Woche 4/2026: Am besten kuckt man keine Nachrichten mehr

Montag: Die nach den Ausschweifungen des vergangenen Wochenendes erwartete trübe Montäglichkeit blieb weitgehend aus. Ich kam ganz gut aus dem Bett, die Gewerke gingen gut von der Hand, der recht lange Arbeitstag verging rasch; der Treppenstieg im Turm nach dem Mittagessen war unbeschwerlich, ebenso die drei Sportrunden durch den Parcours am Abend. Es gab schon wesentlich betrübtere Wochenbeginne nach wesentlich ruhigeren Wochenenden. Woher auch immer die Energie kam – manchmal ist es wie verhext. Vielleicht die Vorfreude auf den freien Donnerstag, es ist kleine Woche.

Dienstag: Die Zeitung berichtet über einen rot eingefärbten Bussard, der in Bonn gesichtet wurde und über dessen Färbung nur gemutmaßt werden kann, etwa durch einen verärgerten Geflügelhalter, dessen Hühnern er sich unangemessen genähert haben könnte. Vielleicht – das stand nicht in der Zeitung – feiert er auch nur Karneval.

Anlassloser Gedanke während des Fußwegs ins Werk: Ich glaube, wir leben gerade in sehr zerbrechlichen Zeiten, über die Historiker in hundert Jahren einiges zu vermerken haben werden. Wenn es dann noch Historiker gibt. Von Angela Merkel soll der Satz stammen, den ich schon vor längerer Zeit notierte: „Vielleicht sind Krisen der Normalfall menschlichen Lebens und wir hatten bloß einige Jahre, die eine Besonderheit waren.“

Aus dem Artikel des Tages bei Wikipedia über Askese: „Die auffälligste Auswirkung auf die Lebenspraxis besteht im freiwilligen Verzicht auf bestimmte Bequemlichkeiten und Genüsse, die der Asket für hinderlich und mit seinem Lebensideal unvereinbar hält. Meist betrifft der Verzicht in erster Linie die Bereiche Genussmittel und Sexualität.“ Demnach bin ich ganz sicher kein Asket. Jedenfalls nicht in Bezug auf Genussmittel.

Mittwoch: „Kann sein, dass das challanging wird“, hörte ich in einem Vortrag, später stellte derselbe, mutmaßlich hochbezahlte Vortragende in Aussicht, dass etwas, das ich mir nicht gemerkt habe, „noch fancyger“ werden könnte. Vielen Dank für das Blogfutter, beziehungsweise den Content.

Vielen Dank übrigens auch an die Mitblogger und -innen für zahlreiche Bilder der Polarlichter in den vergangenen Nächten, etwa hier, da und dorten. Als Innenstadtbewohner in einer tiefergelegten Wohnstraße und mit frühem Zubettgehbedürfnis bekommt man so etwas leider nicht in natura zu sehen.

Donnerstag: Inseltag. Für die erste Wanderung des Jahres wählte ich eine Tour nahe Bonn, die keine längere Anreise erforderte, um nicht nach Beendigung womöglich längere Zeit in der Kälte eines Bahnsteigs auf eine verspätete Regionalbahn warten zu müssen. (Das waren noch Zeiten, als auch jeder kleine Landbahnhof über einen beheizten Warteraum verfügte.) So fuhr ich mit der Stadtbahn bis Sankt Augustin, von dort mit dem Bus weiter nach Niederpleis, wo ich in der Bäckerei frühstückte. Am Nebentisch erörterten zwei Rentner die aktuelle Nachtichtenlage mit Trump, Grönland, Putin und Zugunglücken in Spanien. Bis sie zum Resümee kamen, das immer öfter zu hören ist: Am besten kuckt man keine Nachrichten mehr. Zwischendurch wünschte mir einer von den beiden mehrfach guten Appetit, stets gefolgt von dem Hinweis, mich nicht stören zu wollen. Ich lächelte freundlich und aß schweigend weiter.

Von Frühstück und guten Wünschen für den Tag gestärkt wanderte ich bei Sonnenschein durch die überwiegend bewaldete Gegend östlich von Sankt Augustin / Hangelar, die Strecke hatte mir die ebenfalls wanderbegeisterte Kollegin bereits vor längerer Zeit empfohlen. Eine angenehme, abwechslungsreiche und nicht sehr anstrengende Tour von knapp neunzehn Kilometern Länge.

Winterwald bei Hennef-Geistingen
Teich bei Birlinghoven
Licht am Ende des Tunnels unter der A 3 und der ICE-Strecke Köln – Frankfurt
Dieser schöne Trafoturm oberhalb von Birlinghoven hat ausgedient, sein Nachfolger steht schon daneben
Schloss Birlinghoven. Die doppelte Strauchreihe davor sind Rhododendren, ein Grund, im Frühling wiederzukommen
Durch die Hüchten zwischen Birlinghoven und Niederpleis
Kurz vor Niederpleis

Etwa vier Stunden später war wieder Niederpleis erreicht, von wo mich bald ein Bus zur Stadtbahn in Sankt Augustin brachte. Wenig später war ich zurück in der Bonner Innenstadt, wo ich mich für des Tages Mühen statt mit Currywurst heute mal mit Linseneintopf belohnte.

Abends schwänzte ich die Musikprobe, weil der Liebste und ich den Neujahrsmarsch der Ehrengarde der Stadt Bonn begleiteten. Das war trotz kalter Hände – ich hatte Handschuhe vergessen und konnte kaum das Kölschglas halten – und einsetzendem Regen sehr beeindruckend.

Der Marktplatz ist erreicht

Freitag: „Da sind wir noch in der Forensik“ sagte einer in einer Besprechung und meinte wohl sinngemäß, man sei noch in der Klärung des Themas. Laut Duden bedeutet Forensik: 1) Gerichtsmedizin – passt hier nicht; 2) Klinik für psychisch kranke Straftäter – auch wenn manche Kollegen gelegentlich auffälliges Verhalten zeigen, so weit würde ich nicht gehen; 3) Teilgebiet der Informationstechnologie, das sich mit Problemen befasst, die für die Rechtspflege von Bedeutung sind – nein, mit Rechtspflege hat das Thema nichts zu tun. Nun bin ich gespannt, ob sich das irgendwann durch gedankenloses Nachplappern ausbreitet und ein weiterer Eintrag in der Liste des Grauens wird.

Die Kollegin hat heute Geburtstag, deshalb hielten es mehrere Teilnehmer der regelmäßigen Teams-Runde für angebracht, für sie Happy Birthday zu singen, unter dem bei diesem Lied üblichen Verzicht auf gemeinsames Tempo und einheitliche Tonart. „Es klang sehr interessant“, so ihr anschließender Kommentar. Das war sehr freundlich ausgedrückt.

In einem Blogtext las ich „ein*e Scherzkeks*in“ und unterstelle, der Verfasser meint es ironisch. Ganz sicher bin ich mir nicht.

Auch dieser Tag endete karnevalistisch im Zeughaus der Beueler Stadtsoldaten, wo sich mehrere Gesellschaften aus Bonn und Umgebung trafen und sich mit Tanz und Musik auf der Bühne präsentieren, während die anderen Kölsch tranken. Vermutlich waren keine Asketen anwesend.

Samstag: Die Anschrift an der örtlichen Filiale einer Schnitzelbrätereikette gilt Rätsel auf:

Wie viele sind es? 15? 17? 236?

Abends besuchten wir – ohne eigenen Auftritt, daher im leichten Bieranzug – die Bürgersitzung der Ehrengarde Bonn im großen Saal des Maritim-Hotels. Als am Ende die Blaskapelle Domstädter mit Unterstützung einer Gruppe Dudelsackspieler „Du bes die Stadt“ spielte, bekam ich feuchte Augen. Ich weiß nicht warum, Dudelsack-Musik geht mir regelmäßig auf die Tränendrüse.

Kurz nach dem Aufmarsch

Während der Sitzung wurden Fotos von Besuchern gemacht, die hinterher im Foyer ausgehängt wurden und für neun Euro das Stück erstanden werden konnten. Mich wundert, dass dieses Geschäftsmodell in Zeiten, da nahezu jeder eine Kamera mit sich trägt, immer noch funktioniert. Jedenfalls wies die Fotowand schon Lücken auf.

Sonntag: Während auf der Promenade die Pfützen eingefroren sind, saß eine Frau im Schneidersitz auf dem Kies des Rheinufers und las ein Buch, wie ich beim Spaziergang sah. „Verkühl dir nicht die Eierstöcke“ pflegte mein Vater früher zu meiner Mutter zu sagen, wenn sie sich auf eine kalte Fläche setzte. Das fiel mir beim Anblick der Frau wieder ein.

Durch einen Kommentar wurde ich auf einen längst vergessenen Text über Glockengeläut in Bonn aufmerksam, den ich bereits 2014 auf Bundesstadt.com geschrieben habe. Vielen Dank dafür.

Auch dieser Tag sollte nicht ohne karnevalistische Aktivität vergehen: Abends begleitete unsere Gesellschaft den Godesberger Prinz nebst Godesia auf der Prunksitzung der Godesberger Stadtsoldaten, ebenfalls im Maritim-Hotel. Als später die Uniform wieder am Haken hing, reichte es erstmal mit Alaaf. Bis nächsten Sonntag.

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Nach längerer Zeit werde ich mal wieder eine Dienstreise machen, und zwar von Dienstag bis Donnerstag nach München. Ein wenig freue ich mich drauf. Bitte drücken Sie mir die Daumen, dass die Bahn funktioniert.

21:15

Woche 2/2026: Kein Ernteglück in Erndtebrück

Montag: Da für den Nachmittag stärkerer Schneefall in Aussicht stand, verzichtete ich auch heute auf das Fahrrad und fuhr mit der Bahn in die neue Arbeitswoche. Eine gute Wahl, wie ich zwischen Ausstieg und Turm bemerkte, als mir eisiger Wind ins Gesicht blies. Macht sich da eine gewisse Verweichlichung bemerkbar?

Nach der Ruhe der vergangenen Woche kommt wieder Geschäftigkeit auf. Das erste Füll-„tatsächlich“ des Jahres hörte ich in einer Besprechung um 9:47 Uhr.

Wie versprochen begann es kurz vor Arbeitsende heftig zu schneien, die Wahl des Verkehrsmittels war die richtige Entscheidung. Nach Rückkehr fand ich im heimischen Briefkasten eine Postkarte aus Duisburg vor und freute mich, nicht nur über die Karte, sondern auch über die Tatsache, nicht in Dänemark zu wohnen, wo die Beförderung von Briefsendungen durch die Post seit diesem Jahr eingestellt ist. Zufällig habe ich gerade heute frische Briefmarken gekauft.

Anschließend suchte ich das Sportstudio auf. Ja, ich mache das immer noch, zweimal wöchentlich, Sie dürfen mich gerne loben. Gegen Ende meiner dritten und letzten Parcours-Runde wurde es relativ voll, innerhalb weniger Minuten trafen mehrere Personen ein, als wäre ein Bus vorgefahren. Vielleicht die guten Vorsätze für das neue Jahr.

Dienstag: Auf dem Fußweg ins Werk bei Schnee und Minusgraden staunte ich über die Läufer am Rheinufer, nicht nur über den einen in T-Shirt und kurzen Hosen, sondern vor allem, dass sie überhaupt liefen, es war stellenweise ziemlich rutschig.

Die Büros im Turm sind wieder bevölkert, die (nach-)weihnachtliche Ruhe endgültig vorüber. „Frohes neues Jahr, kann man wohl noch sagen.“ Ja, kann man. Muss man aber nicht.

Ab dem Mittag fiel Schnee

Auf dem Rückweg schaute ich, ob der Dreikönigsmarkt auf dem Remigiusplatz wirklich noch geöffnet war.

Ja, war er.

Aus der Zeitung:

WC im Keller (im benachbarten Migrapolis-Haus gibt es eine rollstuhlgerechte Toilette, die genutzt werden kann bei Anmeldung im Restaurant einen Tag zuvor).

Winter in Europa: Selbst Spanier frieren bei Minusgraden

(General-Anzeiger online)

Mittwoch: Mit der täglichen Blognotiz ist das so eine Sache. An manchen Tagen kommt die erste Inspiration schon mit den ersten Radionachrichten, an anderen fällt mir bis zum späteren Abend nichts Mitteilenswertes auf oder ein. So ein anderer Tag war heute. Ich könnte berichten über einen planmäßigen Zahnreinigungstermin morgens, erneut schneebedingte ÖPNV-Nutzung, Erbseneintopf zum Mittagessen, die unruhige Kollegin nebenan und den einen jungen Kollegen, der bei Begegnung auf dem Flur oder in der Kaffeeküche weiterhin nicht grüßt oder auch nur Notiz nimmt, weiteren Schneefall ab dem frühen Abend und ausgefallenen Sport, weil die Sportstätte krankheitsbedingt ab nachmittags schloss, doch möchte ich Sie damit nicht unnötig langweilen. (Kann man auch nötig langweilen?)

Den ausgefallenen Sport hole ich morgen nach (bzw. werde ich, wenn Sie es lesen, morgen nachgeholt haben), denn morgen habe ich frei und das Wetter soll ab mittags äußerst unwanderlich werden. Und den sozialinkompetenten Kollegen werde ich künftig konsequent ignorieren. Das wird ihn nicht interessieren, trotzdem.

Donnerstag: Seit gestern Abend haben die Stadtteile im Südwesten von Berlin wieder Strom, nachdem bereits am vergangenen Wochenende irgendwelche linken Vollidioten mutwillig eine Stromleitung zerstört hatten, um nach eigenem Bekenntnis den Wohlhabenden das Licht auszuknipsen oder wie auch immer sie zu schwadronieren beliebten. Wieder einmal wurde deutlich, wie sehr unser Wohlergehen im Zeitalter fortschreitender Elektrifizierung und Digitalisierung von einer zuverlässigen Stromversorgung abhängt und wie leicht sie anzugreifen ist, nicht nur durch linke oder rechte Spinner. Dafür weiß ich keine Lösung, fordere keineswegs die Rückkehr zu Pferdefuhrwerk, Dampfmaschine und Petroleumlampe. Doch eine gewisse Skepsis sei gestattet.

Keine neue Erkenntnis, dennoch der Notiz wert: Es bedarf keiner besonderen Aktivität wie Wandern, um einen freien Tag angenehm zu verbringen, ohne auch nur für einen Augenblick so etwas wie Langeweile zu empfinden. Vielmehr genügt länger schlafen, gemütliches Frühstück außer Haus, hier schauen, dort flanieren, etwas Sport, etwas Computer, etwas Sofa, und schon wird es wieder dunkel. Mehrerer Stunden im Büro bedarf es dazu nicht, des daraus resultierenden Lohnes freilich schon.

In Erndtebrück ist eine Cannabisplantage aufgeflogen, hieß es in den Radionachrichten. Alle Pflanzen fliegen hoch, kein Ernteglück in Erndtebrück.

Unterdessen erwartet Deutschland das Sturmtief Elli, das uns ab dem Abend mit Schnee und Eisglätte heimsuchen soll. Die Deutsche Bahn stellt vorsorglich teilweise den Betrieb ein. Auch wenn es ein Alter-weißer-Mann-Satz sein mag oder, wie der Hamburger Mitblogger es auszudrücken pflegt, Krückstockgefuchtel: Das hätte es bei der Deutschen Bundesbahn nicht gegeben, die fuhr so lange, bis nichts mehr ging. Und da ging einiges.

Bis zum späteren Abend brachte Miss Elli zumindest in Bonn vor allem Regen bei etwas milderer Temperatur.

Freitag: Nachmittags wurde in einer Besprechung ein neues Projekt vorgestellt, das Anfang 2027 abgeschlossen sein soll. Währenddessen erwischte ich mich im Hinblick auf die aktuelle Weltlage bei dem Gedanken: Wer weiß, was bis dahin ist. Ich sollte gelegentlich meinen Optimismus optimieren.

Was schön war: der Fußweg ins Werk morgens, kein Schneesturm, jedenfalls nicht hier, und Grünkohl abends auf der anderen Rheinseite.

Werbung mit unfreiwilliger Komik

Samstag: Mittags stand eine karnevalistische Vereinspflicht in Bad Godesberg-Pennenfeld an, wo unsere Garde einen Auftritt hatte und von uns Musikern begleitet wurde. Auf größeres Unverständnis einer nahestehenden Person stieß meine Wahl des Verkehrsmittels. Gewiss, mit dem Auto wäre ich schneller dort und wieder zurück gewesen, praktischer wäre es wegen der Uniform und der Trommel auch gewesen. Aber meine Abneigung gegen das Autofahren und die Aussicht auf einen Fußweg zwischen Stadtbahnhaltestelle und Veranstaltungsort, zudem die Möglichkeit, das Gelingen des Auftritts anschließend guten Gewissens mit einem Bier zu begießen, waren für mich die stärkeren Argumente.

Man muss nicht alles wissen, ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn eine zufällig aufgekommene Frage unbeantwortet bleibt und greife deswegen nicht sofort zum Datengerät, um das allwissende Netz zu befragen. Ähnlich sieht es Gunkl, der da schreibt:

Wenn ich einmal wissen will, ob es so ist, werde ich recherchieren, ob es ein Telephonzellenmuseum gibt. Bislang bin ich mit der Ungewißheit, was das angeht, einigermaßen zufrieden.

Sonntag: Um mir nicht die Stimmung zu trüben, mied ich bei der Lektüre der Sonntagszeitung alle Artikel, in denen es um Trump, seine Leute und Launen ging.

Die Nacht war sehr kalt, auch tagsüber blieb die Temperatur knapp unter dem Gefrierpunkt. Das hinderte mich nicht am sonntagsüblichen Spaziergang, heute wieder auf die andere Rheinseite durch die Auen vor Schwarzrheindorf. Dort war erhöhtes Spaziergängeraufkommen, mit und ohne Hunde; vermutlich lockte der weiterhin liegende Schnee die Leute nach draußen. Erneut wunderte ich mich über das Temperaturempfinden mancher Menschen, dieses Mal ein junger Radfahrer in sommerlich kurzen Hosen und T-Shirt. Ist das ein neuer Trend oder irgendeine Schellensch, die mal wieder an mir vorbeigegangen ist?

Zurück auf dieser Rheinseite, beobachtete ich unter der Nordbrücke eine Frau und ihren mutmaßlichen Sohn, die Sperrmüll aus dem Kofferraum ihres Autos holten und neben den dortigen Altglas- und Altkleidercontainern ablegten. Sollte ich sie ansprechen? Sie dabei filmen oder wenigstens fotografieren? Was hätte das gebracht, außer Ärger? Zumal der ganze Bereich um die Container und unter der Brücke ohnehin großflächig vermüllt ist, da kommt es auf die paar Sachen auch nicht an. Ja ich weiß, nichts zu tun ist da nicht richtig und ich ärgere mich auch etwas über meine fehlende Courage. Immerhin habe ich mir das Kfz-Kennzeichen notiert, vielleicht überlege ich es mir noch und melde es dem Ordnungsamt.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Und bleiben Sie zuversichtlich.

Woche 46/2025: Ahrsteig und eine gewisse Anwesenheitspflicht

Montag: Der letzte Wochenrückblick war der tausendste veröffentlichte Artikel in diesem Blog, wie WordPress mir morgens mitteilte. Zunächst war ich überrascht, weil es bereits 1.072 Beiträge sind, nur nicht alle veröffentlicht. Warum ich über siebzig Texte geschrieben habe, ohne sie Ihnen zur Kenntnis zu geben, weiß ich nicht; wenn ich mal viel Zeit haben sollte, schaue ich nach. Jedenfalls muss es länger her sein, ich erinnere mich nicht mehr.

In einer Besprechung schwafelte einer von Herausforderungen, Mitarbeitenden, Use Cases, nicht wirklich und tatsächlich. Ich wünschte mir ein Beißholz, oder hilfsweise Alkohol. Ansonsten war der Arbeitstag erträglich und nicht zu lang. Unmittelbar danach vollzog ich, weiterhin erstaunlich motiviert, drei Runden im Sportstudio.

Aus der Zeitung: „In mehreren iranischen Provinzen droht das komplette Austrocknen der Staudämme.“

Es liegt mir fern, andere Blogger zu kritisieren. Doch sei mir erlaubt, diese seit einiger Zeit häufig zu sehenden, durch sogenannte künstliche Intelligenz erzeugten Comic-Beitragsbilder mindestens albern zu finden.

Dienstag: „Alle sieben Minuten wird man in der Sternstraße angelächelt. Bald siehst du es auch.“ So wirbt ein Brillengeschäft in vorgenannter Straße, wie ich morgens auf dem Fußweg zur Wertschöpfung sah. Es würde mich außerordentlich irritieren, wenn ich in der Fußgängerzone ständig angelächelt würde. Spätestens beim dritten Mal würde ich an mir herabschauen und prüfen, ob ich morgens vergaß, eine Hose anzuziehen. Im Übrigen ist die Sternstraße nicht sehr lang, man müsste schon sehr langsam gehen, um wenigstens einmal angelächelt zu werden.

Vermutlich bemerke ich es schon mal, heute fiel es mir wieder auf: Manche junge Frauen laufen mit betont genervt-gelangweiltem Blick durch die Gegend. Üben die das vor dem Spiegel oder ist ihnen das angeboren?

Vom Karnevalsstart am heutigen elften Elften bekam ich nicht viel mit, zumal unsere Gesellschaft an diesem Tag keine besondere Aktivität pflegt, wofür ich durchaus dankbar bin. Auf dem Rückweg sah ich in der Innenstadt noch wenige mehr oder weniger Verkleidete, manche sichtlich um Haltung bemüht.

Aus einem Zeitungskommentar über die Klimakonferenz in Brasilien:

Zehntausende Teilnehmer auch diesmal im brasilianischen Belém, und jeder reist mit dem CO2-Fußabdruck eines kleinen Dorfes an. Die Veranstaltung auf der großen Bühne der Unverbindlichkeit verläuft nach einem vertrauten Muster: Erst wird der „noch nie dagewesene Ernst der Lage“ beschworen, dann feilscht man über Kommastellen, um schließlich ein „historisches Abkommen“ zu verkünden, dass letztlich nur viel Papier bedruckt.

(General-Anzeiger Online)

So ist es. Leider. (Im letzten Satz stand wirklich „dass“.)

Mittwoch: Der Arbeitstag war anstrengend, weil eine Vielzahl kleinerer Themen und Anliegen, teilweise inhaltlich miteinander verflochten, ständiges Hin- und Herdenken erforderte. Am Ende fühlte ich mich erschöpft, was mich nicht von anschließender sportlicher Betätigung abhielt. Das war auch anstrengend und die drei Runden an den Geräten reichten völlig aus. Jedenfalls macht es Spaß, oder „es sparkt bei mir auf jeden Fall Joy“, wie ich heute bei iberty las und mich kurz schüttelte.

Die schönste Freude soll Vorfreude sein, wie ein Sprichwort behauptet. Auf morgen freue ich mich vor, dann habe ich frei, die Wetteraussichten sind wandertauglich.

Vorfreudeauslösend für viele dürfte auch der Aufbau des Weihnachtsmarktes in der Innenstadt sein, der heute begann, wie ich abends sah. Wie jedes Jahr der Gedanke: Wurden die Buden nicht kürzlich erst abgebaut? Bis es so weit ist, dass auf dem Heimweg eine Feuerzangenbowle leuchtet, dauert es noch ein wenig, auch das geht schnell.

Donnerstag: Kleine Woche, Inseltag, Wandertag. Die Wanderung führte über die siebte Ahrsteig-Etappe in umgekehrter Richtung von Sinzig bis Bad Neuenahr. Morgens fuhr ich mit der Bahn nach Sinzig, wo ich in einem bahnhofsnahen Café sehr gut frühstückte. Danach machte ich mich bei bestem Wanderwetter auf den Weg durch Wälder, Weinberge und den recht hübschen Ort Ehlingen, teils auf breiten Wegen, von Mitbloggerin Sandra zutreffend als „Wanderautobahnen“ bezeichnet; im letzten Viertel streckenweise aber auch auf Waldpfaden, die unter hohem Laub kaum zu erkennen sind, auch die ansonsten sehr gute Kennzeichnung der Strecke weist hier Lücken auf. Zudem muss man aufpassen, nicht zu stolpern und stürzen, an einigen Stellen ist es sehr unwegsam und steil. Aufgrund der mangelhaften Wegmarkierung verlief ich mich hier, fand jedoch bald, ohne Stürze und mit nur wenigen leisen Flüchen, zurück auf den rechten Weg.

Nach knapp fünf Stunden erreichte ich Bad Neuenahr, wo auch heute noch Spuren der großen Flut von 2021 zu sehen sind. Dort fand ich ein Lokal, wo die traditionelle Belohnungs-Currywurst mit Bier serviert wurde; anschließend gabs einen Ouzo aufs Haus, das erlebt man auch nicht oft.

Die Rückfahrt mit der Bahn erfolgte über Remagen, von da weiter über Mainz-Hombach, Budenheim, Uhlenborn und Heidesheim (Rheinhessen), jedenfalls laut Ansagen in der Mittelrheinbahn; ab Bonn UN-Campus hatte die Technik oder das Zugpersonal den Irrtum offenbar bemerkt, ich kam wohlbehalten in Bonn Hbf an und nicht in Gau Algesheim. Vielleicht ist es da ja auch ganz schön.

Kurz hinter Sinzig kann man sich was stempeln
Bei Sinzig
Stechpalme für Lotte
Unten die Dächer von Ehlingen, dahinter Heimersheim, im Hintergrund die Brücke der A 61, die mit Dauerrauschen das Tal beschallt
Unten Ehlingen, hinten Lohrsdorf, links die Landskrone
Müsste das nicht INRI heißen?
Ehlingen
Bei Heimersheim
Wenige Meter weiter
Hier soll irgendwo der Weg sein
Blick vom Aussichtsturm auf dem Neuenahrer Berg über Bad Neuenahr, hinten das Siebengebirge
Die Ahr in Bad Neuenahr. Mögen sich die Ereignisse von 2021 niemals wiederholen, sicher kann man da leider nicht sein

Schön wars wieder.

Freitag: Eine Besprechung endete fünf Minuten vor dem geplanten Ende, eine Teilnehmerin sagte: „Jetzt haben wir fünf Minuten für die Zeitspardose.“ Daraufhin bekundeten die anderen Teilnehmer, die wie ich dieses Wort noch nie gehört hatten, ausführlich ihr Gefallen daran, so dass die Spardose letztlich leer blieb. Die nachfolgende Besprechung mit nahezu identischem Teilnehmerkreis wurde dagegen um eine Viertelstunde überzogen, weil immer wieder vom Thema abgeschweift wurde. Auch wenn es in die bezahlte Arbeitszeit fällt, strapaziert das regelmäßig meine Geduld.

Abends war ich wieder beim Sport, das dritte Mal in dieser Woche. Ich möchte Sie damit nicht langweilen und werde das künftig auch nicht mehr ständig erwähnen, nur bin ich weiterhin über mich selbst erstaunt, dass ich das freiwillig und auch in der zweiten Woche noch gerne mache. Laut Anzeige an den Geräten habe ich dabei insgesamt neununddreißig Tonnen bewegt.

Gunkl schrieb:

Was Golfplätze bestimmt auch interessanter macht, sind Bereiche wie Hochmoor, Schilfgürtel oder Brunnenschacht.

Samstag: „Das Wetter kommt uns mit vielen Wolken entgegen“ sagte morgens der Mann im Radio. Immerhin sagte er nicht, es sei mit vielen Wolken unterwegs.

Vormittags machten wir uns auf nach Bad Godesberg, wo um elf Uhr elf die Karnevalssaison eröffnet wurde (in Godesberg traditionell am Samstag nach dem elften Elften) mit Getränk und Bühnenprogramm, auch unsere Karnevalsgesellschaft war zugegen, was eine gewisse Anwesenheitspflicht begründete. Meine Lust darauf war eng begrenzt gewesen, nachdem mich dort im Vorjahr kalte Füße und Langeweile geplagt hatten. Doch wie es oft ist: Wenn man keine Lust auf etwas hat, wird es besonders schön. Zwar ließen die entgegenkommenden Wolken etwas Regen unter sich, doch war weder es kalt noch langweilig und das Kölsch lief gut ab. Erst am späten Nachmittag waren wir zurück zu Hause, wo die Niederschrift dieser Tagesnotiz aus vorgenannten Gründen nicht ganz leicht fiel.

Sonntag: Die Holzverhüttung der Bonner Fußgängerzone ist weitgehend abgeschlossen, wie ich mittags auf dem Weg zum Bahnhof sah, dem Start der organisierten Besinnlichkeit am kommenden Freitag steht somit nichts mehr entgegen. Mit der Bahn fuhr ich nach Roisdorf, um eine Modellbahnbörse zu besuchen. Da meine Sammlung mittlerweile weitgehend komplett ist, bewog mich nicht so sehr Kaufabsicht, vielmehr war der Weg das Ziel, genauer: der Rückweg. Den verband ich mit dem Sonntagsspaziergang, nach knapp zwei Stunden war ich wieder zu Hause. Der Himmel blieb heute durchgehend grau und der Tag gab sich keine Mühe, richtig hell zu werden, dazu zeitweise zarter Niesel. Immerhin war es weiterhin recht mild, hier und da erfreute noch letztes Herbstgold das Auge. Ab der Nacht soll es dann deutlich abkühlen und erstmal kalt bleiben. Wie es sich für November und Weihnachtsmarkt gehört.

Herbstgold
Grau

Gelesen auf einem Schild in einem Dransdorfer Vorgarten: „Hier wohnt eine Katze mit seiner Familie.“ Autsch.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Ziehen Sie sich warm an.

Woche 45/2025: Weiterhin mit Vergnügen

Montag: Die üblichen Wochenanfangsbeschwerlichkeiten hielten sich in erfreulichen Grenzen. Dem Wohlbefinden förderlich war auch eine Kohlroulade zum Mittagessen. Der Arbeitstag endete zeitig.

Wie vorgenommen ging ich direkt im Anschluss ins Sportstudio. Die Funktionsweisen der meisten Geräte waren mir seit dem Probetraining letzten Donnerstag noch weitgehend vertraut, es turnte sich gut, laut Geräteanzeigen bewegte ich dabei mehrere Tonnen. Das nächste Mal Mittwoch.

Dienstag: Der Fußweg ins Werk erfolgte durch milde Morgenluft. Am Rheinufer gingen vor mir drei schnatternde Damen derart raumeinnehmend nebeneinander, dass man kaum an ihnen vorbeikam. Erst als eine Läuferin entgegenkam, entstand kurz eine Lücke, die ich nutzte. Im Überholen hörte ich eine sagen: „Die Belinda ist eine schwierige interne Person, aber sie nimmt es auch mega genau.“ Was in Abwesenheit so geredet wird. Etwas später überholte mich ein Läufer mit großflächig tätowierter Wade. So etwas sollte meines Erachtens auch in die aktuelle Stadtbild-Diskussion mit einfließen.

Auf der Wiese im Rheinauenpark graste eine größere Gruppe Wildgänse. Nun also ihr, dachte ich im Vorbeigehen und rief ihnen gedanklich „Bleibt gesund!“ zu. Was heute Stallpflicht für Geflügel ist, hieß für uns vor fünf Jahren – so lange ist das schon her, unglaublich – Homeoffice.

Mittags in der Kantine gab es Curryfrikadelle mit Pommes. Das ist wie Currywurst mit Pommes, nur ohne Wurst, dafür mit Frikadelle. Aber darauf wären Sie vermutlich selbst gekommen. War jedenfalls gut.

Für mich eines der besten Lieder von Supertramp ist „Take The Long Way Home“. Den langen Weg nach Hause nahm ich nachmittags, da es weiterhin angenehm mild war, und zwar rechtsrheinisch. Zu meiner freudigen Überraschung war der Biergarten „Zum Blauen Affen“ noch geöffnet, wo ich ich die unerwartete Gelegenheit wahrnahm, mich an einem Bier zu erquicken, während auf der anderen Rheinseite die Sonne unterging.

Morgens kurz vor Sonnenaufgang
Wieder so ein Was-soll-das-Moment
Nachmittags, Rheinauenpark
Beueler Ufer

Mittwoch: Im Büro lachten wir laut über Internes, das Ihnen mangels Kenntnis der belachten Personen und Gegebenheiten vermutlich nicht mal ein Grinsen entlocken würde. „Stell dir vor, die würden uns hier abhören“ sagte der Kollege vom Schreibtisch gegenüber. Wenn sie das täten, wären wir beide wegen ungebührlicher Lästerlichkeit längst rausgeflogen.

Abends bewegte ich im Sportstudio wieder mehrere Tonnen, weiterhin mit Vergnügen. Ich meine, der Bizeps sei schon etwas gewachsen, vielleicht ist das aber auch Einbildung.

Bald beginnt der Karneval wieder. Aus einem Zeitungsartikel über unangemessene Verkleidungen:

(General-Anzeiger Online)

Donnerstag: Morgens zeigte sich der Mond über den Dächern gegenüber. Dafür, dass er angeblich in diesen Tagen besonders groß wirken soll – irgendwo las ich, das nenne man Nebelmond -, war er ziemlich klein oder wenigstens normal groß. Vielleicht ist unsere Begleitkugel über Nacht wieder geschrumpft. Nebelmond, Vollmond, Halbmond, Neumond, Blutmond, demnächst vielleicht auch noch Fleischmond. Ach nein, das soll ja verboten werden.

Morgenmond

Gedanke während einer Besprechung: Vielleicht ist meine Weigerung, möglichst aufwendige PowerPoint-Präsentationen zu erstellen, der Grund, warum ich nicht Karriere gemacht habe.

Blick auf Beuel während des Heimwegs

Im Ortsteil Kessenich waren abends die Straßenränder gesäumt von Sperrmüll, wie ich auf dem Weg zur Musikprobe sah. Wunderbare Konsum- und Wegwerfwelt, es hört nie auf. Unterdessen verhandeln sie in Brasilien darüber, um wieviel Prozent der CO2-Ausstoß (nicht) verringert werden soll. Ich bleibe skeptisch.

Freitag: Morgens auf dem Fahrrad blies mir stärkerer, kühler Wind entgegen. Ich betrachtete es als eine Sporteinheit, immer auch das Positive sehen. Was schön war: Nachmittags hatte sich die Windrichtung nicht geändert, so dass ich auf dem Rückweg angenehm angeschoben wurde.

Nachmittags bliesen die Kohlekraftwerke am Horizont bizarre Dampfungetüme in den Himmel

Abends begann mit dem Ordensfest der Karnevalsgesellschaft die Session. Nicht, dass ich es kaum erwarten konnte, aber meinetwegen. Na dann: dreimol hetzlisch Alaaf.

Samstag: Nach spätem externen Frühstück mit den Lieben (das Ordensfest hatte keine appetitmindernden Nachwirkungen) unternahm ich einen Spaziergang. Bei allem, was man am Universum zurzeit beklagen kann: Der Herbst ist in diesem Jahr besonders wohlgeraten.

Nordstadt
Innere Nordstadt

Abends aßen wir im Wirtshaus Gänsekeule mit Rotkohl und Klößen, wie es sich gehört. Auch so ein Gericht, bei dem ich mich frage, warum es das nur saisonal gibt, während Enten und Hühnern ganzjährig die Federn gerupft werden.

Da geht noch was

Sonntag: Dieser Tag zeigte sich im Gegensatz zu den Vortagen wesentlich novembriger, trüb und sonnenlos. Also so, wie viele den November malen würden, wenn sie müssten und könnten und weshalb er bei vielen – zu unrecht, wie ich finde – als unbeliebtester Monat gilt. Immerhin blieb es trocken und die Temperatur draußenbiertauglich, so dass der Spaziergang am Nachmittag in noch gut besuchter Außengastronomie abgerundet werden konnte. Über die Wespe, die kurz mein Glas umkreiste, bevor sie ihrem vermutlich baldigen Ende entgegen flog, staunte ich dennoch.

Ich persönlich finde den Februar viel schlimmer, obwohl (oder weil?) ich dann Geburtstag habe; wenn das Gefühl, jetzt ist es aber mal gut mit kalt und keine Blätter an den Bäumen, auf das Gemüt drückt.

Vorher aber, bald schon, ist dort, wo ich sitze und diese Zeilen ins Datengerät tippe, Weihnachtsmarkt. Trotz allem Kitsch und meiner grundsätzlichen Weihnachtssinninfragestellung (ich liebe unsere Sprache, die solche Wörter ermöglicht) freue ich mich ein wenig darauf.

Die allgemeine Verblödung ist unübersehbar

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

19:30

Woche 10/2025: Kantine statt Kamelle

Montag: Einmal noch Karneval, dann reicht es wieder bis November. Der gestrige Tag beim Godesberger Zoch mit anschließendem Ausklang in der Stadthalle verlief bei bestem Wetter weitgehend angenehm, den vergangenen Sonntag diesbezüglich geäußerten Erwartungen ist nichts Wesentliches hinzuzufügen. Wir brachen nicht sehr spät auf nach Hause, wo wir im Fernsehen das Bühnenprogramm von „Sitzungspräsident“ Volker Weininger ansahen und darüber sehr lachten mussten, mehr als der noch gegenwärtige Hustenreiz zuließ. Wenn Sie ihn nicht kennen, empfehle ich ihn sehr, auch wenn Sie dem Karneval nicht zugeneigt sind.

Am heutigen Rosenmontag war unser Musikcorps für den Umzug im Stadtteil Lannesdorf gebucht. Der ging pünktlich um elf Uhr elf los, daher musste ich auch heute frühzeitig aufstehen. Es verlief alles zufriedenstellend, auch heute unter blauem Himmel. Größte Hürde war nach Rückkehr der Fußweg vom Hauptbahnhof nach Hause, weil wegen des inzwischen gestarteten Bonner Zuges in der Innenstadt zahlreiche Straßen abgesperrt und menschenumsäumt waren und nicht überquert werden konnten. Nach einer halben Stunde kam ich an, legte die Trommel ab und zog, weiterhin in Uniform, sogleich eine Straße weiter, um mich zusammen mit dem Liebsten und einigen Vereinsleuten in die Menge am Straßenrand zu stellen und den Zug zu betrachten. Nahrung kam währenddessen wie im Schlaraffenland direkt aus der Luft angeflogen, fast ununterbrochen war ich am kauen: Weingummi, Schokowaffeln, Mäusespeck, Maoam, Milky Way und ein Apfel. Dazu zwei bis drei Becherchen Kölsch aus der Kneipe gegenüber. Als das Prinzenpaar durch war, konnte ich endlich nach Hause, für die nächsten Monate die Uniform und vor allem endlich die Schuhe ausziehen.

Ab morgen wieder ins Büro, wo ganzjährig ein gewisses Jeckentum herrscht. Mit Kantine statt Kamelle.

Dienstag: Wie es sich für einen Dienstag gehört, ging ich zu Fuß ins Werk und zurück, auch wenn es faktisch ein Montag war. Morgens waren in der Innenstadt fleißige Menschen damit beschäftigt, den Rosenmontag zusammenzukehren und -blasen. Überall lag dieses Riesen-Konfetti herum, ich weiß nicht, wie es richtig heißt, Sie wissen vielleicht, was ich meine: Diese mehrere Zentimeter langen bunten Streifen, die, mit einer Kanone in die Luft geschossen, flimmernd langsam zu Boden sinken. Hübsch anzusehen, solange sie in der Luft sind, doch dürften sie anschließend den Reinigungskräften erheblichen Verdruss bereiten. Selbst hinter den Glastüren mehrerer Läden waren sie auf dem Boden auszumachen, durch welche Ritzen auch immer sie dort eingedrungen sein mögen. Auch auf dem Heimweg am frühen Abend sah ich sie noch in nennenswerter Anzahl herumliegen und es ist davon auszugehen, dass sie auch in den nächsten und übernächsten Tagen noch vereinzelt zu finden sind.

Im Büro war reichlich zu tun, die Zahl der seit Donnerstag eingegangenen Mails war fast so hoch wie nach einer Woche Urlaub; anscheinend haben nicht alle Karneval gefeiert, wo kämen wir da auch hin. Zum Glück konnte ein großer Anteil davon nach erster grober Sichtung sofort gelöscht werden.

Ebenfalls auf dem Heimweg wurde ich zufällig Zuschauer der Bonner Stadtsoldaten: Die Gardisten standen in Reih und Glied vor dem Alten Rathaus, Dankesworte wurden gesprochen, auch vom noch amtierenden Prinzen und der Bonna (für Nicht-Bonner: gleichsam die zugehörige Prinzessin), danach marschierte man ein letztes Mal bei getragener Musik um den Marktplatz und stellte sich wieder in Formation auf. Schließlich erklärte der Kommandant die Session für beendet; weggetreten. Vermutlich suchte man zum Ausklang noch die örtliche Gastronomie auf.

Morgenweg mit Gewölk
Rosenmontagsreste
Bald haben auch sie es geschafft

Mittwoch: Vorbei die Zeiten, da ich nach dem Mittagessen über achtundzwanzig Etagen die Treppen hoch gehe, ab heute nur noch dreiundzwanzig, da ich infolge einer Umorganisation umgezogen bin. Auch die Aussicht aus dem Fenster hat sich gewandelt, trotz Höhenunterschied von fünf Etagen weiterhin augerfreuend.

Vorne die Deutsche Welle, dahinter der UN-Campus

Es gibt schon erstaunliche Zufälle: Im Januar löste sich mittags beim Verzehr eines Nudelgerichts die Krone eines Weisheitszahnes, ich berichtete. Heute kam mit der Post die Zahnarztrechnung für das Wiedereinsetzen. Nun dürfen Sie gerne raten, 1) was ich heute Mittag gegessen habe und 2) was währenddessen passierte. Damit hat der Zahn sein Dasein verwirkt, in den nächsten Tagen wird die Zange ihr Werk verrichten.

Donnerstag: Auch dieser Tag war sonnig, die Fußweg ins Werk und zurück eine Wohltat. Die Natur ist spät dran dieses Jahr, vor einem Jahr blühten schon die Magnolien. Während Schneeglöckchen, erste Krokusse und Narzissen bereits blühen, zeigen sich Büsche und Bäume noch weitgehend unbegrünt, nur hier und dort sind beim genauen Hinsehen erste Knospen auszumachen. Vielleicht warten sie ab, bis sich Union und SPD auf eine Koalition geeinigt haben, manchmal hängen Dinge in gar wundersamer Weise zusammen.

Nach Ankunft stand ich zunächst vor verschlossener Bürotür, weil die Schließtechnik nicht auf die dafür vorgesehene App auf meinem Telefon reagierte. Der Chefchef war so freundlich, mir Zugang zu gewähren. Nach etwas Mailverkehr und mit Hilfe eines befugten Mitarbeiters konnte auch dieses Problem im Laufe des Vormittags gelöst werden. Ebenfalls vormittags vereinbarte ich einen Zahnarzttermin für Montagnachmittag.

Auf dem Rückweg war ich versucht, das erste Freiluftbier zu trinken, Gelegenheiten wären genug gewesen. Da ich spät dran und die Sonne bereits im Untergang begriffen war, sah ich davon ab.

Wo mögen sie gewesen sein?

Freitag: Der Arbeitstag endete zeitig, da ein Augenarzt-Termin anstand. Die letzte Besprechung des Tages endete erst kurz vor Büroschluss, so dass keine Zeit blieb, das Mailpostfach aufzuräumen und schon mal in den Kalender zu schauen, was nächste Woche so anliegt. Das mag ich nicht, heute ging es nicht anders. Immerhin blieb nichts unerledigt, was heute noch dringend zu erledigen gewesen wäre, somit ging ich mit gutem Gewissen ins Wochenende.

Während der Radfahrt zurück geriet ich durch die Verbindung aus Frühlingsmilde und Winterjacke ins Schwitzen, war jedoch zu bequem, anzuhalten und die Jacke auszuziehen; leider gehöre ich nicht zu denen, die das mühelos während der Fahrt erledigen und dabei noch telefonieren und essen können.

Bei der Augenarztpraxis kam ich vorzeitig an, musste dennoch nicht lange warten. Vielleicht ein Vorzug des privat versicherten Beamten. (Ja, ich finde das auch ungerecht. Da ich mich jedoch auf der begünstigten Seite befinde, fällt es mir schwer, darüber zu klagen.) Am meisten fürchtete ich die Augentropfen, da bin ich sehr empfindlich. Doch die wurden nicht verabreicht, stattdessen wurde der Augendruck per kurzem Luftstoß gemessen. Das war auch nicht sehr angenehm, doch weit weniger schlimm als die Tropfen. Nach weniger als einer Viertelstunde war die Untersuchung erledigt, alles in Ordnung beziehungsweise im altersgerechten Rahmen, auch eine neue Brille brauche ich nicht. Nur legte mir die Ärztin nahe, das nächste Mal nicht erst wieder in zehn Jahren zu kommen. Die Zeit rast aber auch.

Samstag: Nachdem sie sich in den vergangenen Tagen latent mit Hustenreiz und erhöhter Nasenläufigkeit ankündigte, hat auch mich nun die Erkältung richtig erwischt, arbeitgeberfreundlich zum Wochenende. Deshalb wurde die für heute geplante Fahrradpflege zugunsten längerer Sofazeit auf nächstes Wochenende verschoben. (Bitte denken Sie sich hier lautstarkes Husten und Schnäuzen.)

Aus einer Kolumne im General-Anzeiger über die sogenannte Longevity-Bewegung, also Leute, die es für erstrebenswert erachten, möglichst alt zu werden und dafür erheblichen Aufwand betreiben: „Die Darmflora erfährt mehr Zuwendung als so mancher Beziehungsberechtigte.“

Sonntag: Das sonnig-warme Frühlingswetter lockte zahlreiche Menschen nach draußen, am frühen Nachmittag auch mich. Am Rheinufer begegnete mir ein Paar, beide mit großflächig tätowierten Armen. Dazu ein Dalmatiner. Die drei ergänzten sich perfekt. Anscheinend eher einseitig ergänzt sich dagegen ein anderes Paar, das mir auf Fahrrädern begegnete. Sie schimpfte: „Dann fährst du in die Sauna, dann fährst du in den Urlaub, und ich bin immer nur gut genug, auf den Köter aufzupassen.“

In der Nordstadt hängten zwei Männer Wahlplakate des BSW ab. Vielleicht zum ersten und letzten Mal, wer weiß, ob die bei den nächsten Wahlen nochmal dabei sind. Durchaus entbehrlich, aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung.

Lesen bildet, man lernt immer noch was dazu:

(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Zum guten Schluss: Erfreulich waren in dieser Woche ein problemloser Büroumzug, für gut befundene Augen und mehrere Spaziergänge unter blauem Himmel.

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Kommen Sie gut durch die Woche.