Spargelzeit

Einstmals, als alle Mammuts und Beeren verzehrt waren,
Suchte der Mensch im Boden nach etwas Essbarem.
Bald fand er eine Wurzel und biss in sie hinein
und dachte „Mmh, wie lecker, die stecke ich mal ein.“
Was einst er fand, getrieben von Hunger und Urinstinkt,
liebt heut’ er noch, mit Butter – auch wenn danach der Urin stinkt.

Spargel - 1

Kritik der Digitale

In diesen Tagen treffen sich in Berlin rund achttausend Menschen zur re:publica, der alljährlichen heiligen Messe der Digitalgemeinde. Ich war noch niemals dort, und die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering, dass sich daran jemals etwas ändern wird, beim besten Willen wüsste ich nicht, was ich dort soll. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, keineswegs entziehe ich mich der Digitalisierung (sonst könnten Sie diese Zeilen hier gar nicht lesen), indes beschleicht mich eine zunehmende Skepsis gegenüber ihrer allgegenwärtigen Vergötterung und Heiligsprechung.

Für fast alles gibt es heute eine App, die Zimmerbeleuchtung lässt sich nur noch mit Hilfe des Smartphones ein- und ausschalten, die Klospülung reagiert geruchsabhängig, Kühlschränke bestellen automatisch nach, wenn das Dosenbier alle ist, und Autos fahren demnächst autonom, womit der Begriff „Automobil“ erst so richtig seine Bedeutung entfaltet. Zum Glück wird das Analoge voraussichtlich dennoch nicht völlig verdrängt werden, oder können Sie sich vorstellen, digital zu küssen, zu lieben, ein Trüffeloemlette zu genießen, den Duft von Flieder oder frisch gemähtem Gras aufzunehmen?

Der SPIEGEL veröffentlichte hierzu kürzlich einen bemerkenswerten Artikel von Harald Welzer. Auch wenn ich nicht mit allen Thesen des Verfassers übereinstimme: Die Idee, die staatlichen und gewerblichen Datenhaie gezielt und systematisch zu überfüttern, finde ich ausgesprochen reizvoll.

Dig1

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So, nun gehen Sie bitte nach draußen, die Sonne scheint heute herrlich. Ach Sie sind schon draußen? Dann stecken Sie dieses Ding weg und genießen Sie ein kühles Getränk im nächsten Biergarten. Oder laufen Sie wenigstens nicht gegen eine Laterne.

Zum Weltlachtag

Heute ist nicht nur Tag der Arbeit, zudem Namenstag von Arnold, August und Maximilian, sondern auch Weltlachtag. Stand jedenfalls gestern in der Zeitung. Hierzu wünsche ich Ihnen viel Vergnügen mit einem Dichterwort:

Kostenübernahme
Ein guter Scherz zur rechten Zeit,
Ein Bier, sich zuzuprosten,
Erfreun das Herz, vor allem wenn
Ein anderer trägt die Kosten.

***

Nachtrag: Herzlich zum Lachen brachte mich heute die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit einer Beschreibung des BMW i3, obwohl mein Interesse für Autos als eher homöopathisch zu bezeichnen ist:

bmw i3 - 1

bmw i3 - 2

Reisewarnung

Wir leben in unsicheren Zeiten. Neulich nahm ich an einer dienstlichen Busreise nach Aachen teil. Da ich es bei Reisen aller Art bevorzuge, meinen Blick aus dem Fenster zu richten anstatt auf ein Gerät in meiner Hand, und da unser Busfahrer nicht zu den Schleichern zählte und deswegen die meiste Zeit die mittlere Fahrspur der A4 nutzte, schaute ich, was die von uns überholten LKW-Fahrer so machten. Nämlich dieses:

Sie telefonierten,
sie lasen mein Blog oder wasweißichwas auf dem Datengerät,
sie lasen Zeitung,
sie aßen und tranken,
einer wischte Staub,
einer rasierte sich,
einer onanierte,
einer machte seine seine Steuererklärung.

Na gut, die letzten vier sind Nektar aus der Blüte meiner Phantasie, ich habe sie freihändig hinzugefügt. Gewundert hätte es mich indes nicht. Ein paar wenige fuhren auch einfach, den Blick auf die Fahrbahn gerichtet. Aber wahrscheinlich dachten sie dabei an Sex mit ihrer Steuerberaterin oder, je nach Präferenz, dem Finanzminister.

In Anbetracht dieser beunruhigen Beobachtungen erscheint es nicht mehr ratsam, sich zum Zwecke des Reisens auf die Straße zu begeben. Aber wie sollen wir uns sonst fortbewegen? Mit der Bahn? Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war der Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge im Februar in der Nähe von Bad Aibling darauf zurückzuführen, dass ein Fahrdienstleiter seine Aufmerksamkeit nicht der Regelung des Zugverkehrs widmete, sondern einem Spiel auf seinem Smartphone.*

Also nur noch mit dem Fahrrad oder zu Fuß? Bloß nicht! Schauen Sie sich die Digitalsklaven in Ihrer Umgebung an: Mindestens achtzig Prozent aller Radfahrer lassen sich freihändig fahrend von ihren Kopfhörern beschallen, derweil sie die neuesten Facebook-Nachrichten lesen.

Am besten bleibt man einfach zu Hause im Bett. Für alles andere außerhalb der eigenen Räumlichkeiten, das man dadurch verpassen könnte, gibt es Apps.

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* Das ist nicht lustig. Und bei allem Respekt gegenüber der Staatsgewalt: Es fällt mir schwer, das zu glauben. Wer sich ein bisschen mit der Eisenbahn beschäftigt, weiß, dass bei der heutigen Sicherheitstechnik der Bahn schon einige sehr gezielte, vom Regelablauf abweichende Tätigkeiten erforderlich sind, um es zu schaffen, zwei Züge gleichzeitig auf eine eingleisige Strecke zu schicken. Reine Unaufmerksamkeit durch ein Ballerspiel reicht dazu nicht aus. Der Respekt vor den zwölf Toten und über achtzig Verletzten verbietet es, Mutmaßungen darüber anzustellen, ob es sich bei dem Spiel um eines mit Zügen handelte.

Nicht nur in Bonn blühen die Kirschen

Wie jedes Jahr blühen in der Bonner „Altstadt“ die Zierkirschen und ziehen mit ihrer rosafarbenen Pracht immer mehr Menschen aus nah und fern an, das Blütenwunder zu bestaunen, zu fotografieren und zu feiern; erstmals wurden in diesem Jahr zeitweise gar die Hauptblühstraßen für den Autoverkehr gesperrt, um die im Staunen und Fotografieren versunkenen nicht zu gefährden.

Doch nicht nur in Bonn blühen Kirschen, sondern auch in der französischen Provence, wo wir sie in der zurückliegenden Woche bewundern konnten. Die provencalischen Blüten sind zwar nicht so schön rot, dafür wachsen aus ihnen in einigen Wochen wunderbare, wohlschmeckende Früchte, während die Bonner Blüten in ein paar Tagen von Bonnorange aufgekehrt werden.

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