Rosenkrieg!

Gestern war ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Poetry-Slam-Lesung. Die Veranstaltung heißt „Rosenkrieg“ und läuft jeweils am letzten Sonntag jedes Monats im NYX in der Bonner Altstadt (ja ja, ich weiß, eigentlich „Innere Nordstadt“!), die „Macher“ des Rosenkriegs sind Florian Müller und ein gewisser Florian H. H. Graf von Hinten, weitere Details dazu gibt es hier.

Die Zahl der Zuhörer war eher überschaubar, und es traten nur vier Schreiberlinge gegeneinander an (deren Namen ich mir leider nicht gemerkt habe), sonst sollen es wohl mehr sein; dennoch oder vielleicht gerade deshalb war es ein sehr unterhaltsamer Abend. Gelesen (bzw. in einem Fall auswendig vorgetragen) wurde in drei Runden, erste und zweite Runde jeweils alle vier, dritte Runde die beiden Poeten, die zuvor vom Publikum die meisten Rosen erhalten hatten; eingeleitet wurde jede Runde durch jeweils einen außer Konkurrenz gelesenen Text der beiden Florians. Das mit den Rosen geht so: nach jeder Runde geben die Zuhörer durch Heben langstieliger Rosen zu erkennen, welche Texte ihnen gefallen haben, nach der dritten Runde wirft man die Rose dann seinem Favoriten auf die Bühne vor die Füße; wer am Ende den dicksten Rosenstrauß aufweisen kann, hat gewonnen, ganz einfach.

Es kam auch zu einem Zwischenfall, ich zitiere von der Rosenkrieg-Internetseite:
„Ferner gilt:
Jeder dessen Handy während der Veranstaltung klingelt wird umgehend verhaftet und auf die Bühne transportiert. Dort muß er ein von uns aus der Mundorgel ausgewähltes Lied vortragen!“

Diesen Satz hatte ein junger Mann aus dem Publikum offenbar nicht vorher gelesen oder nicht damit gerechnet, dass sie es damit ernst meinen, und das tun sie: Nachdem sein Handy piepte, fand er sich kurz darauf auf der Bühne wieder und durfte uns mit „Die Affen rasen durch den Wald“ erfreuen; na ja, früher in der CVJM-Jungschar haben wir es mit etwas mehr Elan intoniert, fast war ich versucht, auf die Bühne zu springen, dem armen Kerl die Mundorgel mit einem beherzten „Gib mal her“ zu entreißen und ihn somit von seinem Schicksal zu erlösen…

Am besten gefallen haben mir übrigens die Vorträge der beiden Florians, vor allem des Grafen, aber für die konnte man ja nicht stimmen.

Apropos stimmen: Bislang war ich Lesewettbewerben gegenüber immer sehr skeptisch; Schreiben ist meines Erachtens nichts, was sich besonders gut dazu eignet, Wettkämpfe zu gewinnen wie z. B. Kugelstoßen, dazu sind Texte einfach zu unterschiedlich und die Gut-Schlecht-Kriterien zu subjektiv. Das ist ja das angenehme beim „Jourfitz“ des @vergraemer, die Leute lesen dort aus Spaß an der Sache und nicht, um zu gewinnen. Nachdem ich jedoch gestern gesehen habe, wie locker-unverkrampft die Veranstaltung lief und wie viel Spaß auch dort die Vortragenden hatten, habe ich meine Meinung hierzu etwas gelockert.

Nun das für mich wesentliche: während der Vorträge spürte ich ein gewisses Kribbeln, selbst mal daran teilzunehmen und nicht nur im Publikum zu sitzen. Dass mir das Lesen von eigenen Texten vor Publikum großen Spaß macht, habe ich ja schon hier angedeutet, warum also nicht auch einmal „um die Wette“? Selbst wenn ich nach der ersten Runde raus sein sollte, die eine oder andere Rose bekomme ich vielleicht auch gehoben mit meinen textuellen Ergüssen… (ich hoffe nun auf viele Kommentare im Sinne von „klar schaffst du das“). Ja, ich bin versucht, mich für den nächsten Rosenkrieg am 23. Januar anzumelden. Soll ich…?

Problemzonen

Meine Nase passt Ihnen nicht? Meine Füße sollten Sie erstmal sehen! Ja, ich habe ein gestörtes Verhältnis zu Füßen, insbesondere zu meinen eigenen. Das hat weniger olfaktorische Gründe – die Schweißfüßigkeit habe ich glücklicherweise schon vor Jahren überwunden -, die Ursache ist vielmehr in ihrer Physiognomie zu finden. Schuld ist Oma.

Meine Großmutter mütterlicherseits war eine richtige Bilderbuch-Oma: das graue Haar am Hinterkopf zu einem Dutt gebunden, bekleidet zumeist mit einem Küchenkittel, ostpreußischer Akzent und immer liebenswürdig und freundlich zu uns Kindern. Ich liebte meine Oma.

Oma hatte nur einen Makel: schrecklich krumme Füße, dergestalt, dass sich der große Zeh stark nach innen, in Richtung der anderen Zehen bog und an der Innenseite jedes Fußes ein riesig-hässlicher Fußballen spitz hervorstand. Die medizinische Fachwelt hat auch einen Fachausdruck dafür: Hallux Valgus. Klingt irgendwie freundlich, fast lustig; Hallux Valgus könnte zum Beispiel auch eine Figur aus der Augsburger Puppenkiste heißen. Ich glaube, Oma machte sich nichts daraus, sie war keine Frau, die sich an solchen äußerlichen Unzulänglichkeiten gestört hätte.

Soweit, so gut. Leider hat Oma ihren Hallux Valgus an zahlreiche Nachkommen weiter vererbt; einige meiner Tanten, Cousins, Cousinen, mein Bruder und leider auch ich können unsere verwandtschaftlichen Beziehungen allein über unsere Füße problemlos glaubhaft machen.

Nun will ich nicht klagen, ich habe insofern Glück, als dass bei mir – im Gegensatz zu einigen Verwandten – keine schmerzhaften Beschwerden mit den Krummzinken einhergehen, auch sonst haben sie mir bislang keine messbaren Nachteile beschert. Sieht nur total scheiße aus, wer es nicht glaubt, siehe hier (Abbildung ähnlich).

Drei Anläufe habe ich bereits unternommen, diesen Makel beseitigen zu lassen, wozu leider eine Operation erforderlich ist, und davon rieten mir die Ärzte jedes Mal ab, mangels Beschwerden. Keine Beschwerden? Wenn die wüssten, wie ich leide, im Schwimmbad, in der Sauna, am Strand, oder wenn ich irgendwo zu Besuch bin und es heißt: bitte Schuhe aus.

So, nun kennen Sie meine Problemzonen. Ich werde niemals im Sommer unbeschwert mit Flip Flops durch die Stadt laufen können. Allerdings würde ich das auch nicht tun, wenn ich statt meiner Charakterfüße ganz normale hätte wie Sie und andere. Insofern habe ich Oma nichts vorzuwerfen.

Winterimpressionen

Nachdem die Spuren des Heiligabend beseitigt waren, die Schwiegereltern die Rückreise nach Ostwestfalen angetreten hatten und mein Kater halbwegs abgeklungen war, machte ich heute Nachmittag einen kleinen Spaziergang durch den Schnee an den Rhein. Hier ein paar Impressionen:

Bild 1 – Die Kugel hin an dem Strauch, ich habe sie nicht aufgehängt. „Kultur rettet…“ – was mag es bedeuten?
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Bild 2 – Der Rhein in seinem kalten Bett…
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Bild 3 – …was die gefiederten Gesellen nicht davon abhielt, einen auf Strandurlaub zu machen, was mich veranlasste, nach Hause zu gehen, den Ofen anzumachen und eine Kanne Tee zu kochen.
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Stille

Weihnachten, das Fest der Stille und Besinnung. Mit dem folgenden Text möchte ich einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Stille
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Das musste ich mal loswerden.

Spam ist lustig.

Heute bekam ich folgende E-Mail:

Am 22.12.2010 um 08:00 schrieb Jochen Schmidt:

Hi Kubicki,

ich bins, Jochen – kannst Du Dich noch an mich erinnern?
Ich war der dicke kleine Junge, den alle geaergert haben.
Jetzt habe ich vorher ein Foto von Dir gesehen, Kubicki
und ich war erschrocken – Du hast auch schon zugenommen?

Jetzt kenne ich Dein Problem und wollte Dir auch mein
Geheimnis verraten – da ich heute sicher bin, dass das
Produkt auch genau tut was es verspricht: Fett verbrennen!

Fuer 2011 habe ich mir vorgenommen, noch mehr abzunehmen!

Hier ist die Webseite mit mehr Informationen:

http://www.nie-wieder-zu-dick…

Aber nur wenn Du es echt ernst meinst, Kubicki 😉

Guten Rutsch schon mal!

Gruss,
Jochen

Da ich, wie allgemein bekannt, ein höflicher Mensch bin, antwortete ich umgehend:

Hi Schmidt,

klar kann ich mich erinnern, schließlich war ich doch einer von denen, die dich besonders gerne und oft geärgert haben. Der kleine dicke hässliche Schmidt, das ist ja echt eine Überraschung… wie lange ist das jetzt her? Schön, dass du mich nach all den Jahren auf einem Bild wiedererkannt hast, auch wenn du darüber erschrocken warst. Wo hast du mein Bild gefunden?

Wie ist es dir inzwischen gegangen? Lass mich raten: noch immer bist du klein und dick, noch immer ärgern dich alle, und das treibt dich so sehr in die Verzweiflung, dass du dumme Werbe-E-Mails an wildfremde Menschen schreibst, stimmt’s?

Übrigens: mein Problem, so wie du es nennst, bewegt sich noch in erträglichen Grenzen. Gewiss, ein leichtes Bäuchlein kann man erkennen, wenn man ganz genau hin schaut, was in meinem Alter wohl auch erlaubt ist, dennoch gehört bei 1,83 Meter Körpergröße und 66 bis 68 Kilo, je nach Laune der Waage, Fettleibigkeit zurzeit nicht zu meinen vordringlichen Problemen. Sollte sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern, komme ich auf dein „Geheimnis“ gerne zurück und mache es auch zu meinem, versprochen.

Bis dahin alles Gute beim Fett verbrennen!
Stancer

Er wird wohl nicht antworten.

Nachtrag 23.12.2010: Bitte beachten Sie den nachfolgenden Kommentar unten.