Woche 30/2026: Es hört nie auf

Montag: Bis zum Abend eines kühlen, recht ruhigen und für mich persönlich ereignisarmen Wochenbeginns befürchtete ich, nichts hier aufschreibenswertes zu finden. Die Rettung brachte eine Auchdasnoch-Eilmeldung der Zeitung, die derzeit desolate Bonner Verkehrssituation betreffend: Wie in der vergangenen Woche hier berichtet, verkehren zurzeit viele Fahrten der Stadtbahn mit nur einem statt zwei Wagen. Ab morgen werden alle Stadtbahnwagen aus den Sieb-, Acht- und Neunzigerjahren wegen Sicherheitsbedenken sofort aus dem Betrieb genommen und einer Prüfung unterzogen. Insgesamt 60 von 75 Wagen sind betroffen. Zur Linderung stellen die Kölner Verkehrsbetriebe vorübergehend 20 Wagen zur Verfügung. Hoffentlich halten wenigstens die durch; es ist nicht anzunehmen, dass die Kölner ausgerechnet ihr neuestes Material schicken werden.

Archivbild

Dienstag: Als zur Verträglichkeit strebender Mensch wünsche ich niemanden etwas Schlechtes, von wenigen Staatsoberhäuptern und Fußballpräsidenten abgesehen. Würde ich jedoch Zeuge, wie ein regelwidrig auf dem Fußweg fahrender, ins Datengerät vertiefter Radfahrer in so eine Ansammlung unsachgemäß-hirnlos abgestellter Roller rast, könnte ich eine gewisse Erheiterung nicht leugnen. Es müssen ja nicht gleich Knochen brechen und Blut spritzen.

Morgens
Abends

In der Werkskaffeeküche lässt einer per Aushang wissen, er habe eben dort sein Headset verloren. Wenn man so busy ist, dass man unbedingt mit Headset die Kaffeeküche aufsuchen muss, warum setzt man es dann ausgerechnet dort ab und lässt es liegen?

Gelesen beim Kiezschreiber:

Es wurde schon immer gerne in Schubladen gedacht. Macht es für manche Leute einfacher, denen oberflächliche Zuordnungen genügen. Zum Beispiel: Generationen. Boomer, Generation X, Millenials usw. Meine These: Es gibt keine Unterschiede zwischen den Generationen. Jeder Jahrgang bringt kluge Menschen und Vollidioten hervor, nette Zeitgenossen und Arschlöcher, Linke und Rechte – überall auf der Welt. Man sollte es sich beim Nachdenken nicht bequem machen, sondern genauer hinschauen. Es lohnt sich, andere Menschen als Individuum zu betrachten.

Zum Thema Jens Spahn* haben andere bereits alles notwendige gesagt und geschrieben. Vielleicht noch dieses: Für mich zählte er bis vergangenen Samstag zu den Menschen, die sich alles erlauben können, ohne dass es ihnen etwas anhaben könnte. Bis zu einem gewissen Punkt. Der ist für Herrn Spahn nun erreicht; bei anderen – ich nenne keine Namen, es fällt Ihnen bestimmt jemand zutreffendes ein – müssen wir uns noch etwas gedulden.

*Nur für die Chronik, falls das in einigen Jahren noch jemand liest und nicht weiß, wer Jens Spahn ist: CDU-Politiker mit Ambitionen, bis 2021 Bundesgesundheitsminister, ab 2025 CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, auffällig geworden durch mehrere Mauscheleien. Zusammen mit seinem Ehemann buchte er die Dienste einer amerikanischen Leihmutter. In Deutschland ist das bislang verboten und sowohl die Union als auch Jens Spahn sprachen sich in der Vergangenheit dagegen aus, es zu legalisieren. Sein hilfloser Einwand, man müsse zwischen dem Politiker und der Privatperson unterscheiden, rettete ihn nicht vor dem Rücktritt.

Mittwoch: Ein weiterer Arbeitstag mit viel zu vielen Besprechungen, ich weiß nicht, was im Moment los ist. Dadurch bin ich abends noch redefauler als ohnehin.

„Dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen“ hörte ich in einer Besprechung, diese uralte Phrase, die häufig zu hören ist und über die ich noch nie nachgedacht habe. Bis heute. Es gibt nichts und niemanden, wofür ich meine Hand etwa in einen brennenden Ofen oder eine Schweißflamme halten würde. Wozu sollte das auch gut sein.

„Das ist ein ongoing task“ hörte ich in einer anderen Runde, was wohl in etwa heißt „Es hört nie auf“, nur viel neißer klingt.

Morgen habe ich frei, dann werde ich wandern. Dabei kann ich ausgiebig schweigen, allenfalls angenehme Selbstgespräche führen.

Donnerstag: Auslöser der Idee für die heutige Wanderung war ein Trafoturm. Was auch immer bei mir schiefgewickelt ist: Wenn ich einen Trafoturm sehe, will ich ihn fotografieren. Andere fotografieren Vögel oder Flugzeuge, ich Trafotürme, ein jeder ist auf seine Weise bekloppt. Dieser steht in Oberwinter am Rhein, ich sah ihn, wenn ich mit der Bahn Richtung Süden fuhr, wobei er sich aus dem Zug schlecht fotografieren ließ. Daher kam die Idee, Oberwinter als Ausgangspunkt einer Wanderung zu wählen, achtzehn Kilometer bis Bad Godesberg.

Morgens fuhr ich mit der Bahn nach Oberwinter, dort frühstückte ich vor einem Café im Ort. Währenddessen fuhren in größerer Anzahl blaubelichtete Motorräder und schwarze Limousinen der Feldjäger vorüber, die das Interesse der Bevölkerung weckten; mehrfach war die Frage zu hören, was denn hier los sei. Feldjäger, nicht zu verwechseln mit Landjägern, das sind doch die, die entlaufene Soldaten einfangen, oder?

Nach dem Frühstück begann die Wanderung, vorbei am Trafoturm, den ich von allen Seiten fotografierte. Gleich hinter dem Friedhof beginnt eine längere Steigung, ab da ist die Strecke überwiegend moderat. Sie führt durch Wälder, über den Rodderberg, durch Wachtberg-Niederbachem und -Ließem, vorbei an den Hochhäusern von Bonn-Heiderhof, auf mehr oder weniger breiten Wegen, wenigen asphaltierten Abschnitte, auch für Freunde schmaler Pfade ist was dabei. Wanderstöcke sind nicht erforderlich. Man geht überwiegend in angenehmer Ruhe, vom Brausen des Rheintals mit seinen Bundesstraßen und Bahnstrecken ist erstaunlich wenig zu hören.

Das Wetter war sehr wanderfreundlich, trocken, um die zwanzig Grad, bewölkt, erst am frühen Nachmittag kam die Sonne durch.

Nach viereinhalb Stunden angenehmen Wanderns erreichte ich die Godesberger Innenstadt, wo ich ein Lokal fand, das zufällig Currywurst und bayrisches Bier im Angebot hat.

Oberwinter
Der Trafoturm
Auch wenn man es nicht sieht – starke Steigung
Für Lotte
..
Blick vom Rodderberg in Richtung Bonn
Hohle Gasse hinter Niederbachem
Heiderhof
..
..

Freitag: Wieder endet eine Arbeitswoche, nur noch vier davon bis zum nächsten wohlverdienten Urlaub. In einer Besprechung wurden Leichtathletik und eine Blumenwiese als Vergleichsbilder für irgendwelche mäßig interessanten Sachverhalte herangezogen, immerhin eine Abwechslung zu den unsäglichen Fußballvergleichen. Um in einer anderen Besprechung nicht die Beherrschung zu verlieren, flüsterte ich mir selbst mehrfach zu: Bedenke, es ist bezahlte Arbeitszeit, als die Kollegin sich mehrfach wiederholte, jede neue Strophe mit „Also nochmal“ einleitend.

Samstag: Wie hier zu lesen ist, heißt es in sich für modern haltenden Kreisen nicht mehr „Gebrauchtes“, sondern „Preloved“. Anwendbar etwa auf Kraftfahrzeuge, Kleidungsstücke und verflossene Lebenspartner.

Sonntag: Mit Entsetzen habe ich die Nachricht über den Anschlag auf den Berliner CSD zur Kenntnis genommen. Ich fürchte, das wird nicht der letzte sein. Schon früher, als ich noch selbst regelmäßig den CSD in Köln besuchte, hatte ich oft ein mulmiges Gefühl, dass so ein Irrer zuschlägt. Die Zeiten für uns werden nicht besser.

(Hoffentlich kein) Symbolbild

Aufgrund erhöhten Außerhausbedarfes aus zwischenmenschlichen Gründen geriet der Spaziergang nachmittags etwas länger als sonntagsüblich. Mit dem Bus fuhr ich auf die andere Rheinseite bis Holtorf-Ungarten, von dort zu Fuß zurück über Oberholtorf, Ennert, Finkenberg und Beuel. Er endete am bayerischem Wirtshaus in der Innenstadt. Danach sah die Welt ein klein wenig besser aus.

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

19:30

Woche 29/2026: Menschen in Jacken und ein wunderbarer Tag

Montag: Der für einen Wochenbeginn etwas zu lange Arbeitstag bestand zu etwa achtzig Prozent aus Terminen. Das schlimmste an größeren Teams-Runden ist oft das virtuelle, infantile Händeklatschen und Daumenhoch nach einem mehr oder weniger tollen Redebeitrag. Da ich nichts zu sagen hatte, blieb es mir erspart.

Dienstag: Morgens überholte mich am Rheinufer eine junge Läuferin in einem derart kurzen Röckchen, dass der Übergang zwischen Oberschenkel und Pobacken deutlich darunter hervortrat. Männer mit anderer Präferenz diesbezüglicher Perspektiven mögen das als reizvoll empfunden haben, ich fand es eher befremdlich, um auch dieses schöne Wort mal wieder zu verwenden.

Zu Mittag aß ich mit einer Kollegin, die ich schon lange kenne und nur noch selten sehe, weil wir rein geschäftlich keine Berührungspunkte mehr haben. Das ist schade, weil uns immer noch etwas verbindet, was im allgemeinen Sprachgebrauch als gemeinsame Wellenlänge bezeichnet wird. Dabei entschied ich mich für Spaghetti Bolognese, passend zum weißen Hemd, das nun in der Wäsche ist.

Eine andere Kollegin, die soeben aus dem Urlaub zurück war, fragte sich: Was mache ich hier eigentlich? Immer wieder eine sehr berechtigte Frage.

„Welche Technologie wird es deiner Meinung nach in 20 Jahren ganz sicher geben?“ lautet die Tagesfrage von WordPress. Mit „ganz sicher“ bin ich zurückhaltend, ist doch keineswegs sicher, ob es dann überhaupt noch Technologien und Menschen gibt; wenn wir so weiter machen, bin ich da eher skeptisch. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann eine virtuelle Zeitmaschine, mit der ich mich in eine beliebige Zeit an einen beliebigen Ort versetzen lassen kann und bei Bedarf wieder zurück. Falls ich in zwanzig Jahren noch lebe.

Mittwoch: Sommerzeit ist Singstar-Zeit, jedenfalls war das bis vor einiger Zeit so, wenn die Singstarkrähe von gegenüber bei offenem Fenster mit großer Ausdauer, geringem Talent und immer demselben Lied die Siedlung beschallte; nicht immer war erkennbar, um welches Lied es sich handelte. Sie ist schon länger nicht mehr zu hören, vielleicht ist sie weggezogen oder man brachte sie dauerhaft zum Schweigen, was einerseits nachvollziehbar, ihr andererseits selbstverständlich nicht zu wünschen ist. Stattdessen probt dort nun einmal wöchentlich ein Chor, was mich, der ich jahrelang selbst mit großer Begeisterung in einem Kölner Chor sang, hellhörig werden lässt. Schon seit längerem liebäugle bzw. -mündele ich mit der Idee, mich wieder einem Chor anzuschließen, idealerweise in fußläufiger oder radfährlicher Nähe. Vielleicht sollte ich mal unverbindlich Kontakt aufnehmen.

Donnerstag: Bei Ankunft im Turm standen die Leute Schlange im Foyer, um ein Einlassarmbändchen für das Sommerfest des Arbeitgebers ab dem Nachmittag zu bekommen. Ich ließ die Schlange stehen und holte mir mein Bändchen mittags ohne jede Wartezeit. Manchmal ist es klüger, nicht unter den ersten sein zu wollen.

Der Arbeitstag war überreich an Terminen, das Sommerfest schloss sich nahtlos und bei bestem Wetter an. Es gab genug zu essen und trinken und reichlich Gelegenheit zu netten Gesprächen. Ich verließ das Fest nicht allzu spät, bevor der Moment kam, wo man niemanden mehr kennt oder erkennt, und war froh über den anschließenden längeren Spaziergang nach Hause. Dort reichte die Schreiblaune gerade noch für das Tagebuch, …

..

Freitag: … daher wurden vorstehende Zeilen erst heute beim Morgenkaffee notiert.

Morgens im Bad hörte ich im Radio erstmals ein neues Lied der Rolling Stones und war angetan, auch wenn Mick Jagger darin in meinen Ohren nicht wie Mick Jagger klingt. Jedenfalls bewundernswert, dass die (noch lebenden) nach so vielen Jahren immer wieder noch was Neues machen.

Auf dem Rad war es morgens erstaunlich kühl, auch Menschen in Jacken waren wieder zu sehen, ein fast schon ungewohnter Anblick. Bei Ankunft am Turm fielen ein paar wenige Tropfen vom trüben Himmel. Nachmittags wurde es wieder sonnig und warm, der anschließende Besuch der Sportstätte schweißtreibend.

Dort wurden inzwischen in großer Anzahl Zettel ausgehängt, auf denen beschrieben ist, wie die Geräte des Zirkelparcours zu nutzen sind, damit es für alle funktioniert, nämlich nach jeder Einheit im Uhrzeigersinn ans nächste, siehe auch meine diesbezüglichen Anmerkungen in der vergangenen Woche. Heute hielten sich alle daran, mal sehen, wie lange.

Die angespannte Bonner Verkehrssituation ist neben Brückensperrung, baustellenbedingten Sperrungen der rechtsrheinischen Bahnstrecke und von Abschnitten der Stadt- und Straßenbahn um ein weiteres Auchdasnoch reicher: Zahlreiche Fahrten der Stadtbahnlinie 66 werden zurzeit nur mit einem Wagen statt der üblichen Doppeltraktion gefahren, somit in halber Länge. Als Grund geben die Stadtwerke einen hohen Schadbestand und Lieferschwierigkeiten bei Ersatzteilen an. Am besten, man verlässt die Stadt bis auf weiteres nicht mehr.

Geht aber nicht, morgen fahre ich nach Bielefeld, um einen sechzigsten Geburtstag zu feiern. Was noch ungewohnt klingt, zumal es den Freund betrifft, den ich seit früher Jugend kenne. Daran werde ich mich gewöhnen müssen, nächstes Jahr bin ich dran. Ich freue mich drauf, wenigstens auf morgen. Auf nächstes Jahr noch nicht ganz so, das kommt sicher noch.

Samstag: Auf dem Bahnsteig morgens sprach mich ein junger Mann mit Ohrstöpseln an, wobei letzteres kaum der Erwähnung bedarf, da junge Menschen ohne Kopfhörer nur noch selten anzutreffen sind; ich schweife ab. Anstatt wie erwartet um Bargeld zu bitten, ließ er mich in koronalisierender Aussprache wissen, er fühle sich ausgegrenzt. Auf meine mit mäßigem Interesse vorgetragene Frage, warum, sagte er, wegen seiner dunklen Haare, Augenbrauen und braunen Augen. Das alles habe ich auch, fühle ich mich ausgegrenzt? Ja schon, manchmal, doch deswegen belästige ich keine fremden Leute.

In Hamm musste ich umsteigen. Da der zu besteigende RE 6 aus nur einem Zugteil bestand statt zwei, es scheint da zurzeit einen gewissen Trend zu geben, siehe oben, war er entsprechend gefüllt und alle Sitzplätze belegt. Unlustig, bis Bielefeld zwischen schwitzenden Menschen zu stehen, nahm ich in der ersten Klasse Platz, der dort reichlich verfügbar war. Als grundsätzlich um Korrektheit bemühter Bürger versuchte ich nun, über die Bahn-App einen Aufschlag für die erste Klasse zu erwerben. Das gelang nur mit Mühe und vielen Fehlversuchen, bis ich diese Funktion endlich gefunden hatte. Aber ach: Nach Bezahlen wurde mir beschieden, das Ticket würde mir per Mail zugesandt und ich müsse es ausdrucken. Leider hatte ich keinen Drucker dabei, deshalb hätte ich im Falle der Kontrolle nur den Nachweis des Kaufs vorzeigen können. Es kam dann aber keiner. Wenigstens reiste ich reinen Gewissens.

Bei Bielefeld-Brackwede (das trotz ck mit langem a ausgesprochen wird, falls Sie mal in die Verlegenheit geraten sollten) sah ich in einer Wiese einen Storch und wunderte mich einigermaßen, waren doch Störche meines Wissens bislang nicht zum Bestandteil ostwestfälischer Fauna. Wie ich abends auf der Geburtstagsfeier erfuhr, sind die Vögel hier inzwischen nichts Besonderes mehr. Wie schön.

Mit nur leichter Verspätung im Rahmen der Erwartung wurde Bielefeld erreicht. Erst danach spielte mir die Eurobahn einen kleinen Streich. Da zwischen Ankunft und Beginn der Feier am ehemaligen Bahnhof Hillegossen noch Zeit war, besuchte ich vorher meine Mutter. Für die Weiterfahrt in den Osten der Stadt nutze ich nicht die Stadtbahn, sondern beschloss spontan, mit der Regionalbahn in Richtung Lemgo zu fahren, die in wenigen Minuten am Nebengleis abfahren würde. In Oldentrup wollte ich aussteigen, von dort ist es bis zur Mutter ein willkommener Fußmarsch von vielleicht einer Viertelstunde Länge. Als der Zug in Oldentrup hielt und ich den Türaufknopf drückte, passierte nichts. Auch nach mehrmaligem Drücken nicht, die Tür blieb geschlossen. Mein spontaner Sprint zur nächsten Tür war vergeblich, die Bahn rollte schon wieder an. Mir blieb nichts anderes übrig, als weiterzufahren bis zum nächsten Halt Ubbedissen, durch Hillegossen, wo wir später feiern würden und wo seit dem Sommerfahrplan 1988 keine Züge mehr halten. Ab Ubbedissen fuhr ich dann mit dem Bus zur Mutter, wo immer noch genug Zeit war für Kaffee und Kuchen.

Die Geburtstagsfeier war in mehrfacher Hinsicht großartig. Zunächst der Ort: Im Bahnhofs Hillegossen hatten Geburtstagskind U. und ich in den Achtzigern zahlreiche Nachmittage verbracht, nachdem wir uns mit einem der dort diensthabenden Bahnbeamten angefreundet hatten, der uns in den Stellwerksraum mit den großen Stellhebeln für Weichen und Signale ließ, die damals noch mechanisch über Hebel und Drahtzüge bedient wurden. Nach Modernisierung der Technik wurde das alte Stellwerk überflüssig, es sollte ausgebaut und vermutlich verschrottet werden. Das konnte verhindert werden durch den Möbelhändler, der das nicht mehr benötigte Bahnhofsgebäude von der Bahn übernommen hat für sein Geschäft. Zum Glück, noch heute kann dort die alte Stellwerkstechnik besichtigt werden. Es kam mir vor, wie einen alten Freund wieder zu treffen.

Genau das war der zweite Punkt, der diesen Tag so großartig machte: Ich traf alte Freunde und Bekannte wieder, die ich teilweise zwanzig bis dreißig Jahre lang nicht mehr gesehen hatte; einen von ihnen erkannte ich gar nicht wieder, was mir angemessen peinlich war. Es gab zahlreiche Weißtdunoch-Momente, es wurde viel gelacht, manchmal genügte ein Stichwort für die nächste Lachsalve. Am späten Nachmittag verlagerte sich die Feier vom Bahnhof in den Garten des Gastgebers, wo neben Essen und Trinken weiter gelacht wurde. Ein ganz wunderbarer Tag.

Wenigstens ging dort die Tür auf
Fahrstraßenhebel (unten) und Streckenblock darüber
Stellhebel für Weichen (blau) und Signale (rot)
Meine grundsätzliche Abneigung gegen gestellte Fotos überwand ich hier leicht

Sonntag: Die Nacht verbrachte ich in einem einfachen und günstigen, für diesen Zweck völlig ausreichenden Hotel in fußläufiger Nähe zum Feierort und zur Mutter. Das Einbuchen erfolgte zuvor kontaktlos per Datengerät, den Chip für Eingangs- und Zimmertür erhielt ich über eine Schlüsselbox neben der Tür, deren Code mir zuvor per Mail mitgeteilt worden war. Das werde ich mir merken für künftige Besuche, eine Hotelübernachtung ist für alle Beteiligten entspannter als im privaten Gästezimmer oder auf dem Sofa.

Nach einem Spaziergang zur und dem Frühstück mit der Mutter verlief auch die Rückfahrt mit der Bahn in erfreulicher Pünktlichkeit. In Köln erreichte ich gar einen früheren Anschluss nach Bonn als vorgesehen, auch das gibt es. Kurze Irritation entstand, als der Zug in Brühl aufs Nebengleis geleitet wurde, um einen Intercity überholen zu lassen, und die automatische Durchsage behauptete, dies sei die Endstation, bitte alle aussteigen. Da alle sitzen blieben, blieb ich es auch, kurz darauf ging es weiter und ich erreichte, weil das oben geschilderte Verkehrschaos heute eine Pause einlegte, am Nachmittag Bonn.

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche.

18:00