Auf dünnem Eis

nackt

Eines vorab: Missbrauch von Kindern ist ein schlimmes Verbrechen, und ich habe weder die Absicht, dies zu relativieren, noch Personen, die dies tun, zu verteidigen. Und doch gibt mir der öffentliche Umgang mit der sogenannten Edathy-Affäre zu denken. Was ist passiert? Man weiß es nicht, außer er selbst. Was man weiß: Der Mann hat sich bei einem kanadischen Versandhändler Bilder nackter Kinder und Jugendlicher beschafft, die nach deutscher Rechtsauffassung strafrechtlich nicht relevant sind, aber wer weiß, was da sonst noch alles so bei war, wer solche Bilder kauft, will auch andere…

„Dieses Schwein“, „Schwanz ab!“, „Für immer wegsperren“ und so weiter, die üblichen Reaktionen in solchen Fällen, so auch hier. Vielleicht ist es meine eigene Kinderlosigkeit, die es mich abhält, in den Chor der Empörten laut mit einzustimmen. Noch mal: ich heiße es nicht gut, erotische Bilder von Kindern, womöglich unter Gewaltanwendung, zu erstellen, noch damit zu handeln und sie als „Endverbraucher“ (welch scheußlich Wort in diesem Zusammenhang) zu beziehen. Dennoch erscheint mir ein klein wenig mehr Gelassenheit angebracht.

Tatsache ist: Der Mensch, selbsternannte Krone der Schöpfung, ist triebgesteuert. Er war es schon, als er Mammuts jagte, ist es heute, da er mit dem Jonglieren virtueller Geldbeträge und Emissionshandel die Welt an den Abgrund treibt, und wird es noch sein, wenn er dereinst den Mars besiedelt haben wird. Und das in vielfältiger Weise – Männer begehren Frauen oder Männer oder beides, oder Schafe, Leichen, Melonen; Frauen ebenso, nur anders vielleicht. Schwestern begehren ihre Brüder und umgekehrt, manche Menschen begehren gar Gegenstände, die bei der Mehrheit nur begrenzte erotische Phantasien freisetzen, etwa Autos, Kaffeekannen, Motorsägen oder Gartenzäune. Ja, und manche haben so richtig die Arschkarte gezogen, die stehen halt auf Kinder. Tatsache ist auch: keiner hat es sich ausgesucht, ich weiß, wovon ich schreibe.

Viele der vorgenannten Vorlieben sind mittlerweile erlaubt, rufen vielleicht noch blöde Witze, moralisches Zürnen der Religionen oder einfach nur Schulterzucken hervor. Das mit den Kindern nicht, und das ist sicherlich gut und richtig so. Aber reicht das wirklich aus, Menschen wie Edathy die Existenzberechtigung zu versagen? Ich bin mir nicht sicher, weiß aber auch keine Lösung. „Schwanz ab“ ist jedenfalls keine.

Ein Gedanke zu “Auf dünnem Eis

  1. Dies ist sicherlich ein schwieriges Thema. Grundsätzlich denke ich, dass Kinder den höchstmöglichen Schutz bekommen sollten, da sie es noch nicht für sich selbst tun können. Ob ein Verbot von Bildern im Netz, die Kinder nackt zeigt, dabei hilft ist für mich jedoch fraglich. Ich denke wir brauchen in dieser Gesellschaft mehr Aufgeschlossenheit und Toleranz für jegliche Vorliebe oder Neigung, andererseits sollte es Menschen mit dieser Neigung möglich sein, Hilfe in Anspruch zu nehmen ohne direkt vom Umfeld geächtet zu werden. Letztlich hilft so eine öffentliche Hetzjagd in der Sache nicht weiter, aber der Mensch haut ja lieber kollektiv drauf, statt sich weiter damit zu beschäftigen. Und die Medien fördern mit ihrer reißerischen Berichterstattung dies auch noch.

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