Leben, jagen, kacken

Ein Montag muss nicht beschwerlich sein, jedenfalls nicht, wenn man fernab des Büros in einem Liegestuhl sitzt, umgeben vom Sommer. Im Schatten der Dachterrasse, mit Blick auf die Berge, den Himmel und die Dächer befinden wir uns mittendrin und doch fern von allem. Die Arbeit ist erfreulich weit weg, auch gedanklich.

Leichter, lauer Wind umbläst den Körper, Vögel zwitschern, eine Taube ruft ihr „Bubuubu, bubuubu…“, in der Ferne fröhliches Kindergeschrei, Straßenrauschen und ab und zu Arbeitsgeräusche von den Handwerkern in der Nachbarschaft. Mir wäre es jetzt zu warm zum arbeiten, kann mir kaum vorstellen, diesen Liegestuhl überhaupt jemals wieder zu verlassen. Irgendwann werden mich Hunger, Durst oder die Blase daraus vertreiben, aber das hat noch Zeit.

In einem Spalt des alten Holzbalkens über uns schläft eine Fledermaus, sie hat sich verraten durch die Kotbröckchen auf dem Terrassenboden unter dem Spalt. Wie beneidenswert: den ganzen Tag schlafen und kacken. Das ist natürlich Unfug, ich weiß. Denn heute Nacht, wenn ich im Arm des Liebsten hoffentlich angenehmen Träumen entgegenschlummere, muss sie raus aus ihrem Spalt, Motten und Mücken jagen, damit sie auch morgen was zu kacken hat.

Damit ist das Leben umfassend beschrieben – schlafen, jagen und kacken. So gesehen ist der Unterschied zwischen Mensch und Fledermaus nur gering.

Alle Müller oder was?

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Inspiriert durch den Blogeintrag von Martin Schneider habe ich ich mal eben hier ermitteln lassen, wie viel Thomas Müller / Max Mustermann / Otto Normalverbraucher in mir steckt. Das Ergebnis unterstreicht in erschreckender Weise meine Mittelmäßigkeit: 78%!

Das heißt: Ich bin geringfügig größer als der Durchschnittsmann, stehe 22 Minuten später auf, trinke täglich Kaffee, hatte zum Zeitpunkt der Erhebung in etwa so viel Bargeld im Portemonee wie der Durchschnitt, zog eineinhab Jahre später von zu Hause aus, glaube an die Liebe auf den ersten Blick, habe kein Haustier (mehr) und gehe 13 Minuten später zu Bett.

Immerhin gibt es auch ein paar Abweichungen zur Mehrheit: Ich frühstücke nicht zu Hause, sondern im Büro, sofern man das lustlost beim Hochfahren des Rechners verdrückte Bütterchen als Frühstück bezeichnen kann, begebe mich mit dem ÖPNV zur Arbeit, bei uns wird mehrmals die Woche gekocht (also nicht ich, sondern der Liebste), benutze ein Smartphone (was mich erstaunt: die Mehrheit hat immer noch ein herkömmliches Mobildings), treibe etwas öfter Sport (heute habe ich das Laufen übrigens aus fadenscheinigem Grund ausfallen lassen), und in unserem Wohnzimmer fehlen immerhin Orchidee und Rauhfaser.

Übrigens frage ich mich, wie fast zehn Prozent der Werktätigen zur Arbeit kommen: mit Pferd, Rhönrad, Wanderdüne?

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"Liebe und andere Schmerzen"

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Ein blindes Huhn findet auch mal einen Korn, wie der Volksmund weiß. Und dann freut es sich. Das glückliche Federvieh bin in diesem Falle ich, weil ein von mir geschriebener Text veröffentlicht wurde, so richtig gedruckt, zusammen mit fünfzehn anderen in der Anthologie „LIEBE UND ANDERE SCHMERZEN – 16 Herzschläge“. Herausgeber ist Jannis Plastargias, aus dessen Blog schmerzwach ich hier schon einige Texte übernehmen durfte. Lieber Jannis, vielen Dank!!!

Eine Empfehlung für das Buch kann ich indes nicht abgeben. Noch nicht. Weil ich erst jetzt dazu komme, es zu lesen. Aber danach ganz bestimmt!

Aus dem Klappentext: „Ein Hoch auf die Liebe, die kein Geschlecht kennt, alles glaubt, alles erträgt, über allem und allen steht und ohne Wunden, Narben oder Kratzer nicht als echtes Gefühl gelten kann. 16 Herzschläge pochen in diesem Buch.
Kannst du sie fühlen?“

Ich bin sehr gespannt.

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LIEBE UND ANDERE SCHMERZEN
16 Herzschläge
Hrsg. Jannis Plastargias
Größenwahn Verlag, Frankfurt a. M.
ISBN: 978-3-942223-23-2
190 Seiten

Die Bahn wird deutsch

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Wie der Presse zu entnehmen ist, strebt die Deutsche Bahn AG zurück zu alten Tugenden, welche zu Zeiten von Reichs- und Bundesbahn noch selbstverständlich waren. Nein, nicht etwa Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auch im Sommer, Herbst und Winter, vielmehr besinnt sich die Grube-Bahn des ersten Wortes in ihrem Namen. Ja, die Bahn will wieder deutsch werden in Wort und Schrift. Da ihre Mitarbeiter mittlerweile kaum noch die deutschen Entsprechungen zu den gängigen Bahn-Begriffen kennen, erhielten sie eine Liste mit rund 2.200 Übersetzungen bahnlisch – deutsch. Das ist zu loben.

Wir erwerben wieder eine Fahrkarte statt eines Tickets, und zwar am Schalter, nicht am Counter. Also gut, eher am Automaten oder im Internet, Verzeihung, Netz. Vorbei die Zeiten, da wir in langer Schlange vor dem Service Point stehen, um die nächste Verbindung nach Gütersloh zu erfragen, nachdem unser gebuchter Zug einer Stellwerksstörung zum Opfer fiel, nein, künftig warten wir vor der DB Information (ohne Bindestrich, aber man kann nicht alles auf einmal haben), wen mag es da noch verdrießen, dass die Wartezeit genau so lang ist. Apropos warten: Aus der DB Lounge wird bald wieder der Warteraum, und menschliche Bedürfnisse verrichten wir nicht länger auf dem McClean, sondern einer anständigen, verständlichen Toilette, freilich weiterhin kostenpflichtig.

Vielen Dank an den Verkehrsminister und die Verantwortlichen der Bahn, dass sie die Notbremse gezogen haben, bevor wir nur noch von einem Railport aus mit einem Train traveln können! Wer weiß, vielleicht bleiben wir bald sogar verschont von den in schlechtem Englisch vorgetragenen Ansagen im Zug?

Einen Begriff indes verstehe ich noch immer nicht, obwohl er schon immer deutsch ist: Was bitte schön verbirgt sich hinter den viel strapazierten „Verzögerungen im Betriebsablauf“?

Kleiner Weltuntergang in Bonn

Heute Mittag ging über Bonn und Umgebung ein schweres Unwetter nieder. Innerhalb einer Stunde setzte der Starkregen zahlreiche Keller und Unterführungen unter Wasser, untermalt von Blitz und Donner. Ich konnte dieses schauerlich-faszinierende Ereignis von meinem Büro im 27. Stock aus beobachten. Das heißt, viel zu beobachten gab es nicht, denn das Gebäude war in eine grünliche-trübe Dämmerung gehüllt, so dass ich die nähere Umgebung eher erahnen denn sehen konnte. Das nachfolgende Bild vermittelt vielleicht einen kleinen Eindruck. Was mich besonders faszinierte, war dieses merkwürdige grüne Schimmern, ich habe so etwas noch niemals zuvor gesehen:

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Links unten die Deutsche Welle, links Mitte das UN-Hochhaus „Langer Eugen“; rechts wäre der Rhein…

Für die Nacht sind weitere Unwetter angesagt. Das verlangt nach einem ausreichenden Schlummertrunk.