Mitgehört: Aufzuggespräch

Wie sehr ich Aufzuggespräche am Morgen mag, besonders, wenn ich ihnen als unbeteiligter Mitfahrer nicht entgehen kann, erwähnte ich schon gelegentlich. Heute Morgen reiste ich auf dem Weg in mein Büro mit zwei schwarzbeanzugten Laptoptaschenträgern (LTT), die folgendes von sich gaben:

LTT 1: „Was macht die Front?“
LTT 2: „Sie ist ganz schön unterwegs und sorgt für Umsatz.“

So so, die Front ist also unterwegs, interessant. Bevor ich gezwungen war, einen von beiden zu beißen, war ich zum Glück in meinem Stockwerk angekommen und schrieb das vorstehende sogleich auf, noch bevor ich meinen Rechner startete.

Über den freien Willen

„Dein Wille geschehe“ – die bibelfesten unter Ihnen mögen diesen Satz noch als Bestandteil des Vaterunser kennen. Wenn auch die Bibelfestigkeit in heutiger Zeit eine immer geringere Rolle spielt, so hat dieser Satz an Aktualität nichts verloren, im Gegenteil: Einige Geisteswissenschaftler vertreten die Ansicht, der freie Wille des Menschen sei nicht in dem Maße existent, wie wir es bislang dachten und es uns vielleicht wünschten; im Grunde seien wir trieb- und instinktgesteuert wie die Motte, die ziellos die Kerzenflamme ansteuert und verglimmt.

Erst neulich las ich hierzu wieder ein interessantes Interview, in dem unter anderem die Frage aufgeworfen wurde, wie denn unter dieser Annahme mit Straftätern umzugehen sei; kann man sie für ihre Taten wirklich zur Verantwortung ziehen, wenn sie nicht aus freiem Willen heraus handelten, sondern vielmehr eine innere oder äußere Macht, die sie selbst nicht beeinflussen können, ihnen die Hand führte, als sie der Oma die Handtasche raubten oder schlimmeres taten? Aber so weit will ich gar nicht gehen, diese Diskussion überlasse ich anderen.

Fest steht: Ich habe keinen Zweifel an der Begrenztheit des freien menschlichen Willens, dazu muss ich nicht auf Gauner und Verbrecher schauen, ein Blick in den Spiegel genügt. Es fängt schon morgens an, wenn der Wecker mir auf den Wecker geht und mich aus dem Bett treibt. Von freiem Willen ist dieses Aufstehen zur Unzeit, nur weil mein Arbeitgeber mich gerne sehen möchte, weit entfernt.

Nehmen wir das weite Feld des Genusses. Ein Glas guten Weines umschmeichelt Gaumen und Seele, ein zweites lässt das Licht der Leichtigkeit leuchten, ein drittes unterstreicht die erfreulichen Auswirkungen der ersten beiden. Dazu ein bis zwei Zigarettchen, und das Leben ist unbeschwert schön. Bis dahin. Dann verabschiedet sich der freie Wille, vielleicht geht er schlafen, oder er wird gefangen genommen und verschleppt, wie auch immer, jedenfalls wache ich am nächsten Mittag auf, der Schädel brummt, der Magen mosert, in der Küche schauen mich zwei leere Weinflaschen und eine leere Zigarettenschachtel unschuldig an.

Eines der anschaulichsten Kapitel menschlicher Willenlosigkeit ist der Geschlechtstrieb, dessen ursprüngliche Funktion der Arterhaltung längst ein kümmerliches Randdasein fristet, was ich keineswegs beklage, im Gegenteil. Was treiben wir doch manchmal für einen Aufwand für diese paar Minuten hin und her, bis das schöne Gefühl kommt, gehen nächtelang in dunklen Spelunken auf die Jagd, auf dass eine(r) – na ja – anbeiße; manche geben richtig viel Geld aus für triebmindernde Dienstleistungen, was ich ebenfalls keineswegs anprangere, weder die Nutzer- noch die Anbieterseite. Gäbe es hingegen einen freien Willen, bliebe man mit dem oder der Liebsten, oder in Ermangelung derer, alleine zu Hause und genösse das Leben bei einem Buch oder einem Glas Wein, siehe oben.

Ein weiteres Feld, welches nur schwer mit der Existenz eines freien Willens in Einklang zu bringen ist, sind die so genannten sozialen Netzwerke, Facebook, Twitter und wie sie alle heißen. (Ja, dieses Blog natürlich auch, siehe vorangegangenen Blog-Eintrag.) Was veranlasst einen Menschen, sich derart vor aller Welt zu entblößen, durch Geschwätz und Bilder? Die Antwort ist einfach: das Streben nach Aufmerksamkeit in Form von Rückmeldungen, „Gefällt mir“-Daumen, Sternchen, immer mehr „Freunde“ und „Follower“, einem gewissen Ruhm innerhalb der jeweiligen virtuellen Welt, der außerhalb dieser keinen Cent wert ist. Das Buhlen um Beachtung ist gewissermaßen der natürliche Feind des freien Willens.

Weitere Belege ließen sich mühelos finden, doch möchte ich Sie nicht länger mit meinen Schwächen und Unzulänglichkeiten langweilen. Ich muss jetzt auch Schluss machen, der Fernseher ruft.

Grundsätze der Aufgabenerledigung im abhängigen Beschäftigungsverhältnis

In dieser Woche hatte ich das Vergnügen, an einem Seminar meines Arbeitgebers für Selbst- und Zeitmanagement teilzunehmen, was keineswegs ironisch gemeint ist, das Seminar war wirklich gut, auch wenn ich nicht so ganz viel neues gelernt habe, weil ich mich schon lange mit diesem Thema befasse und mir deshalb einbilde, schon vorher einigermaßen strukturiert gearbeitet zu haben. Aber es gibt ja bekanntlich nichts, was sich nicht noch verbessern ließe.

Für alle, die dieses Thema interessiert, hier noch einmal eine Zusammenfassung der (für mich) wichtigsten Erkenntnisse, garniert mit einigen eigenen Erfahrungen, die vermutlich so (noch) in keinem einschlägigen Lehrbuch zu finden sind. Vielleicht schreibe ich eines Tages selbst mal eins.

Umgang mit einer neue Aufgabe
Der Büroalltag könnte so schön sein, würde man nicht ständig mit E-Mails belästigt, aus welchen nicht selten neue Aufgaben erwachsen. Bei Eintreffen einer neuen Aufgabe stelle man stets folgende Überlegungen an:

1.) Muss diese Aufgabe überhaupt erledigt werden?

a) wenn nein: ignorieren, E-Mail löschen oder, wer sich das nicht traut, ablegen.

b) wenn ja: weiter zu 2.)
2.) Muss ICH diese Aufgabe erledigen?

a) wenn nein: an richtigen Bearbeiter weiter leiten (bzw. an einen Kollegen, in dessen Wortschatz das Wörtchen „Nein“ nicht vorkommt) oder sich beim Aufgabensteller für nicht zuständig erklären.

b) wenn ja: weiter zu 3.)
3.) Aufgabe nach dem Eisenhower-Prinzip priorisieren

a) Wichtig und dringlich (A-Aufgabe): sofort oder möglichst bald erledigen.

b) Wichtig, aber nicht dringlich (B-Aufgabe): Bearbeitung terminieren und termingerecht erledigen, bevor sie zur A-Aufgabe wird.

c) Dringlich, aber nicht wichtig (C-Aufgabe): mit so wenig Aufwand wie unbedingt nötig erledigen. Merke: Es muss nicht immer Powerpoint sein, oft genügt ein einfaches Word-Dokument.

d) Weder wichtig noch dringlich: siehe 1.) a). Wenn das nicht möglich ist, mit geringer Priorität und geringstmöglichem Aufwand irgendwann erledigen. Sofern es sich dann nicht inzwischen von selbst erledigt hat.


Hinweis: unangenehme Aufgaben oder solche mit geringem Lustfaktor bearbeite man möglichst als erste innerhalb der Priorität (A, B, C). Auch beachte man stets das Pareto-Prinzip, wonach 80% der vom Chef / vom Unternehmen geforderten Ergebnisse nur 20% des Zeitaufwandes erfordern; der Rest geht also für unwichtiges drauf.

Alle unvermeidlichen (d. h. selbst zu erledigenden) Aufgaben fixiere man schriftlich mit Priorität und vorgesehenem Erledigungstermin und berücksichtige sie in der

Tagesplanung
Den Arbeitstag plane man möglichst am Vorabend nach der „ALPEN-Methode“:
A – Aufgaben für den Tag zusammenstellen („Was will ich morgen alles erledigen?“)
L – Länge/Zeitbedarf für jede Aufgabe schätzen und Gesamtbedarf ermitteln („Wie lange brauche ich dafür voraussichtlich?“), dabei
P – Puffer einplanen: maximal 60% der Arbeitszeit verplanen, den Rest für Unvorhergesehenes freihalten („Wer weiß…“).
E – Entscheidungen über Priorisierung (A, B, C) treffen, immer wieder prüfen, welcher Aufwand für einzelne Aufgaben gerechtfertigt ist und ob sie nicht doch delegiert bzw. abgedrückt werden können („Wie kann ich die Aufgabe möglichst effizient bearbeiten?“).
N – Notieren im Zeitplan: Welche Aufgabe soll wann bearbeitet werden? Dabei Blöcke bilden (z. B. A-Aufgaben oder Telefonblock) und persönliche Leistungskurve (Mittagstief!) sowie Zeiten der geringsten Störungen von außen berücksichtigen („Wann mache ich was?“)

Grundsätzlich:

– Jeden Arbeitstag möglichst positiv beginnen und beenden, z. B. durch Rituale.

– Festlegen, wie lange man heute im Büro bleiben wird, geplantes Arbeitsende möglichst konsequent einhalten. Wenn man wider Erwarten früher fertig ist: früher gehen.

- Täglich eine „stille Stunde“ reservieren für persönliche Planung und Rückschau.

– Ausreichend Pausen machen, also wirklich Pausen und nicht währenddessen E-Mails
 lesen.

– Erfolge feiern, Lob annehmen und die eigene Leistung nach oben bzw. außen nicht relativieren („War ja nicht so schwer“)

– Den Feierabend planen und sich darauf freuen!

– Keine Arbeit mit nach Hause nehmen, auch nicht gedanklich (ja, das ist oft gar nicht so einfach…)

– Geplante, aber unerledigte Aufgaben auf den nächsten Tag übertragen (wenn möglich; wenn nicht, länger im Büro bleiben).

Umgang mit Störungen und Kommunikationsmitteln
– Sämtliche Benachrichtigungen über den Eingang neuer E-Mails deaktivieren!
– Wenn vom Unternehmen bzw. Chef geduldet, Anrufbeantworter und Mobilbox deaktivieren; auf verpasste Anrufe grundsätzlich nicht zurückrufen, es sei denn, der Anrufer bittet per E-Mail oder SMS ausdrücklich darum, oder Sie haben auf diesen Anruf gewartet. Oder der Anrufer ist der Chef…
– E-Mails in Blöcken bearbeiten, z. B. nur alle drei Stunden; E-Mail-Blöcke im Tagesplan berücksichtigen.
– Wenn man sich gerade auf eine wichtige Aufgabe (A oder B ) konzentrieren muss, grundsätzlich nicht ans Telefon gehen. Wenn es wichtig ist, wird sich der Anrufer nochmals melden, oder eine E-Mail schreiben.
– Unangemeldeten Besuchern keinen Platz anbieten. Wenn erforderlich, deutlich machen, dass es jetzt gerade nicht passt mit dem Angebot, sich später zu melden (und das dann möglichst auch tun).
– Am Telefon gleich zur Sache kommen, nicht lange rumsülzen. Smaltalk ist überbewertet und hält alle Beteiligten unnötig auf.
– Wichtig: „Nein“ sagen können! Wer es nicht kann, muss es üben; vielleicht nicht gerade beim Chef, das ist nur was für Fortgeschrittene.

Zum Schluss noch ein Hinweis:
Bevor man die innere Kündigung ausspricht, prüfe man, ob man die Situation oder die eigene Einstellung zum Job ändern kann. Wenn nicht, suche man sich einen anderen Job, so schwer und unbequem es auch erscheint. Trotz innerer Kündigung weiter zu arbeiten, macht auf Dauer krank. Dennoch: es ist legitim, ab und zu, aber auch wirklich nur ab und zu, wenn mal wieder „oben“ eine unsinnige Entscheidung getroffen wurde, zu denken: „Na gut, ich spiele euer Theater mit, schließlich bezahlt ihr mich gut dafür“. Aber nur denken!

Weitere Tipps zur möglichst angenehmen Gestaltung des Arbeitsalltags nehme ich gerne entgegen.

Nur ein Stück Haut

Ganz ehrlich: Ich verstehe diese ganze Beschneidungsdiskussion nicht. Wieso soll deshalb kein jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland mehr möglich sein? Die letzte rechtmäßige Steinigung auf deutschem Boden liegt – zum Glück – auch schon einige Zeit zurück, dennoch ging und geht das Leben irgendwie weiter. Ich selbst lebe seit geraumer Zeit recht zufrieden mit meiner Vorhaut, möchte sie nicht missen, und dennoch bin ich mir sicher: Gott liebt mich. Jedenfalls spricht einiges dafür.

Über Berge und blaue Rauten

Liebe Schweizer,

es ist an der Zeit, ein Loblied auf euch und euer Land anzustimmen. Wer denkt nicht als erstes an eure Berge, wenn er Schweiz hört, das Matterhorn, den Gotthard, dessen Schoß Rhein und Rhone gebiert; eure Almen werden nicht erst seit Heidi gerühmt und besungen, im Sommer grün, im Winter weiß und als Skigebiete beliebt. Berühmt sind eure Löcher, seien es gelbe im Emmentaler Käse oder schwarze im Genfer CERN. Neben dem Käse, sei es am Stück oder als Fondue, verwöhnt ihr unsere Geschmackssinne mit Rösti, Toblerone und Ricola, und auch mit Müsli – wer hat‘s erfunden? Die Schweizer!

Wie arm wäre die menschliche Kultur ohne Emil, Kurt Felix oder DJ Bobo, jeder richtige Junge hat ein original Schweizer Taschenmesser in der Hosentasche. Und dass ihr so sprecht, als littet ihr unter einer fortgeschrittenen Rachenentzündung, macht euch nur noch liebenswerter. Euer Eisenbahnwesen ist vorbildlich, der öffentliche Personen-Nahverkehr ermöglicht jedem noch so kleinen Dorf die Teilnahme an der Eidgenossenschaft.

Apropos Nahverkehr: Auch das Liebesleben ist euch ein wichtiges Anliegen, welches nicht an eurer Landesgrenze endet, sondern auch die Menschen nördlich des Bodensees einbezieht. Menschen wie mich. Dies beweisen die Angebote eurer Swiss-Apotheke, welche nicht müde wird, mir nahezu täglich per elektronischer Post die bekannte blaue Raute zu offerieren; hierfür bedanke ich mich sehr.

Aber mal unter uns: Ja, ich bin keine zwanzig mehr, daher kann ich wirklich nicht mehr so oft wie früher, und will es auch nicht unbedingt, man hat ja noch anderes zu tun, mit fortschreitendem Alter verschieben sich die Schwerpunkte etwas. Nur: müsst ihr mir das unbedingt täglich unter die Nase reiben? Daher eine kleine Bitte: Ich weiß eure Fürsorge wirklich zu schätzen, doch wäre ich euch dankbar, von weiteren Angeboten vorläufig abzusehen. Bei Bedarf werde ich eine Packung bestellen, ganz bestimmt, versprochen, eure Adresse habe ich ja nun.

Eines würde mich zum Schluss noch interessieren: Das Angebot der Swiss-Apotheke umfasst einen Kundendienst 24/7. Bedeutet das, ich kann wirklich jederzeit anrufen, wenn das Ding mal wieder nicht stehen bleiben will wie ein Murmeltier in Wachtstellung, sei es auf heimischer Matratze oder im Darkroom? Was erwartet mich im Falle eines Anrufs, säuselt mir eine erotische Stimme kleine animierende Sauereien ins Ohr, bis das Blut in den Lenden pocht? Falls ja, sollten wir in Kontakt bleiben. Ich melde mich!