Wenn weiße Wagen wühlen

Mit Einbruch der Dunkelheit tauchen sie auf, schleichen durch die engen Straßen der Altstadt – weiße Lieferwagen mit zwielichtigen Insassen und auswärtigem Kennzeichen. Gleich bleicher Honigbienen bewegen sie sich von Haufen zu Haufen, auf der Suche nach brauchbarem, verkäuflichem, Metall die bevorzugte Beute. Darum seien Fahrräder an diesem Abend besonders gut verschlossen, Tische und Stühle der Außengastronomie rechtzeitig herein geholt; Menschen mit eisernem Willen oder Nerven wie Drahtseilen sollten die Altstadt meiden, wollen sie sich nicht jäh in einem der weißen Wagen wiederfinden.

Was einst der gelbe Wagen brachte, holt nun der weiße wieder ab. Was tagsüber sorgsam am Straßenrande gestapelt, ist bald zerwühlt, geplündert, großflächig gestreut, ein Bild blinder Brutalität; schwefeliger Dunst in der Luft, in der Ferne heisere Schreie, Hundebellen. Bis am Morgen der orange Wagen kommt und die gewohnte Ordnung wieder herstellt. Zurück bleiben Kühlschränke, Fernseher und Farbeimer, die niemandem mehr gehören.

Alle drei Monate wieder. Die genauen Termine finden Sie in Ihrem Abfallkalender.

Provence die erste – ein paar Urlaubsbilder

Die vergangene Woche verbrachten wir mal wieder in der Postkartenidylle der Provence, der Region des besonders blauen Himmels und Herkunft wunderbarer Weine. Hier ein paar Eindrücke – voila:

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Schon im letzten Jahr hatten wir einen Ausflug ins Bergdorf Brantes versucht, doch hielt uns dort ein schweres Gewitter mit Hagel direkt über uns davon ab, das Auto zu verlassen. Am Sonntag (27. April) hatten wir mehr Glück:

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Am Donnerstag wanderten wir ab und bis Baumes-de-Venise „einmal um den Berg“:

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Keine Wanderung ohne Pique nique:

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Katzenbilder? Kann ich auch:

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Eier gegen die Staatsgewalt

Nachdem Thomas de Maizière das Drohnendebakel durch Amtsübergabe an Frau von der Leyen überwunden hat, droht ihm neues Ungemach im Zusammenhang mit der Beschaffung eines Großgerätes zur Durchsetzung staatlicher Gewalt: des Wasserwerfers „WaWe 10“. Nach einem von Beamten der Thüringer Bereitschaftspolizei testweise durchgeführten Bewurf mit demonstrationsüblichen Gegenständen wie Eiern, Tennisbällen und halb gefüllten Plastikflaschen wies das Fahrzeug Beschädigungen auf, welche seine Eignung für den Einsatz gegen Wutbürger fraglich erscheinen lassen. Ein solches Schadensbild sei nicht nachvollziehbar, so ein Ministeriumssprecher. Der Innenminister selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Hersteller zeigte sich von den Testergebnissen indes unbeeindruckt: „Die Bundesrepublik Deutschland hat einen Wasserwerfer bestellt und keinen Panzerwagen. In der Bedienungsanleitung weisen wir extra darauf hin, den WaWe 10 möglichst nicht bei Hagel über acht Millimeter Korngröße einzusetzen, um lange Freude an dem Gerät zu haben“, betonte die Sprecherin des Unternehmens.

Das Bundesinnenministerium hat inzwischen reagiert und in enger Zusammenarbeit mit dem Justizministerium eine neue Verordnung über zulässige Wurfgegenstände bei Demonstrationen erarbeitet. Steine und steinähnliche Gegenstände, etwa Kaffeepötte – gefüllt wie ungefüllt – oder Glasaschenbecher sind gänzlich verboten. Die ursprüngliche Absicht, auch Eier zu ächten, scheiterte am erbitterten Widerstand des Verbandes Deutscher Legehennenhalter; diese (also die Eier) müssen nun zuvor gekocht und gepellt sein. Statt Tennisbällen sind nur noch Tischtennisbälle zulässig, und Plastikflaschen müssen vor dem Wurf vollständig geleert werden. Gegenstände aus gekämmter Baumwolle, Schaumkunststoff (Polystyrol) und Knetgummi wurden nach umfangreichen Tests durch das Bundesamt für Materialprüfung als unbedenklich eingestuft, wenn sie ein Volumen von achthundertzehn Kubikzentimetern nicht überschreiten.

Der Vorfall gab Anlass zu Überlegungen, ob der Einsatz von Wasserwerfern überhaupt noch zeitgemäß sei, auch im Hinblick auf die Ereignisse in Stuttgart 2010. Stattdessen wird Ersatz durch besonders leistungsstarke Laubbläser erwogen. „Wir können hier auf jahrzehntelange Erfahrungen zurück greifen“, sagte ein Ministeriumssprecher, „mit dem Produzieren heißer Luft kennen wir uns schließlich aus.“ Doch wird mit erheblichem Widerstand der Polizeigewerkschaft gerechnet: Bei ersten Tests trugen die Beamten trotz dreifachem Hörschutz erhebliche Gehörschäden davon. Auch ist fraglich, ob der Einsatz von Laubbläsern dem Gebot der Verhältnismäßigkeit entspricht und nicht einen Verstoß gegen das Haager Abkommen und die Genfer Konventionen darstellt.

Auf dünnem Eis

nackt

Eines vorab: Missbrauch von Kindern ist ein schlimmes Verbrechen, und ich habe weder die Absicht, dies zu relativieren, noch Personen, die dies tun, zu verteidigen. Und doch gibt mir der öffentliche Umgang mit der sogenannten Edathy-Affäre zu denken. Was ist passiert? Man weiß es nicht, außer er selbst. Was man weiß: Der Mann hat sich bei einem kanadischen Versandhändler Bilder nackter Kinder und Jugendlicher beschafft, die nach deutscher Rechtsauffassung strafrechtlich nicht relevant sind, aber wer weiß, was da sonst noch alles so bei war, wer solche Bilder kauft, will auch andere…

„Dieses Schwein“, „Schwanz ab!“, „Für immer wegsperren“ und so weiter, die üblichen Reaktionen in solchen Fällen, so auch hier. Vielleicht ist es meine eigene Kinderlosigkeit, die es mich abhält, in den Chor der Empörten laut mit einzustimmen. Noch mal: ich heiße es nicht gut, erotische Bilder von Kindern, womöglich unter Gewaltanwendung, zu erstellen, noch damit zu handeln und sie als „Endverbraucher“ (welch scheußlich Wort in diesem Zusammenhang) zu beziehen. Dennoch erscheint mir ein klein wenig mehr Gelassenheit angebracht.

Tatsache ist: Der Mensch, selbsternannte Krone der Schöpfung, ist triebgesteuert. Er war es schon, als er Mammuts jagte, ist es heute, da er mit dem Jonglieren virtueller Geldbeträge und Emissionshandel die Welt an den Abgrund treibt, und wird es noch sein, wenn er dereinst den Mars besiedelt haben wird. Und das in vielfältiger Weise – Männer begehren Frauen oder Männer oder beides, oder Schafe, Leichen, Melonen; Frauen ebenso, nur anders vielleicht. Schwestern begehren ihre Brüder und umgekehrt, manche Menschen begehren gar Gegenstände, die bei der Mehrheit nur begrenzte erotische Phantasien freisetzen, etwa Autos, Kaffeekannen, Motorsägen oder Gartenzäune. Ja, und manche haben so richtig die Arschkarte gezogen, die stehen halt auf Kinder. Tatsache ist auch: keiner hat es sich ausgesucht, ich weiß, wovon ich schreibe.

Viele der vorgenannten Vorlieben sind mittlerweile erlaubt, rufen vielleicht noch blöde Witze, moralisches Zürnen der Religionen oder einfach nur Schulterzucken hervor. Das mit den Kindern nicht, und das ist sicherlich gut und richtig so. Aber reicht das wirklich aus, Menschen wie Edathy die Existenzberechtigung zu versagen? Ich bin mir nicht sicher, weiß aber auch keine Lösung. „Schwanz ab“ ist jedenfalls keine.

Politisch korrekt

Nun hängen wieder überall in der Stadt bunte Wahlplakate, noch erstaunlich wenige verziert mit lustigen Zahnlücken und Hitlerbärtchen. Dank unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung darf auch Pro NRW um die Gunst des Wählers werben. Ein Plakat ebendieser Gruppierung verkündete bis gestern unter anderem an der B9, Höhe der Stadtbahnhaltestelle Ollenhauerstraße, eine Parole gegen die drohende Asylantenflut, hoch an einen Lampenpfahl gebunden, auf dass es jeder sehe und niemand beschmiere.

Als ich heute Morgen von der Stadtbahn zum Büro ging, hing das Plakat nicht mehr an seinem Platz, sondern lag am Fuße der Laterne, zerrissen und zerfetzt. Da musste ich kurz lächeln. Das war wohl nicht politisch korrekt.