Woche 7/2025: Das wird schon

Montag: Am Wochenbeginn gab es wenig zu beklagen, was ja schon mal ganz gut ist. Wie erwartet zwickt es im unteren Rücken weiterhin, doch ist leichte Besserung zu spüren. So gelingt es fast schon wieder ohne Schmerzen, auf das Fahrrad zu steigen und hinterher wieder ab. Die Arbeitslust war steigerungsfähig, das wird schon, spätestens Donnerstag, sagt die Erfahrung. Immerhin endete der Arbeitstag mit einem kleinen kollegialen Umtrunk und Pizza zur Befeierung eines erfolgreichen Projekts. Zwar ist das noch nicht abgeschlossen, doch das wird schon, spätestens … mal sehen. Betrachten wir es als ein Reinfeiern. Außerdem soll man Feste feiern wie sie fallen; wer weiß, ob es demnächst noch was zu feiern gibt in diesen Zeiten, um auch mal in den allgemeinen Pessimismus einzustimmen.

Apropos demnächst: Die Medien widmen sich intensiv der Frage, ob Merz oder Scholz das Kanzlerkandidatenwettreden (ich finde den in diesem Zusammenhang üblichen Begriff Duell unangemessen) gestern Abend gewonnen hat. Wie nicht anders zu erwarten sieht jede der beiden Parteien ihren Vertreter als Sieger, die Kandidaten sich selbst sowieso, alles andere wäre verwunderlich. Ich verstehe nicht, weshalb darum soviel Gewese gemacht hat; das ist doch völlig unerheblich und es erscheint mir fragwürdig, daraus eine Wahlentscheidung abzuleiten.

Dienstag: Zu Fuß ins Werk, aus terminlichen Gründen mit der Bahn zurück, da am frühen Abend bereits die nächste kollegial-gastronomische Zusammenkunft anstand, ohne Zusammenhang zum gestrigen Umtrunk. Bitte denken sie nicht, das wäre ständig so, in dieser Woche waren es zufällig gleich zwei Treffen. Das Lokal war vollbesetzt, für einen normalen Dienstagabend erstaunlich. Spätestens als direkt neben uns ein Musiker mit elektrisch verstärkter Gitarre und Mundharmonika begann, Tischgespräche zu verunmöglichen, wurde es Zeit, zu gehen. Bevor er um Münzgeld anhaltend durch die Reihen ging, war ich weg. Meine bereits geäußerte Abneigung gegen derartige Livemusik wurde ein weiteres Mal bestätigt.

Weg ins Werk

Mittwoch: Der Arbeitstag war lang, aber nicht sehr arbeitsreich, da ich einen großen Teil davon mit vielen Leuten in einem Besprechungsraum verbrachte, zuhörte und aus dem Fenster schaute. Es liegt mir fern, das zu beklagen, es gibt unangenehmere Arten, sein Gehalt zu *räusper* verdienen. Bei den nur noch seltenen Präsenz-Besprechungen achte ich stets darauf, einen Platz mit Fensterblick zu haben, auch wenn es dort selten etwas Außergewöhnliches zu sehen gibt. Derweil wurde im Besprechungsraum nebenan zeitweise ungefähr im Zehnsekundentakt applaudiert. Was auch immer dort aufgeführt wurde, ohrenscheinlich war da mehr los als bei uns. Auch das keine Klage, eher im Gegenteil.

Etwas weniger applaudiert wird womöglich demnächst woanders: „Sparschock für Oper und Orchester“ übertitelt die Zeitung einen Artikel, weiterhin fallen die Wörter „massiv“ und „Paukenschlag“, letzteres in diesem Zusammenhang besonders originell. Darum geht es: Die Stadt Bonn muss sparen, deshalb hat sie angekündigt, den jährlichen Zuschuss für Kultur ab 2029 um gut fünf Millionen Euro zu kürzen. Wenn man bedenkt, dass allein für Oper und Theater im letzten Jahr fast 33,8 Millionen Euro ausgegeben wurden, schrumpft der massive Paukenschlag zu einer leisen Flatulenz, aber die riechen ja oft am übelsten.

Am Montag hatte ich die Fahrradwerkstatt per Mail um einen Termin für die jährliche Inspektion gebeten, in den Vorjahren wurde sie im Februar/März durchgeführt. Heute kam der Termin: Anfang Mai. Vermutlich leidet auch die Werkstatt unter Personalmangel, wie so viele.

Donnerstag: Im Briefkasten lagen heute die Briefwahl-Unterlagen für die Bundestagswahl. (Warum heißt das so? Worunter legt man die? – Ich schweife ab.) Wenn ich jetzt nur wüsste, wo ich die Kreuze machen soll. Und was nützt es, die Kreuze an der vermeintlich richtigen Stelle zu machen, wenn nachher über fünfzig Prozent der Wähler vielleicht das falsche ankreuzen? Das ist selbstverständlich kein Grund, nicht zu wählen.

Wenn Sie sich auch unsicher sind und dem Wahl-O-Mat nicht trauen, gibt es als Alternative den Real-O-Mat. Auf der Startseite heißt es: „Der Real-O-Mat schaut nicht auf die Wahlversprechen, sondern gleicht das tatsächliche Abstimmungsverhalten der Fraktionen und Gruppen zu aktuellen politischen Themen mit Ihrer persönlichen Position ab. Grundlage sind dabei Anträge und Gesetzentwürfe im Bundestag.“ Ich habe es ausprobiert und bin vom Ergebnis etwas überrascht, doch es erscheint mir akzeptabel.

Das Kreuz mit dem Kreuz. Meinem Rücken geht es übrigens viel besser, nur noch selten zwickt es, und dann im gewohnten Rahmen.

Morgens – das Siebengebirge lag ganztägig hinter Wolken

Freitag: Ein weiterer Tag in Trübnis ohne Schreibtisch-Aussicht auf das Siebengebirge. Erst nachmittags schimmerten die sieben Berge (ja ich weiß, es sind mehr) vage, mehr eine Ahnung denn Aussicht, durch den dichten Dunst. Immerhin beruhigend, sie sind noch da, nachdem sie zwei Tage lang verhüllt waren. Man muss ja mit allem rechnen in diesen Zeiten.

Leider muss ich mich von diesem Blick bald schon wieder verabschieden. Nicht, dass der Ruhestand nahte, dann begönne dieser Satz nicht mit „Leider“. Bereits Anfang März ziehe ich aus organisatorischen Gründen von der achtundzwanzigsten in die dreiundzwanzigste Etage, was nur räumlich ein Abstieg ist, ansonsten bleibt (fast) alles beim Alten. Dann sitze ich in der entgegengesetzten Ecke des Turms mit Blick auf die Stadt statt die Berge. Von mir aus, ich werde schließlich (meistens) nicht gut dafür bezahlt, aus dem Fenster zu schauen. Dennoch, ein wenig werde ich sie vermissen, auch das Morgenrot und die Sonnenaufgänge. Im künftigen Büro dann vielleicht Abendrot und Sonnenuntergänge, wenn ich lange genug bleibe.

Ansonsten herrschte die Trübnis nur draußen, innerlich ging die Wochenend-Sonne auf.

Ich konnte nicht anders

Samstag: „Geeignet sei das Motorschiff für ganzjährige Veranstaltungen wie Geburtstage, Hochzeiten, Firmenevents oder Weihnachtsfeiern“ steht in einem Zeitungsbericht über ein neues Ausflugsschiff auf dem Rhein. Eine ganzjährige Weihnachts- oder Firmenfeier erscheint mir wenig vergnüglich.

Vergnüglich dagegen der Besuch der Außenveranstaltung einer befreundeten Bonner Karnevalsgesellschaft auf dem Marktplatz, bei der wir seit geraumer Zeit Fördermitglied sind, was zum Tragen des Ordens und der Feldmütze (umgangssprachlich auch Schiffchen genannt) der Gesellschaft berechtigt. Wir fühlen uns gut aufgenommen. Neben Sekt und Kölsch war zur inneren Wärmung auch köstliche Erbsensuppe im Angebot.

Erbsensuppe macht glücklich (Foto: der Liebste)

Sehr vergnüglich auch der Abend: Unsere Karnevalsgesellschaft fuhr mit dem Bus zu einem Auftritt nach Herdorf im Westerwald. Vor Abfahrt kam es zum kleinen Eklat, weil der Busfahrer es versäumt hatte, Getränke für die lange Fahrt zu beschaffen. Der Mangel konnte rasch beim örtlichen Getränkehändler behoben werden, so dass die Anreise nicht allzu trocken geriet.

Vor und nach dem Auftritt verbrachten wir die Zeit in einer Gaststätte neben dem Festsaal. Dort durfte, wie generell in Rheinland-Pfalz, noch geraucht werden, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde. Ein wenig fühlte ich mich zurückversetzt in längst vergangene Zeiten, als in Kneipen und Restaurants mit großer Selbstverständlichkeit geraucht wurde. Obwohl seit inzwischen mehr als fünf Jahren Nichtraucher, hat es mich nicht gestört.

Ansonsten scheint das dort eine sehr hübsche Gegend zu sein; wegen Dunkelheit ließ sich das nur erahnen.

Sonntag: Wegen der Vorabendaktivität und später Rückkehr verzögerte sich der gewohnte Tagesablauf um gut eine Stunde.

Der Weinkritiker Stephan Reinhardt in der FAS:

Und es ist alles viel individualistischer geworden, jeder ist mehr oder weniger mit sich beschäftigt. Wenn eine Gruppe in der Wirtschaft sitzt, schaut jeder auf sein Telefon. Um dort was zu finden? Erlösung? Wir könnten uns alle ruhig mal wieder mehr Gelassenheit gönnen. Stattdessen feiern wir Leute, die es geschafft haben, ihr Kind nicht mehr betrunken in den Kindergarten zu fahren, und darüber ein Buch geschrieben haben. Wow.

Beim Spaziergang durch die Nordstadt erneut die Frage, die in letzter Zeit und voraussichtlich bis auf Weiteres in anderen Zusammenhängen häufig gestellt wird: Wie konnte es dazu kommen?

..

Zum guten Schluss: Erfreulich waren in dieser Woche das nachlassende Rückenleiden, die vom Saalpublikum in Herdorf entgegengebrachte Begeisterung für unseren Auftritt und getrüffeltes Rührei am Sonntagabend.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche möglichst ohne innere und äußere Trübnis. Bitte wählen Sie, aber darauf muss ich Sie ja nicht extra hinweisen, oder?

Eine Blogparade, eine Blogparade!

Frau Melli und Herr Tommi haben in ihrem Blog „Jansens Pott“ zu einer Blogparade über das Bloggen aufgerufen. Dem komme ich gerne nach.

Hier die Fragen und Antworten:

Warum hast Du ursprünglich mit dem Bloggen angefangen?

Warum – dazu kann ich nur Vermutungen anstellen. In den Achtzigern fing ich an, inspiriert durch Ephraim Kishon übrigens, Texte über Alltäglichkeiten zu schreiben. Die tippte ich dann mit der Schreibmaschine ab ohne genau zu wissen, was ich damit machen soll. Schon sehr bald hörte ich damit wieder auf, und diese wunderbare Beschäftigung schlief für lange Zeit ein. 2007 meldete ich mich bei Twitter an und begann wieder zu schreiben, wenn auch nur bis zu 140 Zeichen lange Textlein. Doch ich fand dort bald Anschluss, folgte und wurde verfolgt, entwickelte durchaus eine gewisse Sucht für dieses Medium. Über Twitter erfuhr ich erstmals von Blogs und der Möglichkeit, dort beliebig lange Texte ins Netz zu stellen. Die Idee gefiel mir, daher wurde ich 2009 Blogger. (Die alten Texte aus den Achtzigern habe ich auch noch.)

Welche Plattform nutzt Du für Deinen Blog und warum hast Du Dich dafür entschieden?

Wie die meisten nutze ich WordPress. Das war keine gezielte Entscheidung von mir. Vielmehr begann ich 2009 auf Blog.de, auch das war keine gezielte Entscheidung, sondern eher Zufall, weil ich keine Lust hatte, nach der besten Plattform zu recherchieren, daher nahm ich die erstbeste. Vor etwa zehn Jahren, wenn ich mich richtig erinnere, wurde Blog.de geschlossen und es gab dort eine Anleitung für einen Umzug nach WordPress. Das funktionierte gut, seitdem bin ich hier und zufrieden.

Hast Du schon auf anderen Plattformen gebloggt?

Ja, siehe vorherige Frage.

Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs?

Die Tagesblöcke der Wochenrückblicke schreibe ich am jeweils angegebenen Tag direkt ins Blog, selten auch erst am Folgetag. Längere Aufsätze schreibe ich vor, entweder und am liebsten handschriftlich ins Notizbuch oder in Pages.

Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?

Eine spezielle Zeit gibt es nicht. Meistens höre oder sehe ich etwas Blogabeles, bei Besprechungen, in der Zeitung, beim Gehen durch die Stadt. Das schreibe ich entweder direkt auf oder zunächst nur Stichwörter, formuliert wird dann später. Manchmal wache ich nachts auf und kann längere Zeit nicht wieder einschlafen. Dann kommen mir ab und zu Schreibideen und Formulierungen, die aus Bequemlichkeit und wegen Störung der Nachtruhe nicht sofort notiert werden. Wenn ich Glück habe, kann ich mich am nächsten Tag noch erinnern.

An manchen Tagen stockt die Inspiration etwas. Dann ist es anstrengend, etwas halbwegs vorzeigbares zu notieren.

Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?

Wie oben beschrieben entstehen die Wochenrückblicke durch tägliche Fortschreibung. Am späten Sonntagnachmittag ist Schlussredaktion für die Woche, veröffentlicht wird per Voreinstellung am Montagmorgen um halb sieben.

Längere Aufsätze, zu denen ich leider nur noch selten kommen, reifen in der Regel etwas länger, manchmal ein paar Wochen, ab und zu aber auch nur Stunden. Ich beneide einige Bloggerinnen und Blogger, die jeden Tag lange und dazu äußerst lesenswerte Texte veröffentlichen.

Über welche Themen schreibst Du generell?

Wie der Blogname schon sagt: Alltägliches und Ausgedachtes, wobei ersteres überwiegt; im Ausdenken fiktiver Geschichten bin ich nicht besonders gut. Lieblingsthemen sind schluderiger Sprachgebrauch, seltsame Verhaltensweisen, aber auch das anscheinend unausweichliche Bestreben der Menschheit, sich selbst auszulöschen.

Für wen schreibst Du?

Auch wenn das abgedroschen wirkt, weil das so ziemlich jede(r) schreibt, die/der diese Fragen beantwortet: vor allem für mich. Andererseits hat sich inzwischen eine regelmäßige Leserschaft angesammelt, über die ich mich sehr freue. Für die schreibe ich selbstverständlich auch und freue mich über Kommentare und Gefallensbekundungen, gerne auch Kritik, die allerdings selten ist. Ich habe eine sehr freundliche Leserschaft. (Die mir auch verzeiht, dass ich grundsätzlich aufs Gendern verzichte.)

Was ist Dein Lieblingsbeitrag auf Deinem Blog?

Einen absoluten Liebling habe ich nicht. Die, die mir recht gelungen erscheinen, habe ich in einem Buch herausgebracht. Ansonsten mag ich die Liste des Grauens sehr, die inzwischen weit über fünfhundert Einträge hat und weiter fortgesetzt wird.

Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?

Wenn mehrwöchiges Nichtbloggen dazuzählt, ja. In der Anfangszeit war ich noch nicht sehr fleißig. Ansonsten nein und ich hoffe, noch lange weiterzubloggen. Einmal in der Woche mindestens, wozu ich mich als Ironblogger übrigens verpflichtet habe.

Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?

Nur keine Hemmungen. Und mit WordPress geht es auch für einen Technik-Laien wie mich ganz gut. Mit anderen vermutlich auch, die habe ich nur nie ausprobiert. Daher keine unbezahlte Werbung für WordPress. Apropos: Es lohnt sich, ein paar Euro jährlich auszugeben für ein werbefreies Blog, die Leser werden es danken.

Hast Du Zukunftspläne für Deinen Blog? Vielleicht ein Redesign, ein Wechsel der Plattform oder neue Features?

Wie schon geschrieben, noch möglichst lange weitermachen. Eine Designänderung oder ähnliches ist nicht geplant, außer vielleicht den Schlumpf mal durch etwas anderes zu ersetzen. Dazu habe ich noch keine Idee, Vorschläge sind willkommen.

Sehr gerne würde ich was Gemeinsames mit anderen Bloggerinnen und Bloggern machen. Eine Zeit lang gab es Blogtausche, das heißt, ausgewählte Texte von anderen übernahm ich in mein Blog, dafür veröffentlichten sie einen von mir in ihrem Blog. Ein konkretes gemeinsames Blogvorhaben mit einer von mir sehr geschätzten Bloggerin ist aus Zeitgründen bislang nicht zustande gekommen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Aber das sollte man ohnehin nicht, nicht nur als Blogger.

Woche 6/2025: Besser nicht bestimmt bewegen

Montag: Die Woche begann kalt und nicht allzu montäglich. Mehr weiß ich über den Tag nicht zu berichten, immerhin auch nichts zu beklagen.

Übrigens ist heute laut kleiner kalender Tag der männlichen Körperpflege. Haben wir das auch hinter uns, meine Herren; ab morgen wieder unrasiert ins Büro. Dazu eine gar entzückende Illustration:

„Irgendwie geht mit dem Ding der Bart nicht ab. Und warum trage ich diese alberne Mütze auf dem Kopf?“

Dienstag: Der Tag begann mit einer Enttäuschung: Am Samstag habe ich mich in einem örtlichen Musikfachgeschäft spontanverliebt in eine Trommel, ein kleineres, transportfreundlicheres Modell im Vergleich zu dem Riesentrumm, das ich bislang zu den Aufritten schleppe. Die wollte ich mir heute zum Geburtstag schenken und beim Auftritt am Abend sogleich in Betrieb nehmen. Aber ach: Abweichend von der Anzeige im Netz hat das Geschäft montags und dienstags geschlossen.

Der freie Tag, aus gegebenem Anlass bereits heute statt Donnerstag, wurde dennoch angenehm. Nach dem verhinderten Trommelerwerb frühstückte ich im Kaufhof-Restaurant. Ich mag das Frühstück dort, weil man sich wie im Hotel soviel vom Büffet holt (und bezahlt), wie man voraussichtlich verzehrt, wohingegen die fertigen Frühstücksarrangements in Cafés oft so umfangreich sind, dass meistens etwas zurück geht, was nur schwer mit meiner Sozialisierung als Flüchtlingskind zu vereinbaren ist, ich schrieb es schon.

Nach dem Frühstück fuhr ich mit der Stadtbahn nach Oberdollendorf, von dort unternahm ich eine Rundwanderung durch das Siebengebirge, unter anderem über Stenzels- und Petersberg. Es war kalt, aber beglückend. Den Aufstieg auf den Petersberg schaffte ich schnauffrei, das tägliche Treppensteigen im Turm scheint Früchte zu tragen. Während es für die meisten Menschen völlig normal ist, telefoniere ich äußerst ungern in Öffentlichkeit, Wald und Flur. Dem kam die schwache Mobilfunkabdeckung in Teilen des Siebengebirges entgegen. Ansonsten war ich dankbar, dass die meisten Gratulationen per Kurz- oder WhatsApp-Nachricht eintrafen und das Telefon in der Tasche nur kurz aufzucken ließen, auf dass ich sie später beantworte.

Zurück in Bonn belohnte ich mich wie üblich mit Currywurst an Pommes. Dabei beantwortete ich mit letzter Akkukraft des Telefons die Gratulationsnachrichten. Offensichtlich war der Wandertag sehr anstrengend für das Gerät, im Gegensatz zum Nutzer.

Abends war ein Auftritt des Karnevalscorps in Bad Godesberg, für mich hoffentlich zum letzten Mal mit der sperrigen Trommel. Die neue kaufe ich morgen Abend, wenn sie dann noch da ist.

Der Tag in Bildern:

Bei Heisterbach
Stenzelsberg
Frostige Höhen
Stechpalme, gefrostet
Blick vom Petersberg auf Drachenfels, Schloss Drachenburg und Rhein
Für die Sammlung (Oberdollendorf)
Nur eine Zahl, leicht angerostet

Mittwoch: Im Gegensatz zu gestern war der Tag durchgehend dunstig-bewölkt, morgens mit leichtem Sprühregen. Im Büro war gut zu tun, an dem freien Tag hatten sich ungewöhnlich viele Mails angesammelt. Gut, ein größerer Anteil bestand aus Gratulationen, die zügig abgearbeitet waren. Der Arbeitstag endete mit einem sehr angenehmen Chefgespräch, meine Zielerreichung betreffend, außerdem muss er wie jedes Jahr eine Potentialeinschätzung zu meiner Karriereentwicklung abgeben. Auch in diesem Jahr schrieb er: »Wirkt bzgl. Veränderungen teilweise etwas gleichgültig«. Dem ist vollumfänglich zuzustimmen; maximal sieben Jahre vor dem Ruhestand tendiert mein Karrierestreben, bei weiterhin grundsätzlich positiver Motivation, gegen Null. Jeder weitere Karriereschritt wäre mit erheblicher Freizeiteinbuße verbunden, das muss nun wirklich nicht sein.

Abends kaufte ich wie geplant die kleinere Trommel und absolvierte mit ihr probeweise einen kleinen Parademarsch durch die Wohnung.

Die alte (links) und die neue Trommel

Donnerstag: „Vater Staat ist nicht dein Erziehungsberechtigter“ steht auf den Wahlplakaten der FDP. Und ich wünsche nicht, von Herrn Lindner geduzt zu werden.

„Es ist ja auch ein Haufen Code dahinter“, sagte eine in der Besprechung.

Die Schwäche, Gesichter zu erkennen, heißt Prosopagnosie. Ob bei mir eine leichte Variante vorliegt, weiß ich nicht, jedenfalls kommt es manchmal vor, dass ich zwei Menschen, die ich nur vom Sehen kenne, für einen halte. Sie müssen sich nicht besonders ähnlich sehen wie Zwillinge oder Geschwister, ich weiß auch nicht, aufgrund welcher Merkmale die Verwechslung beziehungsweise Verschmelzung entsteht. Solange, bis ich beide gleichzeitig sehe. Die Erkenntnis „Huch, das sind ja zwei“ ist jedesmal irritierend. Heute Mittag in der Kantine wieder.

Freitag: Während der Radfahrt zum Werk morgens erinnere mich ein länger nachwirkender Stich im unteren Rücken daran, dass Alter nicht nur eine unbedeutende Zahl ist.

Bei Ankunft ärgerte ich mich ein wenig über einen Kollegen. Dazu muss ich ein wenig ausholen: Bei den Aufzügen im Turm wählt man die Etage nicht innerhalb der Kabine, sondern an mehreren Displays im Eingangsbereich. Nach Auswahl des Stockwerks wird der zutreffende Aufzug angezeigt. Besagtem Kollegen wurde nun dieselbe Kabine wie mir zugewiesen, die er einige Sekunden vor mir betrat. Aus Egoismus oder Gedankenlosigkeit betätigte er den Tür-zu-Knopf, woraufhin sich die Türen schlossen und ich mit vermutlich tadelndem Blick davor stehen blieb. Das bemerkte der Kollege, immerhin, und streckte den Arm zwischen die noch nicht ganz geschlossenen Flügel, woraufhin sie sich wieder öffneten und ich eintreten konnte. Statt eines Wortes der Entschuldigung rühmte sich der Held, mir unter dem Risiko des Armverlustes den Einstieg ermöglicht zu haben. Da er in die Vorstandsetage fuhr, wie der Anzeige zu entnehmen war, sah ich von weiteren Beschimpfungen ab.

„Jede Treppenstufe bietet bis zu 4 Sekunden längere Lebenszeit“ las ich in einer Mitteilung. Wenn ich es schaffe, bis zum voraussichtlichen Ende meines aktiven Berufslebens einmal arbeitstäglich die Treppen statt des Aufzugs zu nehmen, könnte ich knapp zwanzig Tage herausholen.

Samstag: Im Rücken zwickt es bei bestimmten Bewegungen weiterhin, erfahrungsgemäß wird mich das noch einige Zeit begleiten. Das morgens angebrachte Wärmepflaster brachte nur wenig Linderung. Also besser nicht bestimmt bewegen. Das ist allerdings kein Grund, auf den Spaziergang zu verzichten.

Spaziergangsbild
Warnhinweis auf der Wärmepflasterpackung

Sonntag: Der Spaziergang führte unter anderem durch die Südstadt, wo die Schneeglöckchen blühen. Woanders wahrscheinlich auch, nur sah ich sie dort erstmals in diesem Jahr. Das milde, zeitweise sonnige Wetter lockte viele Spaziergänger aus den Häusern, vom derzeit allgegenwärtigen Pessimismus war nichts zu spüren.

Anlässlich eines Auftritts der Karnevalsgesellschaft am Abend kam die Trommel zu ihrem ersten öffentlichen Einsatz. Ich bin sehr zufrieden damit.

Zu guter letzt: Erfreulich in dieser Woche waren der Wandertag, die neue Trommel und das schöne Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme, möglichst schmerz- und sorgenfreie Woche.

Woche 5/2025: Plakatwände mit den üblichen Gesichtern und inhaltslosen Parolen

Montag: Zu den Kindern kommt abends das Sandmännchen, um sie in den Schlaf zu geleiten. Mich besuchte hingegen sein fieser, pickeliger Bruder, das Weckmännchen. In der Frühe gegen halb vier holte es mich aus ereignislosen Träumen, erst gegen fünf durfte ich noch ein knappes Stündchen schlafen, ehe der erste Wecker zur neuen, großen Arbeitswoche rief. Das Arsc Der Bursche erscheint unregelmäßig zumeist in Nächten auf Montag nach einem langen, schlafreichen Wochenende wie dem vergangenen, da machste nix. Weder Meditieren noch (selbstverständlich tonlos) Gedichte von Eugen Roth und Heinz Erhardt zu rezitieren helfen dann, wach ist wach, in Seit- wie Rückenlage; Bauchlage habe ich nicht probiert. Immerhin kam mir währenddessen eine Idee, wie es auf meiner Romanbaustelle weitergehen könnte, falls ich da nach monatelanger Untätigkeit mal dran weiterzumachen mich aufraffen sollte. Außerdem bemerkte ich, wie nah die Wörter Dekret und Sekret nach der Wiederwahl des amerikanischen Präsidenten nicht nur sprachlich beieinander liegen.

Die Radfahrt zum Werk erfolgter bei ungewöhnlicher Milde, nicht einmal Handschuhe waren erforderlich. Auch die angekündigten Windböen erwiesen sich als gemäßigt. Erst im Laufe des Vormittags tosten sie um den Turm und trieben großflächige Wolken über das Firmament, wie ich während mehrerer Besprechungen vom Arbeitsplatz aus betrachten konnte. (Eigentlich müssten sie mir für die Aussicht was vom Gehalt abziehen, woanders zahlt man dafür Eintritt. Das bleibt bitte unter uns.)

Gegen Nachmittag machte sich der Schlafmangel bemerkbar in Form stark verringerter Arbeitslust, daher verließ ich das Büro nach Erledigung kleinerer Restarbeiten zur vorgesehenen Zeit. Auch das Wetter hatte sich wieder beruhigt, Restwinde schoben mich auf der Rückfahrt freundlich an.

Aus der Zeitung:

Man muss schon sehr genau hinschauen. (General-Anzeiger Bonn)

Dienstag: Viele Menschen fürchten offenbar, augenblicklich zu Staub zu zufallen, wenn sie warten müssen. Nicht zum ersten Mal sah ich, wie der Fahrer eines Lastenfahrrads mit hoher Geschwindigkeit eine rote Ampel ignoriert, vorne in der Ladekiste ein Kind, das Papis Fehlverhalten aufmerksam verfolgt. Es komme mir niemand mehr, ich müsse vor einer roten Fußgängerampel warten, vor allem wenn Kinder in Sichtweite sind. (Manchmal warte auch ich nicht gern.)

Die Stadt ist vollgehängt mit Wahlplakaten des örtlichen CDU-Kandidaten, alle paar Meter grinst er einen an. Das wäre schon Grund genug, ihn nicht zu wählen.

Blaue Stunde morgens

Mittwoch: Auf dem Rückweg vom Werk telefonierte ich über Hörsprechstöpsel in den Ohren mit einem Geburtstaghabenden, anschließend koordinierte ich per Kurznachrichten mit den Lieben die Speisefolge für das Abendessen. Von einem Gen Z-ler nur dadurch zu unterscheiden, dass ich nicht im Stande bin, im Gehen beiddäumig zu tippen.

Anschließend vor mir eine Kundin in der Bäckerei: „Genau … dann nehme ich tatsächlich so ein Dinkelbrot.“ Das danach vor mich hin gemurmelte „tatsächlich“ wird sie nicht gehört haben.

Der Tag lag im Schatten der Abstimmung im Bundestag über den Antrag der CDU zur Asylpolitik, der mit Zustimmung der AfD angenommen wurde. Abends schrieb ich ins Tagebuch: „Das könnte der Beginn einer unheilvollen Zeitenwende sein.“ Siehe dazu auch hier.

Donnerstag: Der mittägliche Treppengang musste aus Zeitgründen leider ausfallen, weil der Chef etwas zu verkünden hatte. Mit dem Verkündeten hatte ich gerechnet, irgendwann, jedoch nicht so bald. Ob sich dadurch für mich etwas verschlechtern wird, bleibt abzuwarten. Besser wird es jedenfalls nicht, besser als es zurzeit ist kann es kaum werden.

Nachmittags begann es zu regnen, deshalb fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Als ich vom Busbahnhof (warum eigentlich „bahn“?) durch die Stadt ging, rief vor mir einer mehrfach: “Warum?“ Eine berechtigte Frage, die ich mir auch immer öfter stelle.

Freitag: Das Passwort meines Bürorechners war abgelaufen und musste erneuert werden. Ständig wird man aufgefordert, Passwörter zu aktualisieren oder erstmals sich auszudenken. Dabei werden die Kriterien für ein halbwegs sicheres Passwort immer komplexer: mindestens acht Zeichen lang, bestehend aus Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Ziffern, deren Quersumme nicht zwölf ergeben darf. Es darf nicht leicht zu erraten sein, etwa aufsteigende Zahlenfolgen, den Namen des Nutzers oder das Geburtsdatum enthalten, zudem darf es nicht übereinstimmen mit den dreizehn zuletzt vergebenen. Dann muss man es sich auch noch merken können, ohne es irgendwo zu notieren. Vielleicht kommt es irgendwann zum Atomkrieg oder zur Kernschmelze, weil an entscheidender Stelle jemand das erforderliche Passwort vergessen oder dreimal falsch eingegeben hat.

Übrigens: Die Weltuntergangsuhr steht auf 11:58:31.

„Außer Trump und Merz, außer AfD und Wahlkrampf gibt es auch noch andere Menschen und Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann, beschäftigen sollte“ schreibt Kurt Kister in seiner Kolumne „Deutscher Alltag“, die wieder da ist. Das heißt, sie war nie weg, nur erhielt ich sie nicht mehr wöchentlich zugesandt, weil ich anscheinend aus dem Verteiler gefallen war. Da er in früheren Texten angedeutet hatte, aus Altersgründen nicht mehr zu schreiben, nahm ich an, nun wäre es soweit. Durch eine Kollegin, die die Kolumne weiterhin erhält, erfuhr ich eher zufällig, dass es sie weiterhin gibt, und abonnierte sie umgehend. Heute erhielt ich sie erstmals wieder, somit kann ich mich freitags wieder darauf freuen. (Es soll auch Menschen geben, die sich montags auf diesen Wochenrückblick freuen. Das freut mich sehr.)

Samstag: Nun also schon wieder Februar. In elf Monaten wird voraussichtlich wieder über ein Böllerverbot dabattiert. Wie bereits vergangene Woche dargelegt, empfand ich den Januar weder als unangenehm noch endlos. Der erste Tag des neuen Monats war sonnig und kalt, Dächer und beschattete Flächen waren mit Raureif* überzogen. Die wöchentliche Altglasentsorgung verband ich wie üblich mit einem Spaziergang durch die Nordstadt und an den Rhein, wo die Uferpromenade gut besucht war. In der Nordstadt werben große Plakatwände mit den üblichen Gesichtern und weiterhin inhaltslosen Parolen um meine Kreuze bei der Bundestagswahl. Dieses Mal fällt es mir wirklich schwer, zu entscheiden, welche Partei ich für die beste oder wenigstens für das kleinere Übel halte.

*Weiterhin widerstrebt es mir, das Wort ohne h zu schreiben, aber es hilft ja nichts

Februarblau

Sonntag: Der Sonntagsspaziergang musste wegen Dienst an den Trommelstöcken (in meiner ostwestfälischen Kindheit sagte man Stöckern) leider ausfallen, weil zwei Auftritte der Karnevalsgesellschaft in Euskirchen und Bad Godesberg sich mit den üblichen Wartezeiten (wer selbst im Karneval aktiv ist, weiß vermutlich, was ich meine) bis in den späten Nachmittag zogen.

Kleiner Nachtrag zu Dienstag: Laut einer Messung des ADAC im vergangenen Jahr ignorieren acht Prozent der Radfahrer rote Ampeln, steht in der FAS. Das erscheint mir sehr wenig, oder sie haben nicht in Bonn gemessen

Das Gute zum Schluss: Erfreulich waren in dieser Woche die wiederentdeckte Kister-Kolumne, ein eingetroffenes, erst am Dienstag zu öffnendes Päckchen und die Sofalesezeit nach den Auftritten.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche. Lassen Sie sich nicht um den Schlaf bringen, weder vom Weckmännchen noch von Friedrich Merz.

Woche 4/2025: Zwischen Feierabend und Abendfeier

Montag: Es ist immer wieder erstaunlich, wenn nicht erschreckend, wie viele Kollegen meiner Ebene am Wochenende Mails verschicken. Haben die nichts besseres zu tun?

Der Arbeitstag begann mit mehreren vom System geforderten Rechnerneustarts. Was muss das muss. Manchmal wünsche ich mir das für mein Hirn auch. Könnte helfen, vor allem am Montagmorgen. Ansonsten war die erste und vielleicht wichtigste Tätigkeit des Tages, den freien Tag für diese kleine Woche zu buchen, dieses Mal ausnahmsweise Freitag.

Während der Rechner neu startete, dachte ich über die Tagesfrage des Blogvermieters nach, die heute lautete: „Was ist dein Traumjob?“ Das ist schwierig zu beantworten, Privatier oder Pensionär zählen wohl nicht. Im Idealfall was mit länger Schlafen, viel Freizeit und gutem Einkommen. Also nichts von dem, was mir in jungen Jahren als Traumjob erschien wie Lokführer, Fahrdienstleiter auf einem kleinen Landbahnhof oder Schriftsteller. Auch als Pornodarsteller wird man nicht alle Tage Höhepunkte erleben. Dagegen fielen mir viele Jobs ein, an denen ich gar keine Freude hätte: Möbelschlepper etwa, oder Bundeskanzler. Vermutlich hat jeder noch so tolle Job seine regelmäßigen Schattenseiten, wenn man ihn lange genug ausübt. Mit meinem jetzigen bin ich ganz zufrieden, auch wenn er mich werktäglich zur Unzeit aus dem Tuch treibt und die freien Tage mehr sein könnten. Vielleicht ist das sogar mein Traumjob, ich habe es nur noch nicht bemerkt.

TikTok hat in Amerika vorläufig den Betrieb eingestellt. Das mag man als frühgeborener Nichtsnutz Nichtnutzer schulterzuckend zur Kenntnis nehmen. Doch wenn WordPress in Deutschland stillgelegt würde, fände ich das als – wenn auch erfolgloser – Kleinblogger betrüblich und wünschte ich mir vielleicht auch einen Trump, der es wieder heile macht.

Abends spielte ich Triebfahrzeugführer, Fahrdienstleiter und Schrankenwärter

Dienstag: Auch heute forderte der Bürorechner mehrfach zu einem Neustart auf, weil wieder irgendwas zu installieren war. Viel aufregender wurde es nicht, was keineswegs zu beklagen ist.

Heute ist übrigens Ehrentag der Hörnchen. Falls Sie auf einer Party sind, können Sie mit diesem Wissen spannende Gespräche beginnen.

Morgens war es kalt

Mittwoch: Nach anstrengend-gegenwindiger Radfahrt zum Büro belohnte bei Ankunft grandioses Morgenrot über dem Siebengebirge die Mühen. Wegen Spiegelungen der Bürobeleuchtung in den Fenstern war die Anfertigung eines vorzeigbaren Fotos nicht möglich, daher stattdessen ein Archivfoto aus Oktober 2023, das eine ähnliche Färbung zeigt.

Symbolbild

Sehr wahrscheinlich bemerkte ich es schonmal, mittlerweile habe ich nicht mehr den Überblick, was ich hier schon alles schrieb und bin zu bequem, es zu recherchieren*: Neben „tatsächlich“, „genau“ und „quasi“ entwickelt sich „natürlich“ zunehmend zu einem beliebten Füllwort. Erst heute las ich es wieder mehrfach in einem Text an Stellen, wo es die Aussage nicht mehrte, weder im Sinne von „nicht künstlich“ noch „selbstverständlich“. Sehr wahrscheinlich verwende ich selbst regelmäßig unnötige Wörter in Wort und Schrift, ohne es zu merken, man selbst merkt sowas ja nicht, wenn es einem keiner sagt, ähnlich wie Mundgeruch. Wenn Ihnen diesbezüglich etwas auffällt, scheuen Sie sich bitte nicht, mir einen Hinweis zu geben, ich wäre sehr dankbar dafür.

*Habe ich dann doch getan, und tatsächlich: Am Samstag der 15. Woche vergangenen Jahres erwähnte ich es kurz.

Der angekündigte Regen ab Mittag kam zuverlässig. Entgegen der Vorhersage hörte es allerdings zum Nachmittag wieder auf, so dass mich der immer noch nordwärts blasende Wind trockenen Reifens nach Hause schob.

Donnerstag: Seit einiger Zeit bin ich beim Mittagessen im Kollegenkreis oft der letzte, der den Teller geleert hat. Egal ob ich als erstes am Tisch sitze oder später dazu komme, lange vor dem Dessert haben alle anderen aufgegessen. Dabei spreche ich bei Tisch weniger als die meisten anderen, auch esse ich nicht besonders langsam, mit dreißig mal Kauen oder so. Das ist nicht schlimm und ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern. Es fällt mir nur auf.

Laut Zeitung haben heute Namenstag: Emerantiana, Ildefons, Liuthild. Laut anderer Quelle hingegen Eugen, Hartmut, Heinrich und Raimund. Die lügen uns doch an.

Freitag: Wie Montag bereits geschrieben, legte ich den freien Tag dieser kleinen Woche auf heute statt wie üblich Donnerstag, wodurch dieser Freitag seinen Namen verdient. Grund ist die Prunksitzung unserer Karnevalsgesellschaft ab dem frühen Abend. Ja, die hätte auch stattgefunden, wenn ich heute im Büro gewesen wäre, nur wäre dann eine gewisse Hektik aufgekommen zwischen Feierabend und Abendfeier, das muss ja nicht sein. Generell zählt unnötige Hektik für mich zu den Dingen, die unbedingt zu vermeiden sind.

Herr Buddenbohm war gestern in Bonn, wie er hier berichtet. Dabei kam er zu der zutreffenden Erkenntnis, dass diese Stadt zurzeit mit der Bahn schlecht zu erreichen ist. Ansonsten hat Bonn bei ihm keinen besonderen Eindruck hinterlassen, wie er abschließend schrieb: „Ich kann nach diesem kurzen Aufenthalt also die alte und sicher große Frage, warum es am Rhein so schön ist, weder abschließend beantworten noch auch nur die inkludierte Grundannahme bestätigen.“ Das kenne ich von eigenen Dienstreisen: Von der bereisten Stadt sieht man oft nur den Veranstaltungsort, das Hotel, vielleicht abends ein Restaurant, gegebenenfalls den Bahnhof sowie die Wege dazwischen. Die schönen Seiten bleiben verborgen, schließlich ist man nicht zum Vergnügen dort. Als zwar nur zugezogener, gleichwohl begeisterter Bonner lade ich Herrn Buddenbohm gerne ein zu einem Spaziergang durch die Südstadt, die Weststadt und über die Rheinpromenade, allesamt Orte, die sein Bonnbild vielleicht in etwas positiveren Farben leuchten lassen. Richten Sie ihm das gerne aus, da ich nicht annehme, dass er hier liest, was natürlich kein Vorwurf ist.

Samstag: Die Karnevalssitzung am Vorabend war großartig, das Programm wie die Stimmung im Saal und auf der Bühne sehr gut. Anschließend sprach mich ein Unbekannter im Foyer an und drückte sein Bedauern aus darüber, dass ich nicht mehr auf der Bühne singe. Auf mehrmaliges Nachfragen meinerseits versicherte er glaubhaft, es nicht ironisch zu meinen. Ich fühle mich geschmeichelt, indes ist es für alle Beteiligten im Saal das Beste, wenn ich weiterhin als Trommler meinen Beitrag zum Gelingen des Abends zu leisten mich bemühe. Hier ein paar Eindrücke:

Kasalla, die auch, das war mir nicht bewusst, gut a capella singen
Brings
Druckluft
Geschafft

Auch heute wirkte die Sitzung noch längere Zeit nach. Dadurch verzögerte sich der weitere Tagesverlauf – Frühstück, Zeitung und Blogs lesen – um mehrere Stunden, wir bitten um Verständnis. Doch nach der Sitzung ist vor der Sitzung: Bereits am Abend machten wir uns wieder auf nach Bad Honnef, wo der nächste Auftritt anstand. (Immer noch staune ich regelmäßig, wie sehr mich inzwischen Karneval und die aktive Teilnahme in Uniform begeistert. Noch vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen.)

Sonntag: Nicht nur die politische Stimmung, auch der Zeiger der Waage schlägt weiter nach rechts aus, trotz der seit einer Woche konsequent durchgeführten arbeitstäglichen Treppenstiege über achtundzwanzig Etagen. Vielleicht ist dadurch die Beinmuskulatur zwar nicht sicht-, aber messbar gewichtsmehrend angewachsen. Wenngleich von Übergewicht weit entfernt, möchte ich den Trend gerne wenigstens aufhalten. Die Reduzierung kalorienreicher Getränke könnte ein Ansatz sein.

Nachtrag zu Freitag: Dass es in Bonn, auch jenseits des Rheines, schön ist, belegt vielleicht die folgende, nicht repräsentative Auswahl an Bildern, entstanden heute beim Spaziergang. Wegen der Schönheit des Rheins verweise ich auf frühere Bilder und Beiträge.

Mozartstraße in der Weststadt
Humboldstraße, ebenfalls Weststadt
Ehemalige Bundesbedienstetensiedlung in Poppelsdorf
Hofgarten mit Universität, Baustellen und Pfützen

Selbstverständlich ist auch Bonn nicht überall schön:

Bahnunterführung zur Weststadt. Denken Sie sich gerne passenden Uringeruch dazu.
Architektonische Irrungen und Wirrungen in Poppelsdorf

Und immer wieder Botschaften:

Teils mit klarer Aussage …
… teils nicht ganz so klar.
Das Öffnen des hinterlegten Links erfolgt auf eigene Gefahr
Kuriose Geschäfte in der Innenstadt

Hier und da strecken die ersten Frühblüher ihre grünen Spitzen aus dem Boden und lassen darauf hoffen, dass es auch in diesem Jahr weiter geht. Deshalb vermag ich nicht einzustimmen in das nun wieder vielfach zu hörende und lesende Januarjammern. Vielmehr freue ich mich auf die ersten Schneeglöckchen, später Forsythien, Kirschblüte in der Inneren Nordstadt, Flieder, Kastanien, ehe im Herbst Astern das Auge erfreuen. Bis dahin dauert es noch etwas, andererseits wissen wir alle, wie schnell es alles wieder geht und wir uns fragen, wo das Jahr geblieben ist.

In anderen Blogs ist es Tradition, regelmäßig drei Dinge zu nennen, die gut waren. Gerade in Zeiten, da vor allem die schlechte Nachricht zählt, eine gute Gewohnheit. Deshalb erlaube ich mir, das zu übernehmen, besser kann man einen Wochenrückblick kaum abschließen. Also, in dieser Woche habe ich mich gefreut über:

1. eine Sprachnachricht aus München, obwohl ich Sprachnachrichten grundsätzlich eher als lästig empfinde. Von dieser Versenderin nicht.

2. begeistert schunkelndes und mitsingendes Publikum im Saal und gemeinsames Musizieren.

3. das Mittagessen mit einer lieben Kollegin, die ich länger nicht sah. Das nächste gemeinsame Essen ist bereits terminiert.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche. Wenn auch Sie der Januar drückt: Er ist ja bald vorüber.