegung oder ähnlichem. Mein Eindruck ist, in Bonn gibt es immer mehr Baustellen, nur werden diese nie fertig. So ein bisschen wie Stuttgart 21. Fertig hingegen ist nun dieser Wochenrückblick.

Gewölk über Beuel
Wir wissen nicht, wer Max Osswald ist. Wenn Sie mögen, recherchieren Sie bitte selbst.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

Redaktionsschluss: 16:45