Woche 3/2023: Beschimpfender Unfug

Montag: Als solchen Geräten mit einer gewissen Skepsis begegnender Mensch schenkte ich unserer digitalen Personenwaage im Bad nicht allzu viel Glauben, als sie gestern Morgen ein unplausibel hohes Gewicht anzeigte, zumal es sich wenig später nach dem Duschen um ein halbes Kilo verringerte; soviel Dreck wird da wohl nicht weggebraust worden sein. Heute früh spannten die Knöpfe der Strickjacke deutlich, die vor einem Jahr noch tadellos saß. Sicher ist das auf unsachgemäße Wäsche zurückzuführen. Kann ja nur.

Der Feuilleton-Teil der Tageszeitung enthält an Montagen mittlerweile als festen Bestandteil eine Tatort-Kritik. Mord und Totschlag als Kultur zu betrachten finde ich reichlich unangemessen. Dann bitte auch eine regelmäßige Rezession der neuesten Filme auf XHamster. Ich kann das gerne übernehmen.

Dienstag: Der Rhein hat Hochwasser. Die Anlegestege der Ausflugsschiffe und Rudervereine, üblicherweise Richtung Flussmitte abwärts geneigt, stehen waagerecht oder neigen sich nach oben. Frachtschiffe, auf die man sonst vom Ufer aus herabschaut, fahren auf Augenhöhe. Und es ist kalt, was erstaunlich viele Läufer nicht davon abhält, in kurzen Hosen das noch morgenmüde Auge zu reizen.

Das Leben überrascht manchmal durch erstaunliche Zufälle. Gestern beim Abendessen noch beklagte ich im Kreise der Lieben, dass der neue Kantinenbetreiber keinen Wackelpudding mehr anbietet. Raten Sie mal, was es heute Mittag zum Dessert gab. Vielleicht durch die heimischen Lausch- und Laberdosen, in denen die dämliche Frau Siri wohnt?

Vergangene Woche beklagte ich das jahreszeitlich durchaus begründete Verschwinden der Glühweinbude am Rheinpavillon. Hierbei handelt es sich um eine Gaststätte am Rheinufer im typischen Baustil der Fünfzigerjahre, vermutlich und wenn dann zu recht denkmalgeschützt. Im Obergeschoss befindet sich ein Café, dort hielt ich auf dem Rückweg spontan Einkehr und bestellte einen Pfefferminztee, jaha, ich kann auch ohne Alkohol. Es war voller als es von außen schien, ich fand noch einen Platz mit Blick auf den Fluss. Statt der erwarteten Tasse wurde eine ganze Kanne serviert, daher saß ich etwas länger als geplant, was überhaupt nicht schlimm war; da zu sitzen ist sehr angenehm, man kann während des Verzehrs vorüberfahrende Schiffe und gegenüber am anderen Ufer die Lichter von Beuel betrachten. Hier war ich sicher nicht zum letzten Mal.

Archivbild aus Dezember 2021

»Thee und Bier stellten mich aus der Erschöpfung wieder her«, schrieb passend Thomas Mann heute vor vierundachtzig Jahren ins Tagebuch.

Eine Bierlieferung wurde mir vom Lieblingspaketdienstleister per Mail angekündigt. Die anfängliche Vermutung, da ich nichts bestellt hatte, es könnte sich um eine der üblichen Spam-Mails handeln, bewahrheitete sich nicht. Wer mag die Lieferung veranlasst haben? Ich habe einen vagen Verdacht.

Mittwoch: Warum eigentlich glauben Menschen, sich im Straßenverkehr wie Irre verhalten zu dürfen, denen alle anderen Verkehrsteilnehmer zu weichen haben, sobald sie ein Lastenfahrrad führen?

Auf dem Weg zur Kantine begegnete mir ein ehemaliger Abteilungskollege, der vor geraumer Zeit zum Leiter einer anderen Abteilung ernannt wurde, von der ich nie hörte; seitdem sehe ich ihn nur selten, weil er in einem anderen Gebäudeteil seinem leitenden Wirken nachgeht. Da er den Blick auf sein Datengerät gerichtet hatte und auch zum Zeitpunkt unserer Begegnung nicht davon abließ sah ich davon ab, ihn anzusprechen und auf die Briefe hinzuweisen, die noch in seinem Postfach auf unserem Flur liegen. Man will ja nicht stören.

Nach Rückkehr am Abend war das Bier geliefert, fünf Halbe aus bayrischer Klosterherstellung und ein Glas. Meine Vermutung die Bestellerin betreffend traf zu. Herzlichen Dank, liebe N.!

Donnerstag: Morgens schneite es überraschend heftig, was mich nicht davon abhielt, zu Fuß ins Werk zu gehen. Flockenumtost genoss ich den Gang am allmählich wieder abschwellenden Fluss, gelegentlich begegnet und überholt von Läufern, die der Schnee ebenfalls nicht von ihrem Morgenlauf abhielt und deren Fußspuren schon bald wieder weggeschneit waren. Erst nach Ankunft im Büro bemerkte ich, wie nass die Jacke geworden war.

»Was hast du in deinem Leben über die Liebe gelernt?« lautet die WordPress-Tagesfrage. Nämliches: 1) Wer suchet, der findet nicht; am ehesten findet, in einem unerwarteten Moment, wer nicht sucht. 2) Liebe und Lust sind trennbar, Monogamie wird völlig überbewertet. 3) Aller guten Dinge sind drei. Mindestens.

Freitag: Die Arbeitswoche endete angenehm mit Schnee am Nachmittag, der nur kurz liegenblieb, und einer karnevalistischen Großveranstaltung mit zehn Karnevalsgesellschaften und Musik in der der Bonner Innenstadt, an der ich mangels Uniform nur in begleitender Funktion teilnahm und die in alkoholischer Hinsicht glimpflich endete.

Das Musik-Corps der Fidelen Burggrafen Bad Godesberg, Rück(en)ansicht

Samstag: In Bonn ist laut Zeitungsbericht ein Obdachloser zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er im vergangenen Jahr einen menschlichen Kopf vor dem Bonner Landgericht ablegte, den er zuvor seinem Kumpel abgetrennt hatte, ich erzählte es, Sie erinnern sich vielleicht. Was ihn zu der Tat bewogen hatte, verschweigt er nach wie vor. Dem ursprünglichen Kopfinhaber wird es egal gewesen sein, da er bereits vor dem Kopfverlust infolge einer Krankheit gestorben war. Die Anklage lautet deshalb nur auf „Störung der Totenruhe“. Der hier einschlägige Paragraph 168 des Strafgesetzbuches lautet im Absatz eins: »Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.« Klingt wie aus einer anderen Zeit. Am besten gefällt mir das mit dem beschimpfenden Unfug.

Nach samstäglichen Besorgungen hielt ich kurze Einkehr in der Lieblingsweinbar, direkt an einer Straßenbahnhaltestelle gelegen. Während des Rieslings sah ich einen Straßenbahnfahrer mit Krawatte, ein sehr seltener Anblick. Die Bus- und Straßenbahnfahrer früherer Zeiten trugen blaue Uniformjacke, Schirmmütze und selbstverständlich Krawatte. Das ist lange her. Heute muss man fast froh sein, wenn sie überhaupt einigermaßen bekleidet sind.

Es ist ein durchaus angenehmes Merkmal fortschreitenden Alters, wenn man am Samstagabend statt aushäusigen Fetenrausches auf ARTE eine Dokumentation über Moose anschaut, eine faszinierende Lebensform, die selbst unter widrigsten klimatischen Unbequemlichkeiten noch gedeiht. Vielleicht sind es Moose, die bald die Weltherrschaft erlangen, nachdem wir uns erfolgreich ausgelöscht haben. Eine noch faszinierendere, geradezu unheimliche Lebensform ist Physarum polycephalum, auch Blob genannt, über den anschließend berichtet wurde. Er verfügt über erstaunliche Intelligenz, obwohl er kein Hirn hat, im Gegensatz zu vielen Menschen, die trotz Hirn nennenswerte Intelligenz vermissen lassen.

Sonntag: Während des Spazierens sah ich am Rhein einen Mann, der mit Flusswasser seinen kleinen Hund hinten reinigte. Der Hund ließ es über sich ergehen, begeistert wirkte er nicht, was bei der Wassertemperatur und überhaupt nachvollziehbar ist.

Auf dem weiteren Weg durch den trüben, sich scheinbar endlos ziehenden Januar sah ich die erste Schneeglöckchenblüte und einen Kleinbus mit der Aufschrift »Es gibt Hoffnung«, was wie ich finde ganz gut zusammenpasst. Außerdem sah ich jede Menge Moos, die Dokumentation gestern Abend hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet. Es ist kaum möglich, auch nur wenige Meter durch die Gegend zu gehen, ohne irgendwo die grünen Polster zu erblicken.

Es gibt Menschen, die ihre Lebensaufgabe darin sehen, über Moose zu forschen. Das muss wunderbar sein.

Ganz wunderbar muss es auch sein, sein Moos zu verdienen mit Schreiben, wenn man es kann wie Max Goldt, der sich ausnahmsweise interviewen ließ, anzuschauen hier:

Ach ja, dies noch:

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche, möglichst ohne Mord, Totschlag und anderen Unannehmlichkeiten.

Woche 36: Das schöne Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt

Montag: Nach dem Mittagsdessert hat so ein Montag zumeist große Teile seiner Beschwerlichkeit verloren, so auch heute.

Top-Themen auf der Leserbriefseite des General-Anzeigers: 1) Der berühmte Satz „Harry, fahr schon mal den Wagen vor“, den Oberinspektor (nicht Kommissar) Derrick so bekanntlich nie sagte, gleichwohl wurde er erst vor wenigen Tagen in dieser Zeitung derart zitiert, was gleich zwei Leser zur Richtigstellung bewog; und 2) Gendersternchen, die Leser Guido M aus B einigermaßen empört als „absurde Schreibweise“ entlarvt, als Belege führt er listig „Arzt“ und „Bauer“ an.

Dienstag: Letzte Nacht träumte ich, ein Kollege von mir, ein Jahr jünger als als ich und mit wesentlich kürzerer Werkszugehörigkeit, sei von der Personalabteilung für den Vorruhestand vorgeschlagen worden, was mich bis zum Erwachen mit neidvoller Empörung erfüllte.

Meine eigene Werkszugehörigkeit währt nunmehr vierunddreißig Jahre. Vieles nehme ich nicht mehr allzu ernst, manches nervt. Aber das ist das Salz in der Suppe, die auch nach so langer Zeit noch immer ganz gut schmeckt, wie ein Kollege es vor einiger Zeit ausdrückte.

Geträumt hat auch der Geliebte: von Jakobsmuscheln an Hummerschaum, wie er morgens verkündete und sogleich als Wunsch für das Abendessen anmeldete.

Vor der Kantine sah ich mittags zwei Herren, die sich Hände schüttelnd begrüßten. Idioten, war mein erster Gedanke. So weit ist es schon gekommen.

Unterdessen im General-Anzeiger weitere leserbriefliche Meinungsäußerungen zu Gendersternen. Bernd L aus Sankt A schlägt vor, die Pluralschreibweise mit n, wie es sie im Dativ Plural („den Lehrern“) schon gibt, auch im Nominativ anzuwenden: „die Eltern“ (gibts schon), „die Lesern“, „die Arbeitern“; inwieweit hierdurch die erwünschte Gendergerechtigkeit erreicht wird, vermag ich nicht zu erkennen.

Zum Abendessen gab es übrigens Frikadellen mit Nudelsalat, auch gut. Träume sind Schäume.

Mittwoch: Eigentlich wäre ich seit gestern bis morgen auf Dienstreise. Auch ein „Eigentlich“ von jener Sorte, wie sie in diesem seltsamen Jahr massenhaft auftreten. Wobei ich das Nichtreisen in diesem Fall nicht beklage.

Unsere nicht erfolgten Reisen nach Südfrankreich in diesem Jahr bedaure ich hingegen sehr. Über die Haltung der Franzosen zum Urlaub und „le Blues de la Rentrée“, die Urlaubsende-Depression, hier ein älterer, lesenswerter Artikel. Auszug:

Offensichtlich schlummert in jedem französischen Arbeitnehmer eine Art kleiner Anarchist, der im Grunde seines Herzens nicht nur Arbeitnehmer, sondern vor allem Mensch ist. Da sehen wir Deutschen, denen es wichtig ist, Kräfte fürs Arbeiten in der zweiten Jahreshälfte zu sammeln, irgendwie blöd aus.

Insofern fühle ich mich sehr französisch.

Donnerstag: „Das hätte stattgefunden haben müssen“, sagte einer. Ein Satz, den zu analysieren Mittelstufenschülern wohl größere Freude bereiten dürfte. Irgendwas mit Plusquamperfekt, Konjunktiv und einer winzigen Prise Futur II, behaupte ich; meine Grammatikkenntnisse sind leider im Laufe der Jahre etwas verkümmert. Ein anderer bemerkte: „Wir haben viele Kollegen, die wo mit Deutsch Probleme haben.“

Nach kargen Monaten voller Entbehrungen gab es in der Kantine endlich wieder grünen Wackelpudding mit Vanillesoße.

Darf man dazu eigentlich noch Götterspeise sagen oder fühlt sich dann irgendwer angepisst, weil seine religiösen Gefühle verletzt sind?

Abends erfuhr der Wortbestandteil „Donner“ des heutigen Wochentages eine besondere Unterstreichung, als durch eine vielleicht unbedachte, die Raumpflege betreffende Anmerkung meinerseits der Haussegen ins Wanken geriet. Das gehört wohl irgendwie dazu.

Freitag: Das war nicht ganz mein Tag. Morgens lag noch immer des Geliebten Grimm in der Luft, beim Verlassen des Hauses rammte ich mir ebenso ungeschickt wie schmerzhaft das Hoftor in die Ferse, und auf dem Weg ins Werk verließ den hinteren Fahrradreifen schlagartig die Luft. Nun bin ich ja ein großer Freund der Idee, alles ist für irgendwas gut. Sehe ich es also positiv: Der luftlose Reifen verschaffte mir einen längeren Fußmarsch, was immer gut ist, gehen macht glücklich. Praktischerweise liegt die Fahrradwerkstatt meines Vertrauens direkt gegenüber dem Friseursalon, wo ich abends ohnehin einen Termin hatte. Da zwischen Abgabe des Fahrrads und Haarkürzung etwas Zeit war, setzte ich mich an den Rhein, das macht man ja sonst auch viel zu selten. Auch die Wiederherstellung des häuslichen Friedens verlief am Abend in erfreulicher Weise. Das Hoftor schließlich verschaffte mir immerhin dieses schöne Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt. Ähnliches empfinde ich an manchen Tagen, wenn der Staubsauger endlich schweigt. Vielmehr noch, wenn eine Disharmonie ausklingt. Insofern wurde es doch noch mein Tag.

„Make peace, not love … sagt man doch so, oder?“

Übrigens weiß ich nun, wo die Spatzen abgeblieben sind, deren Verschwinden ich vergangene Woche bemerkte. Wie mir Martina S. per Mail mitteilte, sind sie ein kleines Stück gen Süden geflogen, genauer auf die Grafschaft bei Bad Neuenahr:

Liebe Martina, vielen Dank für die gute Nachricht, ich hoffe, ich darf das Bild hier verwenden; wenn nicht, bitte ich um kurze Mitteilung.

Samstag: Die Gendersternchen-Diskussion im General-Anzeiger hat noch nicht ihren Abschluss gefunden. Ortwin B aus M äußert dazu: »Viele Hundert Jahre ist unsere Sprache ohne die von Neurotikern, Egomanen und anderen Modernisten geforderten „Gendersternchen“ ausgekommen.« Mit anderen Worten: Das haben wir schon immer so gemacht, daher muss das richtig sein. Als Beleg bemüht er ein Bibelzitat von 1485, wonach Eva aus einer Adam entnommenen Rippe geschaffen wurde: »dise wirt genennet eyn mennyn. wann sy ist genommen von dem man.« Gendergerecht demnach vielleicht „man*yn“. Warum auch nicht.

Sonntag: Vergangene Nacht träumte ich, der bekannte Investor Frank Thelen sei verschwunden. Zuletzt sah man ihn auf einer volkstümlichen Veranstaltung, seitdem ist er weg. Mindestens so rätselhaft wie sein Verschwinden ist die Ursache, solches zu träumen. Ich bin Herrn Thelen noch niemals begegnet, habe ihn mangels Interesse an seinem Fachgebiet noch nicht im Fernsehen gesehen und nicht sein Buch gelesen. Wenn er in der Zeitung zitiert wird, schenke ich dem selten Aufmerksamkeit. Auch wirkt er auf mich, ohne ihm zu nahe treten zu wollen, nicht sonderlich sympathisch, was an seiner Physiognomie mit der strengen Investorenbrille liegen mag; auf der Liste derjenigen, die ich gerne mal auf ein Bier treffen möchte, steht er ziemlich weit unten. Insofern würde ich sein Verschwinden wahrscheinlich gar nicht bemerken.

Ziemlich weit oben auf der Liste der Dinge, die ich sehr gerne mal wieder tun würde – der Gedanke kam mir, als ich während des Sonntagsspaziergangs einen Briefkasten sah: mal wieder einen Brief schreiben, so richtig mit der Hand auf Papier und mit Briefmarke. Wenn ich nur wüsste, wem.

Ansonsten erfreulich in dieser Woche waren: Reibekuchen mit Lachs, das Hören einer Bruckner-Sinfonie, ein spontanes Straßenbier, eine schnelle Reparatur, ein passabler Haarschnitt.

Woche 43: Wer hätte das gedacht

Montag: Wenn man, wie ich, im Laufe der Jahre durch zahlreiche Stahlbäder des Büroalltags gezogen wurde, gelingt es mühelos, auch ohne eine Ahnung, was man mir mitzuteilen beabsichtigt, scheinbar verstehend-zustimmend zu nicken, zum Beispiel während der Zurkenntnisnahme dieser internen Mitteilung:

Mit Einführung des CPO-Performance Dialogs und der Ausweitung des Formats auf andere Bereiche haben wir damit begonnen, Lean Management Methoden konsequenter für uns zu nutzen. Diese ersten Erfolge zeigen, welches Potential in der Transparenz liegt, die wir durch die Anwendung dieser Methoden gewinnen.

Oft sind es Kleinigkeiten, die den Montag nicht ganz so trübe erscheinen lassen.

(Das obere Bild ist speziell für dich, Steffen.)

(Außerdem hielt ich nach Rückkehr aus dem Werk einen kurzen Vorabendschlaf, was aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen nicht im Bild festgehalten wurde.)

Dienstag: „Oft im Arbeitstag läuft nciht alles perfekt“, schreibt man mir. Gibt es eigentlich ein Wort dafür, wenn sich ein Satz auf so wunderbare Weise selbst bestätigt?

„In der Nacht sind Wolken unterwegs„, sagt die Wetterwisserin im Fernsehen. Hoffentlich kommen sie gut an.

Mittwoch: Hinweis an die Nachbarin oder den Nachbarn, ich weiß nicht, wer es war, also an die Person, die sich heute die Mühe machte, die geleerten Mülltonnen von der Straße in den Hof zu rollen, dann jedoch augenscheinlich von einer unbekannten Macht daran gehindert wurde, das Werk zu vollenden und sie auch noch in das Mülltonnen-Kabuff zu schieben: Vielen Dank, aber lass sie beim nächsten Mal einfach draußen stehen, ich mache das schon. Oder jeder andere.

Donnerstag: Meine gestern per Mail an einen Kollegen gerichtete Anfrage mittlerer Priorität beantwortete dieser um halb vier in der Frühe. Seine Antwort auf meinen Ausdruck des Dankes und der Hoffnung, er sei nicht extra deswegen mitten in der Nacht aufgestanden: „Doch, aber das macht man ja gerne, wenn man helfen kann.“ Ich habe mir umgehend einen neuen Outlook-Ordner angelegt mit der Bezeichnung „Allgemeiner Wahnsinn“ und die Mail dort abgelegt.

Freitag: Die Münster-Pfarrei zu Bonn ruft dazu auf, für den Martinsumzug zu spenden, weil noch zehntausend Euro zu seiner Durchführung fehlen. Wie das Erzbistum Köln kürzlich bekannt gab, ist sein Vermögen in diesem Jahr auf 3,74 Milliarden Euro angewachsen. Wofür genau soll ich jetzt bitte spenden? Habt ihr sie noch alle?

Da mein Bürorechner heute, so kurz vor dem Wochenende, keine Lust verspürte, die „Phase 3“ abzuschließen, bescherte er mir einen frühen Feierabend. Es stimmt eben doch: Die Digitalisierung macht das Leben angenehmer.

Während der Wartezeit auf die Betriebsbereitschaft des Rechners erfuhr mein Allgemeinwissen einen wertvollen Zuwachs. In einem Urlaubskatalog las ich dieses: „Peniscola ist einer der meistbesuchten Ferienorte an der Costa del Azahar.“ Das ist gut zu wissen. Bis dahin nahm ich an, Peniscola sei ein koffeinhaltiges Mixgetränk, welches vornehmlich in sehr speziellen Etablissements ausgeschenkt wird.

Samstag: „Der typische deutsche Milliardär entstammt einer Familie, die auf etliche Generationen von Ahnen zurückblicken kann“, schreibt der General-Anzeiger. Wer hätte das gedacht.

„Wird die Uhr jetzt vor- oder zurückgestellt?“ Ich kann es nicht mehr hören. Ihr kuckt doch eh alle nur noch auf euer Telefon, das wird es schon richtig machen.

Sonntag: Ich liebe es, wenn ich mich in einem literarischen Text wiederfinde, dieses Mal in „Fleisch ist mein Gemüse“ von Heinz Strunk:

Die entscheidende Voraussetzung fehlte ihr genau wie mir: der Wille zum Erfolg. In Wahrheit wäre ich wahrscheinlich völlig überfordert gewesen, wenn sich tatsächlich jemand ernsthaft für uns interessiert hätte. Mir ging es wie tausenden von Hobbymusikern, Freizeitschriftstellern, Feierabendmalern und sonstigen Möchtegernkünstlern, die sich jeder Beurteilung entziehen, weil sonst womöglich das Kartenhaus des eingebildeten Talents in sich zusammenfallen würde. Als verkanntes Genie kann man es sich im Leben auch ganz komfortabel einrichten.

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss noch ein wenig an meinem Bestseller arbeiten.