Woche 37/2026: Man muss es sich schön machen

Montag: Zurück in der rauhen* Wirklichkeit des Erwerbslebens, wobei der erste Nachurlaubstag erträglich war. Im Maileingang eine gemeinsame Nachricht einer Kollegin und eines Kollegen aus Herford, mit Bild der beiden. Darin gratulieren sie mir (und sich selbst) zum vierzigjährigen Dienstjubiläum, wir fingen zusammen am 1. September 1986 an und sind die letzten Verbliebenen unseres Jahrgangs, die noch diesem Unternehmen angehören.

*Ich weiß, nach gültiger Rechtschreibung schreibt man „rauen“. Wie schon früher dargelegt, erscheint es mir unvollständig ohne h. Aus ähnlichen Gründen schreibe ich weiterhin „Phantasie“.

Ansonsten fand ich manche Gewerke, die ich vor dem Urlaub zurückließ, weiterhin unerledigt vor, wobei in den zwei Wochen nichts angebrannt ist, wie manche es auszudrücken pflegen. Vielmehr haben sich andere Kollegen der Themen angenommen, was die nicht neue und beruhigende Erkenntnis bestätigt: Jeder ist ersetzbar. Aus Zeitgründen schaffte ich es nach dem Mittagessen nicht, in den Pressespiegel zu schauen, wie mir erst jetzt anlässlich der Tagesnotiz auffällt. Ich werde wohl nichts verpasst haben.

Am frühen Abend zog ein kleines Gewitter westlich vorüber. Die häusliche Stimmung ist unterdessen unbewölkt.

Dienstag: Ebenfalls nicht neu die Erkenntnis am Morgen im Bad, nur bislang (mutmaßlich, ich habe diesbezüglich keinen genauen Überblick mehr, manchmal staune ich beim Lesen älterer Beiträge, was schon alles notiert ist ) noch nicht aufgeschrieben: Die Radiosender Nostagi in Frankreich und WDR 4 haben eine größere musikalische Schnittmenge.

Man muss sich auch den Alltag möglichst schön machen. Dazu gehört für mich, zweimal die Woche zu Fuß zum Büro und zurück zu gehen, was in Zeiten der gesperrten bzw. im Abbruch befindlichen Nordbrücke und weiterhin stillstehender Stadtbahnwagen in Bonn ohnehin die derzeit sinnvollste Art der Fortbewegung ist.

Auch das schrieb ich vermutlich schon – Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub: Unser Haus für den nächsten Aufenthalt in Malaucène ist reserviert. Es ist immer schön, wenn man sich auf etwas hinfreuen kann, und wenn es erst in einem Jahr ist.

Auf dem Rückweg hielt ich Einkehr am Rheinpavillon. Man muss es sich schön machen. Bei Bedarf mit etwas Alkohol.

Morgens – bitte nehmen Sie die leuchtenden Fenster des Hotels rechts mit demselben Entzücken zur Kenntnis wie ich
Nachmittags

Mittwoch: Bekanntlich wird eine Behauptung durch ständige Wiederholung nicht wahrer, auch wenn mancher Präsident das glaubt. Ebenso verliert so manche Tatsache dadurch nicht an Wahrheit, wie heute wieder ein während der Rückfahrt vom Werk entgegenkommender Radfahrer bestätigte: Die einfachste und effizienteste Methode, einen gutaussehenden Mann zu entstellen, ist ein Schnauzbart.

Spontaner Gedanke, woher auch immer er kam; manchmal kommen sie einfach und verschwinden schnell wieder, wenn sie nicht sofort notiert werden wie dieser: Ehrgeiz ist ein seltsames Wort, jedenfalls in Bezug auf seine Bedeutung. Gleiches gilt für Eifersucht.

Donnerstag: Ein neues Lokal am Friedenplatz bietet Loaded Kaiserschmarrn an. Ich werde es wohl in absehbarer Zeit nicht aufsuchen.

Gehört in einer Besprechung: „Du musst aufpassen, dass du sie nicht lost lässt.“

Nachmittags sah ich im Empfangsbereich einer Arztpraxis ein kleines Plakat, darauf Snoopy und Charly Brown von hinten. Es schien dort schon etwas länger zu hängen, denn das darauf besprochene Thema ist längst nicht mehr Gegenstand allgemeinen Interesses, gleichwohl ließe sich der kleine Dialog auf zahlreiche andere Themen übertragen. Sprechblase über Snoopy: „Die beste Waffe gegen Corona ist gesunder Menschenverstand.“ Antwort Charly: „Oh je, wir sind verloren. Die meisten sind unbewaffnet.“

Freitag: Dann war die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub schon wieder vorbei, sie zog sich nicht mehr als eine Urlaubswoche. Was wiederum verdeutlicht, wie schnell die Zeit vergeht.

Erkennbar wird das auch daran: Heute ist der elfte Neunte, oder Neinilewen, wie modern wirken wollende Menschen sagen. Vor fünfundzwanzig Jahren ereigneten sich die spektakulären Anschläge in Amerika mit den Einstürzen der beiden Bürotürme als grausiges Finale; vielfach wieder der Satz zu hören und lesen, wohl jeder könne sich noch erinnern, wo er gerade war, als er die Nachricht vernahm. Trotz allem Grauen und Leid, das diesem Tag innewohnte, bin ich auch heute noch fasziniert von der organisatorischen Meisterleistung der Täter: von der Idee über die Planung bis hin zur Ausführung. Missverstehen Sie mich bitte nicht, selbstverständlich war und bin ich darüber genauso entsetzt wie Sie. Man kann auch missbilligend fasziniert sein. Im Übrigen weiß auch ich, was ich an diesem Tag gemacht habe: Ich besichtigte nachmittags eine Wohnung in der Weststadt, in die wir wenig später einzogen.

Zurück im profanen Alltag: Ein Kollege bescheinigte den Mitarbeitern eines Dienstleisters „junioriges Denken“, was ich mir merken muss; das lässt sich bestimmt hier und da anbringen.

Ansonsten gehört: „Das ist so semi-geil“. Muss ich mir nicht unbedingt merken.

Nachmittags sah ich erstmals wieder zwei Stadbahnwagen des zurzeit stillstehenden Bautyps über die Kennedybrücke fahren. Das lässt hoffen, dass bald weitere folgen.

Samstag: Nach einem insgesamt angenehmen Tag, an dem mir nichts ein- oder aufgefallen war, das hier zu notieren wäre, fuhren wir abends auf Pützchens Markt, der Großkirmes auf der anderen Rheinseite. Nicht, weil wir uns nach Lärm und Menschenmassen sehnten, sondern weil wir Bier-Freimarken von der Bonner Ehrengarde hatten, die wir nicht verfallen lassen wollten, weil das womöglich Unglück bringt, und das will keiner.

Wo wir schon mal dort waren, kämpften wir uns durch bis zum Riesenrad und fuhren damit. Von oben erhielten wir einen guten Überblick über das bunte Markttreiben und die teils irrsinnigen Fahrgeschäfte, wo man in hoher Geschwindigkeit in alle vertikalen wie horizontalen Richtungen geschleudert wird und hinterher womöglich nicht mehr seine eigene Geschlechtszugehörigkeit weiß. Da lobe ich mir die gemächlichen Rotationen des Riesenrades, auf und nieder immer wieder, bis man wieder wohlbehalten aussteigt.

Anschließend, vielleicht noch im Höhenrausch, gelüstete es mich nach einer Fahrt im Aeronaut, eine Art großes Kettenkarussell, bei dem die rotierenden Sitze bis zur Spitze eines hohen Mastes gefahren werden. Wie hoch, weiß ich nicht in Metern, jedenfalls höher als das Riesenrad. Da meine Lieben es bevorzugten, stattdessen Bier zu trinken, stellte ich mich allein in die Warteschlange, nachdem ich das Ticket erworben hatte. Hierfür machte ich eine Ausnahme vom Grundsatz, nichts ohne Notwendigkeit zu tun, für das ich längere Zeit in einer Schlange stehen muss; in der Tat war das Verhältnis zwischen Warten und Fahren ungünstig. Jedenfalls hat es sich gelohnt und mit beglücktem Grinsen kehrte ich anschließend auf den Boden und zu den Lieben zurück.

Äußerst beglückend auch die Ruhe, als wir wieder zu Hause waren und den Abend mit Rosé auf dem Balkon abschlossen.

..

Sonntag: Seit dem Vormittag regnete es, deshalb erfolgten Frühstück und anschließende Lektüre der Sonntagszeitung auf dem Balkon unter der Markise, das war sehr gemütlich. Weniger gemütlich und noch weniger erheiternd die Themen in der Zeitung: Erstarken der AfD, Gefährdung der Stromversorgung durch Anschläge, Klimawandel sowieso, Warnung der KI-Produzenten vor ihrem eigenen Produkt, das schon sehr bald die Weltherrschaft übernehmen könnte.

Regen war kein hinreichender Grund, auf einen Spaziergang zu verzichten. In der Südstadt lächelten mir zwei Flaneurinnen zu, in wortlosem Einvernehmen bestätigten wir uns gegenseitig die Richtigkeit und Notwendigkeit unseres Tuns. Dass ich trotz großem Regenschirm anschließend mit nassen Hosenbeinen heimkehrte, nahm ich gerne in Kauf.

Balkonblick
Südstadt

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

18:00

Woche 8/2023: Flugmodus ist ein schönes Wort für Unerreichbarkeit

Montag: Nachlese zum Zoch in Bad Godesberg gestern: Es hat Spaß gemacht, wieder dabei zu sein. Auch wenn es zwischendurch kurz und zum Glück nur leicht regnete und die Fortbewegung immer wieder für mehrere Minuten stockte, unter anderem weil das Technische Hilfswerk mehrere Begrenzungspfähle aus dem Weg flexen musste, bevor es weitergehen konnte. Kann ja passieren.

Foto: Wolfgang Sitte

Am Ende reichte es auch und es war angenehm, in die warme Godesberger Stadthalle zurückzukehren (also den Teil, der nicht wegen Einsturzgefahr gesperrt ist), wo sich der Tag in einer vereinsinternen Party fortsetzte. »Der Zug, der Zug, der Zug hat keine Bremsen« lautet der inhaltlich eher flachwurzelnde Text eines Liedes, unter bestimmten Voraussetzungen* dennoch geeignet, erwachsene Menschen jauchzend hintereinander weg durch den Saal sausen zu lassen, den Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen *räusper*. Die Halle hielt, auch der einsturzgefährdete Teil.

Eher gebremst war heute unser Elan, ab Mittag den Bonner Zoch anzuschauen, obwohl er in Hör- und Laufweite zu unserer Wohnung durch die Innere Nordstadt führte. Auch eine aufziehende Erkältung ließ es ratsam erscheinen, stattdessen diesen freien Tag überwiegend sofalesend zu verbringen und das Jecksein den anderen Jecken zu überlassen. (Zum Zeitpunkt der Niederschrift war der Bonner Zoch gerade durch, wohingegen in Köln die letzten Wagen und das Dreigestirn noch gar nicht gestartet sein sollen. Wird wohl ein später Feierabend.)

*Siehe Eintrag von vergangener Woche Sonntag, letzter Absatz.

Dienstag: Über Dienstage, die sich wie Montage anfühlen, ist alles geschrieben. Dabei gab es am ersten Arbeitstag nach insgesamt fünf freien Tagen nichts zu beanstanden, die für Karnevalstage ungewöhnlich hohe Zahl an Mails war recht schnell abgearbeitet. Zudem schien nachmittags die Sonne ins Büro, wodurch es zeitweise wegen defekter Jalousie schon wieder zu warm wurde. Man kann es mir manchmal wirklich nur schwer recht machen, ich weiß. Unbehagen entstand vielmehr aus der sich gestern andeutenden, heute im Laufe des Tages zu voller Pracht erblühten Erkältung.

»Blau ist Wow« las ich morgens auf dem Hinweg an einem Lieferwagen angeschrieben. Das stimmt, wobei zwischendurch mal nüchtern auch nicht schlecht ist. Während es gestern gelang, gar keinen Alkohol zu trinken, womit der Tag wohl als erster alkoholfreier Rosenmontag seit der Mittelstufe in meine persönlichen Annalen eingehen dürfte, wird der heutige Tag mit einem Schluck achtzehnprozentigen Erkältungstrunk für die Nacht enden. Wohlsein.

Mittags auf dem Weg zur Apotheke sah an mehreren Stellen gefüllte Hundekotbeutel fernab von Müllbehältern in der Gegend herumliegen. Was denken sich diese Leute nur? Koten die zu Hause einfach ins Wohnzimmer?

In einem Zeitungsartikel über das leidige Thema kulturelle Aneignung wird eine afroamerikanische Soziologieprofessorin zitiert mit Kritik an Frauen, die sich die Haare blond färben: »Künstlich Blondierte beanspruchen die Symbolik der begehrten Haarfarbe, die nicht ihre natürliche ist, für sich. Weil es sich bei blonden Haaren um ein ausschließliches genetisches Merkmal von Weißen handelt, scheint der Wunsch danach besonders problematisch.« Auch nach mehrmaligem Lesen verstehe ich nicht, was daran falsch sein soll, und wer darin Häme liest, irrt. Vermutlich, weil ich ein alter, weißer Boomer bin, zu bequem, mich damit genauer auseinanderzusetzen.

Mittwoch: Laut Kleiner Kalender ist heute nicht nur Aschermittwoch, sondern auch Sei-bescheiden-Tag, somit ein Tag des Verzichtes. Ich verzichtete auf die Arbeit und blieb wegen der Erkältung heute zu Hause. Da der Beschluss dafür bereits gestern gefasst worden war, hatte ich den dienstlichen Rechner mitgenommen, der sonst grundsätzlich im Büro bleibt. Den schaltete ich morgens nur kurz an, um alle Termine für heute und morgen abzusagen und mich im Zeiterfassungssystem als krank zu buchen. Danach frühstückte ich knapp (der Appetit ist kaum beeinträchtigt, nur der Geschmackssinn ein wenig) und ging wieder ins Bett, wo ich die meiste Zeit des Tages verschlief.

Nicht nur ich blieb weitgehend untätig: »Die Zinsangst lähmt die Anleger« schreibt die Tagesschau bei Twitter.

Apropos Wirtschaft: Da bleibt man mal krank zu Hause, schon fällt der Aktienkurs des Arbeitgebers. Für einen kurzen Moment erlag ich einer Illusion von Relevanz.

Donnerstag: Da Husten und Schnupfen nachgelassen haben, schlief ich bis fast neun Uhr. Nur eine gewisse Duseligkeit im Kopf ließ das Bett weiterhin als den zu bevorzugenden Aufenthaltsort erscheinen, deshalb begab ich mich nach kurzem Müslifrühstück wieder dorthin.

Zwischendurch schaute ich kurz zur Gewissensberuhigung in das dienstliche iPhone, ob irgendetwas war, was mein sofortiges Handeln erforderte. Natürlich war nichts, was sollte auch sein. Mein Arbeitsplatz birgt keine Gefahren, die bei Versäumnissen aller Art Menschen zu Schaden kommen oder in lebensbedrohliche Situationen geraten lassen. Alles andere muss ich halt nacharbeiten oder liegen lassen, bis es sich von selbst erledigt hat. Der Aktienkurs steigt auch schon wieder. Daher schnell das Gerät wieder in den Flugmodus, ein schönes Wort für Unerreichbarkeit, wenn man mal darüber nachdenkt. Und mit meinem Gewissen sollte ich gelegentlich ein ernstes Wort reden.

Zurück im Bett las ich die Zeitung zu Ende und die Blogs. In der Zeitung neben den aktuellen Unbillen in der Welt ein Artikel über das Aussterben des deutschen Mittagsgrußes „Mahlzeit“, dem nun wirklich nicht nachzutrauern ist. Nach der Lektüre überkam mich erneut Schläfrigkeit, wogegen mich zu wehren ich keine Veranlassung sah.

Freitag: Nach schlecht durchschlafener Nacht zurück im Werk, begann der Arbeitstag mit einer Besprechung bereits um acht Uhr, also deutlich vor meiner üblichen Sprechzeit. Obwohl ich mich noch nicht zu hundert Prozent genesen fühlte, ging die Arbeit recht gut von der Hand und es gelang in angemessener Zeit, die Rückstände der Vortage abzuarbeiten.

Kurz vor Mittag spürte ich einen Stich ins Kreuz, der meine ohnehin nicht sehr ausgeprägte Bewegungsfähigkeit bis zum Abend und darüber hinaus beeinträchtigte. Es wird immer deutlicher: Die Sechzig liegt wesentlich näher als die Dreißig.

Mit fünfundsechzig hat sich nun der ehemalige Frontmann der Kölner Band De Höhner seinen charakteristischen Schnauzbart abrasiert, was großes öffentliches Interesse erregt und ihm optisch durchaus zum Vorteil gereicht. Das sei vielen wesentlich jüngeren Männern zur Nachahmung sehr empfohlen. Wenn ich meinem Teenager-Ich einen Rat geben könnte, so lautete dieser: Rasier dir diesen lächerlichen Schnäuzer ab.

Archivbild. Ja, auch die Frisur bietet Anlass zur Kritik.

Hauptthema der Medien heute ist der erste Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine. Manchmal stelle ich mir vor, wie die Evolution vor dem Fernseher sitzt, fassungslos zuschaut, wie die Menschen Kriege führen und die Natur zerstören, und sich sagt: Es reicht. Zeit für Mutationen.

Samstag: Nachdem der Geliebte gestern wegen eines unerfreulichen Vorfalls auf dem Nachbargrundstück vergangene Woche als Zeuge bei der örtlichen Polizei geladen war, erwägt er eine berufliche Veränderung in den Staatsdienst. Warum nicht, als Übungskrimineller könnte er ganz gute Dienste leisten.

Nach spätem Frühstück und dem samstagsüblichen Altglasentsorgungsgang verzichtete ich aus verschiedenen Gründen auf den Besuch der Weinbar. Stattdessen ging ich spazieren an den Rhein, wo mich das Fünfzigerjahre-Design des Lampenmodells Milano immer wieder begeistert.

Sind sie nicht wunderschön?

Über das Mit- und Gegeneinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer hat Herr Formschub hier einen sehr lesenswerten Aufsatz verfasst.

Sonntag: Lange geschlafen, einen langen Spaziergang gemacht, die Sonntagszeitung gelesen. Der übliche Sonntagskram halt.

Während des Spazierens nahm ich erfreut die ersten Forsythienblüten und Magnolienknospen zur Kenntnis. Außerdem wunderte ich mich über einen Wagen, der mitten auf dem Weg stand, augenscheinlich schon etwas länger, wie aus dem ordnungsamtlichen Zettelchen unter dem Scheibenwischer zu schließen war. Unmittelbar davor drei umgefahrene Absperrpömpel. Ob zwischen Wagen und Pömpeln ein Zusammenhang bestand, war nicht zu erkennen.

Die Sonntagszeitung spottet, zu recht, über Klimaaktivisten, die durch hirnrissige Aktionen ihrem wichtigen Anliegen schaden. Zum einen, indem sie vor dem Berliner Kanzleramt einen Baum abgesägt haben. Das muss man sich mal vorstellen: Um gegen unzureichende Klimamaßnahmen der Regierung zu protestieren, sägen die einen Baum ab. Was machen die als nächstes, Eisbärenbabys grillen? Dann war da noch eine Gruppe, die sich bei Wien an einer Schilderbrücke über einer Autobahn festklebte, um Tempo 100 zu fordern. (Auf dem Autobahnabschnitt, über dem sie klebten und forderten, waren 80 km/h erlaubt.) Da die Aktion keine störenden Auswirkungen auf den Verkehrsfluss hatte, ließ die Polizei die Klebenden kleben und unternahm nichts. Das fanden die Klebenden ungehörig und forderten per Twitter (einhändig?) die Polizei auf, sie zu lösen. Da die Polizei weiterhin untätig blieb, mussten sie sich schließlich selbst aus ihrer Lage befreien, was nach einiger Zeit wohl gelang. Was geht nur vor in diesen Leuten? Denken die nicht darüber nach, wie das ankommt bei denen, die den Ernst der Lage noch nicht erkannt und deshalb noch nicht ganz so verzweifelt sind wie sie?

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche. Falls auch Sie gerade von einer Erkältung gepeinigt sind, baldige Genesung.

Warum Schnauzbärte nicht gut für die Welt sind

Es war  einmal ein demokratisch gewählter Reichskanzler mit einem lächerlichen Schnauzbart. Der wurde immer mächtiger, sein Volk jubelte ihm zu, stand wie eine deutsche Eiche hinter ihm. Und gab es doch Kritiker und Gegner, so ließ er gegen diese mit äußerster Brutalität vorgehen, auch über die Grenzen seines Landes hinaus. Außerdem hatte er eine ganze Bevölkerungsgruppe zum Sündenbock für so ziemlich alles erklärt, worin er für sich die Legitimation sah, ihre Angehörigen massenhaft umzubringen. Vermutlich benutzte er auch so Wörter wie „Säuberung“, womit er gewiss nicht die Beseitigung brauner Flecken aus seiner Unterwäsche meinte. Er hat Millionen Tote auf dem Gewissen. Schließlich führte er, von Größenwahn und Machtsucht besessen, sein Land und die Welt an den Rand des Abgrundes.

Vielleicht müssen mächtige Männer mit Schnauzbart so handeln. Bis in die Gegenwart.

(Ich weiß, man soll solche Vergleiche nicht ziehen, so manche politische Karriere ist deswegen schon durch eine unbedachte Äußerung zerstört worden. Aber hier bin ich Hausherr, hier darf ich das, darf meinen und schreiben was ich will. Und eine politische Karriere strebe ich in absehbarer Zeit nicht an.)