Woche 5: Wenn Frau Hahlweg genervt die Augen verdreht

Montag: „Denk dran, dass du Fasty Slim nutzt, um das komplette Fett-Verbrennungs-Erlebnis zu erreichen“, schreibt mir das Spam in ungelenken Worten. Klingt eher nach einer spontanen Fritteusenentzündung.

Eher ungelenk auch der folgende Übergang von Fritteuse zu Friseuse beziehungsweise Frisur (wobei man, glaube ich, Friseuse nicht sagen darf, weil das gleichsam herabsetzend oder beleidigend ist, gerade jetzt, da die Damen ihr Handwerk nicht ausüben dürfen):

Eine wirklich seltsamen Frisur hat Norbert Lehmann, der Sportansager bei heute, nicht nur jetzt in diesen haarschnittlosen Notzeiten, sondern generell, vorher schon. Ich wüsste wirklich gerne, was die beiden Sprecher nach der Sendung miteinander reden, wenn das Bild noch da und der Ton schon aus ist, während sie ihre gelben Zettel ordnen. (Wofür brauchen sie die eigentlich noch? Oder haben sie die aus Tradition, weil ein Nachrichtensprecher nunmal Zettel vor sich zu liegen hat, um die teure, rundfunkgebührenfinanzierte Theke oder wie dieses Studiomöbel heißt zu rechtfertigen, oder damit sie etwas befummeln können, wenn sie während des Nachrichtensprechens nicht wissen, wohin mit den Händen?) Norbert Lehmann traue ich da einige Unflätigkeiten in Richtung der Damen Gerster oder Hahlweg zu, in der Art wie der Bürgermeister zu Hedwig gegen Ende von Loriots „Papa ante Portas“, Sie kennen die Szene vielleicht. Aber das ist natürlich nur eine ganz persönliche, durch nichts belegte Vermutung. Obwohl ich manchmal zu erkennen glaube, wie Frau Hahlweg genervt die Augen verdreht.

Dienstag: „Sie sind jetzt Referent. Viel Spaß mit Ihrem neuen Status“, schreibt mir Skype. Schon als Schüler konnte ich Referaten nur wenig Vergnügliches abgewinnen, nicht als Zuhörer und noch viel weniger als Referent.

Wenig abgewinnen kann ich auch Avocados, dieser pastenartig-weichen Frucht zweifelhaften Geschmackes, die heute zu Mittag Bestandteil eines gemischten Salats war, den man aus Gründen der Bedeutungssteigerung als „Tossed Salad“ anbot.

Erfreulich dagegen der Projekt-Kelch, der heute an mir vorbeiging und in der Nachbarabteilung wesentlich besser aufgehoben ist.

Mittwoch: Vergangene Nacht befand ich mich im Traum in einer Situation, deren Schilderung mir höchst bloggerabel erschien, nur hatte ich gerade keine Gelegenheit dazu. Daher machte ich mich auf die Suche nach einem Notizblock und einem Stift, um sie für später aufzuschreiben, fand sie aber nicht. Nach dem Aufwachen war die Erinnerung an den konkreten Inhalt der Situation leider erloschen, da hätten auch geträumte Notizen nichts genützt. Es sei denn, ich hätte sie während des Träumens in Echt niedergeschrieben; Schlafschreiben in Analogie zum Schlafwandeln, ich weiß nicht, ob so etwas möglich ist und ob dabei etwas herauskommt, was am nächsten Tag noch les- und nachvollziehbar ist. Aber das weiß man bei diesem Blog auch nicht immer.

Wenig überraschend wurde laut Zeitungsbericht das unsägliche Wort „Lockdown“ zum Anglizismus des Jahres 2020 gekürt. Das hiermit befasste Gremium hat sich zur Mission gemacht, jedes Jahr einen englischen Begriff zu wählen, der „den positiven Beitrag des Englischen zum deutschen Wortschatz“ besonders verkörpert. Welch contradiction in terms.

Ein wirklich dämlicher Anglizismus ist „It-Piece“. Als solches bezeichnet die Süddeutsche Zeitung Thermoskannen, die sich in diesen Zeiten bei den zahlreicher werdenden Spaziergängern angeblich größter Beliebtheit erfreuen.

Schön dagegen finde ich als Entgegnung, wenn Ihnen mal wieder jemand ins Wort fällt: „Willkommen in meinem Satz“. Gelesen hier.

Donnerstag: Wieder ein Jahr älter, wobei die Zahl wesentlich bedrohlicher klingt als sie sich anfühlt, auch das Spiegelbild am Morgen war, abgesehen von den üblichen, tageszeitlich bedingten Knitterungen, zufriedenstellend. Das ist ja überhaupt das Schöne am Altern: Es geschieht langsam, man selbst bemerkt es kaum, bis auf gewisse Beeinträchtigungen der Sinnesorgane, allen voran Augen und Ohren, was gerade bei letzteren nicht unbedingt immer ein Nachteil ist, wenn man nicht mehr alles hört, was andere so von sich geben.

Auch wenn ich Geburtstagen schon lange keine große Bedeutung mehr beimesse, so freue ich mich doch über jede Gratulation in Wort und Schrift. Andererseits nehme ich es niemandem übel, wenn er heute nicht gratuliert, weil er einfach nicht daran gedacht hat, das passiert mir auch oft, trotz elektronischer Erinnerung, man wird ja heute ständig und überall an irgendwas erinnert. Ein bis zwei Tage später freue ich mich auch noch. Wenn danach auch nichts kommt, darf er allerdings damit rechnen, aus meiner Gratulationsliste gestrichen zu werden.

Ein schöner und wahrer Satz: „Für Glücksgedanken ist man nie zu alt“, schrieb mir zur Feier des Tages die Nachbarin, die mir – ergänzend zu Wort und Schrift – diesen wunderbaren Kuchen rübergebracht hat; nochmals vielen Dank dafür, liebe M!

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Freitag: „Ich freue mich total auf die Arbeit“, sagte die neue Kollegin. Die Freude ist ganz ihrerseits.

„Träume werden Stahl“, las ich auf dem Lieferwagen einer Schlosserei vor dem Werk. Das kennt wohl jeder Jüngling, wenn morgens nach dem Aufwachen … lassen wir das mal so stehen.

Nicht nur Jüng-, auch viele Ältlinge mögen in zustimmendes Nicken geraten, wenn sie lesen, was auf einem fahrbaren Burgerbräterstand stand: „Liebe geht durch den Wagen“.

Samstag: Haben Sie jemals vom unversöhnlichen Streit zwischen sogenannten One– und Two-Spacern gehört? Ich auch nicht. Bis heute, da mir der General-Anzeiger diesbezüglich die Augen geöffnet hat. Es geht dabei um die Frage, ob die Trennung von Sätzen jeweils durch ein oder zwei Leerzeichen zu erfolgen hat. Zweiteres habe ich noch nie gesehen. Jedenfalls ist es mir noch nie aufgefallen. Obwohl das eigentlich nicht zu übersehen ist. Sieht komisch aus, finden Sie nicht? (Ich kann es Ihnen hier leider nicht zeigen, weil WordPress den Doppel-Space augenscheinlich nicht akzeptiert.) Hiermit bekenne ich mich zum One-Spacer, trotz Anglizismusvermeidungsgebot, allerdings wüsste ich keine sinnvolle Übersetzung; „Ein-Leerzeichner“ erscheint wenig akzeptabel.

Ein Ärgernis ganz anderer Art sieht Frau Anje in Menschen, die anderer Leute Namen unbeabsichtigt, aber regelmäßig falsch aussprechen. Das kenne ich von meinem eigenen Nachnamen, der einfach genauso ausgesprochen wie geschrieben wird, dennoch glauben manche, ihm einen scheinbar polnischen oder sonstwie fremden Klang verleihen zu müssen: „Kubitzki“, „Kubitschi“ oder noch schlimmer. Ich nehme das niemandem übel, auch nicht beim zweiten oder dritten Mal. Danach sollte er es aber schon endlich begriffen haben. Ähnlich gleichmütig nehme ich es zur Kenntnis, wenn ich in Mails mit „Karsten“ angeschrieben werde, obwohl sich meine Eltern vor geraumer Zeit für die Schreibweise mit C am Anfang entschieden hatten. (Mein älterer Bruder wollte übrigens, dass ich Rainer heiße, mit a statt e an zweiter Stelle, aber das ist eine andere Geschichte). Nicht selten auch von Leuten, die mich schon sehr lange kennen und es nicht zuletzt durch meine Mailsignatur eigentlich wissen sollten.

Sonntag: Während Norddeutschland in Schnee und Eis versinkt, erlaubte das Bonner Wetter bei nur sehr leichtem Nieselregen und Temperaturen über dem Gefrierpunkt einen längeren Spaziergang mit Blick über den derzeit etwas ausufernden Rhein.

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Auf dem Rückweg ließ dieses Plakat die Motivklingel meines Datengerätes anschlagen:

Es ist in zweifacher Hinsicht historisch: Die angekündigte Messe wird aus bekanntem Grund nicht stattgefunden haben, und die Godesberger Stadthalle gilt seit geraumer Zeit als einsturzgefährdet.

Woche 4: Kartoffelpüree, Kopfhörer, Kratzspuren und Kulturkanzelei – ich schreibe nur

Montag: Eine gute Idee sollte nicht daran scheitern, dass keiner sie hatte, das gilt auch und gerade für kulinarische Innovationen. Auch behaupte niemand, ich sei nicht offen für Neues. Heute aus der Kantine: vegetarische Currywurst an Kartoffelpüree mit einem Hauch weißer Schokolade darin. Schmeckte gar nicht mal so gut.

Nicht gegessen, sondern Gelesen:

„Einen Kraken würde ich als Bild jetzt nicht verwenden. Wir sind eher der liebe Elefant, der überall seinen Rüssel reinsteckt und schnuppert.“

(Nein, nicht Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg, sondern ein gewisser Gero Furchheim, Präsident des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel, in einem Welt-Interview)

Dienstag: Interessant, welche Gerüche bisweilen unter so einer Maske entstehen.

„Ich glaube, dass der Handschlag zurückkommt“, sagte die niedersächsische Gesundheitsministerin gegenüber einer Zeitung. Das erscheint mir unglücklich, gerade als Politiker sollte man bestrebt sein, Zuversicht zu verbreiten, anstatt düstere Zukunftsbilder zu malen.

Mittwoch: Ich bekam einen Präsentationsentwurf zugesandt mit dem Begleittext, das sei ein „Strawman“. Auch die Recherche nach der Wortbedeutung hinterließ mich in diesem Zusammenhang einigermaßen ratlos. Ich habe nichts gegen solche Formulierungen. Sonst würde ich es benutzen.

„Natur und Berge so oft es die Verpflichtungen erlauben“, las ich bei Frau Kraulquappe. Ich erwähne das nicht, weil es ein besonders bemerkenswerter Satz wäre, einer, bei dem man denkt: Genau, so ist es, besser kann man es nicht auf den Punkt bringen, warum bin ich nicht selbst darauf gekommen, Sie kennen das vielleicht; eher ein Wald- und Wiesensatz, nicht verkehrt, doch ohne größere Aussicht, auch in einigen Jahren noch bis zur völligen Abnutzung zitiert zu werden wie etwa „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Streng genommen ist es ohne Prädikat nicht mal ein richtiger Satz. Warum ich ihn dennoch wiedergebe: Während ich ihn las, sagte der Liebste „… das liegt in der Natur der Sache …“, wobei das Wort „Natur“ in exakt derselben Sekunde fiel, in der ich ebendieses im oben zitierten Satz las. Das war fast ein bisschen unheimlich.

Donnerstag: Als notorischer, fahrradfahrender Heimarbeitsverweigerer hatte ich an diesem durchgängig verregneten Tag gleich zweimal die Gelegenheit, die Eignung der Winter- als Regenjacke zu erproben. Erkenntnis: bedingte bis gar keine Eignung, wohingegen die Regenhose das Wasser zuverlässig zu den Füßen ableitete. Notiz an mich: Im Büro stets ein Handtuch sowie ein Paar Schuhe und Socken bereit halten.

Aus akustischen Gründen hat mir der Liebste bereits jetzt mein Geburtstagsgeschenk überreicht, das mir per definitionem erst kommende Woche zustünde. Es handelt sich um einen wunderbaren Kopfhörer, der sämtliche Außengeräusche nahezu eliminiert. Désormais können Staubsauger, Wäschetrockner, Lufterfrischer und andere häusliche Geräuschquellen meine Feierabendlaune nicht mehr trüben, was dem Erhalt des familiären Friedens sehr dienlich ist.

Freitag: „Die sind mir etwas zu gechillt unterwegs“, hörte ich in einer Besprechung. Seitdem weist mein Schreibtisch neue Kratz- und Bissspuren auf.

Zu den Sätzen, die ebenfalls geeignet sind, Aggressionen zu erzeugen, gehören auch solche aus der Reihe „Ich sage/frage/meine nur“, womöglich gewürzt mit „wie gesagt“.

Wenn man Murks gebaut hat, der den Kunden enttäuscht, hilft am besten eine schonungslos offene Kommunikation, um Vertrauen zurückzugewinnen. Ein besonders gelungenes Beispiel klingt so: „Qualitätserwartungen auf Marktseite und tatsächliche Leistungsfähigkeit des Produktes sind nicht synchronisiert.“

Samstag: Nach allem, was ich bislang über dieses Clubhouse gelesen habe, ist es wohl das nächste große Ding, das ich nicht brauche.

Abends hatten wir Appetit auf was vom Griechen unseres Vertrauens. Da überhaupt nicht einzusehen ist, warum er wegen unserer Bequemlichkeit Provision an den bekannten Speisesklavendienst entrichten sollte, schon gar nicht in diesen Zeiten, holte ich es trotz Schneetreibens gerne selbst mit dem Fahrrad ab. Das Bifteki war vorzüglich. Wie immer war es so viel, dass wir auch morgen noch was davon haben.

Sonntag: Vormittags verfolgten wir beim Frühstück eine Veranstaltung des Karnevalsvereins, die wie so vieles in diesen Zeiten nur auf dem Bildschirm besuchbar war. Zum Trost wurde „Heile, heile Gänsje“ gespielt, der alte Karnevalsschlager von Ernst Neger. Undenkbar, dass dieses Lied heute eine ähnliche Popularität erführe wie damals nach dem Krieg, allein schon wegen des Namens des Vortragenden. Entweder würde man ihn zur Umbenennung drängen, oder Lied und Künstler fielen der heute um sich greifenden Kulturkanzelei zum Opfer.

Woche 3: Lockendown

Montag: Die Rufe nach einer Pflicht zur Heimarbeit werden lauter. Dabei gibt es immer einen Grund, warum etwas nicht geht. In diesem Fall: Ich will nicht.

Morgens in der Zeitung eine Sprachperle:

„… in unserer Welt des vorzeitigen Nachrichtenergusses“

David Kriesel, Datenwissenschaftler, im General-Anzeiger

Die Frage der geschlechtsneutralen Ansprache und die Kritik am generischen Maskulinum führen immer wieder zu Diskuss- und Emotionen. Auch der Duden machte sich diesbezüglich in jüngster Zeit, je nach Betrachtungsweise, beliebt oder unbeliebt, beziehungsweise un*beliebt. Nachrichtensprechende sprechen einen Sternchensprung, wenn sie etwa „Nachrichtensprecher*innen“ sagen, und zunehmend liest man in Texten das generische Femininum statt der gewohnten allgemeinmännlichen Form, was ebenfalls nicht völlig unproblematisch ist. Wenn etwa ein Minister oder ein anderer in hingehaltene Mikrofone sagt: „Die Enten sind sicher“, müssen sich Erpel dann sorgen?

Dienstag: So langsam wird es frisurlich interessant, zumal der nächste Friseurbesuch in unbekannter Ferne liegt. Wie ich morgens beim Blick in den Spiegel feststellte, entwickelt sich der sogenannte Lockdown immer mehr zu einem Lockendown.

„Die Atmosphäre ist aufgewühlt“, sagte der Wettererklärer Sven Schwanke oder Karsten Plöger im WDR-Fernsehen, ich kann die immer noch nicht auseinander halten, im Gegensatz zu Özden Terli und Katja Horneffer im ZDF, die vergleichsweise gut zu unterscheiden sind. Doch nicht nur draußen toben die Turbulenzen, auch im trauten Heim war die Stimmung zeitweise bewölkt, was mich bereits beim ersten Morgenkaffee, lange vor der üblichen Sprechzeit, in ein klärendes Gespräch verwickelte, welches zumindest vorläufig zu einer Aufheiterung führte.

Weniger erbaulich dagegen die letzte Besprechung des Tages im Werk ab siebzehn Uhr, zu der ich nicht das Mindeste beitragen konnte, wofür ich andererseits nicht undankbar war, da mein Buchstabenbudget um diese Zeit üblicherweise längst aufgebraucht ist, heute erst recht, siehe oben. Da ich das bereits morgens ahnte, erwog ich, meine Teilnahme abzusagen, doch gemahnte mich der Liebste: „Das kannst du nicht machen, bei deinem Gehalt“, womit er nicht ganz unrecht hatte, daher ließ ich es stumm über mich ergehen.

Stumm bleibt auch der Radiowecker: „Dem Glücklichen schlägt keine Stund‘“, sagte er sich abends und kündigte dauerhaft seinen Dienst.

Mittwoch: In einer besonders sinnlosen Besprechung mutmaßten sieben Teilnehmer zwanzig Minuten lang über den Zweck und das Erfordernis eines IT-Systems, das augenscheinlich seit fünf Jahren nicht mehr genutzt wurde, während der achte, der die Antwort vermutlich weiß, unentschuldigt dem Gespräch fernblieb.

Fernbleiben muss ab sofort auch ein anderer, und zwar dem Weißen Haus, was aus historischen Gründen auch hier für die Nachwelt festgehalten sei:

(Der Spiegel Online)

„Was wir getan haben, ist in jeder Hinsicht erstaunlich“, sagte Trump zum Abschied. „Das waren unglaubliche vier Jahre.“ Damit hatte er zweifellos recht.

Zur Erinnerung auch dieses, vor gut vier Jahren schon einmal gezeigte:

(Archivbild aus Die Welt Kompakt 2016)

Unterdessen hat der Bonner Stadtrat wegweisende Entscheidungen getroffen:

(General-Anzeiger Bonn)

Eine Neuanschaffung alter Eisenbahnen, die keiner Zustimmung bedarf, auch bei mir:

Donnerstag: Wie die Werksverwaltung mitteilte, ist die Heizung wieder defekt. Vielleicht ist das auch ein subtiler Versuch, hartnäckige Heimarbeitsverweigerer wie mich auf dem kalten Weg umzustimmen.

Freitag: Nachdem zu Weihnachten 2004 der Tsunami in Südostasien Hunderttausende in Tod und Verderben gespült hatte, verzichteten die Radiosender in Deutschland darauf, „Die perfekte Welle“ von Wir sind Julisilbermondhelden oder wie die hießen zu spielen. Aus aktuellem Anlass rege ich an, in gleicher Weise mit „Auf das was da noch kommt“ von Lotte/Giesinger zu verfahren.

Samstag: Notwendige Be- und Entsorgungen verband ich mit einem kurzen Spaziergang an den Rhein. „Es gibt kein Corona, nur Politik“, rief ein Obdachloser, der sein Lager unter der Kennedybrücke aufgeschlagen hat, in einer Endlosschleife allen Vorbeigehenden zu. Als ob Politik ebenfalls eine Seuche wäre, der nur mit Impfung und Abstand beizukommen ist. Wenig später musste ich einer hinter mir gehenden jungen Frau beim Telefonieren zuhören, die von ihren Bekannten erzählte, die trotz Baby weiterhin in der WG wohnen und die Kleine auf eine fünfwöchige Backpackertour mitnahmen. Sie selbst überlege ebenfalls, die Pille abzusetzen, wisse aber noch nicht, was sie stattdessen tun solle. Was man halt so redet, wenn man unter sich ist und nicht damit rechnet, jemand könnte mithören und es anschließend aufschreiben. Eine unerfreuliche Begegnung anschließend erneut auf dem Verbindungsweg vom Rhein zum Augustusring. Der Weg ist der Länge nach durch eine sichtbare Kante in zwei ungleich breite Streifen aufgeteilt, Verkehrsschilder an beiden Enden weisen ihn eindeutig als kombinierten Fuß-/Radweg aus:

(Archivbild von April 2018)

Als ich auf dem schmaleren Streifen (links im Bild) nach oben ging, kam mir ein älterer Radfahrer entgegen gerast und beschimpfte mich unflätig als Trottel, weil ich seiner Ansicht nach auf dem Radweg ging. Was mich daran ärgerte, war nicht zuvörderst seine Beschimpfung – die Aufteilung des Weges ist wirklich etwas irreführend, vielleicht war der schmalere Streifen früher tatsächlich als Radweg ausgewiesen, und er hat das Schild nicht bemerkt, kann ja passieren. Am meisten ärgerte mich meine eigene Reaktion, deren verbale Unflätigkeit der seinen in nichts nachstand. Das war äußerst unsouverän von mir, wofür ich in aller Form um Entschuldigung bitte, wenn ich auch nicht genau weiß, wen. Den Radfahrer jedenfalls nicht, dieses A*loch.

Sonntag: Irgendwo las ich vor einigen Wochen eine Beschreibung des Buchs „Die Stille“ von Don DeLillo. Die Geschichte versprach Unterhaltungswert: In New York treffen sich fünf befreundete Personen, während weltweit die digitale Infrastruktur aus unbekannter Ursache dauerhaft zusammenbricht. „Ein Werk mit verblüffenden Parallelen zur aktuellen Situation in der Welt, ebenso hell- wie weitsichtig. DeLillos geschliffene Sprache, seine Vorstellungskraft und sein seismografisches Gespür machen »Die Stille« zu einem literarischen Ereignis“, preist der Verlag das zwanzig Euro teure, gerade mal hundertsechs Seiten dünne „Werk“ auf dem Rückumschlag an. Vielleicht ist mein eigenes seismografisches Gespür zu grob kalibriert, denn dieses literarische Ereignis, bestehend überwiegend aus geschwurbelten, schwer nachvollziehbaren Dia- und Monologen mit einer winzigen Prise Sex ohne jede Erotik, stieß bei mir vor allem auf gelangweilte Ratlosigkeit; selbst bei einem derart dünnen Buch kann man sich fragen: Wann ist es endlich vorbei? Sie können es sich bei Interesse gerne aus dem öffentlichen Bücherschrank vor dem Frankenbad abholen.

Endlich vorbei ist nun auch dieser Wochenrückblick. Ich wünsche Ihnen eine erfreuliche neue Woche.

Woche 2: Das Leben ist kein Schweigeorden

Montag: Vielleicht kennen Sie das auch – das Telefon tönt, die angezeigte Nummer lässt einen vollkommen überflüssigen Anruf erahnen. Sie gehen trotzdem dran, woraufhin der Anrufer Ihre Ahnung umgehend bestätigt, indem er den Inhalt einer Mail wiedergibt, die er Ihnen vor Stunden schrieb (und die zu lesen Sie noch keine Gelegenheit oder Lust hatten). Dennoch nimmt man diesen verdammten Anruf an, immer wieder. Vielleicht eine verhängnisvolle Mischung aus Höflichkeit und Versäumnisangst.

Völlig überflüssig auch solche Sätze, gelesen in einem Zeitungsartikel: „Es liegt in unserer DNA, auch in Zeiten einer globalen Krise zu liefern.“

Ein oft gehörter Satz in virtuellen Besprechungen: „Sorry, ich war noch gemutet.“ Manchmal eher schade, dass er oder sie es gemerkt hat.

Dienstag: Nach einem Tag reich an Besprechungen möchte ich nur noch hier sitzen. Am liebsten in Stille. Aber man kann nicht alles haben. Das Leben ist kein Schweigeorden.

Manchmal, wenn mir eine scheinbar einfache Frage, die ich unvorsichtigerweise stellte, in feinst verästelter Ausführlichkeit beantwortet wird, denke ich: Ein einfaches „isso“ hätte jetzt auch gereicht.

Mittwoch: „Keine Impfpflicht!“, rufen sie. Als ein Argument wird angeführt, dadurch könnten sich dringend benötigte Pflegekräfte zu einer anderen Berufswahl oder gar Kündigung veranlasst sehen. Hm … Kann es nicht sein, dass jene, die „total gerne was mit Menschen machen“, sich aber auf keinen Fall impfen lassen wollen, ohnehin besser was ganz anderes machen sollten? Vielleicht Ahnenforscher oder Leichenwäscher, das ist auch was mit Menschen, nur weniger ansteckend. Ich bin bestimmt kein glühender Verehrer des Ober-Bayern, aber an einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen kann ich nur wenig Verkehrtes erkennen.

Die Auszeichnung „Unwort des Jahres“ erfährt jährlich ein Begriff oder eine Redewendung, die etwa gegen Grundsätze der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, diskriminierend, euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. In diesem Jahr hat es gleich zwei Wörter ereilt: „Rückführungspatenschaften“ (nie gehört) und „Corona-Diktatur“ (zu oft gehört). Schade, dass die „nukleare Teilhabe“ unberücksichtigt blieb.

Donnerstag: Morgens warnte die Frau im Radio vor „Gefahr durch überfrierende Glätte“. Seltsam eisige Stimmung auch abends daheim, wobei mir Schweigen nach einem weiteren besprechungsreichen Arbeitstag nicht völlig ungelegen kam. Warum haben die zu Jahresbeginn alle plötzlich so einen Redebedarf? Bleibt das jetzt so? „Wir müssen mehr miteinander reden“ erscheint mir zunehmend als eine zweifelhafte These.

Freitag: Ein weiteres unerträgliches Geräusch ist dieses „Jerusaleme“-Liedchen, das sie jetzt dauernd im Radio spielen. Auch mein innerer Ohrwurmmoderator hat es in seine Lieblingsliste aufgenommen und quält mich damit manchmal stundenlang.

Im Übrigen muss ich aufhören, alle, die mit Telefon am Ohr und/oder Kaffeebecher in der Hand durch die Gegend laufen, automatisch für Idioten zu halten.

Samstag: Die Dauer aller über WhatsApp erhaltenen Filmchen, von mir konsequent ignoriert, ergibt aneinandergereiht eine Zeitspanne, in der woanders Flughäfen geplant, genehmigt und errichtet werden.

Gelesen:

„… das Spröde am Niedersachsen wirkt sich sogar auf die Infektionszahlen aus. Im Norden befummeln sich die Leute nicht dauernd. Zwei Niedersachsen auf Armlänge, das geht schon in Richtung Sex.“

(Dietmar Wischmeyer im General-Anzeiger)

Er habe noch „Lücken im Tassenregal“, lässt der Geliebte wissen, was zumindest etwas freundlicher klingt als „nicht alle Tassen im Schrank“.

Sonntag: Gestern Abend hatte es auch bei uns zu schneien begonnen und der Schnee blieb – eher rheinlanduntypisch – zunächst liegen. Auch heute waren noch nennenswerte Spuren erkennbar, wenn auch im Schwinden begriffen, daher mussten die Kinder sich mit dem Schneemannbau beeilen, wobei für die meisten Exemplare, die ich während des sonntäglichen Flanierens sah, aufgrund der in den schmelzenden* Schnee eingeschlossenen Fremdpartikel eher die Bezeichnung „Schmutzmann“ angemessener erschien.

(Hier kann man der Physik bei der Arbeit zuschauen.)

Zum letzten Bild eine kleines Detail, das vermutlich nur ich selbst bemerkenswert finde. Es betrifft die schönen Laternen im Design der Fünfzigerjahre am Rheinufer. Vor einigen Jahren hatte man zu meinem Bedauern begonnen, sie gegen moderne Exemplare auszutauschen, siehe das Vergleichsbild vom Februar 2016:

Nun hat man sich offenbar wieder für die bisherigen Lampen entschieden. Ob sie noch auf irgendeinem städtischen Bauhof herumlagen oder im alten Stil neu angefertigt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Als am Spaziergang begeisterter Mensch freue ich mich über solches:

„Ich schaue da stets finster auf die Räder, aufs Ganze und nie auf die Insassen, welche ich verachte und zwar keineswegs persönlich, sondern rein grundsätzlich“, bekannte sein Spaziergänger,  „denn ich begreife nicht und werde niemals begreifen, dass es ein Vergnügen sein kann, so an allen Gebilden, Gegenständen, die unsere schöne Erde aufweist, vorüberzurasen, als wenn man toll geworden sei und rennen müsse, um nicht elend zu verzweifeln.“

(Robert Walser)

*) Hier stand zunächst „schmilzenden“, weil ich bislang annahm, die intransitive Form des Verbs wäre so korrekt („Der Schnee schmilzt“), wohingegen nur die transitive Form „schmelzen“ hieße („Die Sonne schmelzt das Eis“); ähnlich wie „gehangen“ und „gehängt“ beim Verb „hängen“. Doch die rote Mahnung der Textverarbeitung und anschließende Recherche belehren mich eines anderen. Wieder was gelernt.

Woche 1/2021: Strickjacke und warme Gedanken

Montag: Der erste Arbeitstag des Jahres bot keinen besonderen Grund zur Beanstandung, es war nur etwas kalt im Werk, vielleicht rechnete man nicht mit meiner baldigen Rückkehr. Ansonsten war es noch angenehm ruhig, bereits am Vormittag waren die Termine des Tages erledigt und ich konnte mich in Ruhe der Maillektüre widmen. Irgendwo las ich, irgendetwas sei „integraler Bestandteil der Fokusthemen“. Ach, wie wenig vermisste ich derartiges Wortgeklingel doch in der vergangenen Woche.

Zu Hause machten sich unterdessen drei fleißige Mitarbeiter des Landgerichts daran, mit schwerem Gerät den Sternenstaub vergangener Woche zu elimiminieren, der in die Gerichtseinfahrt diffundiert war. Laut glaubhafter Beschreibung einer Beobachterin legten sie dabei keine nennenswerte Geschicklichkeit an den Tag. So gelang es auch nach mehreren Anläufen nicht, über die kleine Rampe den Bordstein zu erklimmen.

(Liebe M, vielen Dank für das Bild und die Erlaubnis, es hier zu zeigen!)

Begrenzte Geschicklichkeit in der Wortwahl ist auch in nachfolgender Beschreibung eines Wanderwegs an der Sieg zu erkennen:

(Gelesen im General-Anzeiger Bonn)

Dienstag: Die neue Blogaktion von Aequitas et Veritas heißt „Momentaufnahme“. Alle zwei Wochen wird im virtuellen Raum eine persönliche Frage der Beantwortung anheim gestellt. Die aktuelle Frage lautet:

„Wagst du es vor dem Hintergrund der Erfahrungen von 2020 noch, für das neue Jahr Pläne zu schmieden, gute Vorsätze aufzustellen?“

Aus Gründen der Blogökonomie beantworte ich sie hier im Wochenrückblick, und zwar so: Selbstverständlich. Viererlei habe ich mir vorgenommen, erstens: Aufgrund des reduzierten Angebots in der Kantine wählte ich im vergangenen Jahr öfter als zuvor vegetarische Gerichte, dabei wurde ich immer wieder angenehm überrascht, daher werde ich das beibehalten. Vorausgesetzt, die Kantine muss nicht bald wieder komplett schließen. Zum zweiten werde ich weiterhin, wenn es eben möglich ist, also kein Sturm, Hagel oder Glatteis drohen, mit dem Fahrrad ins Werk fahren. Vorausgesetzt, ich darf weiterhin ins Büro und werde nicht zur Heimarbeit verpflichtet. Drittens möchte ich wieder regelmäßig laufen, mindestens einmal wöchentlich; sobald die Läden wieder geöffnet haben, damit ich neue Laufschuhe kaufen kann (nein, ich bestelle sie nicht, wie auch sonst nichts, beim großen A.) Als viertes habe ich vor, mindestens die zwei nächsten Etappen des Rheinsteigs zu erwandern. Was ich vorerst nicht plane, sind Urlaubsreisen; aus verschiedenen Gründen ist das im Moment nicht sinnvoll möglich.

Mittwoch: „Der Zweck eines Unternehmens ist es, seinen Kunden zu nutzen“, las ich in einer Mitteilung. Mein erster Gedanke: Müsste es nicht „nützen“ heißen? Aber nein, sagt der aktuelle Duden, beide Wörter bedeuten dasselbe, die ü-Form ist in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz gebräuchlicher. Nun gut. Dennoch erscheint mir der Satz verlogen: Wesentlicher Zweck eines jeden gewerblichen Unternehmens ist es, Gewinn anzuhäufen. Wenn es dabei den Kunden nutzt oder nützt, umso besser; sein ureigenster Zweck ist es nicht. Wer anderes behauptet, lügt. Keine Zweifel hegte ich, lautete der Satz stattdessen: „Der Zweck eines Unternehmens ist es, seine Kunden (und Mitarbeiter) auszunutzen.“

Donnerstag: Die Raumtemperatur im Büro lässt noch immer eine gewisse Behaglichkeit vermissen. Angeblich sind bereits Techniker mit der Heizung beschäftigt, bislang offenbar ohne fühlbaren Erfolg. Vielleicht befindet sich der Werksheizer auch noch im Weihnachtsurlaub. Da helfen bis auf Weiteres nur eine dicke Strickjacke und warme Gedanken, die sich im Büro indes eher selten einstellen.

Ansonsten ging ich heute zu Fuß ins Werk und zurück. Was auffiel, waren die vielen Menschen, die abends trotz dräuender Dunkelheit, Kälte und Nieselregen die Rheinpromenade bevölkerten, so viele wie sonst an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Es würde mich nicht wundern, wenn auch dort bald Maskenpflicht herrscht.

Freitag: Ins Werk fuhr ich bei Schneeregen, wie im Lichtkegel der Fahrradlampe zu erkennen war. Hätte mir vor einem Jahr jemand bei vergleichbarem Wetter vorgeschlagen, doch mal mit dem Fahrrad statt der Bahn zu fahren, hätte ich mich wohl höflich nach seinem Geisteszustand erkundigt. Und obwohl bei Ankunft die Hosenbeine feucht und die Brille undurchsichtig vor Wassertropfen waren, erfreute ich mich freitäglich-angenehmer Stimmung. Erstaunlich, was alles geht und wie wenig es ausmacht, wenn man es einfach tut.

Auch musste ich im Büro nicht länger frieren, entweder waren die Heizungstechniker erfolgreich oder der Werksheizer hat nach frischer Kohlenlieferung seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Zwischendurch öffnete ich sogar das Fenster kurz, undenkbar an den Tagen zuvor.

Liebe Kollegen, aus gegebenem Anlass vernehmet dieses: Wenn ihr mir eine Einladung zu einer Besprechung schickt, ohne darin das Thema wenigstens kurz zu umreißen, rechnet bitte nicht mit einer Zusage.

Zur Unterstützung der örtlichen Gastronomie holten wir uns abends etwas vom Lieblingsitaliener, was zuvor einen Blick in die Speisekarte erforderte: „Ich hätte gerne was mit Ei.“ – „Ich dachte du verträgst keine Eier.“ – „Nur deine nicht.“ Die Stimmung war ansonsten ausgezeichnet.

Keine Macht den Drogen. Gleichwohl ist es immer wieder ein schöner Moment, wenn sich am Freitagabend mit dem ersten Getränk die Leichtigkeit des Wochenendes einstellt.

Samstag: „CDU-Frauen wollen Laschet“, ist ein kurzer Artikel im General-Anzeiger überschrieben. Ich stelle mir dabei vor, wie sich eine Schar lüsterner Zahnarztgattinnen vor dem Düsseldorfer Präsidentenpalast versammelt und im Chor ruft: „Laschi, mach uns ein Kind!“

In derselben Zeitung ein lesenswerter Rückblick auf ein Jahr mit Corona und menschliche Verhaltensweisen. Kostprobe:

»Eine nationale Sache auf Tod und Leben. Wer ist zuständig? Das kommunale Gesundheits­amt! So ähnlich, wie wenn beim Einmarsch der Russen das Ordnungsamt kontrollieren soll, wie die Panzer geparkt sind. […] Man soll es nicht tun? Man darf es nicht tun? Es ist gemein gegen andere? Es ist lebensgefährlich? Is‘ mir egal, ich will aber! Also knubbeln sich Tausende an der Schinkenstraße und auf der Rodelpiste. […] Verstandeskrise. Stell dir vor, tausend Leute sterben, und ein Typ sagt in die Kamera: „Ich glaube die Zahlen nicht.“ Journalismuskrise: Der Typ hinter der Kamera sendet das auch noch zur Primetime.«

(Aus: „Das Es und das Wir“ von Wolfgang Pichler, erschienen im General-Anzeiger Bonn am 9. Januar 2021)

Sonntag: Kennen Sie das, wenn man ein störendes Geräusch erst in dem Moment bemerkt, da es verstummt? So geht es mir einem der Lufterfrischung dienenden Apparat, der seit geraumer Zeit Bestandteil der häuslichen Gerätelandschaft ist. Weil immer was in der Luft liegt, rauscht er je nach gemessenem Luftverschmutzungsgrad mal lauter, mal leiser vor ich hin. Anders bei Staubsauger, Wäschetrockner und Max Giesinger: Da tritt das Störempfinden unmittelbar ein.