Über Pfingsten

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Acht von zehn befragten kennen nicht die Bedeutung von Pfingsten, und die zwei, die es zu wissen vorgeben, können nicht erklären, was es mit dem Heiligen Geist auf sich hat. Das ist erschreckend und bedarf dringend der Aufklärung. Folgendes also trug sich zu:

An einem sonnigen, warmen Freitagabend verabredete sich die erste Mannschaft des FC Jerusalem (Kreis Soltau) in ihrem Lieblingsbiergarten, um den Aufstieg in die Kreisliga zu feiern. Am Nebentisch saß eine japanische Reisegruppe, daneben drei französische Austauschstudentinnen; die Japaner fotografierten die Fußballer und die Studentinnen empfingen erste interessierte Blicke.

Das Bier floss in Strömen, und je später es wurde, desto beschwingter die Stimmung und schwerer die Zungen, bald verständigten sie sich nur noch über konsonantenarme Laute, Gesten und Zeichensprache, zunächst nur die Fußballer untereinander, bald bezogen Sie auch die Japaner mit ein und stellten die Tische zusammen, schließlich traten auch die jungen Französinnen der lustig-lallenden Runde bei.

Da stand Petrus, der Mannschaftstrainer, auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: „Ihr Japaner, Französinnen und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen!“ Die Runde lachte, Blitzlichter leuchteten auf und die Studentinnen blickten lasziv über ihre riesigen Sonnenbrillen hinweg, die sie noch immer trugen.

Also geschah es. Die Aufstiegsfeier zog sich hin bis zum frühen Sonntagabend, am Montag wurden sie alle heimgesucht von einem riesigen Kater, auf dass sie nicht arbeiten konnten. (Die absurde These „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“ wurde erst Jahrhunderte später durch die evangelische Kirche in die Welt gesetzt.) Daher haben wir noch heute am Pfingstmontag frei.

Jetzt wissen Sie es, falls mal wieder einer fragt, was genau Pfingsten ist. De rien.

Abgeschrieben: Mücken

Mücken (Nematocera) gehören zu den Zweiflüglern (Diptera) innerhalb der Insekten (Insecta). Zu ihnen gehören als bekannteste einheimische Vertreter die Stechmücken und die Schnaken. Die meisten Mücken sind zart gebaute, schlanke Insekten mit fadenförmigen, vielgliedrigen Antennen und langen, dünnen Beinen. Sie besitzen meist stechend-saugende Mundwerkzeuge.“

So weit Wikipedia. Dass es Mücken außerdem mühelos gelingt, uns mit ihrem nervtötenden Sirren den Schlaf zu rauben, noch bevor sie zustechen, verschweigt der Artikel. Diese Lücke füllt das immer wieder lesenswerte Blog Schreiblehrling.de, dessen Autor Thomas ich sehr für die Erlaubnis danke, den Text zu übernehmen. Viel Vergnügen!

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Bsssssss… sssssssSSSSSSSSST! schlürf

Wer kennt das nicht! (Dies ist tatsächlich keine Frage.) Gerade, also, GERADE hat man sich hingelegt und das Licht ausgemacht. Diese unnützen Minivampire warteten den ganzen Tag in ihren Verstecken nur auf diesen Moment, um sich dann SOFORT, nachdem es dunkel ist, auf ihre Opfer zu stürzen. Gerne auch mal im Rudel.

Warum warten diese Drecksviecher immer, bis es gerade dunkel ist und lassen mich nicht zumindest mal vorher einschlafen? Warum müssen die so ein schreckliches Sirren von sich geben, bei dem an Schlaf nicht mehr zu denken ist? Können die nicht auch angelaufen kommen statt zu fliegen? Warum – wenn sie mir schon kostenlos Blut klauen – müssen sie noch Salz, äh, Juckpulver in die Wunde streuen? Warum verstecken sie sich sofort wieder, wenn man das Licht anschaltet, um sie zu töten? Warum immer auf mich?! Und weshalb existieren sie ÜBERHAUPT?

Viele Fragen, wegen denen ich mir in der nächsten durchwachten Nacht wieder den Kopf zerbrechen kann, während ich darauf warte, als lebende Tankstelle benutzt zu werden. Scheißmücken.

Quelle: http://www.schreiblehrling.de/muecken/

Über Europa, Russland und Algorithmen

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Bei der Europawahl holten die rechtspopulistischen Parteien erschreckend viele Stimmen: in Frankreich der Front National (FN), in Großbritannien die United Kingdom Independence Party (UKIP), in den Niederlande die Partij voor de Vrijheit (PVV) dieses blonden Unsympathen – warum die Presse bei letzteren angesichts der erlangten über zwölf Prozent von einer Wahlschlappe spricht, ist rätselhaft. Auch die deutsche Anlaufstelle für Deppen (AfD), welche sich selbst harmlos als Volkspartei bezeichnet, kann mit ihrem Ergebnis zufrieden sein.

Am Montagabend brachte das WDR-Fernsehen einen Bericht über die Verfolgung Schwuler in Russland. Aufgewiegelt von der Kirche, geduldet vom Staat, locken hasserfüllte Horden Homosexuelle in einen Hinterhalt, zum Beispiel eine Wohnung, um sie zu demütigen, schlagen, verletzen und foltern. Das ganze wird mit der Handykamera festgehalten und anschließend ins Netz gestellt. Sie haben nichts gemacht, sie lieben einfach nur Männer, nach (nicht nur) russisch-orthodoxer Logik sind sie deshalb auch automatisch Kinderschänder, was – selbst wenn sie es wären – vorstehende Behandlung nicht rechtfertigt. Die Nacht darauf schlief ich nicht sehr gut, Wut ist ein schlechtes Ruhekissen.

Quarks & Co. am Dienstagabend befasste sich mit der auch als Big Data bekannten allgemeinen Datensammelwut der Konzerne. Alles, was wir im Netz tun, wird festgehalten und verknüpft. Bereitwillig leisten wir unseren eigenen aktiven Beitrag dazu, wenn ein Rabatt, ein „Gefällt mir“ oder Sternchen lockt. Längst manipulieren uns Algorithmen, deren Logik niemand mehr kennt, sie erkennen (und bewerben) unsere Bedürfnisse, noch ehe wir selbst sie kennen. Wahrlich keine neuen Erkenntnisse, dennoch beunruhigend.

Drei Fakten, schon jeder für sich macht schlechte Laune. Zusammen betrachtet sind sie geeignet, meinen Optimismus in die Zukunft arg anzukratzen. Vielleicht sollte ich weniger fernsehen.

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Im Hamsterrad

Forscher der Universität Leiden (Niederlande) haben festgestellt, dass Tiere grundsätzlich Freude an der Bewegung im Laufrad haben, nicht nur der Goldhamster in Käfighaltung, der mangels Auslaufs gerne ein paar Schritte in der nach ihm benannten Vorrichtung macht, vornehmlich nachts, und damit die Menschen in seiner näheren Umgebung an den Rand des Wahnsinns treibt; auch wild lebende Tiere wie Mäuse, Frösche und gar Schnecken nehmen die Gelegenheit zur körperlichen Betätigung gerne an, selbst wenn sie nicht durch Futter angelockt wurden. Bislang ist unklar, warum sie das tun.

Doch nicht nur Hund, Katze, Maus, auch Menschen laufen, ohne eine nennenswerte Entfernung zu überwinden. Bevorzugt tun sie dies in Räumen, die außen mit Begriffen wie „Fitness“, „Power“, „Training“, „Studio“ und ähnlichen beschriftet sind. Nach einiger Zeit verlassen sie dann das Laufband und widmen sich anderen Geräten, deren einziger Zweck darin besteht, durch mannigfache mechanische Vorrichtungen Gewichte zu heben und senken. Ein Auslöser für das augenscheinlich nicht zweckgerichtete Tun ist nach bisherigen Erkenntnissen die Zahlung eines monatlichen Entgelts, wohl gemerkt von Seiten des Laufenden. Übertragen auf das Tierreich wäre das so, als brächte die Spitzmaus einige Wurzeln mit zum Laufrad. Dieses irrationale Verhalten stellt die Forschung bislang vor ein Rätsel, indes bestätigt es die seit langem bestehende Vermutung, dass die menschliche Spezies komisch ist.

Projektende mit Frauentausch

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Es ist immer wieder zutiefst befriedigend, ein Projekt zum Abschluss gebracht zu haben. Nach der erfolgreichen Operation meines rechten Fußes im letzten Jahr verbrachte ich das vergangene Wochenende wieder im St.-Petrus-Krankenhaus zu Bonn, um auch den linken in vorzeigbare Form bringen zu lassen. Auch dieses Mal ging alles glatt und ich blieb weitgehend vor Schmerzen verschont.

Im Gegensatz zum letzten Jahr blieb mir der Luxus eines Einzelzimmers versagt und ich war krankenkassenkonform in einem Doppelzimmer untergebracht, was ich zugegebenermaßen zunächst doof fand, heißt das doch, mehrere Tage und vor allem Nächte auf engem Raum mit einem wildfremden Menschen zu verbringen, Bad und Klo zu teilen; vielleicht schnarcht der, labert mich ungefragt mit seiner Kranken- und Lebensgeschichte voll oder weist sonstige unangenehme Eigenschaften auf; vielleicht will er fernsehen, wenn ich schlafen möchte oder umgekehrt, vielleicht telefoniert er ständig und bekommt laufend Besuch, während ich meine Ruhe haben will.

So war es dann auch – und auch nicht. Ja, mein Bettnachbar schnarchte wie eine außer Kontrolle geratene Sägemühle, er sprach bereits morgens um sechs mit mir, was ich ihm bald mit einem freundlichen Hinweis auf meine Abneigung gegen verbale Kommunikation vor neun Uhr abgewöhnte, manchmal telefonierte er und zweimal kam seine Frau zu Besuch. Und das war ausgesprochen angenehm: Nachdem ich am zweiten Tag meine angeborene ostwestfälische Distanziertheit überwunden hatte, unterhielten wir uns bestens, erfuhren viel voneinander, entdeckten einige Gemeinsamkeiten (auf die im einzelnen einzugehen ich mir und Ihnen hier erspare), bald duzten wir uns, tauschten Adressen aus und werden in Verbindung bleiben. Die Tage vergingen schnell, und für die Nächte bekam ich Ohropax.

Zwei Dinge habe ich während dieses Krankenhausaufenthaltes gelernt: 1. Es kann sehr bereichernd sein, sich auf einen fremden Menschen einzulassen und sich mit ihm auszutauschen, und 2. „Frauentausch“ ist eine völlig bescheuerte Serie, dennoch sollte man sie einmal gesehen haben.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich dank Arbeitsunfähigkeit bei sommerlichen Verhältnissen auf dem Balkon, den operierten Fuß gemäß ärztlicher Weisung hochgelegt. Es könnte schlimmer sein.

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